Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – X (Zusammenschau)

Juli 25, 2021

Liebe Leser!

In den letzten Wochen und Monaten habe ich hier einige Artikel zu den Themen Nachhaltigkeit und Regionalität geschrieben, die ich nun abrunden möchte, indem ich das ganze Thema nocheinmal revue passieren lasse und versuche, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Viele Menschen, und auch Politiker, sind der Meinung, dass Nachhaltigkeit und Regionalität die beiden Schlüsselbegriffe sind, die uns nicht nur helfen werden, die sogenannte Klimakrise zu bewältigen, sondern auch der Anlaß sein könnten unser gesamtes wirtschaftliches Handeln auf neue Beine zu stellen.

So wie die Erfindung der Druckerpresse und die Landung in Amerika die Symbole für den Aufbruch in die Neuzeit waren, so sollen die Digitalisierung und der Aufbruch zum Mars die Symbole sein für ein neues Zeitalter, welches noch zu definieren sein wird.

Ausserdem möchte ich versuchen, das

Heuristische Kriterium für Nachhaltigkeit und Gleichgewicht

Effektive Erwerbsquote = Nettoeinkommen / Bruttoumsatz (Gl. I.1) = (Gl. X.1)

vom Artikel https://letztersein.com/2021/05/09/der-weg-from-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-i-nomaden/ zu beweisen, zu widerlegen, oder zumindest die Zusammenhänge verständlich zu machen (auch mir selber). Dies wird aber wahrscheinlich noch weiterer Artikel bedürfen.

Die drei großen H – Habitat, Hof und Haushalt

In unseren Beispielen sind wir den drei großen H begegnet:

  1. dem Habitat, das von einer Sippe von Nomaden durchwandert wird
  2. dem Hof, der von einer (Groß-)Familie und vom Gesinde bewohnt wird
  3. dem Haushalt, der von einer „Rumpffamilie“ bewohnt wird

Die drei großen H sind drei unterschiedliche Grundmengen für unsere Überlegungen gewesen. Alles wirtschaftliche Treiben haben wir entweder auf eine Sippe, auf einen Hof oder auf einen Haushalt bezogen. Das war unsere Basis.

Der Begriff Haushalt läßt sich zudem noch allgemeiner interpretieren, zum Beispiel als Staatshaushalt, als der Haushalt eines Bundeslandes, einer Firma oder einer sonstigen Gruppe von Personen.

Dabei haben wir entdeckt, dass der Nomade zu 100% von seinem Habitat abhängig ist (solange es keinen Markt und kein „externes“ Geld gibt, die den Austausch zwischen unterschiedlichen Sippen ermöglichen).

Bei der Hofwirtschaft hat sich die Großfamilie an einen Hof – an ein Gebiet H – gebunden. Der Bauer war also abhängig von „seinen“ Feldern, Wiesen, Wäldern und Gewässern.

Im Gegenzug, dass er sich um sie kümmerte, „gehörten“ sie ihm aber.

Um auch Güter konsumieren zu können, die der „eigene Hof nicht hergab“, wurde der Austausch zwischen den Höfen intensiviert, es kam zu Märkten, zu „externem“ Geld und zu vermehrtem Warentransport.

Der moderne Stadtmensch hat wieder keinen Grundbesitz, obwohl er doch mehr oder weniger sesshaft ist.

Er lebt in einem Haushalt, der nur aufgrund der menschlichen Beziehungen aufrecht erhalten wird, aber nicht aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Familienleben und Produktion sind getrennt und die Rumpffamilie, die ich mit meinem Beruf finanziere, hat keinerlei emotionale Bindung zu ebendiesem Beruf, der sie ernährt.

Da ist man manchmal ganz schön allein gelassen, wenn man „für die Familie“ arbeiten geht und einem trotzdem vorgeworfen wird, dass man „nichts für die Familie tue“.

Vom Schwund zum Kometen

Im Artikel https://letztersein.com/2021/05/11/der-weg-vom-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-ii-zur-hofwirtschaft/ hatten wir uns Gedanken gemacht über die Ethik des Nomaden.

Wie kann das Gütekriterium für Wirtschaft aussehen, wenn es keinen Markt und kein Geld gibt, wenn die einzigen Schrauben, an denen wir drehen können, das Einlagern und das Auslagern von Reserven darstellt. Also zum Beispiel, von haltbar gemachten Lebensmitteln.

Einschub:

Vorher hatten wir noch die Konsumzahl K und die Produktionszahl P definiert:

  • K = Gesamtanzahl Personen / PPÄ
  • P = (Produktion / PPÄ) / (Konsum / Gesamtanzahl Personen)

K / P = Konsum / Produktion (X.1a)

PPÄ sind dabei die „Produzierenden Personenäquivalente“, bezogen auf einen Ganztagsjob und bezogen auf eine Durchschnittsperson.

P ist also „das, was eine produzierende Person produziert, bezogen auf das, was eine Person konsumiert“, jeweils gemessen in Mannstunden Produktionsaufwand.

K ist also „ein Maß für das Mehr an Konsum, das sich aus der Anwesenheit unproduktiver Personen ergibt“.

Wir „riechen“ schon, dass das Ganze auf P = K hinausläuft, dass also, wenn 50% der Personen unproduktiv sind (K = 2), jeder Produzent 2 x soviel produzieren muss, wie er konsumiert (P = 2).

So wollen wir über den „Schwund“ argumentieren.

Eine Nomadengesellschaft ist offensichtlich ethisch in Ordnung, wenn „nichts verdirbt“, wenn man immer „brav aufißt“.

Trotzdem gibt es auch einen Schwund, der „durch höhere Gewalt“ verursacht wird. Wenn es zum Beispiel einmal weniger regnet, dann sind die Wiesen nicht so üppig und die Tiere werden weniger hergeben.

Deshalb muss man mehr produzieren, als man konsumiert, um „die Krise zu überstehen“, was zu einem „unvermeidbaren“ Schwund im Lager führt.

Heuristisches Kriterium für die Güte der Nomadenwirtschaft

shg = 1 – K / P (Gl. II.8) = (Gl. X.2)

K < P (Gl. X2a)

Konsum < Produktion (Gl. X2b)

shg ist dabei der auf die Produktion bezogene „Schwund aufgrund höherer Gewalt“ mit SHG = shg * Produktion. SHG und Produktion werden in „Mannstunden bezogen auf die durchschnittliche produzierende Person und bezogen auf einen Ganztagsjob“ gemessen.

1 – K / P = NEQ = (Einlagerung – Auslagerung) / Erzeugung ist die „Netto-Einlagerungsquote“, bezogen auf die Gesamterzeugung und sollte über einen längeren Zeitraum dem Schwund entsprechen.

Wenn man nun zur Ethik der feudalen Hofwirtschaft übergeht, dann kommt zu all den Überlegungen noch der Markt hinzu und das externe Geld, wie wir hier https://letztersein.com/2021/05/12/vom-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-iii-arbeitsteilige-konsumgesellschaft/ beschrieben haben.

Das „interne Maß“ für die Menge der Produktion war bisher die „Mannstunde, bezogen auf den durchschnittlichen produktiven Menschen dieser Sippe und bezogen auf einen Ganztagsjob in dieser Sippe“, kurz gesagt, die LOKALE MANNSTUNDE.

Jetzt gibt es noch den Export (der externes Geld im Ausmaß R erbringt – Revenue) und den Import (für den man externes Geld im Ausmaß C aufbringen muss – Costs).

Daraus ergibt sich ein Überschuss

Definition von Überschuss

ü := (Export – Import) / Produktion (Gl. X.3),

wobei Export, Import und Produktion immer noch nach lokalen Mannstunden bemessen werden (was beim Import einigermaßen subjektiv ist, weil man die „durch den Import ersparten Mannstunden“ bewerten muss).

Sehr viel objektiver ist die Bewertung nach dem externen Geld

Definition von Gewinn

profit := R – C (Gl. X.4a)

profit = Revenue – Cost (Gl. X.4)

Es kommt zur Warenwirtschaft also noch die Geldwirtschaft hinzu.

R … Revenue

ist der gesamte am Markt erzielte Umsatz mit den exportierten Gütern

C … Costs

sind die Kosten für alle importierten Güter

  1. Güter, die auf anderen Höfen wirtschaftlicher erzeugt werden können
  2. Luxusgüter, die auf dem eigenen Hof überhaupt nicht erzeugt werden können
  3. Steuern und Abgaben für Dienstleistungen des Fürsten
  4. Zinsen für Finanzdienstleistungen aller Art
  5. Versicherungsprämien
  6. der Reingewinn für den Eigentümer
  7. Löhne und Gehälter in externer Währung für den importierten Privatkonsum des Gesindes
  8. Investitionen in bessere/andere Produktions- und Lagertechnologie
  9. usw.

Der profit = R – C

wird also zur Gänze auf die Bank gebracht, um dort

  • die Inflation abzudecken

All das führt uns zum

Heuristischen gemischt real- und finanzwirtschaftlichen Gütekriterium für Hofwirtschaft im Feudalsystem

(R – C) + (1 – (K/P + ü)) * fBU = KPT * infl + shg * fBU  (Gl. III.2) = (Gl. X.5)

wobei

(1 – (K/P + ü)) = NEQ = (Einlagerung – Auslagerung) / Produktion

die „Netto-Sach-Einlagerungsquote“ (bezogen auf lokale Mannstunden) und

(R – C) / KPT

die „Rendite“ (bezogen auf die externe Währung) ist. KPT ist das eingesetzte Kapital.

Beide – Rendite und Netto-Sach-Einlagerungsquote – sind zusammen dazu da

  1. nicht versicherte Risiken zu decken (shg)
  2. die Inflation wieder gut zu machen (infl)

So kommen wir zum

Heuristischen allzeit gültigen Kriterium für „gebunkertes“ Vermögen

Die Einlagerung von Geld- und/oder Sachwerten soll in Summe
der Deckung von unversicherten Risiken
und der Deckung der Inflation dienen.
Sowohl ein mehr als auch ein weniger ist unethisch,

da es entweder zur Inflation der Vermögenswerte führt,
oder den Haushalt durch Risiken verletzbar macht.

Die Riesenmengen an Vermögen, die wir derzeit horten, und ich meine hier „gebunkertes Vermögen“, das also keinen realen Nutzen generiert, lassen sich also nur dadurch argumentieren, dass wir uns auf eine mögliche Katastrophe vorbereiten, beispielhaft sei der Einschlag eines Kometen genannt.

Ob ich Aktienkapital überhaupt als eine Art Vermögen rechne, muss ich mir noch überlegen.

Das Verhältnis zwischen Inflation und Schwund

Das Kriterium (Gl. X.5) lässt sich auch anschreiben wie folgt:

(R – C) / KPT + (1 – (K / P + ü)) / gau = infl + shg / gau

Regel über die „gute Rendite“

rendite = infl + (shg – NEQ) / gau (Gl. X.6)

Hier sind wir mit KPT = gau * fBU davon ausgegangen, dass das eingesetzte Kapital genau reichen soll, den größten anzunehmenden Unfall abzudecken.

gau = 3 heisst zum Beispiel, dass 3 Jahre hintereinander ein Totalausfall der Produktion zu verzeichnen ist.

infl

Inflation des Geldes

shg

Schwund aufgrund höherer Gewalt = nicht versicherte Risiken
bezogen auf die Gesamtproduktion („Produktionsausfall“)

  1. Externe Effekte (z.B. Wetter, Erdbeben, Umweltverschmutzung)
  2. Schwund im Lager (z.B. Fäulnis)
  3. Abnützung der Produktionsmittel (Abschreibungen!)
  4. usw.

NEQ

Netto-Sach-Einlagerungsquote

  1. Lagerung von Lebensmitteln
  2. Anlagevermögen (z.B. Kunstwerke, Aktien)
  3. Verbesserung der Produktionsmittel (durch Investitionen)
  4. Reparaturarbeiten an den Produktionsmitteln
  5. usw.

Wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht

Was haben wir bisher in dieser Schriftenreihe also getan?

Wir haben eigentlich nur den Sinn des „eingelagerten Vermögens“, des „gebunkerten“ Vermögens erforscht.

Dabei sind wir ausgegangen vom Nomaden, dem nach Möglichkeit nichts verderben soll, und haben dann den Begriff des „Schwundes“ ein wenig verallgemeinert, sodass wir als „Schwund aufgrund höherer Gewalt“ (SHG = shg * Produktion) nun den „durchschnittlichen Produktionsausfall durch unversicherte Risiken“ meinen.

Dabei haben wir auch den GAU, den größten anzunehmenden Unfall, definiert, der angibt, wie lange der Totalausfall der Produktion maximal – also nicht im Durchschnitt – dauern kann.

Für gau = 2 setzen wir also zum Beispiel ein Kapital KPT = 2 * fBU ein, das es uns ermöglicht den „fiktiven Bruttoumsatz“ fBU – also die Gesamtproduktion – zwei Jahre lang vom Bankkonto zu substituieren.

Da ist natürlich vorausgesetzt, dass es diese Güter am Markt trotz Krise weiterhin zu kaufen gibt (das hängt von Art und Umfang der Krise ab).

Mit der Rendite = (R – C) / KPT wollen wir also eigentlich nur die Inflation wieder gut machen, während wir den Schwund durch Importe wieder gut machen wollen.

Aber wo sind da all die brennenden Probleme unserer Zeit?

  • Müllberge, die ja durch Export nur in zahlungsschwache Länder verschoben werden
  • Überfischung der Meere
  • Klimakrise
  • Endlichkeit der Erdölreserven und anderer wichtiger Stoffe
  • Erosion des Mittelstands
  • Erosion der Demokratie

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ALLE sind sich einig, dass der Fehler darin liegt, dass Ressourcen gratis zu haben sind:

  1. Ausgangsstoffe (aka Rohstoffe) für unsere Stoff- und Energiekreisläufe werden der Natur gratis entnommen
  2. Ergebnisstoffe (aka Abfälle) können gratis in die Natur entlassen werden

Sowohl die Entnahme der Rohstoffe, als auch das Entlassen der Abfälle, bewirkt im Habitat Effekte, die wiederum auf uns Menschen zurückwirken (sonst müssten wir uns keine Sorgen darum machen).

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Dieses Problem wurde schon einmal gelöst, als wir vom Nomadentum übergingen zur Hofwirtschaft.

Als man dahinterkam, dass die natürlichen Ressourcen in den Habitaten nicht mehr reichten, begann man den Grund und Boden intensiver zu bewirtschaften.

Der einzelne Bauer war unter anderem natürlich auch verantwortlich, „sein“ Gebiet H gegen Ausbeutung und gegen Ablagerungen im Übermaß zu verteidigen.

Und er tat dies freiwillig, denn es war ja „sein“ Gebiet, von dem er abhängig war.

Aber wie ist das mit einem Fluß, der niemandem und allen gehört? Wer kann dem Fabriksbesitzer verbieten, Abwasser gratis in den Fluß abzuleiten?

Auch hier ist die Frage wieder relativ einfach, denn zumindest innerhalb des Landes kann sich der Souverän dieses Landes darum kümmern – und er wird es tun.

Wenn nun aber Japan radioaktiven Abfall in den Pazifik kippt und die Anrainerstaaten die Probleme damit haben, dann kann diesen Streit nur der „Souverän des Pazifik“, der „Souverän der Natur“ schlichten.

Wer ist der „Souverän der Natur“?

Wie ich in diesem Artikel https://letztersein.com/2021/06/12/vom-waldmenschen-zum-sklaven-des-marktes-vii-aluhut-und-digitalisierung/ versucht habe zu eruieren,

ging es bei der Bildung der Hofwirtschaft um die „Parzellierung der landwirtschaftlichen Ressourcen“.

Später, bei der Industrialisierung, ging es um die „Parzellierung der Humanressourcen“. Leider verwenden die Projektmanager immer noch den Begriff „Ressource“, wenn sie von Menschen reden.

Aber es ist symptomatisch, denn der Arbeitgeber ist ja nicht an Dir interessiert, sondern nur an Deinen „kleinen grauen Zellen“, an Deinem Know How, das müssen wir ihm und uns ehrlich zugestehen.

Wenn sich nun der Arbeitgeber geriert, als wäre er Dein Eigentümer, dann muss es schon klar sein, dass

Eigentum immer Verantwortung bedeutet.

Weshalb moderne Firmen das Eigentum nach Möglichkeit eigentlich immer vermeiden.

  • Eigentum bindet
  • Es reist sich leichter mit leichtem Gepäck
  • Flexibilität ist alles
  • Cash is King

Wenn man also glaubt, dass die Firmen – die Unternehmen – sich als Souveränen für die Ressourcen der Wirtschaft eignen, dann ist das also ein ziemlicher „Schlag ins Wasser“.

Aber abgesehen von den Unternehmen:

Woher nehmen eigentlich die G7 und die EU das Recht, CO2-Zertifikate zu versteigern? CO2 kennt keine Grenzen. Ist das nicht die Verantwortung der UNO, sich um diese Dinge zu kümmern?

Es dämmert uns, dass die Erde einen Eigentümer braucht, einen Monopolisten, auf den sich ALLE geeinigt haben.

Natürlich ist es leicht für den Theologen und für den Philosophen: die Menschheit ist der Souverän der Erde, aus theologischer Sicht ist sie das in Stellvertretung des Herrn, der der wahre Herrscher des Weltalls ist. Klar. So steht es im Katechismus.

Aber wer vertritt die Menschheit? Das alte Problem, wenn der Außerirdische kommt und bittet: „Take me to your leader!“. Zu wem würdest DU ihn führen?

Meint

Euer Christoph


Vom freien Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VIII (Geistiges Eigentum, Ressourcen)

Juli 4, 2021

Replik auf das geistige Eigentum

In einem der letzten Artikel dieser Serie nahmen wir den Faden auf, das industrielle Zeitalter dadurch zu charakterisieren, dass sogenannte „Firmen“ einen „offenen Raum für Know How“ schafften, indem sie den Angestellten einen gewissen Kündigungsschutz boten und im Gegenzug die „Gehirne zu melken“ begannen.

Dadurch, dass die Firma den Angestellten bestärkt – „firmiert“ – sich zu öffnen und die Geheimnisse INNERHALB der Firma preiszugeben, dadurch konnte man die Innovation stärken und eigentlich erst möglich machen.

Wieder einmal war Innovation der Schlüssel, um die Kopfzahl der Menschheit zu vergrößern und effizienter zu wirtschaften.

So wie die Hofwirtschaft den Grund des Fürsten parzelliert hatte, um sich auf gewisse Ressourcenkreisläufe zu spezialisieren, so parzellierte die Industriewirtschaft die Hirne der Untergebenen des Fürsten und spezialisierte sich auf bestimmte Fertigkeiten („Skills“).

Aber immer noch waren Ressourcen gratis.

Die Fabrik entnahm dem Fluss das Wasser gratis und entleerte den Abfall in die Umwelt gratis.

Erst im Zuge verschiedener Katastrophen, dass der mittlere Westen im Kuhmist „erstickte“, dem Waldsterben durch den sauren Regen im 20. Jahrhundert, des großen Plastik“strudels“ im Pazifik anfangs des 21. Jahrhunderts, der drohenden Klimakrise in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts, dem Bienensterben und sonstiger Katastrophen, erinnerten sich die Staaten daran, dass die verschiedenen Ressourcenkreisläufe eine öffentliche Verantwortung waren.

So wie der Bauer selbstverständlich darauf schaute, dass es seinen Wiesen und Feldern, seinen Wäldern und Gewässern gut ging, so mussten die Staaten, die ja meistens von Städtern gelenkt wurden, immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass die „Schlacht am Land geschlagen wird.“

Bodenversiegelung, Muren, Bergrutsche, Überschwemmungen, Landwirtschaft, das sind alles essentielle Themen, mit denen der Städter aber nicht so viel anfangen kann.

Aber was hat das mit unserem Gütekriterium zu tun? Ich erinnere:

Heuristisches gemischt real- und finanzwirtschaftliches Gütekriterium für Hofwirtschaft im Feudalsystem

(R – C) + (1 – (K/P + ü)) * fBU = KPT * infl + shg * fBU  (Gl. III.2)

Wenn wir das Kriterium nun in das industrielle Zeitalter transformieren wollen, müssen wir folgende Fakten berücksichtigen:

  1. So, wie wir im Feudalsystem den „Hof“ als Basis unserer Berechnungen genommen haben (sei es der „Bauern“hof oder der „Hof des Fürsten“), so wollen wir jetzt die „Familie“ als Berechnungsgrundlage nehmen.
  2. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass sich Familienleben und Produktion nicht mehr alle auf demselben „Hof“ abspielen, sondern dass eine Familie im Wesentlichen gemeinsam konsumiert, aber an verschiedenen Produktionsstätten („Firmen“) getrennt produziert.
  3. Weiters gibt es in vermehrtem Maße sogenannte „Vorleistungen“.
    D.h. ich entnehme die Ressourcen für mein Produkt nicht mehr alle direkt der Natur, sondern baue auch auf „Vorprodukten“ anderer Leute (oder anderer Firmen) auf, und in den meisten Fällen wird mein Produkt kein Endprodukt für den Konsumenten sein, sondern von wieder anderen Menschen weiter veredelt werden, bevor es letztendlich eine Umsatzsteuer verursacht.
    1. Anmerkung: das heisst, dass für denselben Gesamtumsatz viel mehr Ressourcen und viel mehr Transporte nötig sind, als in der vorindustriellen Hofwirtschaft.
      Die Umsatzsteuer deckt also nicht die – externen – Ressourcenkosten.
    2. Andererseits werden durch die hochgradige Spezialisierung Dinge möglich, die sonst unmöglich wären. Zum Beispiel waren im Apollo Programm der NASA zwischen 1961 und 1972 bis zu 400.000 hochspezialisierte Experten beschäftigt, um nur 12 Menschen das Betreten des Mondes zu ermöglichen.
  4. Im Laufe des industriellen Zeitalters kommt man immer wieder neu zur Erkenntnis, dass es eine Aufgabe des Staates ist, vor der er sich nicht drücken darf, nämlich die externen Kosten zu internalisieren. D.h. für den Ressourcenverbrauch muss ein gerechter Preis gefunden werden, der es dem Markt ermöglicht, ökologische und soziale Aspekte mit Hilfe der üblichen Instrumente des Finanzmarktes zu berücksichtigen.

Bleiben wir beim Beispiel des alleinerziehenden Vaters mit zwei Kindern

Bei der feudalen Hofwirtschaft hatten wir eigentlich nur ein einziges Kriterium für ethisch korrekte Hofführung, nämlich sollte die Einlagerung von Vermögen (von Geld- und Sachvermögen) genau die Risiken abdecken, die sich über längere Zeiträume ja immer wieder manifestierten (also letzten Endes immer als eine Art von Produktionsausfall).

Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Einlagerung wurde als unethisch betitelt.

Um die Ressourcenkreisläufe hatten wir uns keine expliziten Gedanken gemacht, da

  1. der Bauer an seine Scholle durch Eigentum gebunden war – sich also um diese sowieso kümmerte -,
  2. der Fürst durch Leibeigenschaft an seine Leibeigenen gebunden war – sich um diese also sowieso kümmerte.

Nun gibt es keine Leibeigenschaft mehr und der Anteil der Landwirte und der Grundeigentümer an der Gesamtbevölkerung schrumpft und schrumpft, sodass wir uns ernsthaft die Fragen stellen müssen:

  1. Welche Verantwortung(en) hat der „normale“ Mensch noch, wenn er so gut wie kein Eigentum hat?
  2. Welche Verantwortung haben die „Firmen“, die ja immer noch das „Know How“ und die Produktion organisieren?
  3. Welche Verantwortung hat der Staat? Immerhin muss ja irgend jemand die externen Kosten bepreisen, damit sie internalisiert werden können, und das auf eine sozial gerechte Art und Weise.

Ich erinnere an folgendes Bild, welches anschaulich darstellt, wieviel Verkehr und „Ressourcenumsatz“ durch „meine Produktion“ verursacht wird:

  1. 73% des Produktes sind „outgesourced“ in Vorleistungen von anderen Produktionsstätten.
    Den Ressourcenumsatz für die Produktion der Vorleistungen und den Konsum der Vorleister möchte ich nicht „meiner Arbeitsleistung zuordnen“, aber dass die Vorleistungen zu meiner Produktionsstätte transportiert werden müssen, daran bin schon ich schuld. Ich könnte ja auch nach Indien übersiedeln und mit den Vorleistern „gemeinsame Sache machen“.
  2. Das heisst, dass ich alle „ressourcenrelevanten Vorgänge“, an denen „ich schuld bin“, in blauen fetten Buchstaben angebe.
    1. Transport der Vorleistungen (73%) zu meiner Produktionsstätte.
    2. Ressourcenumsatz (RU) wegen meiner Produktion (Wertschöpfung, Nettoeinkommen)
    3. Berufsverkehr (BV), wenn ich zu meiner Arbeitsstätte fahre und wieder zurück
    4. Ressourcenumsatz, den meine Familie in der Wohnung verursacht
    5. Konsumverkehr, den meine Familie verursacht und Ressourcenumsatz an den Konsumstätten
    6. Transport meines Anteiles am Endprodukt vom letzten Erzeuger in der Erzeugerkette über den Markt zum Endkonsumenten. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Familie in etwa genauso viel konsumiert, wie sie produziert, dann kann man das als „einen äquivalenten Marktzyklus von 27%“ bepreisen (die restlichen 73% werden von den Vorleistern verursacht).
„Ressourcenrelevante Vorgänge“, die „durch mich verursacht werden)

Es ist also klar, dass Produzenten, Konsumenten und Händler – und insbesondere die „Firmen“, durch die sie sich organisieren – die gemeinsame Verantwortung für „ressourcenrelevante Vorgänge“ tragen, dass diese Verantwortung aber auch in gerechter Art und Weise aufgeteilt werden muss.

Grundprinzip
Je weniger jemand mitentscheiden kann, desto weniger Verantwortung trägt er.

An diesem Punkt wollen wir innehalten und beim nächsten Mal weiter machen.

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel dieser Reihe


DIGITS #33 – vom Senfkorn und vom Plan B

Februar 27, 2021

Hallo ******, Hallo *****,
Mittlerweile ist es also so weit gekommen, dass John C. aus dem mittleren Westen der erste ist, der einen Service „der Society“ tatsächlich nützt. Die Idee mit dem „Tiny VPN“ dürfte also gar nicht so schlecht gewesen sein.

Kleines Problem: „Die Society“ wurde noch nicht offiziell gegründet und lebt außerdem zur Zeit von meinen Resourcen.
Plan B hingegen würde ja bedeuten, dass nicht „die Society“ von mir lebt, sondern ich von ihr ( als bezahlter Webmaster: https://lc-soc-lc.at ).

Trotzdem: erste Schritte sind getan, und ich habe jetzt auch auf Facebook ein Lebensereignis eingetragen:

17. März 2020: Decide to take first steps towards PLAN B – Plan B is now an Option

Das genaue Datum ist mir nicht mehr bekannt, aber es war im Frühling 2020, als Puchberg als Option in mein Leben getreten ist, und somit ist der St. Patrick’s Day ein gutes Datum. Ich habe da so ein Gefühl, dass das alles viel mit Irland zu tun hat 🙂

Trotzdem arbeite ich weiterhin an Plan A (i geb eam no a chance)

Eine schöne neue Woche
Euer Christoph


Es steht jedem Menschen frei

September 3, 2020

mich in seine Schubladen einzuteilen!

Meint

Euer Christoph


DIGITS#14 – From Enthusiastic to Realistic

August 16, 2020

Dear All,

With the e-mail “DIGITS#10 – Vienna Calling” (17.7.2020) I told you I was going to found a new “Society for Lifelong Collaboration” (lc-soc-lc.or.at),

where I also wanted to care about tools for collaborating.

Well, from such enthusiastic ideas like leaving the job and the children, I am now back to the “realistic mode”:

  • – no big changes in my personal life style
  • – not leaving anything / anybody

BUT

  • – me personally starting to pray for the purpose slightly
  • – the home page remains valid at: lc-soc-lc.or.at
  • – we have found a home for the DIGITS project (“Das dritte Kind” / “The third child”)

All the best

Christoph


Plan B gets into effect

April 14, 2020

Gesendet: Dienstag, 14. April 2020 um 03:29 Uhr
Von: „Christoph“
Betreff: [x3d-public] Fw: DIGITS#5 – I have given up……

and I have added the „easter eggs“ of the narrative „Das dritte Kind“ to the project at GitHub, cause they are kinda output of the project:

 

Have fun

Christoph

 

—————————————–

Dear Markus, Dear Georg!

 

I have given up to ever make money from DIGITS.

 

Some of the files were already published on simulrr.sourceforge.net some time ago (and deleted again).

 

 

Now I have published ALL historic files (2000 – 2005) at GitHub.

https://github.com/christoph-v/digits   (partly German language!)

They enclose the reason, WHY I got into contact with x3d-public some time ago.

 

 

 

Chapters 1.17 – 1.19 of the narrative „Das dritte Kind“ have been finished (German language!)

https://letztersein.com/2020/04/13/the-duel-at-the-hoehen-street/

 

Volunteers for translation from German to English would be appreciated.

 

Have a nice week

Yours Christoph

_______________________________________________ x3d-public mailing list x3d-public@web3d.org http://web3d.org/mailman/listinfo/x3d-public_web3d.org


Es gehören immer 2 dazu

April 11, 2020

1. Ein Sklaventreiber
2. Einer, der sich zum Sklaven machen lässt

Meint
Euer Christoph


UPS, ISDN/2, Lieserl

Februar 23, 2020

Das „Projekt der Kinder“ ist jetzt fertig umrissen, ist aber natürlich nur eine Nebenhandlung:

https://letztersein.files.wordpress.com/2020/02/5_mission_erzaehlung_v1.6_20200221_delta_v1.5.pdf

Eine schöne neue Woche

Euer Christoph


In eigener Sache II

Februar 9, 2020

Liebe Leute,

Wie Ihr wisst, habe ich Euch seit über zehn Jahren mit sogenannten „Newslettern“ zu meinem Hobbyprojekt SrrTrains v0.01 „versorgt“.

Nun möchte ich – SrrTrains liegt ja zum zweiten Mal „auf Eis“ – am dritten Teil meiner Erzählung, an „Die Mission“ weiter machen.

Als Endtermin habe ich mir mal das Jahr 2022 gesetzt, das darf man aber nicht allzu eng sehen, da es ja nur ein Hobby ist.

Bitte um Antwort bis nächste Woche Samstag (15.2.2020):

  • Willst Du hin und wieder (HÖCHSTENS einmal im Monat) über den Fortschritt und Hintergründe von „Die Mission“ informiert werden?
    Ja / Nein / ein Probeexemplar des Newsletters erwünscht
  • Willst Du als „Bcc“ informiert werden oder als „To“?
    To / Bcc
  •  Bis „Die Mission“ fertig ist, werde ich auf dem Blog nicht oder nur sehr wenig berichten.
  • zur Information: die ersten beiden Teile von „Das dritte Kind“ und die Rahmenerzählung in Version 1.5 aus dem Jahr 2016 im Anhang (und die „Fragmente“ für den dritten Teil).

Liebe Grüße

Christoph

 


Vom Eindeutigen und vom Mehrdeutigen

Dezember 24, 2019

Nun mag es für Kunstwerke förderlich sein, wenn man das Sujet nicht allzu strikt festlegt.

Wodurch sich das Einzugsgebiet vergrößert und der Absatz steigt.

Aber ist nicht jede Religion eigentlich nur ein großes Kunstwerk, das es uns ermöglicht das Unaussprechliche zu besprechen, über das Undenkbare zu sinnieren und das Unerreichbare zu berühren?

Und genau hier geht es los mit der Mehrdeutigkeit. Der Begriff „Celestial Affairs“, den ich in meinem 13. Religiösen Büchlein präge (siehe HIER), ist eigentlich NICHT eindeutig.

Einerseits meine ich den REALEN Himmel, den ECHTEN Himmel – mit dem sich zum Beispiel auch der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) beschäftigt. Zum Anderen können das auch technologische Realitäten sein, die aus verschiedenen Gründen – noch – geheim gehalten werden, sodass man nur metaphernhaft und allegorisch darüber sprechen kann.

Ich habe mich zwar bemüht, in den Erzählungen (https://letztersein.com/drehbuchseite) hauptsächlich die irdischen und in den religiösen Büchlein (https://letztersein.com/kleine-religiose-buchlein) zum Großteil die überirdischen „Celestial Affairs“ zu behandeln, aber natürlich verschwimmt das immer wieder.

Was sagt Jesus dazu? Lesen wir nach bei Matthäus:

Vom Schwören
Mt 5,33Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Mt 5,34Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
Mt 5,35noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.
Mt 5,36Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
Mt 5,37Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Ich rechne also damit, dass ich mich demnächst für eine der Seiten entscheiden muss, oder ich werde endgültig zum Künstler 🙂

Meint

Euer Christoph