Vom Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VI (Privateigentum)

Ohne Grund ist Scheissen Luxus

Das lateinische Wort “privare” heißt „berauben“. „Privatum“ ist also „das Geraubte“.

Ist die Frage nach dem Privateigentum damit schon beantwortet?

Wer ist hier beraubt worden? Die Arbeiterklasse?

Als wir noch im Wald und in der Steppe lebten, als wir noch Jäger und Sammler waren, damals – romantisch verklärt – als wir noch ein Teil der Natur waren, entnahmen wir dem Wald und der Steppe die Ressourcen, die wir benötigten – und die Ressourcen wuchsen gratis nach.

Es herrschte Einklang und wir mussten keine großen Reserven anlegen. Dort, wo wir damals wohnten, gab es eigentlich keine Winter, auf die man sich hätte vorbereiten müssen, und das einzige, was uns gefährlich werden konnte, waren Malariamücken und Giftschlangen, evtl. Krokodile und dgl.

Später begannen wir mit der Viehzucht, um – indirekt – auch das Gras essen zu können, das bislang vom Menschen nicht genutzt wurde, all das getrieben von dem Wunsch, mehr zu werden – zahlreich wie die Sterne am Himmel wollten wir sein und wie der Sand am Meer.

Nun, je dichter der Mensch lebte, desto öfters gab es Zusammenstöße und – um des Friedens willen – wurde das Grundeigentum erfunden.

Der Claim wurde von der Natur genommen – geraubt – und der Menschheitsfamilie einverleibt – ein Mensch, und nur einer, gab dem Claim den Namen und ward somit „Privateigentümer“.

Nicht zu vergessen – es diente dem Frieden, der trotz großer Kopfzahl möglich sein sollte.

Jeder Claim hatte natürliche Ressourcen und eine natürliche Aufnahmefähigkeit für Abfall und Dung.

Wir nutzten die natürliche Fruchtbarkeit des – unseres – Bodens und gaben ihm Dung und Abfall zurück – der erste aller Ressourcenkreisläufe, nachdem wir sesshafte Ackerbauern geworden waren.

Grund und Boden dienten der Sicherheit. Der Bauer wusste, er kann sich auf seinen Grund und Boden verlassen, er würde immer zu essen haben und er wusste, wohin mit der Scheiße.

Den Luxus solcher Sicherheit hat der moderne Mensch nicht mehr.

Er ist angewiesen auf Wasserwerke, Kanäle, Energieversorung, Supermärkte, Drogeriemärkte und viele andere Dienstleistungen und für alles dies braucht er Geld, viel Geld.

Scheißen ist Luxus für den modernen Menschen.

Aber Halt!

Reden wir doch nicht immer nur vom Land. Wie ist es denn in der Stadt?

Schon Grundeigentum ist heutzutage ein Luxus, von dem der durchschnittliche Städter nur träumen kann. Eine 80 m2 Wohnung mieten wir um teures Geld, damit wir einen Platz zum Essen und Schlafen haben und für die Kindererziehung.

Wir wüssten nicht, was wir mit unserer Scheisse tun sollen, wenn es nicht die Entsorgungsbetriebe gäbe. Und ohne den Handel, den Austausch mit der Landbevölkerung, müßten wir in der Stadt elendiglich verhungern.

Wir haben gesehen, dass durch all diese Umtriebe die Transportzahl steigt (sie ist mittlerweile weit über 100% gelegen), was natürlich nicht positiv für den Ressourcenverbrauch und den Ausstoß von umweltrelevanten Stoffen ist.

So, wie am Anfang der Hofwirtschaft das „externe“ Geld nur dazu da war, um Luxuswaren zu kaufen – die man selber nicht herstellen konnte – so konsumieren wir heutzutage fast nur mehr Luxus (also Dinge, die wir selber nicht herstellen können), ausgenommen die Dienstleistungen, die innerhalb der Familie gratis erbracht werden: Haushalt, Essen kochen, Erledigungen und Transporte für die Familie, kleinere Reparaturen am Auto.

Dass diese internen Dienstleistungen weiterhin einen großen Anteil an den Aufwänden innerhalb der Familie haben (in Personenstunden gemessen), obwohl sie kein Geld erbringen, wird oft übersehen.

Eigentlich gäbe es die Sabbath-Regel des Judentums

  • 6 Tage arbeiten / am siebten Tage ruhen,

und die 8:8:8 Regel (die manchmal dem Hl. Benedikt zugeschrieben wird)

  • 8 Stunden Schlafen
  • 8 Stunden körperliche Arbeit (inkl. Betten machen, Staub saugen, Reisen ……)
  • 8 Stunden Muße (Lesen, Schreiben, Denken, Meditieren, Beten)

Anmerkung: Ehrlich gesagt, zählt bei vielen Berufen heute die gewerbliche (also bezahlte) Arbeit zur Muße (Lesen, Schreiben, Denken) und die körperliche Arbeit – zum Beispiel im Fitnesscenter – zählt zur Freizeit, hier muss man also vorsichtig argumentieren, weil die Unterscheidung zwischen Arbeit und Muße nicht mehr 1:1 der Erwerbsquote entspricht!!!

So wird es immer schwieriger, mit Erwerbstätigkeit eine Familie inklusive Kindererziehung zu finanzieren, wie wir gleich sehen werden.

Die totale Spezialisierung

Wie wir beim Übergang vom Nomaden zur Hofwirtschaft gesehen haben, erhöht sich die Gesamtproduktivität, indem sich jeder Hof „auf seine Scholle spezialisiert“ und der Transport und der Handel zwischen den Höfen ermöglicht bzw. erleichtert wird (Erfindung des Rades).

Wenn ich nun sage, „meine Scholle sei meine Kernfamilie, alles andere sei extern“, wenn ich also die Wirtschaft bezogen auf meine Tochter, meinen Sohn und mich interpretiere, dann komme ich zu folgendem Bild:

Totale Trennung von Leben, Produktion und Konsum – Transportfaktor > 100%

Hier haben wir die totale Trennung von Leben, Produktion und Konsumation, dafür haben wir einen Transportfaktor von

Transport = WDDV (100%) + VV (73%) = 173%

Wenn wir uns erinnern, der Nomade hatte einen Transportfaktor << 100%, bei der feudalen Hofwirtschaft war es immerhin nur die Erwerbsquote 0% < Transportfaktor = EQ < 100% und nun sind es deutlich über 100%, weil alle Produkte für den Markt bestimmt sind und weil ja auch die Vorleistungen von den Vorleistern zur Produktionsstätte transportiert werden müssen (bei der Hofwirtschaft hatten wir nur Endprodukte transportiert).

WDDV = Waren-, Dienstleistungs- und Datenverkehr (hier 100%)

VV = Vorleistungsverkehr (hier 73%)

Natürlich sind Daten sehr viel leichter zu transportieren als Dienstleistungen (Telepräsenz) und diese wiederum leichter als Waren.

Auf Vorleistungen können alle 3 Kategorien zutreffen (Waren, Dienstleistungen oder Daten), je nachdem.

Hinzu kommen noch die verschiedenen Formen von Personenverkehr

  • Berufsverkehr BV……….um Menschen an die Produktionsstätten zu bringen
  • Konsumverkehr KV……um Güter vom Endverkäufer und Menschen von zuhause an den Ort der Konsumation zu bringen (was auch die Wohnstatt sein kann)

Wir kommen von der Scholle nicht los

Trotz dieser totalen Trennung läuft das Alles immer noch nicht ohne Grundeigentum.

Der Ressourcenumsatz RU bezieht sich immer auf eine geographische Entität, auf einen Locus, auf die Scholle.

Die Produktionsstätte hat einen Ressourcenumsatz (bei einer Softwareproduktion ist das hauptsächlich Kaffee :-), die Wohnstatt und die Konsumationsstätte haben auch einen Locus und eine Küche.

Auch der Markt hat einen Ressourcenumsatz, der sich „entlang der Lieferwege“ abspielt.

Obwohl natürlich die Beschaffung der eingesetzten Ressourcen (Wasser, Kaffee, Licht, Heizung, ……) und die Entsorgung der generierten Ressourcen (Abfälle, Dung, Urin, Abwärme, …….) zu einem großen Teil outgesourced sind, bleiben doch einige wenige Ressourcen, die immer noch gottgegeben sind bzw. vom Planeten weiterverarbeitet werden:

  • Sonnenlicht
  • Atemluft (teilweise schon konditioniert)
  • Kohlendioxid
  • usw.

Wir werden später noch betrachten, wie der Ressourcenumsatz in unsere wirtschaftlichen Betrachtungsweisen eingebaut werden muss, um dem Anspruch einer ökosozialen Marktwirtschaft zu entsprechen.

Freedom of Information / mein kleines Geheimnis

Ich habe also fast gar kein Eigentum mehr (bis auf die paar Möbel und das Auto – und das Landhaus) und nichts davon nützt mir beim Verdienen meines Nettoeinkommens.

Ich entnehme meiner Wohnung keine Ressourcen (der Parkettboden ist ziemlich unfruchtbar) und ich lasse Abfälle nicht herumliegen, bis sie verfaulen.

Das heisst, der Gesamte Ressourcenumsatz ist aus der Wohnung outgesourced und wird in Geld abgegolten. Ich zahle für Wasser, Wärme, Strom, usw. und ich zahle für die Abfuhr des Mülls (Anm: für die Wertstoffe im Müll sollte ich eigentlich eine Abgeltung bekommen).

Und die Wohnug ist ausgelegt auf Freizeit. Sie ist nicht gedacht, dass ich hier arbeite. All die Dinge in der Wohnung dienen nur der Eigenerzeugung und dem Eigenverbrauch. Das Produktionsmittel für meine Erwerbstätigkeit ist einzig und allein das, was ich im Köpfchen habe – mein geistiges Eigentum.

Grund genug, noch mal ein wenig über geistiges Eigentum und „Freedom of Information“ nachzudenken.

Das Leben ist kein Ponyhof.

Gemeinsam mit der obigen Erkenntnis, dass der Inhalt meines Köpfchens der einzige Grund ist, warum ich meine Familie ernähren kann – da hilft mir kein Bundeskanzler und keine Gewerkschaft – wäre es also an der Zeit mein Gehirn zu schützen.

Womit wir beim Aluhut wären 🙂

Nein, Spass beiseite, wer will es einem mittelalterlichen Gewerbetreibenden verübeln, wenn er seine Rezepte und Anleitungen, seine Konstruktionspläne und all sein geistiges Eigentum schön auf Pergament niederschreibt und in einer Schatulle gut verschließt?

Natürlich – wenn einer ein besonders gutes Rezept hatte – weckte das die Begehrlichkeiten durch den lieben Mitbewerb. Und natürlich war der Fürst daran interessiert, dass nicht nur einer sondern alle Gewerbetreibenden seines Fürstentums dieses Rezept in Händen hielten.

Man erfand das Patentrecht als vernünftigen Mittelweg zwischen den Interessen des Fürsten und des Gewerbetreibenden.

Der Urheber des Rezepts verpflichtete sich, das Rezept zu veröffentlichen, im Gegenzug versprach der Fürst den fürstlichen Schutz des Urheberrechts durch seine Gerichtsbarkeit – für 20 Jahre durfte der Urheber sein geistiges Eigentum ausfruchten, bevor es zum Allgemeingut wurde.

So konnte ein junger Erfinder Fuß fassen und eine gewisse Marktmacht ausbauen, bevor die Rechte freigegeben werden mussten.

Es gibt nichts, was man nicht missbrauchen kann. Heutzutage missbrauchen die Pharmakonzerne das Patentrecht, um ihre Macht zu zementieren, nicht um sich gegen übermächtige Konkurrenz zu schützen, sondern um jedes schwache Pflänzchen auszurotten, bevor es ein Baum werden könnte.

Gesund wäre es, wenn Firmen kommen und gehen, werden und vergehen, so wie der Markt atmet. Einzementierung eines status quo durch Staatshilfen hat noch nie der Menschheit genutzt, sondern nur denen, die vor der Veränderung Angst haben.

Aber der Politiker ist halt auch ein fauler Hund.

Der redet lieber mit einem CEO von 200.000 Angestellten, bevor er mit 200.000 EPUs redet. Das wäre zu mühsam. Darum hat die Politik ein Faible für Großunternehmen – die erwiesener maßen viel weniger beitragen als die kleinen.

Gut, gewisse Dinge kann man nur mit großen Unternehmen machen: Eisenbahn, Autobahnbau, Mobilfunk, Internet, IT, Cutting Edge Technology, und noch einige.

Aber die meisten Sachen, die wir täglich brauchen – Nahrungsmittel, Fahrzeuge für den Individualverkehr, Urlaub, Beleuchtung, Heizung, und das alles könnte man mit einer kleinräumigen, ökologisch orientierten Wirtschaft hinkriegen, wenn man nur ressourceneffizient und transportarm arbeitet (menschliche Arbeitskraft ist genug vorhanden, da kann man ruhig ein bisschen verschwenden).

Es wäre eine komplette Änderung des Lebensstils, aber es stände dafür.

Wie könnte eine „Freedom of Information“ solchen Lebensstil unterstützen? Müssen wir dann alle unsere Daten hergeben (was wir eh schon tun)?

Beginnen wir bei der Software

Software ist zwar „so eine Sache“, aber eine Sache ist sie eigentlich nicht. Software ist keine Ware.

Software ist auch keine Dienstleistung, ausser ich gehe direkt zum Kunden und biete ihm einen Dienst an.

SaaS (Software as as Service) meint ja nur, dass der Anbieter die Software in Wirklichkeit für sich behält (Du bekommst keine Kopie der Software), die Software läuft auch auf einem Computer des Anbieters und nicht auf Deinem Computer, nur die I/O-Datenströme zwischen Kunde und Software werden – meist über das Internet – ausgetauscht.

Der Kunde kennt zwar das S/R-Verhalten der Software und er kann es nutzen, weil er den Dienst bezahlt. Aber ohne den Rechner des Anbieters kann er das S/R-Verhalten nicht reproduzieren – er bleibt also abhängig vom Anbieter und dieser kann auf diese Weise sein Urheberrecht effektiv wahrnehmen. Wenn ich nicht mehr zahle, wird einfach die Verbindung gekappt.

Nein wenn ich Software, wenn ich die Kopie einer Software kaufe, dann bekomme ich Daten. Die Begriffe Software und Daten kann man synonym verwenden, sie sind literarischen Werken gleichgestellt.

Denn die Software – die Daten – nützen mir nur, wenn ich ein Gerät habe, das diese Software interpretieren kann – einen Computer mit dem passenden Betriebssystem.

Die Software ist kein „Ding an sich“ (wie Immanuel Kant sagen würde), aber sie macht aus einem Computer ein „Ding an sich“, das es ohne diese Software nicht gibt.

Die MS Flight Simulator Software IST kein Flugsimulator, aber sie MACHT einen Flugsimulator aus einem PC.

Die Finanzierung des Erstlings einer Software ist eine gesellschaftliche Angelegenheit, so wie die Erzeugung des Originals von Kunstwerken. Im modernen Staat ist auch das eine Aufgabe des Staates und es wäre ein Argument für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Meint

Euer Christoph

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One Response to Vom Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VI (Privateigentum)

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Im Prinzip gibt es ja die Pläne für die Kleinräumigkeit längst: Und zwar in den Schubladen der Verkehrsplaner.

    Und ich bin ganz deiner Meinung: Kleinräumigkeit ist ein guter Ansatz.

    Leider aber sind es gerade die Linken von Antifa bis „Standard“, die, nur, um dem „bösen“ Nationalismus zu wehren, ihr Heil in der Globalisierung suchen.

    Kein Wunder: Das Konzept der Kleinräumigkeit ist in der mikroskopischen Perspektive ländlich und in der makroskopischen Perspektive chaotisch. Beides übersteigt die Hirnleistung oben genannter „Linker“. Also werden sie lieber gleich globalistisch. Und schaufeln sich ihr kapitalistisches Grab, diese Idioten.

    Das passt aber auch gut zu meinem Blogbeitrag,

    https://novizeigor.wordpress.com/2019/05/18/zeitalter-der-abklaerung-ix-die-manichaeische-linse/

    Wo ich -damals schon- geschrieben habe:

    „Dass diese beiden Ideologien, und die sich in ihrem Schlepptau befindlichen Liberalismus und Nationalismus, die Kehrseite ein- und derselben materialistischen Medaille sind, scheint bis heute kaum jemand zu verstehen. „Linksliberal“ und „Rechtsnational“ unterscheiden sich nur durch ihre Schattierung.“

    LG KNI

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