Vom Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VI (Privateigentum)

Mai 22, 2021

Ohne Grund ist Scheissen Luxus

Das lateinische Wort “privare” heißt „berauben“. „Privatum“ ist also „das Geraubte“.

Ist die Frage nach dem Privateigentum damit schon beantwortet?

Wer ist hier beraubt worden? Die Arbeiterklasse?

Als wir noch im Wald und in der Steppe lebten, als wir noch Jäger und Sammler waren, damals – romantisch verklärt – als wir noch ein Teil der Natur waren, entnahmen wir dem Wald und der Steppe die Ressourcen, die wir benötigten – und die Ressourcen wuchsen gratis nach.

Es herrschte Einklang und wir mussten keine großen Reserven anlegen. Dort, wo wir damals wohnten, gab es eigentlich keine Winter, auf die man sich hätte vorbereiten müssen, und das einzige, was uns gefährlich werden konnte, waren Malariamücken und Giftschlangen, evtl. Krokodile und dgl.

Später begannen wir mit der Viehzucht, um – indirekt – auch das Gras essen zu können, das bislang vom Menschen nicht genutzt wurde, all das getrieben von dem Wunsch, mehr zu werden – zahlreich wie die Sterne am Himmel wollten wir sein und wie der Sand am Meer.

Nun, je dichter der Mensch lebte, desto öfters gab es Zusammenstöße und – um des Friedens willen – wurde das Grundeigentum erfunden.

Der Claim wurde von der Natur genommen – geraubt – und der Menschheitsfamilie einverleibt – ein Mensch, und nur einer, gab dem Claim den Namen und ward somit „Privateigentümer“.

Nicht zu vergessen – es diente dem Frieden, der trotz großer Kopfzahl möglich sein sollte.

Jeder Claim hatte natürliche Ressourcen und eine natürliche Aufnahmefähigkeit für Abfall und Dung.

Wir nutzten die natürliche Fruchtbarkeit des – unseres – Bodens und gaben ihm Dung und Abfall zurück – der erste aller Ressourcenkreisläufe, nachdem wir sesshafte Ackerbauern geworden waren.

Grund und Boden dienten der Sicherheit. Der Bauer wusste, er kann sich auf seinen Grund und Boden verlassen, er würde immer zu essen haben und er wusste, wohin mit der Scheiße.

Den Luxus solcher Sicherheit hat der moderne Mensch nicht mehr.

Er ist angewiesen auf Wasserwerke, Kanäle, Energieversorung, Supermärkte, Drogeriemärkte und viele andere Dienstleistungen und für alles dies braucht er Geld, viel Geld.

Scheißen ist Luxus für den modernen Menschen.

Aber Halt!

Reden wir doch nicht immer nur vom Land. Wie ist es denn in der Stadt?

Schon Grundeigentum ist heutzutage ein Luxus, von dem der durchschnittliche Städter nur träumen kann. Eine 80 m2 Wohnung mieten wir um teures Geld, damit wir einen Platz zum Essen und Schlafen haben und für die Kindererziehung.

Wir wüssten nicht, was wir mit unserer Scheisse tun sollen, wenn es nicht die Entsorgungsbetriebe gäbe. Und ohne den Handel, den Austausch mit der Landbevölkerung, müßten wir in der Stadt elendiglich verhungern.

Wir haben gesehen, dass durch all diese Umtriebe die Transportzahl steigt (sie ist mittlerweile weit über 100% gelegen), was natürlich nicht positiv für den Ressourcenverbrauch und den Ausstoß von umweltrelevanten Stoffen ist.

So, wie am Anfang der Hofwirtschaft das „externe“ Geld nur dazu da war, um Luxuswaren zu kaufen – die man selber nicht herstellen konnte – so konsumieren wir heutzutage fast nur mehr Luxus (also Dinge, die wir selber nicht herstellen können), ausgenommen die Dienstleistungen, die innerhalb der Familie gratis erbracht werden: Haushalt, Essen kochen, Erledigungen und Transporte für die Familie, kleinere Reparaturen am Auto.

Dass diese internen Dienstleistungen weiterhin einen großen Anteil an den Aufwänden innerhalb der Familie haben (in Personenstunden gemessen), obwohl sie kein Geld erbringen, wird oft übersehen.

Eigentlich gäbe es die Sabbath-Regel des Judentums

  • 6 Tage arbeiten / am siebten Tage ruhen,

und die 8:8:8 Regel (die manchmal dem Hl. Benedikt zugeschrieben wird)

  • 8 Stunden Schlafen
  • 8 Stunden körperliche Arbeit (inkl. Betten machen, Staub saugen, Reisen ……)
  • 8 Stunden Muße (Lesen, Schreiben, Denken, Meditieren, Beten)

Anmerkung: Ehrlich gesagt, zählt bei vielen Berufen heute die gewerbliche (also bezahlte) Arbeit zur Muße (Lesen, Schreiben, Denken) und die körperliche Arbeit – zum Beispiel im Fitnesscenter – zählt zur Freizeit, hier muss man also vorsichtig argumentieren, weil die Unterscheidung zwischen Arbeit und Muße nicht mehr 1:1 der Erwerbsquote entspricht!!!

So wird es immer schwieriger, mit Erwerbstätigkeit eine Familie inklusive Kindererziehung zu finanzieren, wie wir gleich sehen werden.

Die totale Spezialisierung

Wie wir beim Übergang vom Nomaden zur Hofwirtschaft gesehen haben, erhöht sich die Gesamtproduktivität, indem sich jeder Hof „auf seine Scholle spezialisiert“ und der Transport und der Handel zwischen den Höfen ermöglicht bzw. erleichtert wird (Erfindung des Rades).

Wenn ich nun sage, „meine Scholle sei meine Kernfamilie, alles andere sei extern“, wenn ich also die Wirtschaft bezogen auf meine Tochter, meinen Sohn und mich interpretiere, dann komme ich zu folgendem Bild:

Totale Trennung von Leben, Produktion und Konsum – Transportfaktor > 100%

Hier haben wir die totale Trennung von Leben, Produktion und Konsumation, dafür haben wir einen Transportfaktor von

Transport = WDDV (100%) + VV (73%) = 173%

Wenn wir uns erinnern, der Nomade hatte einen Transportfaktor << 100%, bei der feudalen Hofwirtschaft war es immerhin nur die Erwerbsquote 0% < Transportfaktor = EQ < 100% und nun sind es deutlich über 100%, weil alle Produkte für den Markt bestimmt sind und weil ja auch die Vorleistungen von den Vorleistern zur Produktionsstätte transportiert werden müssen (bei der Hofwirtschaft hatten wir nur Endprodukte transportiert).

WDDV = Waren-, Dienstleistungs- und Datenverkehr (hier 100%)

VV = Vorleistungsverkehr (hier 73%)

Natürlich sind Daten sehr viel leichter zu transportieren als Dienstleistungen (Telepräsenz) und diese wiederum leichter als Waren.

Auf Vorleistungen können alle 3 Kategorien zutreffen (Waren, Dienstleistungen oder Daten), je nachdem.

Hinzu kommen noch die verschiedenen Formen von Personenverkehr

  • Berufsverkehr BV……….um Menschen an die Produktionsstätten zu bringen
  • Konsumverkehr KV……um Güter vom Endverkäufer und Menschen von zuhause an den Ort der Konsumation zu bringen (was auch die Wohnstatt sein kann)

Wir kommen von der Scholle nicht los

Trotz dieser totalen Trennung läuft das Alles immer noch nicht ohne Grundeigentum.

Der Ressourcenumsatz RU bezieht sich immer auf eine geographische Entität, auf einen Locus, auf die Scholle.

Die Produktionsstätte hat einen Ressourcenumsatz (bei einer Softwareproduktion ist das hauptsächlich Kaffee :-), die Wohnstatt und die Konsumationsstätte haben auch einen Locus und eine Küche.

Auch der Markt hat einen Ressourcenumsatz, der sich „entlang der Lieferwege“ abspielt.

Obwohl natürlich die Beschaffung der eingesetzten Ressourcen (Wasser, Kaffee, Licht, Heizung, ……) und die Entsorgung der generierten Ressourcen (Abfälle, Dung, Urin, Abwärme, …….) zu einem großen Teil outgesourced sind, bleiben doch einige wenige Ressourcen, die immer noch gottgegeben sind bzw. vom Planeten weiterverarbeitet werden:

  • Sonnenlicht
  • Atemluft (teilweise schon konditioniert)
  • Kohlendioxid
  • usw.

Wir werden später noch betrachten, wie der Ressourcenumsatz in unsere wirtschaftlichen Betrachtungsweisen eingebaut werden muss, um dem Anspruch einer ökosozialen Marktwirtschaft zu entsprechen.

Freedom of Information / mein kleines Geheimnis

Ich habe also fast gar kein Eigentum mehr (bis auf die paar Möbel und das Auto – und das Landhaus) und nichts davon nützt mir beim Verdienen meines Nettoeinkommens.

Ich entnehme meiner Wohnung keine Ressourcen (der Parkettboden ist ziemlich unfruchtbar) und ich lasse Abfälle nicht herumliegen, bis sie verfaulen.

Das heisst, der Gesamte Ressourcenumsatz ist aus der Wohnung outgesourced und wird in Geld abgegolten. Ich zahle für Wasser, Wärme, Strom, usw. und ich zahle für die Abfuhr des Mülls (Anm: für die Wertstoffe im Müll sollte ich eigentlich eine Abgeltung bekommen).

Und die Wohnug ist ausgelegt auf Freizeit. Sie ist nicht gedacht, dass ich hier arbeite. All die Dinge in der Wohnung dienen nur der Eigenerzeugung und dem Eigenverbrauch. Das Produktionsmittel für meine Erwerbstätigkeit ist einzig und allein das, was ich im Köpfchen habe – mein geistiges Eigentum.

Grund genug, noch mal ein wenig über geistiges Eigentum und „Freedom of Information“ nachzudenken.

Das Leben ist kein Ponyhof.

Gemeinsam mit der obigen Erkenntnis, dass der Inhalt meines Köpfchens der einzige Grund ist, warum ich meine Familie ernähren kann – da hilft mir kein Bundeskanzler und keine Gewerkschaft – wäre es also an der Zeit mein Gehirn zu schützen.

Womit wir beim Aluhut wären 🙂

Nein, Spass beiseite, wer will es einem mittelalterlichen Gewerbetreibenden verübeln, wenn er seine Rezepte und Anleitungen, seine Konstruktionspläne und all sein geistiges Eigentum schön auf Pergament niederschreibt und in einer Schatulle gut verschließt?

Natürlich – wenn einer ein besonders gutes Rezept hatte – weckte das die Begehrlichkeiten durch den lieben Mitbewerb. Und natürlich war der Fürst daran interessiert, dass nicht nur einer sondern alle Gewerbetreibenden seines Fürstentums dieses Rezept in Händen hielten.

Man erfand das Patentrecht als vernünftigen Mittelweg zwischen den Interessen des Fürsten und des Gewerbetreibenden.

Der Urheber des Rezepts verpflichtete sich, das Rezept zu veröffentlichen, im Gegenzug versprach der Fürst den fürstlichen Schutz des Urheberrechts durch seine Gerichtsbarkeit – für 20 Jahre durfte der Urheber sein geistiges Eigentum ausfruchten, bevor es zum Allgemeingut wurde.

So konnte ein junger Erfinder Fuß fassen und eine gewisse Marktmacht ausbauen, bevor die Rechte freigegeben werden mussten.

Es gibt nichts, was man nicht missbrauchen kann. Heutzutage missbrauchen die Pharmakonzerne das Patentrecht, um ihre Macht zu zementieren, nicht um sich gegen übermächtige Konkurrenz zu schützen, sondern um jedes schwache Pflänzchen auszurotten, bevor es ein Baum werden könnte.

Gesund wäre es, wenn Firmen kommen und gehen, werden und vergehen, so wie der Markt atmet. Einzementierung eines status quo durch Staatshilfen hat noch nie der Menschheit genutzt, sondern nur denen, die vor der Veränderung Angst haben.

Aber der Politiker ist halt auch ein fauler Hund.

Der redet lieber mit einem CEO von 200.000 Angestellten, bevor er mit 200.000 EPUs redet. Das wäre zu mühsam. Darum hat die Politik ein Faible für Großunternehmen – die erwiesener maßen viel weniger beitragen als die kleinen.

Gut, gewisse Dinge kann man nur mit großen Unternehmen machen: Eisenbahn, Autobahnbau, Mobilfunk, Internet, IT, Cutting Edge Technology, und noch einige.

Aber die meisten Sachen, die wir täglich brauchen – Nahrungsmittel, Fahrzeuge für den Individualverkehr, Urlaub, Beleuchtung, Heizung, und das alles könnte man mit einer kleinräumigen, ökologisch orientierten Wirtschaft hinkriegen, wenn man nur ressourceneffizient und transportarm arbeitet (menschliche Arbeitskraft ist genug vorhanden, da kann man ruhig ein bisschen verschwenden).

Es wäre eine komplette Änderung des Lebensstils, aber es stände dafür.

Wie könnte eine „Freedom of Information“ solchen Lebensstil unterstützen? Müssen wir dann alle unsere Daten hergeben (was wir eh schon tun)?

Beginnen wir bei der Software

Software ist zwar „so eine Sache“, aber eine Sache ist sie eigentlich nicht. Software ist keine Ware.

Software ist auch keine Dienstleistung, ausser ich gehe direkt zum Kunden und biete ihm einen Dienst an.

SaaS (Software as as Service) meint ja nur, dass der Anbieter die Software in Wirklichkeit für sich behält (Du bekommst keine Kopie der Software), die Software läuft auch auf einem Computer des Anbieters und nicht auf Deinem Computer, nur die I/O-Datenströme zwischen Kunde und Software werden – meist über das Internet – ausgetauscht.

Der Kunde kennt zwar das S/R-Verhalten der Software und er kann es nutzen, weil er den Dienst bezahlt. Aber ohne den Rechner des Anbieters kann er das S/R-Verhalten nicht reproduzieren – er bleibt also abhängig vom Anbieter und dieser kann auf diese Weise sein Urheberrecht effektiv wahrnehmen. Wenn ich nicht mehr zahle, wird einfach die Verbindung gekappt.

Nein wenn ich Software, wenn ich die Kopie einer Software kaufe, dann bekomme ich Daten. Die Begriffe Software und Daten kann man synonym verwenden, sie sind literarischen Werken gleichgestellt.

Denn die Software – die Daten – nützen mir nur, wenn ich ein Gerät habe, das diese Software interpretieren kann – einen Computer mit dem passenden Betriebssystem.

Die Software ist kein „Ding an sich“ (wie Immanuel Kant sagen würde), aber sie macht aus einem Computer ein „Ding an sich“, das es ohne diese Software nicht gibt.

Die MS Flight Simulator Software IST kein Flugsimulator, aber sie MACHT einen Flugsimulator aus einem PC.

Die Finanzierung des Erstlings einer Software ist eine gesellschaftliche Angelegenheit, so wie die Erzeugung des Originals von Kunstwerken. Im modernen Staat ist auch das eine Aufgabe des Staates und es wäre ein Argument für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Meint

Euer Christoph

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Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – V (Daten)

Mai 20, 2021

Einlagerung von Kunstwerken

Zuletzt hatten wir uns Gedanken gemacht, wozu die Einlagerung von Vermögen gut ist.

OK, zuerst lasst uns mal klarstellen, dass wir mit dem Begriff „Einlagerung“ nicht das Eigentum von Produktionsmitteln meinen.

Und mit Produktion meinen wir nicht nur die gewerbliche Produktion (gegen Geld) sondern wir meinen auch die Eigenerzeugung für den Eigenverbrauch (gegen Gotteslohn) – zum Beispiel innerhalb der Sippe, des Hofes oder der Familie.

Wenn ich also einen Zweitwohnsitz habe, um für die eigene Familie einen Erholungswert zu generieren – vielleicht auch für Freunde und Verwandte –, dann ist dieser Zweitwohnsitz in meiner Nomenklatur kein „eingelagertes Vermögen“, sondern ein „aktives Produktionsmittel“ (für die Eigenerzeugung, die ich ja wieder selbst konsumiere).

Ob einem Städter ein ganzes Haus am Land „gebührt“, oder ob das nicht „Verschwendung“ ist, darüber will ich eigentlich nicht urteilen. Solange er es sich leisten kann, ist es meiner Meinung O.K.

Wenn ein Städter aber ein Landhaus nach dem anderen „sammelt“ und eigentlich gar nicht genug finanzielle Potenz besitzt, um alle zu hegen und zu pflegen – wenn er sie also dem Verfall preisgibt –, dann sehe ich ein ethisches Problem.

OK, wir haben also den Schwund, das ist der Verfall des Sachvermögens, wenn wir nicht in die Aufrechterhaltung seines Wertes investieren.

Schwund aufgrund höherer Gewalt (z.B. in EUR, generell in der „Leitwährung der Sippe, des Hofes oder der Familie“):

Schwund wegen höherer Gewalt SHG = shg * fBU (Gl. V.1)

Dabei steht shg für den Wertverlust aller Sachwerte aufgrund höherer Gewalt, bezogen auf den fiktiven Wert der Gesamtproduktion, in einem Bezugszeitraum.

Warum bestehen wir auf diese „höhere Gewalt“?

Nun, geplante Werteinbußen, zum Beispiel die berühmte „geplante Obsoleszenz“ oder Werteinbußen, die versichert sind, wollen wir in diesen Faktor nicht aufnehmen.

Dasselbe gilt eigentlich für Geldwerte – wir erinnern uns: Geld ist eigentlich eine „gut lagerbare Sache, auf die man sich in einem gesellschaftlichen Kontext als Werteträger“ geeinigt hat.

Natürlicher Geldvermögensschwund INFL = infl * KPT (Gl. V.2)

Dabei steht infl für den Prozentsatz der Inflation und KPT ist das eingesetzte Kapital (z.B. in EUR , generell in der „Leitwährung der Sippe, des Hofes oder der Familie“ ).

In unserem heutigen Beispiel gehen wir von einem Hof aus, der seine gesamten langfristigen Reserven (also abgesehen von Marmelade, Räucherspeck, Pökelfleisch und dergleichen) in Kunstwerken anlegt – nämlich in Bildern.

Das heißt, der Hof lagert weiterhin nichts von seiner Produktion ein,

(1 – (K/P + ü) ) = NEQ = 0,

aber er kauft vom EGT und nach Abzug des Reingewinns (für den Eigentümer) schöne Bilder (fürs Lager), sagen wir mal hauptsächlich von Picasso.

KPT, das eingesetzte Geldkapital, sei also gleich Null.

(R – C) = 0 * infl + shg * fBU

(R – C) = shg * fBU

Wenn wir wieder von einem Gesamtproduktionsausfall alle 5 Jahre ausgehen, dann heisst das, dass der Hof jedes Jahr

(R – C) = 1 / 5 * fBU

(R – C) = 1 / 5 * R / EQ

an Außenhandelsbilanz erreichen muss.

(R – C) / R = 1 / (5 * EQ)

Der Anteil der Spareinlagen (R – C) am gewerblichen Umsatz R muss also steigen, wenn die Erwerbsquote sinkt, und umgekehrt.

Die Strategie „Einlagerung durch Handel mit Kunstwerken“ passt also eher für Höfe mit einer hohen Erwerbsquote.

Wenn die Erwerbsquote nur gering ist, muss man für diese Strategie also teuer exportieren und billig importieren, wie auch immer man das macht.

So, nun haben wir Picassos eingekauft, und die Krise kommt.

Leider war Picasso nur ein Hype und die Bilder sind am Markt jetzt in der Krise viel weniger wert.

Was lerne ich daraus?

Das Kapital für die Krise muss ich krisensicher anlegen und nicht in volatilen Werten.

Wie mache ich das? Großes Fragezeichen. Nein, eigentlich nicht. Wenn ich sowieso eher ein sesshafter Mensch bin, dann werde ich meine Sippe in der Krise nicht verlassen, das heisst ich sollte eher in lokalen Werten mein Vermögen anlegen. Am besten wäre es, wenn jeder Hof anders anlegt. (Diversifizierung)

Wenn ich vorhabe, in der Krise sowieso auszuwandern (bei der Klimakrise ist das leider nicht möglich), dann ist es gut, leicht bewegliche Werte zu verwenden, die ich sozusagen „in der Hosentasche“ mitnehmen kann (noch besser „im Kopf“).

Somit kommen wir zum nächsten Thema.

Geistiges Eigentum – Daten – Original und Kopie

Zuletzt haben wir uns mit der Einlagerung von Vermögen beschäftigt, das dazu dienen soll, der Familie, dem Hof oder der Sippe über die Krise zu helfen.

Nehmen wir zum Beispiel die Albertina: die Albertina besitzt viele Kunstwerke, die sie gar nicht alle gleichzeitig ausstellen kann.

Nur die Kunstwerke, die tatsächlich ausgestellt sind, sind tatsächlich aktiv an der Produktion beteiligt, da sie dem Besucher ein Erlebnis bescheren und somit über den Umweg des Eintrittsgeldes einen Umsatz produzieren. Die eingelagerten Kunstwerke hingegen verursachen nur Kosten und keinen Nutzen.

Nun, dem Phänomen der Brache wollen wir uns später widmen, aber haben diese eingelagerten Kunstwerke nicht sehr viel gemeinsam mit einem Geldschein?

Der tatsächliche Materialwert – Leinwand, Farben und sonstige Materialien (ein wenig Holz und Farbe für die Rahmen) – tendiert bei vielen Kunstwerken gegen Null, zumindest hält er nur einen geringen Anteil am Handelswert des Kunstwerkes.

Aber, so wie der Geldschein von seinem eigentlichen Eigentümer, der Zentralbank, signiert ist, so ist auch das Kunstwerk vom Künstler signiert – dieses Recht des Künstlers – das eine Art Eigentumsrecht ist, wird im Europäischen Kulturraum als Urheberrecht bezeichnet und es bezeichnet eine geistige Urheberschaft, ein geistiges Eigentum, das immer nur dem Schöpfer zu eigen ist.

Er kann es nicht weitergeben, verschenken, verkaufen oder dergleichen, er kann nur – aufgrund des Urheberrechts, das ihm niemand nehmen kann – Nutzungsrechte vergeben.

Im angloamerikanischen Kulturraum gibt es kein Urheberrecht, dort gibt es nur das sehr viel schwächere „Copyright“, das man nicht per se hat, sondern einfordern muss, indem man ein „Copyright Statement“ anbringt.

So, wie der „interne“ Wert des Geldes vom Verhältnis der Geldmenge zur Menge der vorhandenen Waren und Dienstleistungen und Daten abhängt, so hängt der „äußere“ Wert vom „Namen des Eigentümers“, also vom internationalen Ruf der Zentralbank oder des Künstlers ab.

Sind unsere führenden Persönlichkeiten nachhaltig gekleidet, oder ist es wie im Märchen von „des Kaisers neuen Kleidern“? Ich weiß es nicht.

Aber – halt – wenn ein Künstler viel wert ist, dann könnte ich doch seine Werke einfach – nein mehrfach – kopieren und somit mit geringem Aufwand viel Wert erzeugen.

Oder?

Wenn wir das tun, dann entdecken wir den Mechanismus der Inflation. Der gesellschaftliche Nutzen eines Kunstwerkes lässt sich nicht beliebig vervielfältigen.

Ja, ein Kunstwerk kann einen „AHA“-Effekt enthalten. Die Erkenntnis des Künstlers – wenn ihm die Muse oder der Engel etwas offenbart hat – muss weitergegeben werden. Ja.

Aber irgendwann ist die Botschaft nicht mehr neu.

Sie ist abgenützt, ausgelutscht und vertrocknet. In die Gesellschaft hineindiffundiert. Jedermann zum tausendsten Male.

Die Erfindung der Druckerpresse war genial.

Die Druckerpresse ermöglichte es, dass jeder Haushalt eine Bibel zu Hause hatte. Man war nicht mehr abhängig von der Interpretation der Kirche. Unabhängigkeit, Aufklärung, Vernunft, Wissenschaft, sie alle machten große Sprünge, nur wegen der Druckerpresse.

Aber im Gegenzug heißt die leichte Kopierbarkeit von literarischen Werken auch, dass es schwieriger wird, das Urheberrecht auch tatsächlich wahrzunehmen.

Das geheime Rezept, das dem Bäcker, dem Apotheker oder dem Gewerbetreibenden einen Wettbewerbsvorteil verschaffte, war nicht mehr so leicht geheim zu halten.

Man denke nur an die unzähligen Kochbücher mit dem Titel „Omas Rezepte“.

Aber so wie das Urheberrecht und dementsprechend die „gesamtgesellschaftliche Wirkung“ des Kunstwerkes eher nur dem Original zugeschrieben wird, so hat auch jede Kopie einen Nutzen.

Wenn ich nicht unbedingt eine Wertanlage benötige, sondern ganz einfach mein Vorzimmer schmücken möchte, dann kann ich mich durchaus mit einer Kopie der „Mona Lisa“ zufrieden geben. Und es wird mir nicht wirklich Kopfschmerzen bereiten, ob die Kopie „autorisiert“ ist oder nicht.

Folgende Zuordnung erscheint sinnvoll zu sein:

NutzenPreis
Erstling(e) des Kunstwerkesgesellschaftlicher NutzenHonorar für den Künstler
Jede Kopie des Kunstwerkestatsächlicher Nutzen einer KopiePreis der Kopie

Und so ähnlich ist es heute mit Software (das sind die Daten, mit denen man Computer füttern muss, damit sie funktionieren):

Da gibt es einerseits Programme, die für den Endbenutzer gedacht sind – und mittlerweile gibt es die Möglichkeit, jede Kopie durch einen kleinen (!) Beitrag zu finanzieren –, sodass durch die große Stückzahl auch das Original – der Erstling – finanziert werden kann.

Andererseits gibt es auch heute noch Programme, die nicht unbedingt durch Stückzahl punkten können

  • Zentrale Infrastruktur im Internet, die nicht häufig benötigt wird
  • Prototypen, um neue Konzepte zu erforschen und
  • Anwendungen für Spezialisten.

Hier kann man entweder den klassischen Weg des geschlossenen Systems gehen – mit all der Geheimhaltung und ihren sozialen Nebenwirkungen – oder man baut die Software nach dem Open Source Prinzip.

Dann können offene, virtuelle Teams von verschiedenen Firmen und Mitbewerbern gleichzeitig daran arbeiten, wohl wissend, dass die eigentliche Wertschöpfung jedes Mitbewerbers woanders liegt.

Diese „kollaborativ geschaffene Infrastruktur“ ist so zu betrachten, wie der Straßenbau, um den sich ja auch der Fürst kümmern muss, entweder direkt oder durch Förderungen.

Neben den „drei alten Aufgaben des Fürsten“:

  1. Sozialer Ausgleich im Fürstentum
  2. Verteidigung des Fürstentums und der Währung
  3. Infrastruktur für den Handel mit Waren (Straßenbau, Wasserleitungen, Kanäle, …….)

ergibt sich nun die „vierte Aufgabe für den Fürsten“:

  1. Förderung von Kunst und Kultur (gemeinsames geistiges Eigentum)
    1. Patentrecht
    2. Wissenschaft und Forschung (Open Source Infrastruktur)
    3. Schöne Künste

Schlussbemerkungen

Im Urheberrecht und im Patentrecht ist Software einer Literatur gleichgestellt.

Das heisst auch, dass man mit Daten – welcher Art auch immer – nur dann ein Geschäft aufziehen kann, wenn irgendjemand ein Interesse an den Daten hat.

Angenommen, alle Daten wären immer und überall von jedem einzusehen – und damit meine ich auch die Web Cam im Schlafzimmer des Herrn Bundeskanzler –, dann wären Daten nichts mehr wert.

Wenn hinter einem Kunstwerk kein „Geheimnis“ mehr steckt – wertlos.

Wenn wir gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge auf Blogs beschreiben – ganze Studien werden sinnlos und wertlos.

Wenn wir die Perlen vor die Säue werfen……..Halt!! Ihr seid doch keine Säue! Und sind das hier überhaupt Perlen? Sind es nicht nur Binsenweisheiten? Die erst sinnvoll werden, wenn man einen schönen großen Computer hat, um Österreich einmal „so richtig durchzusimulieren“?

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel dieser Reihe


Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – Summary

Mai 13, 2021

Wie wir an den letzten Beiträgen gesehen haben, beschäftige ich mich zur Zeit in einer autodidakten Art und Weise mit den Fragen der Nachhaltigkeit, der Klimakatastrophe und den Möglichkeiten, ein Rudel, einen Hof oder eine Familie ethisch korrekt zu führen.

Bisher hatten wir folgende Beiträge:

Die unten genannten Beiträge sind dann später nachgefolgt

bzw. noch in Planung:

  • Weitere Fallbeispiele für das Gütekriterium
    Ist Überschuss gut? Überschuss der Familie? Globaler Überschuss?
    Das Gütekriterium für die moderne Familie und den modernen Staat (gibt es noch Rudel?)
    Glaube. Abschreibungen. Entropie.
    Brache, Eigenbedarf
  • Das globale Ressourcenproblem (P wird kleiner, K größer)
    P erhöhen oder K verkleinern? Kopfzahl? ü = 0
  • Macht ist Kopfzahl

Eine schöne neue Woche

Euer Christoph

P.S.: hier noch die „12 Gebote Christophs“ in einer VORLÄUFIGEN Version

  1. Gewinn ist auch nur ein Kostenfaktor
  2. Wenn Du einen Kredit nimmst, mietest Du ein Kapital
  3. Man soll Dinge nur outsourcen, wenn man selber zu teuer dafür ist, niemals aus Bequemlichkeit oder wegen Mangel von Know How
  4. Die Leistung des Eigentümers besteht darin, dass er seinen Namen hergibt und beruht auf gegenseitigem Vertrauen
  5. Der Miteigentümer leistet nichts und soll auch keine Dividende erhalten
  6. Ressourcen sind gratis, nur Menschen werden bezahlt
  7. Die Welt braucht einen Eigentümer – das ist die Menschheit (als Stellvertreter des Herrn)
  8. Die Welt braucht einen Namen – was haltet Ihr von Humanistan?
  9. Basis-Pensionen soll man nicht spekulativ veranlagen (also nicht über Miteigentümerschaft oder Finanzprodukte höheren Grades)
  10. Jede Veranlagung, die eine höhere Rendite verspricht als die Inflationsrate, läuft letzten Endes auf ein Pyramidenspiel hinaus.
  11. Wir sollten alle GEMEINSAM (trotzdem kompetitiv) an diesem Werk arbeiten, denn es ist GOTTES WERK.  
  12. Die ideale Inflationsrate entspricht der Abnützung der Produktionsmittel

Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – IV (Risiken)

Mai 13, 2021

Nachtrag zum heuristischen Gleichgewichtskriterium

Wir haben also jetzt definiert, dass ein Hof im Feudalsystem dann ethisch korrekt geführt wird, wenn das

Heuristische Gütekriterium für Hofführung im Feudalsystem

(R – C) + (1 – (K/P + ü)) * fBU = KPT * infl + shg * fBU  (Gl. IV.1)

über einen längeren Zeitraum gerechnet zutrifft

Wieder haben wir die drei Verantwortlichkeiten:

  1. Jedes Mitglied des Hofes muss dafür Sorge tragen, im Rahmen des Hofes gesund zu produzieren und zu konsumieren, wie es seiner eigenen Identität (Physis, Psyche) entspricht.
    Wenn das nicht geht, gibt es die üblichen drei Möglichkeiten
    1. Die Situation akzeptieren (für Looser) oder sich selber ändern (für treue Helden)
    2. Den Hof verlassen (für Abenteurer)
    3. Den Hof verändern (für Super-Heroes)
  2. Der Bauer hat das Gütekriterium zu überwachen und bei relevanten Abweichungen Maßnahmen zu setzen. Die Anteile (R – C) und (1 – (K/P + ü)) * fBU sind „über einen längeren Zeitraum zu rechnen“ – der in der Größenordnung der Verderbnis der Lebensmittel liegt, z.B. ein Jahr. Dasselbe gilt für die rechte Seite der Gleichung (Inflation und Schwund).
  3. Durch entsprechende Ethik-Regeln muss dafür gesorgt sein, dass es einen „sozialen Ausgleich“ gibt, der Starke muss dem Gefallenen „auf die Beine helfen“ (Heilung der „sozialen Krankheit“)

Und folgende Idealisierungen

  1. Almosen von einem Hof zu einem anderen sind hier vernachlässigt
  2. Kredite kann man als Finanzdienstleistungen mit diesem Modell als Teil des Imports darstellen
  3. Subventionen vom Fürsten an den Hof kann man als Investitionen in zukünftige Steuerzahlungen – Kapitalaufstockungen – interpretieren
  4. Steuern gegenüber dem Fürsten kann man als Zahlung einer importierten Serviceleistung interpretieren, da der sich um folgende Dinge kümmert
    1. Sozialer Ausgleich im Fürstentum
    2. Verteidigung des Fürstentums
    3. Ermöglichung des Handels (Währungspolitik, Straßenbau)

Einlagerung und Krise

Zuallererst ist die Balance zwischen Geldvermögen und Sachvermögen zu hinterfragen.

Geldeinlagerungen und Sacheinlagerungen dienen – und daran hat sich seit der Steinzeit nichts geändert – allesamt dem Überdauern der Krise, einen anderen Zweck gibt es nicht, ausser man möchte die Inflation.

Sachvermögen – zum Beispiel schöne Kunstwerke – können im Krisenfall bei einem anderen Hof gegen notwendige Güter getauscht werden, vorausgesetzt, diese sind im anderen Hof vorhanden und der andere Bauer mag Bilder.

Für Geld gilt im Wesentlichen dasselbe, man muss nur die Krise vorher durchsimulieren und sich überlegen, ob Geld oder Sachvermögen nützlicher sein wird, welche Art von Geld (z.B. Schweizer Franken) und welche Art von Sachvermögen (z.B. Knäckebrot).

Das gemeinsame Geld aller Höfe des Fürstentums ist eine sichere Anlage, solange der Fürst und die Bauern es gemeinsam schaffen die Inflation niedrig zu halten.

In diesem Beispiel gehen wir davon aus, dass alle Einlagerungen als Spareinlagen vor sich gehen und dass die Krise immer nur ein Fürstentum betrifft – mit Geld kann man in der Krise beim Nachbarfürstentum BEGRENZT Güter einkaufen, solange die Währung dadurch nicht in die Inflation gerät.

Beispiel „Einlagerung nur durch Geldvermögen“

Wenn der Hof nur Geldvermögen einlagert, dann heisst das, dass sein gesamtes Sachvermögen nur aus Produktionsmitteln besteht (die Nettoeinlagerungsquote NEQ = 1 – (K / P + ü) ist also übers Jahr immer noch Null) und beide Faktoren, infl und shg, müssen aus den Spareinlagen R – C gedeckt werden.

Das eingesetzte Kapital KPT entspricht dem größten anzunehmenden Unfall GAU = gau * fBU (im letzten Beispiel war das gau * fBU = 3 * fBU).

shg………..durchschnittlicher anteiliger Produktionsausfall durch Abnützung der Produktionsmittel
+ durchschnittlicher anteiliger Produktionsausfall durch Krisen

KPT………..GAU = gau * fBU = 3 * fBU

also eingesetzt

(1 – (K/P + ü)) * fBU = 0 (Gl. IV.2)

(R – C) = KPT * infl + shg * fBU (Gl. IV.3)

(Gl. IV.3) kennen wir bereits. Sie gibt an, wieviel Geld der Hof sparen sollte. Der Reingewinn, der dem Eigentümer zusteht, ist hier bereits abgezogen und diente dazu, den „Namen des Eigentümers anteilig zu mieten“.

Ein „guter Name“ ist mehr wert, ein „schlechter Name“ ist weniger wert.

(Gl. IV.2) erinnert sehr an das Kriterium für den Nomaden 1 – K / P = 0, nur gibt es hier noch den Anteil ü, weil es ja einen Außenhandel (von Hof zu Hof) gibt.

Ethisches Gleichgewicht: ü = 1 – K / P

K / P ist das Verhältnis zwischen Konsumzahl und Produktionszahl und darf ungleich 1 sein, wenn es im Aussenhandel entweder einen Überschuß oder einen Nettoimport gibt.

Für Gesellschaften mit K / P > 1 muss ü < 0 sein (Nettoimporte), sonst folgt daraus negativer Schwund (mit allen Folgen, die bereits für die Nomaden ventiliert wurden).

Für K/P < 1 muss ü > 0 sein, sonst folgt daraus positiver Schwund (mit allen seinen Folgen, die bereits für die Nomaden ventiliert wurden).

Anmerkung: zum „Gütekriterium unter Berücksichtigung des Überschusses ü“ und zum „Gütekriterium unter Berücksichtigung moderner Produktions- und Konsumverhältnisse“ wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch detailliertere Beispiele durchdenken.

Einlagerung und Versicherung, Weltvermögen

Natürlich kann man die Einlagerung auch outsourcen zu Versicherungsunternehmen, wenn man nicht die Möglichkeiten zur Einlagerung hat.

Unter Berücksichtigung der Versicherungsunternehmen bleibt also der Satz

Die weltweite Gesamteinlagerung von Geld- und Sachvermögen (inklusive Einlagerungen durch Versicherungsunternehmen, ausgenommen Produktionsmittel) sollte der Gesamtmenge der Risiken entsprechen, die durch diese Art Vermögen überhaupt gedeckt werden können

Es hat keinen Sinn, Vermögen anzuhäufen für Risiken, die prinzipiell oder durch dieses Vermögen nicht verhindert oder zumindest gelindert werden können.

Wie ist das nun mit den Risiken für die Weltwirtschaft (ich meine nicht Deinen privaten Haushalt, dort kennst Du Dich besser aus)?

  1. Inflation
  2. Epidemien
  3. Pandemien
  4. Erdbeben und Tsunamis
  5. Vulkanausbrüche
  6. GAUs mit menschlichen Technologien (Reaktorkatastrophen)
  7. Meteoriteneinschlag
  8. Kometeneinschlag
  9. Kriege und Hungersnöte
  10. Revolutionen, Raubzüge

Welche sind unvermeidbar? Welche kann man mit Geld- oder Sachvermögen wieder gut machen oder mildern? Welche kann man mit dem Einsatz von Geld- oder Sachvermögen vermeiden?

Jeder denke selber nach, ob wir zuviel, zuwenig oder genau richtig viel besitzen, und ob eine Pandemie nicht ein Argument für Vermögenssteuern ist.

Meint

Euer Christoph

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Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – III (Verstädterung)

Mai 12, 2021

Vom Geld

Als wir uns im letzten Beitrag https://letztersein.com/2021/05/11/der-weg-vom-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-ii-zur-hofwirtschaft/ **) Gedanken über die Hofwirtschaft machten, entdeckten wir, dass es nun eine gemeinsame Währung geben MUSSTE, um den Handel zwischen den Höfen zu ermöglichen, sodass jeder Hof nur mehr einen Teil seines Verbrauches auch selber erzeugte.

Spezialisierung war angesagt, der Transport wuchs.

Aber ein „internes“ Geld – eine innerhalb der Sippe gültige „Währung“ musste es auch schon bei den Jägern und Sammlern gegeben haben, um Erzeugung und Verbrauch gerecht zu verteilen.

Bei den Überlegungen über den Schwund sind wir dahinter gekommen, dass sich Lebensmittel nur schlecht als Währung eignen, weil sie nach kurzer Zeit verderben.

Welche Eigenschaften sollte ein Geldstück also haben?

  • Alle (die ganze Sippe) sollten an den Wert des Geldstücks glauben
  • Es sollte nicht kopierbar sein (die Sacheigenschaft haben) und der Eigentümer (die Sippe) sollte erkennbar sein
  • Es sollte gut lagerfähig sein

Man nimmt an, dass z.B. Tierknochen aus der Jagdbeute oder Felle als interne Währung der Jäger und Sammler verwendet wurden.

Je einen höheren Anteil an der Jagdbeute man bekam, desto mehr „interne Dienstleistungen“ konnte man sich leisten – abgesehen vom Fleisch, das ja zum Verzehr gedacht war.

Natürlich sollte das Geld nur innerhalb der Sippe eine Bedeutung haben, weshalb wohl der Häuptling sein Zeichen auf die Knochen gemacht hat, vielleicht jedes Jahr ein neues, weil die alten Knochen nichts mehr wert sein sollten.

Städte/Gewerbe – Trennung von Haus u. Hof

Mit dem Geld kam die Macht.

Mit steigender Produktivität (wir Erfinder sind der Teufel) wuchs wieder die Kopfzahl und damit der Ressourcenverbrauch, was wiederum die Ressourcen knapp werden ließ.

Außerdem musste die gemeinsame Währung verwaltet werden – eine Schatzkammer musste es geben, um die Währung am Geldmarkt zu verteidigen –, was gemeinsam mit dem Handel Machtzentren hervorrief und die Marke des Gebietes verteuerte.

Die Städter lebten zwar effizienter – eng zusammengerückt (Fernwärme, Straßenbahn, …………), benötigten aber mehr Geld, da man von den Grundnahrungsmitteln abhängig war, außerdem gab es Vergnügungen sondergleichen. Das Preisniveau stieg durch die Verstädterung.

Ausserdem machte Stadt krank, was in dieselbe Kerbe schlug.

Dadurch konnte der Bauer zwar leichter Luxusgüter aus dem Ausland importieren, das Ersparte wurde aber weniger wert, er war also nicht mehr so krisensicher.

Dadurch mussten die Bauern noch mehr produzieren und wurden schließlich wehrlos, weil sie nicht mehr in die Verteidigung des Hofes investieren konnten.

Die Marke lockte andere Fürsten an und führte zu Beutezügen aus dem Ausland.

Nun war es die Pflicht und Schuldigkeit des Machtzentrums, die gemeinsame Währung durch Waffengewalt zu verteidigen.

Somit sind die Währungspolitik, die Handelspolitik und die Verteidigungspolitik die ersten und wichtigsten Aufgaben einer Währungsunion.

All dies war ein Teufelskreis und wir wollen uns jetzt  überlegen, ob wir im Feudalsystem ein Gleichgewicht finden könnten.

Wir nehmen an, dass durch Landflucht weder die Konsumzahl K am Land noch die Produktionszahl P am Land sich ändern, bloß die Kopfzahl reduziert sich, was die Lage an der Ressourcenfront für den Eigenverbrauch wieder beruhigt.

Es war aber weniger Überschuss da, den man in die Stadt exportieren konnte. Der Bauer konnte sich also keine Luxusgüter mehr leisten.

Was passierte aber in der Stadt? Wenn ein Flüchtling vom Land ankommt, erhöht sich mal die Konsumzahl K, wodurch entweder die Reserven angetastet werden müssen (wenn die Stadt welche hat), oder der Lebensstandard sinkt augenblicklich durch Verteilung des Konsums auf mehr Köpfe, oder man nimmt auf die Flüchtlinge Kredite auf, weil man auf ihre Zukunft hofft.

Solange der Flüchtling in Ausbildung ist, ist das für die Stadt häßlich.

Und es kommen auch Flüchtlinge von einer großen Landfläche in eine kleine Stadtfläche, das Ressourcenproblem ist hier also noch viel häßlicher als am Land.

Gewerbebetriebe müssen auf engstem Raum aus den Ressourcen Geld machen, um die Nahrungsmittel vom Land kaufen zu können, was zu einer sehr starken Umweltbelastung führt.

Städte sind schmutzig. Der Gewerbetreibende wird also möglichst weit weg von seinem Gewerbe wohnen – der innerstädtische Berufsverkehr ward erfunden.

Nun wollen wir alle diese Behauptungen durch Formeln hinterlegen.

Zur Realwirtschaft (Waren, Dienstleistungen, Daten) kommt nun also noch die Geldwirtschaft hinzu (Münzen, Geldscheine, Schuldscheine aller Art, Aktien, Finanzprodukte höherer Ordnung, ……)

Der Hof

  • Gesamtproduktion 100% entspricht fiktivem Bruttoumsatz fBU
  • Bruttoeinnahmen R (Revenue)
  • Nettoeinlagerungsquote NEQ =
    = (Produktion – (Export – Import) – Konsum) / Produktion
  • Nettosparquote NSPQ = (R – C) / R
      R = Revenue(Export),
    C = Cost (Import*))
  • eingesetztes Kapital KPT, um Krisen abwehren zu können

*) Die „Kosten für Import“ enthalten auch alle Steuern und Abgaben an den Fürsten und den Reingewinn für den Eigentümer

„Ethisch einwandfreie Hofführung“ ist schwerer zu definieren

Heuristisch setze ich:

Alle Risiken, die im Durchrechnungszeitraum auftreten, das sind der „Schwund durch höhere Gewalt“ und die Inflation, sollen durch Einlagerung und Spareinlagen abgedeckt werden.

NSPQ * R = KPT * infl   (Gl. III.1a)

NEQ * fBU = shg * fBU (Gl. III.1b)


NSPQ * R + NEQ * fBU = KPT * infl + shg * fBU (Gl. III.1)

NSPQ……..Nettospareinlagen, bezogen auf R

KPT..……….Eingesetztes Kapital (zur Deckung der Risiken)

NEQ……….Nettoeinlagerungsquote, bezogen auf Gesamtproduktion

infl………….Geldinflation über den Durchrechnungszeitraum

shg…………Schwund durch höhere Gewalt, bezogen auf fBU und den Durchrechnungszeitraum

Wir können nun in die linke Seite von (Gl. III.1) einsetzen (siehe Nebenrechnung NR):

Heuristisches gemischt real- und finanzwirtschaftliches Gütekriterium für Hofwirtschaft im Feudalsystem

(R – C) + (1 – (K/P + ü)) * fBU = KPT * infl + shg * fBU  (Gl. III.2)

R – C …..Nettospareinlagen, absolut = Gewinn

ü = (Export – Import) / Produktion = Waren-Überschuß, bezogen auf die Produktion

Nebenrechnung

NSPQ * R = (R – C) * R / R = R – C

NEQ = (Produktion – Konsumation – (Export – Import)) / Produktion

Konsumation / Produktion = K / P

(Export – Import) / Produktion = ü ………. Überschuss, bezogen auf Produktion

NEQ * fBU = (1 – ( K/P + ü ) ) * fBU

Interpretation von Gl. III.2

Erster Fall: nehmen wir einen Hof, auf dem alle 5 Jahre einmal die gesamte Produktion ausfällt. Schlimmstenfalls können drei solcher Ereignisse in Serie auftreten. Es wird nur Kapital gelagert, NEQ ist übers Jahr immer noch Null.

Wir setzen also das Kapital

KPT = gau * fBU (Gl. III.3)

ein, um drei schlimme Jahre überstehen zu können.

gau = 3 ………. größter anzunehmender Unfall, bezogen auf den fiktiven Wert der Gesamtproduktion

Im Durchschnitt muss der Komplettausfall aber nur alle 5 Jahre finanziert werden, es gilt also

shg = 1 / 5

(R – C) = KPT * infl + shg * fBU = KPT * infl + shg * KPT / gau

(R – C) / KPT = infl + 1 / 15

Rendite = infl + 1/15

Wir sehen, eine „gesunde“ Rendite deckt genau die Inflation und die Risiken (Schwund bzw. Produktionsausfall durch höhere Gewalt).

Hier gehen wir davon aus, dass der Eigentümer als Teil des Produktions- und Konsumprozesses ein Teil des Hofes ist und mit dem Hof produziert und konsumiert, er entnimmt dem Hof keinen „externen Gewinn“ (Reingewinn).

Das ist also in diesem Beispiel der pure Kommunismus, weil ja niemand einen Lohn in der externen gemeinsamen Währung bekommt, um auch extern konsumieren zu können.

Der Weg zur arbeitsteiligen Konsumgesellschaft

wird demnächst besser beleuchtet

**) Alle Artikel dieser Reihe

 


Der Weg vom Nomaden zum Sklaven des Marktes – II (zur Hofwirtschaft)

Mai 11, 2021

Wiederholung über den Nomaden

Im letzten Beitrag https://letztersein.com/2021/05/09/der-weg-from-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-i-nomaden/ **) haben wir gesehen, dass der Nomade im Wesentlichen einen Transportfaktor (Personen- und Warentransport) von Null hat, weil er nichts zum und vom Markt transportiert und nur möglichst selten wandert.

Transport << 100%

Abbildung 1: Erzeugung, Verbrauch und Transport in der nomadischen Sippe

Weiters haben wir die Konsumzahl definiert:

Konsumzahl = K := konsumierende Personenäquivalente / produzierende Personenäquivalente (Gl. II.1)

Wenn zum Beispiel in einer Sippe jedes zehnte Mitgied unproduktiv ist, dann gilt z.B.

Anzahl produktiver Mitglieder NP = 35, also
Anzahl unproduktiver Mitglieder NU = 35 / 10 = 3,5
===>
K = (NP + NU) / NP
= (NP + NP / 10) / NP
= 1 + 1/10
= 1.1

Natürlich sind wir von idealisierenden Voraussetzungen ausgegangen:

  • Der Nomade kann das „momentan besetzte“ Gebiet Gi frei wählen, ohne Krieg zu führen
  • Es gibt keinen Markt und kein Geld
  • Es gibt weder Raubzüge noch Geschenke (Almosen) noch Leihgaben von oder für andere Sippen

Dann bleibt der Nomade im Normalfall an seinem Ort und die Sippe produziert ihren gesamten Konsum selbst:

Näherung während der sesshaften Periode:
lokale Erzeugung = lokaler Verbrauch –> Transport = 0 (Gl. II.2)

Reserve und Schwund

Ein kleiner Anteil der Produktion (nur Sachen, keine Dienstleistungen) geht in die Reserve für schlechte Zeiten, muss aber wieder verbraucht werden, bevor er verdirbt.

Wenn etwas verdirbt, bezeichnen wir das als Schwund oder – moralisierend – als Verschwendung.

Über einen längeren Zeitraum gerechnet, entspricht die netto Einlagerungsquote (Einlagerung – Auslagerung) / Produktion also dem Schwund bezogen auf die Produktion.

übers Jahr gerechnet (in der Reserve verdirbt jedes Lebensmittel spätestens nach einem Jahr, sei die Annahme):
netto Einlagerungsquote = Schwund (bezogen auf Produktion) (Gl. II.3)

Aufbruch

Wenn nun die Erzeugung hinter dem Verbrauch zurückbleibt, wenn der Nomade dem Gebiet Gi also nicht mehr die nötigen Ressourcen entnehmen und verarbeiten kann – entweder

  • weil er die nötigen Ressourcen verbraucht hat (Phosphor, sauberes Wasser, Stickstoff im Boden, seltene Erden, ……),
  • weil er nicht die nötige Technologie hat, um dem Gebiet nötige Ressourcen zu entnehmen (erneuerbare Stromerzeugung, nachhaltige Landwirtschaft, ……),
  • weil die Umgebung nicht mehr lebenswert ist und somit den Nomaden in seiner Lebenskraft schwächt (Klimawandel, Artensterben, Pandemien ……) oder
  • eigentlich kann man generell sagen „wegen Misswirtschaft“
    • er hat die falschen Produktionsmittel gewählt,
    • er hat seine Produktionsmittel nicht gepflegt,
    • er hat nicht für Risiken vorgesorgt oder
    • er hat das falsche Gebiet Gi gewählt
    • er hat zu viel (Überbevölkerung) oder zu wenig (Überalterung) Kinder bekommen

dann packt er alle seine Produktionsmittel und Reserven, seine Kinder und seine Siechen (hoffentlich) und macht sich auf den Weg in ein neues Gebiet Gk ≠ Gi, in dem er dann wieder mit demselben Lebensstandard weiterleben kann.

Der Aufbruch des Nomaden, der Transportfaktor = N = Nomadisierungsfaktor ist also ein Eingeständnis, dass die Sippe mit diesem Gebiet Gi nicht zurechtkommt *).

*) Hier ist ein psychologischer Faktor nicht berücksichtigt. Manchmal braucht der Mensch einfach Veränderung, damit er nicht an Fadheit stirbt. Der Aufbruch des Nomaden kann also auch aus diesem Blickwinkel betrachtet werden.

Solange eine Ansammlung von Gebieten Gi, also nennen wir es das Habitat H = G1 + G2 + G3 + … + Gn nur schütter bewohnt ist, ist dies aber eine mögliche, gangbare Lebensweise.

Sagen wir, sein Habitat H seien 10 Gebiete Gi = G1 bis G10, dann können in den anderen 9 Gebieten die „Ressourcen nachwachsen“, während er das zehnte Gebiet ausbeutet. Er kann seinem Gebiet also 10x so viel entnehmen, wie nachwächst, und bleibt immer nur ein Zehntel des „Durchwanderungszeitraumes“ in einem Gebiet.

Wir definieren noch die momentane Gesamtproduktionszahl: das, was zur gegebenen Zeit in der gegebenen Sippe eine durchschnittliche produktive Person produziert, bezogen auf das, was eine durchschnittliche Person konsumiert:

PPÄ …produzierende Personenäquivalente

P := (Produktion / PPÄ) / (Konsum/Gesamt-Personenzahl)
P = (Produktion / Konsum) * (Gesamt-Personenzahl / PPÄ)

P = (Produktion / Konsum) * K (Gl. II.4)

Weil die netto Einlagerungsquote NEQ so definiert ist:

NEQ := (Einlagerung – Auslagerung) / Produktion (Gl. II.5)

= (Produktion – Konsum) / Produktion
= 1 – Konsum / Produktion

also

1 – NEQ = Konsum / Produktion, (Gl. II.6)

können wir (Gl. II.6) in (Gl. II.4) einsetzen:

P = 1 / (1 – NEQ) * K

P / K = 1 / (1 – NEQ)

(1 – NEQ) = K / P

NEQ = 1 – K / P

Die momentane Einlagerungsquote ist also

netto Einlagerungsquote = 1 – Konsumzahl / Produktionszahl (Gl. II.7)

Da die durchschnittliche Einlagerungsquote – übers Jahr gerechnet – beim Nomaden ohne Markt und ohne Geld dem Schwund entspricht – und weil wir Schwund als ethisch böse bewerten (Verschwendung) – wünschen wir uns

Ethisch guter Nomade *):
0 = 1 – K / P —–> K = P (Gl. II.8)

*) später werden wir einen „Schwund aufgrund höherer Gewalt“ (shg) definieren, sodass diese Gleichung eigentlich lauten müsste: 1 – K/P = shg

Das heisst, dass, wenn alle Mitglieder der Sippe gut versorgt sind – also weder unterversorgt noch überversorgt und die produktiven Mitglieder gut ausgelastet sind, weder überlastet noch unterbeschäftigt, trotzdem der Schwund gleich Null ist.

Feststellungen durch den Häuptling

Festgestellter SachverhaltMögliche UrsachenMögliche Reaktionen der Sippe
P steigt (Überfluss)a) langfristig – Lernkurve (Innovation)
(höhere Produktivität oder sparsamerer Konsum)
b) mittelfristig – Weiterwandern ist
passiert, Gebiet ist jetzt fruchtbarer
c) temporär – Frühling
P verkleinern 1)
K vergrößern 2)
Auslagerung reduzieren 3)
Einlagerung vergrößern 3a)
K sinkt (Überfluss)a) langfristig – ein nicht Produktiver stirbt
b) mittelfristig – ein Kind wird erwachsen / ein produktiver Flüchtling aufgenommen
b) temporär – ein Kranker wird gesund
P verkleinern 1)
K vergrößern 2)
Auslagerung reduzieren 3)
Einlagerung vergrößern 3a)
P sinkt (Mangel)a1) langfristig – das Habitat ist ausgelaugt
a2) langfristig – Vergessenskurve (Gegenteil von Innovation)
(niedrigere Produktivität oder verschwenderischer Konsum)
b) mittelfristig – das Gebiet ist ausgelaugt->weiterwandern
c) temporär – Herbst
P vergrößern 4)
K verkleinern 5)
Auslagerung vergrößern 6)
Einlagerung verkleinern 6a)
K steigt (Mangel)a) langfristig – ein Produktiver wird endgültig unproduktiv oder er stirbt „nur“
b) mittelfristig – ein Kind wird gezeugt / ein unproduktiver Flüchtling aufgenommen
c) temporär – ein Mensch wird krank
P vergrößern 4)
K verkleinern 5)
Auslagerung vergrößern 6)
EInlagerung verkleinern 6a)
Mögliche Ursachen für Überfluss/Mangel und Reaktionen der Sippe

Ethische Bewertung der möglichen Reaktionen

1), 2) und 3)/3a) sind die möglichen Reaktionen auf Überfluss,

4), 5) und 6)/6a) geben an, was man bei Mangel tun kann.

Hier wollen wir auch den ethischen Wert der verschiedenen Reaktionen bewerten.

1) + 2) P verkleinern oder K vergrößern

K kann man vergrößern, indem man

  1. Kinder zeugt
  2. Krankheiten fördert
  3. Unproduktive Flüchtlinge aus anderen Sippen aufnimmt
  1. und 3. sind ethisch OK, 2. ist ethisch nicht in Ordnung

P kann man verkleinern durch Unterbeschäftigung für die produktiven Mitglieder oder Überkonsum für alle.

Beides kann man eher nur negativ beurteilen, im besten Fall wird es dazu führen, dass die produktiven Mitglieder beginnen, unnützes Zeug zu produzieren, das nur Ressourcen verbraucht und dann verdirbt.

Dieses unnütze Zeug kann man ethisch nur gerechtfertigen, wenn es dem Kindersegen dient (z.B. Schmuck, schönes Gewand, Dorffeste, ……), sodass es ein ethisch korrekter Umweg zum Punkt 1. ist, oder es dient als Geld zum Einlagern (zum Geld später mehr).

3) Auslagerung reduzieren 3a) Einlagerung vergrößern

Wenn P nur temporär steigt, zum Beispiel weil Frühling ist, dann hat es Sinn, nicht mehr eingelegte Gurken zu essen, sondern lieber Frischgemüse.

Längerfristig kann es Sinn machen, Geld oder andere Wertgegenstände einzulagern (zum Geld später mehr)

4) + 5) + 6) P vergrößern oder K verkleinern, Auslagerung vergrößern, Einlagerung verkleinern

Der Umgang mit Mangel ist ethisch sehr viel schwieriger, als der Umgang mit Überfluß.

K verkleinern geht nur langfristig, indem man weniger Kinder bekommt und die Kopfzahl reduziert (oder kurzfristig, indem man produktive Flüchtlinge aufnimmt, die sind aber rar). Das ist die ethisch korrekte Antwort, wenn das Habitat oder die Sippe ausgelaugt sind, die erste Antwort führt zum Exitus der Sippe, die zweite ist eine „Auffrischung durch fremdes Blut“.

Eine ethisch nicht korrekte Möglichkeit besteht darin, das Aussterben zu beschleunigen, indem man die sogenannten nicht produktiven Mitglieder der Sippe beseitigt (wie auch immer).

Ansonsten bleibt nur die kurzfristige Möglichkeit, auf die Reserven zuzugreifen (solange man noch welche hat – deficit spending) und die mittel- bis langfristige Möglichkeit, P zu erhöhen.

Ethisch nicht korrekte Erhöhung von P: Eroberungskrieg führen und Habitat wechseln.

Ethisch korrekte Erhöhung von P: Innovation oder unbesetztes fruchtbares Habitat suchen.

Verantwortung

Zu den Themen Unter-/Überversorung und Unter-/Überbelastung müssen wir erstens davon ausgehen, dass jedes Mitglied der Sippe die Verantwortung wahrnimmt, seine Produktion und seine Konsumation im Rahmen der eigenen Gesundheit gut zu dimensionieren.

Das ist die ethische Verantwortung des Individuums in der Nomadensippe,
so zu konsumieren und so zu produzieren, dass es selbst als Individuum gesund und zufrieden lebt.

Hierzu wieder der Hinweis auf die Sabbath-Regel des Judentums und die 8:8:8 Regel des Hl. Benedikt, die wir später erforschen wollen.

Zweitens sollte übers Jahr gerechnet das Gütekriterium (Gl. II.8) eingehalten werden,
das ist die Verantwortung des Häuptlings,
damit die Sippe übers Jahr betrachtet ohne Verschwendung, ohne Hungersnot, ohne Raubzüge und durch die anderen Sippen wohlgeachtet (ohne Almosen) leben kann.

Drittens ist es die Verantwortung des Häuptlings, für einen sozialen Ausgleich zu sorgen, sodass der Starke dem Schwachen auf die Beine hilft (Heilung der „sozialen Krankheit“)

Die Hofwirtschaft

Als die Menschen ihre Technologie = Produktivität = Produktionszahl P steigerten, konnten sie mehr Kinder bekommen, wurden mehr und mehr und merkten schließlich, dass das Nomadenleben immer mehr zu Kriegen führte, da es öfter passierte, dass man in ein Gebiet Gi ziehen wollte, das bereits von einer anderen Sippe besetzt war.

Einige Menschen akzeptierten die Dezimierung durch diese Kriege und waren zufrieden damit (love it), andere traten weite Wanderungen an – weiter als das übliche Nomadisieren – auf der Suche nach unbesetzten oder „schwach“ besetzten fruchtbaren Gebieten (leave it) und einige kluge Köpfe (change it) steckten ihre Köpfe zusammen und erfanden die Hofwirtschaft.

Da nicht mehr genug Grund vorhanden war, musste der Grund Eigentümer bekommen, sogenannte „Höfe“. G1 = H1, G2 = H2, G3 = H3, G4 = H4, ……, Gn = Hn.

Jeder Hof musste sich auf seinen Grund „spezialisieren“, also Erzeugung und Verbrauch so organisieren, dass es diesem Grund „entsprach“. Natürlich gab es dann Produkte, also Waren, Dienstleistungen und Daten, die man „eigentlich“ brauchte, die aber nur auf einem anderen Hof wirtschaftlich produziert werden konnten.

Auch Luxusgüter benötigte man, um das Weibchen anzulocken.

Abbildung 2: In der Hofwirtschaft entspricht der externe Transport der Erwerbsquote EQ

Deshalb erfand man den Markt und das „externe“ Geld.

Der Transport zum und vom Markt entspricht dann der Erwerbsquote:

EQ = Erzeugung für den Markt / Gesamterzeugung (Gl. II.9)

Für diese Erwerbstätigkeit, kann auf dem Markt ein Preis R (Revenue) erzielt werden. Die Erwerbstätigkeit wird also eingepreist und durch Vergleich der Aufwände für die Markterzeugnisse mit den Aufwänden für die Gesamterzeugung kann man auch die Gesamterzeugung bepreisen und hat nun zum ersten Mal einen fiktiven Brutto-Umsatz, um die „Größe“ des Hofes mit anderen Höfen objektiv zu vergleichen.

fBU = R * Gesamtaufwand / Aufwand für Erwerbstätigkeit (Gl. II.10)

Den Aufwand kann man in „effektiv produzierenden Personenäquivalenten“ messen (wenn man den Wert des Ressourceneinsatzes vernachlässigt)

Gesamtaufwand = PPÄ

Aufwand für Erwerbstätigkeit = EQ * PPÄ

also

fBU = R / EQ

ACHTUNG: die Erwerbsquote bezieht sich hier nur auf die „produktiven“ Mitglieder. Entgegen anderslautender Behauptungen an anderer Stelle ist die Erwerbsquote NICHT der Kehrwert der Konsumzahl:

K = Gesamt-Personen-Äquivalente / produktive Personen-Äquivalente

EQ = erwerbstätige Personenäquivalente / produktive Personen-Äquivalente

Oft wird man sich für die Hof-interne Wirtschaft nicht interessieren und alle externen Effekte derselben (Ressourcenverbrauch und -gewinnung im Gebiet Gi) im Transport vom und zum Markt verpreisen, in diesem Fall kann man die

Effektive Erwerbsquote EEQ (für die Finanzwirtschaft effektiv)
= EQ / K
= erwerbstätige Personen-Äquivalente / Gesamt-Personen-Äquivalente

definieren.

Das „interne“ Geld der Nomaden

Eine Art „internes“ Geld mussten ja schon die Nomaden (und auch die Jäger und Sammler) gehabt haben, um Produktion und Konsum gerecht auf die einzelnen Familien in der Sippe zu verteilen.

Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Familienbeihilfe, Sozialbeihilfen – ethisch OK

Manche Familien hatten mehr Kinder oder Kranke oder schwächere Produzenten oder verschwenderische Konsumenten – die musste man unterstützen und schelten bzw. motivieren -, andere Familien hatten weniger Kinder, Kranke oder stärkere Produzenten oder sparsamere Konsumenten – die musste man besteuern und loben.

Subventionen für die Landwirtschaft, Regionalförderungen, Kulturförderungen

und dergleichen sind ethisch nicht OK*, wenn es keine gesellschaftliche Gegenleistung gibt,

weil sie Wirtschaftszweige und Lebensräume künstlich am Leben erhalten (die nicht dem Menschen entsprechen) und die Menschen davon abhalten, in artgerechte Wirtschaftszweige und Lebensräume zu wechseln

* Notiz: Da meine Arbeit zu einem kleinen Anteil auch der Standardisierung zugute kommt, was insgesamt den Markt vergrößert, aber auch dem Mitbewerb nutzt und nicht nur unseren Kunden, bekommt mein Arbeitgeber dafür eine kleine Subvention vom Staat – eine „Förderung“. Dies ist also keine „Subvention ohne Gegenleistung“, sondern eine „Anerkennung der gesellschaftlichen Leistung“ (quid pro quo)

Von der Hofwirtschaft zur arbeitsteiligen Gesellschaft

Wie es weitergeht?

Demnächst hier

Euer Christoph

**) Alle Artikel dieser Reihe


Der Weg vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – I (Nomaden)

Mai 9, 2021

Einleitung

Wie im letzten Beitrag https://letztersein.com/2021/05/07/die-familie-als-keimzelle-des-staates/ *) angedeutet, beschäftige ich mich zurzeit ein wenig mit den Themen

  • Klimakrise
  • Nachhaltigkeit
  • Regionalität
  • Total Reset
  • usw.

Dort habe ich begonnen, mir Gedanken zu machen, indem ich mein eigenes Berufsleben ein wenig nach Kennzahlen gedeutet habe (Bruttoumsatz, Nettoeinkommen, effektive Erwerbsquote innerhalb meiner Familie), und kam zu dem sogenannten

Heuristischen Gleichgewichtskriterium

Effektive Erwerbsquote = Nettoeinkommen / Bruttoumsatz (Gl. I.1)

alles bezogen auf eine bestimmte Wirtschaft, sei es eine Sippe, ein Hof oder eine Familie, ein Staatshaushalt oder die Weltwirtschaft an sich.

Da Österreich einen Gesamtumsatz von gegoogleten ~450 Milliarden Euros und ein gegoogletes Nettoeinkommen von ~90 Milliarden Euro hat (90 / 450 = 20%) und eine Erwerbsquote von 50%, heisst das auf einen ersten heuristischen Blick, dass wir um den Faktor 50% / 20% = 2,5 zuviel arbeiten bzw. zuwenig verdienen !!!

Dabei bin ich davon ausgegangen, dass sich Produktion und Konsum die Waage halten sollten („Gleichgewicht“), habe aber noch einiges offen gelassen, zum Beispiel bin ich noch nicht sicher, wie der Begriff der „Wertschöpfung“ in diese Überlegungen hineinspielt.

Es ist eben ein heuristischer Ansatz und wir wollen nicht den Vorwurf auf uns sitzen lassen, dass wir nicht nach der Wahrheit geforscht hätten, dass wir die Regeln der Wissenschaft ignorierten.

Beginnen wir also ganz von vorne, beginnen wir beim

Nomadentum

Abbildung 1: Erzeugung, Verbrauch und Transport bei einer nomadisierenden Sippe

Erzeugung und Verbrauch im Nomadentum

Der Nomade hat als Produktionsmittel unter anderem Ziegen und Schafe und entnimmt damit dem Gebiet G, in dem er sich aufhält die nötigen Ressourcen, um damit seinen Eigenbedarf zu decken.

Solange es keinen Markt gibt (in unserem Beispiel gehen wir davon aus, dass es weder Markt noch Geld gibt), gibt es auch keine Erwerbstätigkeit, dennoch gibt es eine Mannigfaltigkeit von Arbeiten zu erledigen.

Es gilt nicht nur die Rohstoffe zu produzieren (Milch, Fleisch), sondern die Nahrung muss auch zubereitet und gemeinsam verzehrt werden. Weiters sind die Zelte und sonstigen Produktionsmittel instand zu halten und von Zeit zu Zeit zu erneuern.

Man muß Neuigkeiten austauschen, zum Beispiel am Lagerfeuer, spielen, trainieren und sich die Zeit vertreiben, sodass alle hübsch motiviert bleiben.

Zusätzlich kann man auch jagen und sammeln gehen, wenn das Gebiet es hergibt.

Ausserdem gibt es auch Mitglieder, die am Produktionsprozess definitiv nicht teilnehmen, weil sie noch in Ausbildug sind (Kinder) oder krank.

Die Alten nehmen durchaus am Produktionsprozeß teil, da sie meist gute Geschichten zu erzählen haben und somit für die Ausbildung der Kinder zuständig sind.

Bei den Israeliten waren die Alten durch das 4. Gebot des Mose (nach den ersten drei Geboten, die sich auf Gott bezogen, war es das erste und wichtigste Gebot, das sich auf Menschen bezieht) „Du sollst Mutter und Vater ehren“, auch wenn sie – ganz am Schluß – an der Kindererziehung nicht mehr produktiv teilnehmen konnten.

Daraus ergibt sich eine „Konsumzahl K“:

Konsumzahl K = Gesamtzahl konsumierende Personenäquivalente / produktive Personenäquivalente“.

Natürlich kann der Mensch nicht nur produzieren und konsumieren, sondern er muss auch trainieren, sich weiterbilden und träumen. Deshalb kann es nicht das Ziel der Menschheit sein, immer mehr und mehr zu produzieren und zu konsumieren – Konsum strengt ja auch an und kann sogar krank machen – sondern die „richtige Balance“ zu finden.

Dazu gab es zum Beispiel die Sabbath-Regel des Judentums oder die 8:8:8 Regel des Hl. Benedikt (später mehr dazu).

Transport im Nomadentum

Wenn ein Gebiet nicht mehr die nötigen Ressourcen hat, merkt der Nomade das daran, dass die Erzeugung hinter dem Verbrauch zurückbleibt, indem er sieht, dass seine Reserven schwinden.

Er verlässt dann das Gebiet G um in ein fruchtbareres Gebiet zu wechseln. Durch das Nomadisieren werden also, da während der Reise weniger produziert wird, die Vorräte weiter schwinden (Transport-Aufwand = N), sodass die Entscheidung zum Aufbruch schon eine kritische Entscheidung ist. Auf keinen Fall darf man zu spät aufbrechen.

Wie ist das heute? Schaffen wir es, mit den Ressourcen des Planeten auszukommen? Wenn nein, dann muss es immer wieder Katastrophen geben, die uns dezimieren, oder wir müssen auswandern.

Diese drei möglichen Stoßrichtungen gibt es heute:

  • Wir akzeptieren, dass es immer wieder Katastrophen (Kriege, Hungersnöte, ……) gibt
  • Wir beginnen, den Mond und die anderen Planeten und ihre Monde zu bewirtschaften
  • Wir lernen, mit den Ressourcen des Planeten auszukommen

Es erinnert mich an die drei „Möglichkeiten, die Du hast, wenn Du im Mangel lebst“:

  • love it,
  • leave it or
  • change it.

Wahrscheinlich wird es eine Mischung von allen dreien.

Meint

Euer Christoph

*) Alle Artikel dieser Reihe


Die Familie als Keimzelle des Staates

Mai 7, 2021

Liebe Leser!
Ich möchte Euch heute einladen auf eine kleine Hirnakrobatik zum Thema „was tun wir hier eigentlich“, bzw. „wie leben wir“.

Die Frage nach dem „Warum“ sei heute einmal ausnahmsweise ausgeklammert. Religiös bin ich sonst eh immer.

Zuerst einmal die Frage nach der Familie:
Hat es nicht mit der Sippe begonnen? Mit dem Rudel?

Erst dann, als wir uns sesshaft gemacht hatten, kam der Hof, die Wirtschaft, der Markt und das Geld?

Im ersten Bild sehen wir die Sippe, die im Wesentlichen alles, was sie verbraucht auch selbst erzeugt und die Ressourcen gratis der Natur entnimmt (das tun wir immer noch, nur ist es nicht mehr so offensichtlich).

Durch die Hofwirtschaft wurde das Leben effizienter und man begann, mehr zu produzieren, als man verbrauchte. So konnte man zum Markt gehen, und dafür andere Güter – Luxusgüter, die man nicht selber produzieren konnte – einkaufen. Dieser Markt spielte sich aber immer noch in einem relativ kleinen Rahmen ab.

family-is-core

Und wie ist das heute?

Im dritten Bild sehen wir einen „Haushalt H“.

Was ist das? In unserem Beispiel ist es meine Familie, in der ein Erwerbstätiger lebt (ET = 1) und 2 Erwerbslose (EL = 2). Neben meinem Nettoeinkommen hat die Familie kein Einkommen (die Familienbeihilfe kann man ruhig vernachlässigen, und was die Kinder schon verdienen, ist ihre Sache).

Es könnte mit einem „Haushalt H“ aber auch ein anderer Teil der Bevölkerung gemeint sein, zum Beispiel „ein Bundesland“, „die Diözese Wien“, „alle Priester Österreichs“ oder „alle KindergärtnerInnen Wiens“.

Nun ist es so, dass Konsum und Produktion heutzutage strikt getrennt sind, Konsum passiert meist im Rahmen des Privathaushalts, Produktion passiert im Rahmen von sogenannten „Firmen“ (Produktionsstätten).

Deswegen zeichne ich den Haushalt – die Kernfamilie – (auf die ich ALLES in diesem Beispiel beziehe – sie ist ja die Keimzelle der Wirtschaft) getrennt von der (den) Produktionsstätte(n).

Warum schreibe ich die Produktionsstätte im Plural?

Nun, einerseits gibt es viele Menschen, die mehr als einen Job haben, andererseits könnte es in dem „Haushalt H“ mehr als eine erwerbstätige Person ET geben.

Hier haben wir also eine Erwerbsquote EQ*) = ET / (ET + EL) = 1/3 = 33.333% (Gesamtösterreich hat 50% Erwerbsquote).

Den Kehrwert der Erwerbsquote nenne ich hier „Konsumzahl“ K = 1 / EQ = 3.

*) Später werde ich K und EQ anders definieren, sodass die Gleichung K * EQ = 1 nicht mehr gelten wird.

Mein Nettolohn (von dem diese 3 Personen leben müssen), beträgt 17 Einheiten, der Bruttoumsatz, den meine Produktionsstätte (das ist die R&D Abteilung irgendeiner Firma) mit mir erzielt, ist ein sogenannter „interner Stundensatz“ und beträgt z.B. 80 Einheiten.

Das heisst, meine Produktionsstätte muss zu meinem Nettoeinkommen NE = 17 noch den „gesamten Overhead“ GO = 63 „zuschießen“, um mit meiner Arbeitsleistung – das ist das Produkt, das meinem Computer entrinnt – einen Umsatz von 80 machen zu können.

Natürlich hat meine Familie auch – wie der Bauernhof – eine Eigenproduktion und einen Eigenverbrauch. Das sind die Leistungen, die intern ohne Geldleistung – für Gotteslohn – erbracht werden:

  • Der Haushalt wird gratis erledigt
    • Kochen
    • Waschen
    • Geschirr erledigen
    • Wege, die zu erledigen sind
    • kleinere Wartungsarbeiten am Auto
  • ausgenommen die Putzfrau, die ist outgesourced

Zurück zur sogenannten „professionellen“ Arbeit und zur Produktionsstätte.

Was hat es mit diesem seltsamen „gesamten Overhead“ GO = 63 auf sich, den mein Chef zusätzlich „drauflegen“ muss, damit meine Arbeit „funktioniert“.

In meinem Fall sind das all die Kosten für die Errichtung, Instandhaltung und dann auch wieder den Abbau meines Arbeitsplatzes (Laptop, Docking Station, Bildschirme, Tisch, Sessel, Gebäudemiete, Wartung des Laptops, IT Infrastruktur, Klimaanlage, Strom usw.) jede Menge Literatur und Software als Input sowie Manager-Anteile (die mich führen) und der anteilige Gewinn für den Eigentümer.

Vernachlässigt sind hier noch Subventionen, zum Beispiel Forschungsförderungen, die mein Arbeitgeber für meine Arbeit bekommt.

Nun wirst Du sagen, das seien ja größtenteils Sachleistungen, aber aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt:

  • Bezahlt werden nur Menschen
  • Ressourcen sind gratis*) (ich bezeichne Menschen nicht als Ressourcen)

*) wir werden später sehen, dass Ressourcen auf irgend eine Art und Weise trotzdem bewertet werden müssen, sonst werden wir die Nachhaltigkeit der Wirtschaft nicht schaffen – man bezeichnet das als „Internalisierung der externen Kosten“

GO ist also der anteilige Nettolohn aller Menschen, die an meinem Produkt gegen Bezahlung mitgemacht haben.

Wobei noch eines zu berücksichtigen ist: NE ist das Nettoeinkommen, in GO sind also auch alle Sozialabgaben und Steuern enthalten.

GO enthält also auch

  • mich, wenn ich krank oder arbeitslos bin (anteilig)
  • mich, wenn ich in Pension bin (anteilig)
  • anteilig alle Sozialhilfeempfänger, die „von meinem Produkt finanziert werden“ (u.U. kann das anteilig auch ich sein, wenn ich privat Subventionen vom Staat bekomme – z.B. die Familienbeihilfe)
  • anteilig alle Beamten, die „von meinem Produkt finanziert werden“

Wievielen Menschen entspricht das?

Ich nehme mal an, dass alle Menschen das Nettoeinkommen NE = 17 haben, das heisst

GO / NE = 63 / 17 ist ca. 3.7

Neben mir haben also 3.7 „äquivalente“ Erwerbstätige an meinem Produkt mitgearbeitet, mit mir also 3.7 + 1 = 4.7.

Wenn ich nun davon ausgehe, dass diese „äquivalenten Erwerbstätigen“ so wie ich auch jeweils 2 nicht-erwerbstätige finanzieren, dann komme ich auf 1 * 3 + 3.7 * 3 = 4.7 * 3 =

ca. 14.1 Christoph-Äquivalente, die von „meinem“ Produkt finanziert werden.

Natürlich ist es nicht „mein“ Produkt, sondern „unser“ Produkt. Und außerdem ist mein Produkt nicht für den Endabnehmer gedacht, sondern ist wieder nur eine Vorleistung für ein weiteres Produkt. Deshalb ist es für alle diese 14.1 Christoph-Äquivalente auch so schwierig eine Beziehung zu dem Produkt aufzubauen, von dem sie finanziert werden, wie schon Karl Marx treffsicher bemerkte (Entfremdung des Arbeiters von seiner Arbeit).

Schaut insgesamt aber ganz gut aus!

Oder?

Oder nicht?

Na ja. Wenn man mal davon ausgeht, dass der Gewinn 0 ist, dann entspricht GO den sogenannten „Vorleistungen“ (betriebswirtschaftlich betrachtet rechnet man hier die Steuern und Sozialabgaben nicht hinzu, aber ich denke, wenn man gesamtheitlich denkt, muss man diese auch als „eine Art Vorleistungen“ betrachten).

Es gilt nämlich: Wertschöpfung WS = (Umsatz – Subventionen – Vorleistungen) / Vorleistungen

Da Subventionen hier gleich 0 sind, gilt

WS = NE / GO = 1 / P = (BU – GO) / GO = (80 – 63) / 63 = 17 / 63 = 1 / 3.7

WS = 27%

Man kann es also auch so formulieren:

Meine Arbeit nimmt den Input von effektiv 3.7 äquivalenten Arbeitsplätzen (brutto 14.1 äquivalenten Personen) und fügt magere 27% Wertschöpfung hinzu.

Klingt nicht mehr so gut, oder?

Dieser Frage wollen wir demnächst auf den Grund gehen.

Meint

Euer Christoph

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