Walter, das Werkzeug Gottes

September 10, 2022

Liebe Leser!

Lasst mich diesmal einen Ausschnitt aus meiner Erzählung „Das dritte Kind“ an den Anfang setzen, und zwar aus dem ersten Teil „Prolog“, den Anfang der 30. Szene, wo Walter mit Hilfe einer Nebenrolle – einem Kardinal – einen neuen Anfang in seinem Leben macht:

Zugriff: https://letztersein.com/drehbuchseite

1. Teil – Seite 25:

[…]30.

Am Nachmittag kam Walters Schulfreund ins Wellnesshotel zu Besuch. Dieser Schulfreund war jetzt Kardinal, dennoch kam er im schlichten schwarzen Priesteranzug.

„Dir geht’s gut, du hast es weit gebracht“, eröffnete Walter das Gespräch.

Der Kardinal winkte ab: „Karriere in der Kirche ist etwas Relatives.“

Walter reagierte auf das Reizwort „Karriere“ und antwortete in einem Anfall von ‚Fishing for Compliments‘: „Ich werde niemals Karriere machen, bei all den Fehlern, die ich mir geleistet habe.“

„Weißt du, was mein schlimmster Fehler ist? Ich treffe keine Entscheidungen. Ich lasse mich immer nur benützen.“, führte er seine Gedanken weiter.

Auch der Kardinal kannte sich im Leben aus, deshalb stieg er nicht direkt auf Walters Argumentation ein und begann nicht Walter Komplimente zu machen: „Das würde ich nicht so sagen. Schau, ich bin letzten Endes doch auch nur ein Werkzeug Gottes. Trotz aller eigenen Entscheidungen die ich treffe, bin ich in einen Ablauf eingebettet, den wir Vorsehung nennen.“

Walter begann zu schwärmen: „Werkzeug Gottes. Ja, das wäre ein Lebensziel!“

Er relativierte seine Gedanken jedoch sofort wieder: „Weißt Du, ich bin zwar immer brav in die Kirche gegangen, war in meiner Jugend sehr aktiv, aber jetzt, wo ich verheiratet bin……Wer ist das eigentlich, dieser Gott? Wo ist er geblieben?“[…]

Was hat Walter gemeint mit „Werkzeug Gottes“?

Nun, was Walter gemeint hat, darüber können wir nur mutmaßen, denn Walter ist eine literarische Figur und wir können ihn nicht befragen.

Aber ich bin es, der die Geschichte „Das dritte Kind“ geschrieben hat – wenn auch diversen Inspirationen folgend – und ich kann guten Gewissens feststellen: „Dieser Walter hat viel von mir geerbt, wenngleich er eigentlich nur eine Metapher für das neutrale Österreich im kalten Krieg ist – ein Mann mit Entscheidungsschwächen, der zwischen zwei Stühlen sitzt“.

Bei mir persönlich waren das zu jener Zeit die Firma S* und meine Frau V*, die beiden Stühle, zwischen denen ich gesessen bin, ohne mich entscheiden zu wollen (ohne mich entscheiden zu können).

Heute ist das zum Glück alles anders, aber damals war Walter ein Blatt im Wind, das keinen sichtbaren eigenen Willen hatte.

Und genau das ist es NICHT, was der Kardinal meint, wenn er von einem „Werkzeug Gottes“ spricht.

Nicht umsonst haben wir heutzutage die Metapher vom „mächtigen Manager“, der „alles im Griff hat“ und sozusagen „allwissend“, „allmächtig“ und „allgegenwärtig“ ist. Das sind lustiger weise alles göttliche Eigenschaften, obwohl für Gott in der Wirtschaft eigentlich kein Platz ist.

Und wenn wir genau darüber nachdenken, dann ist der Manager eigentlich kein göttliches Wesen, sondern er ist nur ein „Werkzeug des Direktors“, das nichts anderes tut, als den „Willen des Direktors umzusetzen“. Sich darum „zu kümmern“.

Und so, wie wir uns einen guten Manager vorstellen, als ein Vorbild, das den anderen Angestellten im Kampf leuchtend voranschreitet, so müssen wir uns auch ein „Werkzeug Gottes“ vorstellen.

Als sich König Salomo zu Beginn seiner Amtszeit von Gott etwas wünschen durfte, wünschte er sich ein „hörendes Herz“.

Und so dürfen wir uns ein Werkzeug Gottes in erster Linie als einen Menschen vorstellen, der auf den Willen Gottes hinhören kann, um Gutes vom Bösen zu unterscheiden und so das Volk – bzw. im Falle von Walter seine Familie – weise zu leiten.

Meint

Euer Christoph


Der Himmel – wo ist der eigentlich?

August 22, 2022

Wenn wir uns umsehen – in unserem Leben, in der Familie, in der Wirtschaft, usw. – dann kommen wir meistens auf folgendes Ergebnis:

Es ist NICHT GUT so, wie es ist.

Es könnte BESSER sein.

Und oft haben wir auch so ein unbestimmtes Gefühl, dass FRÜHER ALLES BESSER GEWESEN SEI.

Auch die Autoren des Buches Genesis, des ersten Buches der Bibel, haben das erkannt und haben eine weltbekannte Geschichte daraus gemacht: Die Erzählung vom Paradies, welches Gott als SEHR GUT erschaffen hatte, und von der Vertreibung des Menschen aus ebendiesem Paradies, weil er die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen hat, obwohl Gott genau das verboten hatte.

Und so sind die Bücher der Bibel voll von Aufbrüchen.

Immer wieder sind Menschen aufgebrochen, um das HIER UND JETZT zu verlassen und dem Willen Gottes zu folgen, um an ein BESSERES ZIEL zu gelangen.

Bei Noah ging es um das NACKTE ÜBERLEBEN, da er eine große Flut herankommen sah.

Bei Abraham ging es UM MACHT, da ihm Nachfahren versprochen worden waren, zahlreich wie der Sand am Meer und wie die Sterne am Himmel.

Moses kämpfte um die FREIHEIT DES VOLKES von Sklaverei, um das GELOBTE LAND.

Jesus macht im Gleichnis vom verlorenen Sohn klar, um welche Art von Aufbruch es IHM geht:

Der verlorene Sohn macht sich auf den Weg nach Hause, weil er MIT DER GESAMTSITUATION UNZUFRIEDEN IST und sich MIT DEM VATER VERSÖHNEN möchte.

Aber interessanter weise spricht Jesus nicht davon, dass WIR in ein gelobtes Land aufbrechen müssten, sozusagen in ein neues Paradies, sondern im Vater unser lehrt er uns zu beten:

  • Vater unser im Himmel,
  • geheiligt werde Dein Name,
  • Dein Reich komme,
  • Dein Wille geschehe,
  • wie im Himmel, so auch auf Erden,
  • usw.

Das Reich Gottes, der Himmel, ist also bei Jesus schon etwas, das sich AUSSERHALB befindet, dort wo der VATER wohnt.

Aber wir sollen nicht versuchen, zum Vater – in den Himmel – zu kommen, sondern wir sollen bitten, dass sein Reich ZU UNS KOMME.

Wir brauchen also nicht wie die Israeliten und andere Asylanten physisch aufzubrechen und ins gelobte Land zu wandern. Jesus geht es in erster Linie um einen INNEREN AUFBRUCH.

Am deutlichsten sieht man das im Dialog mit Pontius Pilatus, knapp bevor Jesus hingerichtet wurde:

Joh 18,36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.


Aber eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die Weisheiten des christlichen Glaubens aus der Sicht der Wirtschaftstheorie zu betrachten.

Was können wir aus Jesu Lehre vom Reich Gottes lernen? Vom Ziel des Menschen?

Welche Ziele verfolgen wir denn mit unserer Arbeit?

Was ist das Ziel unserer wirtschaftlichen Tätigkeit?

Eigentlich, wenn man es von der Definition her betrachtet, ist Wirtschaft nichts anderes als „die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse dienen“.

Und wann bedarf es eines „Aufbruchs“? Sei es nun ein „innerer“ Aufbruch oder ein „äußerer“?

Nun, wenn wir im Mangel leben, wenn HIER UND JETZT nicht mehr alle unsere Bedürfnisse adäquat erfüllt werden können, dann bedarf es einer Änderung, eines Aufbruchs.

Genau genommen lassen sich alle Möglichkeiten eines Aufbruchs, die wir dann haben, nur nach den drei Buchstaben L-L-C aufzählen:

  • Love it,
  • Leave it or
  • Change it.

Wir können erkennen, dass unsere Bedürfnisse nicht gerechtfertigt waren, und (in engen Grenzen) UNSERE BEDÜRFNISSE REDUZIEREN (Love it), damit wir wieder zufrieden sind. Kurzfristig ist das oft die einzige Möglichkeit und auch die einfachste Möglichkeit, die wir haben, trotzdem würde ich sie als „Plan C“ bezeichnen, weil sie eigentlich immer zu langfristiger Unzufriedenheit führt.

Sodann haben wir die Möglichkeit, das HIER UND JETZT ZU VERLASSEN (Leave it), uns also physisch oder geistig an einen anderen Ort zu versetzen. Wenn ein besseres DRÜBEN für mich (physisch oder geistig) erreichbar ist, zum Beispiel bei einer Flucht in die Literatur oder in den Konsum von Kulturgütern (Musik, Ausstellungen, ……), ist das ein einigermaßen gangbarer Weg, er ist aber auf jeden Fall mit Kosten und Mühen verbunden. Ich würde diese Möglichkeit als „Plan B“ bezeichnen.

Alle Helden von heute folgen dem „Plan A“. Sie bleiben TEILE DES SYSTEMS und sorgen für einen AUFBRUCH DES SYSTEMS. So, wie Moses das ganze Volk mitgenommen hat ins gelobte Land, so nehmen diese Helden ihre Familien, alle ihre Kollegen und sogar ganze Völker mit in eine bessere Zukunft. Auch dieser Aufbruch muss kein physischer Aufbruch sein. Es kann sich auch hier um einen „inneren Aufbruch“ handeln.

Meint

Euer Christoph


Wie geht’s weiter mit den Wirtschaftsgedanken?

August 21, 2022

Liebe Leser!

Habe nun die Seite https://letztersein.com/wirtschaftsgedanken um einen weiteren Abschnitt ergänzt:

[…]Mit August 2022 wurde mir bewußt, dass die reine Philosophie mit volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gedankengängen mich nicht mehr befriedigt.

Ich entschied mich, aus Sicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme (Klimawandel, Umweltzerstörung, ……) auch ein wenig im Traditionsschatz des Christentums zu graben, und begann mit folgendem Beitrag:

Eine schöne neue Woche

Euer Christoph


Wer ist schuld? – II

Juli 30, 2022

Liebe Leserin! Lieber Leser! Liebe Leser:innen!

Selten – aber doch – muss ich bei meinen Beiträgen nachbessern, weil ich „geschludert“ habe.

Beim letzten Beitrag vom Sonntag, 24. Juli 2022, ist es wieder einmal passiert.

In den einleitenden Worten – im folgenden grau wiederholt – hatte ich noch einigermaßen ordentlich das Grundprinzip von Vorleistungen, Wertschöpfung und Produktionsergebnis wiederholt (das ich schon mehrmals in meiner Laufbahn als Blogger erwähnt hatte).

Jetzt habe ich Euch schon des öfteren mit einem Diagramm gequält, mit einem Diagramm, das man eigentlich als „die“ zentrale Offenbarung der Betriebswirtschaftslehre bezeichnen muss.

Mit einem Diagramm, welches die produktive Arbeit des Menschen – bzw. deren Wert – in Beziehung setzt zum Wert des Ergebnisses, dem „Brutto-Umsatz“ oder auch „Produktionsergebnis“:

Abb. 1: Wertschöpfung = Produktionsergebnis(Wert) – Vorleistungen(Wert)

Wieviel hast Du beigetragen? Was ist Dein Beitrag zum allgemeinen Glück? Deine Wertschöpfung? Fühlst Du Dich schuldig, wenn die Zeiten wieder schlechter werden? Fehlt etwas an Deinem Beitrag? Ist Glück überhaupt machbar?

Große Fragen! Dumme Fragen! Wir möchten ihnen auf den Grund gehen.

Aber, beginnen wir einmal uns mit der Philosophie der Abb. 1 auseinanderzusetzen, bevor wir derart große Fragen wälzen, wie die eben genannten.

Genau genommen wird in Abb. 1 aus der Gesamtproduktion nur ein einzelner Prozess herausgegriffen und dieser (Teil-)Prozess wird in Beziehung gesetzt zum Gesamtergebnis (bzw. zu dessen Wert).

Mit „Wert“ meinen wir hier immer eine „finanzielle Bewertung durch den Markt“ (wer auch immer das ist 😛 ) – viele Menschen sind der Meinung, dass es auch einen „eigentlichen“ Wert gibt, der mit Geld nichts zu tun hat – das wird in Abb. 1 nicht berücksichtigt.

Man unterscheidet also zwischen „Vor“leistungen – das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die als Voraussetzung erbracht werden müssen, damit der gegenständliche Teilprozess sinnvoll stattfinden kann – und Wert“schöpfung“, das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die direkt in diesem Teilprozess erbracht werden.

Wenn man zu den Vorleistungen anteilsmäßig auch alle öffentlichen Dienstleistungen rechnet und auch den Gewinn – der ja die Rendite für das Vermögen darstellt, das die Eigentümer als ihre Vorleistung in den Prozess eingebracht haben – und auch all die strategischen Investitionen – die ja eine Vorleistung für eine „gesunde Umwelt/Umgebung“ des Prozesses sind – dann entspricht diese Summe genau dem Brutto-Umsatz, der durch diesen Teilprozess erbracht worden ist.

Danach argumentierte ich – immer noch halbwegs konsistent, im folgenden grau wiederholt – dass die Unterscheidung zwischen „Vor“leistungen und EIGENTLICHER Wert“schöpfung“ ja dazu dienen kann, zwischen Angestelltem/Arbeiter und Unternehmer zu unterscheiden. Ist es doch der Unternehmer, oder zumindest der „unternehmerisch denkende Mensch“, der sich eben auch um die „Vor“leistungen KÜMMERT, während sich der Angestellte/Arbeiter auf die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“ – also auf „seine Arbeit“ – konzentrieren kann.

Wer ist der Kümmerer?

Nun kann man sich anhand von Abb. 1 Gedanken machen, wer sich um die Vorleistungen kümmert (wir haben das eigentlich bereits HIER getan).

Die Vorleistungen müssen ja vorher erbracht werden, BEVOR die Wertschöpfung erbracht wird und also auch, BEVOR MAN DAS PRODUKT VERKAUFEN KANN.

Deswegen weiss man eigentlich noch nicht, ob man sich die Vorleistungen überhaupt leisten kann, weil ja noch nicht feststeht, wieviel Brutto-Umsatz man für das Produkt letztendlich bekommen wird.

Das bedarf also einer ganzen Menge organisatorischen und juristischen Talents, das mit der eigentlichen Wertschöpfung (mit der eigentlichen Arbeit) nichts zu tun hat.

Alle diese organisatorischen und juristischen Vorleistungen – ja, das Kümmern um die Vorleistungen ist AUCH eine Vorleistung – übernimmt normalerweise der Unternehmer, sodass sich der Angestellte bzw. der Arbeiter auf die EIGENTLICHE Arbeit konzentrieren kann.

Sodann kehrte ich den Spieß um. Was ist denn TATSÄCHLICH die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“?

Die Aufteilung in „Vor“leistungen und Wert“schöpfung“ ist ja doch recht subjektiv, weil eigentlich jeder SEINEN Beitrag als die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“ betrachten wird, während alles andere nur „Vor“leistungen seien.

Und tatsächlich gibt es nur einen einzigen Beitrag, der in der Wertschöpfungskette einen HERAUSRAGENDEN, nicht zu ersetzenden Platz einnimmt. Es ist dies der Beitrag des Endbenutzers, des Konsumenten.

Was ist die EIGENTLICHE Arbeit?

Jetz‘ hamm’se ’n Haus jebaut.

Was war jetzt die EIGENTLICHE Arbeit?

Das Ausheben der Baugrube?

Der Ausbau des Kellers?

Das Hochziehen der Mauern?

Das Dach?

Der Innenausbau?

Die Planung?

Die Bauaufsicht?

Die Finanzierung?

Die Auswahl und der Kauf des Grundstücks?

Nun, jeder dieser Teilprozesse, und wir gehen mal davon aus, dass jeder Teilprozess einen eigenen „Process Owner“ hat, also, jeder dieser „Process Owner“ wird das anders sehen.

„Ohne mich könnte das Haus nicht so dastehen, wie es dasteht“, könnte jeder dieser „Process Owner“ mit fug und recht behaupten.

Gut, es gibt schon aus physikalischen Gründen eine bestimmte Reihenfolge. Man kann zum Beispiel nicht das Dach decken, bevor man die Wände hochgezogen hat, aber im Sinne einer NOTWENDIGKEIT bzw. SINNHAFTIGKEIT ist das Dach genauso wichtig wie der Keller. Ein Haus ohne Dach würde den Zweck eines Hauses nicht – oder nur teilweise – erfüllen.

Es ist also hier auf den ersten Blick gar nicht so einfach, zwischen „Vor“leistung und Wert“schöpfung“ zu unterscheiden, oder?

Na ja. Es gibt schon einen herausragenden „Process Owner“.

Wer das ist?

Der Bauherr. Darum ist er ja der BauHERR (oder auch die BauFRAU, natürlich).

Wenn sich der Bauherr nicht entschieden hätte, gegenwärtige und zukünftige Teile seines Vermögens zu opfern, um hier dieses Haus zu bauen, dann wäre dieses Haus hier nicht gebaut worden.

Der Architekt, zum Beispiel, kann das nicht von sich behaupten. Wenn er sich geweigert hätte, dann hätte halt ein anderer Architekt dieses Haus geplant.

Das Haus wäre dann vielleicht nicht genau SO gebaut worden wie es gebaut worden ist – also nicht gleichARTIG – aber sicher gleichWERTIG.

Nur ganz wenige Architekten können von sich behaupten, dass niemand anderer in der Lage ist, gleichWERTIGE Häuser zu planen.

So gibt es im Zusammenhang mit diesem Haus und diesem Grundstück sicher viele Personen, die an der Produktion beteiligt waren, aber nur die Leistung des Eigentümers, der Einsatz seines Vermögens, ist die EIGENTLICHE Leistung, die im Zusammenhang mit all den Vorleistungen der Banken, der Planer, der Bauaufsicht und der Handwerker zur Lebensqualität seiner Familie beitragen soll.

Weil ja der Endbenutzer Teile seines gegenwärtigen und zukünftigen Vermögens „opfert“, um von dem Konsumgut einen Nutzen zu lukrieren, ist er auch derjenige, der der ganzen Wertschöpfungskette erst den Sinn verleiht, ja der sie finanziert.

Und genau hier, bei der weiteren Ausarbeitung des Themas „Endbenutzer“, habe ich dann eben „geschludert“. Ich habe nur mehr Stichworte aneinander gereiht und kurz angerissen, ohne die Gedanken „ordentlich zu Ende zu führen“.

Das will ich nun nachholen:

Wer ist schuld?

Der Markt? Der Souverän? Der Konsument?

Liebe Leser, Ihr kennt vielleicht das Lied „Sie hab’n a Haus baut“ von Arik Brauer. Darin geht es um anonyme „sie“. „Sie“, die uns „a Haus herbaut“ haben, sodass wir keinen Ausblick mehr haben.

Aber sind wirklich diese anonymen „sie“ daran schuld, dass wir keinen Ausblick mehr haben? Gab es da nicht einen einzigen(!) Eigentümer, der diese Entscheidung getroffen hat?

Ist es nicht immer der Eigentümer, der Endbenutzer, der Konsument, der durch seine Entscheidungen, insbesondere durch seine Konsumentscheidungen, erstens die Wirtschaft in Gang hält, und zweitens also auch „schuld daran“ ist?

Schuld insbesondere an der Umweltverschmutzung? Am Klimawandel? An der Lärmbelästigung durch den Verkehr? Am Feinstaub?

Ich würde mit einem klaren und deutlichen JAIN antworten.

JA, weil natürlich der Endbenutzer entscheidet, WAS er konsumiert, bzw. WIEVIEL er konsumiert. Diese Entscheidungen können natürlich von der Notenbank (vom Leitzinssatz) und von der Werbung, vom Marketing, beeinflusst werden, aber letzten Endes stehen sie in der Verantwortung des Einzelnen.

Aber NEIN, weil WIE die Güter produziert werden, das entscheiden der Markt und der Souverän mit seinen Gesetzen, an die sich ja auch der Markt zu halten hat.

Man könnte noch anmerken, dass es viele Leute gibt, die nicht an den freien Willen glauben. Demnach wären die Entscheidungen der Konsumenten und die Entscheidungen der Politiker einfach nur simple Mechanismen, die eigentlich im Rahmen der Evolution PASSIEREN.

Als christlicher Autor gehe ich vom Begriff der Verantwortung aus, die den politischen Entscheidungen und den Konsumentscheidungen innewohnt.

Also:

Der Souverän darf sich nicht einfach so auf den Konsumenten herausreden und der Konsument darf sich nicht einfach so auf den Souverän herausreden.

Beide tragen ihren Teil der Verantwortung.

Der Markt trägt keine Verantwortung, der Markt ist nur ein simpler, leicht zu durchschauender, Mechanismus, den wir in intelligenter Art und Weise nutzen sollten.

Meint

Euer Christoph


Wer ist schuld?

Juli 24, 2022

Liebe Leserin! Lieber Leser! Liebe sonstige Leser:innen!

Jetzt habe ich Euch schon des öfteren mit einem Diagramm gequält, mit einem Diagramm, das man eigentlich als „die“ zentrale Offenbarung der Betriebswirtschaftslehre bezeichnen muss.

Mit einem Diagramm, welches die produktive Arbeit des Menschen – bzw. deren Wert – in Beziehung setzt zum Wert des Ergebnisses, dem „Brutto-Umsatz“ oder auch „Produktionsergebnis“:

Abb. 1: Wertschöpfung = Produktionsergebnis(Wert) – Vorleistungen(Wert)

Wieviel hast Du beigetragen? Was ist Dein Beitrag zum allgemeinen Glück? Deine Wertschöpfung? Fühlst Du Dich schuldig, wenn die Zeiten wieder schlechter werden? Fehlt etwas an Deinem Beitrag? Ist Glück überhaupt machbar?

Große Fragen! Dumme Fragen! Wir möchten ihnen auf den Grund gehen.

Aber, beginnen wir einmal uns mit der Philosophie der Abb. 1 auseinanderzusetzen, bevor wir derart große Fragen wälzen, wie die eben genannten.

Genau genommen wird in Abb. 1 aus der Gesamtproduktion nur ein einzelner Prozess herausgegriffen und dieser (Teil-)Prozess wird in Beziehung gesetzt zum Gesamtergebnis (bzw. zu dessen Wert).

Mit „Wert“ meinen wir hier immer eine „finanzielle Bewertung durch den Markt“ (wer auch immer das ist 😛 ) – viele Menschen sind der Meinung, dass es auch einen „eigentlichen“ Wert gibt, der mit Geld nichts zu tun hat – das wird in Abb. 1 nicht berücksichtigt.

Man unterscheidet also zwischen „Vor“leistungen – das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die als Voraussetzung erbracht werden müssen, damit der gegenständliche Teilprozess sinnvoll stattfinden kann – und Wert“schöpfung“, das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die direkt in diesem Teilprozess erbracht werden.

Wenn man zu den Vorleistungen anteilsmäßig auch alle öffentlichen Dienstleistungen rechnet und auch den Gewinn – der ja die Rendite für das Vermögen darstellt, das die Eigentümer als ihre Vorleistung in den Prozess eingebracht haben – und auch all die strategischen Investitionen – die ja eine Vorleistung für eine „gesunde Umwelt/Umgebung“ des Prozesses sind – dann entspricht diese Summe genau dem Brutto-Umsatz, der durch diesen Teilprozess erbracht worden ist.

Wer ist der Kümmerer?

Nun kann man sich anhand von Abb. 1 Gedanken machen, wer sich um die Vorleistungen kümmert (wir haben das eigentlich bereits HIER getan).

Die Vorleistungen müssen ja vorher erbracht werden, BEVOR die Wertschöpfung erbracht wird und also auch, BEVOR MAN DAS PRODUKT VERKAUFEN KANN.

Deswegen weiss man eigentlich noch nicht, ob man sich die Vorleistungen überhaupt leisten kann, weil ja noch nicht feststeht, wieviel Brutto-Umsatz man für das Produkt letztendlich bekommen wird.

Das bedarf also einer ganzen Menge organisatorischen und juristischen Talents, das mit der eigentlichen Wertschöpfung (mit der eigentlichen Arbeit) nichts zu tun hat.

Alle diese organisatorischen und juristischen Vorleistungen – ja, das Kümmern um die Vorleistungen ist AUCH eine Vorleistung – übernimmt normalerweise der Unternehmer, sodass sich der Angestellte bzw. der Arbeiter auf die EIGENTLICHE Arbeit konzentrieren kann.

Was ist die EIGENTLICHE Arbeit?

Jetz‘ hamm’se ’n Haus jebaut.

Was war jetzt die EIGENTLICHE Arbeit?

Das Ausheben der Baugrube?

Der Ausbau des Kellers?

Das Hochziehen der Mauern?

Das Dach?

Der Innenausbau?

Die Planung?

Die Bauaufsicht?

Die Finanzierung?

Die Auswahl und der Kauf des Grundstücks?

Nun, jeder dieser Teilprozesse, und wir gehen mal davon aus, dass jeder Teilprozess einen eigenen „Process Owner“ hat, also, jeder dieser „Process Owner“ wird das anders sehen.

„Ohne mich könnte das Haus nicht so dastehen, wie es dasteht“, könnte jeder dieser „Process Owner“ mit fug und recht behaupten.

Gut, es gibt schon aus physikalischen Gründen eine bestimmte Reihenfolge. Man kann zum Beispiel nicht das Dach decken, bevor man die Wände hochgezogen hat, aber im Sinne einer NOTWENDIGKEIT bzw. SINNHAFTIGKEIT ist das Dach genauso wichtig wie der Keller. Ein Haus ohne Dach würde den Zweck eines Hauses nicht – oder nur teilweise – erfüllen.

Es ist also hier auf den ersten Blick gar nicht so einfach, zwischen „Vor“leistung und Wert“schöpfung“ zu unterscheiden, oder?

Na ja. Es gibt schon einen herausragenden „Process Owner“.

Wer das ist?

Der Bauherr. Darum ist er ja der BauHERR (oder auch die BauFRAU, natürlich).

Wenn sich der Bauherr nicht entschieden hätte, gegenwärtige und zukünftige Teile seines Vermögens zu opfern, um hier dieses Haus zu bauen, dann wäre dieses Haus hier nicht gebaut worden.

Der Architekt, zum Beispiel, kann das nicht von sich behaupten. Wenn er sich geweigert hätte, dann hätte halt ein anderer Architekt dieses Haus geplant.

Das Haus wäre dann vielleicht nicht genau SO gebaut worden wie es gebaut worden ist – also nicht gleichARTIG – aber sicher gleichWERTIG.

Nur ganz wenige Architekten können von sich behaupten, dass niemand anderer in der Lage ist, gleichWERTIGE Häuser zu planen.

So gibt es im Zusammenhang mit diesem Haus und diesem Grundstück sicher viele Personen, die an der Produktion beteiligt waren, aber nur die Leistung des Eigentümers, der Einsatz seines Vermögens, ist die EIGENTLICHE Leistung, die im Zusammenhang mit all den Vorleistungen der Banken, der Planer, der Bauaufsicht und der Handwerker zur Lebensqualität seiner Familie beitragen soll.

Wer ist schuld?

Vielleicht kennt Ihr das Lied von Arik Brauer „Sie hab’n a Haus baut“.

Wer sind „sie“?

Gibt es nicht immer „genau einen“, der für eine Sache verantwortlich ist? Einen Eigentümer?

Wer zahlt, schafft an!

Verantwortung ist die Kehrseite des Eigentums.

Ist es wirklich so, dass der Eigentümer – und also auch der Kunde – letztgültige Entscheidungen trifft?

Hat nicht der Souverän ein Wörtchen mitzureden? (Wer das ist, DER SOUVERÄN, darüber haben wir uns HIER Gedanken gemacht).

Wenn sich also alle Eigentümer beim Gebrauch ihres Eigentums an die Gesetze halten – und ansonsten einfach ihren Bedürfnissen folgen – und trotzdem ist unsere Welt nicht gerade das, was man als ein Paradies bezeichnet. Sind dann die Gesetze falsch? Ist der Souverän schuld?

Na gut, wir halten uns ja NICHT an die 10 Gebote. Wenn wir uns an die 10 Gebote hielten, würden wir auch unsere inneren Bedürfnisse erkennen.

Und wenn wir denen folgten, dann gäbe es auf der Welt keine Probleme.

Meint

Euer Christoph


Vom Kümmern

Juli 2, 2022

Letzte Woche habe ich mich plötzlich gefragt, was eigentlich der wesentliche Unterschied ist, zwischen den beiden Aussagen (A) „Ich habe einen Arbeitsplatz“ und (B) „Ich habe ein Geschäft“.

„Nun gut“, wirst Du sagen: „der Unterschied könnte nicht größer sein, als er ist zwischen selbständig und angestellt“.

Und: „Wo noch könnte es einen größeren Unterschied geben?“

„Trotzdem“, werde ich sagen: „wenn man es auf den allerletzten Grundbegriff der Betriebswirtschaft herunterbricht, auf die Begriffe von Produktionsergebnis (Bruttoumsatz) sowie Vorleistungen und persönlicher Wertschöpfung (Nettoeinkommen), dann kann in folgendem Diagramm kein prinzipieller Unterschied zwischen der Arbeit eines Selbständigen und der Arbeit eines Angestellten festgestellt werden:“

Abbildung 1: Wertschöpfung = Produktionsergebnis – Vorleistungen

Erklärung – Bruttoumsatz

Angenommen, der Angestellte (A) arbeite für eine bestimmte Geschäftseinheit, dann meine ich mit Bruttoumsatz den Anteil des Bruttoumsatzes der Geschäftseinheit, für den er selbst „verantwortlich“ *) ist.

*) in vielen Fällen sind Angestellte z.B. „verantwortlich“ für ihren persönlichen Zeitaufwand, der in Form von internen Stundensätzen an andere Geschäftseinheiten im Unternehmen verrechnet wird.

Im Fall (B) ist es der gesamte Bruttoumsatz des Geschäftes, für den der Eigentümer ja insgesamt „verantwortlich“ ist.

Im Falle eines Einpersonenunternehmens (EPU) ist hier also gar kein Unterschied zum Angestellten zu entdecken, je größer das Geschäft aber wird – je mehr Personen im Geschäft mitarbeiten – desto stärker wiegt natürlich die Verantwortung der Eigentümer, wie wir zugeben.

Verantwortung hat jedoch in obigem Diagramm keinen Platz
(da geht es nur ums Geld, um Umsätze, Kosten und Gewinne).

Ausgenommen man modelliert das „Verantwortungsproblem“ mit den Gesetzen von Angebot und Nachfrage:
Je mehr Verantwortung man an einem Arbeitsplatz tragen muss, desto weniger Leute werden sich dafür melden, sodass man mit der Bezahlung in die Höhe gehen muss.

Erklärung – Wertschöpfung

Wenn ich alle Vorleistungen – und ich meine wirklich ALLE Vorleistungen – vom Produktionsergebnis subtrahiert habe, dann bleibt mir ein Nettoeinkommen, von dem ich (und meine Familie) leben muss.

Mein allererstes Problem ist also, dass meine persönliche Wertschöpfung, mein „added value“ (mein Nettoeinkommen) so groß sein muss, dass ich (wir) davon leben kann (können).

(A) Zuallererst muss sich mein Arbeitsplatz für mich und meine Familie RENTIEREN, sonst wäre es besser, etwas Anderes zu machen

(B) Zuallererst muss sich mein Geschäft für mich und meine Familie RENTIEREN, sonst wäre es besser, etwas Anderes zu machen

Alles andere wäre dann eine Frage der Sozialgesetzgebung.

Im Fall (A) ist das für den Angestellten kein Problem, weil er mit dem Unternehmen einen fixen Lohn (bzw. ein Gehalt) vereinbart hat und die Kosten für die Vorleistungen sind eigentlich das Problem des Arbeitgebers.

Wirklich?

Na ja: Wenn ich mich an diesem Arbeitsplatz für den Arbeitgeber nicht rentiere, oder wenn sich der Arbeitsplatz generell für den Arbeitgeber nicht rentiert, dann gibt es eigentlich nur folgende Möglichkeiten:

  1. Es gibt MICH bald nicht mehr an diesem Arbeitsplatz
  2. Es gibt DIESEN ARBEITSPLATZ bald nicht mehr (hier)
  3. Es gibt DIESEN ARBEITGEBER bald nicht mehr (hier)

Wir sehen, dass sich der Unternehmer (B) um die Effektivität und Effizienz aller seiner Arbeitsplätze kümmern muss, aber auch der Angestellte (A) trägt Verantwortung für sich selbst (für seine Weiterbildung und Weiterentwicklung) und für Effektivität und Effizienz seines Arbeitsplatzes.

Vom Kümmern……

……kommen Schlafstörungen, sagt man.

Aber, es hilft nichts, die Kosten für die Vorleistungen müssen uns kümmern.

Wenn wir uns weiterbilden, weiterentwickeln, dann können wir unseren Teil beitragen, dass der Gesamtumsatz steigt – da ist eigentlich kein Unterschied zwischen Fall (A) und Fall (B), aber die ganze Weiterbildung und -entwicklung, all die schöne Innovation, nützt überhaupt nichts, wenn der Umsatz von den Vorleistungen aufgefressen wird.

Und, was das Kümmern um die Vorleistungen betrifft, genau da sehe ich den wesentlichen Unterschied zwischen Angestelltem (A) und Geschäftsinhaber (B). Hier kann sich der Angestellte ein wenig zurücknehmen (ganz vergessen kann auch er diese Sache nicht) und graue Haare einsparen.

Der Geschäftsinhaber muss sich darum kümmern, dass Druckerpapier da ist, wenn man es braucht, er hat aber dafür den Vorteil, dass er nicht die ganze Arbeit selber machen muss, die er ja an seine Angestellten delegieren kann.

Arme EPUs. Die müssen machen UND organisieren (dafür ist ihr Geschäft aber zum Glück überschaubar 🙂 ).

Meint

Euer Christoph


Objektive Werte

März 20, 2022

Oft hört man, dass wir angeblich die sogenannten Europäischen Werte verteidigten, also eigentlich die westlichen Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Also eigentlich, und man muss das Kind beim Namen nennen, die Menschenrechte.

Aber – und ich will das jetzt wirklich hinterfragen – was ist das eigentlich, ein Wert? Hat alles, was einen Wert hat, auch einen Preis? Bestimmt sich der Wert einer Sache dadurch, wieviel wir für sie opfern würden?

Gibt es so etwas wie objektive Werte?

Kann man etwas objektiv bewerten?

Was bedeutet eigentlich das Wort objektiv?

Wenn heute ein Brot 3,- EUR kostet, und morgen kostet das gleiche Brot 5,- EUR, ist das Brot morgen mehr wert? Oder eher der Euro weniger? Objektiv?

Wahrscheinlich werden wir dahinter kommen, dass der Tauschwert eines Gutes den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegt.

Also, wieder einmal ist auf meinem Blog nichts Neues zu finden, was ja an sich nichts Neues ist 🙂

Aber lassen wir die Sache sich entwickeln.

Wenn wir nachschlagen, finden wir zwei Bedeutungen des Wortes „objektiv“:

  1. nicht von persönlichen Gefühlen oder Meinungen bestimmt
  2. unabhängig vom Subjekt

Ad 1)

Kann ein Mensch auch nur irgendeine objektive Aussage tätigen? Eine Aussage, die nicht von seinen persönlichen Gefühlen oder Meinungen bestimmt ist?

Eher nicht.

So etwas wie Objektivität kann es erst geben, wenn man mindestens eine zweite Meinung eingeholt hat (ich muss an das sog. Vier-Augen-Prinzip denken, welches Werner von Siemens eingeführt hatte). Und eine internationale Gemeinschaft von vielen voneinander unabhängigen Menschen – also zum Beispiel die Wissenschaft – kann tatsächlich einigermaßen gesicherte „objektive Wahrheiten“ entdecken.

Ad 2)

Hier kommen wir in die Rechtsmaterie des Sachenrechts. Im Sachenrecht wird die Zuordnung von Sachen zu Personen geregelt (also zum Beispiel das Eigentum).

Sehr simpel gesprochen: alles, was keine Person ist, ist eine Sache (also ein Objekt).

§ 285 ABGB: „Alles, was von der Person unterschieden ist, und zum Gebrauche der Menschen dient, wird im rechtlichen Sinne eine Sache genannt.“

Allerdings wird diese simple Definition in letzter Zeit immer schwieriger. Zum Beispiel können nun nicht mehr nur Personen sogenannte Rechtssubjekte – also Träger von Rechten und Pflichten – sein, sondern haben in letzter Zeit auch Tiere Rechte, vielleicht hat sogar die Umwelt gewisse Rechte.

Auch in der Informationstechnologie gibt es immer neue Begriffe, zum Beispiel die allseits beliebten NFTs oder auch die Roboter mit ihrer künstlichen Intelligenz, die dazu führen, dass man gar nicht mehr so einfach sagen kann, was alles eine Sache – ein Objekt – ist, und wer alles eine Person ist.

Ich lasse das einfach mal so stehen, OK?

Werte oder Vermögen?

Was nützt mir der beste Wert, wenn ich nicht über ihn verfügen kann? Wenn er für mich keinen Nutzen hat? Was nützen mir die besten Menschenrechte, wenn sie in meiner Heimat nicht zur Verfügung stehen? Was nützen mir Rechte generell, wenn es in meiner Heimat keine Rechtssicherheit gibt?

Wegen dieser Überlegung bin ich der Meinung, dass die Menschenrechte in Europa nur dann ein echtes „Asset“ darstellen, wenn sie von den europäischen Staaten auch tatsächlich umgesetzt und geschützt werden und werden können. Wenn die Menschenrechte also tatsächlich Teil des Volksvermögens sind.

Wenn hingegen ruchbar wird, dass die Menschenrechte tatsächlich gar nicht geschützt werden können in Europa, dann sinkt das immaterielle Volksvermögen und damit auch der Wert des Euro, was sich in einer Inflation äußert.

Zur Erinnerung

Zitat aus https://de.wikipedia.org/wiki/Vermögen_(Wirtschaft):

[…]In den Wirtschaftswissenschaften ist Vermögen (englisch assets) der in Geld ausgedrückte Wert aller materiellen und immateriellen Güter, die im Eigentum einer Wirtschaftseinheit stehen.[…]

Den Wert eines Vermögens stellt der Eigentümer selbst fest (z.B. indem eine AG ihre Bilanz veröffentlicht), der Markt reagiert darauf, indem z.B. der Aktienkurs einer AG sinkt oder steigt, das entspricht der externen, also sozusagen „objektiven“ Bewertung der Assets.

Europa wird zum Beispiel objektiv bewertet, indem der Euro sinkt oder steigt.

Den tatsächlichen, also objektiven, Wert eines Vermögens findet man erst dann, wenn man das Vermögen veräußern muss, also durch die Gesetze von Angebot und Nachfrage.

Meint

Euer Christoph


Von Sinn und Unsinn des Gewissens

Februar 20, 2022

Liebe Leser und Leserinnen,

Nun habe ich mir also tatsächlich vorgenommen, ein 14. „Kleines religiöses Büchlein“ zu schreiben, ein Büchlein über „Sinn und Unsinn des Gewissens“.

Was meine ich damit?

Nun, Gewissen „bewertet“. Vor allem bewertet es uns selbst.

Das heißt, es vollführt eine Transformation, die aus komplexen Lebenssituationen einen binären skalaren Ausdruck extrahiert, der nur zwei Werte annehmen kann: „gut“ oder „böse“ bzw. „ich fühl‘ mich gut“ oder „ich fühl‘ mich schlecht“.

Also ein Bit, ein binary digit.

Manche Menschen denken auch in Graustufen und kennen die Werte „sehr böse“, „ziemlich böse“, „einigermaßen böse“, „ein bißchen böse“, „kaum böse“, „neutral“, „kaum gut“, „ein bißchen gut“, „einigermaßen gut“, „ziemlich gut“ und „sehr gut“.

Anmerkung: von Regenbogenfarben reden wir (noch) nicht, obwohl es gerade hier angebracht wäre 😉

Und zuletzt hatten wir uns mit einem skalaren Zahlenwert beschäftigt, mit dem der Markt einen Haushalt bewertet, nämlich mit der sogenannten „Wertschöpfung“.

Aber dann sind wir dahintergekommen, dass Wertschöpfung im üblichen Sinn eigentlich nur im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette der Produktionseinheiten einen Sinn ergibt. Eine „gesamtmenschliche Wertschöpfung“ oder eine „weltwirtschaftliche Wertschöpfung“ ergibt beim besten Willen keinen Sinn (siehe Beispiele 1: Wertschöpfung), wenn man die übliche Definition der Wertschöpfung zugrunde legt:

Wertschöpfung = Produktionsergebnis – Vorleistungen
(Satz B1a-1)

Wir werten das als Hinweis, dass der Sinn des Lebens sicher nicht in der Produktion und im Konsum begraben liegt. Sinnlose Produktion oder sinnloser Konsum mag zu gewissen lokalen Wertschöpfungen beitragen, aber sie „bringen die Menschheit insgesamt nicht weiter“.

All das wird im 14. Büchlein zu ventilieren sein, doch möchte ich diesmal noch ein wenig den Begriff der Wertschöpfung aus Sicht des beliebten alleinerziehenden Softwareentwicklers in einer Großstadt detaillierter betrachten.

Unser Softwareentwickler ist also in der R&D Abteilung irgend eines Unternehmens angestellt, diese Abteilung verkauft eine Arbeitsstunde unseres Softwareentwicklers um 80 € an andere Abteilungen (die 80 € sind also ein „interner Stundensatz“).

D.h. also, unser Softwareentwickler verursacht durch seine Arbeit (genau genommen durch seine Anwesenheit 🙂 ) bei seinem Chef einen Umsatz von 80 Einheiten.

Anmerkung: hier gilt Bruttoumsatz (BU) = Nettoumsatz = 80 Einheiten, weil ja für die interne Weitergabe meiner Arbeitsleistung im Unternehmen keine Umsatzsteuer verrechnet wird. Das ist auch gerechtfertigt, weil ja (fast) kein Transport der Leistung nötig ist. Die Umsatzsteuer dient ja im Allgemeinen dazu, die externen Kosten des landesinternen Gütertransports (Umweltschäden u. dgl.) abzudecken.

Nach Abzug des „gesamten Overhead“ (GO) bleibt für unseren Softwareentwickler ein Nettogehalt (NG) von 17 Einheiten.

Abb. B1a-1: Sicht des Programmierers (oben) /
Sicht des Arbeitgebers (unten)

Was dieser gesamte Overhead (GO=63) bedeutet, das wollen wir jetzt ventilieren.

GO aus Sicht des Softwareentwicklers

Aus Sicht des Softwareentwicklers ist der Nettogehalt (NG = 17 Einheiten) der Gegenwert für seinen persönlichen Beitrag zur Gesamtproduktion (ich würde ihn als „persönliche Wertschöpfung (PWS)“ bezeichnen).

Das, was ich als gesamten Overhead (GO = 63 Einheiten) bezeichne, ist aus seiner Sicht ein Maß dafür, wieviel äquivalente Dienstleistung durch seine Arbeit „ermöglicht“ *) wird.

Seine Arbeit „ermöglicht“ *) also die Finanzierung von insgesamt (NG + GO) / NG = 1 + GO/NG = 1 + 63/17 = 1 + 3.7 „äquivalenten Dienstleistern“ (inkl. seiner selbst).

Damit ist es also eigentlich eine „gemeinsame Anstrengung“, auf die er „den Schlußstein setzt“.

*) Eigentlich werden die Vorleistungen durch das Vertrauen darauf ermöglicht, dass sein Chef die Vorleistungen bezahlen wird. Dieses Vertrauen ist aber eng verknüpft mit dem Vertrauen, dass der Chef „jemanden hat“, der den Schlußstein auf die Vorleistungen setzen wird.

Der Erwerbstätige fühlt also umso mehr Stolz in seiner Brust, je kleiner die persönliche Wertschöpfung (PWS), bezogen auf den Bruttoumsatz (BU), ist, und er selbst und seine Familie trotzdem noch leben können (m.a.W. je mehr Umsatz er verursacht, und deswegen immer noch genug verdient, obwohl er möglichst wenig leistet).

Sollen wir uns vom Stolz leiten lassen? Das wäre noch zu ventilieren.

Recht auf Arbeit vs. Recht auf Arbeitsplatz

Im Artikel „Verortung des Ressourcenumsatzes“ (siehe HIER) hatte ich eine – etwas launige – Abhandlung gehalten, die versuchte die Begriffe „Arbeitgeber“ und „Arbeitsplatzgeber“ gegeneinander abzuwägen:

[…]In der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte kann man im Artikel 23 lesen:

Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)

  1. Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.[…]

Nun, dem ist nichts hinzuzufügen. Außer…… Ja, ich weiß ich bin ein i-Tüpferlreiter, aber eigentlich will ich kein „Recht auf Arbeit“, sondern ein „Recht auf einen Arbeitsplatz“.

Warum?

Der Arbeitgeber ist eigentlich kein Arbeitgeber, sondern ein ArbeitsPLATZgeber. Der ARBEITgeber bin schon ich, weil ich ja meine Arbeit hergebe – und dafür einen Gehalt bekomme.

Den ArbeitsPLATZ gibt aber der Unternehmer, und ich muss dafür bezahlen!

Warum muss ich für meinen ArbeitsPLATZ bezahlen?

Nun, aus meiner Sicht ist der Bruttoumsatz (BU) der Wert meiner Arbeit, unter der Voraussetzung, dass ich sie auf diesem Arbeitsplatz verrichte.

Ich kann den Wert GO (gesamter Overhead) also mit gutem Gewissen als die „Miete für meinen Arbeitsplatz“ interpretieren.

Der Chef meiner Abteilung stellt mir diesen Arbeitsplatz zur Verfügung, ich stelle meine Fähigkeiten und meine Arbeit zur Verfügung, gemeinsam erwirtschaften wir damit den Bruttoumsatz (BU).

Mein Anteil am Bruttoumsatz (BU) – nachdem die Kosten für den Arbeitsplatz abgezogen worden sind – ist der Nettogehalt NG (übers Jahr gerechnet, nach Steuerausgleich).

Darum ist es in meinem Interesse, dass der Arbeitgeber den Arbeitsplatz – auch mit meiner Hilfe – möglichst effizient gestaltet, was die Kosten für die Vorleistungen betrifft, damit mehr für mich übrig bleibt.

Man müßte also die Menschenrechte umformulieren:

Nicht das „Recht auf Arbeit“ sollte vom Staat gesichert werden, sondern das „Recht auf leistbare Arbeitsplätze“, dieses „abgestimmt auf die Lebenssituation der Einwohner und Einwohnerinnen“.

GO aus Sicht des Arbeitgebers / aus Sicht des Marktes

Für meinen Chef steht die Gesamtwertschöpfung der R&D Abteilung im Vordergrund, das sind in unserem Beispiel *) die gesamten Personalkosten:

  • PK = LK + IPVL
  • LK = Lohnkosten der internen Produzenten (inkl. Steuern und Sozialabgaben)
  • IPVL = Lohnkosten der internen Vorleister (inkl. Steuern und Sozialabgaben)

Unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten inkl. des Staates kostenoptimal arbeiten, sollte diese Gesamtwertschöpfung möglichst groß sein im Vergleich zu den externen Vorleistungen EPVL, um die Abhängigkeiten von externen Vorleistern klein zu halten.

Ausgenommen von dieser Regel sind Vorleistungen, die der Arbeitgeber selbst nicht so effizient (also kostengünstig) verrichten KANN, wie andere Wirtschaftseinheiten.

Solche Vorleistungen SOLLTE man – unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips und unter Berücksichtigung des Prinzips von der gerechten Entlohnung – an unternehmensinterne, andere private oder öffentliche Dienstleister auslagern.

*) Wir gehen davon aus, dass unsere R&D Abteilung kein nennenswertes Vermögen besitzt. Damit hat sie auch keinen Anteil am Eigenkapital und muss keinen Reingewinn an die Eigentümer abliefern (als Rendite für das Kapital). Sie muss auch keine Abschreibungen für Sachvermögen finanzieren und um die Rechte kümmert sich die – zentrale – Patentabteilung. Im Gegenzug ist dafür der „interne Stundensatz“ ziemlich „mager“ ausgefallen.

Für unseren Softwareentwickler heißt das also

Im folgenden die Vorleistungen, die für unseren Software-Entwickler sichtbar sind. Alles, was ich hier vergessen / übersehen habe, bitte mir nachzusehen.

  • Öffentliche Vorleistungen (ÖVL)
    Anmerkung: wenn man die Länge der folgenden Liste mit der Größe des Balkens ÖVL in Abbildung B1a-1 vergleicht, sieht man die Effizienz, mit der die öffentlichen Dienstleister hier arbeiten
    • Arbeitnehmerbeiträge (ANB)
      • Pensionsversicherung
      • Arbeitslosenversicherung
      • Krankenversicherung
      • Arbeitsgesetz – Rechtssicherheit
      • Arbeiterkammer
      • gratis Bildung und Ausbildung bis zum Eintritt
      • Straßen für die Fahrt zur Dienststelle
      • Öffentlicher Verkehr zur Dienststelle
      • etc.
    • Arbeitgeberbeiträge (AGB)
      • gut gebildete/ausgebildete Jobanfänger und Quereinsteiger
      • Verschiedene Infrastruktur
        • für Dienstreisen
          • Straßen
          • Öffentlicher Verkehr
        • für Telekommunikation
          • Telekom Control (Rechtssicherheit)
      • Rechtssicherheit
        • Arbeitsverträge
        • Patente
        • Markenrechte
      • Wirtschaftskammer
      • Öffentliche Sicherheit
      • Sicherung des sozialen Friedens
      • etc.
  • Externe private Vorleistungen (EPVL)
    • Raummiete für das Büro
    • Strom, Hausmeister, Empfang etc.
    • Geleasedter Laptop
    • Geleasedte Monitore
    • IT Infrastruktur
  • Externe Vorleistungen im selben Unternehmen
    Anmerkung: diese sind „durch die Niedrigkeit des internen Stundensatzes“ bereits berücksichtigt
    • Reingewinn für die Eigentümer (inkl. Gewinnsteuer)
    • Vorstand, Aufsichtsrat
    • höheres Management
    • IT Support
    • HR Management
    • Patentabteilung
    • etc.
  • (Abteilungs)interne Vorleistungen (IPVL)
    • internes Management (LK für den Chef)
    • Teamleitung (LK für die Teamleiter)
    • Meine unproduktiven Stunden (Trainings, Administrative Tätigkeiten)

Meint

Euer Christoph


Fragmente zur Weltwirtschaft

Februar 9, 2022

Wenn man die gesamte Menschheit, bzw. sogar das gesamte Leben der Welt als einen „Haushalt“ modelliert, dann ergeben sich im Zusammenhang mit unserem „Standardmodell eines Haushalts H“ folgende Aussagen:

Standardmodell eines Haushalts H
  • Unsere „Umwelt“ ist der Weltraum mit den Himmelskörpern (Sterne, Planeten, Kometen, Asteroiden, …..)
  • Es gibt (noch) keinen „Äußeren Markt“ und weder Exporte noch Importe.
    • Es gibt also auch keine „globale Wertschöpfung“ (im herkömmlichen Sinn)
    • Die weltinterne Geldwirtschaft ist für unsere externen Beziehungen also (noch) egal
  • Der „Ressourcenumsatz“ mit der Umwelt (mit dem Weltraum) besteht aus
    • Sonnen- und Sternenlicht, Sternenstaub und kleineren Himmelskörpern (die eingeschlagen sind),
    • einigen Flügen zum Mond, der einen oder anderen Raumstation und einigen unbemannten „Botschaftern“ und „Pionieren“, die wir vorgeschickt haben.
    • Dieser Ressourcenumsatz besteht bisher nur aus sog. „freien“ Gütern*), weil wir dem Weltraum außer den Dingen, die er „von selber“ hergibt,
      • (bisher) beliebige Proben „entnehmen“ können, ohne Schaden anzurichten
      • und weil der Weltraum unsere „Botschafter und Pioniere“ (noch) in beliebiger Zahl aufnehmen kann
  • religiös: Wir sind uns schon ziemlich sicher, dass wir die „Krone des Sonnensystems“ sind, aber ob wir auch die „Krone der Schöpfung“ sind, wissen wir noch nicht (siehe auch Joh 10,16).

*) Im „erdnahen“ Weltraum stimmt das bekanntlich nicht mehr, Weltraummüll ist ja dort schon ein Problem

Fazit: die Weltwirtschaft als einen einzigen Haushalt zu modellieren, macht momentan noch selten Sinn (außer beim Weltraummüll, bei der Atmosphäre und bei den Weltmeeren, zum Beispiel).

Meint

Euer Christoph


Beispiele 1: Wertschöpfung (Beitrag „B1“)

Februar 7, 2022

In letzter Zeit schreibe ich hin und wieder einige meiner unmaßgeblichen Gedanken zur Wirtschaftstheorie in dieses Blog (siehe vor allem die Einleitung/Zusammenfassung Alles in allem (Beitrag „A“)), bin mir aber selber nicht sicher, warum ich das tue, vielleicht, weil es halt Spaß macht.

Zuallererst mußte ich natürlich definieren, dass sich in meiner Begriffswelt alles um den „Haushalt“ dreht. Laßt mich diese Definition hier ausnahmsweise wiederholen, weil sie mir so wichtig ist:

Ein „Haushalt“
ist eine Gemeinschaft von Personen,
die die gemeinsame „Bewirtschaftung“
von „Gütern“ und „Ressourcen“
betrifft.
(Satz A-1 = Satz B1-1)

Ein Haushalt kann also eine Familie sein (was dem ursprünglichen Begriff am nächsten kommt, und die Familie sei ja auch die „Keimzelle der Gesellschaft“, sagt man), es kann sich aber auch zum Beispiel um einen Staatshaushalt handeln oder um ein Unternehmen, einen Verein, eine Glaubensgemeinschaft oder sogar die Weltwirtschaft an sich (da sind dann halt die Exporte und die Importe gleich Null – solange der Kontakt zu den Außerirdischen noch nicht hergestellt ist 🙂 ).

Den Begriff „Güter“ verwende ich in Einklang mit der üblichen Wirtschaftstheorie als „materielle oder immaterielle Mittel, die der Bedürfnisbefriedigung dienen“.

Den Begriff „Ressource“ verwende ich jedoch nicht genau so, wie ihn die übliche Wirtschaftstheorie (vor allem die Betriebswirtschaftslehre) verwendet, weil ich Menschen nicht als Ressourcen bezeichnen möchte (HR möge mir verzeihen 🙂 ).

Mit dem Begriff Ressource meine ich
die Güter und die Aufnahmefähigkeit für Ungüter,

die von/in der Umwelt
gratis zur Verfügung gestellt werden.
(Satz B1-2)

„Ressourcen“ sind also in meinem Sprachgebrauch einerseits „freie Güter“ bzw. „freie Aufnahmefähigkeiten für Ungüter“, die die durch den Haushalt erreichbare Umwelt im Überfluß bereitstellt, sodass man dafür keinen Preis definieren kann, andererseits sind es „Gemeingüter“ bzw. „gemeinsam zur Verfügung gestellte Aufnahmefähigkeiten für Ungüter“, deren Bereitstellung zwar „externe Kosten“ in der Umwelt verursacht, für den fraglichen Haushalt aber gratis ist.

Anmerkung: die „vom fraglichen Haushalt erreichbare Umwelt“ ist nicht nur Natur. Auch andere Haushalte können Teil dieser Umwelt sein, wenn sie Ressourcen „in dieser Umwelt bereitstellen“.

Ich bezeichne also zum Beispiel auch freie Software (Open Source Software – ein freies Gut) als Ressource.

Man muß aber aufpassen, aus freien Gütern werden manchmal – oft rascher, als man denkt – knappe Güter, was wir aktuell an der Überfischung der Weltmeere oder bei der Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Treibhausgase merken.

Unter dem Begriff „Bewirtschaftung“ verstehe ich – wieder im Einklang mit der üblichen Wirtschaftstheorie – die „planvolle Befriedigung von Bedürfnissen“.

Um was geht es also?

Diesmal möchte ich anhand der oben angeführten Begriffe das eine oder andere Beispiel ausarbeiten, um den Begriff der „Wertschöpfung“ (engl. „added value“) näher zu beleuchten.

Weiters möchte ich auf die beiden Arten der Wertschöpfung eingehen, die mit den Einkunftsarten zu tun haben (siehe auch den Beitrag Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu):

  1. Wertschöpfung durch Überlassung von Vermögen gegen Miete/Pacht/Zins und
  2. Wertschöpfung durch Erwerbstätigkeit (selbständig, unselbständig, gewerblich, Land- und Forstwirtschaft)

Wenn wir nach Karl Marx gehen, dann ist 1. eine „böse“, weil „arbeitslose“ Wertschöpfung, und 2. ist die „gute“, weil „durch ehrliche Arbeit verdiente“ Wertschöpfung. Das wird zu hinterfragen sein.

Beginnen wir mit einem allgemeinen Exkurs, in dem der Begriff der Wertschöpfung noch keine zentrale Rolle spielt:

Beispiel 1-1: Alles ist Dienstleistung

Wie meine ich das?

Nun, wenn für ein Gut bezahlt wird (also genau genommen für ein „knappes“ Gut, „freie“ Güter wären ja gratis), dann wird das Geld immer einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen in die Hand gegeben. Es ist meiner Meinung noch nie vorgekommen, dass wir der Natur (oder irgendeinem Naturgott) Geld geopfert hätten, als Dank für eine Ressource, die wir der Natur entnommen haben.

Wenn wir für ein Gut einen Geldpreis
bezahlen, dann kommt
das Geld immer
Menschen zu gute.

Entsprechend der üblichen Wirtschaftstheorie gibt es folgende Arten von Realgütern (im Gegensatz zu Nominalgütern, also Geld und geldwerten Zahlungsmitteln):

  • Sachgüter
  • Dienstleistungen
  • Rechte

Ich behaupte nun, dass hinter allen Realgütern in Wirklichkeit menschliche Dienstleistungen stecken, also auch hinter Sachgütern und Rechten, die ja bereits an sich einen Nutzen und einen Wert haben, auch wenn wir den „menschlichen Aufwand dahinter“ nicht kennen:

Auch Realgüter außer
Dienstleistungen
(also auch Sachgüter und Rechte)
sind letzten Endes immer gleichbedeutend

mit einer Akkumulation von Dienstleistungen.
(Satz B1-3)

Um diesen Sachverhalt zu ventilieren, denken wir uns die Endmontage eines Autos. Sehr simpel betrachtet nehmen wir

  • ein Chassis,
  • einen Motor und
  • eine Karosserie

und stecken diese zusammen zu einem fertigen Auto (zumindest bei einem Auto von IKEA *) wäre das so einfach 🙂 ).

Abb. B1-1: Endmontage eines IKEA *) Autos

Was in Abbildung B1-1 sofort auffällt, ist die geringe Wertschöpfung bei der Endmontage des Autos.

  • Weil eine qualitativ hochwertige Montageanleitung als freies Gut (im World Wide Web) verfügbar ist und weil die Werkzeuge mit den Einzelteilen mitgeliefert werden, kann jeder mittelbegabte Otto Normalverbraucher solch ein Auto montieren.
  • Deshalb ist die Wertschöpfung bei der Endmontage auch so gering und deswegen wird sich kein Unternehmen finden, das die Montage durchführt.
  • Jeder Käufer muss das Auto in der eigenen Garage selbst zusammenbasteln. Der Brutto-Umsatz (BU) ist nur ein fiktiver Umsatz für den Fall, dass der Käufer des Bausatzes das Auto gleich nach der Montage doch noch weiterverkauft.

Jedenfalls ist klar, dass es sich zumindest bei der Endmontage um eine reine Dienstleistung handelt.

Die Vorleistungen sind nun alle Leistungen, die als Voraussetzung für die Endmontage erbracht worden sind:

  • Die Einzelteile (also Chassis, Motor und Karosserie) müssen hergestellt und geliefert werden:
    • Dahinter stecken unzählige Dienstleistungen, z.B. von der Montage des Motors bis hin zur Schürfung der Erze, die für die Rohstoffe des Motors das Ausgangsprodukt waren, nicht zu vergessen den Transport der jeweils halbfertigen Produkte zum nächsten Glied der Wertschöpfungskette.
      Zu diesen Dienstleistungen zählen anteilig auch die Mannstunden, die für benötigte Investitionsgüter aufgewendet worden sind (z.B. für eine Fabrikshalle, die sich im Eigentum einer der beteiligten Wirtschaftseinheiten befindet)
    • Dazu kommen anteilig auch Dienstleistungen, die in den beteiligten Wirtschaftseinheiten als unterstützende Leistungen erbracht werden (diverse Formen von Management, Führung und Kontrolle, verschiedene Formen von Infrastruktur wie zum Beispiel Wartung der Produktionsmittel und dergleichen)
    • Überlassungen von Produktionsmitteln, Finanzdienstleistungen und dergleichen, z.B.
      • die Vermietung (Überlassung) einer Immobilie für einen Produktionsstandort (das ist zweifelsfrei eine Dienstleistung)
      • die Eigentümer der beteiligten Wirtschaftseinheiten haben Kapital investiert, auch das ist zweifellos eine Dienstleistung (nämlich eine Finanzdienstleistung)
    • Für all das müssen nun auch Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden
      • Dass der Staat und die Sozialversicherungsträger Dienstleister sind, ist allgemein bekannt, und dass diese Dienstleistungen guten Gewissens als Vorleistungen gezählt werden können, die unsere Art des Wirtschaftens erst ermöglichen, ist auch leicht einsehbar.
      • Selbst wenn der Staat Teile der Steuern verwendet, um Sozialhilfe auszuschütten oder (andere) marode Firmen als Staatsunternehmen wieder aufzupäppeln, bevor er sie verkaufen kann, ist das eine Dienstleistung an den beteiligten Wirtschaftseinheiten: nämlich die Sicherstellung des sozialen Friedens.
    • Wir nehmen an, dass IKEA *) ein Patent auf eine besondere Art von Motor hat. Deswegen kann IKEA *) für diese Art von Motor eine künstliche Verknappung inszenieren, wodurch die Wertschöpfung für den Motorproduzenten steigt. Der Motorproduzent zahlt eine angemessene Lizenzgebühr, sodaß sich das Patent für IKEA rechnet. Die künstliche Verknappung durch das Patentrecht ist letzten Endes eine Dienstleistung des Rechtsstaats.
    • Bleibt noch die Frage, wie wir die Erstellung der eingangs erwähnten „qualitativ hochwertigen“ Montageanleitung verbuchen. Diese ist als „freies Gut“ in unbegrenzter Stückzahl für jeden Menschen mit Internetanschluß gratis kopierbar, kann also, weil gratis, nicht direkt als Vorleistung verrechnet werden.
      Irgendwann einmal mußte der „Erstling“ jedoch mühsam erarbeitet werden. Da IKEA *) sicher nicht auf diesen Kosten sitzenbleiben will, müssen diese durch eine „Umwegrentabilität“ gedeckt werden (wie bei allen „freien Gütern“, die marktwirtschaftlich produziert werden). Man könnte diese Montageanleitung zum Beispiel als Marketinginstrument verbuchen, das erst die Nachfrage nach derartigen Autos so richtig steigen läßt. Gepaart mit der oben genannten künstlichen Verknappung des Motors (dieser ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Autos), kann sich das rechnen. Auch die Erstellung des „Erstlings“ der Montageanleitung ist natürlich eine Dienstleistung.

*) Der Markenname IKEA wird in diesem Artikel zu satirischen Zwecken verwendet, um durch die satirische Überhöhung klar zu machen, dass man Möbel nicht mit Autos vergleichen kann

Wir sehen also:

Alles, wofür wir Geld ausgeben,
läuft letzten Endes
auf menschliche Dienstleistungen **)
hinaus.

**) Andersherum ist nicht gesagt, dass für jede menschliche Dienstleistung Geld verlangt werden muss, wenn es sich zum Beispiel nicht um eine Dienstleistung im Sinne der üblichen Wirtschaftstheorie handelt

Nun gehen wir medias in res, und werden uns dem Thema der Wertschöpfung nähern:

Beispiel 1-2: Von der Wertschöpfung

Anmerkung: Mehr zur Wertschöpfung bei Wikipedia – Wertschöpfung (Wirtschaft)

In Beispiel 1-1 ist uns bereits eine Wertschöpfung begegnet, die so jämmerlich klein war, dass sich kein Unternehmen ihrer angenommen hätte (weil die Vorleistungen fast den gesamten Produktionswert, also Umsatz, „aufgefressen“ hatten).

Und tatsächlich wird die Wertschöpfung als das Ziel der Produktion in jeder Geldwirtschaft bezeichnet. Immerhin entspricht sie dem Bruttogewinn, mit dem man sinnvolle Sachen machen kann (zum Beispiel das Eigenkapital aufstocken, um krisenfester zu werden, oder auch in Produktionsmittel oder Innovationen investieren), nachdem man den – leider notwendigen – Reingewinn an die Eigentümer ausbezahlt hat.

Definition der Wertschöpfung:

Wertschöpfung = Produktionswert – Vorleistungen

Ob das wirklich immer gilt – dass die Wertschöpfung unser oberstes Ziel sei – möchte ich anhand einiger Beispiele ventilieren. Dazu bediene ich mich wieder – siehe Abbildung B1-2 – unseres Modells von einem beliebigen Haushalt.

Der Haushalt H ist – zu einem bestimmten Zeitpunkt – eine Gemeinschaft von N bestimmten Personen, die ihr produktives Vermögen und ihr gebunkertes Vermögen (inklusive ihrer persönlichen Fähigkeiten) bewirtschaften, um ihre Bedürfnisse möglichst effizient zu befriedigen.

Abb. B1-2: Wirtschaftsuniversum aus Sicht des Haushalts H

Dazu produzieren sie unter Verwendung ihres produktiven Vermögens (inkl. ihrer persönlichen Fähigkeiten) bestimmte Güter, um diese

  • zu konsumieren (Nutzen sofort) bzw. zu investieren (Nutzen später),
  • für schlechte Zeiten einzulagern oder
  • den Überschuß zu exportieren.

Wenn die Produktion hinter dem Bedarf herhinkt, können sie in Ausnahme- (Krisen-)fällen

  • die Produktion aus dem gebunkerten Vermögen (Lager) auffetten.

Für den Export von Realgütern (also Sachgütern, Dienstleistungen und Rechten) erzielt man – zumindest in der Geldwirtschaft – einen Gegenwert an Nominalgütern (Geld und geldwerten Zahlungsmitteln) in Höhe des Umsatzes (Revenue R).

Vom Umsatz R kann man nun

  • Haushaltsmitgliedern einen gerechten Anteil am Exporterfolg zukommen lassen
  • das Geldvermögen vergrößern
  • Importe finanzieren – Kosten (Costs C)
    • um den Konsum aufzufetten
    • um das Lager für Krisenzeiten aufzufüllen
    • um in das produktive Vermögen zu investieren (Produktionsmittel, Innovation, Schulungen, …)

Die Wertschöpfung („added value“ AV) ergibt sich mit diesem Modell also zu

AV = R – C
Wertschöpfung = Umsatz – Kosten(Vorleistungen)
(Satz B1-4)

Wie sieht das nun aus, wenn wir einige konkrete Haushalte durchexerzieren?

Beispiel 1-2-1: der beliebte Jäger und Sammler

Wir wollen den Haushalt H hier als eine Sippe von Jägern und Sammlern interpretieren, der wir unterstellen, dass sie keine externen Kontakte zu anderen Sippen und also auch keine externe Währung habe (eigentlich eine gewagte Unterstellung).

Da wir es also nicht mit einer Geldwirtschaft zu tun haben, ist die Frage nach der Wertschöpfung eigentlich müßig, aber wir könnten zumindest versuchen, eine äquivalente Wertschöpfung nach der Formel

Wertschöpfung = Output – Input

zu beschreiben.

Da die Sippe keinen externen Markt als „menschlichen Widerpart“ hat, aus dessen Sicht diese Differenz bewertet werden könnte, versuchen wir die Sippe eben aus der „Sicht der Natur“ zu bewerten. Welchen Mehrwert könnte eine Sippe von Menschen für den Urwald haben? Was ist der Input? Was ist der Output?

Der Input ist natürlich der Verbrauch natürlicher Ressourcen, der dem Menschen zu eigen ist.

Aber was ist der Output des Menschen? Einfach nur Scheiße? Wos woar mei Leistung?

Was kann der Mensch besonders gut?

  1. Der Mensch hat Hände, er kann „Handlungen setzen“ und damit seine Umwelt „begreifen“
  2. Der Mensch hat ein großes Gehirn, um seine Umwelt zu „verstehen“

Mit diesen beiden Voraussetzungen und mit seiner Vernunft, mit der Fähigkeit zum Zuhören könnte er ein „weiser Landschaftsarchitekt“ sein, durch den auf der Erde vieles schöner, eleganter, vollkommener, man könnte sogar sagen besser würde. Das würde den Ressourcenverbrauch der Menschheit rechtfertigen.

Könnte, würde.

Beispiel 1-2-2: der beliebte Bauernhof

Jetzt wollen wir den Haushalt H als Bauernhof interpretieren, der nach wie vor „ziemlich autark“ agiert, aber aufgrund der effizienteren Produktionsmethoden des sesshaften Menschen einen Überschuß seiner Produkte zum Markt bringen kann.

Vom Umsatz R werden dann Luxusprodukte gekauft, also Produkte, die er selber nicht produzieren kann.

Man könnte eine Wertschöpfung berechnen, aber sie ist Null, weil R = C. Der gesamte Erlös der Überschüsse wird für Luxusprodukte ausgegeben, da der Bauernhof durch eine auf langer Erfahrung basierende Lagerhaltung auch in Krisenzeiten mit Geld eigentlich sonst nichts anfangen kann.

Natürlich könnte der Bauer eine Expansionsstrategie fahren, möglichst viel Geld sparen, und dann weitere Grundstücke dazu kaufen, aber unser Bauer ist eigentlich mit der Gesamtsituation zufrieden.

Beispiel 1-2-3: der beliebte alleinerziehende Software Entwickler

Dieser Angestellte und seine Rumpffamilie leben von seinem Nettogehalt und der Familienbeihilfe, das ist ihr Umsatz R.

Sie hätten gerne eine hohe Wertschöpfung, um sich mehr Manövrierspielraum zu verschaffen, aber sie haben nun mal kein Vermögen und müssen alle Produktionsmittel mieten, leasen oder ähnliches, was ihnen teuer zu stehen kommt.

Auch hier gilt R = C, Wertschöpfung gleich Null, obwohl er durch seine Arbeit bleibende Werte schafft.

Schön langsam zweifeln wir an der Aussagekraft der Maßzahl Wertschöpfung.

Beispiel 1-2-4: endlich der Produktionsbetrieb

Der Produktionsbetrieb hat, wie unser Software Entwickler, eigentlich keine nennenswerten Vermögenswerte vorzuweisen (außer ein paar Patenten und Markenrechten und einem bemerkenswerten Cash Flow). Aber die meisten Produktionsmittel, Gebäude, IT usw. muss er mieten bzw. leasen.

Dadurch behält er sich zwar seine Flexibilität – die er nicht hätte, wenn das alles sein Eigentum wäre – aber es kostet eben zusätzlich eine Lawine.

Er ist jedoch in der glücklichen Lage, dass er diese Kosten an seine Kunden weitergeben kann, weil er dank seiner gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiter seinen Kunden eben einen richtigen Mehrwert (einen „added value“, eine „Wertschöpfung“) bieten kann.

Dadurch kommt der Kunde auch nicht in Versuchung diesen Zwischenschritt selber zu machen und direkt zu den Vorleistern zu gehen (so wie es der Endkunde des IKEA *) Autos getan hat, bzw. tun mußte).

Wir sehen, dass der Begriff des Mehrwertes – des „added value“ – insbesondere in der Wertschöpfungskette der Produktionsbetriebe eine wichtige Rolle spielt.

Beispiel 1-2-5: Na ja, der Staatshaushalt

Auch Staaten stehen, ähnlich den Produktionsbetrieben, in einem Wettbewerb zueinander. Große Wertschöpfung heißt, dass man teuer (bzw. wertvoll) exportiert, aber billig (bzw. preisgünstig) importiert. Reine Agrarländer – wenn es sie gäbe – hätten de facto eine Wertschöpfung von 100% (die Vorleistung heißt Wetter, ist gratis, und kommt vom lieben Gott), allerdings sollte man nicht die Abhängigkeit von Saatgut- und Düngerproduzenten unterschätzen, die sehr unangenehm werden könnte.

Je „höherwertig“ die Güter sind, die in einem Staat produziert werden, desto schwieriger wird es, die Kosten für all die Vorleistungen niedrig zu halten und noch eine verträgliche Wertschöpfung „hinzukriegen“. Gut wäre halt in jedem Land ein Mix aus niedrig- und hochwertigen Gütern, sodass man unabhängig bleibt, verteilt auf unterschiedlich fortschrittliche Regionen innerhalb des Staates, sodass die Produzenten mit ihren Lebenshaltungskosten und ihrem Lebensstandard klarkommen.

Ein alter Witz: unsere Regierung hat den Lebensstandard so hoch getrieben, dass ihn niemand mehr erreichen kann.

Beispiel 1-2-6: Ach ja, die Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft hat weder Exporte noch Importe – wie gesagt, solange wir keinen Kontakt mit den kleinen grünen Männchen haben -, sodaß es eine globale Wertschöpfung de facto nicht geben kann. Hier gilt wieder der Versuch einer äquivalenten Wertschöpfung, den wir im Beispiel 1-2-1 im Zusammenhang mit den Jägern und Sammlern bereits gemacht haben.

Nun haben wir – glaube ich – einigermaßen ventiliert, was Wertschöpfung an sich ist. Nun wollen wir noch versuchen, den Unterschied zwischen „guter“ und „böser“ Wertschöpfung (nach Karl Marx) zu behirnen.

Beispiel 1-3: Der „gute“ und der „böse“ Hauseigentümer

Laut Steuerrecht wird ja zwischen 7 Einkunftsarten unterschieden ( https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/fuer-unternehmen/einkommensteuer/einkommensbegriff.html ):

  1. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
  2. Einkünfte aus Land/Forstwirtschaft
  3. Einkünfte aus Gewerbebetrieben
  4. Einkünfte aus unselbständiger Arbeit
  5. Einkünfte aus Kapitalvermögen
  6. Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung
  7. Sonstige Einkünfte

Wenn man ein sehr vereinfachtes Weltbild anstrebt, könnte man also die Menschen in 2 Klassen teilen:

  • Die vermögende Klasse, die hauptsächlich von Einkünften nach 5., 6. und 7. lebt
  • Die erwerbstätige Klasse, die hauptsächlich von Einkünften 1. – 4. lebt

Ich habe Karl Marx nie gelesen, aber man erzählt, er habe die Einkünfte durch Überlassung von Vermögen als „arbeitslose Einkünfte“ gebrandmarkt, die eben deswegen moralisch minderwertig seien, während er die Erwerbsarbeit wegen ihrer „ehrlichen Anstrengung“ als moralisch höherwertig lobte.

Aber wie ist es nun wirklich?

Können wir für diese Untersuchung wieder unser „Modell vom Haushalt H“ verwenden? Ich denke, ja.

Beginnen wir mit der von mir vorgeschlagenen Klassifizierung von Vermögen in „produktives Vermögen“ und „gebunkertes Vermögen“.

Gebunkertes Vermögen:

Der Begriff läßt vermuten, dass man dieses Vermögen in einen Bunker legt, weil man es nicht braucht.

Das stimmt nicht, bzw. nur teilweise.

Gebunkertes Vermögen hat die Eigenschaft, dass man es zur Zeit(!) nicht benötigt, dass man aber mit dem Eintritt von Risiken (Krisen, Produktionsausfällen und dergleichen) rechnet, deren Folgewirkungen mit Hilfe dieser Vermögenswerte gelindert oder gänzlich gut gemacht werden können.

Da die Risiken ja jederzeit eintreten können, kann man dieses „gebunkerte“ Vermögen auch niemandem überlassen (zum Beispiel herborgen oder es anlegen).

Produktives Vermögen:

Produktives Vermögen besteht einerseits aus Produktionsmitteln, die man in der Produktion direkt benötigt – auch diese Vermögensanteile wird man niemandem ohne Not überlassen -, und andererseits aus Werten, die man eigentlich nicht benötigt und deswegen anderen Menschen zeitweise oder dauerhaft überlassen kann.

Einerseits erwartet man sich für diese Überlassung natürlich Pacht, Miete oder Zinsen, die zumindest die Abschreibungen bzw. die Inflation decken, andererseits kann man sich nicht (viel) mehr erwarten, denn Geld ist „institutionalisiertes Dankeschön“, und welches Dankeschön bitte kann man erwarten, wenn man etwas herborgt, was man eh nicht braucht?

Dieser Gedankengang scheint Karl Marx zu unterstützen, aber wir werden noch ein Beispiel ventilieren, das uns näher an die Wahrheit heranführt.

Zuerst ein alter Witz: Ein Kreditinstitut ist wie ein Regenschirmgeschäft, das Regenschirme bei Sonnenschein verleiht, und bei Regen sofort wieder zurückfordert.

Wir stellen uns nun einen – den ersten – Hauseigentümer vor, der die Wohnungen seines Hauses nicht selber braucht (er hat ja eine Villa in Hietzing) und somit an Wohnungssuchende vermieten kann.

Er hat das Haus eben erst von einem entfernten Verwandten geerbt, kennt sich mit diesen Dingen eigentlich gar nicht aus und hat auch kein Interesse daran.

Um Kosten zu sparen, lädt er sich einen Mustervertrag aus dem Internet und fragt einfach im Nachbarhaus, was die Mieter dort an Miete zahlen. Diese Werte setzt er in den Mustervertrag ein und ist eigentlich recht glücklich mit der kosteneffizienten Lösung (er hat keine Beratung gebraucht und auch keinen Verwalter beauftragen müssen). Irgendwelche Mieter haben sich dann eh gefunden.

Beim ersten auftretenden Problem (einem Problem mit einer Eingangstür) stellt er sich taub und wartet, bis der Mieter klagt. Vor Gericht willigt er dann sofort in einen Vergleich ein. Auch wenn das etwas kostet, die Mühen, die er sich erspart hat, machen das alles wieder wett.

Letzten Endes wird er mit dieser Methode nicht so viel „herausquetschen“ wie andere Hauseigentümer, aber er hat ein sorgenfreies Leben, zumindest, was das Haus betrifft.

Ob die Mieter damit glücklich sind, sei dahingestellt.

Der zweite Hauseigentümer ist das aus Leidenschaft. Schon sein Vater und sein Großvater haben Wohnungen in ihren Zinshäusern vermietet.

Natürlich achtet er darauf, dass sich die Mietverhältnisse auch rechnen, aber er kennt die einschlägigen Gesetze aus dem ff. – auch die neuesten Änderungen und Entwicklungen – und hat das alles „ziemlich im Griff“.

Er braucht keinen Hausverwalter, um zu erkennen, wann eine Beschwerde gerechtfertigt ist, und wann es sich um eine Lappalie handelt, der man nicht nachgeben muss. Er kalkuliert „hart, aber gerecht“. Wenn ein Subunternehmer Mist gebaut hat, braucht er keinen Sachverständigen, sondern überzeugt den Handwerker mit fachspezifischen Argumenten, dass hier eine Korrektur angebracht wäre.

Er investiert viel seiner kostbaren Zeit in diese Angelegenheiten, muss aber nur sehr selten „seinen Rechtsanwalt mit juristischen Fragen belästigen“, weil er praktisch alles selber weiß – jahrelange Erfahrung.

Die Mieter haben durchwegs „ein gutes Gefühl“ und zahlen gerne eine leicht erhöhte Miete, weil sie die zusätzliche Dienstleistung, den „added value“, den „Mehrwert“ durch die Person des Vermieters schätzen.

Ist nun der erste Hausbesitzer „böse“ und der zweite „gut“?

So einfach kann man das nicht sagen. Es gibt Mieter, die schätzen die hohe „Lieferqualität“ des zweiten Hausbesitzers und den „Mehrwert“, andere Mieter hätten lieber einen Vermieter, der sich um nichts kümmert, weil sie eh alles selber im Griff haben und lieber im Gegenzug die Miete drücken.

Aber generell möchte ich schon sagen:

Wenn jemandem
gewisse Teile seines Vermögens
keinen Spaß mehr machen,
dann wäre es besser
sich davon zu trennen und
vom Erlös etwas Spaßiges
zu kaufen.

Meint

Euer Christoph