Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XI (Nachschlag)

Wer wird die Welt retten?

Ich weiß es nicht. Halt! Doch! O ja!

Die Welt ist ja schon gerettet, der wichtigste Kampf ist ausgefochten – ein für alle mal.

Jesus Christus hat uns vom Bösen gerettet durch sein Leiden und Kreuz, und durch seine Auferstehung.

Na gut.

Vielleicht sollte ich nicht fragen „Wer wird die Welt retten?“, sondern „Wie sollen wir den nächsten Schritt angehen?“

Ja, das ist vernünftiger.

Das klingt bescheidener – nächster Schritt. Ein Schritt von vielen, aber der wichtigste, weil der nächste.

Also, man ist sich einig, die nächsten Schritte heissen Nachhaltigkeit und Regionalität. Was das heißt, habe ich in den letzten Wochen und Monaten ausgearbeitet und hier

noch einmal zusammengefasst.

Doch da ist größtenteils die Rede von einem Nomaden, von einem Bauern und von einem Fürsten. Alles das sind Role Models, mit denen wir heute nicht viel anfangen können.

Versuchen wir also, das alles in die heutige Tagesrealität umzusetzen:

Deshalb noch einmal Rumpffamilie

Wir versuchen nun die Begriffe, die wir bisher nur im Zusammenhang mit der feudalen Hofwirtschaft verwendet haben, auf den Angestellten der modernen R&D Abteilung und seine Rumpffamilie anzuwenden.

Abbildung 1: Ressourcenrelevante Vorgänge, an denen meine Rumpffamilie „schuld“ ist

Produktion

Was produziert meine Familie? Nun, einerseits ist da meine Erwerbstätigkeit (ET = 1), mit der ich unser Geld verdiene. Aus Sicht der Familie ist es eigentlich egal, WAS ich in der Firma tue, solange nur der Saldo stimmt.

Das ist sehr traurig, dass sich weder meine ex-Frau noch meine Kinder für meine – absolut interessante – Arbeit interessieren, da sie doch von ihr finanziert werden, aber mit diesem Defizit muss ich leben.

Andererseits studieren meine Kinder (Erwerbslose EL = 2), was von der Anstrengung und vom Zeitaufwand je einem 40 Stunden Job gleichkommt, dennoch würde ich nie behaupten, dass meine Kinder „produktiv“ seien.

Eine Ausbildung ist eben keine produktive Tätigkeit, das ist so. So ist das definiert.

Außerdem wird der Haushalt geführt, was noch einem 40 Stunden Job entspricht (das ist in Abbildung 1 NICHT eingezeichnet).

Wir haben also zu dritt vier Jobs.

Wie geht sich das aus? Eigentlich eh nicht.

Zum Glück gehört unsere professionelle Arbeit nach der 8:8:8 Regel des Hl. Benedikt eher zur Muße (Lesen, Schreiben, Denken, Meditieren und Beten) und der Haushalt gehört eher zur körperlichen Arbeit, darum geht sich das aus.

Wir haben also insgesamt 3 Personen, davon 2 Produzenten (PPÄ) und davon 1 Erwerbstätigen.

Der Erwerbstätige verdient per Jahr einen Umsatz (Revenue) R = 17 * 40 * 52 = 35.360,- vom Nettoeinkommen NE = 17.

Das entspricht einem Export von 40 * 52 = 2.080 lokalen Mannstunden.

Die Familie exportiert außerdem eine gesellschaftliche Leistung – nämlich die Erziehung zweier Kinder – und bekommt dafür als kleine Anerkennung des Staates Familienbeihilfe in der Höhe von 2 * 200 * 12 = 4.800,- (auch das nicht eingezeichnet).

Da die Haushaltsführung denselben Aufwand bedeutet wie ein Ganztagesjob (2.080 lokale Mannstunden), bewerten wir die Haushaltsführung „in meiner Familie“ ebenfalls mit 35.360,- („in meiner Familie“ hat jede Mann-/Fraustunde denselben fiktiven Wert 17,- netto) und haben damit die

Erwerbsquote EQ = 50% ( = ET / PPÄ)

und den fiktiven Bruttoumsatz fBU = R / EQ = 70.720,- (sozusagen die „Gesamtproduktion der Rumpffamilie“ mit einem Aufwand von 4.160 lokalen Mannstunden, bewertet in Euronen)

sowie die Konsumzahl K = 3 / 2 = 150% (statistisch ist 1/3 der Personen unproduktiv).

Konsum

Die Hälfte der Gesamtproduktion – nämlich die Führung des Haushaltes – wird sofort und ohne finanzielle Gegenleistung konsumiert – es handelt sich um Dienstleistungen.

Das Einzige, was hier als Gegenleistung angewendet werden kann, sind „interne Werte“ (z.B. „Danke“ sagen oder „Blumen schenken“), sodaß es vielen Haushalten sehr schwer fällt, hier ein gerechtes Procedere zu finden.

Letzten Endes muß man akzeptieren, dass innerhalb einer Familie das einzige, was funktioniert, der reine Kommunismus ist, wenn nämlich „alle ein Herz und eine Seele sind“, und wenn „allen alles gehört“.

Auch Taschengeld ist eine Sache, die man eigentlich ohne Gegenleistung bekommt (das also dem Prinzip „Quid pro Quo“ zuwider läuft).

Alles Andere ist Import, der vom Export bezahlt werden muss.

Da ich in meiner Wohnung keine Plantage habe – der Boden ist ziemlich unfruchtbar – und da ich – noch – keine private Photovoltaik besitze, muss ich alles ausgenommen die Haushaltsführung importieren.

In Abbildung 1 gehen wir davon aus, dass der Import dem Geldwert nach dem Nettoeinkommen entspricht (Sparquote = 0), also 27% vom Bruttoumsatz, den der Arbeitgeber mit mir erwirtschaftet (BU = 80 = 100%).

Schwund / Risiko / gebunkertes Vermögen

Wenn wir die Regel über „gebunkertes“ Vermögen auf unsere Rumpffamilie anwenden, dann kommen wir auf folgende Gleichung:

(R – C) + NEQ * fBU = infl * KPT + shg * fBU

Nehmen wir mal an, der GAU – der größte anzunehmende Unfall – sei ein Totalschaden am Auto. Alle anderen größeren Risiken seien durch Versicherungen gedeckt.

Dann wird ein gespartes Kapital von KPT = 30.000,- wohl reichen.

Die Netto-Sach-Einlagerung NEQ ist hingegen eine schwierige Sache.

Einerseits ist die Einlagerung von Marmelade u. dgl. heutzutage gegen Null gehend, andererseits habe ich als Industriearbeiter nur ein einziges Produktionsmittel, das sich in meinem Eigentum befindet, nämlich

  • meine kleinen grauen Zellen (mein Gehirn).

Zu meinem Vermögen zählt also auch das, was mein Gehirn vermag (schönes Wortspiel 🙂 ).

Das ist aber eben genau KEIN „eingelagertes“ Vermögen, weil ich eben mein „geistiges Eigentum“, meine „Skills“, meine „kleinen grauen Zellen“, aktiv für die erwerbsmäßige Produktion bei meinem Arbeitgeber benütze.

Es ist also ein „Produktionsmittel“, das ich 40 Stunden pro Woche an meinen Arbeitgeber „verleihe“ – zusammen mit meiner Arbeitskraft – im Gegenzug für ein Gehalt (das niemals angemessen ist 🙂 ).

Arten von Vermögen / Produktionsmittel

Wenn man Vermögen klassifiziert, dann muss man unbedingt unterscheiden zwischen

  1. „gebunkertem“ Vermögen und
  2. Produktionsmitteln.

(1) „Gebunkertes“ Vermögen sind „eingelagerte“ Waren und/oder Daten – die die Sacheigenschaft haben – und die man nicht unmittelbar für die Produktion benötigt, sondern eingelagert hat, um sie im Krisenfall statt anderer Waren und/oder Daten zu konsumieren oder sie am Markt gegen andere Waren, Daten und/oder Dienstleistungen einzutauschen.

Dadurch kann man den krisenbedingten Produktionsausfall ausgleichen.

(2) Produktionsmittel sind Waren und/oder Daten, die als notwendige Voraussetzung für die Produktion von anderen Waren, Daten und/oder Dienstleistungen benützt werden müssen, um eben diese Waren, Daten und/oder Dienstleistungen produzieren zu können.

Du gehörst als Produktionsmittel der Firma und Du gehörst Deinem/r Partner/in

Es klingt negativ, aber in gewisser Weise „besitzt“ Dein Chef Deine „kleinen grauen Zellen“ und Deine „Skills“ als Produktionsmittel. Er hat sie für 8 Stunden pro Tag gemietet und zahlt Dir ein Gehalt dafür.

Auch in der Familie bekommst Du eine Gegenleistung für Deinen Input, z.B. die – evtl. anteilige – Führung des Haushaltes.

Weiters muss man bei Gütern bzw. Werten generell unterscheiden zwischen Waren, Daten und Dienstleistungen.

Waren haben die „Sacheigenschaft“, das heißt

  1. sie lassen sich nicht oder nur schwer kopieren (der Replikator aus dem Raumschiff Enterprise ist noch Science Fiction)
  2. sie lassen sich mehr oder weniger gut lagern (abgesehen von einem unvermeidbaren Schwund)
  3. jedes Stück dieser Ware hat in sich einen Nutzen und einen Wert

Eine besondere Ware ist Geld. Auch Geld läßt sich nur schwer kopieren und sehr gut lagern, aber der Nutzen und der Wert des Geldes ist reine Vereinbarungssache. Alle glauben an den Wert des Goldes, deshalb ist es wertvoll und eignet sich zum Einlagern von Vermögen, worin auch schon sein einziger Nutzen besteht.

Daten haben im allgemeinen nicht die „Sacheigenschaft“, das heißt

  1. Daten lassen sich leicht kopieren, das gilt insbesondere für digitale Daten, manchmal muss man dabei zwischen „Original“ und „Kopie“ unterscheiden, was bei digitalen Daten schwierig ist.
  2. sie lassen sich gut lagern, digitale Daten müssen aber, um nicht zu „verblassen“, immer wieder weiterkopiert werden, „in Bewegung bleiben“, was Zusatzkosten verursacht.
  3. Der Wert der Kopien ist oft sehr viel kleiner als der Wert des „Erstlings“, je nach verwendeter Technologie und Herangehensweise („offener“ Erstling oder „geschlossener“ Erstling).
    Ein geschlossener Erstling kann sogar die „Sacheigenschaft“ besitzen.

Dienstleistungen sind immer einmalig, ereignishaft flüchtig und nicht kopierbar. Sie lassen sich nicht speichern. In dem Moment, wo eine Dienstleistung erbracht wird, wird sie auch schon konsumiert.

Hier einige Beispiele:

Kohle ist sicher eine Ware. Sie läßt sich gut lagern und nicht kopieren, und sie hat zumindest den Heizwert.

Haare schneiden ist sicher eine Dienstleistung.

Ein Buch ist schon ein Streitfall. Zumindest bei einem e-book stellt sich die Frage nach der Kopierbarkeit und nach der Sacheigenschaft. Es besteht also eher nur aus Daten, während ein Buch in Papierform eher noch eine Ware ist.

Elektrische Energie ist keine Ware, da sie sich nicht speichern läßt. Sie ist aber auch keine Software (besteht nicht aus Daten), am ehesten kann man elektrische Energie als Dienstleistung beschreiben. Nämlich als den Dienst, Energie von A nach B zu transportieren. Sie ist nämlich eine Sekundärenergie, die beim Erzeuger aus Primärenergie gewonnen und fast gleichzeitig beim Verbraucher in Nutzenergie und Verluste umgewandelt wird. Sie selbst existiert nur für die Dauer eines Augenzwinkerns.

Software: Die Erzeugung des Erstlings einer Software ist sicher eine Dienstleistung, die entsprechend abgegolten werden sollte. Die einzelnen Kopien der Software sind nur mehr Daten, die mehr oder weniger gut kopiergeschützt sind (je nach Herangehensweise).

Kunstwerke: können alles sein. Waren, Dienstleistungen oder Daten.

Geistiges Eigentum / Big Data

Die Ursache meines Nettoeinkommens – meiner Exporte – ist also der Inhalt meines Gehirns – meine Fähigkeiten („skills“).

Blöd wäre ich also, anderen Menschen meine Geheimnisse beizubringen.

Wissenschaftler und Lehrer sind Volksverräter, weil sie die Schätze der Wissenschaft den Säuen zum Fraß vorwerfen, der nächsten Generation und – viel schlimmer – dem Ausland.

Zum Glück halten wir die Lehrer in einer geschlossenen Regelschleife Schule – Matura – Universität – Schule, sodaß sie kaum Möglichkeiten haben, mit der Wissenschaft je in Berührung zu kommen. Unsere Wissensschätze sind also davor geschützt, je mit Lehrern in Kontakt zu kommen.

„Wer es nicht kann, der lehrt es“, ist ein alter und bekannter Spruch.

Ist mein Denken realistisch? Ist es wirklich so?

Ich weiß nicht, jedenfalls sitzen die Unternehmen auf großen Datenbeständen, die mit zunehmender Digitalisierung immer größer werden.

Auch die Speicherung von Daten kostet Geld, und so muss man versuchen, aus den gespeicherten Daten Umsätze zu generieren. Aus Abfall werden sozusagen wieder Rohstoffe.

So wie Software einen Computer benötigt, auf dem sie laufen kann, so benötigt der Datenhaufen eine Intelligenz, oder viele Intelligenzen, die aus den Daten nützliche Informationen und damit Umsätze machen.

Genau das ist das momentan vorherrschende Denkmuster:

Internet of Things (Sensoren) generiert neue riesige Datenbestände, die das Universum beschreiben

–>

Künstliche Intelligenz beherrscht diese Datenbestände, damit wir das Universum noch weiter auslutschen können.

Das ist mit Digitalisierung in Wirklichkeit gemeint.

Internalisierung der externen Effekte

Haben wir hier irgendwo das zentrale Thema angesprochen?

Nämlich die Kostenfreiheit von Ressourcen? Von Humanressourcen und natürlichen Ressourcen?

Die Internalisierung externer Effekte?

Wer hat das Recht, die Quoten für die Ressourcen festzulegen?

Fragen über Fragen, sie sollen im nächsten Artikel beantwortet werden.

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel der Serie (außer der Zusammenfassung)

8 Responses to Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XI (Nachschlag)

  1. Kurt sagt:

    Hi Christoph, ich habe den Artikel „Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XI (Nachschlag)“ zwar nur überflogen (=vertiefende Erklärungen übersprungen), habe diesen aber trotzdem irgendwie witzig gefunden – teilweise ist es mir aber vorgekommen als würde etwas Frustation über den beschriebenen Zustand bestehen. lg. Kurt

    • Yeti sagt:

      Danke, habe soeben entdeckt, dass da ein Kommentar steckt. Ja, da müsste ich länger ausholen, bitte um Geduld bis zum Wochenende 🙂

    • Yeti sagt:

      Also, lieber Kurt (wenn Du der „Kurti“ bist, der ich glaube dass Du bist, dann lass‘ den Christian schön grüßen),

      ja, in gewisser Weise lebe ich im Mangel, weil ich jeden Monat ein (kleines, aber echtes) Minus schreibe mit meinem Privathaushalt, und mir deswegen schön langsam Pläne zurecht legen muss, wie ich mit weniger Aufwand mehr Geld verdienen werde (die sogenannten Pläne A, B und C).

      Aber ich habe ja noch Reserven von meinem Austritt bei der Firma „S*“, somit noch einen gewissen Spielraum zum Manövrieren.

      So, ob Dich das wirklich interessiert? Weiss‘ nicht.

      Jedenfalls ist es sehr schön, dass Du bei meinem Artikel an das Stichwort „witzig“ denkst, denn der Humor ist ja eigentlich die einzige Methode, mit der man unschöne Situationen meistern kann.

      Auch wenn man generell über den Menschen und seine Art zu wirtschaften denkt und diese Dinge messerscharf analysiert, dann muss man zum Humor greifen, sonst hält man das als sensibler Künstlertyp nicht aus.

      Das ist leider mein Lebensthema.

      Warum lassen sich Künstlertypen so leicht finanziell ausbluten?

      Wenn Du der Wahrheit folgst, dann hast Du immer Feinde – und gar nicht mal so unmächtige.

      Trotzdem kann man – wenn man sich in Gottvertrauen übt – einigermaßen zufrieden durch dieses Leben gehen – es kann ja nichts passieren – wir sind ja schon erlöst.

      Meint
      Euer Christoph

  2. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ad: „Zum Glück halten wir die Lehrer in einer geschlossenen Regelschleife Schule – Matura – Universität – Schule, sodaß sie kaum Möglichkeiten haben, mit der Wissenschaft je in Berührung zu kommen. Unsere Wissensschätze sind also davor geschützt, je mit Lehrern in Kontakt zu kommen.“

    Ausnahmen bestätigen die Regel! 🙂

    Abgesehen davon, gibt es schon jede Menge „open science“ Ansätze, und wie man mit diesem geistigen Eigentum umgeht, ist die Frage.

    Ad: „Das ist sehr traurig, dass sich weder meine ex-Frau noch meine Kinder für meine – absolut interessante – Arbeit interessieren, da sie doch von ihr finanziert werden, aber mit diesem Defizit muss ich leben.“ : Warum wird deine Ex von deiner Arbeit finanziert???

    Ad: „traurig“: Nein, ist es nicht, es ist normal. Wie sollen sich deine Kinder für etwas interessieren, dessen im Detail liegendes Interessantes nur mit der entsprechenden Ausbildung verstanden werden kann?

    In solchen Dingen ist der Spezialist IMMER allein. Deshalb gibts ja auch Konferenzen, damit man sich gegenseitig beweihräuchern kann!

    LG KNI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: