Vom Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VII (Aluhut und Digitalisierung)

Nachtrag zum geistigen Eigentum – Digitalisierung

Geistiges Eigentum, geistiges Eigentum? Ist das so etwas Ähnliches, wie Grundeigentum? Kann man geistiges Eigentum parzellieren?

Kann man geistiges Eigentum vererben? Verkaufen?

Soll man geistiges Eigentum „nach Aufwand“ bewerten oder „nach Nutzen“? Oder doch „nach Marktwert“? (das sind ja die drei grundlegenden Methoden der Preisfindung).

Was hat geistiges Eigentum mit Digitalisierung zu tun?

Digitalisierung ist die „ultimative Druckerpresse“. Die Verwirklichung der „Replikator-Idee“ aus dem Raumschiff Enterprise. Der Versuch, geistiges Eigentum komplett zu entwerten, endgültig zu vernichten. ALLE sollen Sklaven sein.

Durch Digitalisierung verschwindet der Qualitätsverlust beim Kopiervorgang. Ein einziger Erstling reicht für alle (ALLE!!!) Kopien des Kunstwerkes.

Darüber kann man sich hinüberretten, indem man den Erstling versioniert. Der nächste Erstling ist immer (ein wenig) besser als der vorherige, sodass auch digitale Erstlinge ein Ablaufdatum zumindest „per Version“ haben.

Dadurch wird der Künstler auch nach der Ersterschaffung des Erstlings benötigt und hat ein bisschen ein Druckmittel, zumindest solange er die „Hoheit über den Erstling“ und die „Hoheit über die Kopierrechte“ behält.

Es gibt „verschlossene Erstlinge“ (closed source) und „offene Erstlinge“ (open source). Welcher Ansatz ist der bessere? Unter welchen Umständen?

Viele Erfinder neigen dazu, enthusiastisch und stolz über ihre Ideen zu reden. Die Firma aber hätte die Ideen lieber gut verschlossen im Tresor. Deinen Stolz musst Du also begraben (und brav sein, immer brav sein).

Na ja, zum ersten Mal, wenn die Kronen Zeitung berichtet, dass sie Deine Ideen in einer Waffe verwendet haben, ist der Stolz sowieso dahin.

Die Erstellung des Erstlings bedeutet einen großen Aufwand. Demgegenüber steht nur ein virtueller „gesellschaftlicher“ Nutzen, weil der Erstling die Kopien ja erst möglich macht.

Der konkrete Nutzen des Erstlings ist aber nur genauso groß wie der Nutzen jeder beliebigen Kopie. Wie finanziert man also den Aufwand für den Erstling?

Im Falle von „closed source“ kann man diesen Aufwand anteilsmäßig auf alle Kopien draufschlagen, auch über Lizenzen an Alternativanbieter. „Closed Source“ ist also sehr innovationsfördernd – auf den ersten Blick.

Beim „open source“ Prinzip muss die ganze Gesellschaft – also eine fortschrittliche Gesellschaft – hinter der Schaffung von Kunst und Kultur, von Wissenschaft und Technologie stehen (also hinter allem, was kreativ ist) – es ist also dann ein Fall für die öffentliche Hand, die dann auch das Risiko von Fehlschlägen trägt.

Kein Wunder, dass die Privatwirtschaft den „open source“ Ansatz für die dicken Bretter bevorzugt, die dünnen Bretter hingegen bohrt man lieber selber – da kann nichts schiefgehen und man verdient schön daran.

Auch das wäre ein schönes Argument für ein bedingungsloses Grundeinkommen (zumindest für die kreativen Köpfe).

Also doch der Aluhut? – Spezialisierung

Geistiges Eigentum kann man also mit Know How gleichsetzen. Durch meine Beschäftigung mit einem Thema – durch Learning by Doing – investiere ich in mein Know How, das mir niemand mehr nehmen kann (ausser Alzheimer und Demenz, natürlich).

Ich interpretiere den Aluhut als ein positives Symbol zum Schutz des geistigen Eigentums.

Denn die Aneignung von Know How, von tiefgehendem Know How, ist ein Zeichen der Spezialisierung. Wie das?

Kennt Ihr den „Experten für Alles“? Das ist ein satirischer Begriff, um folgenden Sachverhalt zu erklären.

Natürlich weiss der Eigentümer, dass er auf verlorenem Posten steht, weil er in Wirklichkeit keine Ahnung von all den Tätigkeiten hat, die in seinem Unternehmen vor sich gehen. Nun muss er aber „den Chef hervorkehren“ und darf nicht zugeben, dass er sich nicht auskennt. Darum sucht er sich einen Vertrauten, den er als Spion heranzüchtet – als sogenanntes Trüffelschwein. Dieser Vertraute muss ihm ALLES erklären, steht jetzt also auf dem verlorenen Posten, ein „Experte für Alles“ sein zu müssen, was ja in Wirklichkeit gar nicht geht. Man ist entweder Experte für ein, zwei Gebiete, oder man ist eben KEIN Experte. Das Trüffelschwein ist also ein hochbezahlter Posten, aber eben ein Schleudersitz.

Nein, wir „gewöhnlichen Sterblichen“ (ein Siemens Manager hat uns einmal als „menschliches Schüttgut“ bezeichnet) müssen uns damit zufrieden geben, dass wir ein, zwei Sachen ganz gut können, damit unser Auslangen finden und ansonsten dem System vertrauen. Trotzdem haben wir ein Recht, unser geistiges Eigentum zu schützen und uns gegen die geplante Drainage des Hirns zu wehren.

Also Aluhut!

Vom Gewerbe zur Industrie

Durch den Übergang vom Nomaden zum sesshaften Menschen, durch die „Bildung des Hofes“, haben wir gesehen, dass wir die Eigentümerschaft über die Scholle übernommen haben und diese somit „parzellierten“.

Aber immer noch waren Hof und Familie, Dorf und Sippe, eng miteinander verknüpft.

Durch die intensive Umweltverschmutzung im Gewerbegebiet haben sich dann Wohnort und Arbeitsort voneinander getrennt. Aber immer noch waren die Gewerbebetriebe mehr oder weniger Familienbetriebe.

Der Mensch vermehrte sich „aus allen Rohren“.

So wie man die Produktivität durch Parzellierung und Spezialisierung auf die einzelnen Parzellen der Scholle gesteigert hatte, so taten sich nun ähnliche Gewerbebetriebe zu größeren Einheiten zusammen, um ihr Know How auszutauschen und somit die Fertigkeiten auf die Spitze zu treiben.

Die Firmen spezialisierten sich auf sogenannte „Branchen“ und innerhalb der Branchen wurde fleissig kooperiert – zur Freude der Effizienz.

„Firm“ heisst fest. Firmen firmieren also die Menschen, indem sie einen „offenen Raum für Know How“ schaffen, der aber nach aussen abgegrenzt ist. „Wir gegen die Anderen“ ist ein wesentlicher Grundsatz im Wettbewerb.

INNERHALB der Firma kann ich freimütig über mein Know How reden – Voraussetzung ist natürlich ein gewisser Kündigungsschutz, sonst würde ich mir schwer tun, alle meine Geheimnisse offen auf der Zunge zu tragen – und somit kann einer dem anderen helfen, aber AUSSERHALB ist das feindliche Territorium, wo man die Interna nicht platzieren sollte.

Ich muss mich daran erinnern, damals, als ich im Jahr 1997 bei Siemens zu arbeiten anfing, hatte jeder noch sein „kleines schwarzes Büchlein“, in dem er seine Produktionsgeheimnisse mit sich trug. Heute versucht man ja, dies alles zu digitalisieren – und dem einzelnen wegzunehmen – sodass aus dem einst stolzen Waldmenschen nun wirklich ein Sklave des Marktes werden soll. So ist zumindest die Agenda.

Es hatte mit der „Standardisierung“ begonnen. Findige Geschäftleute entwickelten „Standards“, das waren „Sammlungen von Know How“, die es ihren Lizenznehmern erlaubten, günstiger und/oder besser, jedenfalls gleichmäßiger und zuverlässiger zu produzieren. Dadurch wusste der Konsument, dass er sich auf die „Standards einer Marke“ verlassen konnte und kaufte lieber Markenprodukte.

Man ging also nicht mehr zum „Meister Eder“ (und seinem Pumuckl), sondern zum „Mr. Propper“.

Wenn man diese Idee auf die Spitze treibt, dann könnte man sagen, dass die Welt nur 14 Firmen braucht: 2 Mitbewerber für jede OSI Schicht 🙂

Also, alles in allem, haben wir Menschen zur Intensivierung der Landwirtschaft – zur Intensivbewirtschaftung der Landschaft – die Flächen parzelliert und nun haben wir entdeckt, dass man auch das Know How intensiv bewirtschaften kann, indem man die „Know How Landschaft“ parzelliert, indem man Firmen gründet, die sich spezialisieren.

Aus der Hof- und Gewerbewirtschaft wird die Industriewirtschaft, in der man nicht nur das Land, sondern auch die Daten intensiv bewirtschaftet.

Somit gibt es nun nicht nur ein Sachvermögen von Produktionsmitteln, sondern auch das geistige Eigentum wird zum Datenvermögen und zum Produktionsmittel.

So wie man Fachleute braucht, um das Produktionsmittel Maschine zu bedienen, so benötigt man auch Fachleute, die das Datenvermögen sinnvoll umsetzen und daraus Werte schöpfen können.

Der Landwirt ist an seine Scholle gebunden und „sehr sesshaft“. Er ist abhängig von Wind und Wetter und Klima, kann aber Familie und Beruf an einem Standort beisammen halten.

Der Industriearbeiter ist an den Standort der Maschine gebunden, welchen der Unternehmer relativ frei wählen kann, nur abhängig von den Absatzmärkten, von der Verkehrsinfrastruktur und von den staatlichen Regeln, die am Produktionsstandort herrschen. Da kann es sein, dass sich die Interessen des Arbeitgebers mit den Interessen der Familie kreuzen und man lebt dann eine zeit lang getrennt, solange, bis die Familie dem Beruf nachzieht. Wenn beide einen Beruf ausüben, heisst das dann meistens, dass eine der Firmen auf einen der beiden verzichten muss, weshalb verheiratete Mitarbeiter in der Industrie nicht gerne gesehen sind, ausser sie sind Alleinverdiener. Dann sind sie auch besser erpressbar.

Der „Kreativarbeiter“ wird, wenn die Digitalisierung abgeschlossen sein wird, in erster Linie von einer guten Anbindung ans Internet abhängig sein und von einer zumindest zeitweisen Nähe zu seinem „virtuellen Team“.

All dies ist natürlich in Ballungsräumen günstiger herzustellen, aber die städtischen Lebensbedingungen widersprechen der Kreativität, sind ungesund. Es besteht hier also eine große Chance, dass sich der ländliche Raum wieder aufwertet, indem er den Kreativen gute Angebote macht.

Die Weiterentwicklung des Gütekriteriums

Im Gütekriterium für die Hofwirtschaft haben wir alles auf den Hof bezogen, was auch identisch war mit dem Bezug auf die Familie, weil ja die Regel

Hof = Familie (Gl. VII.1)

gegolten hat.

Nun, da sich die Produktion in den Firmen abspielt und nur das Leben und der Konsum innerhalb der Familie (abgesehen von der Eigenerzeugung und vom Eigenverbrauch), stehen wir ernsthaft vor der Frage, wie wir unser Kriterium anlegen sollen:

  1. Gütekriterium bezogen auf die Familie / Familienwohnung
  2. Gütekriterium bezogen auf die Produktionsstätte (z.B. die Abteilung einer Firma)

Nach meinem christlichen Glauben ist die Familie der Kern der Gesellschaft, ich werde das Gütekriterium also hauptsächlich auf die Familie beziehen.

Da ich aber auch für meine Ausbildung und Berufswahl verantwortlich bin, und dort – im Beruf – in einer Art „vergrößerten Familie“ auch zum Wohl und Wehe des Planeten beitrage, müssen wir auch die Dinge berücksichtigen, die an der (den) Produktionsstätte(n) vor sich gehen.

Weiters gibt es eine Verantwortung in bezug auf das Konsumverhalten. Oft hat man die Verantwortung der Wahlfreiheit auf den Konsumenten abgewälzt, in dem man den Produzenten und Händlern einfach nur umfassende Informationspflichten aufgehalst hat und den Rest der Verantwortung dem überforderten Konsumenten in die Schuhe geschoben.

Das ist nicht zweckdienlich, insbesondere wo es viele – und immer mehr – Menschen gibt, die beim Einkaufen „von rechts nach links lesen“ müssen (die also den Preis als einziges Kriterium haben).

In einem der nächsten Artikel werde ich versuchen, diese Prämissen dann mathematisch zu formulieren.

Alle Artikel dieser Reihe

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