Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – V (Daten)

Einlagerung von Kunstwerken

Zuletzt hatten wir uns Gedanken gemacht, wozu die Einlagerung von Vermögen gut ist.

OK, zuerst lasst uns mal klarstellen, dass wir mit dem Begriff „Einlagerung“ nicht das Eigentum von Produktionsmitteln meinen.

Und mit Produktion meinen wir nicht nur die gewerbliche Produktion (gegen Geld) sondern wir meinen auch die Eigenerzeugung für den Eigenverbrauch (gegen Gotteslohn) – zum Beispiel innerhalb der Sippe, des Hofes oder der Familie.

Wenn ich also einen Zweitwohnsitz habe, um für die eigene Familie einen Erholungswert zu generieren – vielleicht auch für Freunde und Verwandte –, dann ist dieser Zweitwohnsitz in meiner Nomenklatur kein „eingelagertes Vermögen“, sondern ein „aktives Produktionsmittel“ (für die Eigenerzeugung, die ich ja wieder selbst konsumiere).

Ob einem Städter ein ganzes Haus am Land „gebührt“, oder ob das nicht „Verschwendung“ ist, darüber will ich eigentlich nicht urteilen. Solange er es sich leisten kann, ist es meiner Meinung O.K.

Wenn ein Städter aber ein Landhaus nach dem anderen „sammelt“ und eigentlich gar nicht genug finanzielle Potenz besitzt, um alle zu hegen und zu pflegen – wenn er sie also dem Verfall preisgibt –, dann sehe ich ein ethisches Problem.

OK, wir haben also den Schwund, das ist der Verfall des Sachvermögens, wenn wir nicht in die Aufrechterhaltung seines Wertes investieren.

Schwund aufgrund höherer Gewalt (z.B. in EUR, generell in der „Leitwährung der Sippe, des Hofes oder der Familie“):

Schwund wegen höherer Gewalt SHG = shg * fBU (Gl. V.1)

Dabei steht shg für den Wertverlust aller Sachwerte aufgrund höherer Gewalt, bezogen auf den fiktiven Wert der Gesamtproduktion, in einem Bezugszeitraum.

Warum bestehen wir auf diese „höhere Gewalt“?

Nun, geplante Werteinbußen, zum Beispiel die berühmte „geplante Obsoleszenz“ oder Werteinbußen, die versichert sind, wollen wir in diesen Faktor nicht aufnehmen.

Dasselbe gilt eigentlich für Geldwerte – wir erinnern uns: Geld ist eigentlich eine „gut lagerbare Sache, auf die man sich in einem gesellschaftlichen Kontext als Werteträger“ geeinigt hat.

Natürlicher Geldvermögensschwund INFL = infl * KPT (Gl. V.2)

Dabei steht infl für den Prozentsatz der Inflation und KPT ist das eingesetzte Kapital (z.B. in EUR , generell in der „Leitwährung der Sippe, des Hofes oder der Familie“ ).

In unserem heutigen Beispiel gehen wir von einem Hof aus, der seine gesamten langfristigen Reserven (also abgesehen von Marmelade, Räucherspeck, Pökelfleisch und dergleichen) in Kunstwerken anlegt – nämlich in Bildern.

Das heißt, der Hof lagert weiterhin nichts von seiner Produktion ein,

(1 – (K/P + ü) ) = NEQ = 0,

aber er kauft vom EGT und nach Abzug des Reingewinns (für den Eigentümer) schöne Bilder (fürs Lager), sagen wir mal hauptsächlich von Picasso.

KPT, das eingesetzte Geldkapital, sei also gleich Null.

(R – C) = 0 * infl + shg * fBU

(R – C) = shg * fBU

Wenn wir wieder von einem Gesamtproduktionsausfall alle 5 Jahre ausgehen, dann heisst das, dass der Hof jedes Jahr

(R – C) = 1 / 5 * fBU

(R – C) = 1 / 5 * R / EQ

an Außenhandelsbilanz erreichen muss.

(R – C) / R = 1 / (5 * EQ)

Der Anteil der Spareinlagen (R – C) am gewerblichen Umsatz R muss also steigen, wenn die Erwerbsquote sinkt, und umgekehrt.

Die Strategie „Einlagerung durch Handel mit Kunstwerken“ passt also eher für Höfe mit einer hohen Erwerbsquote.

Wenn die Erwerbsquote nur gering ist, muss man für diese Strategie also teuer exportieren und billig importieren, wie auch immer man das macht.

So, nun haben wir Picassos eingekauft, und die Krise kommt.

Leider war Picasso nur ein Hype und die Bilder sind am Markt jetzt in der Krise viel weniger wert.

Was lerne ich daraus?

Das Kapital für die Krise muss ich krisensicher anlegen und nicht in volatilen Werten.

Wie mache ich das? Großes Fragezeichen. Nein, eigentlich nicht. Wenn ich sowieso eher ein sesshafter Mensch bin, dann werde ich meine Sippe in der Krise nicht verlassen, das heisst ich sollte eher in lokalen Werten mein Vermögen anlegen. Am besten wäre es, wenn jeder Hof anders anlegt. (Diversifizierung)

Wenn ich vorhabe, in der Krise sowieso auszuwandern (bei der Klimakrise ist das leider nicht möglich), dann ist es gut, leicht bewegliche Werte zu verwenden, die ich sozusagen „in der Hosentasche“ mitnehmen kann (noch besser „im Kopf“).

Somit kommen wir zum nächsten Thema.

Geistiges Eigentum – Daten – Original und Kopie

Zuletzt haben wir uns mit der Einlagerung von Vermögen beschäftigt, das dazu dienen soll, der Familie, dem Hof oder der Sippe über die Krise zu helfen.

Nehmen wir zum Beispiel die Albertina: die Albertina besitzt viele Kunstwerke, die sie gar nicht alle gleichzeitig ausstellen kann.

Nur die Kunstwerke, die tatsächlich ausgestellt sind, sind tatsächlich aktiv an der Produktion beteiligt, da sie dem Besucher ein Erlebnis bescheren und somit über den Umweg des Eintrittsgeldes einen Umsatz produzieren. Die eingelagerten Kunstwerke hingegen verursachen nur Kosten und keinen Nutzen.

Nun, dem Phänomen der Brache wollen wir uns später widmen, aber haben diese eingelagerten Kunstwerke nicht sehr viel gemeinsam mit einem Geldschein?

Der tatsächliche Materialwert – Leinwand, Farben und sonstige Materialien (ein wenig Holz und Farbe für die Rahmen) – tendiert bei vielen Kunstwerken gegen Null, zumindest hält er nur einen geringen Anteil am Handelswert des Kunstwerkes.

Aber, so wie der Geldschein von seinem eigentlichen Eigentümer, der Zentralbank, signiert ist, so ist auch das Kunstwerk vom Künstler signiert – dieses Recht des Künstlers – das eine Art Eigentumsrecht ist, wird im Europäischen Kulturraum als Urheberrecht bezeichnet und es bezeichnet eine geistige Urheberschaft, ein geistiges Eigentum, das immer nur dem Schöpfer zu eigen ist.

Er kann es nicht weitergeben, verschenken, verkaufen oder dergleichen, er kann nur – aufgrund des Urheberrechts, das ihm niemand nehmen kann – Nutzungsrechte vergeben.

Im angloamerikanischen Kulturraum gibt es kein Urheberrecht, dort gibt es nur das sehr viel schwächere „Copyright“, das man nicht per se hat, sondern einfordern muss, indem man ein „Copyright Statement“ anbringt.

So, wie der „interne“ Wert des Geldes vom Verhältnis der Geldmenge zur Menge der vorhandenen Waren und Dienstleistungen und Daten abhängt, so hängt der „äußere“ Wert vom „Namen des Eigentümers“, also vom internationalen Ruf der Zentralbank oder des Künstlers ab.

Sind unsere führenden Persönlichkeiten nachhaltig gekleidet, oder ist es wie im Märchen von „des Kaisers neuen Kleidern“? Ich weiß es nicht.

Aber – halt – wenn ein Künstler viel wert ist, dann könnte ich doch seine Werke einfach – nein mehrfach – kopieren und somit mit geringem Aufwand viel Wert erzeugen.

Oder?

Wenn wir das tun, dann entdecken wir den Mechanismus der Inflation. Der gesellschaftliche Nutzen eines Kunstwerkes lässt sich nicht beliebig vervielfältigen.

Ja, ein Kunstwerk kann einen „AHA“-Effekt enthalten. Die Erkenntnis des Künstlers – wenn ihm die Muse oder der Engel etwas offenbart hat – muss weitergegeben werden. Ja.

Aber irgendwann ist die Botschaft nicht mehr neu.

Sie ist abgenützt, ausgelutscht und vertrocknet. In die Gesellschaft hineindiffundiert. Jedermann zum tausendsten Male.

Die Erfindung der Druckerpresse war genial.

Die Druckerpresse ermöglichte es, dass jeder Haushalt eine Bibel zu Hause hatte. Man war nicht mehr abhängig von der Interpretation der Kirche. Unabhängigkeit, Aufklärung, Vernunft, Wissenschaft, sie alle machten große Sprünge, nur wegen der Druckerpresse.

Aber im Gegenzug heißt die leichte Kopierbarkeit von literarischen Werken auch, dass es schwieriger wird, das Urheberrecht auch tatsächlich wahrzunehmen.

Das geheime Rezept, das dem Bäcker, dem Apotheker oder dem Gewerbetreibenden einen Wettbewerbsvorteil verschaffte, war nicht mehr so leicht geheim zu halten.

Man denke nur an die unzähligen Kochbücher mit dem Titel „Omas Rezepte“.

Aber so wie das Urheberrecht und dementsprechend die „gesamtgesellschaftliche Wirkung“ des Kunstwerkes eher nur dem Original zugeschrieben wird, so hat auch jede Kopie einen Nutzen.

Wenn ich nicht unbedingt eine Wertanlage benötige, sondern ganz einfach mein Vorzimmer schmücken möchte, dann kann ich mich durchaus mit einer Kopie der „Mona Lisa“ zufrieden geben. Und es wird mir nicht wirklich Kopfschmerzen bereiten, ob die Kopie „autorisiert“ ist oder nicht.

Folgende Zuordnung erscheint sinnvoll zu sein:

NutzenPreis
Erstling(e) des Kunstwerkesgesellschaftlicher NutzenHonorar für den Künstler
Jede Kopie des Kunstwerkestatsächlicher Nutzen einer KopiePreis der Kopie

Und so ähnlich ist es heute mit Software (das sind die Daten, mit denen man Computer füttern muss, damit sie funktionieren):

Da gibt es einerseits Programme, die für den Endbenutzer gedacht sind – und mittlerweile gibt es die Möglichkeit, jede Kopie durch einen kleinen (!) Beitrag zu finanzieren –, sodass durch die große Stückzahl auch das Original – der Erstling – finanziert werden kann.

Andererseits gibt es auch heute noch Programme, die nicht unbedingt durch Stückzahl punkten können

  • Zentrale Infrastruktur im Internet, die nicht häufig benötigt wird
  • Prototypen, um neue Konzepte zu erforschen und
  • Anwendungen für Spezialisten.

Hier kann man entweder den klassischen Weg des geschlossenen Systems gehen – mit all der Geheimhaltung und ihren sozialen Nebenwirkungen – oder man baut die Software nach dem Open Source Prinzip.

Dann können offene, virtuelle Teams von verschiedenen Firmen und Mitbewerbern gleichzeitig daran arbeiten, wohl wissend, dass die eigentliche Wertschöpfung jedes Mitbewerbers woanders liegt.

Diese „kollaborativ geschaffene Infrastruktur“ ist so zu betrachten, wie der Straßenbau, um den sich ja auch der Fürst kümmern muss, entweder direkt oder durch Förderungen.

Neben den „drei alten Aufgaben des Fürsten“:

  1. Sozialer Ausgleich im Fürstentum
  2. Verteidigung des Fürstentums und der Währung
  3. Infrastruktur für den Handel mit Waren (Straßenbau, Wasserleitungen, Kanäle, …….)

ergibt sich nun die „vierte Aufgabe für den Fürsten“:

  1. Förderung von Kunst und Kultur (gemeinsames geistiges Eigentum)
    1. Patentrecht
    2. Wissenschaft und Forschung (Open Source Infrastruktur)
    3. Schöne Künste

Schlussbemerkungen

Im Urheberrecht und im Patentrecht ist Software einer Literatur gleichgestellt.

Das heisst auch, dass man mit Daten – welcher Art auch immer – nur dann ein Geschäft aufziehen kann, wenn irgendjemand ein Interesse an den Daten hat.

Angenommen, alle Daten wären immer und überall von jedem einzusehen – und damit meine ich auch die Web Cam im Schlafzimmer des Herrn Bundeskanzler –, dann wären Daten nichts mehr wert.

Wenn hinter einem Kunstwerk kein „Geheimnis“ mehr steckt – wertlos.

Wenn wir gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge auf Blogs beschreiben – ganze Studien werden sinnlos und wertlos.

Wenn wir die Perlen vor die Säue werfen……..Halt!! Ihr seid doch keine Säue! Und sind das hier überhaupt Perlen? Sind es nicht nur Binsenweisheiten? Die erst sinnvoll werden, wenn man einen schönen großen Computer hat, um Österreich einmal „so richtig durchzusimulieren“?

Meint

Euer Christoph

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