Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XII (Externe Effekte)

Einleitung – was ist eine Ressource?

Werte Leser und Leserinnen!

Jetzt habe ich seit Anfang Mai den einen oder anderen Artikel zum Thema „Nachhaltigkeit und Regionalität“ geschrieben, bin viele Irrwege gegangen, und zuletzt kamen wir zur Erkenntnis, dass die Begriffe „Ressource“ und „externer Effekt“ sowie „Internalisierung externer Effekte“ näher beleuchtet werden sollten, wenn wir wirklich vorhaben, der Wahrheit je näher zu kommen.

Hier jedenfalls alle Beiträge der Zusammenfassung, für die anderen siehe auch die Liste ganz am Ende dieses Beitrags:

Was also meine ich, wenn ich von „Ressourcen“ spreche?

Meine ich „alles, was gratis ist“?

Oder meine ich „alles, was ich der Natur entnehme“ oder dort „ablagere“?

Warum sprechen Personalabteilungen von „Humanressourcen“?

All dies können wir beleuchten, wenn wir mit folgendem Bild beginnen. Abbildung 1 zeigt einen Haushalt (das ist eine „wirtschaftlich zusammengehörende Gruppe von Personen“), seine Produktion, seinen Konsum, seine Beziehungen zum Markt (Export und Import) und einen geheimnisvollen „Ressourcenumsatz (gratis)“.

Abbildung 1: Ein Haushalt und seine Beziehungen zum und im System (Natur)

Die zur Zeit vorherrschende Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass man Ressourcen der Natur entnimmt (Rohstoffe, Primärenergie, kostenlose Dienstleistungen) und auch wieder in der Natur ablagert (Abfallstoffe, Verlustenergie), ohne dafür auch nur irgendeine Gegenleistung zu erbringen oder zu bekommen.

Die Natur wird hier als unendlich geduldige und stabile – ja starre – Basis angesehen, um die man sich nicht kümmern muss, weshalb das Prinzip „Quid pro Quo“ gegenüber der Natur nicht zur Anwendung kommt.

Die Entnahme von Rohstoffen und die Ablagerung von Abfallstoffen wird als Tätigkeit ohne Effekte angesehen, insbesondere ohne Effekte, die wieder auf uns Menschen rückwirken könnten.

Sind wir der Natur egal?

Die klassische Wirtschaftstheorie geht davon aus, dass wir der Natur egal sind. Insoferne brauchen auch wir nichts über die Natur zu wissen, da sie uns auch egal sein kann. Die klassische Wirtschaftstheorie (die ja eine Geisteswissenschaft ist) hält nichts von Naturwissenschaften.

Na gut, jeder Naturwissenschaftler muss hier ein wenig lächeln über die jüngste aller Wissenschaften, über die Wirtschaftswissenschaft, die sich zur Zeit wirklich geriert wie ein Halbstarker.

Und die Warnungen aller anderen Wissenschaften in den Wind schlägt.

Die Natur sei das „Außen“, für das ich kein Modell brauche, wichtig sei das „Innen“, unsere internen Währungen, wie auch immer sie heißen – Taler (Dollar), Mark (Euro), Rubel, …… – seien das einzig wichtige,

die „externe Währung der Natur“ – Lebensbedingungen für die verschiedenen Spezies – aber „in Wirklichkeit“ egal.

„Die Wirklichkeit“ spiele sich am Marktplatz ab – auf der Wall Street. Dort erfahre man „wirkliches“ Glück.

Das ist auch der Grund, warum man von „Humanressourcen“ spricht.

Das moderne Unternehmen geht davon aus, dass gut gebildete Mitarbeiter „einfach so da sind“, dass sich „darum ja eh der Staat kümmert“ und dass das „alles nix kosten darf“.

Lehrlingsausbildung gibt es nur mehr in staatsnahen Betrieben. Diese Verantwortung wird im privaten Sektor ignoriert (wie eigentlich jede Verantwortung).

Doch ich will nicht ungerecht sein.

Auch die junge Wissenschaft der Wirtschaftstheorien hat bereits den „externen Effekt“ entdeckt und die „Internalisierung externer Effekte“.

Nehmen wir das Beispiel vom Fabriksbesitzer und vom Fischer

Um seinen Gewinn zu vergrößern, entläßt ein Fabriksbesitzer das Abwasser UNGEKLÄRT in den Fluß. Der Fischer, der 10 km flußabwärts sein Geschäft betreibt, hat dadurch Produktionseinbußen und eine Umsatzminderung.

Wenn man nun die Umsatzminderung des Fischers dem Fabriksbesitzer in Rechnung stellte, dann käme er dahinter, dass sich eine Kläranlage vielleicht doch rechnen könnte.

Dieses „In Rechnung stellen der Umsatzminderung durch die Verschmutzung des Gewässers“ liegt wohl in der Verantwortung des Flußbesitzers und wird als „Internalisierung externer Effekte“ bezeichnet.

Spannend ist natürlich: wenn man ALLE externen Effekte berücksichtigen möchte, was ist dann mit der Frage:

Wer ist der Besitzer der Natur?

Diese Frage stellt sich, wenn man wissen möchte, wer für die Internalisierung aller externen Effekte „zuständig“ ist.

Oder das Beispiel vom Imker und vom Obstgärtner

Ein Imker stellt seine Bienenvölker in die Nähe einer Obstplantage. Die Bienen des Imkers tragen zur Befruchtung der Obstbäume bei und steigern den Umsatz der Obstplantage.

Eigentlich müsste diese Steigerung an den Imker abgetreten werden.

Das Beispiel vom Imker und von der Obstplantage ist ein Beispiel für einen positiven WIRTSCHAFTLICHEN externen Effekt, wenn man sich an die NATURGESETZE hält.

Nun könnte man also einen externen Effekt – und seine Internalisierung – auch in ein Bild fassen.

Verursacherprinzip

Wenn wir vom Verursacherprinzip ausgehen, wollen wir also die Umsatzeinbuße – so sie objektiv festgestellt werden kann – 1:1 dem Verursacher des externen Effekts in Rechnung stellen:

Abbildung 2: Internalisierung externer Effekte nach dem VERURSACHERPRINZIP

Wir sehen einen Ressourcenumsatz „wegen Haushalt B“ (wegen der Fabrik).

Was ist das? Wie kann man das erklären?

Nun, der Haushalt produziert, konsumiert und lebt ja einerseits innerhalb der „eigenen Mauern“ – den dafür benötigten Ressourcenumsatz für Produktion und Konsum würde ich in dem oberen braunen Pfeil sehen.

Aber auch die Exporte müssen zum Markt und die Importe vom Markt zum Haushalt transportiert werden. Außerdem müssen die Importe ja irgendwo produziert werden. Alle dadurch verursachten Ressourcenumsätze würde ich im unteren braunen Pfeil entdecken.

Beide Pfeile zusammen sind – anteilsmäßig – die Ursache für eine Umsatzeinbuße von Haushalt A (dem Fischer), weshalb der „Besitzer der Natur“ (der Eigentümer des Flusses) dem Haushalt B eine „Ausgleichszahlung“ aufbrummt, die er an Haushalt A zu leisten hat.

Bewertung des Verursacherprinzips

Auf den ersten Blick ist das Verursacherprinzip die gerechteste Art und Weise, wie man mit externen Effekten umgehen könnte.

Aber wenn man näher darüber nachdenkt, dann würde es ja bedeuten, jede noch so kleine Umsatzeinbuße (oder -steigerung) durch externe Effekte objektiv zu bewerten und in einer Art „Umweltgericht“ darüber zu Gericht zu sitzen.

Das erscheint aufgrund der schwierigen Objektivierbarkeit der externen Effekte als ein schier unmögliches Unterfangen und würde dann erst Recht zu Ungerechtigkeiten führen.

Prinzip der Kommunalisierung der Ressourcen

Was ist, wenn wir beim ältesten aller Prinzipien blieben, bei der Res Publica? Bei der Behandlung der „öffentlichen Sache“ durch die Politik?

Haben wir noch genug Vertrauen in die Politik, um ihr die Lösung der Umweltprobleme zuzutrauen?

Na egal, jedenfalls, würde sich das Schaubild vereinfachen.

Hier müßte man auch nicht die interne Kostenstruktur und die Ressourcenströme der Haushalte offenlegen (vor Gericht, welches die Umsatzeinbuße berechnen muß), sondern es würde reichen, die Ressourcenströme der Haushalte offen zu legen (vor dem Finanzamt, welches die Steuern und Subventionen berechnen muss).

Abbildung 3: Ressourcenumsatz wird politisch durch Steuern und Subventionen geregelt

Aber nicht nur eine Regelung durch Steuern und Subventionen ist möglich, wenn man gewisse Ressourcenumsätze wissenschaftlich „gut im Griff“ hat, wenn man alle Auswirkungen und Ursachen gut verstanden hat, dann kann man diese durch Gesetze (Gebote, Verbote und Strafen) auch direkt steuern, ohne auf die Regelungseffekte des Marktes angewiesen zu sein.

Abbildung 4: Ressourcenumsätze werden durch Gesetze direkt gesteuert

Die allseits berühmten „CO2 Zertifikate“, mit denen man des Klimawandels Herr werden will, sind zum Beispiel ein Mittelding:

  1. Einerseits ist die Gesamtmenge an CO2 per Gesetz festgelegt
  2. Andererseits überlässt man es den Mechanismen des Marktes, WER diesen und jenen Anteil dieser Menge ausstoßen darf (dreimal darf man raten, wer dadurch reicher werden wird).

Versuch einer Zusammenfassung

Wir haben diesmal also den Begriff des „Externen Effekts“ kennengelernt und erkannt, dass es einer ÜBERGEORDNETEN Instanz bedarf, die für die „Internalisierung der externen Effekte“ die nötigen Regeln erstellen muss.

Dann braucht man aus Sicht der Betriebswirtschaftslehre KEINE Änderung an den überlieferten Wahrheiten, weil die externen Effekte eben „eingepreist“ werden.

Natürlich entspricht es dann – letzten Endes – einer Wettbewerbsverzerrung.

Die Unternehmen, die sich an die Naturgesetze halten, werden Vorteile haben gegenüber den Unternehmen, die die Naturgesetze missachten.

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel der Serie (außer der Zusammenfassung)

One Response to Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XII (Externe Effekte)

  1. […] allerersten Ansatz hatten wir HIER (XII – Externe Effekte) gemacht, indem wir den Schaden, den die Ressourcenumsätze verursachen, an der Umsatzeinbuße der […]

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