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August 9, 2019Viele Fragen – keine Antworten
Januar 1, 2026Der geschätzte Bloggerkollege Lex Andersson hat auf meinen letzten Beitrag (siehe HIER) mit einem eigenen Beitrag geantwortet (siehe unten), in dem er viele Fragen über Gott aufgeworfen hat.
Eine einzige von diesen vielen, wirklich grundlegenden Fragen möchte ich herausgreifen.
Wäre es nicht schön langsam Zeit, dass Gott diesem Chaos, das hier herrscht, mit aller Macht ein Ende bereitet und eingreift?
Darf ich eine einzige Gegenfrage stellen? Was ist, wenn er das nicht will? Wie wird man ihn dazu zwingen?
Ist nicht diese „Sehnsucht nach dem starken Mann“ genau das, was unsere Welt so chaotisch macht?
Meint
Euer Christoph
Ist Gott ein Monopolist? – II
Dezember 30, 2025Liebe Leser!
Nun habe ich mich wieder einmal blamiert.
Ich habe nämlich HIER versucht, wirtschaftliche Begriffe zu verwenden, um unsere Beziehung zu Gott zu beschreiben.
Angenommen, ich könnte Gott gegenübertreten, als wäre ich ein Unternehmer,
- wäre er dann mein Eigentümer?
- wäre er mein Kunde?
- wäre er ein Mitarbeiter oder Lieferant?
Und da sieht man schon, wie dürftig diese Begriffe sind, wenn es um Gott geht. Mit Gott kann man keine Geschäfte machen, es hat also auch keinen Sinn, ihm als Geschäftsmann gegenüberzutreten.
Wenn, dann ist er am ehesten noch der „Eigentümer“, weil ja sogar in der Bibel steht: „er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf“.
Das Wort „vermögend“ hat ja auch viel mit „Macht“ zu tun, doch auch der Begriff „Monopolist“ trifft es nicht ganz, da ja Gott nicht nur einen Markt beherrscht, sondern alle Märkte. Ich glaube, das Wort „Panopolist“ gibt’s (noch) nicht 🙂
Auf Gott treffen eigentlich gar keine Adjektive zu, außer vielleicht diese berüchtigten Allquantoren („all“mächtig, „all“wissend, „all“gegenwärtig, immer, überall, niemals, ……), mit denen unsere Logik so schlecht umgehen kann, weil sich mit jedem dieser Adjektive mühelos ein Paradoxon bilden lässt (kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er selbst ihn nicht heben kann? Ja, er kann das, denn er hat auch die Macht über die Logik 😉 ).
Aber all das sind natürlich nur altbekannte und ermüdende Partygags.
Eigentlich bin ich ja auf dieses Thema gekommen, weil ich mir über das „a.m.D.g.“ des Hl. Ignatius Gedanken gemacht habe. Denn, warum sollen wir alles „zur höheren Ehre Gottes“ tun?
Was heißt Ehre?
Dazu möchte ich folgenden Gedanken spinnen.
Wenn ich einem Kellner ein Trinkgeld gebe, dann ist das eine angemessene Form der Dankbarkeit, denn ein Kellner ist meistens ein Mensch, der nicht viel Vermögen besitzt (sonst müsste er ja nicht kellnern).
Wenn ich aber dem Wirten ein Trinkgeld gebe, dann ist das keine Form der Dankbarkeit, sondern eine grobe Beleidigung. Der Wirt – so wird angenommen – ist ein vermögender Mann, dem man seine Dankbarkeit anders ausdrücken kann.
Wie?
Durch „eine gute Nachred'“, denn von der guten Nachrede lebt der Wirt. Wenn ich also im Nachbarort erzähle, dass ich hier gut und günstig gegessen habe, wenn ich also dem Wirten „die Ehre gebe“, dann ist das einem vermögenden Menschen gegenüber die beste Form der Dankbarkeit.
Das „a.m.D.g.“ des Hl. Ignatius heisst also letzten Endes, dass wir alle unsere Taten, Gedanken und Gebete in einem Zustand der Dankbarkeit gegenüber Gott verrichten sollten.
Denn Gott weiss längst, was wir brauchen, bevor wir bitten, darum ist die Dankbarkeit meines Erachtens noch viel wichtiger als das Bitten.
Ich denke auch, man könnte das Vater Unser in einer Form als Dankgebet sprechen:
- Vater unser im Himmel
- Geheiligt ist Dein Name
- Dein Reich kommt
- Dein Wille geschieht, wie im Himmel, so auf Erden
- Unser tägliches Brot gibst Du uns heute
- Du vergibst uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
- Und führe uns nicht in Versuchung,
- Sondern erlöse uns von dem Bösen
Die letzten zwei Zeilen lasse ich lieber als Bittgebet.
Meint
Euer Christoph
Ist Gott ein Monopolist?
Dezember 29, 2025Liebe Leser!
Vor einiger Zeit hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wer denn nun der wirkliche Souverän in dieser, unserer Welt ist. Ich hatte das HIER: https://letztersein.com/2022/05/21/a-long-time-ago-in-a-galaxy-far-far-away/ beschrieben.
Vor kurzem nun habe ich begonnen, ein wenig darüber nachzudenken, was denn nun mit dem „a.m.D.g.“ des Hl. Ignatius gemeint sein könnte.
Ihr wisst: „omnis ad maiorem Dei gloriam“. Frei übersetzt: „Tue alles zur höheren Ehre Gottes“.
Der erste Ausfluss dieser Gedanken liegt in diesem Beitrag: https://letztersein.com/2025/10/18/kundenorientierung/.
Dort habe ich die Sichtweise des Unternehmers vorgestellt, wonach sich die Menschen primär in drei Gruppen einteilen lassen:
- Meine Eigentümer (Aktionäre)
- Meine Kunden
- Alles Andere (Kollateralschäden, sozusagen)
Und, eigentlich möchte ich plädieren, mit dem Eigentümer eher Mitleid zu haben, denn er hat nicht genug Phantasie, um mit seinem Vermögen etwas anzufangen, deshalb borgt er es mir, damit ich damit mein Unternehmen finanziere. Nun gut.
Der Kunde aber ist das Zentrum aller meiner Bemühungen, denn von ihm lebe ich. Die Umsätze, die ich mit dem Kunden mache, erzeugen den Gewinn meines Unternehmens und finanzieren mich, und auch den Eigentümer, und auch die Mitarbeiter.
Und, wenn wir jetzt die Brille des Unternehmers aufbehalten, was ist dann mit Gott?
Ist Gott mein Kunde? Ist er mein Eigentümer? Oder ist er nur ein Mitarbeiter oder gar ein „Kollateralschaden“?
Nun, ich denke, darüber könnte man sich trefflich einige Gedanken machen.
Lasst mich aber vorausschicken, dass ich im Laufe der letzten Tage meine Konten bei zwei Social Media Anbietern gelöscht habe.
Bin ich nicht eigentlich nur ein unbezahlter Mitarbeiter in Mark Zuckerbergs Imperium, wenn ich seine Plattform benütze?
Oder, noch schlimmer, bin ich nicht eigentlich die Ware, die er an die Werbewirtschaft verkauft?
Jedenfalls mache ich ihn zum Eigentümer eines großen Teiles meiner Freizeit, denn – und ich muss das zugeben – ich habe pro Tag schon deutlich mehr als eine Stunde damit verbracht, auf dieser Plattform nur dumm durch die Gegend zu scrollen.
OK, ich habe dabei einige gute Witze gefunden, mit denen ich meinen Freunden eine kleine Freude machen konnte, aber gelegentlich wurde ich deswegen auch schon als Spammer bezeichnet.
Nun lasse ich mich zurückfallen auf die Anfänge, und möchte wieder mal öfters einen Beitrag hier auf diesem Blog schreiben.
Lasst mir Doch einen Kommentar da und lasst mich wissen, was Ihr davon haltet.
Einen schönen Jahreswechsel wünsche ich Euch.
Meint
Euer Christoph
Kundenorientierung
Oktober 18, 2025Liebe Leser!
Eigentlich gibt es nur zwei Arten von Mitarbeitern.
- A. Solche, die sich am Willen des Eigentümers orientieren
- B. Solche, die sich am Kunden orientieren
Und wenn man nun bedenkt, dass nicht der Eigentümer unsere Gehälter bezahlt, sondern in Wirklichkeit der Kunde,
dann muss man eigentlich folgendes Statement abgeben:
Jene Mitarbeiter, die immer dem Eigentümer willens sind, gefährden dadurch den Geschäftserfolg nachhaltig, denn der Eigentümer ist eigentlich kein Kunde, sondern ein Lieferant (Kapitallieferant).
Frei nach dem Motto:
Wenn ich mit meinem Eigentümer unzufrieden bin, dann suche ich mir einen neuen.
Meint
Euer Christoph
Traum von der anderen Welt
September 28, 2025Liebe Leser!
Am 17. Jänner diesen Jahres hatte ich eine erste Idee, wie ich mein nächstes Buch angehen könnte (siehe https://letztersein.com/2025/01/17/neues-buch/).
Nun hat mir heute geträumt, dass es von der anderen Welt handeln sollte, deshalb verkünde ich jetzt den Arbeitstitel „Die andere Welt“ (ich nehme an, ein Buch mit diesem Titel wird es bereits geben, aber das ist schon OK, ich schreibe ja ohnehin nichts Neues, niemals).
Die andere Welt mag Dir als Fiktion erscheinen, aber ich kann Dir versichern: „Es gibt sie“.
Oder, wie Han Solo sagen würde: „Es ist alles wahr“.
Gerade er, der alte Zweifler, der einem ordentlichen Blaster immer mehr vertraute, als der Macht, gerade er nahm in Episode 7 diese Worte in den Mund.
Sollte uns das nicht zu denken geben?
Meint
Euer Christoph
Von der Reziprozität
Juni 19, 2025Liebe Leser!
Unbestritten, wir alle wollen geliebt werden, wenn möglich ohne Vorbedingungen.
Aber trotzdem haben wir alle ein seltsames, ungutes Gefühl, wenn wir Leistungen konsumieren, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.
Wenn wir die Gesetze der Reziprozität verletzen.
Letzten Endes geht es ja auch in der Wirtschaft immer um eine angemessene Gegenleistung zu jeder Leistung.
Da zu diesem Thema einiges zu sagen ist, habe ich jetzt ein 15. „kleines religiöses Büchlein“ geschrieben.
Es liegt auf der Seite: https://letztersein.com/reziprozitat
Meint
Euer Christoph
Was ist Wahrheit?
April 26, 2025Der israelische Historiker Yuval Noah Harari erzählt immer wieder von der Erkenntnis, dass im Kampf der Wahrheit gegenüber der Fiktion oft die Wahrheit das Nachsehen hat.
Er führt das auf drei Ursachen zurück.
- Fiktion ist billiger und einfacher zu erzeugen, als evidenzbasierte Wahrheit
- Die Wahrheit ist manchmal kompliziert, im Vergleich zur Fiktion, die man so simpel gestalten kann, wie man will
- Wahrheit ist manchmal schmerzhaft, während man Fiktion beliebig angenehm gestalten kann
Und weil viele große Netzwerke – auch politische Systeme – auf der Erzählung einfacher Erklärungen basieren, mit deren Hilfe, also mit Hilfe dieser Fiktionen, es möglich ist, große Gruppen von Menschen zusammenzuhalten, deshalb darf es nicht verwundern, dass es zwischen Politik und Wissenschaft immer wieder Reibereien gibt.
Vordergründig mag der Streit zwischen Präsident Trump und der Harvard Universität daran liegen, dass Trump einer eher rechten Ideologie folgt und die Professoren eher links sind, aber letzten Endes sind das nur zwei Seiten ein- und derselben Medaillie.
Ich vermute: Letzten Endes geht es um die Wahrheit an sich.
Mit der Benennung seiner Social Media Plattform als „Truth Social“ hat Trump klar gemacht, dass er im Besitz der Wahrheit ist und alle anderen Institutionen, die sich um die Wahrheit bemühen, sich vor ihm fürchten müssen.
In Amerika wird es bald drei Dinge geben.
- Untergrundwissenschaft
- Untergrundkirche
- Untergrundkünstler
Ich hoffe, dass ich mich irre.
Meint
Euer Christoph
Staatliche Wahrheit?
April 25, 2025Liebe Leser,
Ich hatte letzte Woche eine neue Idee für einen Blogbeitrag, bin aber noch nicht dazu gekommen diese Idee auszuarbeiten.
Denn ich will – vom Konflikt zwischen Präsident Trump und der Wissenschaft ausgehend – einige Überlegungen anstellen, warum es der Wissenschaft gut tun würde, eine gewisse „gesunde Distanz“ zum Staat einzuhalten.
Denn so wie es im Zeitalter der Aufklärung der Kirche gut tat, sich vom Staat zu trennen, so würde es der zweiten Instanz, die sich ja auch um bestimmte – andere – Aspekte der Wahrheit bemüht, nämlich der Wissenschaft gut stehen, sich nicht von der Macht abhängig machen zu lassen.
Und all die anderen „Wahrheitsinstanzen“, vor allem die Kunst, sollten sich ebenfalls nicht „mit der Macht ins Bett legen“.
Meint
Euer Christoph
A Propos SrrTrains v0.01
April 12, 2025Liebe Leser,
Nun habe ich Euch schon lange nicht mehr mit meinem 3D Hobby belästigt, es ist auch nur ganz kurz.
Bislang gab es zwei Homepages für das SrrTrains v0.01 Hobby:
- Die mehr oder weniger offizielle Page auf diesem Blogs: https://letztersein.com/srrtrains-v0-01
- Eine inoffizielle „Home of SrrTrains“ Seite: http://members.chello.at/christoph.valentin
Beide werden demnächst verschwinden. Der Ersatz ist dann das OFFIZIELLE
- Home of SrrTrains: https://lc-soc-lc.at/host auf meinem eigenen vServer
Meint
Euer Christoph
15. Büchlein
März 16, 2025Liebe Leser!
Ein 15. Büchlein befindet sich schon in Ausarbeitung. Es ist noch nicht fertig, aber den Beginn könnt Ihr hier schon lesen:
Quid pro Quo oder Hingabe?
Heute, am 9. Februar 2025, beginne ich dieses Büchlein zu schreiben, und ich blicke zurück auf einen Blogbeitrag vom 21. März 2024, wo ich über das Prinzip „quid pro quo“ geschrieben hatte:
[…]Kann man Dankbarkeit mit den Kategorien der Gerechtigkeit definieren? Sollte die Gegenleistung nicht ein „individuelles Dankeschön“ sein, das sich der Beschenkte nachher überlegt, ohne dass man vorher darüber verhandeln muss?
Oder dass man es gar in einem Gesetzestext definiert?
Und tatsächlich sind mir in meinem Leben einige Denkungsarten begegnet, vor allem im religiösen Bereich, die als Ideal die „Hingabe“ sehen.
Ich gebe meine Leistung hin, habe nicht die geringste Sicherheit und hoffe auf ein Dankeschön. Eigentlich darf ich nicht einmal auf ein Dankeschön hoffen, diese Hoffnung muss ich dann neurotisch verstecken, weil man mir ein „quid pro quo“ oder gar ein „do ut des“ vorwerfen würde.
Um ehrlich zu sein, ich weiss nicht, welches der beiden neurotischer ist: das „quid pro quo“ oder die „Hingabe“.[…]
Worum ging es mir am 21. März 2024?
Nun, im Wirtschaftsleben geht es eigentlich immer darum, dass einer Leistung eine ebenbürtige Gegenleistung entsprechen sollte.
Das geht so weit, dass im Prinzip alle Guthaben dieser Welt genau gleich groß sind wie die Summe aller Schulden.
Wir sind diese Reziprozität, dieses „quid pro quo“, dieses „wie du mir, so ich dir“, dieses „do ut des“ dermaßen gewohnt durch unsere täglichen „Geschäfte mit der Liebe“, dass wir uns – wir als erwachsene Menschen – gar nicht mehr vorstellen können, dass es eine andere Sichtweise geben kann.
Für uns ist es eine ungewohnte, ja sogar schockierende oder zumindest befremdliche Geste, wenn sich ein Priester bei der Priesterweihe der Länge nach auf den Boden legt, sich sozusagen „vor Gott hinwirft“, um seine Hingabe an Christus zu symbolisieren.
Und es ist auch schon ein kleiner Hinweis, unter welchen Umständen ein „quid pro quo“ angebracht ist – dass man einander nämlich „auf Augenhöhe begegnet“ – und wann man „sich hingibt“.
„Hingabe“ ist nämlich eine Geisteshaltung, die immer in asymmetrischen Situationen angebracht ist, zum Beispiel in unserer Beziehung zu Gott.
Auch Kinder neigen dazu, ohne Gegenleistungen zu fordern sich ganz hinzugeben.
Wie meine ich das? Im Allgemeinen sind Kinder leichter zu begeistern als Erwachsene.
Zum Beispiel denke ich mir manchmal: die katholische Jungschar hat in Österreich eine unendlich große Verantwortung auf sich genommen, weil sie jedes Jahr tausende Kinder und Jugendliche begeistern, bei der sogenannten Sternsingeraktion um den 6. Jänner herum von Haus zu Haus zu ziehen, und mit ihren Gesängen und Sprüchen Spenden für die Entwicklungshilfe zu sammeln.
Ein einziger Skandal, ein einziges Mal, wenn es passiert, dass Spenden nicht ordnungsgemäß verwendet werden, und eine ganze Generation von Katholiken wäre desillusioniert.
Na gut, aber für unser Thema ist das nur ein Beispiel, dass das „quid pro quo“ nicht die einzige Möglichkeit ist, wie man an das Leben herangehen kann. Die BeGEISTerung ist letzten Endes ein Werk des Hl. Geistes und sollte eigentlich hinter allen unseren Aktivitäten im Leben stecken. Obwohl sie eigentlich dumm ist.
Grimms Märchen
Diesmal möchte ich auf zwei Märchen der Gebrüder Grimm hinweisen, die vielen von Euch seit ihrer Kindheit vertraut sein werden.
Das Prinzip „quid pro quo“ wird in vielen Erzählungen bemüht, im weitesten Sinne handelt es sich ja darum, dass jede gute Tat eine Belohnung in sich birgt und jede schlechte Tat bestraft wird.
Und wem würde da nicht das Märchen von Frau Holle in den Sinn kommen, in dem das fleißige Mädchen mit Gold und Anerkennung belohnt wird, die Pechmarie aber erhält den gerechten Lohn für ihre schlechten Taten – oder vielmehr sind es ja Unterlassungen.
Dem ist nicht viel hinzuzufügen, dieser Inhalt erschließt sich jedem.
Das zweite Märchen, das ich diesmal zitieren möchte, ist das Märchen vom Hans im Glück.
Der Hans im Glück beginnt eigentlich dort, wo die Erzählung von der Goldmarie endet.
Hans bekommt als den gerechten Lohn für viele Jahre Arbeit einen Klumpen Gold. Soweit so gut, alles „quid pro quo“.
Aber – wie das Märchen so will – er tauscht den Klumpen Gold in mehreren Schritten immer wieder gegen weniger wertvolle Sachen ein, bis er zum Schluss nur mehr einen Stein hat, der ihm dann auch noch in einen Brunnen fällt.
Trotzdem, oder gerade deswegen, findet er zum Schluss sein Glück, das eben nicht im Besitz von wertvollen Dingen liegt.
Man kann dieses Märchen, wenn man einigermaßen zynisch ist, so interpretieren, dass das wahre Glück nur von Leuten gefunden werden kann, die „ein bisschen dumm sind“.
Und passt das nicht zu unserer Bemerkung im ersten Kapitel, wonach Begeisterung und Hingabe eigentlich dumm sind?
Ich denke, das Märchen vom Hans im Glück ist eigentlich DIE Erzählung, die zu unserem Thema passt.
Die Geschichte des Menschen beginnt mit „Leistung und Gegenleistung“, mit dem „quid pro quo“. Dort, wo der Hans seinen Goldklumpen bekommt.
„Zuerst einmal muss die Jugend etwas leisten“, sagen auch viele ältere Menschen.
Der junge Mensch muss zuerst einmal schmerzlich lernen, dass ihm das Leben nichts schenkt. Die ersten Groschen, die man sich verdient, indem man für den Vater das Auto wäscht, sind wahrscheinlich die schwersten.
Trotzdem ist das“quid pro quo“ nicht das letzte Wort.
Wenn man an eine Beziehung mit dem Maßstab herangeht, dass jede Leistung mit einer Gegenleistung zu belohnen ist, dann wird man nicht lange in einer Beziehung sein.
Wenn man seinen Kindern vorrechnet, was man alles für sie getan hat, dann hat man das Prinzip Familie nicht ganz verstanden.
Wenn eine Gesellschaft die Armen, Kranken und Alten verstößt, dann hat sie den Begriff der Würde des Menschen nicht verstanden.
Und so kann man viele Beispiele aufführen, in denen das Prinzip „quid pro quo“ seine Gültigkeit verliert (z.B. auch, wenn jemand in Konkurs geht).
Letzten Endes kann ich nur den Hl. Paulus zitieren, auch im Hinblick auf das Kreuzesopfer Christi:
1 Kor 1,25 Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.
Die Karotte und der Hafer
Ok, wenn sich sogar die alten Märchen mit diesem, unserem, Thema beschäftigen, nämlich mit dem Spannungsfeld zwischen „quid pro quo“ und „Hingabe“, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um ein generelles Problem des Menschen handelt, und wir vermuten, dass man auch bei anderen Quellen fündig werden könnte.
Bevor ich nun in die Bibel kucke, möchte ich daran erinnern, dass auch das moderne Berufsleben genügend Betätigungsfelder bietet, um diese beiden Prinzipien, das „quid pro quo“ und die „Hingabe“, gegeneinander auszuspielen.
Legion sind die Buzzword-Spreader, die so Sachen von sich geben, wie: „man arbeitet nicht für das Geld“, „ich brauche nur Leute, die die Extrameile gehen“, „der hat schon innerlich gekündigt“ und ähnlichen Blödsinn.
Aber eigentlich ist es kein Blödsinn, man muss nur verstehen, dass diese Leute das Prinzip „Hingabe“ hoch halten, zumindest was die Hingabe der anderen Angestellten betrifft.
Die Gewerkschaft hingegen – und auch das hat seine Logik – erinnert uns immer wieder daran, dass wir „am Ende des Tages“ eigentlich nur deswegen arbeiten, weil wir unsere Familien ernähren möchten, und um einmal einen angenehmen Lebensabend zu verbringen.
Wenn uns diese Ziele verwehrt werden, dann werden wir sauer und wählen FPÖ (aber das nützt nichts).
Trotzdem, obwohl es so scheint, dass diese Rollen klar verteilt sind – die herrschende Klasse will unsere Hingabe und wir hätten gerne einen gerechten Lohn –, kann ich mir nicht helfen und muss an den „Hans im Glück“ denken.
Muss man nicht wirklich „ein bisschen dumm sein“, um zum Glück finden zu können?
Die goldene Regel und das Doppelgebot.
Na ja, bevor ich mich nun darüber auslasse, ob man „ein bisschen dumm sein muss“, um im Leben das Glück zu finden, suche ich lieber erst einmal in der Bibel nach Hinweisen für unser Thema.
Vom Prinzip „Quid pro quo“
Sehr prominent ist die sogenannte „goldene Regel“, die von Jesus formuliert worden ist wie folgt.
Mt 7,12 Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
Dazu ist nicht viel zu sagen, das ist das Prinzip „quid pro quo“ in Reinkultur und es erinnert ein wenig an den Merksatz, den wir gerne unseren Kindern beibringen: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu“.
Es ist dies eigentlich die ethische Grundlage jeden Handelns auf dieser Welt. Tiefenpsychologisch betrachtet, würde man es vielleicht ein bisschen anders formulieren: „wie Du Deine Mitmenschen behandelst, so wirst Du es auch von ihnen erwarten“ (klingt ein wenig negativer 🙂
Natürlich geht das Prinzip „quid pro quo“ aber weiter als die „goldene Regel“, denn die „goldene Regel“ besagt nur „im Prinzip“, dass man sich so verhalten soll, wie man es auch von den anderen erwartet.
Beim „quid pro quo“ geht es jedoch um konkrete Gegenleistungen für jede einzelne konkrete Lebensäußerung, und nicht nur um ein generelles „Geben und Nehmen“.
Da geht es um die konkreten „Geschäfte des Alltags“, die wir jeden Tag abschließen.
Übrigens erinnert die „goldene Regel“ ein wenig an Kants „kategorischen Imperativ“, nur am Rande erwähnt.
Vom Prinzip „Hingabe“
Es wäre nicht die Bibel, wenn es nicht neben dem Hinweis auf das Prinzip „quid pro quo“ auch einen widersprüchlichen Hinweis auf die andere Lebensweise gäbe.
Manche Leute behaupten sogar, das Christentum sei die „Religion der Liebe“, und so verwundert es uns nicht, dass Jesus das berühmte „Doppelgebot der Liebe“ formuliert, wie folgt.
Mt 22,34 Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen.
Mt 22,35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn:
Mt 22,36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Mt 22,37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Mt 22,38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Mt 22,39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Mt 22,40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.
Äußere und innere Ordnung
Wenn wir das in der Bibel lesen, einerseits die „goldene Regel“ und andererseits das „Doppelgebot der Liebe“, dann erscheint das auf den ersten Blick wie ein Widerspruch.
Einerseits fordert Jesus Gerechtigkeit im Umgang miteinander – Leistung und Gegenleistung –, andererseits fordert er Liebe.
Liebe kann man sich eigentlich nur vorstellen, wenn man über die Fehler des anderen hinwegsieht und für den anderen sozusagen „alles tut“, ohne nach einer Gegenleistung zu fragen.
Liebe benötigt eine ganze Menge „Begeisterung für den Anderen“.
Bei der Gottesliebe erscheint mir das eigentlich selbstverständlich (bin mir aber nicht sicher, ob sich wirklich jeder Mensch für Gott begeistern kann), aber ob ich immer in der Lage bin, die Begeisterung für die Nächstenliebe aufzubringen, da bin ich mir nicht sicher.
Trotzdem, obwohl in manchen Fällen statt Liebe nur mehr die Gerechtigkeit übrig bleibt, fordert Christus es als einen Akt der Gerechtigkeit, den ersten Schritt zu tun.
Die „goldene Regel“ besagt: „was Du vom anderen erwartest, das tu‘ selber“. Das heißt, Du sollst den ersten Schritt tun, Du sollst in die Vorleistung gehen, Du sollst pro-aktiv an die Dinge herangehen.
Du sollst nicht warten, bis der andere den ersten Schritt macht.
Warum das eigentlich dumm ist, das erkläre ich im nächsten Kapitel.
Hier nur ein letzter Gedanke:
Die „Begeisterung“, die „Hingabe“, sind sozusagen die „innere Ordnung“, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass man einen Beruf komplett ohne Begeisterung ausübt.
Aber diese Begeisterung wird man für sich behalten, wenn es um Lohnverhandlungen geht. Zu groß wäre die Versuchung für den Vorgesetzten sich zu sagen: „der arbeitet eh gerne. Der braucht keine Gehaltserhöhung“.
Und das wollen wir doch wirklich alle nicht, dass das passiere.
Deshalb ist das „äußere Gesetz“ die Gerechtigkeit.
Warum man dumm sein muss
Tbd.
Andere biblische Quellen
Tbd.
Martha und Maria
Der „andere Weg“ bei Paulus
Die „äußere“ und die „innere“ Ordnung
Tbd.
Meint
Euer Christoph
Veröffentlicht von Yeti