Unser tägliches Brot gib uns heute

September 25, 2022

Liebe Leser!

Seit einiger Zeit hatte ich die einzelnen Zeilen des Vater Unser ein wenig auf Weisheiten untersucht, die man innerhalb unseres Wirtschaftslebens verwenden könnte, um gute Entscheidungen zu treffen.

Kritik – Wirtschaft ist nichts Heiliges?

Bevor ich damit weitermache, möchte ich ein wenig innehalten, und auch auf den größten Kritikpunkt eingehen. Der Begriff Wirtschaft scheint, zumindest für meinen geschätzten treuen Stammleser Kardinal Novize Igor (KNI), ein rotes Tuch zu sein.

Wie kann man etwas derart Hohes, Gutes, wie Gott und Theologie, mit etwas derart Niedrigem, Bösen, wie der Wirtschaft einfach in einen Topf werfen? Beleidigt das nicht unsere hehren religiösen Gefühle?

Nun, einerseits müssen wir uns einmal klar werden, was man mit dem Begriff „die Wirtschaft“ eigentlich genau meint.

In dem Spruch der ÖVP, der da lautet: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“, sind mit dem Begriff „die Wirtschaft“ offensichtlich nur die Eigentümer gemeint. Man möchte suggerieren, dass man den Eigentümern zu willen sein muss – man müsse die „Huren der Reichen“ geben – um dem Volk etwas Gutes zu tun.

Dass das nur blanker Zynismus ist, liegt auf der Hand.

Andererseits ist „die Wirtschaft“, objektiv betrachtet, nichts anderes, als die „Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen“.

Das klingt schon sehr viel optimistischer.

Und wenn man es genau betrachtet, dann ist auch aus religiöser Sicht das allererste Bedürfnis des Menschen das Bedürfnis nach Erlösung und Versöhnung mit Gott, dem Vater.

Diese menschlichen Bedürfnisse sind Gott nicht fremd, und unser Vater im Himmel geht durchaus planvoll vor, wenn es um die Befriedigung dieser Bedürfnisse geht. Manche Theologen sprechen sogar von der „Heilsökonomie Gottes“.

Sogar Gott betreibt also eine Art Wirtschaft, was bedeutet, dass das Wirtschaften an sich nichts Böses ist, wenngleich es etwas sehr „menschliches“ ist und man es natürlich mit „himmlischen Ereignissen“ nicht annähernd auf eine Stufe stellen kann.

Weiter geht’s

So, nachdem wir das nun geklärt haben, versuchen wir ein wenig systematischer an das Thema heranzugehen. Wie wäre es, wenn wir das Vater Unser zuerst einmal niederschreiben?

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Diese fünf kleinen Bitten umfassen eigentlich alles, worum wir unseren Vater im Himmel bitten können.

In den ersten Beiträgen beschäftigte ich mich mit dem Vater „im Himmel“. Wir haben erkannt, dass Gott etwas Besonderes ist, jemand „von Außerhalb“, ein „ewiges Ziel“, das wir im irdischen Leben nicht erreichen können.

Der Mensch strebt nach Bedeutung, nach Sinn, nach Höherem. Auch in der Wirtschaft benötigen wir einen Antrieb, der über die simplen irdischen Bedürfnisse hinausgeht, wir wollen Gutes tun.

Danach haben wir uns mit folgenden Dingen beschäftigt:

Obwohl Gott erhaben und unerreichbar ist, bitten wir darum, dass sein Reich – bereits jetzt – zu uns kommen möge.

Wie müssen wir das verstehen?

Nun, auch in der Kirche gibt es immer wieder Bestrebungen, die versuchen, die Welt an unsere Vorstellungen anzupassen, an etwas, das wir selbst für das „Reich Gottes“ halten.

Aber hier findet Jesus ganz ganz klare Worte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“. Bei seinem Reich handelt es sich um einen Herzenszustand des Menschen, der eintreten kann, wenn sich der Mensch ganz auf Gott einläßt und von seinem verkehrten Handeln Abstand nimmt. Wenn er umkehrt:

Sodann haben wir uns mit dem Wunsch beschäftigt, ein „Werkzeug Gottes“ zu werden. Dabei geht es um die Bitte „Dein Wille geschehe„:

Eigentlich konnte nur Jesus bitten „Dein Wille geschehe“, denn wir haben – genau genommen – gar nicht die Möglichkeit, gegen Gottes Willen zu handeln, trotzdem hat man diese Bitte in Erinnerung an Jesus in das Vater Unser aufgenommen.

Unser nächstes Thema wird die Bitte um das tägliche Brot sein. Ältere Übersetzungen sprechen hier nicht vom „täglichen“ Brot, das uns Gott heute geben solle, sondern vom „für uns ausreichenden Brot“.

Unser tägliches Brot gib‘ uns heute.

Mit dieser Bitte werde ich mich nächste Woche beschäftigen.

Meint

Euer Christoph


Vom freien Willen

September 17, 2022

Liebe Leser!

Im letzten Artikel (Walter, das Werkzeug Gottes) hatte ich mir Gedanken gemacht über die Funktion eines „Werkzeuges Gottes“ und habe dafür auch eine sehr menschliche Metapher verwendet, nämlich die Metapher vom Manager, der ja eigentlich auch nur ein Werkzeug des Direktors ist.

Einer meiner treuesten Stammleser, Kardinal Novize Igor, hat dann darauf hingewiesen, dass es aber zwischen Gott und einem „Werkzeug Gottes“ sozusagen eine „innere Verbindung“ gebe, die man zwischen Manager und Direktor nicht unbedingt voraussetzen kann.

Und auch ich habe mir weitere Gedanken gemacht, sodass ich diesmal folgenden Fragen nachgehen möchte:

  1. Die „innere Verbindung“ zwischen Gott und dem Menschen
  2. Was hat diese innere Verbindung mit Freiheit zu tun?
  3. Inwieferne ist die Kirche eigentlich ein „Werkzeug Gottes“?

Die innere Verbindung mit Gott

Folgendes Zitat wird Meister Eckhart zugeschrieben, dem bekannten Mystiker:

Gott ist allezeit bereit –
aber wir sind sehr unbereit.
Gott ist uns nahe,
aber wir sind ihm ferne.
Gott ist drinnen,
wir sind draußen.
Gott ist in uns heimisch,
wir sind Fremde.

Wenn wir also Meister Eckhart folgen, dann sollen wir Gott nicht in Äußerlichkeiten suchen, also in der Macht, im Geld, im Ansehen, nicht einmal im Geliebtwerden, sondern man muß ruhig werden, gelassen, und nach innen gehen.

Das hört sich jetzt schwer an, und ist es wohl auch. Darum kann man nur immer wieder den Rat geben, ruhig zu werden und sein „Radio auf Empfang zu schalten“.

Oft verstecken sich die Zuneigungen Gottes in Kleinigkeiten. Das kann ein liebes Wort sein, ein Vogelgezwitscher, oder – man verzeihe mir – ein ordentlicher Stuhlgang.

Wir selbst sind es, unsere Seele ist es, die den äußeren Dingen eine Bedeutung zumisst. Also, wenn wir in äußeren Dingen Spuren Gottes entdecken, dann ist das eigentlich ein innerer Vorgang.

Menschen, die nicht an Gott glauben, werden in denselben äußeren Dingen eine andere Bedeutung entdecken als wir.

Konstante, unveränderliche Bedeutungslosigkeit, um nicht zu sagen Sinnlosigkeit, hält kein Mensch aus.

Wenn wir nicht nach Innen gehen, werden wir unseren Sinn verfehlen.

Die Freiheit, das seltsame Ding

In meiner Zifferngeschichte (https://erstersein.files.wordpress.com/2007/02/zifferngeschichte2.pdf) hatte ich im Jahre 2005 folgendes über die Freiheit geschrieben:

[…]Insgesamt waren alle vom ersten Augenblick an auf der Suche nach einer „Exit“ Strategie, und das war gut so. Denn im Laufe der Zeit zeigte sich, daß die blauen Zimmer auf seltsame Weise immer leerer wurden und die grünen immer voller. Das lag wohl daran, daß die Grünen ein seltsames Ding bei sich hatten: Wenn Du ankommst, leuchtet sie Dir von weitem entgegen, wenn Du dann da bist, mußt Du ihre Gesetze befolgen.[…]

Damit meinte ich die beiden Arme der Freiheitsstatue in New York City. Mit einem Arm streckt sie eine Fackel hoch, mit der „sie dir heimleuchtet“, im anderen hält sie ein Gesetzesbuch.

Und ist es nicht so, dass die Gesetzlosigkeit in die Unfreiheit führt? Wo der Starke den Schwachen unterdrückt und ausnützt?

Was hat nun Freiheit zu tun mit dem Wunsch ein Werkzeug Gottes zu werden?

Nun, ich würde sagen: „Sehr viel!“

Wenn wir nur den Äußerlichkeiten nachlaufen, dann sind wir eigentlich ein Blatt im Wind, ein reines Segelflugzeug.

Wir wünschen uns diesen inneren Motor, der uns auch ermöglicht gegen den Strom zu schwimmen, wir wollen uns auf Gott einlassen und vom Heiligen Geist treiben lassen, damit wir aktiv diese Welt verbessern.

„Werkzeug Gottes“ zu sein heißt also nicht „frei von“, sondern „frei für“, nämlich „frei sein für Gott“.

Und Gottes Gesetz macht uns nicht unfrei, sondern es dient unserer „Freiheit von der Welt für Gott“.

Und da macht es auch keinen Unterschied, ob man verheiratet ist, ob (noch) ledig, oder ob man zölibatär lebt. Die „Freiheit für Gott“ ist in jeder Lebenslage machbar.

Die Kirche

Was hat denn Kirche mit Freiheit zu tun? magst Du fragen.

Und mit unserer inneren Verbindung zu Gott?

Beginnen wir mit einem Merksatz aus der Schule: „Die Kirche ist das auf dem Weg zur ewigen Heimat pilgernde neutestamentliche Gottesvolk“.

Na ja, Pilgern hat eigentlich schon sehr viel mit Freiheit von Äußerlichkeiten zu tun.

Auf einer Pilgerreise läßt man vieles hinter sich – Termine, Freunde, Verwandte, Bequemlichkeiten.

Alles, um frei zu werden für Gott.

Insoferne sollte die Kirche ein Vehikel sein, das unserer Freiheit auf die Sprünge hilft, solange wir unterwegs sind.

Im Himmel wird die Kirche, werden wir, dann nicht mehr pilgern müssen. Da ist sie dann – nach einem anderen Bild – die geheimnisvolle Braut Christi.

Meint

Euer Christoph


Walter, das Werkzeug Gottes

September 10, 2022

Liebe Leser!

Lasst mich diesmal einen Ausschnitt aus meiner Erzählung „Das dritte Kind“ an den Anfang setzen, und zwar aus dem ersten Teil „Prolog“, den Anfang der 30. Szene, wo Walter mit Hilfe einer Nebenrolle – einem Kardinal – einen neuen Anfang in seinem Leben macht:

Zugriff: https://letztersein.com/drehbuchseite

1. Teil – Seite 25:

[…]30.

Am Nachmittag kam Walters Schulfreund ins Wellnesshotel zu Besuch. Dieser Schulfreund war jetzt Kardinal, dennoch kam er im schlichten schwarzen Priesteranzug.

„Dir geht’s gut, du hast es weit gebracht“, eröffnete Walter das Gespräch.

Der Kardinal winkte ab: „Karriere in der Kirche ist etwas Relatives.“

Walter reagierte auf das Reizwort „Karriere“ und antwortete in einem Anfall von ‚Fishing for Compliments‘: „Ich werde niemals Karriere machen, bei all den Fehlern, die ich mir geleistet habe.“

„Weißt du, was mein schlimmster Fehler ist? Ich treffe keine Entscheidungen. Ich lasse mich immer nur benützen.“, führte er seine Gedanken weiter.

Auch der Kardinal kannte sich im Leben aus, deshalb stieg er nicht direkt auf Walters Argumentation ein und begann nicht Walter Komplimente zu machen: „Das würde ich nicht so sagen. Schau, ich bin letzten Endes doch auch nur ein Werkzeug Gottes. Trotz aller eigenen Entscheidungen die ich treffe, bin ich in einen Ablauf eingebettet, den wir Vorsehung nennen.“

Walter begann zu schwärmen: „Werkzeug Gottes. Ja, das wäre ein Lebensziel!“

Er relativierte seine Gedanken jedoch sofort wieder: „Weißt Du, ich bin zwar immer brav in die Kirche gegangen, war in meiner Jugend sehr aktiv, aber jetzt, wo ich verheiratet bin……Wer ist das eigentlich, dieser Gott? Wo ist er geblieben?“[…]

Was hat Walter gemeint mit „Werkzeug Gottes“?

Nun, was Walter gemeint hat, darüber können wir nur mutmaßen, denn Walter ist eine literarische Figur und wir können ihn nicht befragen.

Aber ich bin es, der die Geschichte „Das dritte Kind“ geschrieben hat – wenn auch diversen Inspirationen folgend – und ich kann guten Gewissens feststellen: „Dieser Walter hat viel von mir geerbt, wenngleich er eigentlich nur eine Metapher für das neutrale Österreich im kalten Krieg ist – ein Mann mit Entscheidungsschwächen, der zwischen zwei Stühlen sitzt“.

Bei mir persönlich waren das zu jener Zeit die Firma S* und meine Frau V*, die beiden Stühle, zwischen denen ich gesessen bin, ohne mich entscheiden zu wollen (ohne mich entscheiden zu können).

Heute ist das zum Glück alles anders, aber damals war Walter ein Blatt im Wind, das keinen sichtbaren eigenen Willen hatte.

Und genau das ist es NICHT, was der Kardinal meint, wenn er von einem „Werkzeug Gottes“ spricht.

Nicht umsonst haben wir heutzutage die Metapher vom „mächtigen Manager“, der „alles im Griff hat“ und sozusagen „allwissend“, „allmächtig“ und „allgegenwärtig“ ist. Das sind lustiger weise alles göttliche Eigenschaften, obwohl für Gott in der Wirtschaft eigentlich kein Platz ist.

Und wenn wir genau darüber nachdenken, dann ist der Manager eigentlich kein göttliches Wesen, sondern er ist nur ein „Werkzeug des Direktors“, das nichts anderes tut, als den „Willen des Direktors umzusetzen“. Sich darum „zu kümmern“.

Und so, wie wir uns einen guten Manager vorstellen, als ein Vorbild, das den anderen Angestellten im Kampf leuchtend voranschreitet, so müssen wir uns auch ein „Werkzeug Gottes“ vorstellen.

Als sich König Salomo zu Beginn seiner Amtszeit von Gott etwas wünschen durfte, wünschte er sich ein „hörendes Herz“.

Und so dürfen wir uns ein Werkzeug Gottes in erster Linie als einen Menschen vorstellen, der auf den Willen Gottes hinhören kann, um Gutes vom Bösen zu unterscheiden und so das Volk – bzw. im Falle von Walter seine Familie – weise zu leiten.

Meint

Euer Christoph


Von Sinn und Unsinn des Gewissens

Februar 20, 2022

Liebe Leser und Leserinnen,

Nun habe ich mir also tatsächlich vorgenommen, ein 14. „Kleines religiöses Büchlein“ zu schreiben, ein Büchlein über „Sinn und Unsinn des Gewissens“.

Was meine ich damit?

Nun, Gewissen „bewertet“. Vor allem bewertet es uns selbst.

Das heißt, es vollführt eine Transformation, die aus komplexen Lebenssituationen einen binären skalaren Ausdruck extrahiert, der nur zwei Werte annehmen kann: „gut“ oder „böse“ bzw. „ich fühl‘ mich gut“ oder „ich fühl‘ mich schlecht“.

Also ein Bit, ein binary digit.

Manche Menschen denken auch in Graustufen und kennen die Werte „sehr böse“, „ziemlich böse“, „einigermaßen böse“, „ein bißchen böse“, „kaum böse“, „neutral“, „kaum gut“, „ein bißchen gut“, „einigermaßen gut“, „ziemlich gut“ und „sehr gut“.

Anmerkung: von Regenbogenfarben reden wir (noch) nicht, obwohl es gerade hier angebracht wäre 😉

Und zuletzt hatten wir uns mit einem skalaren Zahlenwert beschäftigt, mit dem der Markt einen Haushalt bewertet, nämlich mit der sogenannten „Wertschöpfung“.

Aber dann sind wir dahintergekommen, dass Wertschöpfung im üblichen Sinn eigentlich nur im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette der Produktionseinheiten einen Sinn ergibt. Eine „gesamtmenschliche Wertschöpfung“ oder eine „weltwirtschaftliche Wertschöpfung“ ergibt beim besten Willen keinen Sinn (siehe Beispiele 1: Wertschöpfung), wenn man die übliche Definition der Wertschöpfung zugrunde legt:

Wertschöpfung = Produktionsergebnis – Vorleistungen
(Satz B1a-1)

Wir werten das als Hinweis, dass der Sinn des Lebens sicher nicht in der Produktion und im Konsum begraben liegt. Sinnlose Produktion oder sinnloser Konsum mag zu gewissen lokalen Wertschöpfungen beitragen, aber sie „bringen die Menschheit insgesamt nicht weiter“.

All das wird im 14. Büchlein zu ventilieren sein, doch möchte ich diesmal noch ein wenig den Begriff der Wertschöpfung aus Sicht des beliebten alleinerziehenden Softwareentwicklers in einer Großstadt detaillierter betrachten.

Unser Softwareentwickler ist also in der R&D Abteilung irgend eines Unternehmens angestellt, diese Abteilung verkauft eine Arbeitsstunde unseres Softwareentwicklers um 80 € an andere Abteilungen (die 80 € sind also ein „interner Stundensatz“).

D.h. also, unser Softwareentwickler verursacht durch seine Arbeit (genau genommen durch seine Anwesenheit 🙂 ) bei seinem Chef einen Umsatz von 80 Einheiten.

Anmerkung: hier gilt Bruttoumsatz (BU) = Nettoumsatz = 80 Einheiten, weil ja für die interne Weitergabe meiner Arbeitsleistung im Unternehmen keine Umsatzsteuer verrechnet wird. Das ist auch gerechtfertigt, weil ja (fast) kein Transport der Leistung nötig ist. Die Umsatzsteuer dient ja im Allgemeinen dazu, die externen Kosten des landesinternen Gütertransports (Umweltschäden u. dgl.) abzudecken.

Nach Abzug des „gesamten Overhead“ (GO) bleibt für unseren Softwareentwickler ein Nettogehalt (NG) von 17 Einheiten.

Abb. B1a-1: Sicht des Programmierers (oben) /
Sicht des Arbeitgebers (unten)

Was dieser gesamte Overhead (GO=63) bedeutet, das wollen wir jetzt ventilieren.

GO aus Sicht des Softwareentwicklers

Aus Sicht des Softwareentwicklers ist der Nettogehalt (NG = 17 Einheiten) der Gegenwert für seinen persönlichen Beitrag zur Gesamtproduktion (ich würde ihn als „persönliche Wertschöpfung (PWS)“ bezeichnen).

Das, was ich als gesamten Overhead (GO = 63 Einheiten) bezeichne, ist aus seiner Sicht ein Maß dafür, wieviel äquivalente Dienstleistung durch seine Arbeit „ermöglicht“ *) wird.

Seine Arbeit „ermöglicht“ *) also die Finanzierung von insgesamt (NG + GO) / NG = 1 + GO/NG = 1 + 63/17 = 1 + 3.7 „äquivalenten Dienstleistern“ (inkl. seiner selbst).

Damit ist es also eigentlich eine „gemeinsame Anstrengung“, auf die er „den Schlußstein setzt“.

*) Eigentlich werden die Vorleistungen durch das Vertrauen darauf ermöglicht, dass sein Chef die Vorleistungen bezahlen wird. Dieses Vertrauen ist aber eng verknüpft mit dem Vertrauen, dass der Chef „jemanden hat“, der den Schlußstein auf die Vorleistungen setzen wird.

Der Erwerbstätige fühlt also umso mehr Stolz in seiner Brust, je kleiner die persönliche Wertschöpfung (PWS), bezogen auf den Bruttoumsatz (BU), ist, und er selbst und seine Familie trotzdem noch leben können (m.a.W. je mehr Umsatz er verursacht, und deswegen immer noch genug verdient, obwohl er möglichst wenig leistet).

Sollen wir uns vom Stolz leiten lassen? Das wäre noch zu ventilieren.

Recht auf Arbeit vs. Recht auf Arbeitsplatz

Im Artikel „Verortung des Ressourcenumsatzes“ (siehe HIER) hatte ich eine – etwas launige – Abhandlung gehalten, die versuchte die Begriffe „Arbeitgeber“ und „Arbeitsplatzgeber“ gegeneinander abzuwägen:

[…]In der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte kann man im Artikel 23 lesen:

Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)

  1. Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.[…]

Nun, dem ist nichts hinzuzufügen. Außer…… Ja, ich weiß ich bin ein i-Tüpferlreiter, aber eigentlich will ich kein „Recht auf Arbeit“, sondern ein „Recht auf einen Arbeitsplatz“.

Warum?

Der Arbeitgeber ist eigentlich kein Arbeitgeber, sondern ein ArbeitsPLATZgeber. Der ARBEITgeber bin schon ich, weil ich ja meine Arbeit hergebe – und dafür einen Gehalt bekomme.

Den ArbeitsPLATZ gibt aber der Unternehmer, und ich muss dafür bezahlen!

Warum muss ich für meinen ArbeitsPLATZ bezahlen?

Nun, aus meiner Sicht ist der Bruttoumsatz (BU) der Wert meiner Arbeit, unter der Voraussetzung, dass ich sie auf diesem Arbeitsplatz verrichte.

Ich kann den Wert GO (gesamter Overhead) also mit gutem Gewissen als die „Miete für meinen Arbeitsplatz“ interpretieren.

Der Chef meiner Abteilung stellt mir diesen Arbeitsplatz zur Verfügung, ich stelle meine Fähigkeiten und meine Arbeit zur Verfügung, gemeinsam erwirtschaften wir damit den Bruttoumsatz (BU).

Mein Anteil am Bruttoumsatz (BU) – nachdem die Kosten für den Arbeitsplatz abgezogen worden sind – ist der Nettogehalt NG (übers Jahr gerechnet, nach Steuerausgleich).

Darum ist es in meinem Interesse, dass der Arbeitgeber den Arbeitsplatz – auch mit meiner Hilfe – möglichst effizient gestaltet, was die Kosten für die Vorleistungen betrifft, damit mehr für mich übrig bleibt.

Man müßte also die Menschenrechte umformulieren:

Nicht das „Recht auf Arbeit“ sollte vom Staat gesichert werden, sondern das „Recht auf leistbare Arbeitsplätze“, dieses „abgestimmt auf die Lebenssituation der Einwohner und Einwohnerinnen“.

GO aus Sicht des Arbeitgebers / aus Sicht des Marktes

Für meinen Chef steht die Gesamtwertschöpfung der R&D Abteilung im Vordergrund, das sind in unserem Beispiel *) die gesamten Personalkosten:

  • PK = LK + IPVL
  • LK = Lohnkosten der internen Produzenten (inkl. Steuern und Sozialabgaben)
  • IPVL = Lohnkosten der internen Vorleister (inkl. Steuern und Sozialabgaben)

Unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten inkl. des Staates kostenoptimal arbeiten, sollte diese Gesamtwertschöpfung möglichst groß sein im Vergleich zu den externen Vorleistungen EPVL, um die Abhängigkeiten von externen Vorleistern klein zu halten.

Ausgenommen von dieser Regel sind Vorleistungen, die der Arbeitgeber selbst nicht so effizient (also kostengünstig) verrichten KANN, wie andere Wirtschaftseinheiten.

Solche Vorleistungen SOLLTE man – unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips und unter Berücksichtigung des Prinzips von der gerechten Entlohnung – an unternehmensinterne, andere private oder öffentliche Dienstleister auslagern.

*) Wir gehen davon aus, dass unsere R&D Abteilung kein nennenswertes Vermögen besitzt. Damit hat sie auch keinen Anteil am Eigenkapital und muss keinen Reingewinn an die Eigentümer abliefern (als Rendite für das Kapital). Sie muss auch keine Abschreibungen für Sachvermögen finanzieren und um die Rechte kümmert sich die – zentrale – Patentabteilung. Im Gegenzug ist dafür der „interne Stundensatz“ ziemlich „mager“ ausgefallen.

Für unseren Softwareentwickler heißt das also

Im folgenden die Vorleistungen, die für unseren Software-Entwickler sichtbar sind. Alles, was ich hier vergessen / übersehen habe, bitte mir nachzusehen.

  • Öffentliche Vorleistungen (ÖVL)
    Anmerkung: wenn man die Länge der folgenden Liste mit der Größe des Balkens ÖVL in Abbildung B1a-1 vergleicht, sieht man die Effizienz, mit der die öffentlichen Dienstleister hier arbeiten
    • Arbeitnehmerbeiträge (ANB)
      • Pensionsversicherung
      • Arbeitslosenversicherung
      • Krankenversicherung
      • Arbeitsgesetz – Rechtssicherheit
      • Arbeiterkammer
      • gratis Bildung und Ausbildung bis zum Eintritt
      • Straßen für die Fahrt zur Dienststelle
      • Öffentlicher Verkehr zur Dienststelle
      • etc.
    • Arbeitgeberbeiträge (AGB)
      • gut gebildete/ausgebildete Jobanfänger und Quereinsteiger
      • Verschiedene Infrastruktur
        • für Dienstreisen
          • Straßen
          • Öffentlicher Verkehr
        • für Telekommunikation
          • Telekom Control (Rechtssicherheit)
      • Rechtssicherheit
        • Arbeitsverträge
        • Patente
        • Markenrechte
      • Wirtschaftskammer
      • Öffentliche Sicherheit
      • Sicherung des sozialen Friedens
      • etc.
  • Externe private Vorleistungen (EPVL)
    • Raummiete für das Büro
    • Strom, Hausmeister, Empfang etc.
    • Geleasedter Laptop
    • Geleasedte Monitore
    • IT Infrastruktur
  • Externe Vorleistungen im selben Unternehmen
    Anmerkung: diese sind „durch die Niedrigkeit des internen Stundensatzes“ bereits berücksichtigt
    • Reingewinn für die Eigentümer (inkl. Gewinnsteuer)
    • Vorstand, Aufsichtsrat
    • höheres Management
    • IT Support
    • HR Management
    • Patentabteilung
    • etc.
  • (Abteilungs)interne Vorleistungen (IPVL)
    • internes Management (LK für den Chef)
    • Teamleitung (LK für die Teamleiter)
    • Meine unproduktiven Stunden (Trainings, Administrative Tätigkeiten)

Meint

Euer Christoph


Fragmente zur Weltwirtschaft

Februar 9, 2022

Wenn man die gesamte Menschheit, bzw. sogar das gesamte Leben der Welt als einen „Haushalt“ modelliert, dann ergeben sich im Zusammenhang mit unserem „Standardmodell eines Haushalts H“ folgende Aussagen:

Standardmodell eines Haushalts H
  • Unsere „Umwelt“ ist der Weltraum mit den Himmelskörpern (Sterne, Planeten, Kometen, Asteroiden, …..)
  • Es gibt (noch) keinen „Äußeren Markt“ und weder Exporte noch Importe.
    • Es gibt also auch keine „globale Wertschöpfung“ (im herkömmlichen Sinn)
    • Die weltinterne Geldwirtschaft ist für unsere externen Beziehungen also (noch) egal
  • Der „Ressourcenumsatz“ mit der Umwelt (mit dem Weltraum) besteht aus
    • Sonnen- und Sternenlicht, Sternenstaub und kleineren Himmelskörpern (die eingeschlagen sind),
    • einigen Flügen zum Mond, der einen oder anderen Raumstation und einigen unbemannten „Botschaftern“ und „Pionieren“, die wir vorgeschickt haben.
    • Dieser Ressourcenumsatz besteht bisher nur aus sog. „freien“ Gütern*), weil wir dem Weltraum außer den Dingen, die er „von selber“ hergibt,
      • (bisher) beliebige Proben „entnehmen“ können, ohne Schaden anzurichten
      • und weil der Weltraum unsere „Botschafter und Pioniere“ (noch) in beliebiger Zahl aufnehmen kann
  • religiös: Wir sind uns schon ziemlich sicher, dass wir die „Krone des Sonnensystems“ sind, aber ob wir auch die „Krone der Schöpfung“ sind, wissen wir noch nicht (siehe auch Joh 10,16).

*) Im „erdnahen“ Weltraum stimmt das bekanntlich nicht mehr, Weltraummüll ist ja dort schon ein Problem

Fazit: die Weltwirtschaft als einen einzigen Haushalt zu modellieren, macht momentan noch selten Sinn (außer beim Weltraummüll, bei der Atmosphäre und bei den Weltmeeren, zum Beispiel).

Meint

Euer Christoph


Beispiele 1: Wertschöpfung (Beitrag „B1“)

Februar 7, 2022

In letzter Zeit schreibe ich hin und wieder einige meiner unmaßgeblichen Gedanken zur Wirtschaftstheorie in dieses Blog (siehe vor allem die Einleitung/Zusammenfassung Alles in allem (Beitrag „A“)), bin mir aber selber nicht sicher, warum ich das tue, vielleicht, weil es halt Spaß macht.

Zuallererst mußte ich natürlich definieren, dass sich in meiner Begriffswelt alles um den „Haushalt“ dreht. Laßt mich diese Definition hier ausnahmsweise wiederholen, weil sie mir so wichtig ist:

Ein „Haushalt“
ist eine Gemeinschaft von Personen,
die die gemeinsame „Bewirtschaftung“
von „Gütern“ und „Ressourcen“
betrifft.
(Satz A-1 = Satz B1-1)

Ein Haushalt kann also eine Familie sein (was dem ursprünglichen Begriff am nächsten kommt, und die Familie sei ja auch die „Keimzelle der Gesellschaft“, sagt man), es kann sich aber auch zum Beispiel um einen Staatshaushalt handeln oder um ein Unternehmen, einen Verein, eine Glaubensgemeinschaft oder sogar die Weltwirtschaft an sich (da sind dann halt die Exporte und die Importe gleich Null – solange der Kontakt zu den Außerirdischen noch nicht hergestellt ist 🙂 ).

Den Begriff „Güter“ verwende ich in Einklang mit der üblichen Wirtschaftstheorie als „materielle oder immaterielle Mittel, die der Bedürfnisbefriedigung dienen“.

Den Begriff „Ressource“ verwende ich jedoch nicht genau so, wie ihn die übliche Wirtschaftstheorie (vor allem die Betriebswirtschaftslehre) verwendet, weil ich Menschen nicht als Ressourcen bezeichnen möchte (HR möge mir verzeihen 🙂 ).

Mit dem Begriff Ressource meine ich
die Güter und die Aufnahmefähigkeit für Ungüter,

die von/in der Umwelt
gratis zur Verfügung gestellt werden.
(Satz B1-2)

„Ressourcen“ sind also in meinem Sprachgebrauch einerseits „freie Güter“ bzw. „freie Aufnahmefähigkeiten für Ungüter“, die die durch den Haushalt erreichbare Umwelt im Überfluß bereitstellt, sodass man dafür keinen Preis definieren kann, andererseits sind es „Gemeingüter“ bzw. „gemeinsam zur Verfügung gestellte Aufnahmefähigkeiten für Ungüter“, deren Bereitstellung zwar „externe Kosten“ in der Umwelt verursacht, für den fraglichen Haushalt aber gratis ist.

Anmerkung: die „vom fraglichen Haushalt erreichbare Umwelt“ ist nicht nur Natur. Auch andere Haushalte können Teil dieser Umwelt sein, wenn sie Ressourcen „in dieser Umwelt bereitstellen“.

Ich bezeichne also zum Beispiel auch freie Software (Open Source Software – ein freies Gut) als Ressource.

Man muß aber aufpassen, aus freien Gütern werden manchmal – oft rascher, als man denkt – knappe Güter, was wir aktuell an der Überfischung der Weltmeere oder bei der Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Treibhausgase merken.

Unter dem Begriff „Bewirtschaftung“ verstehe ich – wieder im Einklang mit der üblichen Wirtschaftstheorie – die „planvolle Befriedigung von Bedürfnissen“.

Um was geht es also?

Diesmal möchte ich anhand der oben angeführten Begriffe das eine oder andere Beispiel ausarbeiten, um den Begriff der „Wertschöpfung“ (engl. „added value“) näher zu beleuchten.

Weiters möchte ich auf die beiden Arten der Wertschöpfung eingehen, die mit den Einkunftsarten zu tun haben (siehe auch den Beitrag Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu):

  1. Wertschöpfung durch Überlassung von Vermögen gegen Miete/Pacht/Zins und
  2. Wertschöpfung durch Erwerbstätigkeit (selbständig, unselbständig, gewerblich, Land- und Forstwirtschaft)

Wenn wir nach Karl Marx gehen, dann ist 1. eine „böse“, weil „arbeitslose“ Wertschöpfung, und 2. ist die „gute“, weil „durch ehrliche Arbeit verdiente“ Wertschöpfung. Das wird zu hinterfragen sein.

Beginnen wir mit einem allgemeinen Exkurs, in dem der Begriff der Wertschöpfung noch keine zentrale Rolle spielt:

Beispiel 1-1: Alles ist Dienstleistung

Wie meine ich das?

Nun, wenn für ein Gut bezahlt wird (also genau genommen für ein „knappes“ Gut, „freie“ Güter wären ja gratis), dann wird das Geld immer einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen in die Hand gegeben. Es ist meiner Meinung noch nie vorgekommen, dass wir der Natur (oder irgendeinem Naturgott) Geld geopfert hätten, als Dank für eine Ressource, die wir der Natur entnommen haben.

Wenn wir für ein Gut einen Geldpreis
bezahlen, dann kommt
das Geld immer
Menschen zu gute.

Entsprechend der üblichen Wirtschaftstheorie gibt es folgende Arten von Realgütern (im Gegensatz zu Nominalgütern, also Geld und geldwerten Zahlungsmitteln):

  • Sachgüter
  • Dienstleistungen
  • Rechte

Ich behaupte nun, dass hinter allen Realgütern in Wirklichkeit menschliche Dienstleistungen stecken, also auch hinter Sachgütern und Rechten, die ja bereits an sich einen Nutzen und einen Wert haben, auch wenn wir den „menschlichen Aufwand dahinter“ nicht kennen:

Auch Realgüter außer
Dienstleistungen
(also auch Sachgüter und Rechte)
sind letzten Endes immer gleichbedeutend

mit einer Akkumulation von Dienstleistungen.
(Satz B1-3)

Um diesen Sachverhalt zu ventilieren, denken wir uns die Endmontage eines Autos. Sehr simpel betrachtet nehmen wir

  • ein Chassis,
  • einen Motor und
  • eine Karosserie

und stecken diese zusammen zu einem fertigen Auto (zumindest bei einem Auto von IKEA *) wäre das so einfach 🙂 ).

Abb. B1-1: Endmontage eines IKEA *) Autos

Was in Abbildung B1-1 sofort auffällt, ist die geringe Wertschöpfung bei der Endmontage des Autos.

  • Weil eine qualitativ hochwertige Montageanleitung als freies Gut (im World Wide Web) verfügbar ist und weil die Werkzeuge mit den Einzelteilen mitgeliefert werden, kann jeder mittelbegabte Otto Normalverbraucher solch ein Auto montieren.
  • Deshalb ist die Wertschöpfung bei der Endmontage auch so gering und deswegen wird sich kein Unternehmen finden, das die Montage durchführt.
  • Jeder Käufer muss das Auto in der eigenen Garage selbst zusammenbasteln. Der Brutto-Umsatz (BU) ist nur ein fiktiver Umsatz für den Fall, dass der Käufer des Bausatzes das Auto gleich nach der Montage doch noch weiterverkauft.

Jedenfalls ist klar, dass es sich zumindest bei der Endmontage um eine reine Dienstleistung handelt.

Die Vorleistungen sind nun alle Leistungen, die als Voraussetzung für die Endmontage erbracht worden sind:

  • Die Einzelteile (also Chassis, Motor und Karosserie) müssen hergestellt und geliefert werden:
    • Dahinter stecken unzählige Dienstleistungen, z.B. von der Montage des Motors bis hin zur Schürfung der Erze, die für die Rohstoffe des Motors das Ausgangsprodukt waren, nicht zu vergessen den Transport der jeweils halbfertigen Produkte zum nächsten Glied der Wertschöpfungskette.
      Zu diesen Dienstleistungen zählen anteilig auch die Mannstunden, die für benötigte Investitionsgüter aufgewendet worden sind (z.B. für eine Fabrikshalle, die sich im Eigentum einer der beteiligten Wirtschaftseinheiten befindet)
    • Dazu kommen anteilig auch Dienstleistungen, die in den beteiligten Wirtschaftseinheiten als unterstützende Leistungen erbracht werden (diverse Formen von Management, Führung und Kontrolle, verschiedene Formen von Infrastruktur wie zum Beispiel Wartung der Produktionsmittel und dergleichen)
    • Überlassungen von Produktionsmitteln, Finanzdienstleistungen und dergleichen, z.B.
      • die Vermietung (Überlassung) einer Immobilie für einen Produktionsstandort (das ist zweifelsfrei eine Dienstleistung)
      • die Eigentümer der beteiligten Wirtschaftseinheiten haben Kapital investiert, auch das ist zweifellos eine Dienstleistung (nämlich eine Finanzdienstleistung)
    • Für all das müssen nun auch Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden
      • Dass der Staat und die Sozialversicherungsträger Dienstleister sind, ist allgemein bekannt, und dass diese Dienstleistungen guten Gewissens als Vorleistungen gezählt werden können, die unsere Art des Wirtschaftens erst ermöglichen, ist auch leicht einsehbar.
      • Selbst wenn der Staat Teile der Steuern verwendet, um Sozialhilfe auszuschütten oder (andere) marode Firmen als Staatsunternehmen wieder aufzupäppeln, bevor er sie verkaufen kann, ist das eine Dienstleistung an den beteiligten Wirtschaftseinheiten: nämlich die Sicherstellung des sozialen Friedens.
    • Wir nehmen an, dass IKEA *) ein Patent auf eine besondere Art von Motor hat. Deswegen kann IKEA *) für diese Art von Motor eine künstliche Verknappung inszenieren, wodurch die Wertschöpfung für den Motorproduzenten steigt. Der Motorproduzent zahlt eine angemessene Lizenzgebühr, sodaß sich das Patent für IKEA rechnet. Die künstliche Verknappung durch das Patentrecht ist letzten Endes eine Dienstleistung des Rechtsstaats.
    • Bleibt noch die Frage, wie wir die Erstellung der eingangs erwähnten „qualitativ hochwertigen“ Montageanleitung verbuchen. Diese ist als „freies Gut“ in unbegrenzter Stückzahl für jeden Menschen mit Internetanschluß gratis kopierbar, kann also, weil gratis, nicht direkt als Vorleistung verrechnet werden.
      Irgendwann einmal mußte der „Erstling“ jedoch mühsam erarbeitet werden. Da IKEA *) sicher nicht auf diesen Kosten sitzenbleiben will, müssen diese durch eine „Umwegrentabilität“ gedeckt werden (wie bei allen „freien Gütern“, die marktwirtschaftlich produziert werden). Man könnte diese Montageanleitung zum Beispiel als Marketinginstrument verbuchen, das erst die Nachfrage nach derartigen Autos so richtig steigen läßt. Gepaart mit der oben genannten künstlichen Verknappung des Motors (dieser ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Autos), kann sich das rechnen. Auch die Erstellung des „Erstlings“ der Montageanleitung ist natürlich eine Dienstleistung.

*) Der Markenname IKEA wird in diesem Artikel zu satirischen Zwecken verwendet, um durch die satirische Überhöhung klar zu machen, dass man Möbel nicht mit Autos vergleichen kann

Wir sehen also:

Alles, wofür wir Geld ausgeben,
läuft letzten Endes
auf menschliche Dienstleistungen **)
hinaus.

**) Andersherum ist nicht gesagt, dass für jede menschliche Dienstleistung Geld verlangt werden muss, wenn es sich zum Beispiel nicht um eine Dienstleistung im Sinne der üblichen Wirtschaftstheorie handelt

Nun gehen wir medias in res, und werden uns dem Thema der Wertschöpfung nähern:

Beispiel 1-2: Von der Wertschöpfung

Anmerkung: Mehr zur Wertschöpfung bei Wikipedia – Wertschöpfung (Wirtschaft)

In Beispiel 1-1 ist uns bereits eine Wertschöpfung begegnet, die so jämmerlich klein war, dass sich kein Unternehmen ihrer angenommen hätte (weil die Vorleistungen fast den gesamten Produktionswert, also Umsatz, „aufgefressen“ hatten).

Und tatsächlich wird die Wertschöpfung als das Ziel der Produktion in jeder Geldwirtschaft bezeichnet. Immerhin entspricht sie dem Bruttogewinn, mit dem man sinnvolle Sachen machen kann (zum Beispiel das Eigenkapital aufstocken, um krisenfester zu werden, oder auch in Produktionsmittel oder Innovationen investieren), nachdem man den – leider notwendigen – Reingewinn an die Eigentümer ausbezahlt hat.

Definition der Wertschöpfung:

Wertschöpfung = Produktionswert – Vorleistungen

Ob das wirklich immer gilt – dass die Wertschöpfung unser oberstes Ziel sei – möchte ich anhand einiger Beispiele ventilieren. Dazu bediene ich mich wieder – siehe Abbildung B1-2 – unseres Modells von einem beliebigen Haushalt.

Der Haushalt H ist – zu einem bestimmten Zeitpunkt – eine Gemeinschaft von N bestimmten Personen, die ihr produktives Vermögen und ihr gebunkertes Vermögen (inklusive ihrer persönlichen Fähigkeiten) bewirtschaften, um ihre Bedürfnisse möglichst effizient zu befriedigen.

Abb. B1-2: Wirtschaftsuniversum aus Sicht des Haushalts H

Dazu produzieren sie unter Verwendung ihres produktiven Vermögens (inkl. ihrer persönlichen Fähigkeiten) bestimmte Güter, um diese

  • zu konsumieren (Nutzen sofort) bzw. zu investieren (Nutzen später),
  • für schlechte Zeiten einzulagern oder
  • den Überschuß zu exportieren.

Wenn die Produktion hinter dem Bedarf herhinkt, können sie in Ausnahme- (Krisen-)fällen

  • die Produktion aus dem gebunkerten Vermögen (Lager) auffetten.

Für den Export von Realgütern (also Sachgütern, Dienstleistungen und Rechten) erzielt man – zumindest in der Geldwirtschaft – einen Gegenwert an Nominalgütern (Geld und geldwerten Zahlungsmitteln) in Höhe des Umsatzes (Revenue R).

Vom Umsatz R kann man nun

  • Haushaltsmitgliedern einen gerechten Anteil am Exporterfolg zukommen lassen
  • das Geldvermögen vergrößern
  • Importe finanzieren – Kosten (Costs C)
    • um den Konsum aufzufetten
    • um das Lager für Krisenzeiten aufzufüllen
    • um in das produktive Vermögen zu investieren (Produktionsmittel, Innovation, Schulungen, …)

Die Wertschöpfung („added value“ AV) ergibt sich mit diesem Modell also zu

AV = R – C
Wertschöpfung = Umsatz – Kosten(Vorleistungen)
(Satz B1-4)

Wie sieht das nun aus, wenn wir einige konkrete Haushalte durchexerzieren?

Beispiel 1-2-1: der beliebte Jäger und Sammler

Wir wollen den Haushalt H hier als eine Sippe von Jägern und Sammlern interpretieren, der wir unterstellen, dass sie keine externen Kontakte zu anderen Sippen und also auch keine externe Währung habe (eigentlich eine gewagte Unterstellung).

Da wir es also nicht mit einer Geldwirtschaft zu tun haben, ist die Frage nach der Wertschöpfung eigentlich müßig, aber wir könnten zumindest versuchen, eine äquivalente Wertschöpfung nach der Formel

Wertschöpfung = Output – Input

zu beschreiben.

Da die Sippe keinen externen Markt als „menschlichen Widerpart“ hat, aus dessen Sicht diese Differenz bewertet werden könnte, versuchen wir die Sippe eben aus der „Sicht der Natur“ zu bewerten. Welchen Mehrwert könnte eine Sippe von Menschen für den Urwald haben? Was ist der Input? Was ist der Output?

Der Input ist natürlich der Verbrauch natürlicher Ressourcen, der dem Menschen zu eigen ist.

Aber was ist der Output des Menschen? Einfach nur Scheiße? Wos woar mei Leistung?

Was kann der Mensch besonders gut?

  1. Der Mensch hat Hände, er kann „Handlungen setzen“ und damit seine Umwelt „begreifen“
  2. Der Mensch hat ein großes Gehirn, um seine Umwelt zu „verstehen“

Mit diesen beiden Voraussetzungen und mit seiner Vernunft, mit der Fähigkeit zum Zuhören könnte er ein „weiser Landschaftsarchitekt“ sein, durch den auf der Erde vieles schöner, eleganter, vollkommener, man könnte sogar sagen besser würde. Das würde den Ressourcenverbrauch der Menschheit rechtfertigen.

Könnte, würde.

Beispiel 1-2-2: der beliebte Bauernhof

Jetzt wollen wir den Haushalt H als Bauernhof interpretieren, der nach wie vor „ziemlich autark“ agiert, aber aufgrund der effizienteren Produktionsmethoden des sesshaften Menschen einen Überschuß seiner Produkte zum Markt bringen kann.

Vom Umsatz R werden dann Luxusprodukte gekauft, also Produkte, die er selber nicht produzieren kann.

Man könnte eine Wertschöpfung berechnen, aber sie ist Null, weil R = C. Der gesamte Erlös der Überschüsse wird für Luxusprodukte ausgegeben, da der Bauernhof durch eine auf langer Erfahrung basierende Lagerhaltung auch in Krisenzeiten mit Geld eigentlich sonst nichts anfangen kann.

Natürlich könnte der Bauer eine Expansionsstrategie fahren, möglichst viel Geld sparen, und dann weitere Grundstücke dazu kaufen, aber unser Bauer ist eigentlich mit der Gesamtsituation zufrieden.

Beispiel 1-2-3: der beliebte alleinerziehende Software Entwickler

Dieser Angestellte und seine Rumpffamilie leben von seinem Nettogehalt und der Familienbeihilfe, das ist ihr Umsatz R.

Sie hätten gerne eine hohe Wertschöpfung, um sich mehr Manövrierspielraum zu verschaffen, aber sie haben nun mal kein Vermögen und müssen alle Produktionsmittel mieten, leasen oder ähnliches, was ihnen teuer zu stehen kommt.

Auch hier gilt R = C, Wertschöpfung gleich Null, obwohl er durch seine Arbeit bleibende Werte schafft.

Schön langsam zweifeln wir an der Aussagekraft der Maßzahl Wertschöpfung.

Beispiel 1-2-4: endlich der Produktionsbetrieb

Der Produktionsbetrieb hat, wie unser Software Entwickler, eigentlich keine nennenswerten Vermögenswerte vorzuweisen (außer ein paar Patenten und Markenrechten und einem bemerkenswerten Cash Flow). Aber die meisten Produktionsmittel, Gebäude, IT usw. muss er mieten bzw. leasen.

Dadurch behält er sich zwar seine Flexibilität – die er nicht hätte, wenn das alles sein Eigentum wäre – aber es kostet eben zusätzlich eine Lawine.

Er ist jedoch in der glücklichen Lage, dass er diese Kosten an seine Kunden weitergeben kann, weil er dank seiner gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeiter seinen Kunden eben einen richtigen Mehrwert (einen „added value“, eine „Wertschöpfung“) bieten kann.

Dadurch kommt der Kunde auch nicht in Versuchung diesen Zwischenschritt selber zu machen und direkt zu den Vorleistern zu gehen (so wie es der Endkunde des IKEA *) Autos getan hat, bzw. tun mußte).

Wir sehen, dass der Begriff des Mehrwertes – des „added value“ – insbesondere in der Wertschöpfungskette der Produktionsbetriebe eine wichtige Rolle spielt.

Beispiel 1-2-5: Na ja, der Staatshaushalt

Auch Staaten stehen, ähnlich den Produktionsbetrieben, in einem Wettbewerb zueinander. Große Wertschöpfung heißt, dass man teuer (bzw. wertvoll) exportiert, aber billig (bzw. preisgünstig) importiert. Reine Agrarländer – wenn es sie gäbe – hätten de facto eine Wertschöpfung von 100% (die Vorleistung heißt Wetter, ist gratis, und kommt vom lieben Gott), allerdings sollte man nicht die Abhängigkeit von Saatgut- und Düngerproduzenten unterschätzen, die sehr unangenehm werden könnte.

Je „höherwertig“ die Güter sind, die in einem Staat produziert werden, desto schwieriger wird es, die Kosten für all die Vorleistungen niedrig zu halten und noch eine verträgliche Wertschöpfung „hinzukriegen“. Gut wäre halt in jedem Land ein Mix aus niedrig- und hochwertigen Gütern, sodass man unabhängig bleibt, verteilt auf unterschiedlich fortschrittliche Regionen innerhalb des Staates, sodass die Produzenten mit ihren Lebenshaltungskosten und ihrem Lebensstandard klarkommen.

Ein alter Witz: unsere Regierung hat den Lebensstandard so hoch getrieben, dass ihn niemand mehr erreichen kann.

Beispiel 1-2-6: Ach ja, die Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft hat weder Exporte noch Importe – wie gesagt, solange wir keinen Kontakt mit den kleinen grünen Männchen haben -, sodaß es eine globale Wertschöpfung de facto nicht geben kann. Hier gilt wieder der Versuch einer äquivalenten Wertschöpfung, den wir im Beispiel 1-2-1 im Zusammenhang mit den Jägern und Sammlern bereits gemacht haben.

Nun haben wir – glaube ich – einigermaßen ventiliert, was Wertschöpfung an sich ist. Nun wollen wir noch versuchen, den Unterschied zwischen „guter“ und „böser“ Wertschöpfung (nach Karl Marx) zu behirnen.

Beispiel 1-3: Der „gute“ und der „böse“ Hauseigentümer

Laut Steuerrecht wird ja zwischen 7 Einkunftsarten unterschieden ( https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/fuer-unternehmen/einkommensteuer/einkommensbegriff.html ):

  1. Einkünfte aus selbständiger Arbeit
  2. Einkünfte aus Land/Forstwirtschaft
  3. Einkünfte aus Gewerbebetrieben
  4. Einkünfte aus unselbständiger Arbeit
  5. Einkünfte aus Kapitalvermögen
  6. Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung
  7. Sonstige Einkünfte

Wenn man ein sehr vereinfachtes Weltbild anstrebt, könnte man also die Menschen in 2 Klassen teilen:

  • Die vermögende Klasse, die hauptsächlich von Einkünften nach 5., 6. und 7. lebt
  • Die erwerbstätige Klasse, die hauptsächlich von Einkünften 1. – 4. lebt

Ich habe Karl Marx nie gelesen, aber man erzählt, er habe die Einkünfte durch Überlassung von Vermögen als „arbeitslose Einkünfte“ gebrandmarkt, die eben deswegen moralisch minderwertig seien, während er die Erwerbsarbeit wegen ihrer „ehrlichen Anstrengung“ als moralisch höherwertig lobte.

Aber wie ist es nun wirklich?

Können wir für diese Untersuchung wieder unser „Modell vom Haushalt H“ verwenden? Ich denke, ja.

Beginnen wir mit der von mir vorgeschlagenen Klassifizierung von Vermögen in „produktives Vermögen“ und „gebunkertes Vermögen“.

Gebunkertes Vermögen:

Der Begriff läßt vermuten, dass man dieses Vermögen in einen Bunker legt, weil man es nicht braucht.

Das stimmt nicht, bzw. nur teilweise.

Gebunkertes Vermögen hat die Eigenschaft, dass man es zur Zeit(!) nicht benötigt, dass man aber mit dem Eintritt von Risiken (Krisen, Produktionsausfällen und dergleichen) rechnet, deren Folgewirkungen mit Hilfe dieser Vermögenswerte gelindert oder gänzlich gut gemacht werden können.

Da die Risiken ja jederzeit eintreten können, kann man dieses „gebunkerte“ Vermögen auch niemandem überlassen (zum Beispiel herborgen oder es anlegen).

Produktives Vermögen:

Produktives Vermögen besteht einerseits aus Produktionsmitteln, die man in der Produktion direkt benötigt – auch diese Vermögensanteile wird man niemandem ohne Not überlassen -, und andererseits aus Werten, die man eigentlich nicht benötigt und deswegen anderen Menschen zeitweise oder dauerhaft überlassen kann.

Einerseits erwartet man sich für diese Überlassung natürlich Pacht, Miete oder Zinsen, die zumindest die Abschreibungen bzw. die Inflation decken, andererseits kann man sich nicht (viel) mehr erwarten, denn Geld ist „institutionalisiertes Dankeschön“, und welches Dankeschön bitte kann man erwarten, wenn man etwas herborgt, was man eh nicht braucht?

Dieser Gedankengang scheint Karl Marx zu unterstützen, aber wir werden noch ein Beispiel ventilieren, das uns näher an die Wahrheit heranführt.

Zuerst ein alter Witz: Ein Kreditinstitut ist wie ein Regenschirmgeschäft, das Regenschirme bei Sonnenschein verleiht, und bei Regen sofort wieder zurückfordert.

Wir stellen uns nun einen – den ersten – Hauseigentümer vor, der die Wohnungen seines Hauses nicht selber braucht (er hat ja eine Villa in Hietzing) und somit an Wohnungssuchende vermieten kann.

Er hat das Haus eben erst von einem entfernten Verwandten geerbt, kennt sich mit diesen Dingen eigentlich gar nicht aus und hat auch kein Interesse daran.

Um Kosten zu sparen, lädt er sich einen Mustervertrag aus dem Internet und fragt einfach im Nachbarhaus, was die Mieter dort an Miete zahlen. Diese Werte setzt er in den Mustervertrag ein und ist eigentlich recht glücklich mit der kosteneffizienten Lösung (er hat keine Beratung gebraucht und auch keinen Verwalter beauftragen müssen). Irgendwelche Mieter haben sich dann eh gefunden.

Beim ersten auftretenden Problem (einem Problem mit einer Eingangstür) stellt er sich taub und wartet, bis der Mieter klagt. Vor Gericht willigt er dann sofort in einen Vergleich ein. Auch wenn das etwas kostet, die Mühen, die er sich erspart hat, machen das alles wieder wett.

Letzten Endes wird er mit dieser Methode nicht so viel „herausquetschen“ wie andere Hauseigentümer, aber er hat ein sorgenfreies Leben, zumindest, was das Haus betrifft.

Ob die Mieter damit glücklich sind, sei dahingestellt.

Der zweite Hauseigentümer ist das aus Leidenschaft. Schon sein Vater und sein Großvater haben Wohnungen in ihren Zinshäusern vermietet.

Natürlich achtet er darauf, dass sich die Mietverhältnisse auch rechnen, aber er kennt die einschlägigen Gesetze aus dem ff. – auch die neuesten Änderungen und Entwicklungen – und hat das alles „ziemlich im Griff“.

Er braucht keinen Hausverwalter, um zu erkennen, wann eine Beschwerde gerechtfertigt ist, und wann es sich um eine Lappalie handelt, der man nicht nachgeben muss. Er kalkuliert „hart, aber gerecht“. Wenn ein Subunternehmer Mist gebaut hat, braucht er keinen Sachverständigen, sondern überzeugt den Handwerker mit fachspezifischen Argumenten, dass hier eine Korrektur angebracht wäre.

Er investiert viel seiner kostbaren Zeit in diese Angelegenheiten, muss aber nur sehr selten „seinen Rechtsanwalt mit juristischen Fragen belästigen“, weil er praktisch alles selber weiß – jahrelange Erfahrung.

Die Mieter haben durchwegs „ein gutes Gefühl“ und zahlen gerne eine leicht erhöhte Miete, weil sie die zusätzliche Dienstleistung, den „added value“, den „Mehrwert“ durch die Person des Vermieters schätzen.

Ist nun der erste Hausbesitzer „böse“ und der zweite „gut“?

So einfach kann man das nicht sagen. Es gibt Mieter, die schätzen die hohe „Lieferqualität“ des zweiten Hausbesitzers und den „Mehrwert“, andere Mieter hätten lieber einen Vermieter, der sich um nichts kümmert, weil sie eh alles selber im Griff haben und lieber im Gegenzug die Miete drücken.

Aber generell möchte ich schon sagen:

Wenn jemandem
gewisse Teile seines Vermögens
keinen Spaß mehr machen,
dann wäre es besser
sich davon zu trennen und
vom Erlös etwas Spaßiges
zu kaufen.

Meint

Euer Christoph


Lenkungseffekt, Machbarkeit, Gebet

September 24, 2021

Hauptartikel: Der Waldmensch ruft – (5/2b) Ressourcen II

Einleitung

Nun haben wir gewisse Grundbegriffe besprochen, damit wir wissen, worüber wir in der Serie „Der Waldmensch ruft“ sprechen (Was ist ein Haushalt? Was sind Ressourcen? Welche Prozesse gibt es in einem Haushalt?)

Nach einem Ausflug in die Theologie – nach theologischer Interpretation des Nachhaltigkeitsbegriffes -, den wir hier vorgenommen haben:

wollen wir nun unseren Ressourcenbegriff zu Ende führen.

Das Verursacherprinzip

Derjenige, der durch seinen – unausgeglichenen – Ressourcenumsatz – bei jemand anderem eine Umsatzeinbuße (oder eine Umsatzsteigerung) bewirkt, hat dafür gerade zu stehen (oder belohnt zu werden).

Siehe den Artikel Das Verursacherprinzip (Replik)

Sind Umweltschäden einfach Umsatzeinbußen woanders

Ja!

Siehe den Artikel Umweltschäden-Umsatzeinbußen (externe Effekte)

Hinweise zur Verortung des „RU“

  • Wer ist der Souverän?
  • Was genau sind Haushalt / Umwelt / Markt?
  • Der importierte ArbeitsPLATZ

Siehe den Artikel Hinweise zur Verortung des „RU“

Lenkungseffekt, Machbarkeit, Gebet

Wer zahlt, schafft an.

Und wer anschafft, zahlt.

(Satz 5-4-1)

Wie war das mit dem Lenkungseffekt und der Internalisierung externer Effekte (siehe HIER)? Wenn man die Ausgleichszahlung dem Haushalt aufbrummt, der den Umweltschaden VERURSACHT hat, dann wird, kann und darf er sich entscheiden, statt der Ausgleichszahlung ein umweltfreundlicheres Verhalten an den Tag zu legen.

Dieser sogenannte Lenkungseffekt hat nur einen Fehler: gerade die Menschen, die einen besonders großen ökologischen Fußabdruck haben (die Reichen und Mächtigen), können sich diese Ausgleichszahlungen sozusagen „aus der Portokassa leisten“, ohne ihr Verhalten ändern zu müssen.

Wir werden also sehen, ob die CO2-Steuer wirklich etwas bewirkt, außer dass die Armen wieder ärmer und die Reichen wieder reicher werden.

Die Machbarkeit unserer Umweltgelüste ist also – so sehr ich das Engagement der Greta Thunberg und der Fridays for Future und aller anderen Umweltaktivisten schätze – trotzdem fraglich.

Solange unsere Pläne und Hoffnungen nicht im Einklang sind mit dem, der der wirkliche Souverän ist, werden wir keinen Erfolg haben (und wer das ist, das hatte ich HIER geschrieben).

Meint

Euer Christoph

Nachwehen

Nachdem wir nun unseren Ressourcenbegriff zu Ende geführt haben, wollen wir noch ein paar Details aus der Serie VOM FREIEN NOMADEN ZUM SKLAVEN DES MARKTES (ZUSAMMENFASSUNG HIER) nachbessern, die sich im Prinzip mit demselben Thema beschäftigt hatte wie DER WALDMENSCH RUFT, jedoch sozusagen der VORLÄUFER ist, bei dem ich mir der Dinge noch nicht so recht bewußt war.

Hier also jetzt eine Liste von Themen, die in Zukunft evtl. noch bearbeitet werden.

Allerdings möchte ich meine Leser nicht langweilen und werde es wahrscheinlich von Eurem Feed Back abhängig machen, ob ich auf diese Themen noch einmal zurück komme.

Hier also die Liste:

1.) Kopfzahl:

  • möglichst viele Kinder haben / die Welt verändern,
  • Wachstum aus Geselligkeit,
  • N vergrößern wegen Macht des Fürsten,
  • sich ausbreiten „wie ein Ölfleck“.

—> die Grenzen des Wachstums

Was genau ist Wachstum? Angebot und Nachfrage? Die drei Arten, zu einem Preis zu kommen?

Sollen wir N reduzieren? Wie könnte das gehen? Verschiedene verrückte Ansätze. Stadt versus Land. Die Schlacht wird am Land geschlagen.

Nachhaltigkeit – Sustainability – Größe der Menschheit (wachsen oder schrumpfen) – einschneidende Ereignisse (notwendig oder nicht?)

2.) Erstes Kriterium: die Geheimnisse der Wertschöpfung. Erstes Kriterium. Möglichst wenig Transport? Unendliche Wertschöpfung.

3.) Zweites Kriterium: Schwund, Inflation – rekapituliere.

nachhaltig = keine menschliche Arbeitskraft verschwenden und krisensicher sein.

4.) Drittes Kriterium: Naturgesetze, externe Effekte.

5.) „Was kann ein einzelner Haushalt tun (die verschiedenen Verschachtelungen: Individuum, 1. – 4.)?“ und „sustainable growth“.

6.) Noch einmal Eigentum (zum x-ten Male wiederholt)

  1. Parzellierung – Intensivierung – Effizienz
  2. Natürliches Eigentum (Stakeholder) vs. Juristisches Eigentum (Shareholder)
  3. Urheberschaft ist gottgegeben / Eigentum ist nur geborgt
  4. noch einmal „geistiges Eigentum“ – mein Thema (the mission)
  5. Rolle der Wissenschaft bei der „Parzellierung des Know How“

Das Verursacherprinzip (Replik)

September 15, 2021

Hauptartikel: Der Waldmensch ruft – (5/2b) Ressourcen II

Einleitung

Nun haben wir gewisse Grundbegriffe besprochen, damit wir wissen, worüber wir in der Serie „Der Waldmensch ruft“ sprechen (Was ist ein Haushalt? Was sind Ressourcen? Welche Prozesse gibt es in einem Haushalt?)

Nach einem Ausflug in die Theologie – nach theologischer Interpretation des Nachhaltigkeitsbegriffes -, den wir hier vorgenommen haben:

wollen wir nun unseren Ressourcenbegriff zu Ende führen:

Das Verursacherprinzip

Solange sich alles im Haushalt H oder am Markt abspielt, ist das Prinzip „Quid pro Quo“ üblicherweise garantiert.

Natürlich kann man das Prinzip „Quid pro Quo“ hinterfragen – Jesus Christus hat das zum Beispiel getan -, und auch Mutterliebe wird nie fragen, ob sie „etwas zurückbekommt“, bevor sie dem Kind alles gibt.

Dieses Prinzip, dass also jede Leistung entweder direkt oder auf Umwegen wieder durch eine Gegenleistung „begründet“ bzw. „bedankt“ werden sollte, ist also eine der Grundsäulen des menschlichen Wirtschaftslebens.

Darauf baut die Tauschwirtschaft und – später – die Wirtschaft mit Geld als universellem Tauschmittel.

Trotzdem gibt es einen Player, dem gegenüber wir dieses Prinzip meist nicht anwenden, nämlich die Umwelt.

Wer bedankt sich bei dem Schwein, das er ißt?
Wer bedankt sich für die Luft, die er atmet?
Wer bedankt sich für den Tag und die Nacht, den Wechsel von Licht und Dunkelheit, die uns erst den richtigen Rhythmus geben?
Wer bedankt sich für den Ozean, der uns Nahrung gibt und das Festland, das uns Heimat gibt?

Wer bedankt sich für das Leben?

Und so habe auch ich in Abbildung 5-1-1 die Umwelt als „allumfassenden Hintergrund“ eingezeichnet, lasse aber die konkreten Beziehungen zwischen Haushalt H und Umwelt sowie zwischen Markt und Umwelt offen.

Abb. 5-1-1: Güterströme im Haushalt und zwischen Haushalt und Markt

Das, was mit der Umwelt ausgetauscht wird,
– das sind natürlich auch Güter*) –
bezeichne ich als Ressourcen.
(Satz 5-1-1)

*) Als Güter bezeichnen wir nach dem derzeitigen Erkenntnisstand Waren, Dienstleistungen und Daten

Leider ist der „Austausch“ von Ressourcen mit der Umwelt meist eben KEIN Tausch, sondern eine Einbahnstraße – eine Ausbeutung.

Kann sich die Natur wehren? Wir werden sehen.
(Satz 5-1-2)

Wie können wir die Ausbeutung der Umwelt in Worte fassen, feststellen, dingfest machen?

Einen allerersten Ansatz hatten wir HIER (XII – Externe Effekte) gemacht, indem wir den Schaden, den die Ressourcenumsätze verursachen, an der Umsatzeinbuße der anderen Haushalte messen wollten.

Abb. 5-1-2: Internalisierung externer Effekte nach dem VERURSACHERPRINZIP

In Abb. 5-1-2 sehen wir (in den braunen Pfeilen) den „direkten“ Ressourcenumsatz eines Haushaltes B und seinen „indirekten“ Ressourcenumsatz durch die Importe und Exporte vom/zum Markt.

Diese Ressourcenumsätze – die an sich kostenlos sind – verursachen im Haushalt A einen „externen Effekt“ und damit eine Umsatzeinbuße (oder auch -steigerung).

Der Souverän des Systems verurteilt Haushalt B zu einer Ausgleichszahlung genau in Höhe der verursachten Umsatzeinbuße (oder er erteilt Haushalt A den Befehl, Haushalt B für die Umsatzsteigerung zu belohnen).

Verortung der Ressourcenumsätze „RU“

Im Beitrag (2) Ich / Wir / Umwelt / Markt hatten wir die Prozesse im Haushalt kategorisiert.

Dabei sind wir daraufgekommen, dass es eigentlich nur 3 Kategorien gibt, denen man einen Ressourcenumsatz des Haushalts H zuordnen kann:

  • (PROD) Ressourcenumsatz durch Produktion aus Eigenleistung im Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte
  • (IMP) Ressourcenumsatz durch Import in den Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte
  • (LAG) Ressourcenumsatz durch Lagerung im Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte

Innerhalb dieser Kategorien kann man noch einmal unterscheiden nach der Art des Konsums, für den diese Güter gedacht sind:

  • Produktion (PROD-A) / Import (IMP-A) / Auslagerung (LAG-A) für die Aufrechterhaltug der Produktionsmittel (A)
  • Direkter Konsum aus den Produktionsmitteln (Konsument = Produzent, PROD-B)
  • Produktion (PROD-C) / Import (IMP-C) / Auslagerung (LAG-C) für den direkten Konsum (C)
  • Produktion (PROD-D) / Import (IMP-D) / Umlagerung (LAG-D) fürs Lager (D)
  • Produktion (PROD-E) / Import (IMP-E) / Auslagerung (LAG-E) für den Export (E)

Wir modellieren das so, dass dem Konsum an sich kein Ressourcenumsatz zugeordnet wird.

Sollte z.B. aus Nahrungsmitteln wieder Dung erzeugt werden, so ist das ein dem Konsum nachgelagerter, anderer Prozess: „Produktion für den Export“ (PROD-E).

Wegen Consumere (lat.) = „vollständig vernichten, zerstören“ passt das ganz gut, dass Konsum eben nichts mit der Umwelt zu tun hat, weil das Gut dabei komplett im Nichts aufgeht (und evtl. in einem nachgelagerten Prozess in andere Güter transformiert wird).

Wenn man nun alle relevanten Haushalte einzeichnet, die mit dem Haushalt H zu tun haben, also

  1. die Erwerbsstätte(n) des Haushalts H,
  2. die Konsumstätte(n) des Haushalts H und
  3. den Haushalt H selbst,

dann kommt man auf folgende Ressourcenumsätze, die mit Haushalt H zu tun haben:

  1. Indirekter Ressourcenumsatz an den Konsumstätten („RU“ K)
    z.B.:
    • Transport der Güter vom Großhändler zur Konsumstätte
    • Verpackungsmüll
    • usw.
  2. Direkter Ressourcenumsatz des Haushalts H („RU“ H)
    z.B.:
    • Abgase des privaten PKW bei Spazierfahrten
    • Abgase des privaten Rasenmähers
    • Kühlmittel aus dem Kühlschrank des Lagers
    • „Gerüche“ beim Lüften der Schlafzimmer
    • Sonneneinstrahlung im Wohnzimmer
    • Personen- und Güterverkehr für den Export
    • Personen- und Güterverkehr für den Import
    • Fahrten zum privaten Obstgarten
    • usw.
  3. Indirekter Ressourcenumsatz an den Erwerbsstätten („RU“ E)
    z.B.:
    • Transporte der Erzeugnisse zum Markt
    • Transporte der externen Vorleistungen zur Erwerbsstätte
    • Sonnenschein ins Büro
    • Dienstreisen
    • usw.
Abb. 5-1-3: Alle relevanten Haushalte (Überblick)

Eine Bemerkung zur Verortung der Transporte:

Der Umweltschaden, der durch Personen- und Gütertransporte verursacht wird, wird das entlang des Transportweges. Daraus – aus der Route – ergibt sich, welcher Souverän den Schaden in den Transportkosten einpreisen sollte.

Dafür aufkommen muss derjenige, in dessen Interesse / Auftrag der Transport erfolgt.

Z.B.:
Ich habe mir die Erwerbsstätte ausgesucht -> ich muss für den Transport meiner selbst zur und von der Erwerbsstätte aufkommen
Mein Arbeitgeber hat sich das Ziel der Dienstreise ausgesucht -> er muss für die Dienstreise aufkommen
Der Lebensmittelhändler hat sich das Ursprungsland ausgesucht -> er muss für den Transport aufkommen
Ich habe mir den Supermarkt ausgesucht -> ich muss für den Transport nach Hause aufkommen

=>

  • für „RU“ H muss der Haushalt H aufkommen
  • für „RU“ K muss die Konsumstätte aufkommen, kann und soll diese Kosten aber auf den Import des Haushalts H abwälzen
  • für „RU“ E muss die Erwerbsstätte aufkommen, sie kann und soll diese Kosten – die nichts mit dem Haushalt H zu tun haben – aber auf ihre Kunden abwälzen

Da die Produkte heutzutage aus einer Reihe von Vorleistungen zusammengesetzt werden, habe ich in Abbildung 5-1-4 nochmal den Markt weiter aufgeschlüsselt, wieder aus Sicht des Haushalts H.

Abb. 5-1-4: Alle relevanten Haushalte (Aufschlüsselung)
  • GO = gesamter Overhead
  • GO = anteiliges Nettoeinkommen aller Vorleister
  • NE = R = Nettoeinkommen des Haushalts H
  • R = Umsatz (Revenue) des Haushalts H
  • NE = Nettoeinkommen der Produzenten 1., 2., 3., .:. Ordnung
  • C = Gesamtkosten für den Import
  • C = Bruttoumsatz der Produktionsstätte 0. Ordnung
  • Produktionsstätte 0. Ordnung = Konsumstätte
  • GO = gesamter Overhead der Produktionsstätte N.ter Ordnung = Bruttoumsatz der Produktionsstätten (N+1)ter Ordnung

Die Verortung der Ressourcenumsätze in Abb. 5-1-4 ist die Hausaufgabe für den werten Leser 😛 (vielleicht komme ich später nochmal darauf zurück)

Meint

Euer Christoph

Sind Umweltschäden einfach Umsatzeinbußen woanders?

Diesen Artikel findet man HIER (Umweltschäden sind Umsatzeinbußen)

Detaillierte Verortung des „RU“

Diesen Artikel findet man HIER (Hinweise)

Lenkungseffekt, Machbarkeit, Gebet

IDiesen Artikel findet man HIER (Lenkungseffekt / Machbarkeit / Gebet)


Der Waldmensch ruft – (3/1a) Begriffe

September 5, 2021

In meiner neuen Serie von Beiträgen „Der Waldmensch ruft“ war mir der erste Beitrag einigermaßen daneben gegangen (siehe hier: (1)Begriffe):

Dort hatte ich versucht, die gesamte Thematik der Nachhaltigkeit und der Regionalität in einem einzigen Beitrag zu umreißen:

  • Grundlegende Begriffe: Haushalt, Produktion, Import, Export usw.
  • Das Wachstum der Menschheit (betr. Kopfzahl) ist die eigentliche Ursache dafür, dass wir im Laufe der Geschichte immer wieder Änderungen vornehmen mußten, um effizienter zu wirtschaften (effizienter betr. Ressourceneinsatz). Man nennt das Innovation
  • Spezialisierung, Handel, Marktwirtschaft, Arbeitsteilung usw.
  • Parzellierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche
  • Parzellierung des Know How (auf die Parzellierung der Produktionsmittel hatte ich vergessen)
  • Rolle der Wissenschaft
  • Vom geistigen Eigentum über die Digitalisierung bis zum 3D Drucker

Im zweiten Beitrag (siehe hier: (2)Ich+Wir+Umwelt+Markt) habe ich nun die Geschwindigkeit reduziert.

Dort habe ich versucht,

  • die grundlegendsten Begriffe anhand des Haushalts H zu erklären und zu definieren,
  • die Prozesse zu klassifizieren, die bei Produktion, Import und im Zusammenhang mit dem Lager auftreten und jeweils „RU“ verursachen (Ressourcenumsätze) und schließlich
  • die „RU“ geographisch und was die Verantwortlichkeit betrifft zu „verorten“.

Was die Verantwortlichkeit für die „RU“ betrifft, haben wir ganz primitiv, beim Höhlenmenschen, begonnen:

Ich will LEBEN =>
=> ich MUSS konsumieren =>
=> ich MUSS produzieren
(Satz 3-1a)

Das Leben war und ist also Ursprung und Ziel allen Wirtschaftens und eigentlich der gesamten Schöpfung und wird es immer sein.

Wenn wir nun nachhaltig leben wollen, also so, dass wir zum Schluß glücklich und zufrieden in die Ewigkeit gehen und nicht hadernd und unzufrieden in die Hölle, dann muss man diesen Satz ergänzen

Ich will NACHHALTIG LEBEN =>
=> ich muss so konsumieren und produzieren,
dass ich dabei
die GESETZE DES LEBENS einhalte
(Satz 3-1b)

Dabei wollen wir es diesmal belassen.

Mehr demnächst.

Meint

Euer Christoph


Der Waldmensch ruft – (2) Ich / Wir / Umwelt / Markt

September 3, 2021

1. Warum?

Im letzten Beitrag ((1) Begriffe) hatte ich mich im Eilzugtempo durchgehangelt – und zwar vom Beginn der Menschheit als Jäger und Sammler über den Nomaden und dann die Hofwirtschaft – bis hin zur modernen arbeitsteiligen Industriegesellschaft, die nun den Weg aus der Klimakrise sucht und hofft, nicht vom Planeten abgeschüttelt zu werden.

Dabei hatte ich eine Zeichnung angefertigt – die ich gleich nochmal wiederholen werde – in der die Konsumstätten und die Produktionsstätten vom Haushalt H getrennt eingezeichnet waren.

Das war gerechtfertigt, da diese zwar in der ehemaligen Hofwirtschaft noch in den Hof integriert waren (ausgenommen vielleicht das Dorfwirtshaus für externen Konsum),

jetzt aber definitiv getrennte geographische Verortungen hatten, die sich von den Verortungen des Haushalts (Hauptwohnsitze und Nebenwohnsitze der Haushaltsmitglieder) unterschieden.

Aber WARUM beschäftige ich mich mit all diesen Begriffen?

Ist es reine Hirnw*****rei, weil ich nicht ausgelastet bin? Nein, da würde ich mich lieber an den Strand legen.

Will ich mein Metier wechseln? Kann ich damit jemandem in den Ar*** kriechen? Eigentlich nicht (außer dem Stift Göttweig vielleicht, das sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt).

Möchte ich die Welt vor dem Klimawandel retten? Wäre das nicht ein wenig überheblich? Eben.

Brauche ich mehr Aufmerksamkeit für mein Ego? Vielleicht.

Wahrscheinlich ärgert mich aber nur der schier undurchdringliche Wust von widersprüchlichen Interessen (cui bono?), die offensichtliche Anwendung von Nebelgranaten (was sonst war die Plandemie, frage ich?) und generell die Wüste, die wir alle durchwandern, dürstend nach einem Tropfen Wahrheit.

Ja, es ist die Suche nach Wahrheit, die mich antreibt. Ich muss es zugeben.

Wer liebt noch die Wahrheit? Wer freut sich noch über einen Übeltäter, der beichtet? Wer will das Sein, nicht den Schein?

Wer hält das unangenehme Gefühl von Ent-Täuschung aus, das mit der Ent-deckung der Wahrheit einhergeht?

Das Märchen von der Machbarkeit muss als solches enttarnt werden.

Das Kind muss angesichts des Kaisers neuer Kleider ausrufen: „Aber, der Mann ist ja nackt!!!“

Man verzeihe mir. Dieses Kind bin ich.

2. Ressourcenrelevante Vorgänge

Die oben genannte Zeichnung, die ich nun in Abbildung 2-1 wiederhole, ist ganz praktisch, weil man die ressourcenrelevanten Vorgänge, die mit dem Haushalt H zusammenhängen, schön überblickt (blau eingezeichnet).

Abbildung 2-1: Getrennte Konsum- und Produktionsstätten, Ressourcenrelevante Vorgänge

Eigentlich möchte ich das Bild ja reduzieren, sodass man nur mehr folgende Elemente sieht:

  • Mich und meine Rumpffamilie (ICH + WIR = Haushalt H)
  • Die UMWELT (das, wo ICH, WIR und DER MARKT die RESSOURCEN umsetzen)
  • Den MARKT (dort, wo man für Geld alles bekommt, aber nicht für alles Geld)
Abbildung 2-2: das endgültige Modell für einen modernen Haushalt

In Abbildung 2-2 habe ich das gemacht, das ist jetzt ein sehr übersichtliches Modell.

Dennoch ist das Modell aus Abbildung 2-1 leichter verständlich, wenn man die Ressourcenumsätze verorten möchte (was wir ja wollen).

2.1. Aber laßt uns mal alle Vorgänge (Prozesse) beschreiben

Da sind einmal die auf den Haushalt H bezogenen Güterströme (Vektorgrößen): Produktion, Konsum, Export, Import, Einlagerung und Auslagerung.

In einem Haushalt H mit 15 verschiedenen Gütern wären das also zum Beispiel 15-dimensionale Vektoren.

Da gilt jetzt die Vektorgleichung (zu jedem Zeitpunkt, aber auch als Integral über einen Zeitraum)

(Gl. 2-1) (Produktion – Konsum) – (Export – Import) =
= (Einlagerung – Auslagerung)

Das ist die Knotengleichung für den schwarz eingezeichneten Knoten in Abbildung 2-2, an dem die Güterströme zusammenkommen bzw. abzweigen.

Mit Hilfe dieser Begriffe kann man nun versuchen Prozesse (Vorgänge) zu benennen. Ich nehme wieder einen beliebigen modernen Haushalt, der – beispielsweise – ein erwerbstätiges Mitglied hat, das in einer Firma als Angestellter arbeitet.

Durch gründliches Nachdenken findet man folgende Prozesse (Vorgänge), zuerst einmal die

2.1.1. Prozesse innerhalb des Hauhalts H

Die Produktionsprozesse innerhalb des Haushalts H

  • (PROD) Produktion des Haushalts (aller seiner Mitglieder)
    • (PROD-A) Herstellung und Pflege der Produktionsmittel durch eigene Leistung
      z.B. autodidakte Aus- und Weiterbildung (z.B. Wikipedia lesen), Hausarbeit, Gartenarbeit, Geschirr spülen, Betten machen usw.
    • (PROD-B) Produktion direkt aus den Produktionsmitteln
      z.B. Schlafen, Naschen von den Küchenvorräten, Chillen im Garten, alleine im Familienauto spazieren fahren usw.
    • (PROD-C) Erzeugung für den Direktkonsum
      z.B. Grillen im Garten, für Familie und Gäste kochen, als Chauffeur Personenkilometer mit dem Privatwagen generieren usw.
    • (PROD-D) Erzeugung fürs Lager
      z.B. Marmelade einkochen usw.
    • (PROD-E) Erzeugung für den Export
      z.B. Mannstunden für den Arbeitgeber, Abfälle*), Fäkalien*) usw.

*) Abfälle, Fäkalien und dergleichen haben einen „negativen Preis“, sodaß man für ihre Entsorgung zahlen muß. Sogar bei wiederverwendbaren Wertstoffen ist das teilweise so, was aber eigentlich ungerecht ist.

Dann die Importprozesse für den Haushalt H:

  • (IMP) Importieren für den Haushalt (für alle seine Mitglieder)
    • (IMP-A) Kauf von / Miete von / importierte Pflege für Produktionsmittel
      z.B. Studium, Aus- und Weiterbildung, neues Auto, Automechaniker, neues Bettzeug, neue Möbel, geleasedtes Auto usw.
    • (IMP-B) n/a
    • (IMP-C) Importe für den Direktkonsum
      z.B. Essen im Wirtshaus, Transport mit Öffis, Wasser, Fernwärme, Strom usw.
    • (IMP-D) Importe fürs Lager
      z.B. Küchenvorräte, Knabberzeug, Batterien, Lämpchen (Reserve PM) usw.
      aber auch Wertgegenstände als Anlagevermögen (Kunstwerke, Aktien, …)
    • (IMP-E) Importe für den Export
      z.B. wenn ich einen Teil meiner Mannstunden outsource (ist aber eher ein unrealistisches Beispiel)

Zum Schluß noch die Auslagerung aus dem/den Lager(n) des Haushalts H

  • (LAG) Auslagerung im Rahmen des Haushalts H
    • (LAG-A) Auslagerung für die Produktionsmittel
      z.B. Ersatzzündkerze fürs Auto (Eigenreparatur)
    • (LAG-B) n/a
    • (LAG-C) Auslagerung für den Konsum
      z.B. Konsum der Marmelade oder der Knabbersachen aus dem Lager usw.
    • (LAG-D) Umlagerung
    • (LAG-E) Export aus dem Lager

Wir wollen alle Ressourcenumsätze „RU“ des Haushalts H den Güterströmen Produktion, Import und Auslagerung zuordnen, die Güterströme Konsum, Export und Einlagerung wollen wir nicht mit Ressourcenumsätzen belasten.

Warum?

Man kann sich das so vorstellen, dass am schwarzen Punkt in Abb. 2-2, am Knoten der Güterströme, der Controller der Familie sitzt, der die hereinkommenden Güterströme – nach ihrem Personal- und Ressourceneinsatz – bewertet und dann den Nutzen bzw. Gewinn bewertet, den sie an einem der drei Ziele bringen werden.

So entscheidet er, wohin er welches Gut leitet.

In einer normalen Familie gibt es solch einen Controller natürlich nicht, er ist in dem Fall eine fiktive Vorstellung.

2.1.2. Geographische Verortung des Ressourcenumsatzes „RU“ mit der Umwelt

Der Controller am Güterknoten bewertet folgende Ressourcen

  1. Produktion / Import / Lagerung für die Produktionsmittel (PROD-A)/(IMP-A)/(LAG-A):
    • „RU“ für die Produktion, „RU“ für die Produktion im Markt (indirekt über den Kauf-/Mietpreis), „RU“ für den Lagerzeitraum des Gutes,
    • Transport des Gutes von der Produktionsstätte oder vom Lager zu Betriebsmittel(n)
  2. Direkte Produktion aus den/dem Betriebsmittel(n) (PROD-B)
    • „RU“ für die Produktion
    • [kein Transport (Produzent = Konsument)]
  3. Produktion / Import / Lagerung für den direkten Konsum (PROD-C)/(IMP-C)/(LAG-C)
    • „RU“ für die Produktion, „RU“ für die Produktion im Markt (indirekt über den Kauf-/Mietpreis), „RU“ für den Lagerzeitraum des Gutes,
    • Transport des Gutes von der Produktionsstätte oder vom Lager zum / zu den Konsumenten
    • siehe auch das nächste Kapitel
  4. Produktion / Import / Lagerung für das Lager (PROD-D)/(IMP-D)/(LAG-D)
    • „RU“ für die Produktion, „RU“ für die Produktion im Markt (indirekt über den Kauf-/Mietpreis), „RU“ für den bisherigen Lagerzeitraum des Gutes,
    • Transport des Gutes von der Produktionsstätte oder vom Lager zum (neuen) Lager
  5. Produktion / Import / Lagerung für den Export (PROD-E)/(IMP-E)/(LAG-E)
    • „RU“ für die Produktion, „RU“ für die Produktion im Markt (indirekt über den Kauf-/Mietpreis), „RU“ für den Lagerzeitraum des Gutes,
    • Transport des Gutes von der Produktionsstätte oder vom Lager zur Erwerbsstätte*)

*) Als Erwerbsstätte bezeichne ich die Produktionsstätte, an der ich meinen Umsatz mache. Im Falle eines unselbständig angestellten ist das eine Produktionsstätte meines Arbeitgebers – oder auch mein Home Office. Im Falle eines freien Bauern, der seine Güter am Wochenmarkt verkauft, ist das der Markt, der gleichzeitig eine Konsumstätte für die Kunden ist.

2.1.3. Ressourcenumsatz für den Import

Warum produzieren wir eigentlich?

Nun gut, wir MÜSSEN es tun, damit wir konsumieren können.

Und warum konsumieren wir?

Es lässt sich nicht leugnen, wir wollen LEBEN. Und das glücklich und zufrieden.

Ursprung und Ziel alles Wirtschaftens muss sein,
dass wir dereinst zufrieden und glücklich
in die Ewigkeit eingehen,
daran beißt die Maus keinen Faden ab.
(Satz 2-2)

Sollen wir also den Ressourcenumsatz bei der Produktion und beim Import durch eine Umsatzsteuer dem Konsumenten anlasten?

Eigentlich nicht, denn dann stimmt die Verortung nicht.

  • „RU“ bei der Produktion muss man den Produktionsstätte(n) anlasten,
  • „RU“ beim Transport dem Markt und alles
  • muss im Endpreis des Produktes „eingepreist“ sein.

Ressourcensparende Produkte sollen günstiger sein
als verschwenderische Produkte und dieses Geld
soll dort abgeführt werden, wo der
Schaden entstanden ist, nicht dort,
wo das Produkt konsumiert wird.
(Satz 2-3)

2.1.4. Ressourcenumsatz an der Erwerbsstätte

Den Ressourcenumsatz an der Erwerbsstätte darf man in unserem Beispiel nicht dem Haushalt H anlasten, denn dieser exportiert ja nicht, weil er diese Exporte konsumieren möchte, sondern weil er sich vom Erlös seine Importe leisten möchte (siehe Kapitel 2.1.3.).

Die Produktionsstätte produziert das Produkt ja, weil ANDERE Haushalte diese Produkte konsumieren wollen. Diese „RU“ müssen also dem Preis des Produktes angerechnet werden.

Den Transport meiner Wenigkeit zur Erwerbsstätte muss ich aber selber verantworten, denn ICH habe mir ja die Erwerbsstätte ausgesucht.

Meint

Euer Christoph