Der Waldmensch ruft – (1) Begriffe

August 29, 2021

Seit Anfang Mai hatte ich auf diesem Blog Beiträge geschrieben, Beiträge zu den Themen „Nachhaltigkeit“ und „Regionalität“

– und zwar unter dem Titel „Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes“ –

und bin mir ziemlich sicher, dass ich eine ziemlich komplette Rundschau um das Thema gehalten habe.

Die Zusammenfassung und die entsprechenden Links findet man hier:

ZUSAMMENFASSUNG
https://letztersein.com/2021/07/25/vom-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-x-zusammenschau/

Aber ich muss doch zugeben, dass ich sehr wenig recherchiert hatte und mir – insbesondere zur Mathematik der 4 heuristischen Kriterien – so allerhand „aus den Fingern gesogen“ habe.

So schwebt über dieser ganzen Aktion ein unangenehmes Gefühl von Pioniertum und gleichzeitiger Befürchtung das Rad neu zu erfinden.

Nun gut, wer mich kennt, der weiß mittlerweile, dass ich eigentlich kein Problem damit habe, diverse Räder immer wieder neu zu erfinden – aber es wäre halt schon toll, wenn ich zumindest das eine oder andere Wikipedia Zitat unter meine Beiträge mischen könnte.

So versuche ich, das Thema – insbesondere die Details – nocheinmal aufzurollen, und muss also einmal beginnen, die Begriffe, die ich verwende, zu definieren (mit oder ohne Zitate).

Da ist einmal die wirtschaftliche Grundmenge, mit der wir uns in unseren Beispielen beschäftigen wollen, nämlich

Das Habitat, der Hof und der Haushalt

Unsere Modellannahme für den Jäger und Sammler, bzw. den Nomaden war ein Abschnitt der Erdoberfläche, das Habitat H, welches für die Sippe von Menschen von Natur aus – also gratis – bestimmte Ressourcen zur Verfügung stellte und bestimmte Mengen von Abfallstoffen aufnehmen konnte.

Mit Hilfe dieser Ressourcen und dem unserer Spezies anhaftenden Ingenieursgeist war es möglich, Güter aller Art zu produzieren, zu konsumieren, und zwischendurch auch einzulagern.

Bei dieser Modellbildung hatten wir Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Habitaten und Sippen vernachlässigt, die Sippe mochte eine Art „interne Währung“ haben, aber eine „externe Währung“ zum Austausch zwischen verschiedenen Sippen hatte diesem Modell gefehlt.

Abbildung 1-1: Wirtschaftliche Vorgänge in einer autarken Sippe

Die Sippe besteht aus

  • N Mitgliedern,
  • den Produktionsmitteln PM und
  • dem Lager.

Die Größen Produktion, Konsum, Einlagerung und Auslagerung werden entweder als vektorielle Stromgrößen angegeben (jedes Element des Vektors ist der Momentanwert eines Güterstromes, gemessen als „Gütermenge pro Zeiteinheit“) oder als vektorielle Gütermengen (Zeitintegrale der Güterströme), bezogen auf einen Durchrechnungszeitraum.

Unabhängig davon gilt für das Modell aus Abbildung 1-1 immer folgende Gleichung:

Konsum = Produktion – Einlagerung + Auslagerung *)

*) Verluste, die beim Umlagern, Einlagern, Auslagern oder bei der Übergabe der Güter entstehen, sowie Verluste, die im Lager durch Zeitablauf bewirkt werden (z.B. wegen Fäulnis), kommen in dieser Gleichung noch nicht zum Tragen.

Ich würde alle diese Verluste unter dem Begriff „Schwund“ bzw. – wenn wir moralisieren wollen – „Verschwendung“ zusammenfassen, würde diese dem Lager zuordnen, und schließlich schreiben:

Produktion – Konsum =
= Einlagerung – Auslagerung
(Gl 1.1a gilt für Momentanwerte und Integrale,

aber nur bei autarken Sippen)

Einlagerung – Auslagerung – Schwund =
= d/dt Lagerstand

(Gl 1.2 gilt für Momentanwerte bei allen behandelten Modellen)

Einlagerung – Auslagerung – Schwund =
= Lagerstand(t1) – Lagerstand(t0)
(Gl. 1.3 gilt für Integrale bei allen behandelten Modellen)


Beispiel: Nomade mit 7 Gütern, Bezugszeitraum April – Oktober

  • 7 Güter
    • Milch, Butter, Pökelfleisch, Wolle
    • Gegenseitig-Entlausen, Geschichten-Erzählen
    • Pullover-Stricken
  • Bezugszeitraum
    • April (t0) bis Oktober (t1)

Produktion
500 l Milch
80 kg Butter
50 kg Pökelfleisch
30 kg Wolle
40 x Entlausen
600 h Erzählen
0h Stricken

Konsum
500 l Milch
80 kg Butter
0 kg Pökelfleisch
0 kg Wolle
40 x Entlausen
600 h Erzählen
0h Stricken

Einlagerung


50 kg Pökelfleisch
30 kg Wolle


Auslagerung


0 kg Pökelfleisch
0 kg Wolle


Schwund = (-, -, 2 kg Pökelfleisch, 1 kg Wolle, -, -, -).

Lagerstand(t1) – Lagerstand(t0) = (-, -, 48 kg Pökelfleisch, 29 kg Wolle, -, -, -)

Die ersten 4 Elemente des Vektors sind klassische Waren, wobei man Milch und Butter wegen fehlender Kühlungstechnologie aber nicht lagern konnte, die letzten drei Elemente sind Dienstleistungen (die per se nicht lagerfähig sind).


Da die Kopfzahl der Menschheit immer größer wurde, stieß man mit dieser Lebensweise an Grenzen, an die Grenzen des Wachstums. Die vorherrschende Technologie reichte nicht mehr aus, um mit Hilfe der natürlichen Ressourcen friedlich und leidlich existieren zu können.

Man konnte nicht einfach den Planeten verlassen (und auch wir sollten uns nicht täuschen, so schnell werden wir das nicht schaffen, dass wir der Klimakatastrophe entkommen; ein paar Milliardäre werden es vielleicht schaffen).

Also benötigte es Innovation.

Man mußte Mittel und Wege finden, um das Land intensiver zu bewirtschaften.

So wurden wir zu Ackerbauern und Viehzüchtern. Dabei war es wesentlich, einen modernen Begriff von Grundeigentum zu entwickeln.

Wir parzellierten das Land und jeder Bauer war auf Gedeih und Verderb „seiner Scholle“ ausgeliefert, ohne großen Spielraum für strategische Manöver zu haben *).

Stimmt das? Nicht ganz!

Denn es entwickelte sich auch der Markt und der Austausch von Gütern (Waren, Dienstleistungen und Daten), wodurch man die Möglichkeit erhielt, auch Güter zu erwerben, zu „importieren“, die man auf dem eigenen Hof nicht oder nur unwirtschaftlich herstellen konnte.

Das Zauberwort hieß Spezialisierung (jeder Bauer spezialisierte sich auf „seine“ Scholle), das zweite und das dritte Zauberwort waren Währungsunion und freier Güterverkehr.

Dass zweite und das dritte Zauberwort machten es notwendig, dass Machtzentren entstanden, in denen sich Fürsten um die Ermöglichung des Handels (also um die Währungspolitik und den Bau öffentlicher Wege) kümmerten.

*) Der gegenteilige Effekt ist bei modernen Unternehmen zu konstatieren, die das Eigentum fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Dem Eigentum werden wir – weiter unten in diesem Beitrag – noch ein eigenes Kapitel widmen.

Abbildung 1-2: Wirtschaftliche Vorgänge in einem Hof mit Außenhandel

Hier gilt die Gleichung

(Produktion – Konsum) – (Export – Import)=
= Einlagerung – Auslagerung
(Gl 1.1b gilt für Momentanwerte und Integrale,

wenn Außenhandel vorliegt)

Was Europäische Geschichte betrifft, befinden wir uns jetzt in dieser kleinen Erzählung mitten in der Renaissance, bzw. auch schon im Barock. Die Machtzentren sind mächtiger als je zuvor, die schönen Künste blühen und wir befinden uns am Höhepunkt, knapp vor dem Niedergang der Universitäten. Die Idee der Universitas, dass man also eine umfassende Bildung anstrebte, um ein ganzheitliches Leben in der Wissenschaft zu führen, trifft zum Schluß angeblich nur mehr auf einen einzigen Menschen zu, auf den sogenannten „letzten Universalgelehrten“, Gottfried Wilhelm Leibniz **).

**) Dieser gesamte Absatz kann hinterfragt werden, da es Spezialisierung auch schon im Mittelalter gab – auch Universitäten – siehe die Kommentare unten von Kardinal Novize Igor

Damals stieß die Menschheit an die Grenzen des wissenschaftlichen Wachstums von Einzelkämpfern.

Wir wissen aber auch, dass zu diesem Zeitpunkt bereits die Druckerpresse erfunden war und dass somit nichts dagegen sprach, in der Wissenschaft kollaborativ zu arbeiten. D.h., man war sich einig, dass internationale Zusammenarbeit und Austausch der Forschungsergebisse der richtige Weg waren, um die Grenzen des wissenschaftlichen Wachstums zu sprengen.

Bis heute sind Wissenschaftler ein sehr mobiles Völkchen geblieben 🙂

Im Gegensatz zur Wissenschaft – die immer ein fürstliches Anliegen und somit gut dotiert war – mußte man im Gewerbe andere Wege gehen, um die Grenzen des menschlichen Gehirns zu sprengen.

Einerseits mußte man die besten Fachleute einer Disziplin agglomerieren, sodass sie sich gegenseitig befruchteten und noch bessere Ergebnisse lieferten – die Menschheit wuchs ja gnadenlos – andererseits mußte man mit diesen Ergebnissen unternehmensweite Standards ausarbeiten, sodass auch weniger talentierte – billigere – Fachleute mit Hilfe dieser Standards fast genau so gute Ergebnisse liefern konnten.

Die Kunden sollten nicht mehr einem
bestimmten „Guru“ oder „Meister“ vertrauen,
sondern der Marke des Unternehmens.

Der „Meister“, der „Guru“ hingegen verschenkte seine „Skills“, sein „Know How“, sein „geistiges Eigentum“ an den Unternehmer und war danach von dessen Gnade abhängig. Er musste ständig weiterlernen und immer neue Wissensgebiete beackern, um „immer am Ball zu bleiben“ und so weiterhin von Interesse für den Unternehmer zu sein.

Und jetzt – mit diesen Standards – kommen wir zu den interessanten Themen Unternehmensgeheimnisse, geistiges Eigentum, Patentrecht, Markenrecht und Daten / Information im Allgemeinen.

Auch darüber wollen wir – weiter unten – noch ein paar Worte verlieren.

Ich wage also zu behaupten:

So wie die Menschheit bei der Sesshaftwerdung
die land- und forstwirtschaftlichen Flächen parzelliert hat,
um das Land intensiver zu bewirtschaften,

so hat sie bei der Industrialisierung,
(aber eigentlich auch schon beim technischen
Fortschritt im Mittelalter **)
die Know How Landschaft parzelliert,
um das Know How intensiver zu nützen.

Die Firmen haben schließlich von den Universitäten gelernt, dass globale Kooperation die Effizienz steigert und die Standardisierung wurde outgesourced in nationale, kontinentale und internationale Gremien, die seitdem versuchen, sich mit literarischen Werken über Wasser zu halten, indem sie die „Meister“, die „Gurus“ an sich ziehen und immer weitere Know How Gebiete zu besetzen.

Die Universitäten hingegen müssen aufpassen, dass sie nicht zur staatlich geförderten „verlängerten Werkbank“ der Firmen werden.

Denn es ist die heilige Aufgabe der Wissenschaft, neue Know How Gebiete „der himmlischen Sphäre zu entreißen“ und „den Sterblichen zu bringen“.

War es nicht der Halbgott Prometheus, der den
Göttern das Feuer stahl und es den Menschen
brachte?

Und brauchte es nicht eine ganze Menge James Watts
und George Stephensons, die mit ihren Ingenieurleistungen
das Feuer zähmten, sodass es letzten Endes in einer
Dampfmaschine den Menschen diente?

Die realen Gebiete, in denen der Mensch Land-, Forst- und Fischwirtschaft betreibt, sind beschränkt und man kann diese Formen der Wirtschaft nicht unendlich intensivieren (ohne an Lebensqualität einzubüßen) ***). Das ist die natürliche Grenze, die der Kopfzahl N der Menschheit hier auf Erden gesetzt ist (der Mensch muss sich nur zu einem großen Teil in Städte – Mega-Cities – zurückziehen, damit Platz für die Lebensmittelherstellung bleibt).

***) das ist eine unbewiesene Behauptung „aus dem Bauch heraus“

Aber die virtuellen – die neu erschaffenen – Know How Gebiete, die die Wissenschaft kreiert hat, können von der Wirtschaft beliebig beackert werden, hier ist die einzige Grenze nur die Phantasie der Menschen – und die ist fast grenzenlos. Im Bereich der virtuellen Welten, die wir füreinander entwerfen, könnten wir Milliarden von Menschen sinnvoll beschäftigen.

Es wäre der Menschheit auch zu raten, soziale Leistungen, die bisher nicht nach Euronen bewertet werden – Krankenbesuche, mit Kindern am Spielplatz zu spielen, Jugendarbeit in der Pfarre, Kinderbetreuung usw. – oder auch Sozialberufe oder Gesundheitsberufe aufzuwerten durch monetäres Danke sagen.

Hier hat die Wirtschaft auch noch Wachstumschancen.

Jetzt aber zum Diagramm mit allen Wirtschaftsbeziehungen eines Haushalts H:

Abbildung 1-3: Wirtschaftliche Vorgänge rund um den Haushalt H
blau: ressourcenrelevante Vorgänge

Da Konsum, Leben und Produktion heutzutage voneinander meistens getrennt sind (daran könnte vermehrter Einsatz von Home Office etwas ändern), habe ich hier Konsumstätte(n), Produktionsstätte(n) und den Haushalt H getrennt gezeichnet.

Der Haushalt H hat ein privates Lager und private Produktionsmittel, die aber meistens in der Erwerbstätigkeit der erwerbstätigen Haushaltsmitglieder keine oder nur eine geringe Rolle spielen werden.

Aus privater Sicht habe ich ein Nettoeinkommen NE von NE = 17 Einheiten. Mit jeder meiner Arbeitsstunden kann der Chef der Produktionsstätte – das ist eine R&D Abteilung in irgendeinem Unternehmen – einen Umsatz von z.B. 80 Einheiten lukrieren (das ist z.B. der interne Stundensatz). Die fehlenden 63 Einheiten sind der gesamte Overhead GO.

Der gesamte Overhead, das sind alle, aber auch wirklich alle externen und internen Vorleistungen, die durch „meine Produkte“ (die 100% Erwerbs-Produktion), also durch die 63 Einheiten finanziert werden, inklusive Steuern und Sozialabgaben, so sie bereits vom Unternehmer abgeführt werden.

Wenn man meine Private Wertschöpfung = NE / GO = 17 / 63 ~ 27% berechnet, dann wird klar, dass die drei eingezeichneten Produkte nicht „meine Produkte“ sind, sondern dass ich auf die Vorleistungen der anderen Kollegen sozusagen nur „den Schlußstein draufsetze“ (27%), dieser Ehre darf ich mich nicht entziehen.

Und „meine Produkte“ sind ja auch wieder nur Vorleistungen, auf die jemand anderer – intern oder extern – den Schlußstein setzt, und so fort, bis letzten Endes ein Endprodukt ausgeliefert wird, und die letzte Produktionsstätte in der Wertschöpfungskette einen Umsatz erzielt sowie Umsatzsteuer abführt.

Betriebswirtschaftlich hat natürlich jedes Produkt – und jeder Mitarbeiter – verschiedene Werte der Wertschöpfung, nur für mich privat kann ich das am Nettoeinkommen und am erzielten Bruttoumsatz ablesen.

Alle drei – Konsumstätte(n), Haushalt H und Produktionsstätte(n) *) – sind an sich geographisch verortet, was notwendig ist, um den Ressourcenumsatz den entsprechenden politischen Gebietskörperschaften zuzuordnen – wenn meine Firma im Nachbarort steht, dann ist auch der Bürgermeister des Nachbarortes zuständig, den Ressourcenumsatz der Firma zu besteuern.

*) Die Produktionsstätte(n), in der/denen ich mein Geld verdiene (erwerbe), nenne ich deswegen auch Erwerbsstätte(n), um klar zu machen, dass für mich nicht die dortige Produktion im Mittelpunkt steht, sondern der Gelderwerb**).

**) Hier kratze ich an alteingesessenen Mythen, ich weiß 😉

„RU“ steht also für den – geographisch verorteten – Ressourcenumsatz, der je nach Umweltgesetzgebung entsprechend subventioniert und/oder besteuert wird.

Auch der Markt hat einen Ressourcenumsatz, welcher entlang der Transportrouten und in den Zwischenlagern zu verorten ist.

Die Vorleistungen, die Güter der externen Vorleister, müssen erst zur Produktionsstätte transportiert werden, ausserdem gibt es sicher die eine oder andere Dienstreise vom Vorleister zur Produktionsstätte. All das ist der Vorleistungsverkehr „VLV“.

Berufsverkehr „BV“ = ich muss mich ja – zumindest zwei-, dreimal die Woche, körperlich zur Produktionsstätte begeben.

Konsumverkehr „KV“ – Konsum findet ja nicht immer in den eigenen vier Wänden statt.

Wer für welchen dieser Ressourcenumsätze verantwortlich ist – dafür aufzukommen hat – damit möchte ich mich später in dieser Serie noch beschäftigen.

Jetzt aber zu meinem Lieblingsthema:

Alles dreht sich heute um geistiges Eigentum

Zum Vermögen (eines Individuums, einer Familie, einer Firma, einer staatlichen Einrichtung, einer NGO/NPO), zählen nicht nur die drei Arten von Gütern, die wir bereits kennen, also

  • Waren,
  • Dienstleistungen und
  • Daten.

Nein, zum Vermögen zählen auch Rechte.

Ich würde sagen, Rechte sind – so wie auch Geld – eine spezielle Form einer Ware:

  1. sie lassen sich nicht kopieren (zumindest nicht unautorisiert),
  2. sie sind gut lagerbar,
  3. aber es ist manchmal schwer, ihren Wert in Euronen anzugeben.

So, wie Geldscheine eigentlich nur ein „Recht auf Güter“ sind (ein Schuldschein der Zentralbank), so sind Aktien verbriefte Anteile am Eigentumsrecht über eine Firma*).

Patentrechte und Markenrechte sind Rechte, bestimmte Verfahren zur Lösung eines technischen Problems gewerblich zu nutzen (Patentrecht) und andere Marktteilnehmer daran zu hindern, bzw. gewisse einprägsame Merkmale im Zusammenhang mit einer Marke zu verwenden (Markenrecht) und andere Marktteilnehmer daran zu hindern.

*) Eigentum ist das Recht, über eine Sache zu verfügen, einschließlich dem Recht, diese Sache zu zerstören. Dieses Recht ist nur eingeschränkt durch einen „sozialen Vorbehalt“, wonach sich der Eigentümer bezüglich dieser Sache nicht so benehmen darf, als wäre er der einzige, der mit dieser Sache zu tun habe. Sogenannte Stakeholder (die aufgrund irgendeiner Tatsache ein natürliches Interesse haben, bei dieser Sache mitzureden) haben also so etwas wie ein „natürliches Mitspracherecht“. Das letzte Wort hat aber der juristische Eigentümer.

Wir haben davon gesprochen, dass der „Guru“ bzw. der „Meister“ sein „geistiges Eigentum“ dem Unternehmer abgetreten hat, welcher dann daraus Patentrechte bzw. Markenrechte lukrierte.

Aber worin fußt eigentlich das „Recht“ eines „Gurus“ oder eines „Meisters“, über „seine Werke“ zu „herrschen“?

Das wollen wir im nächsten Kapitel ventilieren.

Urheberschaft ist gottgegeben, Eigentum ist nur geborgt

Jeder Urheber eines Kunstwerkes oder eines literarischen Werkes (also auch einer Software) hat von selbst – ohne Zutun – das Urheberrecht, einzig und allein durch die Tatsache, dass er/sie dieses Werk erschaffen – geschöpft – hat.

Das erinnert ein wenig an das Recht Geld zu schöpfen, welches nur der Zentralbank zukommt.

So wie Geldscheine vom Zentralbankgouverneur unterschrieben werden, so werden Kunstwerke und literarische Werke (und Software) oft vom Schöpfer signiert. Diese Unterschrift garantiert für den Wert des Werkes – bzw. des Geldes.

Das Urheberrecht kann weder verkauft noch sonst irgendwie weitergegeben werden, es ist und bleibt ein Recht des Urhebers und ist bis 70 Jahre nach dessen Tod wirksam.

Erst 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers kann man seine Werke bedenkenlos nutzen.

Ein bisschen schwieriger wird die tatsächliche Durchsetzung des Urheberrechts, insbesondere bei digitalen Daten, welche schwer vor dem Kopieren geschützt werden können.

Was den Umgang mit Daten und Software betrifft, herrscht heutzutage noch ein heilloses Chaos von verschiedensten Ansätzen (DRM, Upload-Filter, usw.) und ich kann einem geldgierigen Jüngling keinesfalls empfehlen, in das Metier der IT einzusteigen. Das rechnet sich nicht. In der IT brauchst Du ein gerüttelt Maß an Altruismus, insbesondere gegenüber Deinem Arbeitgeber, der Dich beim Jammern immer noch haushoch schlägt 🙂

Ich bevorzuge die Begriffe vom Erstling und von der Kopie.

Das Erstellen des Erstlings einer Software ist eine Dienstleistung und es ist immens teuer.

Das Erstellen einer Kopie des Erstlings ist saubillig – und es ist ebenfalls eine Dienstleistung.

Beide Programme – Erstling und Kopie – leisten aber dasselbe. Wie soll man das monetär bewerten?

Wenn man eine Herangehensweise wählt, mit der man a) den Erstling „im Griff behält“ (sog. „geschlossener“ Erstling) und b) das unkontrollierte Weiterkopieren der Software technisch unterbindet, dann kann man die Kosten des Erstlings in den Lizenzen für die Kopien einpreisen. Das ist aber tendenziell unzuverlässig und es neigt dazu, aus offenen Gesellschaften geschlossene zu machen.

Bei einem „offenen“ Erstling tendiere ich dazu, dessen Erstellung als einen „Dienst an der Gesellschaft“ zu interpretieren, der auch von der Öffentlichkeit entsprechend abgegolten wird. Das Modell wäre ähnlich wie die Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft – öffentlich finanzierte Dickbrettbohrer – und privatem Sektor – privat finanzierte Dünnbrettbohrer.

Die Öffentlichkeit kümmert sich um die Erstellung des offenen Erstlings und die Infrastruktur für das Kopieren (mit „Öffentlichkeit“ kann auch eine NPO/NGO gemeint sein), die Privatwirtschaft kümmert sich um die Hardware, die zum Ablauf der Kopie benötigt wird.

3D Drucker – Druckerpresse Next Generation

Bis jetzt war es so, dass die Hardware eines Computers fix vorgegeben ist.

Der Computer steht einmal so herum, und ist „an sich“ ein Generalist. Er ist a priori in der Lage, Daten zu verarbeiten und durch die Verarbeitung der Daten durch eine bestimmte Software wird aus diesen Daten dann nützliche Information.

In der Computer-Hardware und in der Firmware sind alle möglichen S/R-Schemata „angelegt“, die dann durch die konkrete Software erst konkret durchgeführt werden.

Die Diskette mit dem Label „MS Flight Simulator“ IST kein Flugsimulator, aber sie MACHT einen Flugsimulator aus dem PC.

Einige wenige Spezialisten haben viele Stunden investiert, um den „MS Flight Simulator“ zu erstellen, aber jetzt ist er 1-2-3 kopiert und kann von jedem mathematischen Laien verwendet werden, um komplexe flugdynamische Berechnungen anzustellen, die einem das Gefühl geben „ich fliege“.

Und mit dem 3D Drucker gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Mit Hilfe dieses Geräts bin ich nicht auf die generalisierte Hardware eines PC oder einer Konsole angewiesen, nein ich kann spezifische Hardware selbst erstellen, wieder aufgrund der harten Arbeit einiger Spezialisten, die den Bauplan erarbeitet haben, den ich dann in den 3D Drucker füttere.

Wie Ihr wisst, halte ich den
Begriff der Digitalisierung für fehlgeleitet.
Schon in den 90er Jahren war die allermeiste Hardware,
die wir benutzten, digital.
Analoge Hardware gibt es jetzt kaum noch.

Ich denke, dass der Begriff „Virtualisierung“,
bzw. „Computerisierung“
den Sachverhalt besser treffen würde.

Meint

Euer Christoph


Liebe? Liebe!

Dezember 28, 2017

Weihnachten ist das Fest der Liebe! Sagt man.

Gott sei Dank ist es vorüber.

Millionen von Müttern, Schwiegermüttern und Ehefrauen versuchen jedes Jahr, ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme „aus dem Hut zu zaubern“, das allerorten mit Liebe verwechselt wird.

Aber ist das nicht nur sentimentaler Neurosengatsch, mit dem wir versuchen, alle dazu zu bringen, zumindest einmal im Jahr nach unserer Pfeife zu tanzen?

Was ist das wirklich? Liebe?

Im Deutschen haben wir leider nur ein einziges Wort für „Liebe“.

In anderen Sprachen gibt es zumindest „Amor“ und „Caritas“, und dann noch die „Amicitia“, die man am besten mit „Freundschaft“ übersetzen kann.

Im Deutschen verwenden viele Frauen die Worte „mögen“ und „lieben“, damit sie eine Trennlinie ziehen zwischen „Kumpel“ und „Freund“.

Dabei meinen sie, das „Verliebtsein“ sei eine höhere Form von „mögen“, die nur einem Menschen vorbehalten bleibt.

Ich würde folgendes Wording vorschlagen: ich „mag“ einen Menschen, wenn ich ihn „gern habe“, wenn ich mir noch etwas „von ihm erwarte“. Wenn ich auf seine Zukunft und unsere Zukunft noch Hoffnungen setze. Das ist also „verliebt sein“ und hat sehr viel mit Egoismus zu tun – mit einem guten Egoismus, der die Gesellschaft innerhalb der Grenzen zusammenhält. Das ist also am ehesten mit „Freundschaft“ oder „amicitia“ zu übersetzen. „verliebt sein“ = „mögen“ = „gern haben“ = „guter Egoismus“.

Dann gibt es noch den „Eros“, also die erotische Liebe zwischen Mann und Frau, die einerseits ein „gemeinsames Spiel“ und ein „gemeinsames Erregtsein“ darstellt und als ebenfalls guter „gemeinsamer Egoismus“ der Fortpflanzung als Ziel dient. Diese Kräfte sind sehr starke Kräfte, die in jedem Menschen schlummern und deren Beherrschung ein hohes Maß an Verantwortung fordert. Wenn wir diese Kräfte nicht beherrschen, dann können ganze Gesellschaften zerbrechen.

Und – last but not least – gibt es die „caritas“, also die selbstlose Liebe, die für den Anderen immer nur das Gute will. Diese Form der Liebe hat viel mit Mitleid zu tun und ihre Grundlage ist die unvergängliche Würde eines jeden Menschen – eines jeden Lebewesens – die aus seiner Gotteskindschaft folgt, ob Freund oder Feind. Diese höchste Form der Liebe überwindet Grenzen und dient dem grenzüberschreitenden Frieden. Sie ist nur aus dem Glauben begründbar und ist der einzige Weg zu dauerhaftem Wohlstand und Frieden der gesamten Menschheit. Man kann auch Altruismus dazu sagen.

Hass ist nur ein Gefühl. Liebe ist mehr als ein Gefühl. Wir sollten zu Weihnachten nicht beim „sentimentalen Neurosengatsch“ hängen bleiben, sondern daran denken, dass die Geburt Jesu etwas durch und durch unsentimentales war. Ein schwangeres Flüchtlingspaar hat wegen des Mitleids eines Wirten einen allerletzten Platz in einem stinkenden Stall bekommen, und die Geburt Jesu weist bereits auf das Kreuz hin. Auf den Kalvarienberg.

Dort – am Kreuz – hat Jesus uns erlöst. Nicht in einem Palast, sondern mitten im Leben und mitten im Tod. Und in der Auferstehung, die uns Hoffnung gibt.

Meint
Euer Christoph


Schmetterlingskinder

Oktober 27, 2017

Es gibt „physische“ Schmetterlingskinder, über deren Krankheit wird immer wieder berichtet, davon will ich jetzt auch gar nicht so sehr schreiben.

Die haben eh ihre Beschützer.

Aber ist Euch schon einmal aufgefallen, dass es auch „psychische“ Schmetterlingskinder gibt?

Ich meine die psychischen Effekte, die auftreten, wenn jemand „eine dünne Haut“ hat.

Also: alle Ereignisse nimmt man sich wahnsinnig zu Herzen.

Man hat dauernd das Gefühl, sich an einem Bifurkationspunkt zu befinden und alles – wirklich alles – hängt davon ab, ob und wie ich mit dem Flügel schlage.

Wenn ich auch nur ein falsches Wort sage, wird mich das System ausspucken, mein Mann wird mich im Stich lassen und ich stehe allein da.

Wenn ich auch nur einen Fehler mache, werde ich meinen Job verlieren und nie mehr wieder arbeiten können.

Wenn ich mein Projekt falsch anlege, wird der dritte Weltkrieg ausbrechen.

Und schließlich: Wenn ich auch nur den kleinsten Fehler mache, dann werden sie mich umbringen.

Hmmmmmmm, jetzt kommt der Moment der Vernunft – die intellektuelle Niederkunft – ich werd‘ ja sowieso sterben.

Ahso.

Alles klar.

Ruhe kehrt ein.

Wenn uns der liebe Gott auf den letzten Metern zum Grab noch jeden Tag eine kleine Challenge schenkt – damit uns nicht gar so fad ist – dann ist das schon sehr viel.

Meint

Euer Christoph


Mitleid ist kein Business Case

Juli 29, 2017

Es haben schon sehr viel weisere Menschen über das Thema „Verliebtheit vs. Liebe“ geschrieben und gesprochen.

Ich glaube, ich werde da nicht viel beitragen können.

Aber eines ist die Liebe, die Nächstenliebe, die „Caritas“, die allen Christen aufgetragen ist.

Das ist kein Gefühl, keine Duselei, sondern eine beinharte Lebenseinstellung.

Sich selber nicht so wichtig zu nehmen, sondern das Ganze im Auge zu behalten. Bis hin zur Feindesliebe.

„Caritas“ hat viel mit Mitleid zu tun.

Aber ist die „Caritas“ die Liebe, die eine Frau meint, wenn sie sagt: „Dieser Mann ist ein guter Freund für mich, wir sind in allem einer Meinung, haben dieselben Hobbies und passen sehr gut zusammen, aber ich liebe ihn nicht“.

Oder ist es eher die Antwort auf die Frage: „Was fühlst Du in der Nähe dieses Mannes?“


Reden wir also von „Verliebtheit“?

Verliebtheit ist ein Gefühl. Es ist die Erwartung, dass mir dieser Mensch noch etwas geben wird.

Also eigentlich sehr egoistisch.

Aber warum verwenden Frauen das Wort „Liebe“ für Egoismus?

Lange Pause.

Noch immer lange Pause.

Frauen sind beinharte Geschäftsleute im Fortpflanzungsbusiness.

Nein, kein Scherz.

Wenn ein Mann „es wert ist“, dann verliebt sich eine Frau in ihn.

Warum man dafür das große Wort Liebe verwendet?

Weiss ich nicht.

Meint
Euer Christoph


Von der Identität – verbesserte Version

Juli 21, 2017

Aufgrund der Diskussionen über den Text des neuesten religiösen Büchleins, der im Entstehen begriffen ist, habe ich den Text ein wenig abgerundet: hier der Auszug.

 

Das ist eine Puppe

Im Büchlein „Über die Realität“ habe ich mich zu einem Satz verstiegen, wo ich behaupte:

Alles, was mit sich selbst ident ist, ist ein Teil der Realität.

Die Identität ist eine wesentliche Sache, wenn wir Menschen das Universum erfassen.

Und es ist tatsächlich so simpel, dass man es einem kleinen Kind nicht erklären muss.

Ganz einfach geht die Identitätsbildung vor sich, indem man einem Kind einen Gegenstand zeigt und dazu sagt:

„(Das ist ein) Ball“

oder

„(Das ist eine) Puppe“.

Das ist eine natürliche Sache, die sehr simpel funktioniert.

Erst später beginnen wir, darüber nachzudenken.

Wenn der Puppe ein Arm ausgerissen wird, und wir ersetzen den Arm durch einen Ersatzarm – ist das immer noch dieselbe Puppe?

Angenommen, ich ersetze an einem Ding einen Teil nach dem anderen, bis alle Teile ersetzt worden sind. Bleibt es immer noch dasselbe Ding?

Wie ist das mit den Elektronen in einem Molekül?

Kann man da die einzelnen Elektronen voneinander unterscheiden? Handelt es sich immer um dieselben Elektronen? Oder sprechen wir nicht viel eher von einem „Elektronengas“ oder von unanschaulichen „Quanten­zu­stän­den“?

Sind Atomkerne mit sich selbst ident? Könnte man alle Atomkerne der Welt – zumindest theoretisch – durch­nu­merieren und man hätte dann lauter individuelle Atomkerne?

Oder wabert das ganze Universum als eine undefinierbare Materiewolke vor sich hin und die Identitäten, die wir wahrnehmen, sind eigentlich Schimären, die unsere Eltern uns eingeredet haben?

Na, und bei den materiellen Realitäten – also bei Atomen und Mole­külen – nennen wir sie einfach einmal „die Wirklichkeit“ – ist es ja noch vergleichsweise einfach.

Aber was ist mit den immateriellen Realitäten – nennen wir sie einfach mal „die Wahrheit“?

Ist Darth Vader immer derselbe, ganz egal, ob er von John im mittleren Westen, von Jacques in Paris oder von Erik in Norwegen perzipiert wird? Meinen wir alle dasselbe, wenn wir von Darth Vader sprechen, lesen und hören?

Der Streit geht auseinander, manche Leute behaupten, literarische Wahrheiten seien klarer definiert als so manche historischen Wahr­heiten. Über Peter Pan wissen wir mehr, als über den historischen Jesus Christus – das neue Testament ist kein Geschichtsbuch, sondern eine Sammlung von Geschichten, wenngleich einige historische Tat­sachen zugrunde liegen.

Und so ist diese grundlegende Frage, dieses „Was ist das?“, bzw. dieses „Wer ist das?“ eine Frage, die uns nie ganz losläßt, nie ganz loslassen wird.

Zeit, darüber ein kleines Büchlein zu schreiben.

Identität ist notwendig für Beziehung

Wenn mir meine Mutter gesagt hat „das ist ein Ball“, dann hat sie mir ermöglicht, mit dem Ball in Beziehung zu treten.

Und sie hat mir ermöglicht, anderen Menschen über meine Bezie­hung zu dem Ball zu erzählen: „Böser Ball hat mir weh getan“.

Identität folgt also nicht aus den Naturgesetzen, sondern Identität ist eine notwendige Voraussetzung, um Modellbildung betreiben zu können.

Erst nach der Modellbildung sind wir überhaupt in der Lage, Naturgesetze zu formulieren.

Sollte z.B. ein Quantentheoretiker unter meinen Lesern das Gegenteil herleiten können, bitte ich darum, mich zu korrigieren.

So liege der Verdacht nahe, dass die Identität etwas sei, das wir Men­schen hauptsächlich aus psychosozialen Gründen benötigten, und das wir aus diesem kühlen Grunde „in das Universum hinein­inter­pre­tie­rten“.

Damit wir uns nicht so verdammt alleine fühlten, beseelten wir die Natur, dächten uns alle möglichen Götter aus und ausserdem glaubten wir, dass der Mensch dazu erschaffen sei, die wahre Liebe zu finden.

Ewige Sehnsucht.

Aber auch ewige Triebkraft.

Einander kennzulernen, die wahre Identität zu entdecken, was versteckt sich hinter der Fassade?

Neugier.

Hoffnung.

Und Enttäuschung.

Ist es nicht oft so, dass die Phantasien über unser Gegenüber viel mehr verheissen, als die tatsächliche Erfahrung dann übriglässt?

Ist das Kennenlernen eines Menschen nicht ein langer Weg von Enttäuschungen?

Wenn ich in Äußerlichkeiten verliebt bin – und nicht in die Seele dieses Menschen, die seine eigentliche Identität ist – dann muss die Beziehung zwangsweise erkalten.

Sie muss erkalten, sobald sich der Mensch ändert – sobald die Akzi­den­zien einen anderen Weg nehmen, als ich es mir gewünscht habe.

Ich habe mich in einer virtuelle Identität verliebt und nicht in eine reale Identität.

Die reale Identität eines Menschen, das ist das, was er im Innersten IST, das ist der Name, bei dem Gott diesen Menschen gerufen hat.

Seine Seele.

Reif durch Enttäuschung

Eine Enttäuschung ist immer auch eine Ent-Täuschung.

Nach einer Enttäuschung ist man um eine Täuschung ärmer, aber auch um eine Erfahrung reicher.

Und man ist näher an der Wahrheit. Wahres Ziel unserer Sehnsucht.

Nicht mehr ge-täuscht, sondern ent-täuscht.

Es gibt (nur) einen Gott

„Oida, ich sag‘ Dir. Mein Gott ist besser als Deiner. Der wird ihn fertig machen. Sag‘ ich.“

Es gibt immer noch Menschen, die an den Spruch glauben „Wir sind die Guten und die Anderen müssen besiegt werden“.

Jetzt kommt die Ent-Täuschung: „Ihr beide – Ihr, die Ihr Euch streitet – Du und Du, es gibt nur einen Gott – Ihr habt aber unterschiedliche Gottesmodelle„.

Wenn wir uns streiten, dann stellen wir uns beide gegen Gott, den Herrn des Universums, der unser Vater ist und unser Bestes will.

Es gibt nichts, was so sehr mit sich selbst ident ist, wie dieser Gott.

Und wenn wir auch ein Fünkchen dieser Identität, dieser Gegenwart, in uns spüren, dann sind wir schon große Hoffnungsträger.

Diese große Einigkeit, dieser große Frieden, diese Gelassenheit, diese Freude, dieses Kindsein und diese Hoffnung.

Hmmmmmmm, es gibt nur einen Gott? Heisst das jetzt, dass alle Religionen gleichwertig sind, und dass es keinen Unterschied macht, ob ich Katholik bin, Protestant, Freikirchler, orthodoxer, Schiit, Sunnit, Jude, Atheist oder etwas anderes?

Haben alle Religionen die Wahrheit? Gibt es viele Wahrheiten? Dürfen Widersprüche so stehen bleiben?

Nun ja, ich habe ja schon gesagt, es ist wichtig zu unterscheiden zwischen Gott und Gottesmodell. Auch wenn es nur einen Gott gibt, so heisst das, und gerade das heisst das, dass manche Gottesmodelle besser sein werden und andere schlechter.

Und nur einer – nämlich Jesus Christus, Gottes Sohn und Erlöser des Universums, konnte ein Modell bilden, das tatsächlich Gott IST. Jeder Katholik weiss, wovon ich rede.

 

 

Meint

Euer Christoph


Von der Identität

Juli 17, 2017

Wie Ihr wisst, hatte ich ein paar „Kleine religiöse Büchlein“ geschrieben (siehe Kleine religiöse Büchlein ) und möchte noch eines hinzufügen, das „Von der Identität“ handeln wird.

Hier jetzt erste Textproben:

 

Das ist eine Puppe

Im Büchlein „Über die Realität“ habe ich mich zu einem Satz verstiegen, wo ich behaupte:

Alles, was mit sich selbst ident ist, ist ein Teil der Realität.

Die Identität ist eine wesentliche Sache, wenn wir Menschen das Universum erfassen.

Und es ist tatsächlich so simpel, dass man es einem kleinen Kind nicht erklären muss.

Ganz einfach geht die Identitätsbildung vor sich, indem man einem Kind einen Gegenstand zeigt und dazu sagt:

„(Das ist ein) Ball“

oder

„(Das ist eine) Puppe“.

Das ist eine natürliche Sache, die sehr simpel funktioniert.

Erst später beginnen wir, darüber nachzudenken.

Wenn der Puppe ein Arm ausgerissen wird, und wir ersetzen den Arm durch einen Ersatzarm – ist das immer noch dieselbe Puppe?

Angenommen, ich ersetze an einem Ding einen Teil nach dem anderen, bis alle Teile ersetzt worden sind. Bleibt es immer noch dasselbe Ding?

Wie ist das mit den Elektronen in einem Molekül?

Kann man da die einzelnen Elektronen voneinander unterscheiden? Handelt es sich immer um dieselben Elektronen? Oder sprechen wir nicht viel eher von einem „Elektronengas“ oder von unanschaulichen „Quanten­zu­stän­den“?

Sind Atomkerne mit sich selbst ident? Könnte man alle Atomkerne der Welt – zumindest theoretisch – durch­nu­merieren und man hätte dann lauter individuelle Atomkerne?

Oder wabert das ganze Universum als eine undefinierbare Materiewolke vor sich hin und die Identitäten, die wir wahrnehmen, sind eigentlich Schimären, die unsere Eltern uns eingeredet haben?

Na, und bei den materiellen Realitäten – also bei Atomen und Mole­külen – nennen wir sie einfach einmal „die Wirklichkeit“ – ist es ja noch vergleichsweise einfach.

Aber was ist mit den immateriellen Realitäten – nennen wir sie einfach mal die „Wahrheit“?

Ist Darth Vader immer derselbe, ganz egal, ob er von John im mittleren Westen, von Jacques in Paris oder von Erik in Norwegen perzipiert wird? Meinen wir alle dasselbe, wenn wir von Darth Vader sprechen, lesen und hören?

Der Streit geht auseinander, manche Leute behaupten, literarische Wahrheiten seien klarer definiert als so manche historischen Wahrheiten. Über Peter Pan wissen wir mehr, als über den historischen Jesus Christus – das neue Testament ist kein Geschichtsbuch, sondern eine Sammlung von Geschichten, wenngleich einige historische Tatsachen zugrunde liegen.

Und so ist diese grundlegende Frage, dieses „Was ist das?“, bzw. dieses „Wer ist das?“ eine Frage, die uns nie ganz losläßt, nie ganz loslassen wird.

Zeit, darüber ein kleines Büchlein zu schreiben.

 

 

Identität ist notwendig für Beziehung

Wenn mir meine Mutter gesagt hat „das ist ein Ball“, dann hat sie mir ermöglicht, mit dem Ball in Beziehung zu treten.

Und sie hat mir ermöglicht, anderen Menschen über meine Bezie­hung zu dem Ball zu erzählen: „Böser Ball hat mir weh getan“.

Identität folgt also nicht aus den Naturgesetzen, sondern Identität ist eine notwendige Voraussetzung, um Modellbildung betreiben zu können.

Erst nach der Modellbildung sind wir überhaupt in der Lage, Naturgesetze zu formulieren.

Sollte z.B. ein Quantentheoretiker unter meinen Lesern das Gegenteil herleiten können, bitte ich darum, mich zu korrigieren.

So liege der Verdacht nahe, dass die Identität etwas sei, das wir Men­schen hauptsächlich aus psychosozialen Gründen benötigten, und das wir aus diesem kühlen Grunde „in das Universum hinein­inter­pre­tie­rten“.

Damit wir uns nicht so verdammt alleine fühlten, beseelten wir die Natur, dächten uns alle möglichen Götter aus und ausserdem glaubten wir, dass der Mensch dazu erschaffen sei, die wahre Liebe zu finden.

Ewige Sehnsucht.

Aber auch ewige Triebkraft.

Einander kennzulernen, die wahre Identität zu entdecken, was versteckt sich hinter der Fassade?

Neugier.

Hoffnung.

Und Enttäuschung.

 

 

Reif durch Enttäuschung

Eine Enttäuschung ist immer auch eine Ent-Täuschung.

Nach einer Enttäuschung ist man um eine Täuschung ärmer, aber auch um eine Erfahrung reicher.

Und man ist näher an der Wahrheit. Wahres Ziel unserer Sehnsucht.

Nicht mehr ge-täuscht, sondern ent-täuscht.

 

 

Es gibt (nur) einen Gott

„Oida, ich sag‘ Dir. Mein Gott ist besser als Deiner. Der wird ihn fertig machen. Sag‘ ich.“

Es gibt immer noch Menschen, die an den Spruch glauben „Wir sind die Guten und die Anderen müssen besiegt werden“.

Jetzt kommt die Ent-Täuschung: „Du, und ich, wir glauben an denselben Gott – es gibt nur einen“.

Wenn wir uns streiten, dann stellen wir uns beide gegen Gott, den Herrn des Universums, der unser Vater ist und unser Bestes will.

Es gibt nichts, was so sehr mit sich selbst ident ist, wie dieser Gott.

Und wenn wir auch ein Fünkchen dieser Identität, dieser Gegenwart, in uns spüren, dann sind wir schon große Hoffnungsträger.

Diese große Einigkeit, dieser große Frieden, diese Gelassenheit, diese Freude, dieses Kindsein und diese Hoffnung.


Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Mai 28, 2017

Stimmt das?

Darf man aus Indizien auf Fakten schließen?

Hmmmmmmm.

Es ist schwierig, wenn man einer „Schimäre“ nachrennt und immer nur Ahnungen hat, aber keine Zeugenaussagen.

Wenn aber alles „passt“ und niemand eine bessere Erklärung hat?

Wenn man mit Hilfe dieser „Schimäre“ tatsächlich in die Zukunft schauen kann und es kommt tatsächlich so, wie man geahnt hat?

Wenn man zu den Menschen hinkonvergiert, die einem dann die Wahrheit berichten können?

Finanzieller Erfolg ist kein Beweis für Wahrheit.

Wahrheit ist, „wenn’s stimmt“.

Meint
Euer Christoph


Brief an meine Tochter – 2017-05-25

Mai 28, 2017

Betreff: SrrTrains – die ganze Geschichte – aus heutiger Sicht

Liebe C.!

Begonnen hat die ganze Geschichte damit, dass ich

a) im Zuge meiner Diplomarbeit (1993 – 1997) draufgekommen bin, dass man mit Hilfe von GPS Uhren hochgenau synchronisieren kann
b) eine Fernsehdokumentation über die F-117A (den ersten Tarnkappenbomber „Night Hawk“) gesehen habe

Beides zusammengenommen war ich dann der Meinung, dass sowohl GPS als auch TCP/IP (das Internet) nur deswegen erfunden worden sind, damit der Tarnkappenbomber fliegen kann (technische Details kann ich Dir gerne erklären, im Prinzip geht es um „bistatisches RADAR“).

Also hatte der Tarnkappenbomber (der in meiner Phantasie mit der Metapher „Darth Vader“ gleichgesetzt wird) zwei Kinder, nämlich GPS (Leia) und TCP/IP (Luke). Das ist natürlich nur eine Metapher.

Weil mir niemand bestätigen oder widerlegen konnte, ob ich recht habe, war das eine sehr anstrengende Zeit – Du musst Dir vorstellen, Du hast etwas Grundlegendes entdeckt, aber niemand bestätigt oder widerlegt es, alle gehen aber davon aus, dass Du verrückt bist, insbesondere Deine Frau.

Nun kam ich dahinter, dass Darth Vader noch ein drittes Kind gehabt haben könnte: was wäre, wenn die 3D Graphik auch ein Kind der Tarnkappentechnologie wäre? Technische Details auf Nachfrage.

Das führte im Jahr 2000/2002 zur Erfindungsmeldung DIGITS. Siemens hat mir diese Erfindung dann freigegeben. Da Siemens nicht wusste, wie man damit Geld machen soll, haben sie mir die Verantwortung umgehängt. Damals gab’s noch kein Google Earth, aber wie ich später nachgelesen habe, war es bereits in Entwicklung.

Ausserdem bekam ich den Hinweis, dass ich nicht immer nur an die F-117A denken soll, sondern auch an Drohnen (und Roboter).

Dann habe ich die „Zifferngeschichte“ (Geschichte von DIGITS) geschrieben.

Im Jahr 2005 (Einstein’s Jahr!) war die Ideenfindung für die Idee DIGITS abgeschlossen, das ich immer noch mit mir herumtrage.

Im Jahr 2007 habe ich mein erstes Blog begonnen, weil ich gefühlt habe, dass ich über diese Idee veröffentlichen MUSS (Web 2.0 kam mir damals zu Hilfe).

Dann habe ich die Zifferngeschichte veröffentlicht und begonnen die Erzählung (genau genommen die „Drehbuchskizzen“) „Das dritte Kind“ zu schreiben.

Bei Siemens habe ich 2007 die Idee „SIMULRR“ abgegeben, die zu Ostern 2008 freigegeben worden ist (auch hier wollte Siemens nicht die Verantwortung übernehmen).

Zu Ostern 2008 habe ich mit dem X3D Hobby begonnen – zuerst mit einem Rollercoaster Projekt.

Frühling 2009 war ich sicher, dass man X3D für die virtuelle Modelleisenbahn verwenden kann und habe mit dem „SrrTrains v0.01“ Projekt begonnen.

März 2010 musste ich die Firma wechseln (das hat sich schon 2009 abgezeichnet). März 2010 war auch die „erste LAN Party“ des SrrTrains v0.01 Projekts.

Dann kam noch die Idee dazu, die „unteren Schichten“ von SrrTrains „zu begraben“ (eine Schicht tiefer zu legen) – das ist SMUOS – und es kam die Idee dazu, die virtuelle Multiuser Szene mit der „real reality“ zu verbinden (SMS = Simple Multiuser Scene).

Das Blog erstersein.wordpress.com wurde von zweitersein.wordpress.com abgelöst, als ich begann, den zweiten Teil des „dritten Kindes“ zu schreiben. Das dritte und letzte Blog heisst jetzt letztersein.wordpress.com.

Es gibt eine Master-Page, das ist die „Page der ignatio-franziskanischen Revolutionsassistenten“, die ich halb im Scherz und halb ernsthaft gegründet habe

https://letztersein.wordpress.com/die-projekte/

Ein paar inoffizielle Dinge findet man auf http://members.chello.at/christoph.valentin

Jetzt aber ein großes Danke, dass Du diese E-Mail zuverlässig aufheben wirst, und stress Dich nicht beim Lesen, Du hast alle Zeit der Welt 🙂

Bussi
Papa


Das letzte Büchlein ist jetzt fertig

Mai 2, 2017

Version 0.5 vom 2. Mai 2017

Alle Downloads hier: Kleine religiöse Büchlein

Vom Bösen (v0.5 vom 2017-05-02)

1. Ist alles relativ?

Wir haben es uns gemütlich gemacht in unserem Zeitalter der Abgeklärtheit.

In einem Zeitalter, in dem es keine Maßstäbe gibt, an die wir uns halten können oder müssen,

keine Grenzen, die man uns setzt,

keine Werte, die man in die andere Waagschale legen könnte und

keine Autorität.

Und habe ich mit meinen „kleinen religiösen Büchlein“ über die Wahrheit und von der Erkenntnis nicht auch einen Teil dazu beigetragen, dass wir das gesamte Universum relativieren?

„Es gibt viele Modelle der Wirklichkeit“ haben wir gelesen, und tatsächlich scheint kein Mensch in der Lage zu sein, ein tatsächliches Urteil zu fällen über Wahrheit und Lüge,

über Gott und Teufel,

über Kalt und Heiss und schließlich

über Gut und Böse.

Auch dieses Büchlein heisst „vom Bösen“, was wieder eine gewisse Ambivalenz in sich birgt, weil nicht klar ist, ob ich über „den Bösen“ schreiben werde oder über „das Böse“.

Beginnen wir mit den letzten Worten des siebenten Büchleins „vom Geliebtwerden“. Dort schreibe ich einige Zeilen darüber, dass Gott uns liebt, und dass Gott von uns geliebt werden möchte.

[…]Wer könnte solch eine Liebe zurückweisen?

Fragt sich

Euer Christoph[…]

ende ich, und das ist auch schon der Kern des Bösen:

Gottes Liebe zurückweisen.

Liebe ist nichts für Weicheier.

Liebe fordert alles.

Liebe betrifft den ganzen Menschen mit all seinen Schwächen und Fehlern, aber auch all seinen Stärken.

Klar, dass man da zurückschreckt und instinktiv in eine Abwehrhaltung geht.

Und so, wie es viele Gründe für die Liebe gibt, so gibt es auch viele Gründe, die dagegen sprechen:

  • Naaa, bitte neeed. Gerade jetzt wär’s so schön aufm Sofa mit dem Bier in der Hand
  • Muss des wirklich sein?
  • Könn‘ ma das ned auf Morgen verschieben?
  • Des bringt ma meine ganzen Pläne durcheinander

Nun gut, der Kern des Bösen ist die Lieblosigkeit, aber ist es jetzt „der Böse“ oder ist es „das Böse“, der/das uns das Leben schwer macht?

Wir wollen in diesem Büchlein versuchen, uns diesem Thema über verschiedene Beispiele zu nähern.

2. Das/Der Böse ist immer modern

Wenn man sich dem Bösen annähern möchte, dann kommt man um eine Erkenntnis nicht herum.

Das/Der Böse ist leicht, modern, sexy und attraktiv.

Wie leicht ist es zu sagen: „Der Stärkere setzt sich durch, der Markt wird das schon regeln“.

Wie schwer ist es: „Wir müssen zueinander stehen und gegen das Böse in uns ankommen. Wir dürfen den Schwächeren nicht ausnützen und wir müssen dem Armen und Kranken helfen, den Witwen und Waisen“.

Diese Hilfe kann so weit gehen, dass es richtig gehend weh tut.

Wir müssen unserem Herzen einen Ruck geben, dort wo es träge vor sich hindümpeln will und wo eingefahrene Bahnen uns immer auf der schiefen Ebene nach unten ziehen möchten.

Wenn man gut sein möchte, dann muss man damit rechnen, dass das uncool ist und man muss damit rechnen, dass man ausgelacht wird.

Wenn man heutzutage urchristliche Begriffe wie „Verantwortung“ und „Gerechtigkeit“ in den Mund nimmt, dann gilt man bereits als Marxist, als Ewiggestriger, der dem Fortschritt und dem Wachstum nur im Wege steht.

Aber man muss das Böse/den Bösen dort erkennen, wo der Starke auf den Schwachen keine Rücksicht nimmt, dort, wo der Führende dem Nacheilenden keine Ausbildung zukommen lässt und keine Nachhilfe.

Dort, wo der Obere demjenigen, der eh schon am Boden liegt, auch noch einen Fußtritt verpasst und sagt, das ist gut so, denn die natürliche Ordnung sei das Recht des Stärkeren.

Mit derartigen Philosophien hat der Nationalsozialismus begonnen, und die nächste Menschheitskatastrophe beginnt schon wieder mit genau denselben Argumentationen.

Wenn die Natur es nicht schafft, sich vor dem Menschen zu wehren, dann sei sie selber schuld, „wäre sie halt stärker gewesen“, dann „wäre das nicht passiert“.

Das ist so ähnlich, wie die Frau, die einen Mann verführt, es kommt zur Katastrophe, und nachher sagt: „Er hätte sich halt nicht verführen lassen dürfen“. Er sei schuld.

So sagen wir immer öfter, die Arbeitslosen seien selbst Schuld an ihrem Unglück und die Superreichen hätten „halt mehr geleistet“, sodass sie mehr verdient hätten.

Man finde immer weniger Facharbeiter, da die Leute einfach „keine Lust mehr hätten zu arbeiten“.

Dass sich Arbeiten heutzutage einfach nicht mehr auszahlt, weil die Löhne und Gehälter einen historischen Tiefststand erreicht haben, darüber schweigt man sich aus.

Warum gibt es immer mehr Bettler?

Weil sich Betteln wieder auszahlt.

Mit ehrlicher Arbeit verdient man einfach nicht genug.

Es gibt wahrlich genug Böses auf dieser Welt, und es ist verdammt sexy.

Aber ist es „der“ Böse oder ist es „das“ Böse?

Wir wollen weitere Beispiele betrachten, um auf diese Frage eine Antwort zu finden.

3. Ohne Wahrheit kein Gut und kein Böse

In seiner extremsten Form, dem Solipsismus, leugnet der Idealismus die Realität und mithin – wie ich meine – die Wahrheit.

Und gerade deswegen ist der Idealismus die Wurzel des Relativismus.

Wie meine ich das?

Nun, im Gegensatz zum Materialisten, der den menschlichen Geist nur als eine Schimäre betrachtet, die sich aufgrund der Komplexität von physikalischen Systemen automatisch ergibt, behauptet der Idealist in seiner konsequentesten Auslegung, dass es keine objektive Welt gebe, sondern alles ein Auswuchs des menschlichen Geistes sei.

Wenn es nun keine objektive Tatsache gibt, dann kann es auch keine objektive Wahrheit geben. Denn wenn die Wahrheit an sich existierte, dann wäre ihre Existenz ja nicht dem menschlichen Geist unter­wor­fen, was aber ein Widerspruch zur Grundannahme des Idealismus wäre.

In den anderen „kleinen religiösen Büchlein“ haben wir mühevoll die „Sätze A bis E“ entwickelt, die einen Mittelweg gehen sollen.

Satz A) Ich glaube an eine Wirklichkeit / Wahrheit. Die Wirklichkeit / Wahrheit existiert auch ohne mich. Sie läßt sich nicht absolut erfassen.

Satz B) Es gibt verschiedene interaktive Modelle der einen Wirklichkeit / Wahrheit, die mehr oder weniger zutreffen. Sowohl die Wirklichkeit / Wahrheit ist interaktiv, als auch die Modelle.

So lauten die ersten beiden Sätze A) und B).

Wenn man mir vorwürfe, dass ich mit der Behauptung, wir alle bewohnten nur subjektive Modelle der Wirklichkeit, dem Relativismus vorschub geleistet hätte, dann irrt man sich.

Denn im Satz A habe ich ja geschrieben, dass es eine – eine einzige – Wirklichkeit / Wahrheit ist, an die ich glaube.

Denn so subjektiv die Modelle sein mögen, die wir bewohnen, so objektiv ist die Wirklichkeit / Wahrheit, die es eben nur einmal gibt.

Nur Leute, die davon ausgehen, dass Gott eine Phantasiefigur sei, können behaupten, dass alle Religionen gleich gut seien.

Denn wenn es Gott wirklich gibt, dann wird es eben Gottesmodelle geben, die näher an der Wirklichkeit – an Gott – sind, und Gottesmodelle, die weiter von der Wirklichkeit entfernt sind.

Manche Religionen werden uns helfen, ein gutes Leben zu führen, andere Religionen werden dabei eher hinderlich sein.

Und so ist es die Wirklichkeit selbst, die uns den Maßstab gibt um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Wie es zum Stalinismus kommen konnte, darüber kann man streiten.

Und man kann auch darüber streiten, wer daran schuld sei, dass es soweit kommen konnte.

Aber dass der Stalinismus in seiner Gesamtheit böse Auswirkungen hatte, darüber kann man nicht streiten. Das ist evident.

Unzählige Tote, Verstümmelte und Misshandelte geben ein klares Votum, dass der Stalinismus etwas Böses war.

Aber woran erkennen wir das neue Böse, das am Horizont heraufzieht? Welche Maßstäbe sollen wir anlegen? Wird es von rechts kommen oder von links?

4. Ich bin Gott

Um nun zur Grundfrage dieses Büchleins zurückzukehren:

– Ist es nun der Böse oder ist es das Böse, mit dem wir kämpfen?

Schwierige Frage.

Die Frage ist so ähnlich wie die Frage, ob Du, lieber Leser ein Selbstbewußtsein hast.

Wir können miteinander kommunizieren, aber ich weiss nicht objektiv, ob Du eine Maschine bist, die mechanisch abläuft, oder ob Du ein Selbstbewusstsein und einen freien Geist hast.

Hat der Teufel einen freien Geist? Ist er eine Person oder ist er nur ein nebulöses Etwas, das in unserem Unterbewußtsein herumspukt?

Ich denke, für uns Menschen ist es gar nicht so wichtig, diese Frage zu beantworten.

Aber es erscheint mir wichtig klar zu stellen, dass es neben uns selbst auch noch andere Geistwesen gibt, die eben nicht nur ein Teil unserer eigenen Phantasie sind, sondern auch eine eigene Existenz haben.

Denn wenn ich davon ausginge, dass das alles ICH sei, was da in mir herumspukt, wenn ich glaubte, dass es ausser mir NICHTS gäbe, dann bliebe mir nur die entsetzliche Erkenntnis:

Ich bin Gott.

Und wer könnte diese Verantwortung tragen?

Vielleicht glaubst Du, dass ich verrückt sei – und vielleicht bin ich das auch –, aber ich möchte Dir erzählen, dass ich eine kurze Phase hatte, ca. fünf Minuten hat sie gedauert, in der ich wahrer Atheist war.

Ich hatte mich zur Erkenntnis durchgerungen, dass da Nichts sei außer uns Menschen – außer mir – und ich habe tatsächlich an nichts geglaubt.

Voll Entsetzen lief ich in der Wohnung herum und schrie: „Ich bin Gott!“ – denn diese Erkenntnis war fürchterlich – diese Einsamkeit an der Spitze.

Natürlich war es nur ein Spielchen, das mein Unterbewußtsein mit mir trieb, um mir klar zu machen, wie wichtig es für mich ist an etwas zu glauben – an Gott und an das Geistige – letztlich an die Liebe.

Der Nachbar rief die Polizei, meine Familie rief die Rettung – der Rest ist eine langwierige Heilungsgeschichte.

Mittlerweile kann ich wieder an die Liebe glauben.

Aber ist es nun der Böse oder ist es das Böse, das Spielchen mit mir treibt und versucht, mich von der Liebe fernzuhalten?

Ich weiss es nicht und ich kann es nicht beantworten.

Aber wir werden noch einige Beispiele durchgehen, um das Für und das Wider abzuwägen.

Meint

Euer Christoph

5. Ist jeder seines Glückes Schmied?

Wenn es mir gut geht – habe ich dieses Gute selbst verursacht?

Wenn ich leiden muss – welche Schuld habe ich auf mich geladen, damit ich so bestraft werde?

Wenn jemand anderer leidet – soll ich ihm vorhalten, dass er selbst daran schuld sei?

All das sind Fragen, die so alt sind wie die Menschheit selbst.

Denn einerseits können wir uns nicht vorstellen, dass Gott so boshaft sei, eine Welt zu erschaffen, in der es das Leiden gebe.

Wir erkennen also, dass es der Mensch ist, der das Böse in die Welt bringt, durch allerlei böse oder gedankenlose Taten, Worte und Gedanken, oder auch durch Unterlassungen.

Andererseits aber sind es wir, die eigentlich nur das Gute wollen – jeder, der ein wenig in sich geht, weiss das – und es ist umso tragischer, dass wir damit oft nur das Böse erreichen.

Ist es nicht oft so: je mehr wir uns anstrengen, etwas zu erreichen, desto mehr entfernen wir uns davon?

Je mehr ich mich verkrampfe, damit ich brave, gute Kinder habe, desto schlimmer werden sie.

Je mehr ich mich im Büro anstrenge, um möglichst viel Geld für die Familie heranzuscheffeln, desto gleichgültiger bin ich meinem Chef.

Wer etwas gelten will, muss sich rar machen, lautet ein alter weiser Spruch.

Aber was steht zu diesem Thema in der Heiligen Schrift? Versuchen wir unser Glück bei Markus:

Mk 4,26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

Mk 4,27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.

Mk 4,28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

Mk 4,29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Ich denke, von diesem alten Gleichnis können wir lernen.

Ja, wir sollen unseren Teil beitragen – so wie der Sämann gehen wir durch unser Leben uns legen die Grundlage für die Zukunft.

Aber der Erfolg – ob aus dem Samen dann wirklich eine Ernte wächst – der liegt nicht in unserer Verantwortung.

Und so, wie wir dem Reichen gratulieren sollen zu seinem Glück – denn er hat Glück gehabt, es war nicht seine Leistung, die ihn an diese Stelle gesetzt hat – so sollen wir mit dem Armen Mitleid haben, denn er leidet nicht für seine eigenen Sünden sondern für die Sünden der Menschheit.

Und wir sollen uns gegenseitig das Leben nicht zur Hölle machen.

Meint

Euer Christoph

6. Medias in res

Nun aber zur Sache.

Gibt es den Teufel?

Ich würde sagen „Ja“.

Denn alles was ich über den Teufel schreibe,
das könnte ich genauso gut über mich selbst schreiben.

Im ersten Kapitel haben wir ein wenig über den Relativismus gelesen und darüber, dass sich der Böse ganz gerne in der großen grauen Ursuppe der Verwirrungen versteckt.

Gut wird mit Böse verwechselt, Oben mit Unten und Schwarz mit Weiß.

Es sei gut, wenn der Starke den Schwachen ausbeute, es sei in Ordnung, wenn wir uns soviel herausnehmen, wie wir nur kriegen können und es sei gut, wenn wir unsere Nachkommen im Unklaren ließen über das Schicksal, das sie erwartet.

Wir wollen Gott sein und das Schicksal selbst bestimmen.

Wir glauben, wir könnten dem Tod entrinnen durch allerlei Cremen und Laufübungen und wir glauben, wir könnten die Laufzeit des Universums auch nur um eine Sekunde verlängern durch Verzicht, den wir natürlich nicht selber üben sondern anderen aufzwingen.

Aber sind wir wirklich Gott?

Bin ich durch alle diese Boshaftigkeit nicht selbst dem Teufel viel näher als ich es Gott bin?

Der die Liebe ist?

Alles Böse, das ich kenne, kenne ich von mir selber und der Teufel ist doch eigentlich nur eine Projektion meiner eigenen Bösigkeit.

Der Teufel personifiziert das Böse, das in mir ist.

Jeder Mensch geht unbewusst davon aus, dass alle anderen Menschen im Grunde ihres Herzens eigentlich genau so ticken wie er selber (was im übrigen ein Irrtum ist).

Je mehr Böses also ein Mensch im Herzen trägt, desto mehr fürchtet er sich vor anderen Menschen und vor der Umwelt.

Gehe einmal im Dunkeln durch den einsamen Wald.

Dann merkst Du, wieviel Böses in Deiner Phantasie lauert.

So trägt jeder seinen „eigenen kleinen Teufel“ mit sich herum, der im Herzen schlummert und – manchmal – ganz schön groß werden kann.

Aber gibt es auch den „großen Teufel“?

Den Teufel, der – selten aber doch – in der Bibel erwähnt wird?

Den Teufel, der „wie ein Löwe herumstreunt, um alles zu verschlingen“?

Den Teufel, der keine menschliche Modellbildung ist sondern ein Geschöpf Gottes?

Darüber wollen wir uns noch einige Gedanken machen.

Aber für dieses Kapitel lassen wir es gut sein.

7. Der Verwirrer – Diabolos – Teufel

Teuflisch ist es, wenn die Wahrheit verkehrt wird. Wenn man Links mit Rechts vertauscht, Oben mit Unten, Vorne mit Hinten und Später mit Früher.

Aber neben der Verkehrung der Wahrheit gibt es eine noch viel schlimmere Form der Lüge, nämlich die Halbwahrheit.

Wenn man zum Pol den Gegenpol weglässt.

Wenn man den Gedanken nicht konsequent fertigdenkt.

Erstens: Die Grünen haben recht, wenn sie sagen, dass man dem Armen, Schwachen, dem Flüchtling helfen muss.

Keine Frage.

Aber da fehlt noch etwas.

Damit der Starke dem Schwachen helfen kann, muss er zuallererst einmal stark sein.

Die Schwachen können sich nicht gegenseitig am Schopf aus dem Sumpf ziehen, wie einst Lügenbaron Münchhausen es getan hat.

Wenn es eine Welle mit so vielen Schwachen gibt, dass der Starke selbst dem Untergang geweiht ist, wenn er allen hilft, dann muss der Starke zuerst einmal dafür sorgen, dass er stark bleibt – auch wenn das hart ist und hart klingt.

Und er muss den anderen Starken im Ausland ins Gewissen reden, dass sie ihre Schwachen nicht einfach nach Europa schicken, sondern selbst versorgen.

Zweitens: Die Blauen haben auch recht. Die Menschen haben Angst und Wut.

Und diese Angst und Wut kann man politisch ausnützen. Man kann diese Angst schüren und Stimmen gewinnen.

Aber es ist nicht fertig gedacht. Denn das dritte Reich – das auf Angst aufgebaut war – hat nicht lange gehalten.

Angst ist keine nachhaltige Motivation.

Die Angst vor der Klimakatastrophe hat viele zur Einsicht gebracht, aber eine nachhaltige Änderung der menschlichen Arbeitsweise wird die Angst nicht bewirken.

Das Zauberwort heisst Hoffnung.

Die Hoffnung auf eine „schönere“ Arbeitsweise der Menschheit, die Hoffnung auf „harmonischere“ und „kreislaufartige“ Wirtschafts­formen – eine Sinnhaftigkeit in unserer Arbeitsleistung – das könnte die Menschen nachhaltig motivieren, den Klimawandel zu bekäm­pfen.

All das – der Klimawandel, das dritte Reich und die rechten Recken – sind nur äußere Feindbilder.

Wenn man die Gedanken konsequent weiterdenkt, wenn man fertigdenkt – dann muss man sich von allen äußeren Feindbildern lösen und man muss die Wahrheit innen suchen. Man muss den Sinn suchen.

Innen – dort wo Du Deine Entscheidungen triffst, indem Du solange über den Fakten meditierst, bis Du den Sinn erkennst.

Letzten Endes kommst Du so zu Gott, der in Deinem Herzen wohnt, weder in Deinen Emotionen – in Deinen Gefühlen – noch in Deinen Gedanken – in Deiner zweifellos großen Gehirnleistung.

Alles andere sind nur Halbwahrheiten.

Meint

Euer Christoph

8. Im Schatten des Lichts

Aber nehmen wir einmal an, den Teufel gibt es tatsächlich.

Er sei ein gefallener Engel.

Man behauptet, er wäre ein hoher Engel gewesen.

Er habe den Namen Luzifer – Lichtträger – getragen.

All das sind natürlich menschliche Modellbildungen.

So wie die Menschen, die nahe am Licht sind, manchmal neidisch werden, weil sie selbst nicht das Licht sind, so kann man sich vorstellen, dass Luzifer gerne selbst das Licht gewesen wäre.

Durfte er aber nicht, er durfte das Licht nur tragen.

Klassischer Fall von Minderwertigkeitsgefühl und Komplexler, könnte man sagen.

Und gerade das ist es, was Menschen gefährlich macht: Minderwertigkeitsgefühle und Komplexe.

Dann greifen sie zu unlauteren Mitteln, um die Macht zu ergreifen.

Sie nehmen sich Autorität, ohne in Bescheidenheit darauf zu warten, dass ihnen Autorität gegeben wird.

Ungeduld, Selbstzweifel, Kontrollgedanken, Machtgelüste, Weltrettungsgedanken, ………………………………………….

Soll man also mit dem Teufel Mitleid haben?

Wartet Gott darauf, dass wir Menschen den Teufel durch unsere Mildtätigkeit erlösen?

Puuuhhh.

Also, was die beiden miteinander zu schaffen haben, das ist wirklich nicht unser Bier.

Und der Teufel sollte wirklich der Letzte sein, um den wir uns Sorgen machen.

Meint

Euer Christoph


7. Büchlein: Vom Geliebtwerden

Januar 2, 2017

Das siebente „Kleine religiöse Büchlein“ ist jetzt fertig (Version 0.1):
Vom Geliebtwerden

Alle Büchlein findet man hier.

Lg
Christoph