Liebe? Liebe!

Weihnachten ist das Fest der Liebe! Sagt man.

Gott sei Dank ist es vorüber.

Millionen von Müttern, Schwiegermüttern und Ehefrauen versuchen jedes Jahr, ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme „aus dem Hut zu zaubern“, das allerorten mit Liebe verwechselt wird.

Aber ist das nicht nur sentimentaler Neurosengatsch, mit dem wir versuchen, alle dazu zu bringen, zumindest einmal im Jahr nach unserer Pfeife zu tanzen?

Was ist das wirklich? Liebe?

Im Deutschen haben wir leider nur ein einziges Wort für „Liebe“.

In anderen Sprachen gibt es zumindest „Amor“ und „Caritas“, und dann noch die „Amicitia“, die man am besten mit „Freundschaft“ übersetzen kann.

Im Deutschen verwenden viele Frauen die Worte „mögen“ und „lieben“, damit sie eine Trennlinie ziehen zwischen „Kumpel“ und „Freund“.

Dabei meinen sie, das „Verliebtsein“ sei eine höhere Form von „mögen“, die nur einem Menschen vorbehalten bleibt.

Ich würde folgendes Wording vorschlagen: ich „mag“ einen Menschen, wenn ich ihn „gern habe“, wenn ich mir noch etwas „von ihm erwarte“. Wenn ich auf seine Zukunft und unsere Zukunft noch Hoffnungen setze. Das ist also „verliebt sein“ und hat sehr viel mit Egoismus zu tun – mit einem guten Egoismus, der die Gesellschaft innerhalb der Grenzen zusammenhält. Das ist also am ehesten mit „Freundschaft“ oder „amicitia“ zu übersetzen. „verliebt sein“ = „mögen“ = „gern haben“ = „guter Egoismus“.

Dann gibt es noch den „Eros“, also die erotische Liebe zwischen Mann und Frau, die einerseits ein „gemeinsames Spiel“ und ein „gemeinsames Erregtsein“ darstellt und als ebenfalls guter „gemeinsamer Egoismus“ der Fortpflanzung als Ziel dient. Diese Kräfte sind sehr starke Kräfte, die in jedem Menschen schlummern und deren Beherrschung ein hohes Maß an Verantwortung fordert. Wenn wir diese Kräfte nicht beherrschen, dann können ganze Gesellschaften zerbrechen.

Und – last but not least – gibt es die „caritas“, also die selbstlose Liebe, die für den Anderen immer nur das Gute will. Diese Form der Liebe hat viel mit Mitleid zu tun und ihre Grundlage ist die unvergängliche Würde eines jeden Menschen – eines jeden Lebewesens – die aus seiner Gotteskindschaft folgt, ob Freund oder Feind. Diese höchste Form der Liebe überwindet Grenzen und dient dem grenzüberschreitenden Frieden. Sie ist nur aus dem Glauben begründbar und ist der einzige Weg zu dauerhaftem Wohlstand und Frieden der gesamten Menschheit. Man kann auch Altruismus dazu sagen.

Hass ist nur ein Gefühl. Liebe ist mehr als ein Gefühl. Wir sollten zu Weihnachten nicht beim „sentimentalen Neurosengatsch“ hängen bleiben, sondern daran denken, dass die Geburt Jesu etwas durch und durch unsentimentales war. Ein schwangeres Flüchtlingspaar hat wegen des Mitleids eines Wirten einen allerletzten Platz in einem stinkenden Stall bekommen, und die Geburt Jesu weist bereits auf das Kreuz hin. Auf den Kalvarienberg.

Dort – am Kreuz – hat Jesus uns erlöst. Nicht in einem Palast, sondern mitten im Leben und mitten im Tod. Und in der Auferstehung, die uns Hoffnung gibt.

Meint
Euer Christoph

16 Responses to Liebe? Liebe!

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    guuuter Text!

    Darüber werd ich noch in Ruhe meditieren, und dann mehr schreiben.

    LG KNI

  2. Yeti sagt:

    Danke, ich freue mich schon auf Deinen Kommentar.

    Aber lass mich noch etwas ergänzen. Was ist nun mit der Ehe, insbesondere mit der katholischen Ehe?

    Die katholische Ehe ist sozusagen ein „Gesamtpaket“, in der es um alle Formen der Liebe geht, vom „Eros“, der meistens in jungen Jahren eine große Rolle spielt, über die „Amicitia“ in späteren Jahren, bis hin zur „Caritas“, die dann wichtig wird, wenn einer den anderen stützen, pflegen und erhalten muss.

    • rotegraefin sagt:

      Dann lass uns doch einmal das Gesamtpaket der Ehe Aufschlüsseln.
      Darüber steht doch eine Menge im alten Testament. Entweder Du glaubst, Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild oder Du glaubst an die komische glückliche Schuld des Adam und daran dass es einen komischen Gott gegeben hat, der meint Adam aus der Erde kneten zu können und dann auch noch Erkenntnis verbietet.
      Ich lebe in einer Welt und einer Kirche,in der Liebe die Sexualität und der Sexualität die Liebe genommen wurde und dann ist alles käuflich.und anscheinend auch machbar.
      Sobald aber die Sexualität abgewertet wird, wird auch automatisch der Partner der Sexualität abgewertet und damit auch die Frucht der Sexualität, die wir nun einmal alle sind.

      „Liebe wird sie nicht erwidert
      fließt zurück in das eigene Herz
      und sänftigt und reinigt es.“

      Leider wurde ich zum Nihilismus und Stoiismus erzogen sich von diesen Fesseln zu befreien und immer wieder die schmerzliche Erkenntnis zu zu lassen, das einfach viel zu viele Menschen Angst vor der Liebe haben gehört zu meinem Befreiungsprozess..

  3. hansarandt sagt:

    Die Caritas ist nicht die höchste Form der Liebe. Sie ist recht unpersönlich und erinnert an eine Institution, die mit Unmengen von Geld umgeht. Wir können nicht alle Menschen auf der Welt lieben und schon gar nicht alle gleich. Wir können an Weihnachten nicht die ganze Welt umarmen sondern wir sollten da unsere Eltern und unsere Kinder umarmen. An Weihnachten ist auch nicht der Erfinder der Caritas in sein Amt eingeführt worden sondern ein ganz konkretes einzelnes Kind wurde von einer ganz konkreten Mutter geboren. Wohl dem, der sich an Weihnachten noch auf seine Eltern und seine Kinder freuen kann. Der Gnade Gottes verdanke ich es, dass mir dieses Glück immer noch jedes Jahr zuteil geworden ist. Wer nicht mal seine eigenen Eltern liebt und seine eigenen Kinder, wenn er welche hat oder überhaupt haben will, wie kann der dann die ganze Welt lieben?

    • Yeti sagt:

      @hans: ich lass das mal so stehen. Ich möchte mir nicht anmaßen, zu entscheiden, was wichtiger ist. Die Liebe innerhalb der Grenzen oder die Liebe ausserhalb der Grenzen. Hat wohl auch damit zu tun, ob die Familie eine „wehrhafte“ Familie ist oder eine „pazifistische“. Ich empfinde beide Wege als mögliche Wege.

      • hansarandt sagt:

        Vielen Dank für Deine Antwort. Was meinst du mit einer „wehrhaften“ und mit einer „pazifistischen“ Familie? Ich würde sagen, beides ist richtig.
        Dir und Deinen Lieben wünsche ich ein gesegnetes neues Jahr.
        Beim zweiten Lesen Deines Posts habe ich glaube ich verstanden, was du meinst und wir sind da wohl einer Meinung.
        Von Hause aus bin ich immer Pazifist gewesen, Wehrdienstverweigerung und meine Oma saß wegen ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Wehrdienstes, weil sie Jehovas Zeugin war 1935 sogar bei den Nazis im Gefängnis.
        Allerdings habe ich in letzter Zeit meine Meinung partiell geändert. Schon lange bin ich der Überzeugung, das ich Gott, wenn er an meiner Haustür geklingelt hätte, wie bei Abraham und gefordert hätte, ich soll meinen Sohn opfern, ihn, wenn ich ein Gewehr im Haus gehabt hätte, mit hoher Wahrscheinlichkeit erschossen hätte.
        Außerdem hat mich ein Zitat in Sachen Pazifismus zusätzlich nachdenklich gemacht. Es lautet:
        Ich bin kein Pazifist. Jedes Land hat eine Armee, entweder die eigene oder eine fremde.
        Das Zitat stammt von Martin Sellner, einem Österreicher, den ich sehr schätze.

      • Yeti sagt:

        Innerhalb der Grenzen – oder wenn Du so willst innerhalb der eigenen Familie ist Liebe einerseits leichter, andererseits aber auch schwerer.

        Sie ist einerseits leichter, weil man von den Angehörigen abhängig ist. Man wird die eigenen Eltern und Kinder und auch den Ehepartner immer wieder „brauchen“, damit man das eigene und das gemeinsame Leben bewältigen kann. Insoferne ist es „logisch“; in die Beziehung zu „investieren“. Es ist auf den ersten Blick nicht einsichtig, warum wir in Afrika investieren sollten. Erst durch die Flüchtlinge werden wir darauf aufmerksam, dass wir in jene weit entfernte Welt investieren sollten.

        Andererseits ist die Liebe innnerhalb der Grenzen schwieriger, weil man die Menschen besser kennt, man kennt auch ihre Fehler und Schwächen. Die unzähligen Thomas Bernhards und anderen Literaten sind ein Beweis dafür, dass man mit der Heimat so seine liebe Not haben kann.

      • Yeti sagt:

        Ein „pazifistisches“ Europa würde in Afrika und Syrien investieren. Ein „wehrhaftes“ Europa wird einfach die Grenzen hochziehen.

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ich möchte nur einen Aspekt betrachten:

    „Dann gibt es noch den „Eros“, also die erotische Liebe zwischen Mann und Frau, die einerseits ein „gemeinsames Spiel“ und ein „gemeinsames Erregtsein“ darstellt und als ebenfalls guter „gemeinsamer Egoismus“ der Fortpflanzung als Ziel dient. Diese Kräfte sind sehr starke Kräfte, die in jedem Menschen schlummern und deren Beherrschung ein hohes Maß an Verantwortung fordert. Wenn wir diese Kräfte nicht beherrschen, dann können ganze Gesellschaften zerbrechen.“

    Hatte gerade eine Diskussion über Abtreibung: ich war dagegen, damit stand es 4:1 gegen mich. So also sieht es in unserer Gesellschaft aus!

    Natürlich sind diese Leute nicht böse, aber ich kann ihnen leider ein gewisses Doofsein nicht absprechen: Dass sie zwischen Zeitgeist und Wahrheit nicht unterscheiden können. Das sei alles ganz einfach Entscheidung der Frau, und wenn sie das Kind noch im 9. Monat abtreiben wolle, sei das auch in Ordnung.

    Ja, daran wird unsere Gesellschaft zerbrechen. Das ist die größtmögliche Verrohung jedes moralischen Empfindens.

    Ob man denn, so sagte einer, etwa von zwei 16jährigen erwarten könne, dass sie im Suff ihre Triebe unter Kontrolle hätten, sagten sie.

    Ich dachte mir: Ja, um genau diese Kontrolle geht es. Im Übrigen nicht nur bei 16jährigen…

    ….diese Kontrolle kommt natürlich aus einer gewissen metaphysischen Bildung heraus und ja, aus einer Gottesbeziehung. Aber wie bringt man das Menschen mit metaphysischer Verwahrlosung bei?!

    Ich habe das so erklärt: Auch im ärgsten Suff weiß ich, dass ich niemanden umbringen darf. Bei unverhütetem Sex detto. Geht halt nicht — und zwar weil ich eben keine Abtreibung riskieren will! Das war mir auch als 16jähriger klar.

    Wenn man freilich den „Eros“ um jeden Preis sucht, weil er von der „Caritas“ nicht mehr unterscheidbar ist — ja dann spielt es keine Rolle mehr, ob das Ungeborene lebt und menschlichen Schutz genießt.

    Natürlich kann/muss man nun das hochproblematische Topos beifügen, dass Abtreibungsverbote der Gesellschaft gewissermaßen Rechte über die Frau gibt – aber andererseits genießt ja die Frau Rechte über den Mann, wenn sie das Kind bekommt – nämlich auf Alimente. (Früher hat man das „Heirat“ genannt…).

    Was mich zur Schlußfolgerung führt, dass dieses Thema auch eines von Männern werden sollte, nämlich indem wir uns in selbstbewusster Mönchischkeit üben, und das „höhere“ suchen.

    Solange wir immer und überall als Fick-Esel zur Verfügung stehen, werden wir weder in der Achtung von Frauen steigen, noch die Herrschaft über uns selbst gewinnen.

    Aber das erkläre einmal Leuten, denen zwar Abtreibung egal ist, aber es ganz fürchterlich empörend finden, wenn man gefälschte Mode-Labels trägt (was ich einmal zum Scherz tun wollte), weil man dann keine Achtung vor dem Geld hat….

    LG KNI

    • Yeti sagt:

      Ich werde jetzt nocheinmal ausführlicher antworten.

      Allerdings muss ich sagen, dass ich bei diesem Thema zu 100% zustimme und wahrscheinlich keine neuen Aspekte werde hinzufügen können.

      Die Sache mit dem Fick-Esel.

      Ja und nein. Einerseits ist es eine ganz tolle Erfahrung, wenn man einmal loslassen kann und an gar nichts denken muss.

      Nicht einmal an Verhütung.

      Und da ist es immer noch die „klassische“ Familie, die den Hintergrund bietet, damit das – selten aber doch – gelingen kann.

      Die den beiden Partnern die Sicherheit bietet, den von Gott geschenkten Nachwuchs in einem „Nest“ gemeinsam aufzuziehen.

      Bei der Unauflöslichkeit der katholischen Ehe geht es nicht nur um wirtschaftliche Belange, sondern auch um stabile soziale Beziehungen.

      Wo die genetische Elternschaft mit der sozialen Elternschaft eine Einheit bildet – eine Einheit und Einigkeit, die man immer seltener findet.

      • Kardinal Novize Igor sagt:

        Jetzt stimme ich dir wieder zu 100% zu! *ggg*!

        ad: ad: „Fickesel“: Es muss nicht jeder gleich Mönch werden. Aber eine gewisse Art von Selbstbeherrschung und „Überblick bewahren“ ist auch eine männliche Tugend.

        Insofern rede ich der Ehe geradezu das Wort, denn offensichtlich zerbricht ja unsere Geselschaft gerade an dem LAP-„Konzept“.

        LG KNI

  5. Verena sagt:

    Schöner Text, danke.
    Ich stimme allerdings nicht in allen Punkten mit dir überein (wen wundert’s ☺).
    Lg Verena

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