Unser ausreichendes Brot gib uns heute

Oktober 1, 2022

Liebe Leser!

Eigentlich hatte ich vor fünf Minuten die Idee einen Artikel zu schreiben, mit dem Titel

Die Geheimniskrämerei und das BIP / BNE*),

weil ich eine Erkenntnis hatte.

Ist es nicht so, dass im BIP/BNE*) nur die wirtschaftlichen Vorgänge erfasst werden, für die es einen Geldfluß gibt? Genau genommen eigentlich nur jene Vorgänge, für die eine Rechnung gelegt wird?

Wenn man also am Dorf dem Nachbarn hilft, oder in der Stadt im Gemeindebau einem Mitbewohner, durch die sogenannte „Nachbarschaftshilfe“, oder wenn man innerhalb der Familie einander gute Dinge tut, dann geht diese wirtschaftliche Betätigung dem Finanzminister eigentlich „am Arsch vorbei“.

Diese sogenannte Schattenwirtschaft wird also nicht im BIP/BNE*) erfasst.

Heißt das, dass diese Art von Wirtschaft „böse“ ist?

Nein, natürlich nicht!

Wir müssen aber zugeben, dass das BIP/BNE*) nur bedingt ein Maß für den Fleiß eines Volkes ist. Es ist vielmehr ein Summenmaß für Fleiß UND Geldgier. Aber dazu ein andermal.

Wieso muss man eigentlich für Güter Geld bezahlen?

Ich muss an ein berühmtes Zitat eines mir bekannten Bauern denken: „Wir haben auf unserem Hof soviel Milch, dass wir sie sogar verkaufen!!

Der Produzent hat also einen Überschuss der Produkte, die er erzeugt. Er kann sie nicht alle selbst verbrauchen. Er MUSS sie verkaufen, damit sie nicht verderben.

Warum sollte ich also dem Produzenten etwas dafür geben, wenn er es eh los werden MUSS?

Na ja, solange er die Produkte nicht hergegeben hat (und ich sage bewußt nicht „verkauft“), kann er ja selbst entscheiden, wem er sie gibt. Und da wird er sie natürlich demjenigen geben, von dem er eine adäquate Gegenleistung bekommt. Wenn das nicht geht, wird er die Produktion drosseln und sich umorientieren (außer in der EU, dort wird er ja gefördert).

Weiters sind die Abnehmer ja in der schlechten Lage, dass sie einen Mangel an Milch haben, solange sie sie nicht gegen etwas eintauschen können, wovon sie selbst einen Überfluß haben (z.B. Geld).

Das sind also die banalen Gesetze von Angebot und Nachfrage, die übrigens auch in der Schattenwirtschaft gelten – nur sind dort die Gegenleistungen, die auch dort nach dem Prinzip „quid pro quo“ erbracht werden, nicht so offensichtlich.

Solange ein Dorfmitglied einigermaßen etwas zur Gemeinschaft beiträgt, wird man ihm auch immer wieder gerne aushelfen, wenn es etwas nicht so „auf die Reihe kriegt“.

Sind Lebensmittel beim Produzenten zu billig erhältlich?

Habe vor ein paar Tagen im Radio einen Bericht gehört, wonach weltweit 50% der genießbaren Lebensmittel einfach vernichtet werden, entweder während des Produktionsprozesses, oder während Transport, Lagerung und Verkauf, aber auch beim Konsumenten einfach im Müll landen.

Das erklärt sich natürlich durch die katastrophalen Agrarförderungen, die es zum Beispiel in der EU gibt. Das heißt, der Landwirt gibt seine Lebensmittel zu leichtfertig her, bzw. ist während der Produktion zu leichtfertig, weil er ja vom Verkauf der Lebensmittel nicht abhängig ist.

Eine Kartellbildung im Bereich des Handels tut das Übrige.

Meint

Euer Christoph

Informationsblockade

Wir haben also anhand der banalen Gesetze von Angebot und Nachfrage erkannt, dass Geld immer dann fließt, und dass damit das BIP/BNE*) gesteigert wird, wenn Überfluß auf Mangel trifft, und wenn diese Interessen am Markt ausgeglichen werden können.

Darum wird uns jetzt auch klar, warum folgende Ereignisse dem sogenannten Wachstum (also dem Geldwachstum) entgegen stehen:

  • wenn Güter zu billig hergegeben, evtl. sogar verschenkt**), werden
  • Gnade statt Gerechtigkeit
  • Kredite, die nicht zurückgezahlt werden müssen
  • Antworten, nach denen niemand gefragt hat
  • u.ä.

Man kann also eigentlich sagen, dass es ein sorgloser Umgang mit den irdischen Gütern ist, der dem sogenannten Wachstum nicht gerade hilfreich ist.

Es benötigt eine bestimmte Anspannung***), die ich aufbringen muss, um meine Bedürfnisse zu befriedigen.

Diese Anspannung, und der sorgsame Umgang mit den irdischen Gütern, bewirkt dann eine „florierende Wirtschaft“, in der Leistung und Gegenleistung harmonisch fließen.

Aber man kann den Bogen auch überspannen:

Wenn

  • sich die Produzenten zu einem Kartell zusammentun und ihre Güter künstlich verknappen,
  • sich die Vermögenden zusammentun und Geld künstlich verknappen,
  • Geheimnisse allzu streng gehütet werden,
  • o.ä.,

dann kann die Anspannung kippen.

Entweder in die Depression oder in die Agression, das ist bei jedem Menschen und bei jedem Volk unterschiedlich.

Meint

Euer Christoph

*) BIP/BNE = Bruttoinlandsprodukt / Bruttonationaleinkommen

**) Sozialleistungen zählen nicht zu dieser Kategorie, solange man sich vom betreffenden Menschen „noch etwas erwartet“

***) mit zunehmendem Alter darf diese Anspannung nachlassen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben

Gott, der liebende Vater

Uns wird oft vorgeworfen, dass wir mit dem Wort vom „lieben Gott“ den Ernst der Sache verharmlosen.

Stimmt.

Er ist kein „lieber“*) Gott, aber er ist der „liebende“ Gott.

Das ist ein Unterschied.

Trotzdem ist er offensichtlich nicht in der Lage, sich an die Gesetze von Angebot und Nachfrage zu halten, die er doch selbst erschaffen hat.

Alles, was wir von Gott erhalten, ist pure Gnade. Er hält mit keinem seiner Geheimnisse hinter dem Berg – Jesus hat uns alles verraten. Er sagt: „Bittet, so wird Euch gegeben werden“. Und er ist der ultimative Produzent aller irdischen Güter und Vermögenswerte, die er in ausreichendem Maße uns gratis zur Verfügung stellt (unter freier Mithilfe des Menschen, wenngleich seit dem Sündenfall mit einer gewissen Anspannung).

Was erwartet er dafür? Nichts.

Was könnten wir ihm geben? Nichts.

Ich befürchte, das BIP/BNE wird im Himmelreich gleich Null sein.

Meint

Euer Christoph

*) lieb im Sinne von harmlos


Walter, das Werkzeug Gottes

September 10, 2022

Liebe Leser!

Lasst mich diesmal einen Ausschnitt aus meiner Erzählung „Das dritte Kind“ an den Anfang setzen, und zwar aus dem ersten Teil „Prolog“, den Anfang der 30. Szene, wo Walter mit Hilfe einer Nebenrolle – einem Kardinal – einen neuen Anfang in seinem Leben macht:

Zugriff: https://letztersein.com/drehbuchseite

1. Teil – Seite 25:

[…]30.

Am Nachmittag kam Walters Schulfreund ins Wellnesshotel zu Besuch. Dieser Schulfreund war jetzt Kardinal, dennoch kam er im schlichten schwarzen Priesteranzug.

„Dir geht’s gut, du hast es weit gebracht“, eröffnete Walter das Gespräch.

Der Kardinal winkte ab: „Karriere in der Kirche ist etwas Relatives.“

Walter reagierte auf das Reizwort „Karriere“ und antwortete in einem Anfall von ‚Fishing for Compliments‘: „Ich werde niemals Karriere machen, bei all den Fehlern, die ich mir geleistet habe.“

„Weißt du, was mein schlimmster Fehler ist? Ich treffe keine Entscheidungen. Ich lasse mich immer nur benützen.“, führte er seine Gedanken weiter.

Auch der Kardinal kannte sich im Leben aus, deshalb stieg er nicht direkt auf Walters Argumentation ein und begann nicht Walter Komplimente zu machen: „Das würde ich nicht so sagen. Schau, ich bin letzten Endes doch auch nur ein Werkzeug Gottes. Trotz aller eigenen Entscheidungen die ich treffe, bin ich in einen Ablauf eingebettet, den wir Vorsehung nennen.“

Walter begann zu schwärmen: „Werkzeug Gottes. Ja, das wäre ein Lebensziel!“

Er relativierte seine Gedanken jedoch sofort wieder: „Weißt Du, ich bin zwar immer brav in die Kirche gegangen, war in meiner Jugend sehr aktiv, aber jetzt, wo ich verheiratet bin……Wer ist das eigentlich, dieser Gott? Wo ist er geblieben?“[…]

Was hat Walter gemeint mit „Werkzeug Gottes“?

Nun, was Walter gemeint hat, darüber können wir nur mutmaßen, denn Walter ist eine literarische Figur und wir können ihn nicht befragen.

Aber ich bin es, der die Geschichte „Das dritte Kind“ geschrieben hat – wenn auch diversen Inspirationen folgend – und ich kann guten Gewissens feststellen: „Dieser Walter hat viel von mir geerbt, wenngleich er eigentlich nur eine Metapher für das neutrale Österreich im kalten Krieg ist – ein Mann mit Entscheidungsschwächen, der zwischen zwei Stühlen sitzt“.

Bei mir persönlich waren das zu jener Zeit die Firma S* und meine Frau V*, die beiden Stühle, zwischen denen ich gesessen bin, ohne mich entscheiden zu wollen (ohne mich entscheiden zu können).

Heute ist das zum Glück alles anders, aber damals war Walter ein Blatt im Wind, das keinen sichtbaren eigenen Willen hatte.

Und genau das ist es NICHT, was der Kardinal meint, wenn er von einem „Werkzeug Gottes“ spricht.

Nicht umsonst haben wir heutzutage die Metapher vom „mächtigen Manager“, der „alles im Griff hat“ und sozusagen „allwissend“, „allmächtig“ und „allgegenwärtig“ ist. Das sind lustiger weise alles göttliche Eigenschaften, obwohl für Gott in der Wirtschaft eigentlich kein Platz ist.

Und wenn wir genau darüber nachdenken, dann ist der Manager eigentlich kein göttliches Wesen, sondern er ist nur ein „Werkzeug des Direktors“, das nichts anderes tut, als den „Willen des Direktors umzusetzen“. Sich darum „zu kümmern“.

Und so, wie wir uns einen guten Manager vorstellen, als ein Vorbild, das den anderen Angestellten im Kampf leuchtend voranschreitet, so müssen wir uns auch ein „Werkzeug Gottes“ vorstellen.

Als sich König Salomo zu Beginn seiner Amtszeit von Gott etwas wünschen durfte, wünschte er sich ein „hörendes Herz“.

Und so dürfen wir uns ein Werkzeug Gottes in erster Linie als einen Menschen vorstellen, der auf den Willen Gottes hinhören kann, um Gutes vom Bösen zu unterscheiden und so das Volk – bzw. im Falle von Walter seine Familie – weise zu leiten.

Meint

Euer Christoph


Der Himmel – wo ist der eigentlich?

August 22, 2022

Wenn wir uns umsehen – in unserem Leben, in der Familie, in der Wirtschaft, usw. – dann kommen wir meistens auf folgendes Ergebnis:

Es ist NICHT GUT so, wie es ist.

Es könnte BESSER sein.

Und oft haben wir auch so ein unbestimmtes Gefühl, dass FRÜHER ALLES BESSER GEWESEN SEI.

Auch die Autoren des Buches Genesis, des ersten Buches der Bibel, haben das erkannt und haben eine weltbekannte Geschichte daraus gemacht: Die Erzählung vom Paradies, welches Gott als SEHR GUT erschaffen hatte, und von der Vertreibung des Menschen aus ebendiesem Paradies, weil er die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen hat, obwohl Gott genau das verboten hatte.

Und so sind die Bücher der Bibel voll von Aufbrüchen.

Immer wieder sind Menschen aufgebrochen, um das HIER UND JETZT zu verlassen und dem Willen Gottes zu folgen, um an ein BESSERES ZIEL zu gelangen.

Bei Noah ging es um das NACKTE ÜBERLEBEN, da er eine große Flut herankommen sah.

Bei Abraham ging es UM MACHT, da ihm Nachfahren versprochen worden waren, zahlreich wie der Sand am Meer und wie die Sterne am Himmel.

Moses kämpfte um die FREIHEIT DES VOLKES von Sklaverei, um das GELOBTE LAND.

Jesus macht im Gleichnis vom verlorenen Sohn klar, um welche Art von Aufbruch es IHM geht:

Der verlorene Sohn macht sich auf den Weg nach Hause, weil er MIT DER GESAMTSITUATION UNZUFRIEDEN IST und sich MIT DEM VATER VERSÖHNEN möchte.

Aber interessanter weise spricht Jesus nicht davon, dass WIR in ein gelobtes Land aufbrechen müssten, sozusagen in ein neues Paradies, sondern im Vater unser lehrt er uns zu beten:

  • Vater unser im Himmel,
  • geheiligt werde Dein Name,
  • Dein Reich komme,
  • Dein Wille geschehe,
  • wie im Himmel, so auch auf Erden,
  • usw.

Das Reich Gottes, der Himmel, ist also bei Jesus schon etwas, das sich AUSSERHALB befindet, dort wo der VATER wohnt.

Aber wir sollen nicht versuchen, zum Vater – in den Himmel – zu kommen, sondern wir sollen bitten, dass sein Reich ZU UNS KOMME.

Wir brauchen also nicht wie die Israeliten und andere Asylanten physisch aufzubrechen und ins gelobte Land zu wandern. Jesus geht es in erster Linie um einen INNEREN AUFBRUCH.

Am deutlichsten sieht man das im Dialog mit Pontius Pilatus, knapp bevor Jesus hingerichtet wurde:

Joh 18,36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.


Aber eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die Weisheiten des christlichen Glaubens aus der Sicht der Wirtschaftstheorie zu betrachten.

Was können wir aus Jesu Lehre vom Reich Gottes lernen? Vom Ziel des Menschen?

Welche Ziele verfolgen wir denn mit unserer Arbeit?

Was ist das Ziel unserer wirtschaftlichen Tätigkeit?

Eigentlich, wenn man es von der Definition her betrachtet, ist Wirtschaft nichts anderes als „die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse dienen“.

Und wann bedarf es eines „Aufbruchs“? Sei es nun ein „innerer“ Aufbruch oder ein „äußerer“?

Nun, wenn wir im Mangel leben, wenn HIER UND JETZT nicht mehr alle unsere Bedürfnisse adäquat erfüllt werden können, dann bedarf es einer Änderung, eines Aufbruchs.

Genau genommen lassen sich alle Möglichkeiten eines Aufbruchs, die wir dann haben, nur nach den drei Buchstaben L-L-C aufzählen:

  • Love it,
  • Leave it or
  • Change it.

Wir können erkennen, dass unsere Bedürfnisse nicht gerechtfertigt waren, und (in engen Grenzen) UNSERE BEDÜRFNISSE REDUZIEREN (Love it), damit wir wieder zufrieden sind. Kurzfristig ist das oft die einzige Möglichkeit und auch die einfachste Möglichkeit, die wir haben, trotzdem würde ich sie als „Plan C“ bezeichnen, weil sie eigentlich immer zu langfristiger Unzufriedenheit führt.

Sodann haben wir die Möglichkeit, das HIER UND JETZT ZU VERLASSEN (Leave it), uns also physisch oder geistig an einen anderen Ort zu versetzen. Wenn ein besseres DRÜBEN für mich (physisch oder geistig) erreichbar ist, zum Beispiel bei einer Flucht in die Literatur oder in den Konsum von Kulturgütern (Musik, Ausstellungen, ……), ist das ein einigermaßen gangbarer Weg, er ist aber auf jeden Fall mit Kosten und Mühen verbunden. Ich würde diese Möglichkeit als „Plan B“ bezeichnen.

Alle Helden von heute folgen dem „Plan A“. Sie bleiben TEILE DES SYSTEMS und sorgen für einen AUFBRUCH DES SYSTEMS. So, wie Moses das ganze Volk mitgenommen hat ins gelobte Land, so nehmen diese Helden ihre Familien, alle ihre Kollegen und sogar ganze Völker mit in eine bessere Zukunft. Auch dieser Aufbruch muss kein physischer Aufbruch sein. Es kann sich auch hier um einen „inneren Aufbruch“ handeln.

Meint

Euer Christoph


Wie geht’s weiter mit den Wirtschaftsgedanken?

August 21, 2022

Liebe Leser!

Habe nun die Seite https://letztersein.com/wirtschaftsgedanken um einen weiteren Abschnitt ergänzt:

[…]Mit August 2022 wurde mir bewußt, dass die reine Philosophie mit volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gedankengängen mich nicht mehr befriedigt.

Ich entschied mich, aus Sicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme (Klimawandel, Umweltzerstörung, ……) auch ein wenig im Traditionsschatz des Christentums zu graben, und begann mit folgendem Beitrag:

Eine schöne neue Woche

Euer Christoph


Darf der Staat Geld verschenken?

April 23, 2022

Wieder einmal wurde im Fernsehen über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) diskutiert und wieder hat es in weiterer Folge Diskussionen in den sozialen Medien gegeben.

Ich möchte hier versuchen aus moralisch-ethischer Sicht und aus der Sicht eines Christen diese Frage unvoreingenommen zu ventilieren, hoffe auch auf rege Beteiligung an der Diskussion.

Beginnen wir gleich mit dem Ergebnis der Analyse. Am Ende unserer Untersuchungen werden wir erkennen, dass wir es mit den zwei Seiten einer einzigen Münze zu tun haben.

Die Frage „Darf der Staat Geld verschenken?“ ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite besteht in der Frage: „Darf sich Vermögen selbständig vermehren, ohne dass der Eigentümer dafür etwas leistet?“

Versuchen wir einmal, die erste Frage zu beantworten – Darf der Staat Geld verschenken?

Nun, da müssen wir weiter ausholen. Was ist Geld?

Manche Menschen wittern einen Paradigmenwechsel, der bewirken würde, dass der Begriff des Geldes sich grundlegend ändert. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würde man das Prinzip „quid pro quo“ über Bord werfen und dem ideal christlichen Ansatz einer bedingungslosen Nächstenliebe folgen. Einer Solidarität ohne Grenzen und ohne Maß.

Wäre das nicht unsere christliche Idealvorstellung?

Das bedingungslose Grundeinkommen müßte natürlich durch Steuererhöhungen finanziert werden, aber eben wegen des bedingungslosen Grundeinkommens würde es uns ja auch leichter fallen, höhere Steuern zu zahlen.

Hmmmmmm, das klingt irgendwie nach einer Inflationsspirale, zumindest sagt mir das mein Bauchgefühl. Diese Frage wird eben näher zu durchleuchten sein.

Na gut, aber zumindest nach dem „klassischen Paradigma“ ist Geld immer ein Gegenwert für materielle oder immaterielle Güter. Nach dem Prinzip „quid pro quo“ entspricht die Gesamtsumme aller Euro also allen materiellen und immateriellen Gütern, die sich im Eigentum aller in Europa ansäßigen Personen befinden. Also allen Gütern, über die der Souverän verfügen kann.

Wenn nun Güter vernichtet werden, ohne die Geldmenge zu verringern (zum Beispiel durch kriegerische Ereignisse), dann folgt logischerweise eine Inflation. Oder umgekehrt wäre eine Inflation die Folge, wenn der Souverän einfach neues Geld druckt, um das BGE zu bezahlen. Das wäre also ein Schuß ins Knie.

Durch welche Gegenleistungen könnte man also ein BGE finanzieren?

Einerseits indem zusätzliche Güter geschaffen würden.

Angenommen ein BGE würde die Menschen derart motivieren, dass sie plötzlich beginnen, viel mehr wertvolle Güter zu erschaffen.

Aber, moment mal. Dann würden sie ja wegen des BGE plötzlich mehr verdienen und bräuchten eigentlich kein BGE. Hmmmmm.

Oder sie würden die Güter gratis als sogenannte freie Güter (open source) erschaffen. Aber dann gäbe es kein höheres Steueraufkommen, mit dem man das BGE finanzieren könnte, sie wären also wieder abhängige Sklaven der vermögenden Klasse. Hmmmmm. Moment mal.

Wie lösen wir diesen Knäuel?

Nun, erst einmal:

Wir müssen akzeptieren: ein BGE wäre immer ein Geschenk und es könnte nichts sein, worauf man „ein Recht hätte“.

Normalerweise ist eine Geldleistung immer an Bedingungen geknüpft:

  1. Es hat schon eine Gegenleistung gegeben (normales Geschäftsgebaren)
  2. Es gibt ein Recht – oder zumindest eine Hoffnung – auf eine zukünftige Gegenleistung (Investition)
  3. Es gibt eine Hoffnung auf Wertsteigerung durch gesellschaftliche Neubewertung (Spekulation)
  4. Der Empfänger beweist, oder macht zumindest glaubhaft, dass er ein Sozialfall ist und somit ein Recht auf Hilfe hat

Überspitzt formuliert: um ein BGE zu argumentieren, müßten wir nach (4.) zugeben, dass wir alle ein Sozialfall sind.

Aber was wäre, wenn wir das BGE nicht durch Ankurbelung der Wirtschaft argumentieren, sondern durch Dämpfung im Sinne des Umweltschutzes?

Wenn wir also das BGE nicht durch eine Steuer auf Arbeit finanzierten, sondern entweder durch eine Steuer auf Vermögen, oder durch eine auf Vermögensertrag?

Nun gut, dass unseren oberen Zehntausend ein kleiner Aderlaß ganz gut tun würde, darüber sind wir uns ja alle einig. Zweifellos. Aber wie soll man das begründen?

Nun, einerseits verursacht Vermögen Kosten (zum Beispiel Abschreibungen oder Inflation sowie Wartung und Instandhaltung).

Aber andererseits kann man Vermögen selber nutzen (z.B. das berühmte Häuschen am Land) oder es verursacht auch einen Ertrag (Miete, Pacht, Zinsen, Spekulation, ……).

Kein Mensch versteht aber, warum Vermögen alleine dadurch, dass es da ist, ohne Leistung mehr werden soll.

Es ist also durchaus argumentierbar, dass der Staat dafür sorgen soll, dass Vermögenserträge nach Abzug des Eigengebrauchs und der Kosten für Verwaltung, Instandhaltung, Reparatur, …… (generell zur Werterhaltung) gleich Null sein sollen.

Meint

Euer Christoph

P.S. am 24.4.: das alles sind aber rein ethisch-moralische Überlegungen, wie ich schon geschrieben habe. Rechnerisch geht sich das sicher nicht aus. Vermögensbezogene Steuern bringen höchstens ein paar Milliarden. Ein BGE von 1000,- mtl. würde glatt 1000 x 12 x 8 Mill. = ca. 100 Mrd. kosten!!!

Ein BGE müsste also an die Substanz(!) des Vermögens gehen.

P.P.S. am 25.4. ich habe hier also die These aufgestellt, dass ein BGE, das über arbeitsbezogene Steuern finanziert wird, entweder zu einer Inflation oder zu einer Anheizung der Wirtschaft (und des Klimas) führen würde.

Zweite These: ein BGE, das aus den größten Vermögen finanziert wird, würde zu einer – dringend benötigten – Abkühlung der Wirtschaft (und des Klimas) führen, wäre aber nur temporär machbar als freiwilliger Beitrag der vermögenden Klasse zu einer nachhaltigen Zukunft der Menschheit.

These 3: So oder so, das BGE birgt die Saat der Sklaverei in sich („Brot und Spiele“).


Das ES-Gewissen

März 6, 2022

Wenn ein Kind geboren wird, dann lernt es die Leiden des Lebens am eigenen Leib kennen:

  • ICH habe Hunger
  • ICH fühle mich kalt
  • ICH fühle mich einsam

Am Anfang sind es diese ICH-bezogenen unangenehmen Gefühle, die uns sagen, was gut und was böse ist.

Und in den meisten Fällen müssen wir nur ein bisschen weinen – evtentuell schreien –, damit unsere unangenehmen Gefühle beseitigt werden. Wie werden ge“stillt“, damit wir eben still sind.

Irgendwann dann beginnen wir zu denken, wir lernen, dass die Mutter, der Vater auch Menschen sind, und dass wir von ihnen abhängig sind.

Der Mensch fürchtet eigentlich nur zwei Dinge:

  1. den physischen Tod,
  2. den sozialen Tod.

Diese Furcht vor dem sozialen Tod, dass die, von denen wir abhängig sind, uns nicht mehr mögen, diese Furcht führt zum ES-Gewissen.

  • ES wäre gut, wenn mich meine Eltern mögen
  • ES wäre gut, wenn meine Eltern reich und angesehen sind
  • ES wäre gut, wenn auf der Welt Frieden ist

Und so wird unser Gewissen von der Umwelt geformt, durch die Menschen, von denen wir abhängig und auf die wir angewiesen sind.

Das ist die Basis für den Unsinn des Gewissens.

Meint

Euer Christoph


Von Sinn und Unsinn des Gewissens – II

März 6, 2022

Nun habe ich tatsächlich begonnen, das 14. „kleine religiöse Büchlein“ zu schreiben (alle bisherigen findet man hier: https://letztersein.com/kleine-religiose-buchlein).

Zumindest die Einleitung ist schon fertig:

Von Sinn und Unsinn des Gewissens

Haben wir das Recht, über unser Gewissen zu urteilen?

Sinn und Unsinn des Gewissens festzustellen?

Ist es nicht das Gewissen, das über uns urteilt, statt umgekehrt?

Ist nicht das Gewissen die allerletzte Instanz, die über Gut und Böse entscheidet?

Nun, diesen Fragen sollten wir auf den Grund gehen.

Beginnen wir mit der Definition, die wir in der Schule gelernt haben:

Das Gewissen ist jene Fähigkeit der Vernunft, die es dem Menschen ermöglicht zu erkennen, was recht ist,
und es ist der Antrieb nach dieser Erkenntnis zu handeln.

Und da haben wir schon den Schlamassel:

Die Vernunft des Menschen ist irrtumsfähig.

Das heißt also, dass auch das Gewissen irrtumsfähig ist.

Wenn wir uns jetzt also in unseren moralischen und ethischen Bewertungen irren können, was ist nun der Maßstab, den wir anlegen können?

Wonach sollen wir uns richten?

Wo ist unser Leuchtturm, unser Kompass, unser Navi?

Was ist die Wahrheit, der wir folgen sollen?

Ich möchte versuchen, diese Fragen in diesem „kleinen religiösen Büchlein“ ein wenig zu ventilieren.

Lieber Leser, liebe Leserin, Du mußt mir nicht glauben, trotzdem wünsche ich Dir, daß Dich das Büchlein anrege und begleite.

Meint

Euer Christoph


Von Sinn und Unsinn des Gewissens

Februar 20, 2022

Liebe Leser und Leserinnen,

Nun habe ich mir also tatsächlich vorgenommen, ein 14. „Kleines religiöses Büchlein“ zu schreiben, ein Büchlein über „Sinn und Unsinn des Gewissens“.

Was meine ich damit?

Nun, Gewissen „bewertet“. Vor allem bewertet es uns selbst.

Das heißt, es vollführt eine Transformation, die aus komplexen Lebenssituationen einen binären skalaren Ausdruck extrahiert, der nur zwei Werte annehmen kann: „gut“ oder „böse“ bzw. „ich fühl‘ mich gut“ oder „ich fühl‘ mich schlecht“.

Also ein Bit, ein binary digit.

Manche Menschen denken auch in Graustufen und kennen die Werte „sehr böse“, „ziemlich böse“, „einigermaßen böse“, „ein bißchen böse“, „kaum böse“, „neutral“, „kaum gut“, „ein bißchen gut“, „einigermaßen gut“, „ziemlich gut“ und „sehr gut“.

Anmerkung: von Regenbogenfarben reden wir (noch) nicht, obwohl es gerade hier angebracht wäre 😉

Und zuletzt hatten wir uns mit einem skalaren Zahlenwert beschäftigt, mit dem der Markt einen Haushalt bewertet, nämlich mit der sogenannten „Wertschöpfung“.

Aber dann sind wir dahintergekommen, dass Wertschöpfung im üblichen Sinn eigentlich nur im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette der Produktionseinheiten einen Sinn ergibt. Eine „gesamtmenschliche Wertschöpfung“ oder eine „weltwirtschaftliche Wertschöpfung“ ergibt beim besten Willen keinen Sinn (siehe Beispiele 1: Wertschöpfung), wenn man die übliche Definition der Wertschöpfung zugrunde legt:

Wertschöpfung = Produktionsergebnis – Vorleistungen
(Satz B1a-1)

Wir werten das als Hinweis, dass der Sinn des Lebens sicher nicht in der Produktion und im Konsum begraben liegt. Sinnlose Produktion oder sinnloser Konsum mag zu gewissen lokalen Wertschöpfungen beitragen, aber sie „bringen die Menschheit insgesamt nicht weiter“.

All das wird im 14. Büchlein zu ventilieren sein, doch möchte ich diesmal noch ein wenig den Begriff der Wertschöpfung aus Sicht des beliebten alleinerziehenden Softwareentwicklers in einer Großstadt detaillierter betrachten.

Unser Softwareentwickler ist also in der R&D Abteilung irgend eines Unternehmens angestellt, diese Abteilung verkauft eine Arbeitsstunde unseres Softwareentwicklers um 80 € an andere Abteilungen (die 80 € sind also ein „interner Stundensatz“).

D.h. also, unser Softwareentwickler verursacht durch seine Arbeit (genau genommen durch seine Anwesenheit 🙂 ) bei seinem Chef einen Umsatz von 80 Einheiten.

Anmerkung: hier gilt Bruttoumsatz (BU) = Nettoumsatz = 80 Einheiten, weil ja für die interne Weitergabe meiner Arbeitsleistung im Unternehmen keine Umsatzsteuer verrechnet wird. Das ist auch gerechtfertigt, weil ja (fast) kein Transport der Leistung nötig ist. Die Umsatzsteuer dient ja im Allgemeinen dazu, die externen Kosten des landesinternen Gütertransports (Umweltschäden u. dgl.) abzudecken.

Nach Abzug des „gesamten Overhead“ (GO) bleibt für unseren Softwareentwickler ein Nettogehalt (NG) von 17 Einheiten.

Abb. B1a-1: Sicht des Programmierers (oben) /
Sicht des Arbeitgebers (unten)

Was dieser gesamte Overhead (GO=63) bedeutet, das wollen wir jetzt ventilieren.

GO aus Sicht des Softwareentwicklers

Aus Sicht des Softwareentwicklers ist der Nettogehalt (NG = 17 Einheiten) der Gegenwert für seinen persönlichen Beitrag zur Gesamtproduktion (ich würde ihn als „persönliche Wertschöpfung (PWS)“ bezeichnen).

Das, was ich als gesamten Overhead (GO = 63 Einheiten) bezeichne, ist aus seiner Sicht ein Maß dafür, wieviel äquivalente Dienstleistung durch seine Arbeit „ermöglicht“ *) wird.

Seine Arbeit „ermöglicht“ *) also die Finanzierung von insgesamt (NG + GO) / NG = 1 + GO/NG = 1 + 63/17 = 1 + 3.7 „äquivalenten Dienstleistern“ (inkl. seiner selbst).

Damit ist es also eigentlich eine „gemeinsame Anstrengung“, auf die er „den Schlußstein setzt“.

*) Eigentlich werden die Vorleistungen durch das Vertrauen darauf ermöglicht, dass sein Chef die Vorleistungen bezahlen wird. Dieses Vertrauen ist aber eng verknüpft mit dem Vertrauen, dass der Chef „jemanden hat“, der den Schlußstein auf die Vorleistungen setzen wird.

Der Erwerbstätige fühlt also umso mehr Stolz in seiner Brust, je kleiner die persönliche Wertschöpfung (PWS), bezogen auf den Bruttoumsatz (BU), ist, und er selbst und seine Familie trotzdem noch leben können (m.a.W. je mehr Umsatz er verursacht, und deswegen immer noch genug verdient, obwohl er möglichst wenig leistet).

Sollen wir uns vom Stolz leiten lassen? Das wäre noch zu ventilieren.

Recht auf Arbeit vs. Recht auf Arbeitsplatz

Im Artikel „Verortung des Ressourcenumsatzes“ (siehe HIER) hatte ich eine – etwas launige – Abhandlung gehalten, die versuchte die Begriffe „Arbeitgeber“ und „Arbeitsplatzgeber“ gegeneinander abzuwägen:

[…]In der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte kann man im Artikel 23 lesen:

Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)

  1. Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.[…]

Nun, dem ist nichts hinzuzufügen. Außer…… Ja, ich weiß ich bin ein i-Tüpferlreiter, aber eigentlich will ich kein „Recht auf Arbeit“, sondern ein „Recht auf einen Arbeitsplatz“.

Warum?

Der Arbeitgeber ist eigentlich kein Arbeitgeber, sondern ein ArbeitsPLATZgeber. Der ARBEITgeber bin schon ich, weil ich ja meine Arbeit hergebe – und dafür einen Gehalt bekomme.

Den ArbeitsPLATZ gibt aber der Unternehmer, und ich muss dafür bezahlen!

Warum muss ich für meinen ArbeitsPLATZ bezahlen?

Nun, aus meiner Sicht ist der Bruttoumsatz (BU) der Wert meiner Arbeit, unter der Voraussetzung, dass ich sie auf diesem Arbeitsplatz verrichte.

Ich kann den Wert GO (gesamter Overhead) also mit gutem Gewissen als die „Miete für meinen Arbeitsplatz“ interpretieren.

Der Chef meiner Abteilung stellt mir diesen Arbeitsplatz zur Verfügung, ich stelle meine Fähigkeiten und meine Arbeit zur Verfügung, gemeinsam erwirtschaften wir damit den Bruttoumsatz (BU).

Mein Anteil am Bruttoumsatz (BU) – nachdem die Kosten für den Arbeitsplatz abgezogen worden sind – ist der Nettogehalt NG (übers Jahr gerechnet, nach Steuerausgleich).

Darum ist es in meinem Interesse, dass der Arbeitgeber den Arbeitsplatz – auch mit meiner Hilfe – möglichst effizient gestaltet, was die Kosten für die Vorleistungen betrifft, damit mehr für mich übrig bleibt.

Man müßte also die Menschenrechte umformulieren:

Nicht das „Recht auf Arbeit“ sollte vom Staat gesichert werden, sondern das „Recht auf leistbare Arbeitsplätze“, dieses „abgestimmt auf die Lebenssituation der Einwohner und Einwohnerinnen“.

GO aus Sicht des Arbeitgebers / aus Sicht des Marktes

Für meinen Chef steht die Gesamtwertschöpfung der R&D Abteilung im Vordergrund, das sind in unserem Beispiel *) die gesamten Personalkosten:

  • PK = LK + IPVL
  • LK = Lohnkosten der internen Produzenten (inkl. Steuern und Sozialabgaben)
  • IPVL = Lohnkosten der internen Vorleister (inkl. Steuern und Sozialabgaben)

Unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten inkl. des Staates kostenoptimal arbeiten, sollte diese Gesamtwertschöpfung möglichst groß sein im Vergleich zu den externen Vorleistungen EPVL, um die Abhängigkeiten von externen Vorleistern klein zu halten.

Ausgenommen von dieser Regel sind Vorleistungen, die der Arbeitgeber selbst nicht so effizient (also kostengünstig) verrichten KANN, wie andere Wirtschaftseinheiten.

Solche Vorleistungen SOLLTE man – unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips und unter Berücksichtigung des Prinzips von der gerechten Entlohnung – an unternehmensinterne, andere private oder öffentliche Dienstleister auslagern.

*) Wir gehen davon aus, dass unsere R&D Abteilung kein nennenswertes Vermögen besitzt. Damit hat sie auch keinen Anteil am Eigenkapital und muss keinen Reingewinn an die Eigentümer abliefern (als Rendite für das Kapital). Sie muss auch keine Abschreibungen für Sachvermögen finanzieren und um die Rechte kümmert sich die – zentrale – Patentabteilung. Im Gegenzug ist dafür der „interne Stundensatz“ ziemlich „mager“ ausgefallen.

Für unseren Softwareentwickler heißt das also

Im folgenden die Vorleistungen, die für unseren Software-Entwickler sichtbar sind. Alles, was ich hier vergessen / übersehen habe, bitte mir nachzusehen.

  • Öffentliche Vorleistungen (ÖVL)
    Anmerkung: wenn man die Länge der folgenden Liste mit der Größe des Balkens ÖVL in Abbildung B1a-1 vergleicht, sieht man die Effizienz, mit der die öffentlichen Dienstleister hier arbeiten
    • Arbeitnehmerbeiträge (ANB)
      • Pensionsversicherung
      • Arbeitslosenversicherung
      • Krankenversicherung
      • Arbeitsgesetz – Rechtssicherheit
      • Arbeiterkammer
      • gratis Bildung und Ausbildung bis zum Eintritt
      • Straßen für die Fahrt zur Dienststelle
      • Öffentlicher Verkehr zur Dienststelle
      • etc.
    • Arbeitgeberbeiträge (AGB)
      • gut gebildete/ausgebildete Jobanfänger und Quereinsteiger
      • Verschiedene Infrastruktur
        • für Dienstreisen
          • Straßen
          • Öffentlicher Verkehr
        • für Telekommunikation
          • Telekom Control (Rechtssicherheit)
      • Rechtssicherheit
        • Arbeitsverträge
        • Patente
        • Markenrechte
      • Wirtschaftskammer
      • Öffentliche Sicherheit
      • Sicherung des sozialen Friedens
      • etc.
  • Externe private Vorleistungen (EPVL)
    • Raummiete für das Büro
    • Strom, Hausmeister, Empfang etc.
    • Geleasedter Laptop
    • Geleasedte Monitore
    • IT Infrastruktur
  • Externe Vorleistungen im selben Unternehmen
    Anmerkung: diese sind „durch die Niedrigkeit des internen Stundensatzes“ bereits berücksichtigt
    • Reingewinn für die Eigentümer (inkl. Gewinnsteuer)
    • Vorstand, Aufsichtsrat
    • höheres Management
    • IT Support
    • HR Management
    • Patentabteilung
    • etc.
  • (Abteilungs)interne Vorleistungen (IPVL)
    • internes Management (LK für den Chef)
    • Teamleitung (LK für die Teamleiter)
    • Meine unproduktiven Stunden (Trainings, Administrative Tätigkeiten)

Meint

Euer Christoph


Der Waldmensch ruft – (1) Begriffe

August 29, 2021

Seit Anfang Mai hatte ich auf diesem Blog Beiträge geschrieben, Beiträge zu den Themen „Nachhaltigkeit“ und „Regionalität“

– und zwar unter dem Titel „Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes“ –

und bin mir ziemlich sicher, dass ich eine ziemlich komplette Rundschau um das Thema gehalten habe.

Die Zusammenfassung und die entsprechenden Links findet man hier:

ZUSAMMENFASSUNG
https://letztersein.com/2021/07/25/vom-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-x-zusammenschau/

Aber ich muss doch zugeben, dass ich sehr wenig recherchiert hatte und mir – insbesondere zur Mathematik der 4 heuristischen Kriterien – so allerhand „aus den Fingern gesogen“ habe.

So schwebt über dieser ganzen Aktion ein unangenehmes Gefühl von Pioniertum und gleichzeitiger Befürchtung das Rad neu zu erfinden.

Nun gut, wer mich kennt, der weiß mittlerweile, dass ich eigentlich kein Problem damit habe, diverse Räder immer wieder neu zu erfinden – aber es wäre halt schon toll, wenn ich zumindest das eine oder andere Wikipedia Zitat unter meine Beiträge mischen könnte.

So versuche ich, das Thema – insbesondere die Details – nocheinmal aufzurollen, und muss also einmal beginnen, die Begriffe, die ich verwende, zu definieren (mit oder ohne Zitate).

Da ist einmal die wirtschaftliche Grundmenge, mit der wir uns in unseren Beispielen beschäftigen wollen, nämlich

Das Habitat, der Hof und der Haushalt

Unsere Modellannahme für den Jäger und Sammler, bzw. den Nomaden war ein Abschnitt der Erdoberfläche, das Habitat H, welches für die Sippe von Menschen von Natur aus – also gratis – bestimmte Ressourcen zur Verfügung stellte und bestimmte Mengen von Abfallstoffen aufnehmen konnte.

Mit Hilfe dieser Ressourcen und dem unserer Spezies anhaftenden Ingenieursgeist war es möglich, Güter aller Art zu produzieren, zu konsumieren, und zwischendurch auch einzulagern.

Bei dieser Modellbildung hatten wir Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Habitaten und Sippen vernachlässigt, die Sippe mochte eine Art „interne Währung“ haben, aber eine „externe Währung“ zum Austausch zwischen verschiedenen Sippen hatte diesem Modell gefehlt.

Abbildung 1-1: Wirtschaftliche Vorgänge in einer autarken Sippe

Die Sippe besteht aus

  • N Mitgliedern,
  • den Produktionsmitteln PM und
  • dem Lager.

Die Größen Produktion, Konsum, Einlagerung und Auslagerung werden entweder als vektorielle Stromgrößen angegeben (jedes Element des Vektors ist der Momentanwert eines Güterstromes, gemessen als „Gütermenge pro Zeiteinheit“) oder als vektorielle Gütermengen (Zeitintegrale der Güterströme), bezogen auf einen Durchrechnungszeitraum.

Unabhängig davon gilt für das Modell aus Abbildung 1-1 immer folgende Gleichung:

Konsum = Produktion – Einlagerung + Auslagerung *)

*) Verluste, die beim Umlagern, Einlagern, Auslagern oder bei der Übergabe der Güter entstehen, sowie Verluste, die im Lager durch Zeitablauf bewirkt werden (z.B. wegen Fäulnis), kommen in dieser Gleichung noch nicht zum Tragen.

Ich würde alle diese Verluste unter dem Begriff „Schwund“ bzw. – wenn wir moralisieren wollen – „Verschwendung“ zusammenfassen, würde diese dem Lager zuordnen, und schließlich schreiben:

Produktion – Konsum =
= Einlagerung – Auslagerung
(Gl 1.1a gilt für Momentanwerte und Integrale,

aber nur bei autarken Sippen)

Einlagerung – Auslagerung – Schwund =
= d/dt Lagerstand

(Gl 1.2 gilt für Momentanwerte bei allen behandelten Modellen)

Einlagerung – Auslagerung – Schwund =
= Lagerstand(t1) – Lagerstand(t0)
(Gl. 1.3 gilt für Integrale bei allen behandelten Modellen)


Beispiel: Nomade mit 7 Gütern, Bezugszeitraum April – Oktober

  • 7 Güter
    • Milch, Butter, Pökelfleisch, Wolle
    • Gegenseitig-Entlausen, Geschichten-Erzählen
    • Pullover-Stricken
  • Bezugszeitraum
    • April (t0) bis Oktober (t1)

Produktion
500 l Milch
80 kg Butter
50 kg Pökelfleisch
30 kg Wolle
40 x Entlausen
600 h Erzählen
0h Stricken

Konsum
500 l Milch
80 kg Butter
0 kg Pökelfleisch
0 kg Wolle
40 x Entlausen
600 h Erzählen
0h Stricken

Einlagerung


50 kg Pökelfleisch
30 kg Wolle


Auslagerung


0 kg Pökelfleisch
0 kg Wolle


Schwund = (-, -, 2 kg Pökelfleisch, 1 kg Wolle, -, -, -).

Lagerstand(t1) – Lagerstand(t0) = (-, -, 48 kg Pökelfleisch, 29 kg Wolle, -, -, -)

Die ersten 4 Elemente des Vektors sind klassische Waren, wobei man Milch und Butter wegen fehlender Kühlungstechnologie aber nicht lagern konnte, die letzten drei Elemente sind Dienstleistungen (die per se nicht lagerfähig sind).


Da die Kopfzahl der Menschheit immer größer wurde, stieß man mit dieser Lebensweise an Grenzen, an die Grenzen des Wachstums. Die vorherrschende Technologie reichte nicht mehr aus, um mit Hilfe der natürlichen Ressourcen friedlich und leidlich existieren zu können.

Man konnte nicht einfach den Planeten verlassen (und auch wir sollten uns nicht täuschen, so schnell werden wir das nicht schaffen, dass wir der Klimakatastrophe entkommen; ein paar Milliardäre werden es vielleicht schaffen).

Also benötigte es Innovation.

Man mußte Mittel und Wege finden, um das Land intensiver zu bewirtschaften.

So wurden wir zu Ackerbauern und Viehzüchtern. Dabei war es wesentlich, einen modernen Begriff von Grundeigentum zu entwickeln.

Wir parzellierten das Land und jeder Bauer war auf Gedeih und Verderb „seiner Scholle“ ausgeliefert, ohne großen Spielraum für strategische Manöver zu haben *).

Stimmt das? Nicht ganz!

Denn es entwickelte sich auch der Markt und der Austausch von Gütern (Waren, Dienstleistungen und Daten), wodurch man die Möglichkeit erhielt, auch Güter zu erwerben, zu „importieren“, die man auf dem eigenen Hof nicht oder nur unwirtschaftlich herstellen konnte.

Das Zauberwort hieß Spezialisierung (jeder Bauer spezialisierte sich auf „seine“ Scholle), das zweite und das dritte Zauberwort waren Währungsunion und freier Güterverkehr.

Dass zweite und das dritte Zauberwort machten es notwendig, dass Machtzentren entstanden, in denen sich Fürsten um die Ermöglichung des Handels (also um die Währungspolitik und den Bau öffentlicher Wege) kümmerten.

*) Der gegenteilige Effekt ist bei modernen Unternehmen zu konstatieren, die das Eigentum fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Dem Eigentum werden wir – weiter unten in diesem Beitrag – noch ein eigenes Kapitel widmen.

Abbildung 1-2: Wirtschaftliche Vorgänge in einem Hof mit Außenhandel

Hier gilt die Gleichung

(Produktion – Konsum) – (Export – Import)=
= Einlagerung – Auslagerung
(Gl 1.1b gilt für Momentanwerte und Integrale,

wenn Außenhandel vorliegt)

Was Europäische Geschichte betrifft, befinden wir uns jetzt in dieser kleinen Erzählung mitten in der Renaissance, bzw. auch schon im Barock. Die Machtzentren sind mächtiger als je zuvor, die schönen Künste blühen und wir befinden uns am Höhepunkt, knapp vor dem Niedergang der Universitäten. Die Idee der Universitas, dass man also eine umfassende Bildung anstrebte, um ein ganzheitliches Leben in der Wissenschaft zu führen, trifft zum Schluß angeblich nur mehr auf einen einzigen Menschen zu, auf den sogenannten „letzten Universalgelehrten“, Gottfried Wilhelm Leibniz **).

**) Dieser gesamte Absatz kann hinterfragt werden, da es Spezialisierung auch schon im Mittelalter gab – auch Universitäten – siehe die Kommentare unten von Kardinal Novize Igor

Damals stieß die Menschheit an die Grenzen des wissenschaftlichen Wachstums von Einzelkämpfern.

Wir wissen aber auch, dass zu diesem Zeitpunkt bereits die Druckerpresse erfunden war und dass somit nichts dagegen sprach, in der Wissenschaft kollaborativ zu arbeiten. D.h., man war sich einig, dass internationale Zusammenarbeit und Austausch der Forschungsergebisse der richtige Weg waren, um die Grenzen des wissenschaftlichen Wachstums zu sprengen.

Bis heute sind Wissenschaftler ein sehr mobiles Völkchen geblieben 🙂

Im Gegensatz zur Wissenschaft – die immer ein fürstliches Anliegen und somit gut dotiert war – mußte man im Gewerbe andere Wege gehen, um die Grenzen des menschlichen Gehirns zu sprengen.

Einerseits mußte man die besten Fachleute einer Disziplin agglomerieren, sodass sie sich gegenseitig befruchteten und noch bessere Ergebnisse lieferten – die Menschheit wuchs ja gnadenlos – andererseits mußte man mit diesen Ergebnissen unternehmensweite Standards ausarbeiten, sodass auch weniger talentierte – billigere – Fachleute mit Hilfe dieser Standards fast genau so gute Ergebnisse liefern konnten.

Die Kunden sollten nicht mehr einem
bestimmten „Guru“ oder „Meister“ vertrauen,
sondern der Marke des Unternehmens.

Der „Meister“, der „Guru“ hingegen verschenkte seine „Skills“, sein „Know How“, sein „geistiges Eigentum“ an den Unternehmer und war danach von dessen Gnade abhängig. Er musste ständig weiterlernen und immer neue Wissensgebiete beackern, um „immer am Ball zu bleiben“ und so weiterhin von Interesse für den Unternehmer zu sein.

Und jetzt – mit diesen Standards – kommen wir zu den interessanten Themen Unternehmensgeheimnisse, geistiges Eigentum, Patentrecht, Markenrecht und Daten / Information im Allgemeinen.

Auch darüber wollen wir – weiter unten – noch ein paar Worte verlieren.

Ich wage also zu behaupten:

So wie die Menschheit bei der Sesshaftwerdung
die land- und forstwirtschaftlichen Flächen parzelliert hat,
um das Land intensiver zu bewirtschaften,

so hat sie bei der Industrialisierung,
(aber eigentlich auch schon beim technischen
Fortschritt im Mittelalter **)
die Know How Landschaft parzelliert,
um das Know How intensiver zu nützen.

Die Firmen haben schließlich von den Universitäten gelernt, dass globale Kooperation die Effizienz steigert und die Standardisierung wurde outgesourced in nationale, kontinentale und internationale Gremien, die seitdem versuchen, sich mit literarischen Werken über Wasser zu halten, indem sie die „Meister“, die „Gurus“ an sich ziehen und immer weitere Know How Gebiete zu besetzen.

Die Universitäten hingegen müssen aufpassen, dass sie nicht zur staatlich geförderten „verlängerten Werkbank“ der Firmen werden.

Denn es ist die heilige Aufgabe der Wissenschaft, neue Know How Gebiete „der himmlischen Sphäre zu entreißen“ und „den Sterblichen zu bringen“.

War es nicht der Halbgott Prometheus, der den
Göttern das Feuer stahl und es den Menschen
brachte?

Und brauchte es nicht eine ganze Menge James Watts
und George Stephensons, die mit ihren Ingenieurleistungen
das Feuer zähmten, sodass es letzten Endes in einer
Dampfmaschine den Menschen diente?

Die realen Gebiete, in denen der Mensch Land-, Forst- und Fischwirtschaft betreibt, sind beschränkt und man kann diese Formen der Wirtschaft nicht unendlich intensivieren (ohne an Lebensqualität einzubüßen) ***). Das ist die natürliche Grenze, die der Kopfzahl N der Menschheit hier auf Erden gesetzt ist (der Mensch muss sich nur zu einem großen Teil in Städte – Mega-Cities – zurückziehen, damit Platz für die Lebensmittelherstellung bleibt).

***) das ist eine unbewiesene Behauptung „aus dem Bauch heraus“

Aber die virtuellen – die neu erschaffenen – Know How Gebiete, die die Wissenschaft kreiert hat, können von der Wirtschaft beliebig beackert werden, hier ist die einzige Grenze nur die Phantasie der Menschen – und die ist fast grenzenlos. Im Bereich der virtuellen Welten, die wir füreinander entwerfen, könnten wir Milliarden von Menschen sinnvoll beschäftigen.

Es wäre der Menschheit auch zu raten, soziale Leistungen, die bisher nicht nach Euronen bewertet werden – Krankenbesuche, mit Kindern am Spielplatz zu spielen, Jugendarbeit in der Pfarre, Kinderbetreuung usw. – oder auch Sozialberufe oder Gesundheitsberufe aufzuwerten durch monetäres Danke sagen.

Hier hat die Wirtschaft auch noch Wachstumschancen.

Jetzt aber zum Diagramm mit allen Wirtschaftsbeziehungen eines Haushalts H:

Abbildung 1-3: Wirtschaftliche Vorgänge rund um den Haushalt H
blau: ressourcenrelevante Vorgänge

Da Konsum, Leben und Produktion heutzutage voneinander meistens getrennt sind (daran könnte vermehrter Einsatz von Home Office etwas ändern), habe ich hier Konsumstätte(n), Produktionsstätte(n) und den Haushalt H getrennt gezeichnet.

Der Haushalt H hat ein privates Lager und private Produktionsmittel, die aber meistens in der Erwerbstätigkeit der erwerbstätigen Haushaltsmitglieder keine oder nur eine geringe Rolle spielen werden.

Aus privater Sicht habe ich ein Nettoeinkommen NE von NE = 17 Einheiten. Mit jeder meiner Arbeitsstunden kann der Chef der Produktionsstätte – das ist eine R&D Abteilung in irgendeinem Unternehmen – einen Umsatz von z.B. 80 Einheiten lukrieren (das ist z.B. der interne Stundensatz). Die fehlenden 63 Einheiten sind der gesamte Overhead GO.

Der gesamte Overhead, das sind alle, aber auch wirklich alle externen und internen Vorleistungen, die durch „meine Produkte“ (die 100% Erwerbs-Produktion), also durch die 63 Einheiten finanziert werden, inklusive Steuern und Sozialabgaben, so sie bereits vom Unternehmer abgeführt werden.

Wenn man meine Private Wertschöpfung = NE / GO = 17 / 63 ~ 27% berechnet, dann wird klar, dass die drei eingezeichneten Produkte nicht „meine Produkte“ sind, sondern dass ich auf die Vorleistungen der anderen Kollegen sozusagen nur „den Schlußstein draufsetze“ (27%), dieser Ehre darf ich mich nicht entziehen.

Und „meine Produkte“ sind ja auch wieder nur Vorleistungen, auf die jemand anderer – intern oder extern – den Schlußstein setzt, und so fort, bis letzten Endes ein Endprodukt ausgeliefert wird, und die letzte Produktionsstätte in der Wertschöpfungskette einen Umsatz erzielt sowie Umsatzsteuer abführt.

Betriebswirtschaftlich hat natürlich jedes Produkt – und jeder Mitarbeiter – verschiedene Werte der Wertschöpfung, nur für mich privat kann ich das am Nettoeinkommen und am erzielten Bruttoumsatz ablesen.

Alle drei – Konsumstätte(n), Haushalt H und Produktionsstätte(n) *) – sind an sich geographisch verortet, was notwendig ist, um den Ressourcenumsatz den entsprechenden politischen Gebietskörperschaften zuzuordnen – wenn meine Firma im Nachbarort steht, dann ist auch der Bürgermeister des Nachbarortes zuständig, den Ressourcenumsatz der Firma zu besteuern.

*) Die Produktionsstätte(n), in der/denen ich mein Geld verdiene (erwerbe), nenne ich deswegen auch Erwerbsstätte(n), um klar zu machen, dass für mich nicht die dortige Produktion im Mittelpunkt steht, sondern der Gelderwerb**).

**) Hier kratze ich an alteingesessenen Mythen, ich weiß 😉

„RU“ steht also für den – geographisch verorteten – Ressourcenumsatz, der je nach Umweltgesetzgebung entsprechend subventioniert und/oder besteuert wird.

Auch der Markt hat einen Ressourcenumsatz, welcher entlang der Transportrouten und in den Zwischenlagern zu verorten ist.

Die Vorleistungen, die Güter der externen Vorleister, müssen erst zur Produktionsstätte transportiert werden, ausserdem gibt es sicher die eine oder andere Dienstreise vom Vorleister zur Produktionsstätte. All das ist der Vorleistungsverkehr „VLV“.

Berufsverkehr „BV“ = ich muss mich ja – zumindest zwei-, dreimal die Woche, körperlich zur Produktionsstätte begeben.

Konsumverkehr „KV“ – Konsum findet ja nicht immer in den eigenen vier Wänden statt.

Wer für welchen dieser Ressourcenumsätze verantwortlich ist – dafür aufzukommen hat – damit möchte ich mich später in dieser Serie noch beschäftigen.

Jetzt aber zu meinem Lieblingsthema:

Alles dreht sich heute um geistiges Eigentum

Zum Vermögen (eines Individuums, einer Familie, einer Firma, einer staatlichen Einrichtung, einer NGO/NPO), zählen nicht nur die drei Arten von Gütern, die wir bereits kennen, also

  • Waren,
  • Dienstleistungen und
  • Daten.

Nein, zum Vermögen zählen auch Rechte.

Ich würde sagen, Rechte sind – so wie auch Geld – eine spezielle Form einer Ware:

  1. sie lassen sich nicht kopieren (zumindest nicht unautorisiert),
  2. sie sind gut lagerbar,
  3. aber es ist manchmal schwer, ihren Wert in Euronen anzugeben.

So, wie Geldscheine eigentlich nur ein „Recht auf Güter“ sind (ein Schuldschein der Zentralbank), so sind Aktien verbriefte Anteile am Eigentumsrecht über eine Firma*).

Patentrechte und Markenrechte sind Rechte, bestimmte Verfahren zur Lösung eines technischen Problems gewerblich zu nutzen (Patentrecht) und andere Marktteilnehmer daran zu hindern, bzw. gewisse einprägsame Merkmale im Zusammenhang mit einer Marke zu verwenden (Markenrecht) und andere Marktteilnehmer daran zu hindern.

*) Eigentum ist das Recht, über eine Sache zu verfügen, einschließlich dem Recht, diese Sache zu zerstören. Dieses Recht ist nur eingeschränkt durch einen „sozialen Vorbehalt“, wonach sich der Eigentümer bezüglich dieser Sache nicht so benehmen darf, als wäre er der einzige, der mit dieser Sache zu tun habe. Sogenannte Stakeholder (die aufgrund irgendeiner Tatsache ein natürliches Interesse haben, bei dieser Sache mitzureden) haben also so etwas wie ein „natürliches Mitspracherecht“. Das letzte Wort hat aber der juristische Eigentümer.

Wir haben davon gesprochen, dass der „Guru“ bzw. der „Meister“ sein „geistiges Eigentum“ dem Unternehmer abgetreten hat, welcher dann daraus Patentrechte bzw. Markenrechte lukrierte.

Aber worin fußt eigentlich das „Recht“ eines „Gurus“ oder eines „Meisters“, über „seine Werke“ zu „herrschen“?

Das wollen wir im nächsten Kapitel ventilieren.

Urheberschaft ist gottgegeben, Eigentum ist nur geborgt

Jeder Urheber eines Kunstwerkes oder eines literarischen Werkes (also auch einer Software) hat von selbst – ohne Zutun – das Urheberrecht, einzig und allein durch die Tatsache, dass er/sie dieses Werk erschaffen – geschöpft – hat.

Das erinnert ein wenig an das Recht Geld zu schöpfen, welches nur der Zentralbank zukommt.

So wie Geldscheine vom Zentralbankgouverneur unterschrieben werden, so werden Kunstwerke und literarische Werke (und Software) oft vom Schöpfer signiert. Diese Unterschrift garantiert für den Wert des Werkes – bzw. des Geldes.

Das Urheberrecht kann weder verkauft noch sonst irgendwie weitergegeben werden, es ist und bleibt ein Recht des Urhebers und ist bis 70 Jahre nach dessen Tod wirksam.

Erst 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers kann man seine Werke bedenkenlos nutzen.

Ein bisschen schwieriger wird die tatsächliche Durchsetzung des Urheberrechts, insbesondere bei digitalen Daten, welche schwer vor dem Kopieren geschützt werden können.

Was den Umgang mit Daten und Software betrifft, herrscht heutzutage noch ein heilloses Chaos von verschiedensten Ansätzen (DRM, Upload-Filter, usw.) und ich kann einem geldgierigen Jüngling keinesfalls empfehlen, in das Metier der IT einzusteigen. Das rechnet sich nicht. In der IT brauchst Du ein gerüttelt Maß an Altruismus, insbesondere gegenüber Deinem Arbeitgeber, der Dich beim Jammern immer noch haushoch schlägt 🙂

Ich bevorzuge die Begriffe vom Erstling und von der Kopie.

Das Erstellen des Erstlings einer Software ist eine Dienstleistung und es ist immens teuer.

Das Erstellen einer Kopie des Erstlings ist saubillig – und es ist ebenfalls eine Dienstleistung.

Beide Programme – Erstling und Kopie – leisten aber dasselbe. Wie soll man das monetär bewerten?

Wenn man eine Herangehensweise wählt, mit der man a) den Erstling „im Griff behält“ (sog. „geschlossener“ Erstling) und b) das unkontrollierte Weiterkopieren der Software technisch unterbindet, dann kann man die Kosten des Erstlings in den Lizenzen für die Kopien einpreisen. Das ist aber tendenziell unzuverlässig und es neigt dazu, aus offenen Gesellschaften geschlossene zu machen.

Bei einem „offenen“ Erstling tendiere ich dazu, dessen Erstellung als einen „Dienst an der Gesellschaft“ zu interpretieren, der auch von der Öffentlichkeit entsprechend abgegolten wird. Das Modell wäre ähnlich wie die Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft – öffentlich finanzierte Dickbrettbohrer – und privatem Sektor – privat finanzierte Dünnbrettbohrer.

Die Öffentlichkeit kümmert sich um die Erstellung des offenen Erstlings und die Infrastruktur für das Kopieren (mit „Öffentlichkeit“ kann auch eine NPO/NGO gemeint sein), die Privatwirtschaft kümmert sich um die Hardware, die zum Ablauf der Kopie benötigt wird.

3D Drucker – Druckerpresse Next Generation

Bis jetzt war es so, dass die Hardware eines Computers fix vorgegeben ist.

Der Computer steht einmal so herum, und ist „an sich“ ein Generalist. Er ist a priori in der Lage, Daten zu verarbeiten und durch die Verarbeitung der Daten durch eine bestimmte Software wird aus diesen Daten dann nützliche Information.

In der Computer-Hardware und in der Firmware sind alle möglichen S/R-Schemata „angelegt“, die dann durch die konkrete Software erst konkret durchgeführt werden.

Die Diskette mit dem Label „MS Flight Simulator“ IST kein Flugsimulator, aber sie MACHT einen Flugsimulator aus dem PC.

Einige wenige Spezialisten haben viele Stunden investiert, um den „MS Flight Simulator“ zu erstellen, aber jetzt ist er 1-2-3 kopiert und kann von jedem mathematischen Laien verwendet werden, um komplexe flugdynamische Berechnungen anzustellen, die einem das Gefühl geben „ich fliege“.

Und mit dem 3D Drucker gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Mit Hilfe dieses Geräts bin ich nicht auf die generalisierte Hardware eines PC oder einer Konsole angewiesen, nein ich kann spezifische Hardware selbst erstellen, wieder aufgrund der harten Arbeit einiger Spezialisten, die den Bauplan erarbeitet haben, den ich dann in den 3D Drucker füttere.

Wie Ihr wisst, halte ich den
Begriff der Digitalisierung für fehlgeleitet.
Schon in den 90er Jahren war die allermeiste Hardware,
die wir benutzten, digital.
Analoge Hardware gibt es jetzt kaum noch.

Ich denke, dass der Begriff „Virtualisierung“,
bzw. „Computerisierung“
den Sachverhalt besser treffen würde.

Meint

Euer Christoph


Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XIV (noch mehr Themen)

August 28, 2021

Seit dem Mai des Jahres 2021 beschäftige ich mich mit den Themen „Nachhaltigkeit“ und „Regionalität“, und versuche auf eine autodidakte Art und Weise die Basis für einen Umgang mit diesen Themen zu finden.

Wenn Dich die gesamte Schriftenreihe interessiert,
dann beginnst Du am besten
HIER.

Jetzt möchte ich einmal weitere Beiträge zu diesem Themenkreis umreissen, die mich interessieren – und über die ich im Laufe der nächsten Wochen und Monate noch schreiben möchte – und Euch vielleicht bitten,

zu artikulieren, wenn Euch eines dieser Themen besonders interessiert.

Dann werde ich dieses evtl. vorreihen.

1. Thema:
Das heuristische Kriterium für Gleichgewicht und Nachhaltigkeit

In einem der allerersten Beiträge hatte ich behauptet, dass das Kriterium

Effektive Erwerbsquote =
= Nettoeinkommen / erzielter Bruttoumsatz,

bezogen auf einen bestimmten Haushalt, angebe, ob ein Haushalt nachhaltig bzw. „ausgeglichen“ agiere.

In diesem Beitrag möchte ich dieses Kriterium, hauptsächlich an Hand von Beispielen, hinterfragen und zu einer endgültigen Aussage gelangen.

Dabei möchte ich auch den Begriff der Wertschöpfung hinterfragen und den Begriff der Regionalität.

Ich möchte aufzeigen, dass dieses Kriterium eben eigentlich nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat (was ich vermute).

2. Thema:
Das heuristische Kriterium über „gebunkertes“ Vermögen

In den ersten 5 Beiträgen hatte ich dieses Kriterium entwickelt, welches behauptet, dass

der Umgang mit „gebunkertem“ Vermögen darüber entscheide,
ob man Ressourcen verschwende

(ein Extrem – zuviel gebunkert / Überfluß / Schwund) oder
ob man den Haushalt untragbaren Risiken aussetze

(anderes Extrem – zuwenig gebunkert / Mangel in der Krise).

Anhand von detaillierten Beispielen, möchte ich dieses Kriterium

  • a) auf die moderne Zeit anwenden
  • b) in Verbindung zum Begriff der Nachhaltigkeit bringen
  • c) klar machen, dass es aber nichts mit Regionalität zu tun hat

3. Thema:
Das Kriterium mit den Naturgesetzen

Bei der Beschäftigung mit externen Effekten und ihrer Internalisierung hatten wir ein drittes Kriterium aufgestellt:

Wenn sich ein Haushalt an die Naturgesetze hält
(und damit sind sowohl die Natur des Universumsals auch
die Natur der Lebewesen, insbesondere der Menschen gemeint),
dann wird er nachhaltigen – auch wirtschaftlichen – Erfolg haben.

Dieses wollen wir hinterfragen und erklären.

4. Thema:
Kopfzahl N

Warum tendieren Gruppen zum Wachstum? Was ist es, das uns dem Wachstum hörig macht?

  • möglichst viele Kinder haben / die Welt verändern?
  • sich ausbreiten „wie ein Ölfleck“?

—–> die Grenzen des Wachstums

Was genau ist Wachstum? Angebot und Nachfrage? Die drei Arten, zu einem Preis zu kommen?

Sollen wir N reduzieren? Wie könnte das gehen? Verschiedene verrückte Ansätze. Stadt versus Land. Die Schlacht wird am Land geschlagen.

Nachhaltigkeit – Sustainability – Größe der Menschheit (wachsen oder schrumpfen) – einschneidende Ereignisse (notwendig oder nicht?)

5. Thema:
Was kann ein einzelner Haushalt tun?

  • die verschiedenen Verschachtelungen: Individuum, Haushalte vom Typ 1.) – 4.)
  • sustainable growth aus Sicht eines einzelnen Haushalts (was können WIR tun?)

6. Thema:
Noch einmal (geistiges) Eigentum („mein“ Thema)

  1. Natürliches Eigentum (Stakeholder) vs. Juristisches Eigentum (Shareholder)
  2. Urheberschaft ist gottgegeben / Eigentum ist nur geborgt
  3. noch einmal „geistiges Eigentum“ – mein Thema (the mission)

Wenn Euch eines dieser Themen besonders interessiert, gebt mir doch ein Zeichen.

Oder ist jemand der Meinung, dass der gesamte Themenkomplex eigentlich HIER schon ausgelutscht ist?

Mit der Bitte um Kommentare

meint es

Euer Christoph