Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes – XIII (Gruppen, Verantwortung)

August 14, 2021

Rückschau und Weiterleitung

Liebe Leser und Leserinnen!

Wie sich im Laufe der letzten Wochen und Monate herausgestellt hat – als ich diese Serie von Beiträgen geschrieben habe – siehe auch die Liste ganz am Ende dieses Beitrags und die vier Links

– bin ich in meiner Serie „Vom freien Nomaden zum Sklaven des Marktes“ eigentlich einem Phantom nachgelaufen, nämlich dem:

Kriterium für ethische Führung eines Nomadenstammes bzw. eines Hofes im Feudalsystem

Ob man nichts verschwende – ob der Schwund also möglichst gering sei bzw. dem durch höhere Gewalt verursachten Schwund entspreche – und ob man sozusagen „immer brav aufesse“ und auch das Vermögen „stets in Bewegung halte“, daran sollte sich entscheiden, ob man mit den „Gütern dieser Welt“ ethisch korrekt oder eher unethisch umginge, was sich dann mathematisch darstellen würde wie folgt:

(R – C) = KPT * infl + KAU (XIII.1a),
(1 – (K / P + ü)) = shg (XIII.1b).

Mehr dazu unter:

Aber eigentlich wissen wir nicht genau, was das mit Nachhaltigkeit und mit Regionalität zu tun haben soll. Es war nur die heuristische Setzung eines Gesetzes, eigentlich ohne wissenschaftlichen Hintergrund

– nichts zu verschwenden ist gefühlsmäßig gleichbedeutend mit nachhaltiger Vorgehensweise -,

wie auch schon ganz am Anfang das

heuristische Kriterium für Nachhaltigkeit und Gleichgewicht

Effektive Erwerbsquote = Nettoeinkommen / Bruttoumsatz (I.1) = (XIII.2)

im Artikel https://letztersein.com/2021/05/09/der-weg-from-freien-nomaden-zum-sklaven-des-marktes-i-nomaden/ ein rein heuristischer Ansatz war (an „meinem“ Produkt sollen genauso viele Leute mitarbeiten, wie Leute von „meinem“ Nettoeinkommen finanziert werden).

Haben wir uns nicht der Wissenschaft verschrieben?

Wollen wir nicht faktenbasiert arbeiten?

Haben heuristische Ansätze hier einen Platz?

Eigentlich schon, denn wenn man es genau betrachtet, beginnt jede Wissenschaft mit heuristischen Ansätzen. Man darf dann nur nicht „im Ansatz stecken bleiben“, sondern muss die Ansätze aufgrund der Wahrheit / Wirklichkeit (also aufgrund der Realität) einer Prüfung unterziehen.

Deshalb sind wir dann in der ZUSAMMENFASSUNG (Links siehe oben) dahinter gekommen, dass wir zuerst die „externen Effekte“ und die „Internalisierung externer Effekte“ verstehen – begreifen – müssen, bevor wir uns ernsthaft mit den Themen Nachhaltigkeit und Regionalität beschäftigen können.

Wieder machten wir einen heuristischen Ansatz (XIII.3)

Wir haben verstanden, dass wir unsere Ressourcenkreisläufe entsprechend der Naturgesetze gestalten müssen, wenn wir nachhaltigen – auch wirtschaftlichen – Erfolg haben wollen.

Unter Naturgesetzen verstehen wir allerdings nicht nur die rein physikalischen Gesetze wie zum Beispiel den Bewegungssatz, sondern wir meinen damit auch die „Regeln des Lebens“, zum Beispiel

den moralischen Grundsatz (XIII.4):

Was Du nicht willst, daß man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu,

dessen positive Formulierung Immanuel Kant als den „kategorischen Imperativ“ bezeichnet hatte.

Nun gut, es geht also – etwas flapsig formuliert – darum, die externen Effekte auf unserer Seite zu haben, und sie uns zu Nutze zu machen und nicht zum Feind.

Aber jetzt gehen die Fragen schon gleich los:

Was ist extern?

Was ist intern?

Wo sind die Grenzen zwischen extern und intern?

Warum soll ich mich um Externa kümmern?

Ich habe doch wirklich genug Probleme mit den Interna!

usw.

Das wollen wir ein wenig sickern lassen.

Gruppenbildung / Arten von Gruppen

Wenn wir uns mit den Begriffen „extern“ und „intern“ beschäftigen wollen, dann müssen wir wohl auch den Begriff der „Gruppe“ in betracht ziehen und erstmal fragen:

  1. Welche Arten von Gruppen gibt es?
  2. Wie kommen Gruppen zustande?
  3. Ist jede Gruppe ein Haushalt?
  4. Ist jeder Haushalt eine Gruppe?
  5. Was ist Verantwortung?
  6. Was haben die Begriffe „extern“, „intern“ und „Gruppe“ mit dem Begriff der „Verantwortung“ zu tun?

Die Gruppe ist das WIR in dem allgegenwärtigen Satz „WIR sind die Guten“, bzw. „WIR sind die Besseren“.

Das, was nicht zur Gruppe gehört, das sind DIE ANDEREN, also „die Schlechten / Bösen“, vor denen man Angst haben muss, vor denen man sich schützen muss und mit denen Kontakt zu haben man am besten generell vermeidet.

Ist es wirklich so?

Natürlich nicht.

Reisen bildet, und je öfter man woanders ist, desto eher kommt man dahinter:

Der Mensch ist überall dieselbe Sau.

bzw.

Der Mensch ist überall derselbe König.

Na gut, das war jetzt alles sehr subjektiv.

Die Gruppe hat aber auch objektiv ihre Vorteile und wird – wenn man es genau betrachtet – bis heute zur Einteilung der Menschheit verwendet.

Schau in Deinen Taschenkalender, bzw. in Dein Smartphone, und Du findest ca. 30 – 100 Adressen, aus denen Dein „Rudel“ besteht.

Diese Anzahl von Menschen kann man gerade noch überblicken, da kann man sich mit den Problemen der anderen noch ernsthaft beschäftigen, nicht so, wie der Kurarzt, der zu seiner Laufkundschaft hunderte – oder gar tausende – Leute zählen darf, der sich aber mit keinem einzigen seiner Kunden ernsthaft auseinander setzen kann.

Dein Telefonbuch ist für Dich die Gruppe Deiner Bekannten.

Dann gibt es eine – kleinere – Gruppe von Menschen, die Du in Deinem Herzen trägst. Das sind Deine Freunde.

Aber so kommen wir nicht weiter, denn wir wollen uns mit dem Begriff des Haushalts beschäftigen.

Beim Haushalt gehen wir davon aus, dass es eine wirtschaftliche Zusammengehörigkeit gibt, das heißt, dass die Mitglieder mehr oder weniger voneinander abhängig sind, was ihren Konsum und/oder ihre Produktion betrifft.

Gerade heute ist diese wirtschaftliche Abhängigkeit von den Freunden und Bekannten eigentlich nicht mehr gegeben, nicht einmal von der eigenen Familie.

Meistens unterscheidet man ja auch zwischen privatem Telefonbuch und geschäftlichem Telefonbuch.

Die nomadisch lebende Sippe, aber auch die Hofgemeinschaft auf einem Bauernhof und die Dorfgemeinschaft, waren engmaschig vernetzte sozio-ökonomische Gefüge, wo man nicht so einfach ein Element herausreissen konnte.

Heute ist das anders.

Heute ist eine Eheschließung nicht mehr als ein „horizontaler Handschlag“, Einstellung und Kündigung von Mitarbeitern findet im Sekundentakt statt und letzten Endes ermöglicht das engmaschige Netz des Sozialstaates, dass es jedem Menschen freigestellt ist, mit Partner, ohne Partner, mit Kindern, ohne Kinder, am Land oder in der Stadt zu leben, jeder genau so, wie es ihm gefällt.

Trotzdem ist eine Familie, sozusagen der Prototyp eines Haushalts, meistens zumindest eine Konsumgemeinschaft, da man ja darauf achtet, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen.

Die typische Produktionsgemeinschaft ist dann die Firma, in deren Namen man die erwerbstätige Produktion erledigt.

Die nicht erwerbstätige Produktion beschränkt sich in vielen Fällen auf das Führen eines Haushalts für die Konsumgemeinschaft – Familie – mit all den Tätigkeiten, die dazu notwendig sind, und etwaige Hobbies.

Was zum Kuckuck sind Stakeholder und was hat das mit Shareholdern zu tun?

Wenn wir uns also aus allen möglichen Gruppen nur mit Haushalten, und von denen wiederum nur mit den heute typischen Haushalten, beschäftigen wollen, dann bleiben uns eigentlich:

  1. Familien (eigentlich nur „Rumpf“familien) und Wohngemeinschaften (auch Heime etc.),
  2. private Firmen,
  3. öffentliche Haushalte und eventuell noch
  4. Klöster und Glaubensgemeinschaften, auch sonstige non-profit Organisationen.

Die ersten Fragen, die ich mir stelle, wenn ich an all diese Haushalte denke, sind:

  • Wo sind die Grenzen des Haushalts bezüglich
    • des Umsatzes (um wessen Produktion und Konsum geht es?)
    • des Reingewinns (wer sind die Eigentümer des Haushalts?)
    • des Vermögens (wessen Eigentum wird in den Haushalt investiert?)
    • der Entscheidungsfindung (wer ist stimmberechtigt?)
    • der Verantwortung füreinander

Mitglied eines Haushalts wird man eigentlich aufgrund gemeinsamer Produktion, gemeinsamen Konsums und sonstiger gemeinsamer Tätigkeiten (Lernen, Training, Spiel, sonstige Hobbies).

Sowohl gemeinsame Produktion in Teams als auch gemeinsamer Konsum (z.B. am Mittagstisch!) schweißen Menschen zusammen, wie wir sehr gut wissen.

Und all dies macht uns auch abhängig voneinander, wobei die Abhängigkeiten innerhalb der Gruppe oft schwerer wiegen als Abhängigkeiten zwischen den Gruppen.

Hiezu zählt auch der Begriff der Autarkie, die von manchen Gruppen immer noch angestrebt wird, indem sie versuchen, von allen anderen Gruppen zu 100% unabhängig zu sein, so wie die nomadisierende Sippe es war.

Im Gegensatz dazu steht die Ideologie der Globalisierung, die alle Gruppen möglichst abhängig voneinander sehen möchte, sodass keine Gruppe mehr so überheblich sein kann, Autarkie auch nur im Geringsten anzudenken.

Dieser Wettstreit ist sehr spannend, wobei ich eher darauf wette, dass in nächster Zeit die Regionalisierung fröhliche Urständ feiern wird – obwohl die COVID-19 Impfstoffe ein klarer Erfolg globaler Zusammenarbeit sind.

Vielleicht ist es dieser Konflikt – der Konflikt zwischen den Ideologien der Globalisierung und der Regionalisierung -, der die Diskussionen um COVID-19 unterbewusst anheizt.

Eigentum / Vermögen / Geistiges Eigentum

Dem Begriff des Eigentums begegnen wir eigentlich bereits beim Jäger und Sammler.

Nein, eigentlich sind es bereits die Eichhörnchen, wenn sie Vorräte für den Winter sammeln, die sie an Plätzen verstecken, wo nur sie selber Zugriff haben.

Bei einer Familie ist es nun so, dass es zwar Dinge gibt, die eindeutig einem der Mitglieder „zugeordnet“ sind – meine Uhr, Dein Taschenrechner, Dein Brillianten-Collier und so weiter -, dass es aber auch Vermögenswerte gibt, die man „gemeinsam“ besitzt – Haus, Auto, Staubsauger, Möbel, …….

Im Falle einer Scheidung kann hier die Klärung der Eigentumsfrage bezüglich des gemeinsamen Vermögens recht kniffelig werden.

Auch Unternehmen haben ein Inventar, das „dem Unternehmen an sich“ gehört, wozu das Unternehmen eine sogenannte „juristische Person“ darstellt, die eben an sich Vermögen besitzen und eignen kann.

Aber, und jetzt wird’s eigentlich seltsam:

  1. Wem „gehört“ die Familie an sich?
  2. Wem gehört die Firma an sich?
  3. Wem „gehören“ öffentliche Haushalte an sich?
  4. Und wem „gehören“ Klöster, Glaubensgemeinschaften und sonstige non-profit Organisationen an sich?

Nach dem einfachen Satz „wer zahlt, schafft an“,

sind also eigentlich alle Personen, die Kapital in einer Gruppe anlegen – die in diese Gruppe investieren -, anteilsweise als Eigentümer – oder eigentlich als „Interessenten“ (also „Stakeholder“) – dieser Gruppe zu betrachten.

Der Interessent investiert also einen Teil seines Vermögens in die Gruppe und darf daher – anteilsweise – entscheiden, was in der Gruppe passiert.

Sollte man meinen. So würde es sich aus der Natur ergeben.

Aber wir unterscheiden zwischen „juristischem“ Eigentümer („Shareholder“) und „Interessent“ („Stakeholder“).

Der „juristische Eigentümer“ hat das letzte Wort und auch die letzte Verantwortung für alles, was in der Gruppe so geschieht, der „Interessent“ (Stakeholder) hat kein verbrieftes, aber ein natürliches Mitspracherecht (ich habe das jetzt nicht im ABGB nachgelesen, aber ich vermute, dass es so ist).

1. Bei der Familie sind es meistens die Eltern, die große Teile ihrer Assets in eine Familie investieren, aber es gibt auch Krisensituationen, in denen die Kinder große Teile ihrer Lebenskraft investieren, damit die Familie erhalten bleibt. Ganz zu schweigen von den Großeltern.

Früher hat es den Begriff des „Haushaltsvorstands“ gegeben, aber heute gibt es keinen „juristischen Eigentümer“, der in einer Familie das letzte Wort hätte. Da muss man sich „irgendwie zusammenraufen“.

2. Was die Firma betrifft, ist es eigentlich nicht nur der juristische Eigentümer, der in die Firma investiert, sondern auch ich als Mitarbeiter steuere meine „Skills“ bei, mein „geistiges Eigentum“, der Kunde steuert Geld und Zeit bei, bis das Produkt seinen Vorstellungen entspricht und die Gesellschaft investiert in die Infrastruktur, die von der Firma selbstverständlich benützt wird.

Es ist also nicht nur der „Shareholder Value“, um den sich der Vorstand und der Aufsichtsrat einer Firma kümmern müssen, sondern alle „Stakeholder Values“ müssen berücksichtigt werden:

  • Reingewinn und Aktienkurs für den juristischen Eigentümer
  • Gehalt und Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter
  • Preise und Lieferbedingungen für die Lieferanten
  • Zufriedenheit für die Kunden
  • Zufriedenheit für die Gesellschaft im Einzugsbereich der Firma – hier versteckt sich auch die Verantwortung für externe Effekte und Ressourcenpools

3. Die öffentlichen Haushalte – also z.B. staatseigene Firmen, Bundesländer, Gemeinden, Staaten und ähnliches – agieren normalerweise ohne Profite zu generieren. Die Kosten werden von den Steuerzahlern gedeckt, die auf dem Umweg der Wahlen ein Mitspracherecht haben.

4. Wem gehört die Kirche? Rein juristisch ist das egal, da sie als NPO keine Profite an den Eigentümer ausschüttet, auch nicht an Mitglieder.

Als juristische Person hat sie eine ganze Menge Eigentum, bei dessen Verwendung letzten Endes der Papst das letzte Wort hat (letzten!!! Endes).

Ich würde sagen: der Eigentümer der Kirche ist Gott, aber der ist keine Person, die dem irdischen Gesetz unterstünde.

Verantwortung und Entscheidungsfindung

Die Verantwortung betrifft also (siehe oben) immer ALLE STAKEHOLDER (INTERESSENTEN) einer Gruppe.

Beim Nomadenstamm sind die Stakeholder mehr oder minder identisch mit den Mitgliedern.

Als wir in der feudalen Hofwirtschaft den Markt eingeführt hatten, kamen die Kunden und Lieferanten als Stakeholder hinzu, außerdem der Fürst als „Vertreter der Gesellschaft“.

Weiters konnte man – da man exportierte – vom Profit auch dem Gesinde eine Art Gehalt zahlen (in externer Währung) und die Bank kam als Eigentümer ins Spiel, bis der Kredit abbezahlt worden war.

Danach war dann der Bauer sowohl Eigentümer als auch Mitglied des Hofes (nicht jeder Eigentümer einer Gruppe muss auch Mitglied derselben sein).

Beim modernen Menschen muss man unterscheiden.

Meinst Du meine Verantwortung als Familienvater oder meinst Du meine Verantwortung als Mitglied in einer R&D Abteilung?

Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, weil es zwei verschiedene Gruppen sind.

In der einen Gruppe bin ich hauptsächlich Konsument, in der anderen meistens Produzent.

In der einen Gruppe bin ich Shareholder, in der anderen „nur“ stakeholder.

Zusammenfassung

Mit den Sätzen (XIII.1), (XIII.2), (XIII.3) und (XIII.4) haben wir nun – zumindest heuristische – Richtschnüre, die uns helfen sollen, WIE wir uns im Rahmen eines Haushalts und im Namen eines Haushalts entscheiden können.

Wenn wir uns fragen, WER im Namen eines Haushalts und im Rahmen eines Haushalts entscheiden darf, dann hilft uns der alte

Satz (XIII.5) Wer zahlt, schafft an.

So gibt es viele Arten, zu einer Entscheidungsfindung zu gelangen – von denen die demokratischen zu bevorzugen sind -, aber das letzte Wort hat immer der juristische Eigentümer bzw. die juristischen Eigentümer der Gruppe.

Bei dieser Entscheidungsfindung MÜSSEN alle Interessen aller Stakeholder Berücksichtigung finden.

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel der Serie (außer der Zusammenfassung)


Vom freien Waldmenschen zum Sklaven des Marktes – VIII (Geistiges Eigentum, Ressourcen)

Juli 4, 2021

Replik auf das geistige Eigentum

In einem der letzten Artikel dieser Serie nahmen wir den Faden auf, das industrielle Zeitalter dadurch zu charakterisieren, dass sogenannte „Firmen“ einen „offenen Raum für Know How“ schafften, indem sie den Angestellten einen gewissen Kündigungsschutz boten und im Gegenzug die „Gehirne zu melken“ begannen.

Dadurch, dass die Firma den Angestellten bestärkt – „firmiert“ – sich zu öffnen und die Geheimnisse INNERHALB der Firma preiszugeben, dadurch konnte man die Innovation stärken und eigentlich erst möglich machen.

Wieder einmal war Innovation der Schlüssel, um die Kopfzahl der Menschheit zu vergrößern und effizienter zu wirtschaften.

So wie die Hofwirtschaft den Grund des Fürsten parzelliert hatte, um sich auf gewisse Ressourcenkreisläufe zu spezialisieren, so parzellierte die Industriewirtschaft die Hirne der Untergebenen des Fürsten und spezialisierte sich auf bestimmte Fertigkeiten („Skills“).

Aber immer noch waren Ressourcen gratis.

Die Fabrik entnahm dem Fluss das Wasser gratis und entleerte den Abfall in die Umwelt gratis.

Erst im Zuge verschiedener Katastrophen, dass der mittlere Westen im Kuhmist „erstickte“, dem Waldsterben durch den sauren Regen im 20. Jahrhundert, des großen Plastik“strudels“ im Pazifik anfangs des 21. Jahrhunderts, der drohenden Klimakrise in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts, dem Bienensterben und sonstiger Katastrophen, erinnerten sich die Staaten daran, dass die verschiedenen Ressourcenkreisläufe eine öffentliche Verantwortung waren.

So wie der Bauer selbstverständlich darauf schaute, dass es seinen Wiesen und Feldern, seinen Wäldern und Gewässern gut ging, so mussten die Staaten, die ja meistens von Städtern gelenkt wurden, immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass die „Schlacht am Land geschlagen wird.“

Bodenversiegelung, Muren, Bergrutsche, Überschwemmungen, Landwirtschaft, das sind alles essentielle Themen, mit denen der Städter aber nicht so viel anfangen kann.

Aber was hat das mit unserem Gütekriterium zu tun? Ich erinnere:

Heuristisches real- und finanzwirtschaftliches Gütekriterium für Hofwirtschaft im Feudalsystem

(R – C) = KPT * infl + KAU  (Gl. III.2a)

(1 – (K/P + ü)) * fBU = shg * fBU  (Gl. III.2b)

Wenn wir das Kriterium nun in das industrielle Zeitalter transformieren wollen, müssen wir folgende Fakten berücksichtigen:

  1. So, wie wir im Feudalsystem den „Hof“ als Basis unserer Berechnungen genommen haben (sei es der „Bauern“hof oder der „Hof des Fürsten“), so wollen wir jetzt die „Familie“ als Berechnungsgrundlage nehmen.
  2. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass sich Familienleben und Produktion nicht mehr alle auf demselben „Hof“ abspielen, sondern dass eine Familie im Wesentlichen gemeinsam konsumiert, aber an verschiedenen Produktionsstätten („Firmen“) getrennt produziert.
  3. Weiters gibt es in vermehrtem Maße sogenannte „Vorleistungen“.
    D.h. ich entnehme die Ressourcen für mein Produkt nicht mehr alle direkt der Natur, sondern baue auch auf „Vorprodukten“ anderer Leute (oder anderer Firmen) auf, und in den meisten Fällen wird mein Produkt kein Endprodukt für den Konsumenten sein, sondern von wieder anderen Menschen weiter veredelt werden, bevor es letztendlich eine Umsatzsteuer verursacht.
    1. Anmerkung: das heisst, dass für denselben Gesamtumsatz viel mehr Ressourcen und viel mehr Transporte nötig sind, als in der vorindustriellen Hofwirtschaft.
      Die Umsatzsteuer deckt also nicht die – externen – Ressourcenkosten.
    2. Andererseits werden durch die hochgradige Spezialisierung Dinge möglich, die sonst unmöglich wären. Zum Beispiel waren im Apollo Programm der NASA zwischen 1961 und 1972 bis zu 400.000 hochspezialisierte Experten beschäftigt, um nur 12 Menschen das Betreten des Mondes zu ermöglichen.
  4. Im Laufe des industriellen Zeitalters kommt man immer wieder neu zur Erkenntnis, dass es eine Aufgabe des Staates ist, vor der er sich nicht drücken darf, nämlich die externen Kosten zu internalisieren. D.h. für den Ressourcenverbrauch muss ein gerechter Preis gefunden werden, der es dem Markt ermöglicht, ökologische und soziale Aspekte mit Hilfe der üblichen Instrumente des Finanzmarktes zu berücksichtigen.

Bleiben wir beim Beispiel des alleinerziehenden Vaters mit zwei Kindern

Bei der feudalen Hofwirtschaft hatten wir eigentlich nur ein einziges Kriterium für ethisch korrekte Hofführung, nämlich sollte die Einlagerung von Vermögen (von Geld- und Sachvermögen) genau die Risiken abdecken, die sich über längere Zeiträume ja immer wieder manifestierten (also letzten Endes immer als eine Art von Produktionsausfall).

Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Einlagerung wurde als unethisch betitelt.

Um die Ressourcenkreisläufe hatten wir uns keine expliziten Gedanken gemacht, da

  1. der Bauer an seine Scholle durch Eigentum gebunden war – sich also um diese sowieso kümmerte -,
  2. der Fürst durch Leibeigenschaft an seine Leibeigenen gebunden war – sich um diese also sowieso kümmerte.

Nun gibt es keine Leibeigenschaft mehr und der Anteil der Landwirte und der Grundeigentümer an der Gesamtbevölkerung schrumpft und schrumpft, sodass wir uns ernsthaft die Fragen stellen müssen:

  1. Welche Verantwortung(en) hat der „normale“ Mensch noch, wenn er so gut wie kein Eigentum hat?
  2. Welche Verantwortung haben die „Firmen“, die ja immer noch das „Know How“ und die Produktion organisieren?
  3. Welche Verantwortung hat der Staat? Immerhin muss ja irgend jemand die externen Kosten bepreisen, damit sie internalisiert werden können, und das auf eine sozial gerechte Art und Weise.

Ich erinnere an folgendes Bild, welches anschaulich darstellt, wieviel Verkehr und „Ressourcenumsatz“ durch „meine Produktion“ verursacht wird:

  1. 73% des Produktes sind „outgesourced“ in Vorleistungen von anderen Produktionsstätten.
    Den Ressourcenumsatz für die Produktion der Vorleistungen und den Konsum der Vorleister möchte ich nicht „meiner Arbeitsleistung zuordnen“, aber dass die Vorleistungen zu meiner Produktionsstätte transportiert werden müssen, daran bin schon ich schuld. Ich könnte ja auch nach Indien übersiedeln und mit den Vorleistern „gemeinsame Sache machen“.
  2. Das heisst, dass ich alle „ressourcenrelevanten Vorgänge“, an denen „ich schuld bin“, in blauen fetten Buchstaben angebe.
    1. Transport der Vorleistungen (73%) zu meiner Produktionsstätte.
    2. Ressourcenumsatz (RU) wegen meiner Produktion (Wertschöpfung, Nettoeinkommen)
    3. Berufsverkehr (BV), wenn ich zu meiner Arbeitsstätte fahre und wieder zurück
    4. Ressourcenumsatz, den meine Familie in der Wohnung verursacht
    5. Konsumverkehr, den meine Familie verursacht und Ressourcenumsatz an den Konsumstätten
    6. Transport meines Anteiles am Endprodukt vom letzten Erzeuger in der Erzeugerkette über den Markt zum Endkonsumenten. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Familie in etwa genauso viel konsumiert, wie sie produziert, dann kann man das als „einen äquivalenten Marktzyklus von 27%“ bepreisen (die restlichen 73% werden von den Vorleistern verursacht).
„Ressourcenrelevante Vorgänge“, die „durch mich verursacht werden)

Es ist also klar, dass Produzenten, Konsumenten und Händler – und insbesondere die „Firmen“, durch die sie sich organisieren – die gemeinsame Verantwortung für „ressourcenrelevante Vorgänge“ tragen, dass diese Verantwortung aber auch in gerechter Art und Weise aufgeteilt werden muss.

Grundprinzip
Je weniger jemand mitentscheiden kann, desto weniger Verantwortung trägt er.

An diesem Punkt wollen wir innehalten und beim nächsten Mal weiter machen.

Meint

Euer Christoph

Alle Artikel dieser Reihe


Alles, was mehr Gewinn bringt……

März 4, 2018

……als die Inflationsrate,
kann nur ein Pyramidenspiel sein.

Meint
Euer Christoph


Wer eine Reise tut, ……

Januar 20, 2018

……der kann etwas erzählen.

Ich war diese Woche dienstlich in Tel Aviv und unser Gastgeber war so freundlich, für Mittwoch nachmittag eine Führung durch das alte Jaffa (Tel Aviv ist als Vorort von Jaffa entstanden) und durch die älteste „Neighbourhood“ von Tel Aviv, das 1887 gegründete Newe Zedeq, zu organisieren.

Da hatte ich auch das Aha Erlebnis, dass Theodor Herzl eben nicht der Erfinder des Zionismus war, sondern dass er nur eine Idee vom nahen Osten nach Europa gebracht hat, die dort längst existierte.

Da es den jüdischen Bewohnern in Jaffa damals sehr schwer fiel, mit den anderen Bewohnern von Jaffa zusammenzuleben (was heute anders ist. Heute ist in Tel Aviv jedes Straßenschild dreisprachig – hebräisch, englisch und arabisch), haben sie ihr Geld zusammengekratzt, draußen in der Wüste Grundstücke gekauft, eine Neighbourhood gegründet und das Land urbar gemacht. So ziemlich alles, was es dort heute gibt, haben sie mühsam aufgebaut.

Beim nächsten mal wieder andere Themen.

Meint
Euer Christoph


Noch ein „kleines religiöses Büchlein“?

November 29, 2017

Liebe Leser und Leserinnen!

Wie die meisten von Euch wissen, habe ich bisher 9 „Kleine religiöse Büchlein“ geschrieben (zu finden unter https://letztersein.wordpress.com/kleine-religiose-buchlein/).

Jetzt wälze ich gerade Gedanken, ob ich die Begriffe „Motivieren“ und „Helfen“ nicht auch noch ein wenig ventilieren sollte.

Zum Beispiel hier: https://letztersein.wordpress.com/2017/11/28/commandment-of-the-21st-century/

Wie oft glaubst Du, jemand liebt Dich, weil Du glaubst, er HILFT Dir. Aber in Wirklichkeit MOTIVIERT er Dich nur, weil er Dir die letzten Leistungsreserven entlocken möchte.

Man spricht ja Buddha den Spruch zu, wonach es einen Unterschied macht, ob man eine Blume nur mag, oder ob man sie liebt. Der, der die Blume nur „mag“, wird sie pflücken und mit nach Hause nehmen, der der sie liebt, wird jeden Tag vorbeikommen und die Blume gießen.

So betrachtet, gibt es auf der Welt eigentlich überhaupt keine Liebe, denn bis zum Schluss wird es immer jemanden geben, der „sich noch etwas von Dir erwartet“. Erst im Jemseits gibt es Ruhe und Geborgenheit.

Und es macht auch einen großen Unterschied, ob Du von Dir selber noch etwas erwartest. Ob Du glaubst, wichtig zu sein, oder ob Du Dich selber nicht mehr wertschätzst.

Und so, wie dieses „Helfen vs. Motivieren“ in Beziehung steht zu „Leistungsdenken vs. Barmherzigkeit“ bzw. „Hilf‘ Dir selbst, dann hilft Dir Gott – weil ich helf‘ Dir sicher nicht!“, so steht all‘ das in Beziehung zu dem großen Thema „Make Leaks not War“ vs. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ nach Paulus (bzw. Djihad nach Mohammed).

Meint
Euer Christoph


Eigentlich gibt es nur eine Sache, die man tun kann

Oktober 7, 2017

Nämlich nicht wählen zu gehen.
Um die Sache wieder abzukühlen.

Meint
Euer Christoph