Substanz und Akzidenz

Oktober 6, 2014

Ein Auto ist ein Auto.

Ein Auto hat eine Masse.
Ein Auto hat eine Geschwindigkeit.
Ein Auto hat eine Farbe.
Ein Auto hat einen Füllstand des Tanks.
Ein Auto hat eine Position.

Und so weiter.

Aristoteles bezeichnet diese Beziehungen als die Beziehungen zwischen Substanz und Akzidenz.

Wenn ich einem anderen Menschen etwas über mein Auto erzähle, reicht es, das Auto als „mein Auto“ zu bezeichnen, denn solange ich nicht zwei oder mehr Autos besitze, ist das eine eindeutige Bezeichnung.

Dennoch werde ich ihm einige der Akzidenzien verraten müssen, wenn ich ihm den Schlüssel in die Hand drücke und ihm dann sage, er kann es gerne verwenden.

Wenn er es noch nicht kennt, werde ich ihm wohl den Typ und die Farbe verraten müssen, jedenfalls aber die Position, an der ich es abgestellt habe.

Und so beschäftigt sich die Naturwissenschaft ausschließlich mit den Akzidenzien, genauer gesagt, mit den meßbaren Akzidenzien der in der Natur vorkommenden Objekte.

Weiters muss man darauf hinweisen, dass der Wert, also die mathematische Größe einer meßbaren Akzidenz entweder ein absoluter Wert sein kann (der nicht vom Beobachtungspunkt abhängt), oder ein relativer Wert (der vom Bezugssystem abhängt). Zum Beispiel hängt die Geschwindigkeit des Autos vom Bezugssystem ab. Wenn ich in einem anderen Auto nebenher fahre, bewegt sich das Auto relativ zum Bezugssystem mit der Geschwindigkeit Null, wenn das Bezugssystem die Straße ist, bewegt sich das Auto mit der Geschwindigkeit, die am Tacho angezeigt wird.

Um nun wieder auf die beliebte Relativitätstheorie zurückzukommen.

Dort geht es um sogenannte „Ereignisse“.

Ein Ereignis ist ein Ereignis.

Ein Ereignis hat eine Position.

Ein Ereignis hat einen Zeitpunkt, zu dem es stattfindet.

Ort und Zeit eines Ereignisses sind also – meßbare – Akzidenzien und sind im Allgemeinen vom Bezugssystem abhängig. Man sieht, dass die Zeit weiterhin eine Akzidenz ist, denn die Substanz ist das Ereignis.

Der Vorwurf, die Relativitätstheorie „objektiviere die Zeit“, indem sie ihr das Wesen einer Substanz zuschanze, läßt sich aus dieser Sicht nicht aufrecht erhalten, denn dafür gibt es jetzt den Begriff des „Ereignisses“.

Das Ereignis ist die Substanz, die Zeit (der Zeitpunkt) ist eine Akzidenz.

Eventuell könnte man der Raumzeit eine gewisse Affinität zur Substanz unterstellen, da sie ja die Menge aller potentiellen Ereignisse darstellt, aber das ist eine philosophische Interpretation und hat mit der naturwissenschaftlichen Relativitätstheorie nichts zu tun.

Meint
Euer Christoph


Ergebnissicherung

Oktober 4, 2014

Schon in einer der ersten DG-Stunden hat uns unser DG-Lehrer die sogenannte „Ergebnissicherung“ ans Herz gelegt.

Also: wenn Du im Gang einer Konstruktion durch Schneiden zweier Linien einen Punkt gefunden hast, dann mach‘ doch bitte ein Kringel drum und gib‘ dem Punkt einen Namen.

Und in der Naturwissenschaft ist es ähnlich. Nicht jeder von uns muss den gesamten „Gang der Konstruktion“ nachvollziehen, nicht jeder muss in die Archive gehen, und nachschauen, was denn Lorentz, Einstein und wie sie alle heissen, tatsächlich geschrieben haben.

Nein, zum Beispiel die „Konstanz der Lichtgeschwindigkeit“ (also, dass die Lichtgeschwindigkeit vom Bewegungszustand des Beobachters unabhängig ist) ist eine „gesicherte Erkenntnis“, und man muss diese Erkenntnis nicht gleich wieder über Bord werfen, nur weil da einer schreit: „Glaub‘ ich nicht“.

Etwas anderes wäre ein experimenteller Befund bzw., wenn man eine noch einfachere Erklärung gefunden hätte. Das wäre was. Aber das ist nicht.

Meint
Euer Christoph


Begriffe

Oktober 2, 2014

Oft verwenden wir Menschen ein Wort, zum Beispiel „Zeit“, doch wenn wir dann miteinander diskutieren, kommen wir dahinter, dass wir damit die unterschiedlichsten Begriffe meinen.

Denn, je nachdem, welchen Beruf einer hat, oder welchen Werdegang hinter sich, meint er entweder „physikalische Zeit“ oder „philosophische Zeit“ oder „poetische Zeit“ oder „meine Zeit“, „Deine Zeit“, „unsere Zeit“.

Wenn jetzt z.B. ein Theologe, der ja berufsmäßig „die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben muss“, weil er ja „mit der Autorität des Lehramtes“ spricht (sprechen muss), versucht, sich „über die Physik zu erheben“ und diese „zu massregeln“, dann ist der Streit vorprogrammiert.

Absolutheitsanspruch ja, aber bitte nur innerhalb Deiner eigenen vier Wände.

Danke

Meint
Euer Christoph


Identität

September 27, 2014

Jede Sekunde sterben im menschlichen Körper geschätzte 50 Millionen Zellen und werden durch neue ersetzt.

Bin ich in einem Jahr noch ich?

Bin ich überhaupt derselbe Mensch, der ich in meiner Jugend war?

Aber auch bei simplen Objekten, wie einem Auto, ist die Frage der Identität des Objektes nicht so einfach zu beantworten, wie man sich denken könnte.

Ersatzteile werden ausgetauscht, Betriebsmittel werden verbraucht, und wenn es nicht die Nummerntafel gäbe, wäre es gar nicht so einfach, die Identität eines Autos festzustellen.

Und sogar die Nummer kann umgemeldet werden.

Wenn wir nicht die Rahmennummer und die Motorblocknummer hätten, wäre das von Natur aus ein schwieriges Unterfangen.

Meint
Euer Christoph


Humor (schwarze Katze)

September 14, 2014

Was ist Quantenphysik?

Die Suche in einem abgedunkelten Zimmer mit verbundenen Augen nach einer schwarzen Katze.

Was ist Metaphysik?

Die Suche in einem abgedunkelten Zimmer mit verbundenen Augen nach einer schwarzen Katze, die nicht drin ist.

Was ist Theologie?

Die Suche in einem abgedunkelten Zimmer mit verbundenen Augen nach einer schwarzen Katze, die nicht drin ist, wenn man schreit: „Ich habe sie gefunden!“.

😉

Meint
Euer Christoph


Ist Wahrheit eine Quantität oder eine Qualität

September 13, 2014

Hmmmm, als „gelernter“ Programmierer würde ich sagen:

So, wie es ganzzahlige Werte gibt und wie es Fließkommawerte gibt, so wie es Zeichenwerte und Zeichenkettenwerte gibt, so gibt es auch boole’sche Werte.

Ein boole’scher Wert hat die Eigenschaft, dass er sich im Medium durch ein einzelnes Bit darstellen läßt. Ein Wahrheitswert ist mithin der einfachtste und „kleinste“ aller möglichen Werte, die in Informations- und Kommunikationssystemen verarbeitet werden können.

Als Wert ist er also eindeutig eine Quantität. Eine Quantität, die als Wahrheitseigenschaft zum Beispiel eines Satzes interpretiert werden kann.

Wenn Hegel hingegen von der „Wahrheit, die dem Ding an sich innewohnt“ spricht, dann meint er damit wohl keine Eigenschaft des Dings, denn das Ding kann ja nicht wahr oder falsch sein, es ist ganz einfach seiend.

Mit dieser metaphysischen Wahrheit meint man wohl eher die Tatsache, dass das Ding real ist. In diesem Zusammenhang, wenn man mit der „Wahrheit“ eigentlich die „Realität“ meint, dann ist die Wahrheit wohl eher eine Qualität, denn eine Quantität.

Nix für ungut, bin kein großer Philosoph, sondern nur ein kleiner Programmierer, aber die Sache mit der Wahrheit als Quantität lag mir einfach auf dem Herzen.

Meint
Euer Christoph


Die Welle – Aufzucht und Pflege

September 13, 2014

Gegen Ende der Artikelserie „Ein kleiner Programmierer versucht die Quantentheorie zu verstehen“ wollen wir uns daran machen, die Schrödingergleichung zu begreifen.

Natürlich ist die Schrödingergleichung ein Axiom und kann somit nur experimentell „bewiesen“ werden, aber man kann trotzdem versuchen, sie zu „begreifen“.

In einem der letzten Artikel war die Rede davon, dass Louis de Broglie postuliert hatte, es müsse Materiewellen geben, Materie sei nicht nur als Menge von Punkten mit Masse und Ladung zu verstehen, sondern auch als Funktion einer noch zu definierenden Größe, die sich wellenartig ändere.

Jetzt wollen wir einmal ganz dumm fragen.

Was ist eine Welle? Was ist ein Teilchen?

Alle sprechen vom Welle-Teilchen-Dualismus, aber sind wir uns überhaupt bewußt über die Begriffe, die wir verwenden?

Unter einem Teilchen werden sich die meisten Menschen eine Art Billardkugel vorstellen, die eine starre, unveränderliche Form hat und sich auf einem Billardtisch befindet.

Auf dem Billardtisch stellen wir uns neben den Billardkugeln auch sehr viel leeren Platz vor, sodaß wir im Idealfall von unendlich kleinen Teilchen in einem unendlich leeren Raum sprechen.

Jedes dieser Teilchen hat dann eine bestimmte Masse und eine bestimmte Ladung.

Aus diesen Eigenschaften – Masse und Ladung – der Teilchen, aus ihrer Geschwindigkeit und aus ihrer relativen Lage ergeben sich dann alle Eigenschaften, z.B. auch die Energie und der Impuls.

Ganz anders ist es bei einer Welle.

Eine Welle ist im allgemeinen Fall eine Größe, die von allen vier Parametern x, y, z und t abhängt, also eigentlich ein zeitabhängiges Feld.

Im folgenden zeichnen wir ein eindimensionales Beispiel einer Größe y = y(x, t), wobei wir uns das Bild als „Schnappschuß“ vorstellen müssen, da sich das Bild ja mit jeder Sekunde ändert.

x sei die Ortskoordinate, t die Zeit und y sei „irgendeine physikalische Größe, die von x und t abhängt“, also zum Beispiel sei x die Ortskoordinate entlang einer Straße und y sei die Verkehrsdichte (Autos pro Minute).

qp_3_abb_1

Jede Welle ist also ein zeitabhängiges Feld, eine Größe, die von Ort und Zeit abhängt.

Ist aber jedes zeitabhängige Feld eine Welle?

Nein.

Eine Welle ist ein spezielles zeitabhängiges Feld, nämlich ein Feld, welches eine Lösung einer Wellengleichung ist.

In ihrer einfachsten eindimensionalen Form lautet die Wellengleichung

qp_3_1

Dabei ist u ein konstanter Wert, dessen Bedeutung wir jetzt erforschen wollen.

Die Dimensionen auf den beiden Seiten der Gleichung lauten

qp_3_2

Das heißt also

qp_3_3

Der Parameter u könnte also die Bedeutung einer Geschwindigkeit haben, was sich auch als richtig herausstellen wird, denn u ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle.

Es stellt sich heraus, dass Gl. (3.1) folgende Lösung besitzt:

qp_3_4

Dabei sind f und g zwei beliebige Funktionen, die die Gestalt der vorwärtslaufenden Welle (f) und die Gestalt der rückwärtslaufenden Welle (g) angeben. Die konkreten Gestalten ergeben sich dabei aus den Rand- und/oder Anfangswerten.

qp_3_abb_2

Jetzt wollen wir noch anschaulich machen, warum u die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle ist.

Dazu denken wir uns, wir wären ein Wellenreiter und würden auf der vorwärtslaufenden Welle f(x‑ut) = f (ξ) mitreiten. Um immer am selben Platz im Wellenzug zu bleiben, müssen wir die Größe ξ konstant halten.
Wir stellen uns also die Frage: in welcher Beziehung müssen x und t stehen, damit ξ sich nicht ändert. Das heißt, wir müssen das totale Differential dξ gleich Null setzen:

qp_3_5

Wegen

qp_3_6

folgt aus (3.5)

qp_3_7

also

qp_3_8

Für unseren Wellenreiter ergibt sich also eine Ortskoordinate

qp_3_9

Das heißt, er bewegt sich mit der Geschwindigkeit u.

Was das alles mit der Schrödingergleichung zu tun hat, damit beschäftigen wir uns in den nächsten Beiträgen.

Meint

Euer Christoph

P.S.:

Hier noch die gesamten Links dieser Serie

  1. Raum und Zeit und Materie (2014-04-06)
  2. Berechenbare Menschheit (2014-04-11)
  3. Auf die Wirkung kommt es an (2014-04-15)
  4. Alles aus Jux und Tollerei? (2014-04-19)
  5. Die Welle – Aufzucht und Pflege (dieser Artikel)
  6. Platzhalter
  7. Platzhalter

Ideen zu haben – Module, Kacheln, DIGITS

September 9, 2014

Liebe Leserinnen und Leser

Jetzt hatte ich Euch ja berichtet, dass ich mit meinem Hobby – Projekt SrrTrains v0.01 tatsächlich aufgehört hatte und dass ich auch die zugehörigen Blogs gelöscht hatte.

Weiters hatte ich hier versprochen, dass ich weitere Artikel zur technischen Fragestellung des Projektes schreiben werde.

Was hiermit geschieht.

Unter anderem hatten wir festgestellt, dass wir im Zuge der Standardisierung auch gewisse Vorgaben über den Inhalt der Szene machen müssen. Wir hatten festgelegt, dass die Szene aus Modulen, Modellen und MIDAS Objekten besteht.

Module sind sozusagen einzelne Abschnitte, aus denen die Landschaft zusammengesetzt wird.

Zuerst hatten wir hier zwischen statischen und dynamischen Modulen unterschieden. Dynamische Module sind dabei Module, die nur bei Bedarf nachgeladen werden, um Speicherplatz zu sparen.

Weiters hatten wir noch die Idee der Moving Modules. Das wären Module, die in einem Modell enthalten sind, und sich mit diesem mitbewegen.

Noch gänzlich unerforscht ist der mögliche Zusammenhang zwischen Kacheln, wie sie in herkömmlichen Simulatorsystemen verwendet werden und dem Begriff der Module.

Hierbei sei auf den wesentlichen Unterschied hingewiesen, dass eine Kachel per Definition einen Abschnitt der Erdoberfläche darstellt, während ein Modul einen beliebigen Ausschnitt des Universums darstellen kann (zum Beispiel das Sonnensystem).

Weiters müßte noch der Zusammenhang mit der Idee DIGITS erforscht werden (Distributed Internet Geographic Information Transmission Service), deren Ziel es ist, das Universum im Internet abzuspeichern (zu „retten“).

Gute Fragen und interessante Aufgaben wären das.

Meint
Euer Christoph


Und sie bewegt sich doch……

September 9, 2014

Welch riesige kybernetische Gebilde der Mensch erdacht hat, um „die Welt in Bewegung zu halten“.

Eine Aufsichtsratssitzung jagt die andere, Besprechungen jeder Art, Gigabytes von E-Mails und trotzdem bleibt die alte Frage:

Sind wir es, die die Welt in Bewegung halten, oder hält die Welt uns in Bewegung?

Wäre nicht Zeit für ein wenig Bescheidenheit?

Eine alte Weisheit aus dem Gebetsleben: nicht wir ändern Gott durch das Gebet, sondern Gott ändert uns im Gebet.

Wenn wir das Universum in Bewegung hielten, dann wäre das fürwahr so, als ob der Schwanz mit dem Hund wedelt.

Meint
Euer Christoph


Ideen zu haben – Die „echte“ Realität

September 5, 2014

Liebe Leserinnen und Leser

Jetzt hatte ich Euch ja berichtet, dass ich mit meinem Hobby – Projekt SrrTrains v0.01 tatsächlich aufgehört hatte und dass ich auch die zugehörigen Blogs gelöscht hatte.

Weiters hatte ich hier versprochen, dass ich weitere Artikel zur technischen Fragestellung des Projektes schreiben werde.

Was hiermit geschieht.

Jetzt haben wir klargestellt, dass der „Collaboration Server“ (CS) N Instanzen der Simplen Multiuser Szene (SMS) miteinander verbindet, damit alle N User „gemeinsam“ in „derselben“ virtuellen Realität „leben“ können (diese sozusagen „bewohnen“).

Weiters haben wir festgestellt, dass wir im Zuge der Standardisierung auch gewisse Vorgaben über den Inhalt der Szene machen müssen. Wir hatten festgelegt, dass die Szene aus Modulen, Modellen und MIDAS Objekten bestehen soll.

Eine neue, sehr interessante, Frage besteht nun darin, ob man eine SMS nicht mit der „wirklichen“ Realität verbinden kann, die dann eben nicht von Avataren, sondern von Robotern „bewohnt“ wird.

Müßte man nicht bloß die „wirkliche“ Realität als „N+1“-te Instanz in die „virtuelle“ Realität einbinden und diese miteinander synchronisieren?

Z.B.: 2 Leute sitzen im Hobby-Raum vor der „echten“ Modellbahnanlage, weitere 5 Leute können mitspielen, indem sie vor ihrem PC zu Hause sitzen und am Eisenbahnspiel in einer „rein virtuellen“ Umgebung mitspielen.

Gute Frage und eine interessante Aufgabe wäre das.

Meint

Euer Christoph