Im letzten Artikel (Walter, das Werkzeug Gottes) hatte ich mir Gedanken gemacht über die Funktion eines „Werkzeuges Gottes“ und habe dafür auch eine sehr menschliche Metapher verwendet, nämlich die Metapher vom Manager, der ja eigentlich auch nur ein Werkzeug des Direktors ist.
Einer meiner treuesten Stammleser, Kardinal Novize Igor, hat dann darauf hingewiesen, dass es aber zwischen Gott und einem „Werkzeug Gottes“ sozusagen eine „innere Verbindung“ gebe, die man zwischen Manager und Direktor nicht unbedingt voraussetzen kann.
Und auch ich habe mir weitere Gedanken gemacht, sodass ich diesmal folgenden Fragen nachgehen möchte:
Die „innere Verbindung“ zwischen Gott und dem Menschen
Was hat diese innere Verbindung mit Freiheit zu tun?
Inwieferne ist die Kirche eigentlich ein „Werkzeug Gottes“?
Die innere Verbindung mit Gott
Folgendes Zitat wird Meister Eckhart zugeschrieben, dem bekannten Mystiker:
Gott ist allezeit bereit – aber wir sind sehr unbereit. Gott ist uns nahe, aber wir sind ihm ferne. Gott ist drinnen, wir sind draußen. Gott ist in uns heimisch, wir sind Fremde.
Wenn wir also Meister Eckhart folgen, dann sollen wir Gott nicht in Äußerlichkeiten suchen, also in der Macht, im Geld, im Ansehen, nicht einmal im Geliebtwerden, sondern man muß ruhig werden, gelassen, und nach innen gehen.
Das hört sich jetzt schwer an, und ist es wohl auch. Darum kann man nur immer wieder den Rat geben, ruhig zu werden und sein „Radio auf Empfang zu schalten“.
Oft verstecken sich die Zuneigungen Gottes in Kleinigkeiten. Das kann ein liebes Wort sein, ein Vogelgezwitscher, oder – man verzeihe mir – ein ordentlicher Stuhlgang.
Wir selbst sind es, unsere Seele ist es, die den äußeren Dingen eine Bedeutung zumisst. Also, wenn wir in äußeren Dingen Spuren Gottes entdecken, dann ist das eigentlich ein innerer Vorgang.
Menschen, die nicht an Gott glauben, werden in denselben äußeren Dingen eine andere Bedeutung entdecken als wir.
Konstante, unveränderliche Bedeutungslosigkeit, um nicht zu sagen Sinnlosigkeit, hält kein Mensch aus.
Wenn wir nicht nach Innen gehen, werden wir unseren Sinn verfehlen.
[…]Insgesamt waren alle vom ersten Augenblick an auf der Suche nach einer „Exit“ Strategie, und das war gut so. Denn im Laufe der Zeit zeigte sich, daß die blauen Zimmer auf seltsame Weise immer leerer wurden und die grünen immer voller. Das lag wohl daran, daß die Grünen ein seltsames Ding bei sich hatten: Wenn Du ankommst, leuchtet sie Dir von weitem entgegen, wenn Du dann da bist, mußt Du ihre Gesetze befolgen.[…]
Damit meinte ich die beiden Arme der Freiheitsstatue in New York City. Mit einem Arm streckt sie eine Fackel hoch, mit der „sie dir heimleuchtet“, im anderen hält sie ein Gesetzesbuch.
Und ist es nicht so, dass die Gesetzlosigkeit in die Unfreiheit führt? Wo der Starke den Schwachen unterdrückt und ausnützt?
Was hat nun Freiheit zu tun mit dem Wunsch ein Werkzeug Gottes zu werden?
Nun, ich würde sagen: „Sehr viel!“
Wenn wir nur den Äußerlichkeiten nachlaufen, dann sind wir eigentlich ein Blatt im Wind, ein reines Segelflugzeug.
Wir wünschen uns diesen inneren Motor, der uns auch ermöglicht gegen den Strom zu schwimmen, wir wollen uns auf Gott einlassen und vom Heiligen Geist treiben lassen, damit wir aktiv diese Welt verbessern.
„Werkzeug Gottes“ zu sein heißt also nicht „frei von“, sondern „frei für“, nämlich „frei sein für Gott“.
Und Gottes Gesetz macht uns nicht unfrei, sondern es dient unserer „Freiheit von der Welt für Gott“.
Und da macht es auch keinen Unterschied, ob man verheiratet ist, ob (noch) ledig, oder ob man zölibatär lebt. Die „Freiheit für Gott“ ist in jeder Lebenslage machbar.
Die Kirche
Was hat denn Kirche mit Freiheit zu tun? magst Du fragen.
Und mit unserer inneren Verbindung zu Gott?
Beginnen wir mit einem Merksatz aus der Schule: „Die Kirche ist das auf dem Weg zur ewigen Heimat pilgernde neutestamentliche Gottesvolk“.
Na ja, Pilgern hat eigentlich schon sehr viel mit Freiheit von Äußerlichkeiten zu tun.
Auf einer Pilgerreise läßt man vieles hinter sich – Termine, Freunde, Verwandte, Bequemlichkeiten.
Alles, um frei zu werden für Gott.
Insoferne sollte die Kirche ein Vehikel sein, das unserer Freiheit auf die Sprünge hilft, solange wir unterwegs sind.
Im Himmel wird die Kirche, werden wir, dann nicht mehr pilgern müssen. Da ist sie dann – nach einem anderen Bild – die geheimnisvolle Braut Christi.
Lasst mich diesmal einen Ausschnitt aus meiner Erzählung „Das dritte Kind“ an den Anfang setzen, und zwar aus dem ersten Teil „Prolog“, den Anfang der 30. Szene, wo Walter mit Hilfe einer Nebenrolle – einem Kardinal – einen neuen Anfang in seinem Leben macht:
Am Nachmittag kam Walters Schulfreund ins Wellnesshotel zu Besuch. Dieser Schulfreund war jetzt Kardinal, dennoch kam er im schlichten schwarzen Priesteranzug.
„Dir geht’s gut, du hast es weit gebracht“, eröffnete Walter das Gespräch.
Der Kardinal winkte ab: „Karriere in der Kirche ist etwas Relatives.“
Walter reagierte auf das Reizwort „Karriere“ und antwortete in einem Anfall von ‚Fishing for Compliments‘: „Ich werde niemals Karriere machen, bei all den Fehlern, die ich mir geleistet habe.“
„Weißt du, was mein schlimmster Fehler ist? Ich treffe keine Entscheidungen. Ich lasse mich immer nur benützen.“, führte er seine Gedanken weiter.
Auch der Kardinal kannte sich im Leben aus, deshalb stieg er nicht direkt auf Walters Argumentation ein und begann nicht Walter Komplimente zu machen: „Das würde ich nicht so sagen. Schau, ich bin letzten Endes doch auch nur ein Werkzeug Gottes. Trotz aller eigenen Entscheidungen die ich treffe, bin ich in einen Ablauf eingebettet, den wir Vorsehung nennen.“
Walter begann zu schwärmen: „Werkzeug Gottes. Ja, das wäre ein Lebensziel!“
Er relativierte seine Gedanken jedoch sofort wieder: „Weißt Du, ich bin zwar immer brav in die Kirche gegangen, war in meiner Jugend sehr aktiv, aber jetzt, wo ich verheiratet bin……Wer ist das eigentlich, dieser Gott? Wo ist er geblieben?“[…]
Was hat Walter gemeint mit „Werkzeug Gottes“?
Nun, was Walter gemeint hat, darüber können wir nur mutmaßen, denn Walter ist eine literarische Figur und wir können ihn nicht befragen.
Aber ich bin es, der die Geschichte „Das dritte Kind“ geschrieben hat – wenn auch diversen Inspirationen folgend – und ich kann guten Gewissens feststellen: „Dieser Walter hat viel von mir geerbt, wenngleich er eigentlich nur eine Metapher für das neutrale Österreich im kalten Krieg ist – ein Mann mit Entscheidungsschwächen, der zwischen zwei Stühlen sitzt“.
Bei mir persönlich waren das zu jener Zeit die Firma S* und meine Frau V*, die beiden Stühle, zwischen denen ich gesessen bin, ohne mich entscheiden zu wollen (ohne mich entscheiden zu können).
Heute ist das zum Glück alles anders, aber damals war Walter ein Blatt im Wind, das keinen sichtbaren eigenen Willen hatte.
Und genau das ist es NICHT, was der Kardinal meint, wenn er von einem „Werkzeug Gottes“ spricht.
Nicht umsonst haben wir heutzutage die Metapher vom „mächtigen Manager“, der „alles im Griff hat“ und sozusagen „allwissend“, „allmächtig“ und „allgegenwärtig“ ist. Das sind lustiger weise alles göttliche Eigenschaften, obwohl für Gott in der Wirtschaft eigentlich kein Platz ist.
Und wenn wir genau darüber nachdenken, dann ist der Manager eigentlich kein göttliches Wesen, sondern er ist nur ein „Werkzeug des Direktors“, das nichts anderes tut, als den „Willen des Direktors umzusetzen“. Sich darum „zu kümmern“.
Und so, wie wir uns einen guten Manager vorstellen, als ein Vorbild, das den anderen Angestellten im Kampf leuchtend voranschreitet, so müssen wir uns auch ein „Werkzeug Gottes“ vorstellen.
Als sich König Salomo zu Beginn seiner Amtszeit von Gott etwas wünschen durfte, wünschte er sich ein „hörendes Herz“.
Und so dürfen wir uns ein Werkzeug Gottes in erster Linie als einen Menschen vorstellen, der auf den Willen Gottes hinhören kann, um Gutes vom Bösen zu unterscheiden und so das Volk – bzw. im Falle von Walter seine Familie – weise zu leiten.
Nun habe ich auf dem anderen Blog (das über das 3D Web) zwei Blog Postings verfasst, die erklären sollen, warum ich über die Beschäftigung mit 3D Multiuser Szenen überhaupt zu erkenntnistheoretischen Themen gelangt bin.
Falls sich jemand interessiert, wie meine „kleinen religiösen Büchlein“ mit dem X3D/VRML Hobby „SMS Framework“ zusammenhängen, dann bitte hier die folgenden Beiträge auf meinem „3D Web“ Blog (in Englischer Sprache):
Wenn wir uns umsehen – in unserem Leben, in der Familie, in der Wirtschaft, usw. – dann kommen wir meistens auf folgendes Ergebnis:
Es ist NICHT GUT so, wie es ist.
Es könnte BESSER sein.
Und oft haben wir auch so ein unbestimmtes Gefühl, dass FRÜHER ALLES BESSER GEWESEN SEI.
Auch die Autoren des Buches Genesis, des ersten Buches der Bibel, haben das erkannt und haben eine weltbekannte Geschichte daraus gemacht: Die Erzählung vom Paradies, welches Gott als SEHR GUT erschaffen hatte, und von der Vertreibung des Menschen aus ebendiesem Paradies, weil er die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen hat, obwohl Gott genau das verboten hatte.
Und so sind die Bücher der Bibel voll von Aufbrüchen.
Immer wieder sind Menschen aufgebrochen, um das HIER UND JETZT zu verlassen und dem Willen Gottes zu folgen, um an ein BESSERES ZIEL zu gelangen.
Bei Noah ging es um das NACKTE ÜBERLEBEN, da er eine große Flut herankommen sah.
Bei Abraham ging es UM MACHT, da ihm Nachfahren versprochen worden waren, zahlreich wie der Sand am Meer und wie die Sterne am Himmel.
Moses kämpfte um die FREIHEIT DES VOLKES von Sklaverei, um das GELOBTE LAND.
Jesus macht im Gleichnis vom verlorenen Sohn klar, um welche Art von Aufbruch es IHM geht:
Der verlorene Sohn macht sich auf den Weg nach Hause, weil er MIT DER GESAMTSITUATION UNZUFRIEDEN IST und sich MIT DEM VATER VERSÖHNEN möchte.
Aber interessanter weise spricht Jesus nicht davon, dass WIR in ein gelobtes Land aufbrechen müssten, sozusagen in ein neues Paradies, sondern im Vater unser lehrt er uns zu beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auch auf Erden,
usw.
Das Reich Gottes, der Himmel, ist also bei Jesus schon etwas, das sich AUSSERHALB befindet, dort wo der VATER wohnt.
Aber wir sollen nicht versuchen, zum Vater – in den Himmel – zu kommen, sondern wir sollen bitten, dass sein Reich ZU UNS KOMME.
Wir brauchen also nicht wie die Israeliten und andere Asylanten physisch aufzubrechen und ins gelobte Land zu wandern. Jesus geht es in erster Linie um einen INNEREN AUFBRUCH.
Am deutlichsten sieht man das im Dialog mit Pontius Pilatus, knapp bevor Jesus hingerichtet wurde:
Joh 18,36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.
Aber eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die Weisheiten des christlichen Glaubens aus der Sicht der Wirtschaftstheorie zu betrachten.
Was können wir aus Jesu Lehre vom Reich Gottes lernen? Vom Ziel des Menschen?
Welche Ziele verfolgen wir denn mit unserer Arbeit?
Was ist das Ziel unserer wirtschaftlichen Tätigkeit?
Eigentlich, wenn man es von der Definition her betrachtet, ist Wirtschaft nichts anderes als „die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse dienen“.
Und wann bedarf es eines „Aufbruchs“? Sei es nun ein „innerer“ Aufbruch oder ein „äußerer“?
Nun, wenn wir im Mangel leben, wenn HIER UND JETZT nicht mehr alle unsere Bedürfnisse adäquat erfüllt werden können, dann bedarf es einer Änderung, eines Aufbruchs.
Genau genommen lassen sich alle Möglichkeiten eines Aufbruchs, die wir dann haben, nur nach den drei Buchstaben L-L-C aufzählen:
Love it,
Leave it or
Change it.
Wir können erkennen, dass unsere Bedürfnisse nicht gerechtfertigt waren, und (in engen Grenzen) UNSERE BEDÜRFNISSE REDUZIEREN (Love it), damit wir wieder zufrieden sind. Kurzfristig ist das oft die einzige Möglichkeit und auch die einfachste Möglichkeit, die wir haben, trotzdem würde ich sie als „Plan C“ bezeichnen, weil sie eigentlich immer zu langfristiger Unzufriedenheit führt.
Sodann haben wir die Möglichkeit, das HIER UND JETZT ZU VERLASSEN (Leave it), uns also physisch oder geistig an einen anderen Ort zu versetzen. Wenn ein besseres DRÜBEN für mich (physisch oder geistig) erreichbar ist, zum Beispiel bei einer Flucht in die Literatur oder in den Konsum von Kulturgütern (Musik, Ausstellungen, ……), ist das ein einigermaßen gangbarer Weg, er ist aber auf jeden Fall mit Kosten und Mühen verbunden. Ich würde diese Möglichkeit als „Plan B“ bezeichnen.
Alle Helden von heute folgen dem „Plan A“. Sie bleiben TEILE DES SYSTEMS und sorgen für einen AUFBRUCH DES SYSTEMS. So, wie Moses das ganze Volk mitgenommen hat ins gelobte Land, so nehmen diese Helden ihre Familien, alle ihre Kollegen und sogar ganze Völker mit in eine bessere Zukunft. Auch dieser Aufbruch muss kein physischer Aufbruch sein. Es kann sich auch hier um einen „inneren Aufbruch“ handeln.
[…]Mit August 2022 wurde mir bewußt, dass die reine Philosophie mit volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gedankengängen mich nicht mehr befriedigt.
Ich entschied mich, aus Sicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme (Klimawandel, Umweltzerstörung, ……) auch ein wenig im Traditionsschatz des Christentums zu graben, und begann mit folgendem Beitrag:
Was hat Gott mit der Wirtschaft zu tun? (man ist geneigt, das Wortspiel zu übertreiben: „Was hat Gott eigentlich mit unserer Sauwirtschaft hier auf diesem Planeten zu schaffen?“)
Fragen wir einmal die Primärliteratur. Was steht in der Bibel eigentlich so zum Thema Gott?
In der sogenannten „Einheitsübersetzung“, auf die ich mich der Einfachheit halber beziehe (obwohl manche Theologen behaupten, dass man sie eigentlich nicht mit „ts“, sondern lieber mit „z“ schreiben sollte 🙂 ), beginnt das allererste Buch mit folgenden allerersten Worten:
Gen 1,1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; Gen 1,2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Bam. Gott wird einfach vorausgesetzt.
Kein bißchen wird versucht, Gott zu beweisen oder herzuleiten, nein er ist einfach als Tatsache vorausgesetzt. Gott ist also nicht unsere Erfindung, sondern wir sind seine.
Himmel und Erde *) hat ER erschaffen, er war schon vorher da.
Wenn man in der modernen Wirtschaft tätig ist, hat man es jedoch meist mit einer Werteumkehr zu tun.
Beim Hl. Augustinus hat es noch geheißen:
Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.
In der modernen Wirtschaft ist es jetzt aber so, dass es nur ein einziges Ziel gibt: Geld, Geld und nochmals Geld.
Ruhe gibt es gar keine mehr. Das einzige, was konstant ist, ist die Veränderung, sagt man.
Aus dem – an sich ganz praktischen – universellen Tauschmittel Geld ist all so unser neuer Gott geworden, der alles andere beherrscht, alle unsere Beziehungen, Anstrengungen und sogar unseren Urlaub, unsere Muße.
Und auch die Kirchen und Klöster.
*) zum Thema „Erschaffung von Himmel und Erde“: Der Autor (oder die Autoren) des Buches Genesis hatten noch nicht die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft, darum sind sie von einem Weltbild ausgegangen, in dem es außer Himmel und Erde nichts gibt. Weiters sind sie in ihrer Beschreibung von einer „Urflut“ ausgegangen, ÜBER deren Wassern der Geist Gottes schwebte. Sie haben Gott also bereits als jemanden beschrieben, der sich AUSSERHALB des Universums befindet (das gilt auch heute noch, trotz moderner Physik).
Aus unserem Ziel GOTT, das also AUSSERHALB des Universums liegt, ist so ein rein innerweltliches Ziel geworden.
Anstatt, dass wir DAS GELD IM GRIFF HABEN, und es als nützlichen Diener für unser Leben zu Gottes Ehre einsetzen, HAT DAS GELD UNS IM GRIFF und bestimmt jede unserer Herzensregungen, unserer Handlungen, unserer Worte und unserer Gedanken.
Was hatte Jesus zu diesem Thema zu sagen?
Gehen wir wieder in die Primärliteratur:
Mt 6,24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Mt 6,25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Mt 6,26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Mt 6,27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Mt 6,28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Mt 6,29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Mt 6,30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Mt 6,31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Mt 6,32 Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Mt 6,33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Mt 6,34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
Hmmmmmmm, heißt das jetzt, wir sollen in den Tag hinein leben, und gänzlich aufhören zu planen?
Sollen wir die Erkenntnisse der Wirtschaftstheorie, die sich ja mit einer „planvollen Befriedigung der Bedürfnisse“ beschäftigt, komplett über Bord werfen?
Ich denke, der Schlüssel, den wir benötigen, um Jesus hier zu verstehen, liegt im Vers Mt 6,34. „Jeder Tag hat genug eigene Plage“.
Wir sollen also nicht Probleme wälzen, die noch gar nicht eingetreten sind, sondern wir sollen uns auf das HIER UND JETZT konzentrieren.
Auf die Menschen, die uns JETZT geschenkt sind.
Auf die Güter, die wir JETZT genießen können und auf die – auch vorausblickende – Arbeit, die wir JETZT erledigen können.
Prognosen werden ja erstellt, damit man JETZT darauf reagiert, um sich eben KEINE Sorgen um die Zukunft machen zu müssen (das ist jetzt natürlich, was den Klimawandel betrifft, zu spät, das hätte man 1970 berücksichtigen müssen).
Wie Ihr wißt, habe ich seit dem Frühjahr 2021 immer wieder Gedanken zur Wirtschaftstheorie gesponnen, da bin ich jetzt aber mehr oder weniger an einem natürlichen Ende angelangt.
Aber heute ist mir ein Gedanke gekommen, den ich wert finde ihn aufzuschreiben:
Wenn ich heute als Teil unseres Wirtschaftssystems agiere und re-agiere,
dann bin ich oft eingespannt in ein Gleichungssystem aus Umständen, Sachzwängen, Optimierungs-notwendigkeiten und mannigfaltigsten Wünschen und Bedürfnissen, die mich daran zweifeln lassen, ob ich überhaupt noch etwas „zu sagen“ habe.
Und meistens komme ich nicht einmal dazu, darüber nachzudenken, ob die Dinge und Menschen „mir etwas sagen“.
Das alles ist eigentlich ziemlich bedeutungslos, genau genommen.
Und genau das sollten wir verfolgen. Was bedeutet mir das alles? Was bedeuten mir meine Kollegen? Was bedeuten all die Dinge und Gedanken, die wir jeden Tag von links nach rechts und von rechts nach links wälzen?
Was ist die Bedeutung meiner Familie in diesem ganzen Konvolut? Was bedeutet mir meine Heimat? Wo hat sich Gott versteckt?
Ich möchte versuchen, ein paar Schätze zu heben, die für wirtschaftlich aktive Menschen wertvoll sein können, und sich im reichen Fundus der Tradition der Kirche verstecken.
In erster Linie denke ich an die zehn Gebote, die Bergpredigt und das Vater Unser.
Meint
Euer Christoph
P.S.: ich bin weder in der Wirtschaftstheorie fertig ausgebildet, noch in der Theologie, bin aus ganzem Herzen Techniker. Hatte jedoch im Zuge meines Studiums der Elektrischen Energietechnik zwei oder drei Vorlesungen zu wirtschaftlichen Themen gehört und im Gymnasium einen exzellenten Religionslehrer.
*) ich habe neulich durch einen Leserbrief in einer großen Zeitung gelernt, dass das Geschlecht des Wortes „der Leser“, wenn man es inklusiv betrachtet, eben nicht das natürliche Geschlecht (den Sexus) bedeutet, sondern das grammatische Geschlecht (den Genus), dass das Wort „der Leser“ also ganz automatisch auch „die Leserin“ bedeuten kann, wenn man es gut meint. Da ich davon ausgehe, dass mir meine Leser keine schlechten Absichten unterstellen, werde ich das Gendern ab sofort gänzlich sein lassen.
In den einleitenden Worten – im folgenden grau wiederholt – hatte ich noch einigermaßen ordentlich das Grundprinzip von Vorleistungen, Wertschöpfung und Produktionsergebnis wiederholt (das ich schon mehrmals in meiner Laufbahn als Blogger erwähnt hatte).
Jetzt habe ich Euch schon des öfteren mit einem Diagramm gequält, mit einem Diagramm, das man eigentlich als „die“ zentrale Offenbarung der Betriebswirtschaftslehre bezeichnen muss.
Mit einem Diagramm, welches die produktive Arbeit des Menschen – bzw. deren Wert – in Beziehung setzt zum Wert des Ergebnisses, dem „Brutto-Umsatz“ oder auch „Produktionsergebnis“:
Wieviel hast Du beigetragen? Was ist Dein Beitrag zum allgemeinen Glück? Deine Wertschöpfung? Fühlst Du Dich schuldig, wenn die Zeiten wieder schlechter werden? Fehlt etwas an Deinem Beitrag? Ist Glück überhaupt machbar?
Große Fragen! Dumme Fragen! Wir möchten ihnen auf den Grund gehen.
Aber, beginnen wir einmal uns mit der Philosophie der Abb. 1 auseinanderzusetzen, bevor wir derart große Fragen wälzen, wie die eben genannten.
Genau genommen wird in Abb. 1 aus der Gesamtproduktion nur ein einzelner Prozess herausgegriffen und dieser (Teil-)Prozess wird in Beziehung gesetzt zum Gesamtergebnis (bzw. zu dessen Wert).
Mit „Wert“ meinen wir hier immer eine „finanzielle Bewertung durch den Markt“ (wer auch immer das ist 😛 ) – viele Menschen sind der Meinung, dass es auch einen „eigentlichen“ Wert gibt, der mit Geld nichts zu tun hat – das wird in Abb. 1 nicht berücksichtigt.
Man unterscheidet also zwischen „Vor“leistungen – das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die als Voraussetzung erbracht werden müssen, damit der gegenständliche Teilprozess sinnvoll stattfinden kann – und Wert“schöpfung“, das sind alle menschlichen bezahlten Leistungen, die direkt in diesem Teilprozess erbracht werden.
Wenn man zu den Vorleistungen anteilsmäßig auch alle öffentlichen Dienstleistungen rechnet und auch den Gewinn – der ja die Rendite für das Vermögen darstellt, das die Eigentümer als ihre Vorleistung in den Prozess eingebracht haben – und auch all die strategischen Investitionen – die ja eine Vorleistung für eine „gesunde Umwelt/Umgebung“ des Prozesses sind – dann entspricht diese Summe genau dem Brutto-Umsatz, der durch diesen Teilprozess erbracht worden ist.
Danach argumentierte ich – immer noch halbwegs konsistent, im folgenden grau wiederholt – dass die Unterscheidung zwischen „Vor“leistungen und EIGENTLICHER Wert“schöpfung“ ja dazu dienen kann, zwischen Angestelltem/Arbeiter und Unternehmer zu unterscheiden. Ist es doch der Unternehmer, oder zumindest der „unternehmerisch denkende Mensch“, der sich eben auch um die „Vor“leistungen KÜMMERT, während sich der Angestellte/Arbeiter auf die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“ – also auf „seine Arbeit“ – konzentrieren kann.
Wer ist der Kümmerer?
Nun kann man sich anhand von Abb. 1 Gedanken machen, wer sich um die Vorleistungen kümmert (wir haben das eigentlich bereits HIER getan).
Die Vorleistungen müssen ja vorher erbracht werden, BEVOR die Wertschöpfung erbracht wird und also auch, BEVOR MAN DAS PRODUKT VERKAUFEN KANN.
Deswegen weiss man eigentlich noch nicht, ob man sich die Vorleistungen überhaupt leisten kann, weil ja noch nicht feststeht, wieviel Brutto-Umsatz man für das Produkt letztendlich bekommen wird.
Das bedarf also einer ganzen Menge organisatorischen und juristischen Talents, das mit der eigentlichen Wertschöpfung (mit der eigentlichen Arbeit) nichts zu tun hat.
Alle diese organisatorischen und juristischen Vorleistungen – ja, das Kümmern um die Vorleistungen ist AUCH eine Vorleistung – übernimmt normalerweise der Unternehmer, sodass sich der Angestellte bzw. der Arbeiter auf die EIGENTLICHE Arbeit konzentrieren kann.
Sodann kehrte ich den Spieß um. Was ist denn TATSÄCHLICH die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“?
Die Aufteilung in „Vor“leistungen und Wert“schöpfung“ ist ja doch recht subjektiv, weil eigentlich jeder SEINEN Beitrag als die EIGENTLICHE Wert“schöpfung“ betrachten wird, während alles andere nur „Vor“leistungen seien.
Und tatsächlich gibt es nur einen einzigen Beitrag, der in der Wertschöpfungskette einen HERAUSRAGENDEN, nicht zu ersetzenden Platz einnimmt. Es ist dies der Beitrag des Endbenutzers, des Konsumenten.
Was ist die EIGENTLICHE Arbeit?
Jetz‘ hamm’se ’n Haus jebaut.
Was war jetzt die EIGENTLICHE Arbeit?
Das Ausheben der Baugrube?
Der Ausbau des Kellers?
Das Hochziehen der Mauern?
Das Dach?
Der Innenausbau?
Die Planung?
Die Bauaufsicht?
Die Finanzierung?
Die Auswahl und der Kauf des Grundstücks?
Nun, jeder dieser Teilprozesse, und wir gehen mal davon aus, dass jeder Teilprozess einen eigenen „Process Owner“ hat, also, jeder dieser „Process Owner“ wird das anders sehen.
„Ohne mich könnte das Haus nicht so dastehen, wie es dasteht“, könnte jeder dieser „Process Owner“ mit fug und recht behaupten.
Gut, es gibt schon aus physikalischen Gründen eine bestimmte Reihenfolge. Man kann zum Beispiel nicht das Dach decken, bevor man die Wände hochgezogen hat, aber im Sinne einer NOTWENDIGKEIT bzw. SINNHAFTIGKEIT ist das Dach genauso wichtig wie der Keller. Ein Haus ohne Dach würde den Zweck eines Hauses nicht – oder nur teilweise – erfüllen.
Es ist also hier auf den ersten Blick gar nicht so einfach, zwischen „Vor“leistung und Wert“schöpfung“ zu unterscheiden, oder?
Na ja. Es gibt schon einen herausragenden „Process Owner“.
Wer das ist?
Der Bauherr. Darum ist er ja der BauHERR (oder auch die BauFRAU, natürlich).
Wenn sich der Bauherr nicht entschieden hätte, gegenwärtige und zukünftige Teile seines Vermögens zu opfern, um hier dieses Haus zu bauen, dann wäre dieses Haus hier nicht gebaut worden.
Der Architekt, zum Beispiel, kann das nicht von sich behaupten. Wenn er sich geweigert hätte, dann hätte halt ein anderer Architekt dieses Haus geplant.
Das Haus wäre dann vielleicht nicht genau SO gebaut worden wie es gebaut worden ist – also nicht gleichARTIG – aber sicher gleichWERTIG.
Nur ganz wenige Architekten können von sich behaupten, dass niemand anderer in der Lage ist, gleichWERTIGE Häuser zu planen.
So gibt es im Zusammenhang mit diesem Haus und diesem Grundstück sicher viele Personen, die an der Produktion beteiligt waren, aber nur die Leistung des Eigentümers, der Einsatz seines Vermögens, ist die EIGENTLICHE Leistung, die im Zusammenhang mit all den Vorleistungen der Banken, der Planer, der Bauaufsicht und der Handwerker zur Lebensqualität seiner Familie beitragen soll.
Weil ja der Endbenutzer Teile seines gegenwärtigen und zukünftigen Vermögens „opfert“, um von dem Konsumgut einen Nutzen zu lukrieren, ist er auch derjenige, der der ganzen Wertschöpfungskette erst den Sinn verleiht, ja der sie finanziert.
Und genau hier, bei der weiteren Ausarbeitung des Themas „Endbenutzer“, habe ich dann eben „geschludert“. Ich habe nur mehr Stichworte aneinander gereiht und kurz angerissen, ohne die Gedanken „ordentlich zu Ende zu führen“.
Das will ich nun nachholen:
Wer ist schuld?
Der Markt? Der Souverän? Der Konsument?
Liebe Leser, Ihr kennt vielleicht das Lied „Sie hab’n a Haus baut“ von Arik Brauer. Darin geht es um anonyme „sie“. „Sie“, die uns „a Haus herbaut“ haben, sodass wir keinen Ausblick mehr haben.
Aber sind wirklich diese anonymen „sie“ daran schuld, dass wir keinen Ausblick mehr haben? Gab es da nicht einen einzigen(!) Eigentümer, der diese Entscheidung getroffen hat?
Ist es nicht immer der Eigentümer, der Endbenutzer, der Konsument, der durch seine Entscheidungen, insbesondere durch seine Konsumentscheidungen, erstens die Wirtschaft in Gang hält, und zweitens also auch „schuld daran“ ist?
Schuld insbesondere an der Umweltverschmutzung? Am Klimawandel? An der Lärmbelästigung durch den Verkehr? Am Feinstaub?
Ich würde mit einem klaren und deutlichen JAIN antworten.
JA, weil natürlich der Endbenutzer entscheidet, WAS er konsumiert, bzw. WIEVIEL er konsumiert. Diese Entscheidungen können natürlich von der Notenbank (vom Leitzinssatz) und von der Werbung, vom Marketing, beeinflusst werden, aber letzten Endes stehen sie in der Verantwortung des Einzelnen.
Aber NEIN, weil WIE die Güter produziert werden, das entscheiden der Markt und der Souverän mit seinen Gesetzen, an die sich ja auch der Markt zu halten hat.
Man könnte noch anmerken, dass es viele Leute gibt, die nicht an den freien Willen glauben. Demnach wären die Entscheidungen der Konsumenten und die Entscheidungen der Politiker einfach nur simple Mechanismen, die eigentlich im Rahmen der Evolution PASSIEREN.
Als christlicher Autor gehe ich vom Begriff der Verantwortung aus, die den politischen Entscheidungen und den Konsumentscheidungen innewohnt.
Also:
Der Souverän darf sich nicht einfach so auf den Konsumenten herausreden und der Konsument darf sich nicht einfach so auf den Souverän herausreden.
Beide tragen ihren Teil der Verantwortung.
Der Markt trägt keine Verantwortung, der Markt ist nur ein simpler, leicht zu durchschauender, Mechanismus, den wir in intelligenter Art und Weise nutzen sollten.