Diesmal möchte ich eine plakative Aussage an den Anfang stellen, die ich dann nach und nach beleuchten will.
Unsere Reichen und Mächtigen haben den Glauben an die Innovation verloren. Sie setzen auf Klassenkampf und Krieg.
Wie komme ich darauf?
Na gut. Schau Dich um! Wird nicht überall zum Kampf getrommelt? Geifern die Waffenhersteller nicht schon nach dem guten Geschäft mit dem Leid und dem Tod?
OK, das mag ja einleuchtend sein.
Aber wie komme ich darauf, den Kampf – den Krieg – als einen Widersacher zur Innovation zu betrachten? Sind es nicht die Waffenhersteller, die die größten Innovationen der Menschheitsgeschichte hevorgebracht haben?
Wieder einmal geht es um die Nachbearbeitung einer Diskussion auf den sozialen Medien, die mich antreibt einen Beitrag hier auf meinem Blog zu schreiben.
Es dreht sich darum, dass die Frage virulent geworden ist, ob der Mensch denn nun „immerwährend neutral“ sein kann (wie uns als gelernten Österreichern der siebziger Jahre eingeimpft worden ist), oder ob man doch manchmal die Messlatte hervorkramen muss, um zwischen gut und böse zu unterscheiden.
Aber beginnen wir am Anfang
Einem meiner Leser auf den sozialen Medien ist sauer aufgestoßen, dass ich das Sparbuch als sichere Anlageform bezeichnet hatte, und er vermutete dahinter wieder gleich linkslinke Umtriebe, da seiner Meinung ein Sparbuch etwas „typisch Sozialistisches“ sei.
Eine gute Anlageform konnte natürlich nur so etwas sein, wie eine „gute kapitalistische Aktie“ oder andere Anlageformen, bei denen der kleine Mann möglichst in die Lage kommen soll, sein hart erarbeitetes Vermögen als Ganzes einzubüßen, und nicht „nur“ im Rahmen der Inflation.
Ich verstieg mich wieder zu meinem üblichen „Es kommt darauf an“, und versuchte klarzustellen, dass es tatsächlichen einen Unterschied macht, ob man investieren möchte, oder ob man sparen muss.
Anhand dieser Bewertung, „gutes Investieren“ und „böses Sparen“, begannen wir eine Diskussion über Gut und Böse, die ich hiermit wieder einmal aufwärmen möchte.
Gut oder Böse, Links oder Rechts?
Natürlich wollte dieser Leser, dass ich mich seiner Meinung anschließe
Links = Böse
Rechts = Gut
Ich zitiere: […]Eh ist es nicht einfach. Darum muss man sich damit konfrontieren. Keiner spricht gerne negative Urteile aus (bis vielleicht Restaurantkritiker, haha!), aber manchmal sind sie notwendig. Auch Paulus hat seine Schäflein manchmal scharf kritisiert. Wer immer alles verurteilt, dem verengt sich die Sicht; wer aber nie ein Urteil spricht, in dem sammeln sie sich wie in einem Druckkochtopf, aus dem sie dann unkontrolliert und ungerecht heraus-platzen. Es bedarf also eines Maßes; 0% ist nicht gut und 100% auch nicht.[…]
Ich könnte jetzt die Sache abkürzen, und sagen: „Klar, das Maß ist das Bekenntnis zu den Menschenrechten“ (welches bei der FPÖ nicht gegeben ist), aber ich möchte eigentlich weg von der Tagespolitik und hin zu philosophischen und religiösen Betrachtungen.
Also stelle ich mir die Frage
Ist es gut zu urteilen?
Haha, wirst Du sagen, das ist wieder ein Paradoxon, weil, wenn ich sage, es ist nicht gut zu urteilen, dann ist das selbst ja schon wieder ein Urteil.
Und Du hast recht.
Aber für heute lasse ich es gut sein, und werde die Gedanken noch ein wenig wuseln lassen, bevor ich hier mit dem nächsten Beitrag weitermache.
Zur Zeit nutze ich die Dienste des Anbieters wordpress.com für dieses Blog. Falls ich in Zukunft umziehen muss, werde ich alle meine Blogs über folgende Seite verfügbar halten:
Ziemlich genau vor zwei Wochen hatte ich so eine „plötzliche Eingebung“, dass Daten ja eigentlich etwas sind, was man weitergibt und dass das Zurückhalten von Daten, also dass man „private“ Daten hält, eigentlich ein Widerspruch ist (siehe den Blogbeitrag von vor zwei Wochen: HIER).
Ich hatte das dann weiter ausgeführt, letzten Endes habe ich aber die Beantwortung folgender Fragen, bzw. das „Ventilieren“ dieser Fragen, auf die lange Bank geschoben:
Was genau meine ich mit dem Begriff „private“ Daten? Was ist der Unterschied zu „persönlichen Daten“? Von der sogenannten „Trust Domain“!
Mittlerweile sind wir uns auch einigermaßen klar geworden, WAS Daten eigentlich SIND (sie sind Muster auf einem Datenträger), und dass Daten Information enthalten, wobei die Information eigentlich etwas Subjektives ist, solange man sich nicht auf einen GEMEINSAMEN CODE geeinigt hat.
So hat z.B. die politische Farbe ROT in Österreich eine andere BEDEUTUNG als in den U.S.A.
Oder es hat in den Staaten eine andere Bedeutung, wenn man eine Frau zum Abendessen einlädt.
Nun gut, aber wann sprechen wir nun von „privaten“ Daten?
Von der Informationsweitergabe
Wenn jemand mit sich selber spricht, dann betrachten wir das zumindest als seltsam.
Da die Sprache DAS Mittel zur menschlichen Informationsweitergabe schlechthin ist, wollen wir sofort den Schluss ziehen, dass Daten immer dazu da sind, um weitergegeben zu werden.
Dass dem aber nicht so ist – zumindest, wenn wir unser Ziel darin sehen, uns und unser Wissen immer zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen – das vermittelt bereits folgende heuristische Überlegung:
Gefühlt: wenn ich Daten einmal herausgegeben habe, wenn es keine privaten Daten mehr sind, dann ist ihr Nutzen endgültig „verpufft“. Ich kann diese Daten nicht noch einmal auf die Waagschale legen und muss sie endgültig abschreiben.
Und auch die Erfahrung innerhalb unserer menschlichen Gesellschaften lehrt uns, dass die Machthaber in den diversen Haushalten „auf Ihrem Datenbestand hocken wie die Gluckhennen“ und es gar nicht gerne gesehen wird, wenn man „interne“ Daten „extern“ weitergibt.
Also, irgendetwas muss es doch auf sich haben mit diesen „privaten“ Daten.
Lassen wir unsere Phantasie ein wenig schweifen. Ich komme da zu einem Alchemisten im Mittelalter, der ein gutes neues Rezept gefunden hat. Sei es eine neue Duftessenz oder was auch immer.
Ich stelle mir nun vor, wie dieser Alchemist einerseits Angst hat, dass dieses Rezept von einem anderen Alchemisten nachgemacht wird. Andererseits hat er jeden Tag mit so vielen Rezepturen zu tun, dass er Angst hat, all das durcheinanderzubringen, wenn er es sich nicht aufschreibt.
Also, nicht faul, nimmt er ein Pergament, schreibt das Rezept darauf und gibt es in eine große eiserne Schatulle, die mit einem Schlüssel abgesperrt wird, den er immer bei sich trägt, am besten an einer Kette um den Hals.
Nun stelle ich mir vor, dass das Geschäft des Alchemisten wächst. Er hat nun schon mehrere Gehilfen, die ihm beim Mischen der Rezepturen helfen.
Schließlich wird ihm auch das Abwiegen und -messen der Bestandteile zu viel, sodass er einen Hauptgehilfen braucht, der ihm dabei zur Hand geht.
Dieser Hauptgehilfe bekommt nun einen Zweitschlüssel für die Schatulle und wir wissen nun, dass es zwischen ihm und dem Alchemisten ein besonderes Vertrauensverhältnis gibt.
Die beiden teilen ihre „privaten“, ihre „internen“ Daten, geben sie aber nicht „extern“ weiter.
Diese Daten gehören also zum geistigen Eigentum, zum Know How des Betriebes.
Und wir sind beim Begriff der „Trust Domain“.
Solange die „Trust Domain“ nach außen hin dicht ist, ist alles in Ordnung und man kann intern die allergrößten Geheimnisse breittreten.
Wir sehen schon, wo das Problem liegt. Niemand ist ganz dicht. Letzten Endes hat jeder seinen Preis.
Das Modell von der „scharf begrenzten“ Trust Domain ist ein ziemlicher Nonsens.
Es ist eher so, dass wir viele einander überlappende Trust Domains haben, in vielen verschiedenen Graustufen.
Meint
Euer Christoph
P.S. „persönliche“ Daten sind etwas gänzlich Anderes. Es sind dies Daten, die man mit einer Person in Verbindung bringen kann. Wegen des allgemeinen Rechtes auf Privatsphäre unterliegen solche Daten einem besonderen Schutz durch den Gesetzgeber.
Wir Menschen neigen dazu, unsere „claims abzustecken“, unser „kleines Königreich zu errichten“, und es uns „innerhalb unserer 4 Wände leidlich gut gehen zu lassen“.
Ich nehme mich da gar nicht aus.
Die Grenzgänger aber, die Diplomaten und anderen Menschen, die uns daran erinnern, dass die Welt jenseits unserer Mauern weitergeht, dass das Universum sich auch jenseits des Zaunes abspielt, und wie klein wir eigentlich sind, wenn wir uns im Ausland befinden, diese Menschen wollen wir am liebsten zum Teufel jagen, denn sie kratzen an unserem Selbstbewusstsein, an unserer Königswürde.
Trotzdem also jeder seine eigene kleine Welt hat, sein Königreich mit einer eigenen Krone und mit eigenen Gesetzen, und man muss sagen, dass das auch auf die Wissenschaften zutrifft, denn die „universitas“, das „Allgemeinwissen“, gibt es eigentlich nicht mehr, trotzdem also GLAUBEN wir daran, dass es da eine GEMEINSAMKEIT gibt.
Denn alle diese kleinen Schrebergärten, diese biedermeierlichen virtuellen Realitäten, sind eingebettet in ein UNIVERSUM, das nach ALLGEMEIN GÜLTIGEN Universalgesetzen funktioniert, die wir zwar noch nicht komplett verstanden und erforscht haben, an deren Existenz wir aber bedingungslos glauben.
Man könnte auch so sagen: obwohl es viele Lebenswelten gibt, und viele Wahrheiten, die alle nur lokale Bedeutung haben, so eint uns doch der GLAUBE AN DIE EINE REALITÄT.
Ist es nun abwegig, sich Gedanken darüber zu machen, ob es VIELE GÖTTER gibt, die alle in den Bereich der Fiktion fallen, oder ob es EINEN EINZIGEN GOTT gibt, der aber dafür REAL ist?
Nun werden die ganzen Schrebergartenbesitzer natürlich aufschreien und sagen: UNSER GOTT / MEIN GOTT ist der einzig reale, und nur ganz wenige werden sagen: der reale Gott ist natürlich der GOTT ALLER MENSCHEN. Und: wir sind alle Brüder und Schwestern, weil Gott unser Vater ist.
Und so können die Schrebergartenbesitzer ruhig aufeinander zugehen, und einander besuchen, miteinander feiern, denn sie sind eingedenk der Tatsache eines gemeinsamen Gottes und einer Geschwisterlichkeit unter allen Menschen.
Ich finde also nichts Anstößiges daran, mit den Augen der Wirtschaftstheorie über unsere Gottesbeziehung nachzudenken, oder mit evangelischen Augen über die Theorie des elektrischen Feldes oder mit katholischen Augen über die Führung meines Privathaushalts, oder mit den Augen eines Priesters über das Sexualleben von Paaren, oder mit den Augen eines Technikers über die Wirtschaftstheorie oder mit den Augen eines Business Administrators über die Aufgaben einer Reinigungskraft, usw. usw. usw.
Letzten Endes muss das alles IRGENDWIE zusammenpassen.
Eines aber kann keiner von uns. Wir können die Welt NICHT mit Gottes Augen betrachten.
JEDER, der behauptet, er wisse Gottes Willen, ist ein Scharlatan und Sektierer, den man „mit dem nassen Fetzen aus der Stadt jagen soll“.
Eigentlich wollte ich dieses Wochenende ja wieder einen fertigen Artikel bereitstellen, aber mit dem zunehmenden Alter werde ich immer fauler – und ich bekomme fürs Bloggen ja auch kein Geld 🙂
Worum geht es?
Nun, in den „Wirtschaftlichen Grundlagen der Elektrotechnik“ hatte uns damals auf der TU unser Professor vorgerechnet, dass es bei endlichen Ressourcen, die nicht nachwachsen, also zum Beispiel beim Erdöl, sich so verhält, dass ein Monopolist mit diesen Ressourcen länger auskommt, dass er diese also schonender behandelt, als es der freie Markt tut.
Grund dafür ist, dass der Wirtschaftstreibende seinen Gewinn über die Lebensdauer maximieren wird, und dass ihm dass gelingt, indem er weniger Erdöl fördert und so einen höheren Preis erzielt.
Wenn er hingegen Konkurrenten hat, dann wird sich der Preis entsprechend dem Gesetz der Grenzkosten einpendeln – also billiger sein – weshalb mehr Erdöl verbraucht wird.
Früher haben die Landwirte gesagt: „Du wirst die Kuh nicht schlachten, wenn Du sie noch melken willst“.
Nun und dieses Gesetz möchte ich jetzt auf verschiedene Beispiele anwenden:
Wenn man heiratet, hat man dann ein „Monopol“ auf den Partner, geht deshalb also schonender mit ihm um?
Ist Grundeigentum nicht auch eine Art Monopol auf einen bestimmten Abschnitt der Erdoberfläche?
Wie ist das mit Staatseigentum? Wird das, weil es ja ein „gemeinsames“ Eigentum ist, grob ausgeschlachtet?
Liegt es an diesem Gesetz, dass Staaten (fast) immer Schulden machen, während private Firmen (fast) immer Gewinne schreiben?
Was bedeutet dieses Gesetz für die Vermögensungleichheit und für den Great Reset?
Jetzt muss (möchte) ich aber für heute Schluss machen und verweise auf eines der nächsten Wochenenden.
Heute, als ich mit dem Auto zum Landhaus fuhr, um hier ein paar Tage Home Office zu machen, spielten sie auf Radio NÖ den berühmten Song von Bonnie Tyler:
Und natürlich musste ich auch an den „Tanz der Vampire“ denken:
Na gut, das ist ja nicht schwer zu interpretieren.
Es geht um die Sehnsucht nach Liebe und die Vampire sind eine Metapher für die Kapitalisten, die diese Schwäche des Menschen ausnützen.
OK, also warum soll man darüber extra etwas schreiben? Das ist ja wirklich kein großes Geheimnis.
Die zwei Elefanten
Na ja, manchmal traut sich niemand, den Elefanten anzusprechen, der im Raum steht.
Und es wäre doch gut, wenn wir über den Elefanten redeten, denn wenn wir über den Elefanten NICHT reden und ihn ignorieren, dann könnte es passieren, dass er uns eines schönen Tages zu Tode trampelt.
Genau genommen sind es zwei Elefanten, den einen spricht Doskozil an, und den anderen der Babler.
Da ist einerseits die Zuwanderungsproblematik. Diese wird von der eher rechten Seite angesprochen, also von Dosko.
Andererseits ist die Schieflast in der Vermögensverteilung mittlerweile unerträglich und auch gefährlich für die Freiheit des Menschen. Dieses Problem sprechen die linken Teile der SPÖ an.
Welcher Elefant ist wichtiger?
Na gut, ein bisschen Ungleichheit muss sein, sonst gibt es GAR keine Wirtschaft mehr, aber die Ungleichheit darf nicht so weit gehen, dass es Menschen gibt, die nicht mehr heizen können, die nicht mehr satt werden und die keine Zeit mehr haben, ins Kino zu gehen oder ein Buch zu lesen.
DAS ist DER Elefant, über den wir reden MÜSSEN: die exzessive Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Es KANN NICHT SEIN, dass eine Hand soviel Geld in der Hand hat, dass sie einen ganzen Kleinstaat „kaufen“ kann.
Das Zuwanderungsproblem halte ich für sekundär. Denn wenn der Sozialstaat entsprechend ausgeprägt ist, dann haben Zuwanderer auch genug Chancen, sich zu integrieren, dazuzulernen und einen sozialen Aufstieg durchzumachen. Dadurch entfallen dann auch die Probleme mit Lohn- und Sozialdumping, für das man anspruchslosere, erpressbare Einwanderer normalerweise braucht.
In meinem letzten Beitrag über das Gewissen und die Menschenrechte (siehe HIER) hatte ich wie folgt geendet:
Dieses Gefühl „WIR SIND DIE GUTEN“ kann man nun in den Kampf mitnehmen, in den Konkurrenzkampf der „Wertekreise“, den wir ja alle gewinnen wollen.
Doch wollen wir das wirklich?
Gewissen und Gerechtigkeit
Im letzten Kapitel war die Rede vom Selbstwertgefühl und vom guten Gewissen, die hand in hand gehen.
Und es war die Rede von einem „Konkurrenzkampf der Wertekreise“, in dem es offensichtlich darum gehe, den eigenen Leuten möglichst ein gutes Gewissen zu machen, damit diese sich im Kampf leichter tuen.
Wenn man nun im Römerbrief liest
Röm 3,23 Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.
Röm 3,24 Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus.
dann bekommt man so ein komisches Gefühl, als ob dem Apostel Paulus diese Gesetzmäßigkeiten nicht bekannt gewesen wären.
Wollte er seinen Leuten „ein schlechtes Gewissen machen“? Das wäre doch klar kontaproduktiv.
Auch wenn der Papst Franziskus immer wieder darauf drängt, dass die Missbrauchsfälle in der Kirche ehrlich und wahrheitsgemäß aufgearbeitet werden müssen, dann denkt man sich unwillkürlich: „Will er die Kirche vernichten?“.
Wie geht das zusammen?
Nun, erst einmal müssen wir uns im Klaren sein, was Gott eigentlich von uns will:
Hos 6,6 Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, / Gotteserkenntnis statt Brandopfer.
Natürlich ist es schön, wenn die Kirche viele große und stattliche Gebäude hat, in denen man das Opfer feiern kann, und natürlich ist es beeindruckend, wenn sich hunderttausend Menschen bei einer Papstmesse versammeln, keine Frage,
aber primär hat das mit dem Willen Gottes nichts zu tun.
Den Willen Gottes erfüllen wir, wenn wir jeden Tag in unseren kleinen alltäglichen Begebenheiten der Liebe den Vortritt lassen.
„Put a little love in your heart“.
Dann ist unser gutes Gewissen nicht nur ein „gesellschaftlich aufgepfropftes Gefühl“, sondern hat tatsächlich etwas mit Gerechtigkeit zu tun.
Da wird man erfahren, dass auch die jüdisch-christliche Tradition, der man das ja gemeinhin nicht zutrauen würde, wesentliche Beiträge zur Entwicklung eines allgemeinen Menschenrechts geleistet hat.
Was hat nun aber das Menschenrecht für einen Zusammenhang mit dem Gewissen?
Nun, der Zusammenhang ergibt sich aus dem Begriff des WERTES.
Einerseits beWERTet das Gewissen meine Gedanken, Worte und Werke, andererseits werden die Rechte eines Menschen im Allgemeinen als Teile seines VERMÖGENS, also als etwas WERTvolles angesehen.
Das gute Gewissen hat also viel mit dem SelbstWERTgefühl zu tun.
Das Selbstwertgefühl kann sich aber nicht nur auf ein Individuum beziehen, sondern auch auf eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, die die Menschenrechte „hat“, wird also im Allgemeinen ein größeres Selbstwertbewußtsein, eine Selbstsicherheit entwickeln können, als eine solche, die diese Rechte nicht „hat“.
Dieses Gefühl „WIR SIND DIE GUTEN“ kann man nun in den Kampf mitnehmen, in den Konkurrenzkampf der „Wertekreise“, den wir ja alle gewinnen wollen.
Allerorten hört man Klagen, dass in unserer Gesellschaft ein sogenannter „Werterelativismus“ einreiße.
Alles sei richtig, alles sei wahr und man könne sich auf nichts mehr verlassen (am wenigsten auf die Jugend), liest man allenthalben in traditionsreichen Medien.
Wir müssen uns wieder auf die „Europäischen Werte“ rückbesinnen, heißt es da meistens, und die guten alten Traditionen würden uns den Weg in die Zukunft zeigen.
Nun.
Auch ich selbst würde mich aus Sicht meines „Wertekorsetts“ als „guten alten katholischen Christen“ bezeichnen und ich fühle mich den zehn Geboten verpflichtet (auch wenn ich kein „vorbildlicher“ Christ bin, der wirklich jeden Sonntag in die Kirche geht).
Aber werde ich deswegen in den Chor der Ewiggestrigen einstimmen, die ihr Heil immer in der Vergangenheit suchen?