Das Verursacherprinzip (Replik)

Hauptartikel: Der Waldmensch ruft – (5/2b) Ressourcen II

Einleitung

Nun haben wir gewisse Grundbegriffe besprochen, damit wir wissen, worüber wir in der Serie „Der Waldmensch ruft“ sprechen (Was ist ein Haushalt? Was sind Ressourcen? Welche Prozesse gibt es in einem Haushalt?)

Nach einem Ausflug in die Theologie – nach theologischer Interpretation des Nachhaltigkeitsbegriffes -, den wir hier vorgenommen haben:

wollen wir nun unseren Ressourcenbegriff zu Ende führen:

Das Verursacherprinzip

Solange sich alles im Haushalt H oder am Markt abspielt, ist das Prinzip „Quid pro Quo“ üblicherweise garantiert.

Natürlich kann man das Prinzip „Quid pro Quo“ hinterfragen – Jesus Christus hat das zum Beispiel getan -, und auch Mutterliebe wird nie fragen, ob sie „etwas zurückbekommt“, bevor sie dem Kind alles gibt.

Dieses Prinzip, dass also jede Leistung entweder direkt oder auf Umwegen wieder durch eine Gegenleistung „begründet“ bzw. „bedankt“ werden sollte, ist also eine der Grundsäulen des menschlichen Wirtschaftslebens.

Darauf baut die Tauschwirtschaft und – später – die Wirtschaft mit Geld als universellem Tauschmittel.

Trotzdem gibt es einen Player, dem gegenüber wir dieses Prinzip meist nicht anwenden, nämlich die Umwelt.

Wer bedankt sich bei dem Schwein, das er ißt?
Wer bedankt sich für die Luft, die er atmet?
Wer bedankt sich für den Tag und die Nacht, den Wechsel von Licht und Dunkelheit, die uns erst den richtigen Rhythmus geben?
Wer bedankt sich für den Ozean, der uns Nahrung gibt und das Festland, das uns Heimat gibt?

Wer bedankt sich für das Leben?

Und so habe auch ich in Abbildung 5-1-1 die Umwelt als „allumfassenden Hintergrund“ eingezeichnet, lasse aber die konkreten Beziehungen zwischen Haushalt H und Umwelt sowie zwischen Markt und Umwelt offen.

Abb. 5-1-1: Güterströme im Haushalt und zwischen Haushalt und Markt

Das, was mit der Umwelt ausgetauscht wird,
– das sind natürlich auch Güter*) –
bezeichne ich als Ressourcen.
(Satz 5-1-1)

*) Als Güter bezeichnen wir nach dem derzeitigen Erkenntnisstand Waren, Dienstleistungen und Daten

Leider ist der „Austausch“ von Ressourcen mit der Umwelt meist eben KEIN Tausch, sondern eine Einbahnstraße – eine Ausbeutung.

Kann sich die Natur wehren? Wir werden sehen.
(Satz 5-1-2)

Wie können wir die Ausbeutung der Umwelt in Worte fassen, feststellen, dingfest machen?

Einen allerersten Ansatz hatten wir HIER (XII – Externe Effekte) gemacht, indem wir den Schaden, den die Ressourcenumsätze verursachen, an der Umsatzeinbuße der anderen Haushalte messen wollten.

Abb. 5-1-2: Internalisierung externer Effekte nach dem VERURSACHERPRINZIP

In Abb. 5-1-2 sehen wir (in den braunen Pfeilen) den „direkten“ Ressourcenumsatz eines Haushaltes B und seinen „indirekten“ Ressourcenumsatz durch die Importe und Exporte vom/zum Markt.

Diese Ressourcenumsätze – die an sich kostenlos sind – verursachen im Haushalt A einen „externen Effekt“ und damit eine Umsatzeinbuße (oder auch -steigerung).

Der Souverän des Systems verurteilt Haushalt B zu einer Ausgleichszahlung genau in Höhe der verursachten Umsatzeinbuße (oder er erteilt Haushalt A den Befehl, Haushalt B für die Umsatzsteigerung zu belohnen).

Verortung der Ressourcenumsätze „RU“

Im Beitrag (2) Ich / Wir / Umwelt / Markt hatten wir die Prozesse im Haushalt kategorisiert.

Dabei sind wir daraufgekommen, dass es eigentlich nur 3 Kategorien gibt, denen man einen Ressourcenumsatz des Haushalts H zuordnen kann:

  • (PROD) Ressourcenumsatz durch Produktion aus Eigenleistung im Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte
  • (IMP) Ressourcenumsatz durch Import in den Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte
  • (LAG) Ressourcenumsatz durch Lagerung im Haushalt H……
  • ……und zugehörige Güter- und Personentransporte

Innerhalb dieser Kategorien kann man noch einmal unterscheiden nach der Art des Konsums, für den diese Güter gedacht sind:

  • Produktion (PROD-A) / Import (IMP-A) / Auslagerung (LAG-A) für die Aufrechterhaltug der Produktionsmittel (A)
  • Direkter Konsum aus den Produktionsmitteln (Konsument = Produzent, PROD-B)
  • Produktion (PROD-C) / Import (IMP-C) / Auslagerung (LAG-C) für den direkten Konsum (C)
  • Produktion (PROD-D) / Import (IMP-D) / Umlagerung (LAG-D) fürs Lager (D)
  • Produktion (PROD-E) / Import (IMP-E) / Auslagerung (LAG-E) für den Export (E)

Wir modellieren das so, dass dem Konsum an sich kein Ressourcenumsatz zugeordnet wird.

Sollte z.B. aus Nahrungsmitteln wieder Dung erzeugt werden, so ist das ein dem Konsum nachgelagerter, anderer Prozess: „Produktion für den Export“ (PROD-E).

Wegen Consumere (lat.) = „vollständig vernichten, zerstören“ passt das ganz gut, dass Konsum eben nichts mit der Umwelt zu tun hat, weil das Gut dabei komplett im Nichts aufgeht (und evtl. in einem nachgelagerten Prozess in andere Güter transformiert wird).

Wenn man nun alle relevanten Haushalte einzeichnet, die mit dem Haushalt H zu tun haben, also

  1. die Erwerbsstätte(n) des Haushalts H,
  2. die Konsumstätte(n) des Haushalts H und
  3. den Haushalt H selbst,

dann kommt man auf folgende Ressourcenumsätze, die mit Haushalt H zu tun haben:

  1. Indirekter Ressourcenumsatz an den Konsumstätten („RU“ K)
    z.B.:
    • Transport der Güter vom Großhändler zur Konsumstätte
    • Verpackungsmüll
    • usw.
  2. Direkter Ressourcenumsatz des Haushalts H („RU“ H)
    z.B.:
    • Abgase des privaten PKW bei Spazierfahrten
    • Abgase des privaten Rasenmähers
    • Kühlmittel aus dem Kühlschrank des Lagers
    • „Gerüche“ beim Lüften der Schlafzimmer
    • Sonneneinstrahlung im Wohnzimmer
    • Personen- und Güterverkehr für den Export
    • Personen- und Güterverkehr für den Import
    • Fahrten zum privaten Obstgarten
    • usw.
  3. Indirekter Ressourcenumsatz an den Erwerbsstätten („RU“ E)
    z.B.:
    • Transporte der Erzeugnisse zum Markt
    • Transporte der externen Vorleistungen zur Erwerbsstätte
    • Sonnenschein ins Büro
    • Dienstreisen
    • usw.
Abb. 5-1-3: Alle relevanten Haushalte (Überblick)

Eine Bemerkung zur Verortung der Transporte:

Der Umweltschaden, der durch Personen- und Gütertransporte verursacht wird, wird das entlang des Transportweges. Daraus – aus der Route – ergibt sich, welcher Souverän den Schaden in den Transportkosten einpreisen sollte.

Dafür aufkommen muss derjenige, in dessen Interesse / Auftrag der Transport erfolgt.

Z.B.:
Ich habe mir die Erwerbsstätte ausgesucht -> ich muss für den Transport meiner selbst zur und von der Erwerbsstätte aufkommen
Mein Arbeitgeber hat sich das Ziel der Dienstreise ausgesucht -> er muss für die Dienstreise aufkommen
Der Lebensmittelhändler hat sich das Ursprungsland ausgesucht -> er muss für den Transport aufkommen
Ich habe mir den Supermarkt ausgesucht -> ich muss für den Transport nach Hause aufkommen

=>

  • für „RU“ H muss der Haushalt H aufkommen
  • für „RU“ K muss die Konsumstätte aufkommen, kann und soll diese Kosten aber auf den Import des Haushalts H abwälzen
  • für „RU“ E muss die Erwerbsstätte aufkommen, sie kann und soll diese Kosten – die nichts mit dem Haushalt H zu tun haben – aber auf ihre Kunden abwälzen

Da die Produkte heutzutage aus einer Reihe von Vorleistungen zusammengesetzt werden, habe ich in Abbildung 5-1-4 nochmal den Markt weiter aufgeschlüsselt, wieder aus Sicht des Haushalts H.

Abb. 5-1-4: Alle relevanten Haushalte (Aufschlüsselung)
  • GO = gesamter Overhead
  • GO = anteiliges Nettoeinkommen aller Vorleister
  • NE = R = Nettoeinkommen des Haushalts H
  • R = Umsatz (Revenue) des Haushalts H
  • NE = Nettoeinkommen der Produzenten 1., 2., 3., .:. Ordnung
  • C = Gesamtkosten für den Import
  • C = Bruttoumsatz der Produktionsstätte 0. Ordnung
  • Produktionsstätte 0. Ordnung = Konsumstätte
  • GO = gesamter Overhead der Produktionsstätte N.ter Ordnung = Bruttoumsatz der Produktionsstätten (N+1)ter Ordnung

Die Verortung der Ressourcenumsätze in Abb. 5-1-4 ist die Hausaufgabe für den werten Leser 😛 (vielleicht komme ich später nochmal darauf zurück)

Meint

Euer Christoph

Sind Umweltschäden einfach Umsatzeinbußen woanders?

Diesen Artikel findet man HIER (Umweltschäden sind Umsatzeinbußen)

Detaillierte Verortung des „RU“

Diesen Artikel findet man HIER (Hinweise)

Lenkungseffekt, Machbarkeit, Gebet

In Arbeit

4 Responses to Das Verursacherprinzip (Replik)

  1. […] Diesen Artikel findet man HIER ( Das Verursacherprinzip – Replik ) […]

  2. Kardinal Novize Igor sagt:

    Die Jäger „bedanken“ sich bei den geschossenen Tieren. Das „zur Strecke bringen“ – eine Auflegung der Tiere – stellt eine Art Ehrung dar.

    LG KNI

  3. […] Siehe den Artikel Das Verursacherprinzip (Replik) […]

  4. […] Siehe den Artikel Das Verursacherprinzip (Replik) […]

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