Vor langer Zeit hat einmal ein dummer Junge folgendes Bild zum Thema „DIGITS und die Anwendungen“ verbrochen:

Der Gedanke dahinter war, dass man – ausgehend von einer fiktiven Existenz von DIGITS – sich Gedanken über mögliche Anwendungen machen könnte – sozusagen Top down.
Andererseits ist DIGITS aber eine äußerst kostspielige Angelegenheit und muss sich erst zitzerlweise durch die Anwendungen finanzieren – Bottom up.
Lustig ist in diesem Zusammenhang, dass die Begriffe „Top“ und „Bottom“ hier eigentlich kervehrt verwendet werden, da ja in den üblichen Begriffen von Software- und Netzwerkschichten DIGITS eher einer unteren Schicht zuzuordnen ist und die Anwendungen eher einer oberen Schicht.
Jetzt könnte man trefflich ins Philosophieren kommen, wer hier wen „verursacht“ bzw. „ernährt“. Die Oberschicht die Unterschicht oder die Unterschicht die Oberschicht.
Aus Sicht von DIGITS ist SrrTrains übrigens eine einzige mögliche Anwendung von vielen.
Möchte nur wissen, wie SrrTrains DIGITS ernähren soll, wenn es nicht einmal selber lebensfähig ist 🙂
Aber eigentlich wollte ich ja heute über einen anderen, wenn auch ähnlichen, Kreislauf schreiben

In den empirischen Wissenschaften spricht man davon, dass man ausgehend von Erfahrungstatsachen, in einem kreativen Prozess durch sogenannte Induktion ein allgemeines Gesetz (er-)findet, aus welchem man schließlich durch reine logische Schlussfolgerung wieder Einzelfälle vorhersagen kann (Deduktion).
Solange alle Vorhersagen eintreffen, kann man davon ausgehen, dass das allgemeine Gesetz gültig ist, also die „zur Zeit anerkannte Theorie“ darstellt.
Diese Anordnung läßt natürlich jede Menge Schlupflöcher offen für unser allseits beliebtes „kreatives Chaos“.
Denn einerseits können unterschiedliche kreative Köpfe unterschiedliche allgemeine Gesetze zu denselben Tatsachen induzieren (er-finden).
Andererseits hat auch die Deduktion ihre Grenzen.
Wenn man aus einem allgemeinen Gesetz durch „rein logische Schlussfolgerung“ auf einen Einzelfall schliesst, dann heisst das ja, dass man zuvor die „Gesetze der Logik“ als wahr anerkennen muss.
Das ist aber nicht a priori gegeben.
Was ist, wenn jemand der Deduktion keinen Glauben schenkt, weil ihm der Deduzent einfach suspekt ist?
Oder wenn er nicht genügend geistige Kapazität hat, um die „Gesetze der Logik“ überhaupt anzuwenden?
Oder wenn ihm seine Eltern eine „gänzlich andere“ Logik beigebracht haben?
Oder wenn eine Glaubenstatsache dagegen spricht?
Kein ernstzunehmender Atheist würde bezweifeln, dass eine Hostie zwischen Wandlung und Kommunion einfach ein Stück Brot ist.
Aber da gibt es einige unbeugsame Barbaren, die die Gesetze der Logik zum Teufel jagen und darauf bestehen, dass das eben KEIN Brot ist.
Und wie ist das jetzt mit den sogenannten „absoluten“ Wahrheiten? „absolutus“ heißt auf Lateinisch „uneingeschränkt“, „losgelöst“, also sozusagen losgelöst von den Umständen IMMER und ÜBERALL gültig.
Wobei es hier noch eine zusätzliche Feinheit gibt:
Wenn wir nämlich einmal davon ausgehen, dass Wahrheit immer eine Eigenschaft eines Satzes ist, dass man also den Begriff Wahrheit nicht denken kann ohne den Begriff eines Satzes, auf den sich die Wahrheitseigenschaft bezieht,
dann haben wir mit dem Umstand zu tun, dass ein Satz von einem JEMAND entweder GESENDET (gesprochen, geschrieben) oder EMPFANGEN (gehört, gelesen) werden kann.
Von einer ABSOLUTEN Wahrheit müßte man nun fordern, dass der Satz auf den sie sich bezieht, IMMER UND ÜBERALL wahr ist, ganz egal, WER ihn SENDET und/oder WER ihn EMPFÄNGT.
Für einen braven Katholiken ist es jetzt also eine absolute Wahrheit, dass eine Hostie zwischen Wandlung und Kommunion KEIN Brot ist, für einen braven Atheisten hingegen ist das eine absolute Falschheit, denn für ihn ist es definitiv Brot.
Man ist geneigt zu sagen: hoffentlich gibt es bitte nicht allzuviele „brave“ Menschen, denn sonst ist der totale Krieg unausweichlich.
Der Trick ist eben das Wort „für“.
„Für“ einen braven Katholiken ist dies eine absolute Wahrheit, „für“ einen braven Atheisten ist jenes (das Gegenteil) eine absolute Wahrheit.
Ein logischer Widerspruch, den wir nur mit Hilfe von Toleranz, Einfühlsamkeit und Kompromissbereitschaft lösen können.
Denn der brave Katholik muss es halt akzeptieren, dass „seine“ absolute Wahrheit „in Wirklichkeit“ gar keine absolute Wahrheit ist, sondern nur „für ihn“.
Er soll sich selbst nicht für „die Wirklichkeit“ halten, denn auch er lebt nur in „(s)einer Virtuellen Realität (VR)“.
Das muss jetzt nicht heissen, dass es „überhaupt keine Realität“ gibt, nein, ich meine nur, dass wir alle nur „durch unsere voreingenommene VR“ einen Blick auf die „wirkliche“ „Wirklichkeit“ erhaschen, dass wir nur ein „Modell der Wirklichkeit“ in unserem Kopf haben.
Ist übrigens keine neue Erkenntnis, siehe Höhlengleichnis, und auch Kohelet hat ja schon gesagt: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“.
Was wieder einen schönen abgerundeten Schluß ergibt.
Meint
Euer Christoph