In dieser Serie schreibe ich über das Vater unser.
Diesmal ist ein Satz an der Reihe, der in keiner Weise „philosophisch abgehoben“ oder „weltfremd“ ist, nein, es geht ums Essen, es geht ums nackte Überleben.
Unser tägliches Brot gib‘ uns heute.
Ist das jetzt die Aufforderung an Gott, er soll doch bitte gefälligst um uns sorgen, wenn er uns schon erschaffen hat?
Hört man da die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation?
Du hättest uns nicht erschaffen müssen. Jetzt haben wir den Salat. Mach das doch bitte wieder gut.
Ich denke, wenn Jesus das so gemeint hätte, dann hätte er gebetet „Unser Brot gib‘ uns!“ (mit Rufzeichen), aber nein, er betet „Unser tägliches Brot gib‘ uns heute„.
In einem Zeitalter, das keinen Krankenstand, keine Sozialversicherung und keine Arbeitszeitgesetze kannte, war man im Falle der Arbeitsunfähigkeit auf die Mildtätigkeit der Angehörigen angewiesen.
Heute ist man auf die Mildtätigkeit der Gesunden, Tüchtigen und Fleißigen angewiesen, die brav ihre Sozialversicherung zahlen müssen, damit es auch im Krankheitsfall keine Probleme gibt.
Und so ist diese Bitte an Gott eigentlich eine Bitte darum, dass wir nicht „fallengelassen“ werden.
Und ich sehe es als eine Bitte um Gesundheit.
Aber warum nur „heute“?
Warum nicht „Unser tägliches Brot gib‘ uns allezeit“?
Ich denke, Jesus will uns bewußt darauf hinweisen, dass wir uns unsere Zukunft nicht „absichern“ können.
Jeder Tag muß für sich selbst aufkommen, es hat keinen Sinn, jetzt schon Reichtümer anzuhäufen, die mich dann später einmal ernähren sollen.
Nein, meine Kinder werden mich ernähren, nicht meine Reichtümer.
Ein starkes Plädoyer für das Umlageverfahren, gegen das Kapitaldeckungsverfahren, in der Pensionsversicherung.
Meint
Euer Christoph