Keine Teilzeitchristen

August 2, 2013

Am Weltjugendtag hat Papst Franziskus die jungen angefeuert, weiterzumachen und die Welt zu verbessern.

Sie sollen keine „Teilzeitchristen“ sein, die trennen zwischen Religion und Leben, sondern wir sollen Menschen sein, die ihre Religion „ins Leben mitnehmen“. (das sind jetzt keine Zitate im eigentlichen Sinn, aber ich denke, so kann man seine Aussagen interpretieren).

Gehen wir einmal in uns und denken wir nach: „Was ist die erste Eigenschaft, die Dir zu Dir selbst einfällt?“

„Ich bin ein……“ und was legt Dir Dein Gewissen hier auf die Zunge?

„…ein Wiener“
„…ein Mensch“
„…ein Kind Gottes“
„…usw.“

Und das sagt doch schon sehr viel über mich aus, was mir da sofort einfällt. Und in welcher Reihenfolge.

Meint
Euer Christoph


Simplex, Halbduplex oder Vollduplex

Juli 10, 2013

Ich habe mich einigermaßen geärgert.

Da hat doch ein Blogger auf einen meiner Beiträge zur Relativitätstheorie reagiert und einen – zugegebenermaßen negativen und zugegebenermaßen dummen – Kommentar geschrieben.

Aber darüber habe ich mich nicht geärgert. Nein, worüber ich mich geärgert habe, das ist sein Simplex-Verfahren, nämlich seine Kommunikation in Form einer Einbahnstraße.

Da habe ich mich hingesetzt und habe mühsam seinen Denkfehler aufgezeigt, die Problematik seiner Argumentation
offengelegt, mit einem Wort, ich bin auf ihn eingegangen (trotz seiner offensichtlichen Simplizität).

Und was sagt mir die Zugriffsstatistik?

Null!

Nicht einmal gelesen hat er meine Antwort, geschweige denn, darauf reagiert.

Wenn jemand seine Meinung einfach nur so ins Weltall hineinrotzt, ohne sich für die Reaktion zu interessieren, dann ist das wahrlich ärgerlich.

Selbst die klassischen Simplex-Kanäle (also z.B. Zeitung, Radio und Fernsehen) lassen Dir als Konsument eine Möglichkeit, auf die Information zu reagieren (Leserbriefe, Beschwerdestelle etc.).

Und ist es nicht eigentlich dieses „Hin und Her“, dieses Duplex-Verfahren, das uns Menschen erst zu Menschen macht?

Weil wir eben voneinander lernen können, und es nicht immer nur „von oben nach unten“ geht, sondern „hin und zurück“.

Sind wir nicht alle noch in der Schule und müssen voneinander lernen?

Ein Leben lang?

Immer schön demütig. Da gibt es keinen, der „besser“ ist und „auf die anderen hinunterblicken“ dürfte. Aber man soll auch nicht nur „nach oben schauen“ und die „Verantwortung nach oben delegieren“.

In der Waagrechten entscheidet sich das Christentum, im täglichen Leben. Da gibt es kein „oben“ und „unten“.

Meint
Euer Christoph


Rekapituliere

Juni 14, 2013

Das Thema Relativität und Absolutheit zieht sich eigentlich wie ein roter Faden immer wieder durch meine Blogs und Postings.

Da ist einerseits eine tiefe Verehrung für das Jahrhundertgenie Albert Einstein – ich glaube, man kann ohne Übertreibung sagen, das 20. Jahrhundert war „sein“ Jahrhundert -, der einerseits von seinen eigenen Theorien absolut überzeugt war und dadurch viele andere ins Wanken brachte, trotzdem ein relativ miserabler Familienvater.

Und da haben wir versucht, uns dem Thema mit Hilfe des Humors zu nähern, siehe den Kommentar vom 4. April 2011, wo ich zum wiederholten mal geschrieben habe Es gibt keine absoluten Wahrheiten. Punctum!

http://zweitersein.wordpress.com/2011/04/03/relativitat-und-absolutheit/#comment-31

Diese selbstbezügliche Paradoxie (ähnlich „dieser Satz ist falsch“) ist zwar ganz nett, und sie mag uns in humorvoller Art und Weise darauf hinweisen, dass man immer wieder mal den gordischen Knoten zerschlagen muss, wenn im Leben etwas weitergehen soll.

Man muss also hin und wieder mal absolutistisch sagen ich will, bzw. bitte mach das so, weil ich es will – das gilt insbesondere beim Umgang mit kleinen Kindern, aber auch im Zusammenleben von Erwachsenen hie und da mal wieder.

Ja, ich glaube an Gott.

Ich kann argumentieren, dass es nicht unvernünftig ist, ich kann erklären, dass das etwa auch wegen meiner Eltern so gekommen ist, aber letzten Endes ist es ein Akt der Autonomie, dass ich jetzt als erwachsener Mensch immer noch an Gott glaube.

Und für den gläubigen Menschen ist es ein Ausfluß der Gnade Gottes, daß ich glauben darf. Ein unverdientes Geschenk.

Aber eigentlich wollte ich auf die Unmöglichkeit eines absoluten Relativismus zurückkommen. Wir haben dann auch in der Systemarchitektur von SMUOS/C3P (das ist jetzt nur für Kenner des SrrTrains Projektes, sorry), die ich am 1. März 2011 veröffentlicht hatte (http://smuos.wordpress.com/2011/03/01/smuos-and-the-ietf/) einen ganz passablen Kompromiss zwischen Relativismus und Absolutismus gefunden, wie mir scheint, nämlich in den Punkten A bis E

A) Wir glauben an eine Wirklichkeit/Wahrheit. Die Wirklichkeit/Wahrheit existiert ohne unser zutun. Sie läßt sich nicht absolut erfassen.

B) Es gibt verschiedene Modelle der einen Wirklichkeit/Wahrheit, die mehr oder weniger zutreffen.

C) Modelle der Wirklichkeit/Wahrheit werden einerseits von Institutionen wie der Kirche oder der Wissenschaft angeboten, wobei sich unterschiedliche Institutionen auf unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit/Wahrheit spezialisiert haben,

D) Andererseits hat auch jedes Individuum Modelle der Wirklichkeit/Wahrheit in seinem Kopf, die sich meistens von Modellen der Institutionen herleiten, aber auch durch persönliche Erfahrungen und Lehrmeister gefärbt sind.

E) Jede Person hat in ihrem innersten eine geheimnisvolle Möglichkeit, mit der Wirklichkeit/Wahrheit direkt in Kontakt zu treten, ohne sich eines Modells zu bedienen. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die Person ja auch ein Teil der Wirklichkeit/Wahrheit ist.

Ist jetzt glaub ich einigermaßen rund, die Sache.

Lg
Christoph


Für jetzt aber bleiben uns Glaube, Hoffnung, Liebe…

Juni 9, 2013

Nicht nur das alte Testament hat das sogenannte Hohelied, auch im neuen Testament gibt es ein Hohelied der Liebe.

Man möchte es nicht glauben, aber es stammt von Paulus und ist bei 1 Kor 13, also im 13. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther zu finden.

Ich möchte mich jetzt nicht in Bibelexegese üben, sondern ein paar andere Zitate zum Thema „Glaube, Hoffnung, Liebe“ zum besten geben, ohne allzuviele eigene Worte zu machen.

„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

„Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden“ (Epiktet)

„Die größte Stärke des Menschen ist seine Hoffnung“ (Weisheit aus Deutschland)

„Nichts kann einen Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt“ (Adolf von Harnack)

Lg
Christoph


Harmonie und Chaos

Mai 26, 2013

Wenn ich bedenke, dass die wichtigsten Periodendauern, die für uns Menschen existieren, nämlich

  • Umlauf der Erde um die Sonne
  • Umlauf des Mondes um die Erde
  • Rotation der Erde

also aus unserer Sicht

  • Jahr
  • Monat
  • Tag

eben nicht in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen, und wenn ich bedenke, welch atemberaubende Kopfstände die Kalendermacher aller Zeiten vollbringen mußten, um hier ein wenig Sytem in das Wirrwarr zu bringen,

dann frage ich mich wirklich, wo sie sein soll, diese viel besungene Harmonie des Weltalls.

…aus der manche Menschen die Existenz eines Gottes ableiten wollen (siehe zum Beispiel payoli als Kommentator zu diesem Blog: https://letztersein.wordpress.com/2013/05/12/gott-ist-die-liebe-und-die-angst-ist-der-teufel/).

Nein, wenn es einen Beweis für Gott gibt, dann liegt er einzig und allein im Menschen selber.

Meint
Euer Christoph


Gott ist die Liebe und die Angst ist der Teufel…

Mai 12, 2013

Im Film „Contact“ (1997) nimmt eine außerirdische Zivilisation Kontakt mit den Menschen auf. Es ist eine einzige Person, die dazu ausersehen wird, mit ihnen zu sprechen.

Die außerirdische Person äußert unter anderem folgenden Satz (leider habe ich das deutschsprachige Zitat nicht gefunden): […]„You’re an interesting species. An interesting mix. You’re capable of such beautiful dreams, and such horrible nightmares. You feel so lost, so cut off, so alone, only you’re not. See, in all our searching, the only thing we’ve found that makes the emptiness bearable, is each other.[…]

Was ist, wenn Religion also tatsächlich nichts anderes ist, als eine Strategie, die wir selbst entwickelt haben, um mit den überbordenden Phantasien unseres Großhirnes einfach nur irgendwie zu Rande zu kommen, und dabei ein menschenwürdiges soziales Leben zu führen?

„Gott ist die Liebe“ ist ein Zitat aus der Bibel, welches eher verschämt im Johannesbrief nur am Rande erwähnt wird.

Aber eigentlich ist es die zentrale Botschaft des Christentums.

Ist also Gott nur eine allegorische Figur, um die Phänomene der Liebe zu beschreiben?

Und der Teufel eine allegorische Figur, um die katastrophalen Auswirkungen der Angst und der Ängste?

Oder gibt es den „realen“ Schöpfergott „real“? Also „wirklich“? Was ist Wirklichkeit? Was ist Phantasie?

Wie man mit diesen Fragen umgeht, das ist tatsächlich Glaubenssache, und es läßt sich nicht naturwissenschaftlich „beweisen“, ob jetzt einer „recht“ hat oder der andere.

Meint
Euer Christoph


Bleibe bei uns, wenn es Abend wird……

April 15, 2013

Diesmal haben wir eine ziemlich schwierige Stelle des Vater Unser auf unserer TO DO – Liste.

Es ist dies die Stelle:

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Kann Gott, der doch will, dass wir Gutes tun, uns wirklich in Versuchung führen?

Würde der liebe Vater, den wir in der ersten Zeile des Vater Unser ansprechen, es übers Herz bringen, seine geliebten Kinder in Versuchung zu führen und sie dadurch zum Bösen zu verleiten?

Vielfach ist versucht worden, das damit zu erklären, dass Gott uns prüfen möchte, dass er durch solche Prüfung unser Herz auf die Probe stellt, bevor er sich ganz für uns entscheidet.

Aber solche Erklärungen sind nicht befriedigend, insbesondere, da wir ja glauben, dass Gott ohnehin in unser Herz schauen kann und eh weiss, wie wir ticken.

Wann wird denn der Mensch besonders stark in Versuchung geführt?

Es ist dies immer dann der Fall, wenn er in besonders lieblosen Verhältnissen oder in besonders lieblosen Zeiten lebt.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Kinder am ehesten dann in Gefahr sind, auf die schiefe Bahn zu geraten, wenn die Eltern keine Liebe für sie übrig haben.

Oder dass die Menschen dann die schlimmsten Verbrechen begehen, wenn der Geist des Stärkeren weht (z.B. im dritten Reich war es ja verbriefte Philosophie, dass der Herrenmensch den Untermenschen vernichten darf – mit gutem Gewissen).

Wir stoßen also auf die Lieblosigkeit der Verhältnisse als die primäre Ursache, die die Menschen in Versuchung führt, Schlechtes zu tun.

Und weil wir ja wissen, dass Gott die Liebe ist, heißt diese Stelle im Vater Unser nicht mehr und nicht weniger als:

Lass uns nicht alleine.

Also, was bleibt uns zu tun? Gott (die Liebe) nicht durch unsere Lieblosigkeit aus der Welt zu vertreiben.

Meint
Euer Christoph


Laßt die Mauern einstürzen!

April 9, 2013

Der folgende Satz aus dem Vater unser hängt eigentlich eng mit dem Satz zusammen, den wir beim letzten Mal meditiert haben (Unser tägliches Brot gib‘ uns heute):

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Denn so wie man die Bitte um das tägliche Brot auch als eine Bitte um das Nicht-Fallen-Gelassen-Werden auffassen kann, so kann man die Bitte um Schuldvergebung auch so interpretieren, dass alles Trennende, alles, was uns voreinander fliehen läßt, möglichst vernichtet werden soll.

Wenn wir also einander eingestehen, dass wir fehlerhaft sind, dass wir immer wieder weitergehen müssen auf diesem Weg der Selbstheiligung und Weltheiligung, dass wir noch nicht am Ziel angelangt sind, dann wird auch ein immer größeres Vertrauen wachsen.

Ein Vertrauen von Dir zu mir, von uns zueinander und ein Vertrauen Gott gegenüber, der uns sicher nicht fallen läßt.

Meint
Euer Christoph


Mehr Vertrauen, bitte!

April 3, 2013

In dieser Serie schreibe ich über das Vater unser.

Diesmal ist ein Satz an der Reihe, der in keiner Weise „philosophisch abgehoben“ oder „weltfremd“ ist, nein, es geht ums Essen, es geht ums nackte Überleben.

Unser tägliches Brot gib‘ uns heute.

Ist das jetzt die Aufforderung an Gott, er soll doch bitte gefälligst um uns sorgen, wenn er uns schon erschaffen hat?

Hört man da die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation?

Du hättest uns nicht erschaffen müssen. Jetzt haben wir den Salat. Mach das doch bitte wieder gut.

Ich denke, wenn Jesus das so gemeint hätte, dann hätte er gebetet „Unser Brot gib‘ uns!“ (mit Rufzeichen), aber nein, er betet „Unser tägliches Brot gib‘ uns heute„.

In einem Zeitalter, das keinen Krankenstand, keine Sozialversicherung und keine Arbeitszeitgesetze kannte, war man im Falle der Arbeitsunfähigkeit auf die Mildtätigkeit der Angehörigen angewiesen.

Heute ist man auf die Mildtätigkeit der Gesunden, Tüchtigen und Fleißigen angewiesen, die brav ihre Sozialversicherung zahlen müssen, damit es auch im Krankheitsfall keine Probleme gibt.

Und so ist diese Bitte an Gott eigentlich eine Bitte darum, dass wir nicht „fallengelassen“ werden.

Und ich sehe es als eine Bitte um Gesundheit.

Aber warum nur „heute“?

Warum nicht „Unser tägliches Brot gib‘ uns allezeit“?

Ich denke, Jesus will uns bewußt darauf hinweisen, dass wir uns unsere Zukunft nicht „absichern“ können.

Jeder Tag muß für sich selbst aufkommen, es hat keinen Sinn, jetzt schon Reichtümer anzuhäufen, die mich dann später einmal ernähren sollen.

Nein, meine Kinder werden mich ernähren, nicht meine Reichtümer.

Ein starkes Plädoyer für das Umlageverfahren, gegen das Kapitaldeckungsverfahren, in der Pensionsversicherung.

Meint
Euer Christoph


Was will ich eigentlich?

März 24, 2013

In dieser Reihe beschäftige ich mich mit dem „Vater unser“.

Diesmal geht es um den Satz

Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden

Aber wie treffen wir eigentlich Entscheidungen?

Ist es nicht eigentlich so, dass die „Entscheidung mich trifft“, und nicht „ich sie“?

Da wägen wir eine Frage lange ab, beleuchten sie von hinten und vorne, von allen Seiten, wir fragen gute Freunde, wir fragen unseren Partner, eventuell fragen wir sogar unsere Kinder, aber letzten Endes ist es doch so, dass wir auf diesen Moment warten, wo einfach klar ist, was man tun sollte (bzw. was man unterlassen sollte).

Und diese Entscheidung wird eigentlich im Innersten unseres Herzens getroffen, nämlich dort, wo laut Überlieferung „der Teufel keinen Zutritt hat“.

Wie kommen dann aber schlechte Entscheidungen zustande?

Das passiert immer dann, wenn man „an der Oberfläche bleibt“, wenn man „sich von den Umständen beeinflussen läßt“, wenn man „anderen blind vertraut“.

Meint
Euer Christoph