Verursacherprinzip und Sozialismus

Liebe Leser!

Einen seltsamen Titel habe ich mir diesmal ausgesucht, findet Ihr nicht auch?

Aber eigentlich dreht es sich in den Beiträgen, die ich seit Frühling 2021 zu wirtschaftlichen Themen geschrieben habe, doch immer wieder um das Verursacherprinzip (siehe die Links auf der Seite Wirtschaftsgedanken/). Denn eine konsequente Internalisierung externer Kosten nach dem Verursacherprinzip würde einen Großteil – wenn nicht alle – unserer Umweltprobleme lösen.

Aber würde das nicht auch bedeuten, dass all die „bösen“ Sachen, die wir jetzt so beschimpfen – Autofahren, Flugreisen, Fleisch, usw. – so teuer würden, dass sie sich nur mehr die Oberschicht leisten könnte?

Stimmt! Und wäre das schlecht?

Aber lasst mich das Problem von vorne durchleuchten.

„Quid pro Quo“ – „Was wofür“?

Jede Dienstleistung verursacht Kosten. Das ist ein Naturgesetz (es heißt Energieerhaltungssatz bzw. Masseerhaltungssatz).

Ob nun mein Fleischkonsum dem Tier das Leben kostet, oder ob mein Elektroauto eine Wasserverschmutzung in Südamerika bewirkt, oder ob meine Flugreise zur Klimaveränderung beiträgt, immer sind mit meinem Konsum Kosten verbunden, die jemand Anderer zu tragen hat.

Diese Kosten sollten nun dem Dienstleister möglichst direkt ersetzt werden, bzw. sollte der Dienstleister eine adäquate Gegenleistung dafür bekommen.

Das ist das Prinzip „quid pro quo“ und es ist die Grundlage allen Wirtschaftens.

Dieses Prinzip hilft der Menschheit dabei, mit minimalen Kosten durchs Leben zu kommen. Denn natürlich wird man eher diejenigen Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die weniger Kosten verursachen, wenn man die Wahl hat (bei sonstiger Gleichwertigkeit der Dienstleistungen), und wenn man dem Dienstleister die Kosten eben direkt ersetzen muss. Dadurch wird die Wirtschaft in die Richtung minimaler Kosten „gelenkt“.

Minimale Kosten heißt aber auch minimale Kosten für die Umwelt, oder? Oder nicht?

Dieser Frage wollen wir im nächsten Kapitel nachgehen.

„Externe Kosten“ und „Lenkungseffekt“

Erstens – und das liegt mir schon seit Beginn dieses Artikels auf der Zunge – ist es eine der schwierigsten Fragestellungen des menschlichen Lebens: wie wird eine Leistung beWERTet?

  • Wenn ich Kühlschränke verkaufe, dann wird der WERT der Kühlschränke ein anderer sein, je nachdem ob ich sie am Nordpol verkaufe, oder in der Sahelzone. Oder es wird einen Unterschied machen, wenn vor mir schon ein anderer Vertreter dort Kühlschränke verkauft hat.
  • Mit dem GELD haben wir uns zwar prinzipiell eine Möglichkeit geschaffen, den Wert eines Gutes ABSOLUT*) zu beziffern, trotzdem wird es immer noch einen Unterschied machen, WANN und WO ich diese Ware verkaufen möchte, und es wird auch einen Unterschied machen, WEM ich sie verkaufen möchte, bei ansonsten gleichen Kosten.

Das sind die banalen Gesetze von Angebot und Nachfrage, über die wir in der Schule leider viel zu wenig lernen in Österreich.

*) Zu diesem prinzipiellen Unterschied zwischen Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft möchte ich beizeiten noch einen Beitrag schreiben

Der Preis eines Gutes, das ich verkaufen möchte, wird also nicht nur von meinen tatsächlichen Kosten abhängen, sondern auch davon, wie viele andere Marktteilnehmer ansonsten gleichwertige Ware anbieten bzw. nachfragen.

Na gut, warum wiederhole ich derart primitive Gesetzmäßigkeiten?

Nun, auch wenn wir davon ausgingen, dass der Preis einer Ware immer zu 100% den Kosten entspräche, so wäre zweitens der Lenkungseffekt doch nie 100%-ig, denn es wird immer „versteckte“ Kosten geben, die der Lieferant nicht tragen muss, sondern jemand Anderer (deshalb bezeichnen wir sie als „externe“ Kosten).

Folgende Beispiele sollen uns zeigen, dass solche „externen Kosten“, die also ein anderer Haushalt oder die Allgemeinheit trägt, keinen Lenkungseffekt in sich tragen – oder zumindest nur einen sehr indirekten -, weil eben der Konsument für diese Kosten nicht DIREKT aufkommen muss:

  • Bis vor kurzem waren Parkplätze sogar in Großstädten gratis, das heißt, die Allgemeinheit hat die Kosten für die Parkplätze getragen, ganz egal, wie viele Autos herumgestanden sind.
    Parkplätze waren also ein sogenanntes „Gemeingut“, welches gratis genutzt werden konnte, bis zur maximalen Grenze der Verfügbarkeit.
    Solange es weniger Autos gibt als Parkplätze, kann das gut gehen, aber wenn die Zahl der Autos steigt, dann muss man beginnen den Parkraum zu bewirtschaften. Damit bewegt man die Leute Garagenplätze für ihre Autos zu schaffen.
    Die Alternative wäre bestimmte Autos, zum Beispiel die Autos von Besuchern, komplett aus den Städten zu verbannen.
  • Der Bau von Straßen und Autobahnen, auch von Wegen – zum Beispiel im Gebirge – wird meist durch Steuergelder oder durch gemeinnützige Vereine finanziert.
    Die Straßenmaut hat sich in letzter Zeit zwar für Autobahnen durchgesetzt, alle anderen Straßen kann man im allgemeinen aber gratis benützen. Wir betrachten den Straßenverkehr generell als etwas Positives, dem menschlichen Leben Zuträgliches, sodass auch Menschen, die gar kein Fahrzeug besitzen, bei der Finanzierung in die Pflicht genommen werden.
    Ein gewisser Lenkungseffekt ergibt sich über die Mineralölsteuer.
  • Normalerweise dürften nur reiche Menschen und Menschen der Mittelschicht Kinder bekommen, weil arme Menschen die Ausbildung der Kinder nicht finanzieren könnten. Da wir ungebildete Kinder nicht brauchen können, und weil Menschen nun mal das Recht haben eine Familie zu gründen (laut allgemeiner Deklaration der Menschenrechte), subventioniert der Staat die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.
    Auch Bildung und Ausbildung sind also Gemeingüter, die weniger kosten, als sie wert sind.
    Diese Kosten holt sich der Staat indirekt später über die Lohn- und Einkommensteuer zurück.

Durch diese Beispiele sehen wir, dass es sehr viele Gemeingüter gibt, bei deren Zurverfügungstellung die sogenannte „Kostenwahrheit“ eben nicht gegeben ist, weil nicht der Konsument direkt für alle Kosten aufkommt, sondern die Allgemeinheit viele der Kosten übernimmt. Dadurch sind diese Güter auch für Menschen verfügbar, die sich diese Güter nicht leisten könnten (was positiv klingt), andererseits müssen Menschen die Kosten tragen, die diese Güter eigentlich gar nicht (in dieser Menge) brauchen.

Man kann aber so argumentieren, dass diese Vorgehensweise für den „sozialen Frieden“ sorgt, der dann doch wieder auch für die Mittelschicht und für die Oberschicht von Interesse ist. Der „soziale Frieden“ ist also sozusagen eine Dienstleistung des Sozialstaats an der Mittelschicht und an der Oberschicht.

„Freie Güter“

Nach der Theorie sind freie Güter also Güter, die keinerlei Kosten verursachen. Allerdings sind damit nur Kosten bei menschlichen Wirtschaftssubjekten gemeint. Die Kosten, die sozusagen die Natur „trägt“, werden nicht mitgerechnet.

Wenn man also die Natur, die Wesen des Pflanzenreichs und des Tierreichs, als unsere Brüder und Schwestern betrachtet – ganz im Sinne des Hl. Franziskus – dann gibt es so etwas wie „freie“, also kostenlose Güter eigentlich überhaupt nicht, weil jede Dienstleistung bei irgendeinem Wesen Kosten verursacht – siehe Energieerhaltungssatz und Massenerhaltungssatz.

Wo also das Verursacherprinzip nicht zieht

Wir haben also nun das Verursacherprinzip nochmals genauer hinterfragt (wir erinnern uns, zum ersten Mal hatten wir es hier auf diesem Blog am 15. September 2021 genauer hinterfragt: „Das Verursacherprinzip“ und am 18. September mit dem siebten Gebot Gottes in Verbindung gebracht: „Sind Umweltschäden einfach Umsatzeinbußen woanders?“) und sind jetzt dahinter gekommen, dass manche der Kosten verstaatlicht (bzw. kommunalisiert) werden, um Güter preisgünstiger anzubieten, als es den tatsächlichen Kosten entspricht.

Bleibt zu überlegen, unter welchen Umständen ein Konsument seine Güter günstiger bekommt, als es den tatsächlichen Kosten entspricht.

Na ja, eigentlich gibt es dafür nur einen Grund: Macht.

  1. Einerseits die versteckte Macht der (dünnen) Oberschicht, die die Gesetze so „drehen“ kann, dass es ihren Wünschen entspricht
  2. Zweitens die „Macht der Straße“, die es der Unterschicht er1aubt, nach dem Motto „Brot und Spiele“ von der Politik subventioniert zu werden

Und wer bezahlt es?

Natürlich die Mittelschicht, denn diese ist

  1. weder mächtig
  2. noch arm

„Do ut des“ – „Ich gebe, damit Du gibst“

Zu einer christlichen Unterscheidung der beiden Prinzipien „quid pro quo“ und „do ut des“, die sich hauptsächlich im Gewissen des Menschen abspielt, komme ich nächstes Mal

Meint

Euer Christoph

One Response to Verursacherprinzip und Sozialismus

  1. […] vorigen Beitrag (siehe hier: Verursacherprinzip und Sozialismus) haben wir uns jetzt Gedanken über das Prinzip „quid pro quo“ gemacht, das man lapidar […]

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