Ursache und Wirkung

April 17, 2012

Eine kleine Fingerübung im „Argumentieren ohne Zweck“. Habe mir heute überlegt, „was ist eigentlich früher erfunden worden, das Schwert oder das Schild“.

Welches der beiden ist die „Ursache“ und welches ist die „Wirkung“?

Ein Philosoph, der an die Intelligenz des Menschen und dessen planvolles Vorgehen glaubt, könnte zum Beispiel folgenderweise argumentieren:

„In einem klugen Kopf kristallisierte sich die Vorstellung eines Schwertes und er begann, Versuche mit der Herstellung von Schwertern zu machen“.
„Als sich zeigte, welch treffliche Waffe das war, machte er seinem König den Vorschlag, solch Ausrüstung auch tatsächlich zu benützen“.
„Doch der König fragte: ‚Was ist denn nun, wenn im Kampf solch ein Schwert dem Gegner zueigen wird und er beginnt, diese Waffe nachzubauen?'“.
„Und so erfand der junge Mann auch das Schild und machte Versuche damit. Schließlich, als beides zur Einsatzreife gelangte, rüstete der König seine Armee damit tatsächlich aus, zuerst mit Schildern, dann mit Schwertern.“

Ein Biogenetiker würde sagen:

„Nun gut, die ersten Schwerter – nennen wir sie Schwert v0.1 und Schwert v0.2 – wurden sofort benutzt. Die Könige, die sich am meisten Schwerter leisten konnten, siegten, und zum Schluß waren nur mehr zwei Könige übrig. Um den Personaleinsatz effizienter zu gestalten (um weniger Soldaten sterben zu lassen), wurde dann das Schild erfunden“

Nur Gedanken, nur Gedanken

meint
Euer Christoph


Einstein und die Zwillinge

März 30, 2012

Hier, im vorerst letzten Artikel der Serie „Ein kleiner Programmierer versucht die Relativitätstheorie zu verstehen“, darf – zum krönenden Abschluss der speziellen RT – das sogenannte Zwillingsparadoxon nicht fehlen.

Wie die meisten von Euch wahrscheinlich schon wissen, geht es beim sogenannten Zwillingsparadoxon um ein gleichaltriges Brüderpaar, von denen der eine zuhause auf der Erde bleibt, während sich der andere in einem Raumschiff mit großer Geschwindigkeit auf den Weg macht, einen fernen Stern zu erforschen.

Danach kehrt er – wieder mit großer Geschwindigkeit – zurück.

Wenn der Forscher-Bruder zurückkehrt, wird sich herausstellen, dass er weniger gealtert ist als sein zuhause gebliebener Bruder (dass in seinem Bezugssystem weniger Zeit vergangen ist).

Und genau hier setzt der Vorwurf an, denn laut Lorentz-Transformation gilt der Faktor γ sowohl für die Hin- als auch für die Rücktransformation, und somit könnte jeder der beiden Brüder behaupten, die Uhr des anderen gehe langsamer.

Dieses scheinbare Paradoxon wurde bereits wenige Jahre nach Bekanntwerden aufgelöst, denn es wurde erkannt, dass eines der Systeme eben kein Inertialsystem ist, und man dadurch die Ergebnisse der Relativitätstheorie nicht so blauäugig anwenden kann.

Vielmehr muss man sich bewusst sein, dass durch die Umkehr am Endpunkt der Reise eine Umbewertung der Gleichzeitigkeit mit dem zuhausegebliebenen Bruder stattfindet, dass man also auch die Geschwindigkeitsänderungen (Krümmungen der Weltlinien) berücksichtigen muss.

Am besten, wir zeichnen die Weltlinie des Forscher-Bruders:
















Hier haben wir gleich die zwei „bewegten“ Bezugssysteme mit eingezeichnet (eines für den Hinflug und eines für den Rückflug). Das erste nennen wir B'(t‘,x‘), es hat seinen Ursprung gemeinsam mit B(t,x), also beim Start des Forscher-Zwillings.

Das zweite (B“(t“,x“)) hat seinen Ursprung im Zusammentreffen der Zwillinge NACH der Reise, also bei t = 2.T (T ist die ungestrichene „Reisezeit für eine Richtung“).

v ist hier der Absolutbetrag der Reisegeschwindigkeit der Rakete.

Wie lauten nun die Lorentz-Transformationen für den Hinflug (wo wir B‘ verwenden wollen), und für den Rückflug (wo wir B“ verwenden wollen)?

Die Lorentz-Transformation für den Hinflug können wir direkt anschreiben, da wir diese Situation bereits kennen:













Um die Lorentz-Transformation für den Rückflug zu errechnen, definieren wir vorerst ein weiteres „ruhendes“ Bezugssystem (das denselben Ursprung hat wie B“):







Für dieses neue Bezugssystem können wir die Lorentz-Transformation direkt anschreiben, da es ja denselben Ursprung hat wie B“, und da wir wissen, dass sich B“ relativ zu diesem mit der Geschwindigkeit (-v) bewegt.













Wenn wir nun wieder vom „Dach“-Bezugssystem ins ursprüngliche „ruhende“ zurückrechnen, erhalten wir die Lorentz-Transformation für den Rückflug:













Doch nun zur Interpretation:

Was die Länge der Flugstrecke und die Dauer des Fluges betrifft, ist alles noch relativ einfach zu interpretieren.

Da sich der Forscher-Bruder mit der Geschwindigkeit v bewegt, verkürzt sich der Weg für ihn durch die relativistische Längenkontraktion auf die Länge







Da er selbst seine Relativgeschwindigkeit zum Weltall ebenfalls mit dem Wert v bewertet, vergeht während des Fluges in seinem Cockpit die Zeit







Wir sehen also

  • „während“ des Fluges ist der Forscher-Bruder nur um die Zeit T’=T/γ gealtert
  • „während“ des Fluges ist der Erden-Bruder um die Zeit T gealtert (also mehr)

Die Zeitangabe „während“ bezieht sich hier auf die Sichtweise des Erden-Bruders.

Aber wie alt ist der Erden-Bruder „aus Sicht des Forscher-Bruders“? Dieser kann doch genauso gut behaupten, dass sich die Erde relativ zu ihm bewegt und somit dort die Zeit langsamer verstreicht.

Da der Forscher-Bruder „exakt zum Zeitpunkt der Ankunft und Umkehr“ sich nicht in einem Inertialsystem befindet, sondern in einem beschleunigten System, und man somit nicht mehr die spezielle Relativitätstheorie anwenden kann, können wir uns nur folgende Fragen stellen (aus der Sicht des Forscher-Bruders).

  • „Kurz vor meiner Ankunft“ am Ziel: „Wie alt ist mein Bruder auf der Erde <Jetzt>“?
  • „Kurz nach meinem Abflug“ vom Ziel: „Wie alt ist mein Bruder auf der Erde <Jetzt>“?

Kurz vor der Ankunft gilt die Transformation für den Hinflug, kurz nach dem Abflug gilt die Transformation für den Rückflug.

Kurz vor der Ankunft (aus Sicht des Forscher-Bruders) befindet sich der Erden-Bruder am Ereignis t’=T‘, x=0 (er befindet sich immer bei x=0, und die Gerade t’=T‘ ist unser „Messzeitpunkt“).

Um aus diesen Werten das Alter zu berechnen, nennen wir es T1, benötigen wir die Transformation für den Hinflug:







Die Werte t‘ und x eingesetzt, kann man T1 in Abhängigkeit von T‘ zurückrechnen. Zuerst die bekannten Werte von t‘ und x eingesetzt







sodann die zweite Gleichung in die erste eingesetzt







und nach T1 aufgelöst







also







und endgültig







Der Erden-Bruder ist also „während“ des Fluges nur um die Zeit T1=T’/γ=T/γ2 gealtert.

Die Zeitangabe „während“ bezieht sich hier auf die Sichtweise des Forscher-Bruders.

Ähnliche Verhältnisse ergeben sich für den Zeitpunkt knapp „nach dem Abflug“, es ist aber anschaulicher, sich das im Minkowsi-Diagramm anzusehen, anstatt es „hardcore“ durchzurechnen:



















Das Diagramm in Abbildung (9.17) macht deutlich, dass aus Sicht des Erden-Bruders das Abbrems- und Beschleunigungsmanöver tatsächlich „während“ eines (unendlich) kleinen Zeitraumes rund um die Zeitkoordinate t=T durchgeführt wird.

Aus Sicht des Forscher-Bruders wird die Gleichzeitigkeit aber anders bewertet, deshalb ist für ihn(!) bis zum Beginn des Bremsmanövers auf der Erde tatsächlich erst die Zeit T1 vergangen (T1=T/γ2), wie wir eine Seite weiter oben berechnet haben (Schnittpunkt der Geraden t’=T‘ mit der Geraden x=0).

Für den Forscher-Bruder macht die Zeit auf der Erde „während“ des Abbrems- und Beschleunigungsmanövers tatsächlich einen Sprung, nämlich von t=T1 zu t=2T-T1.

Wir sehen, dass das Zwillingsparadoxon kein Paradoxon ist, sondern lediglich dadurch zustande kommt, dass wir fehlerhafte Annahmen über die Bedeutung von Gleichzeitigkeiten treffen (die Idee einer absoluten Zeit sitzt offenbar tief in uns drinnen).

Zu sagen „während des Fluges“ geschieht dies oder jenes, kann keine absolute Aussage sein, da ja die Bedeutung von „während des Fluges“ vom Bewegungszustand des Beobachters abhängt.

Beobachter mit unterschiedlichem Bewegungszustand haben kein „gemeinsames <Jetzt>“.

Warum die Zeit auf der Erde einen Sprung „während“ des Brems-/Beschleunigungsmanövers des Forscher-Bruders durchmacht, liegt wahrscheinlich an dessen Beschleunigung.

Meiner bescheidenen Meinung nach müssen wir uns zur Klärung dieser Fragen aber mit der allgemeinen Relativitätstheorie (ART) beschäftigen, bisher hatten wir uns ja auf die spezielle Relativitätstheorie (SRT) beschränkt.

Jetzt mal eine schöne Karwoche an alle

meint
Euer Christoph


Manchmal sind offensichtliche Dinge gar nicht so offensichtlich

März 10, 2012

Willkommen zu einem neuen Artikel in der Serie „Ein kleiner Programmierer versucht die Relativitätstheorie zu verstehen“.

Beim letzten Mal (siehe Zurück an den Start) haben wir intuitiv die sogenannte Galilei-Transformation hergeleitet, in der man zur gestrichenen Ortskoordinate das Korrekturglied v.t addiert, um zur ungestrichenen Ortskoordinate zu gelangen.

Dabei ist ohne weiteres einsichtig, dass v die Relativgeschwindigkeit der beiden Koordinatensysteme ist und t die (absolute) Zeit.

Dann haben wir die LT (Lorentz-Transformation) für eindimensionale Probleme angeschrieben. In diesem Formelwerk kommt – neben der Lichtgeschwindigkeit c – auch wieder der Buchstabe v zum Einsatz.

Aber was ist in diesen Gleichungen die Bedeutung von v?

Zur Wiederholung wollen wir die LT hier nochmals anschreiben:

Rücktransformation vom „mitbewegten“ Bezugssystem ins „ruhende“:







Hintransformation vom „ruhenden“ Bezugssystem ins „mitbewegte“:







wobei folgende Abkürzung verwendet wird:







Ist hier v also wirklich die Geschwindigkeit des gestrichenen Bezugssystems, gemessen im ungestrichenen Bezugssystem?

Und ist (-v) die Geschwindigkeit des ungestrichenen Bezugssystems, gemessen im gestrichenen?

Um diese Fragen zu klären, müssen wir erst einmal festlegen, was wir mit dem Begriff „Geschwindigkeit eines Bezugssystems“ überhaupt meinen.

Am anschaulichsten ist wohl folgende Definition: Ein Bezugssystem B‘ bewegt sich genau dann mit der Geschwindigkeit v relativ zum Bezugssystem B, wenn für jeden Punkt P, der in B‘ ruht (dort also die Geschwindigkeit 0 hat), in B die Geschwindigkeit v gemessen wird.

Ein Punkt P ruhe also im ungestrichenen Bezugssystem.

Wir beschreiben ihn durch seine Weltlinie. Die Weltlinie ist die Menge aller Ereignisse, die der Punkt passiert (bzw. die den Punkt erst definieren). Ein Ereignis wird durch seine Orts- und Zeitkoordinaten beschrieben. Im ungestrichenen Bezugssystem beschreiben wir also den „ruhenden“ Punkt durch seine Weltlinie:




Seine Geschwindigkeit ist dort




Wie transformiert sich nun diese Weltlinie x(t) in das andere Bezugssystem, wo wir sie als Funktion x'(t‘) beschreiben wollen?

Als kleine Vorübung wollen wir diese Weltlinie der Galilei-Transformation unterwerfen.

Wir setzen also die Funktion x(t) in die Transformationsgleichungen ein:






also






Zuerst die zweite Gleichung nach t auflösen (was trivial ist), und dann t(t‘) in die erste Gleichung einsetzen, daraus folgt:




Somit hat der Punkt, der im ungestrichenen Bezugssystem ruht, im gestrichenen Bezugssystem die Geschwindigkeit






Der „ruhende“ Punkt bewegt sich also relativ zum „bewegten“ Bezugssystem mit der Geschwindigkeit (-v), was nicht weiter verwundert, da sich das Bezugssystem selbst ja mit der Geschwindigkeit (+v) relativ zum „ruhenden“ Bezugssystem bewegt.

Man beachte auch den sorgfältigen Umgang mit den Variablen t und t‘. In der Newton’schen Mechanik sind wir gewohnt, t=t‘ zu setzen, da wir von einer absoluten Zeit ausgehen. Im folgenden werden wir sehen, dass das bei Einstein nicht mehr selbstverständlich ist.

Doch nun zur Lorentz-Transformation.

Wir gehen wieder von folgender Weltlinie aus




setzen sie diesmal aber in die LT ein. Da wir aus dem vorigen Beispiel schon wissen, dass wir die Rücktransformation für t – also t(t‘,x‘) – benötigen, um sie in die Funktion x(t) einzusetzen, verwenden wir folgende beiden Transformationsformeln (teilweise von der Hin-, teilweise von der Rücktransformation):







Wenn wir nun die Weltlinie des Punktes P – also x(t) – in die erste Gleichung einsetzen, können wir die Weltlinie in das andere Bezugssystem transformieren:







Die zweite Gleichung in die erste eingesetzt, und dann nach x‘ aufgelöst, ergibt in weiterer Folge x'(t‘).

Zuerst eingesetzt




und dann alle Summanden mit x‘ auf die linke Seite gebracht




vereinfacht mit







zu




und weiter




Wir sehen also, dass der Punkt, der im „ruhenden“ Bezugssystem am Wert x=x0 stillsteht, sich relativ zum „bewegten“ Bezugssystem tatsächlich mit der Geschwindigkeit (-v) bewegt (das ist noch kein Unterschied zur Galilei-Transformation), und dass der Punkt zur Zeit t’=0 bei x’=x0/γ liegt (im Gegensatz zu x0 bei der Galilei-Transformation).

Der zweite Effekt ist ein Hinweis auf die relativistische Längenkontraktion, die wir nächstes Mal näher beleuchten wollen.

Lg
Euer Christoph


Zurück an den Start

März 3, 2012

Seit einiger Zeit versuche ich, hier auf diesem Blog einen Bogen zu spannen, der uns dabei unterstützen soll, anhand von einfachen (*hüstel*) Rechenbeispielen den Ideen der Relativitätstheorie auf die Schliche zu kommen.

Zuerst hatten wir einen kleinen Ausflug zur Galilei-Invarianz der klassischen Mechanik unternommen (wo eine Kraft bzw. eine Beschleunigung in zwei unterschiedlichen Inertialsystemen immer denselben Wert ergibt, und wo man Geschwindigkeiten vektoriell addieren kann).

Danach schwenkten wir zur Elektrodynamik, wo unter Anwendung der Galilei-Transformation gewisse Widersprüche auftraten, die sich im nächsten Artikel mit Hilfe der Lorentz-Transformation beheben ließen (das haben wir allerdings nur kurz angerissen und nicht wirklich bewiesen).

Jedenfalls kamen wir dahinter, dass Kräfte und Beschleunigungen im Rahmen der Relativitätstheorie keine absoluten Größen mehr sind (ihr Wert ändert sich mit dem Bewegungszustand des Beobachters, auch wenn es sich dabei um Inertialsysteme handelt).

Und jetzt haben wir also den Verdacht, dass die Relativitätstheorie unser gesamtes Denkgebäude mehr oder weniger in sich zusammenstürzen läßt. Immerhin basiert ja die gesamte Physik auf dem Begriff der Kraft, und die soll jetzt unter der LT nicht mehr invariant sein?

So müssen wir also „zurück an den Start“ und wieder bei den einfachsten Begriffen der Mechanik beginnen. Diese findet man in der Kinematik: es sind Raum, Zeit, Position, Geschwindigkeit und Beschleunigung.

Doch vorerst noch die Links zu den fünf bisher erschienenen Artikeln:

  1. Matter matters
  2. Das gute alte Relativitätsprinzip
  3. Widerspruch oder bloß eine Unschönheit?
  4. Alles geht sich sehr schön aus, oder?
  5. Kräfte und Beschleunigungen

Normalerweise ist es das Beste, mit dem Einfachen zu beginnen, und dann immer komplexer zu werden.

Wir werden also keine dreidimensionalen Probleme betrachten, sondern eindimensionale. Anstatt der drei Raumkoordinaten x, y und z wollen wir uns also nur mit einer, der x-Koordinate beschäftigen.

Allerdings wollen wir, sozusagen als „zweite Dimension“, die Zeit zulassen. Wir werden uns also nicht mit ruhenden Systemen beschäftigen sondern mit bewegten.

Da bei der LT die Zeit mittransformiert wird, werden wir erkennen, dass wir bereits für eindimensionale Probleme zweidimensional denken müssen – das werden uns die sogenannten Minkowski-Diagramme zeigen – und dass wir es im allgemeinen Fall also mit einer vierdimensionalen „Raumzeit“ zu tun haben.

Um uns diesen Themen zu nähern, gibt es folgende fünf Artikel

  1. Zurück an den Start (dieser Artikel, 2012-03-03)
  2. Manchmal sind offensichtliche Dinge gar nicht so offensichtlich (2012-03-10)
  3. Länge ist relativ (2012-03-23)
  4. Relativgeschwindigkeiten (2012-03-24)
  5. Einstein und die Zwillinge (2012-03-30)

Gehen wir also über zur Modellbildung.

Für die Modellbildung bleibt uns nichts übrig, als uns auf unsere Anschauung zu stützen. Deshalb ist das folgende Bild noch komplett in der Newton’schen Mechanik verhaftet, in der man die Zeitkoordinate nicht auf einer eigenen Achse aufträgt, sondern sie als „universellen Parameter t“ für die gesamte Animation des Modells verwendet.













Wir wollen nur eine Raumdimension berücksichtigen, beschäftigen uns also mit Stäben, die durch Anfang- und Endpunkt beschrieben werden und sich in Längsrichtung bewegen.

Wir haben in diesem Bild nicht nur eine x-Achse festgelegt, sondern auch eine x‘-Achse, deren Ursprung zum Zeitpunkt t=0 mit dem Ursprung der x-Achse zusammenfällt, dann aber mit der Geschwindigkeit v nach rechts „wandert“.

Obwohl wir laut Relativitätsprinzip von Galileo Galilei nicht zwischen „ruhendem“ und „bewegtem“ Beobachter unterscheiden können – solange beide Systeme sogenannte Inertialsysteme sind -, wollen wir das ungestrichene Koordinatensystem als das „ruhende“ Koordinatensystem bezeichnen und das gestrichene als das „mitbewegte“ (jedoch unter Anführungszeichen).

Wenn sich der Stab nun mit dem gestrichenen Koordinatensystem mitbewegt (also relativ zu diesem ruht), dann bleiben die x‘-Koordinaten seiner Punkte konstant und die x-Koordinaten ergeben sich zu x=x’+v.t.

Zum Zeitpunkt t=0 sind die Koordinatensysteme also identisch (x=x’+v.0, also x=x‘), und für steigende Zeit t muss ein immer größer werdendes Korrekturglied v.t zum gestrichenen Ort addiert werden, um den ungestrichenen Ort zu errechnen.

Man beachte, dass das gestrichene Koordinatensystem sich nicht unbedingt mit derselben Geschwindigkeit bewegen muss, wie der Stab. Der Stab steht hier nur stellvertretend für „irgendein physikalisches Phänomen, das von zwei Beobachtern mit unterschiedlichem Bewegungszustand beobachtet wird“.

Transformation von Orts- und Zeitkoordinaten

Angenommen, wir können ein „Ereignis“ durch ein Tupel (t,x) beschreiben (also durch die „Zeit, zu der das Ereignis stattfindet“, und durch den „Ort, an dem das Ereignis stattfindet“), dann können wir es genauso gut durch ein Tupel (t‘,x‘) beschreiben, wobei sich dieses zweite Tupel aber auf das gestrichene Bezugssystem bezieht, und nicht auf das ungestrichene.

Hier haben wir bereits die relativistische Denkweise vorweggenommen, bei der die Zeit ebenfalls vom Bezugssystem abhängt, sodass es zwei unterschiedliche Werte t und t‘ gibt.

Vorerst wollen wir die Galilei-Transformation erwähnen, die in der Newton’schen Mechanik gilt – und die wir weiter oben bereits intuitiv verwendet haben.

Rücktransformation vom „mitbewegten“ Bezugssystem ins „ruhende“:







Hintransformation vom „ruhenden“ Bezugssystem ins „mitbewegte“:







Hier gehen wir also von einer absoluten Zeit aus (t’=t), die in beiden Bezugssystemen gleich ist. Wir erkennen, dass zur x‘-Koordinate bloß der Term v.t addiert werden muss, um die x-Koordinate zu erhalten. Punkte, die im gestrichenen Bezugssystem ruhen (x’=const), die sich also mit ihm „mitbewegen“, haben so relativ zum ungestrichenen Bezugssystem die Geschwindigkeit v.

Unter den anfangs genannten Voraussetzungen lautet die Lorentz-Transformation wie folgt (nachzulesen z.B. bei Wikipedia).

Rücktransformation vom „mitbewegten“ Bezugssystem ins „ruhende“:







Hintransformation vom „ruhenden“ Bezugssystem ins „mitbewegte“:







wobei folgende Abkürzung verwendet wird:







Man sieht, dass die Lorentz-Transformation eine Lineartransformation ist. Die Parameter v und c sind ja konstant und die Variablen x und t bzw. x‘ und t‘ kommen nur in ihrer ersten Potenz vor.

Das, was die meisten Menschen wahrscheinlich am meisten verstört, ist die Tatsache, dass die einfache Beziehung t=t‘ nicht mehr gilt. Vielmehr gibt es bei der Umrechung von t‘ nach t und umgekehrt einen Faktor γ>1, der bedeutet, dass im Bezugssystem des einen Beobachters mehr Zeit verstreicht, während im System des anderen weniger Zeit verstrichen ist (Zeitdilatation).

Ganz abgesehen von einer additiven Komponente v.x/c2, die auf den ersten Blick „Raum zu Zeit macht“.

Die additive Komponente v.t in der Gleichung für die Ortskoordinate verstört uns übrigens nicht so sehr, denn wir sind sie ja schon von der Galilei-Transformation gewöhnt. Dort haben wir bereits akzeptiert, dass „aus Zeit Distanz wird“, wenn sich ein Objekt bewegt.

Man sieht auch, dass – zum Glück – keines der beiden Bezugssysteme ausgezeichnet ist, da die Hin- und die Rücktransformation sich ineinander überführen lassen, indem man v durch (-v) ersetzt und die gestrichenen Größen mit den ungestrichenen vertauscht.

Das ist auch bereits ein Hinweis darauf, dass v bzw. (-v) tatsächlich die Relativgeschwindigkeit der beiden Bezugssysteme ist – aber ist dem wirklich so? Dieser Frage wollen wir nächstes Mal nachgehen.

Fazit:

Ein „bewegter“ Beobachter wird also einem bestimmten Ereignis die Raumzeit (t‘,x‘) zuordnen, während ein „ruhender“ Beobachter demselben Ereignis die Raumzeit (t,x) zuordnet.

Wenn wir also wollen, dass ein Ereignis immer dasselbe Ereignis bleibt, unabhängig vom Bewegungszustand des Beobachters (wenn wir den „Ereignissen“ also eine absolute „Identität“ beimessen wollen, die außerhalb des Beobachters existiert), dann können wir uns die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit – die ja eine wesentliche Voraussetzung für die Lorentz-Transformation ist – nur dadurch erkaufen, daß die Begriffe „Raum und Zeit“, „Gleichzeitigkeit“, „Zeit“ und „Länge“ ihre absolute Bedeutung verlieren, wie wir sehen werden.

Meint

Euer Christoph


Hat SIMUL-RR etwas mit der Relativitätstheorie zu tun?

Januar 21, 2012

Ist diese Frage nicht ein wenig weit hergeholt?

Bin ich jetzt komplett verrückt geworden?

Na ja, wenn man mit VRML/X3D in einem Computer eine Szene darstellen möchte, dann braucht man ein Koordinatensystem, ein sogenanntes WELT-Koordinatensystem, auf das sich alle Berechnungen beziehen.

Da die Darstellung im Computer aber relativ zu einer Kameraposition erfolgt (die leider wieder im WELT-Koordinatensystem „aufgehängt“ sein muss), ergibt sich zum Glück eine gewisse Relativität (was meinerseits als sehr angenehm empfunden wird).

Was aber, wenn die Szene keine Kameraposition definiert?

Dann definiert der Standard VRML/X3D eine „Default“-Kameraposition am Punkt (0/0/10) mit Blickrichtung (0/0/-1).

Das ist meiner Meinung ein grober philosophischer Fehler. Wenn keine Kameraposition definiert ist, dann soll einfach NICHTS angezeigt werden, meiner Meinung.

Was hat das jetzt mit SIMUL-RR zu tun?

SIMUL-RR zerlegt die Welt (das „SrrTrains Layout“) in sogenannte Module, wobei jedes Modul sein eigenes lokales Koordinatensystem errichtet.

Das ist ein hübscher, relativistischer Ansatz.

Wobei die interessantesten Stücke von SIMUL-RR leider noch nicht implementiert sind:

Was passiert, wenn ein Modell von einem Modul in ein anderes wechselt (ich habe das als „Handover“ bezeichnet, in Anlehnung an den Vorgang im Mobilfunknetz)? Also von einem lokalen Koordinatensystem in ein anderes?

Oder was passiert, wenn Module einander enthalten? Wenn also das lokale Koordinatensystem eines Moduls RELATIV zu einem anderen Modul „aufgehängt“ wird?

Vielleicht führen diese Ansätze ja dazu, dass wir eines Tages kein WELT-Koordinatensystem mehr benötigen in der Computer-Graphik? Sozusagen die Geburt einer „relativistischen Computergraphik“.

Na, nur ned glei übatreibn…..

meint
Euer Christoph


und-führe-uns-nicht-in-Versuchung

Dezember 24, 2011

OK, jetzt habe ich mein Hobby Projekt beendet.

Und gerade jetzt kommen so „kleine Anzeichen“, dass ich eigentlich weitermachen sollte – Interesse wurde geweckt.

Aber wäre nicht gerade jetzt der Zeitpunkt, das Feld zu räumen für jene, die einfach mehr Power haben? Der Schmetterling macht Platz für den Sturm?

Und es gäbe ja so viele interessante andere Dinge zu tun.

Zum Beispiel die Zifferngeschichte? Da sind es mittlerweile zwei Dateien mit Drehbuchskizzen, die man ausarbeiten könnte.

Oder einen dritten Teil konstruieren?

Also so:

Grundfarben der additiven Farbmischung: rot/grün/blau
Grundfarben der subtraktiven Farbmischung: rot(magenta)/gelb/blau(cyan)

rot = Liebe
grün = Hoffnung
blau = Treue/Freundschaft
gelb = Neid/Eifersucht
schwarz = Angst/Nacht
weiss = Unschuld

1.Teil
Es beginnt mit dem Mond, dieser ist farblos (man sieht das schwarze Weltall)
Die Hauptperson ist der Bigamist (Österreich, neutral)
Der Anfangszustand ist die Gottferne (grün/blau bzw. schwarz)
Daraus folgt das Problem Angst und das Spiel „Erstersein“
und der Konflikt mit dem Teufel
Hilfe bietet die Liebe(Versoehnung mit Gott angedeutet) / rot (Regenbogen angedeutet)
Es geht darum, wie man Entscheidungen trifft (selber)

2. Teil
Es beginnt mit dem Mars, dieser ist rot (man sieht den roten Himmel)
Die Hauptperson ist Conrad Peter (Call Processing, Techniker)
Der Anfangszustand ist die Liebe (rot), Aufgefangensein in der Familie
Daraus folgt das Problem Neid/Eifersucht
und der Konflikt mit anderen Menschen
Hilfe bietet die Treue und die Freundschaft (blau)
Es geht darum, dass man anderen „in Freiheit hilft“

Durch einen reinen Analogieschluss würde sich also folgendes ergeben:
3. Teil
Es beginnt mit der Erde, diese ist blau (man sieht den blauen Himmel)
Die Hauptperson ist noch UNBEKANNT
Der Anfangszustand ist die Treue (blau)
Daraus folgt das Problem Verliebtheit (in jemanden anderen) (auch Unschuld – weiss – könnte eine Rolle spielen)
und der Konflikt mit dem Partner
Hilfe bietet die Toleranz/Versoehnung mit Gott (Regenbogen)
Es geht darum, dass JA WORUM GEHT ES DENN???

Es ist also noch vieles offen, insbesondere fehlt das „technische Thema“:
1. Teil: Einfuehrung „Beamer“ + „gespaltene Welt“
2. Teil: Einfuehrung „SMUOS“ + „Roboter“
3. Teil: ?????

Es wird also darauf hinauslaufen, dass ich die Drehbuchskizzen ausarbeite zu echten Drehbüchern. Das wird aber kein open source Projekt werden.

Wahrscheinlich, wie gesagt.

Frohe Weihnachten an alle

Euer
Christoph


Prophetische Worte anno 2005?

Dezember 7, 2011

Komisch.

Im Jahr 2005 habe ich die Zifferngeschichte fertiggestellt. Darin ging es um das Universum, um Engel, die sich des „P&S Kommunikationssystems“ bedienten und um Menschen, die ein „S&P Kommunikationssystem“ entwickelten.

Lustig, da man mit der Abkürzung „S&P“ heute etwas ganz anderes verbindet.

Damals sagte ich „P&S = pray and then send“ bzw. zum Internet sagte ich „S&P = send and then pray“ (because of „no quality of service“).

S&P? No quality of service ? Passt auch heute irgendwie.

ich mein ja nur

meint
Euer Christoph