Das gute alte Relativitätsprinzip

Februar 4, 2012

Wie versprochen, werde ich mich in diesem und den nächsten Artikeln ein wenig mit der Relativitätstheorie beschäftigen.

Na gut, die spezielle Relativitätstheorie hat jetzt ja auch schon ihre guten 100 Jahre auf dem Buckel, trotzdem war schon damals das sogenannte „Relativitätsprinzip“ eigentlich ein alter Hut.

Galileo Galilei hat es ja schon formuliert, dass die Formulierung der Naturgesetze für alle Inertialsysteme gleich sein muss. Damit gibt es unter allen Inertialsystemen kein einziges, welches in irgendeiner Weise ausgezeichnet ist, da die physikalischen Gesetze ja überall in gleicher Weise gelten.

Und für die klassische Mechanik ist das auch wunderbar gültig. Man sagt, diese ist galilei-invariant.

Wir werden hingegen sehen, dass die Gleichungen der Elektrodynamik nicht galilei-invariant sind. Dies hat letzten Endes dazu geführt, dass man in der speziellen Relativitätstheorie die Galilei-Transformation ersetzt hat durch die Lorentz-Transformation. An die Stelle der Galilei-Invarianz ist dann die Lorentz-Invarianz getreten.

Aber was ist das überhaupt, ein Inertialsystem?

Man kann es so sagen: das ist, wenn man bei einem Raumschiff den Antrieb ausschaltet.

Dann befindet man sich innerhalb dieses Raumschiffs in der „absoluten Schwerelosigkeit“, also in der „relativen Ruhe“. Wie immer bei mir, hübsch flapsig formuliert das Ganze.

Nun könnte man innerhalb dieses Raumschiffs jedes beliebige Objekt durch seine Position beschreiben, also zum Beispiel einen Massenpunkt P:




r'(t) sei dabei die Position „relativ zum Raumschiff“ in Abhängigkeit von der Zeit, wir bezeichnen das Raumschiff als das „gestrichene Koordinatensystem“ (obwohl es vielleicht gar nicht gestrichen ist, sondern metallisch blank 🙂 ):




Wenn wir nun die Bewegungsgröße p‘ des Punktes ändern wollen, müssen wir eine Kraft auf den Punkt wirken lassen, das sagt uns die Newton’sche Bewegungsgleichung (allseits beliebt als „F=m.a“):




bzw.




bzw.




Wenn man hier die klassische Definition der Bewegungsgröße („Impuls gleich Masse mal Geschwindigkeit“) einsetzt und wenn man annimmt, dass die Masse des Massenpunktes konstant bleibt, also




also




dann erhält man die Rechenregel, nach der man den Weg des Massenpunktes im gestrichenen Koordinatensystem errechnen kann. Natürlich muss man zum Lösen dieser Differentialgleichung den Verlauf der Kraft F(t) kennen und die Anfangsbedingungen. Im folgenden Ausdruck sind die Variablen μ und τ sozusagen Laufvariablen für die Zeit t, die nur innerhalb des Integrals eine Bedeutung haben und deshalb benannt werden können, wie es beliebt:

.


Wenn wir nun wissen, dass sich das Raumschiff mit der Geschwindigkeit v relativ zu einem anderen Inertialsystem bewegt (nennen wir dieses das „ungestrichene Koordinatensystem“), dann können wir den Ortsvektor r'(t) – Ort des Massenpunktes relativ zum gestrichenen Koordinatensystem – in den Ortsvektor r(t) umrechnen – relativ zum ungestrichenen System.

Hierzu verwenden wir folgende Transformationsgleichung:




.


Wie aus dem Bild leicht einsichtig wird, muss man also zum gestrichenen Ortsvektor r'(t) den Wert v.t hinzufügen, um r(t) zu errechnen.

Wir gehen hier davon aus, dass die beiden Koordinatensysteme nicht gegeneinander verdreht sind, und dass sie zum Zeitpunkt t=0 identisch sind.

Um nun die Bewegungsgleichung in das ungestrichene Koordinatensystem zu transformieren, lösen wir die Transformationsgleichung nach r‘ auf (wir erhalten dadurch die Gleichung für die Rücktransformation) und setzen das erhaltene r‘ = r'(r,t) in die Bewegungsgleichung ein:




Dabei sehen wir, dass der Anteil v.t durch das zweimalige Differenzieren komplett entfällt:




also sieht die Bewegungsgleichung im ungestrichenen Koordinatensystem genauso aus, wie im gestrichenen:




Was nichts anderes ist als eine Folge der Tatsache, dass die klassische Mechanik eben galilei-invariant ist.

Um nun zu zeigen, dass die elektrodynamischen Gleichungen nicht galilei-invariant sind, gehen wir von einem einfachen Rechenbeispiel aus.

Vorausgeschickt: Die Elektodynamik beschäftigt sich mit der wechselseitigen Beeinflussung von Ladungsträgern. Wenn also ein Massenpunkt P gleichzeitig eine Ladung trägt, dann gibt es folgende Effekte:

  • Jeder Ladungsträger verursacht ein elektrisches Feld E
  • Jeder bewegte Ladungsträger verursacht ein magnetisches Feld B
  • das elektrische Feld übt auf jeden Ladungsträger eine Kraft aus
  • das magnetische Feld übt auf jeden bewegten Ladungsträger eine Kraft aus.

Wie man das elektromagnetische Feld berechnet, welches von einer – bewegten oder unbewegten – Anordnung von Ladungsträgern verursacht wird, ist in den Maxwell-Gleichungen beschrieben.

Dieses elektromagnetische Feld, beschrieben durch die Größen E(x,y,z,t) und B(x,y,z,t) beeinflußt einen Ladungsträger, der sich mit der Geschwindigkeit v bewegt, durch die sogenannte Lorentz-Kraft.

Der Wert q ist hierbei der Wert der Ladung, gemessen in Coulomb.




Man sieht, dass sich der magnetische Anteil der Lorentz-Kraft quer zur Bewegungsrichtung auswirkt (Kreuzprodukt).

Für unser Rechenbeispiel stellen wir uns zwei Elektronen vor, die sich in zwei parallelen Flugbahnen bewegen, und zwar beide mit der Geschwindigkeit v. Das erste Elektron nennen wir E1, das zweite nennen wir E2, beide haben die Ladung (-e).

Wenn wir nun im mitbewegten Koordinatensystem verharren, sind die beiden Elektronen bewegungslos, somit gibt es kein Magnetfeld und wir erhalten für die Lorentz-Kraft einen anderen Wert als im ruhenden Koordinatensystem.




Jedenfalls laut Wikipedia zeigt dieses Beispiel, dass die Gleichungen der Elektrodynamik eben NICHT galilei-invariant sind. Ob dem wirklich so ist, wollen wir nächstes mal untersuchen, wenn wir der zugehörigen Mathematik auf den Grund gehen.

Lg
Christoph


Matter matters

Januar 31, 2012

Jetzt habe ich mich ja wegen eventueller Auswirkungen auf die Software SIMUL-RR ein wenig mit der Relativitätstheorie beschäftigt.

Viel war es ja nicht, was wir in der Schule darüber gelernt hatten.

Und auch auf der Uni hat sich unser Professor eher in Formalismen geübt (Matrizenrechnung für Fortgeschrittene), anstatt sich um ein grundlegendes Verständnis der Problematik zu bemühen.

Doch zum Glück gibt’s Wikipedia und ich kann die Artikel über Relativitätstheorie und verwandte Themen nur wärmstens empfehlen (wenngleich sich ein Minimum an Mathematik nicht vermeiden läßt).

Habe also diese Wikipedia-Artikel als Basis genommen (übrigens ist Wikipedia bis jetzt die einzige Sache im Internet, für die ich echtes Geld gespendet habe), ein paar Rechenbeispiele durchgemacht, um eben selber die Bedeutung der Lorentz-Transformation zu erfassen (die ja das Kernstück der speziellen Relativitätstheorie darstellt) und daraus ein kleines Paper zusammengestellt.

Wenn Ihr Euch dafür interessiert, werde ich meine Erkenntnisse in nächster Zeit gerne Stück für Stück bloggen.

Im übrigen bin ich „am Schluss der speziellen Relativitätstheorie“ jetzt auf das Faktum gestoßen, dass im sogenannten Zwillingsparadoxon sehr viel Information im Umkehrprozeß des zweiten Zwillings versteckt liegen muss. Das muss damit zusammenhängen, dass es sich dann nicht mehr um ein Inertialsystem handelt, und dass durch die Beschleunigung des zweiten Zwillings die Gleichzeitigkeit mit den Uhren des ersten Zwillings uminterpretiert wird (bzw. „sich ändert“).

Doch wann gilt ein System als „beschleunigt“, also als nicht inertial? Liegt das an der Beschleunigung relativ zu einem fiktiven absoluten Raum (den wir ja eigentlich nicht gerne entdecken würden), oder ergibt sich das aus den Beziehungen zu allen anderen Massen (Mach’sches Prinzip)?

All das versuche ich noch herauszufinden, denn demnächst werde ich beginnen, ein wenig über die allgemeine Relativitätstheorie nachzulesen, von der ich überhaupt noch nichts weiß.

Mal sehn
meint
Christoph


Hat SIMUL-RR etwas mit der Relativitätstheorie zu tun?

Januar 21, 2012

Ist diese Frage nicht ein wenig weit hergeholt?

Bin ich jetzt komplett verrückt geworden?

Na ja, wenn man mit VRML/X3D in einem Computer eine Szene darstellen möchte, dann braucht man ein Koordinatensystem, ein sogenanntes WELT-Koordinatensystem, auf das sich alle Berechnungen beziehen.

Da die Darstellung im Computer aber relativ zu einer Kameraposition erfolgt (die leider wieder im WELT-Koordinatensystem „aufgehängt“ sein muss), ergibt sich zum Glück eine gewisse Relativität (was meinerseits als sehr angenehm empfunden wird).

Was aber, wenn die Szene keine Kameraposition definiert?

Dann definiert der Standard VRML/X3D eine „Default“-Kameraposition am Punkt (0/0/10) mit Blickrichtung (0/0/-1).

Das ist meiner Meinung ein grober philosophischer Fehler. Wenn keine Kameraposition definiert ist, dann soll einfach NICHTS angezeigt werden, meiner Meinung.

Was hat das jetzt mit SIMUL-RR zu tun?

SIMUL-RR zerlegt die Welt (das „SrrTrains Layout“) in sogenannte Module, wobei jedes Modul sein eigenes lokales Koordinatensystem errichtet.

Das ist ein hübscher, relativistischer Ansatz.

Wobei die interessantesten Stücke von SIMUL-RR leider noch nicht implementiert sind:

Was passiert, wenn ein Modell von einem Modul in ein anderes wechselt (ich habe das als „Handover“ bezeichnet, in Anlehnung an den Vorgang im Mobilfunknetz)? Also von einem lokalen Koordinatensystem in ein anderes?

Oder was passiert, wenn Module einander enthalten? Wenn also das lokale Koordinatensystem eines Moduls RELATIV zu einem anderen Modul „aufgehängt“ wird?

Vielleicht führen diese Ansätze ja dazu, dass wir eines Tages kein WELT-Koordinatensystem mehr benötigen in der Computer-Graphik? Sozusagen die Geburt einer „relativistischen Computergraphik“.

Na, nur ned glei übatreibn…..

meint
Euer Christoph