Ist freier Wille ein „Geschenk des Teufels“?

Seit einiger Zeit schaue ich hie und da auf dem Blog von Pater Bernd Hagenkord vorbei.

Das ist ein Blog, wo – im Dunstkreis von Radio Vatikan – über kirchliche Themen offen diskutiert wird, und das Blog gefällt mir eigentlich sehr gut (hab’s auch rechts in die Links aufgenommen).

Vor ca. einer Woche ging es dort um das Thema, ob sich denn die Lehre nach dem Leben richten soll oder das Leben nach der Lehre (siehe hier).

Nun habe ich die Lust verspürt, über dieses Thema – eigentlich handelt sich dabei um das Thema des „freien Willens“ – auch ein paar Worte zu schreiben.

In meinem zehnten religiösen Büchlein „Vom Leben“ zitiere ich auch die Stelle aus dem Buch Genesis, wo in einer literarisch sehr gelungenen Art und Weise eine metaphernhafte Schilderung des Falls des Menschen beschrieben wird, Ihr wisst schon – Schlange und Apfel.

Falls jemand die Stelle nicht kennt, hier noch eine Kopie:

Gen 3,1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?

Es begann mit einer Lüge des Teufels (nur von dem einen Baum durften sie nicht essen) !!!!!!!!!

Gen 3,2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;

Gen 3,3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

Gen 3,4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

Gen 3,5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

Gen 3,6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

Gen 3,7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

Ihr Selbstbewußtsein bekam einen „Knacks“, weil sie erkannten, dass sie gesündigt hatten!!!!!!!!!

Gen 3,8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens.

Gen 3,9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?

Gen 3,10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

Gen 3,11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

Gott weiss eh alles!!!!!!!!!

Gen 3,12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen.

Schuldzuweisungen!!!!!!!!!

Gen 3,13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen.

Gen 3,14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht / unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. / Auf dem Bauch sollst du kriechen / und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

Gen 3,15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. / Er trifft dich am Kopf / und du triffst ihn an der Ferse.

Das sogenannte Protoevangelium weist schon auf Maria und Jesus hin!!!!!!!!!

Gen 3,16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen.

Gen 3,17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm essen / alle Tage deines Lebens.

Gen 3,18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen / und die Pflanzen des Feldes musst du essen.

Gen 3,19 Im Schweiße deines Angesichts / sollst du dein Brot essen, / bis du zurückkehrst zum Ackerboden; / von ihm bist du ja genommen. / Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

Gen 3,20 Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Gen 3,21 Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.

Gott stützt das Selbstbewusstsein des Menschen!!!!!!!!!

Gen 3,22 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!

Gen 3,23 Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.

Gen 3,24 Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.

Zu dieser Stelle muss man also sagen, dass es sich um die erste Schulstunde der Menschheit gehandelt hat. Der Teufel klärte den Menschen darüber auf, dass er werde wie Gott, wenn er von dem Baum esse.

Hat also der Teufel dem Menschen den freien Willen geschenkt, gegen Gottes Gesetz zu verstoßen?

Nein, er hat ihm nur den Mund wässrig gemacht – er hat ihn verführt. Manchmal nennen wir den Teufel ja auch „den Verführer“.

Und was macht Gott?

Er kann nicht anders, als den Willen des Menschen zu akzeptieren (denn ER hat ihm die Freiheit geschenkt).

Der Mensch wollte sterben müssen, und somit muss er sterben müssen. Der Baum des Lebens ist fortan unerreichbar.

Solange, bis Christus auf der Spielfläche erscheint, aber das ist die neue Geschichte, von der ich demnächst berichte.

Meint

Euer Christoph

5 Responses to Ist freier Wille ein „Geschenk des Teufels“?

  1. Yeti sagt:

    Noch eine Kleinigkeit:

    Den Begriff „freier Wille“ habe ich eigentlich nie verstanden.

    Denn mein Wille ist ja nicht frei. Er ergibt sich aus meinen Trieben – aus dem, was ich erreichen WILL – und aus meinem „Modell im Kopf“, also aus dem Weg, auf dem ich glaube, das Ersehnte erreichen zu können.

    Ich kann also nichts „wollen wollen“, sondern ich WILL ganz einfach – da ist keine Freiheit, WAS ich WOLLEN könnte, sondern ich will ganz einfach das, was ich will. Das WILL ich einfach. Und Basta. Wo sollte da eine Freiheit sein?

    Nein, mit dem Begriff „freier Wille“ meinen wir die „Wahlfreiheit“. Der Mensch kann wählen, was er TUT. Entweder er erfüllt den Willen Gottes oder er tut es nicht.

    Voraussetzung dafür ist die „Erkenntnis des Willens Gottes“ (und den hat er uns ja gesagt).

    Wenn ein Haifisch einen Taucher frisst, dann entspricht das IMMER dem Willen Gottes, der Haifisch kann gar nicht anders, als den Willen Gottes zu erfüllen. Auch Hunde, Katzen, Pflanzen, Steine und Flüssigkeiten KÖNNEN gar nicht anders, als den Willen Gottes zu erfüllen.

    Der Mensch KANN anders. Eigentlich ist also der Begriff „freier Wille“ wieder nur so eine „katholische Unschärfe“ und eigentlich meinen wir damit die „Wahlfreiheit“, bzw. „die Freiheit“ an sich.

    Meint
    Euer Christoph

    • Yeti sagt:

      Und eigentlich eigentlich hat auch der Mensch nur zu entscheiden zwischen einem schmerzerfüllten Leben und einem „guten“ Leben.

      Wie ich immer sage: das Leben ist wie eine Vergewaltigung: wenn man sich wehrt, tut’s weh.

      Allerletzten Endes führt Gott Alles zu einem guten Ende, da können wir uns wehren, soviel wir wollen.

  2. rotegraefin sagt:

    Das ist typisch allgemein ausschließendes und allein unselig machendes Gedankengut der römischen Kirche.
    1. Was ist das für ein Gott der Erkenntnis verbietet.
    2. Was ist gut oder Böse, wenn ursprünglich alles gut war?
    3. Was ist das für ein Gott der sein eigenes Ebenbild zu Schmerzen und zur Arbeit verflucht?

    • Kardinal Novize Igor sagt:

      Das ist vermutlich derselbe Gott wie der für die Evangelischen, denn die glauben auch an das Buch Genesis.

      Man sollte nicht glauben, dass man noch so viele Evangelische trifft, die sagen: „man muss protestantisch sein, denn nur als Evangelischer hat man die Wahrheit, denn man weiß, was sich gehört!“

      LG KNI

  3. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti

    Ich würde auch sagen, dass es sich bei dem freien Willen tatsächlich um eine Motivationsfreiheit handelt – und das „will“ man dann.

    Das mit dem Annehmen des Lebens gefällt mir sehr gut. Ich würde es so sagen: Wer den Willen Gottes als solchen erkennt, der hat diesen Willen auch in sich, dem wird Gottes Wille zum eigenen Willen.

    Aber da steckt natürlich „Arbeit“ dahinter…, Selbsterkenntnis…,

    LG KNI

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