Die göttliche Hemisphäre – kann es sie geben

Offensichtlich braucht der Mensch die Vorstellung einer Grundlage, auf die er sich verlassen kann. Auf etwas Stabiles, Zuverlässiges, Sakrosanktes, das dem menschlichen Zugriff nicht unterliegt.

Und ist es ein Wunder, dass wir in einer Zeit, in der die Reichen und Mächtigen in einem zynischen – größenwahnsinnigen – Machtrausch über uns arme Würmer herrschen, ist es in einer solchen Zeit also ein Wunder, wenn wir an einen Gott – oder an Götter – glauben möchten, die all diesen irdischen Mächten nicht zu gehorchen brauchen, die ein Einsehen haben für die Schwachheit des Menschen? Und seine Würmlichkeit?

Aber ist diese sakrosankte Hemisphäre – nennen wir sie die „göttliche“ Hemisphäre – ist sie nicht nur eine nette Gutenachtgeschichte, die wir einander erzählen, damit das Leben einigermaßen erträglich wird?

Damit wir wenigstens darauf hoffen können, dass der Übeltäter – der ja immer wieder „ganz gut davonkommt“ – dass dieser also LETZTEN ENDES für seine Übeltaten BÜSZEN muss.

Kann es die göttliche Hemisphäre also WIRKLICH geben?

Gibt es dieses OBEN tatsächlich? Diese UNSICHTBARE Welt?

Oft habe ich über meinen Freund gelächelt, der in der Meditation ganz deutlich die beiden Richtungen „Oben“ und „Unten“ zu spüren vermochte.

Und ich habe gelächelt, weil ich mir dachte, dass „Oben“ und „Unten“ sich ganz natürlich als die beiden wichtigsten Richtungen des Menschen ergeben. Gut geeignet für eine Metapher also.

Ist es denn nicht eine Urerfahrung des Affenmenschen?

Oben am Baum bist Du in Sicherheit.

Unten am Boden wimmelt es nur so vor Schlangen, Tigern und anderen Grauslichkeiten.

Oben lauert das Risiko – nämlich hinunterzufallen – und unten lauert das Böse.

So erkennen wir, dass es in der Schöpfung eine Ordnung gibt. Die einfacheren, „niedrigeren“ Wesen sind auf die komplexeren, „höheren“ Wesen „hingeordnet“. Die Nahrung nützt dem Genährten und der Genährte soll der Nahrung gegenüber in einem Zustand der Dankbarkeit leben.

Letzten Endes ist der Mensch die Krone der Schöpfung, die als einziges Lebewesen „um seiner selbst willen“ erschaffen worden ist, und eben nicht nur, weil er nützlich ist.

Ja, jeder Mensch ist etwas WERT, nicht wegen seiner Leistung, nicht wegen Bravsein und nicht wegen Nützlichkeit, sondern weil er ein Ebenbild Gottes ist. Wenn wir daran nicht glauben, dann brauchen wir auch auf die Menschen keinen Wert zu legen. Und auf die Menschlichkeit.

Aber auch in der modernen Zeit, in der es ja sehr viel SOFTWARE-Technik gibt, haben die Begriffe „Oben“ und „Unten“ eine zentrale Bedeutung.

Die untere Schicht wird von der oberen Schicht BENÜTZT. Dabei wird ein INTERFACE verwendet. Das Interface ist ein Satz von Regeln, den die untere Schicht erstellt hat, um klarzustellen, wie die oberen Schichten einen SERVICE von den unteren Schichten bekommen.

Sehr gut, das heisst jetzt also also, dass die untere Schicht die Regeln vorgibt, dass sie also HERRSCHT, weil sie NÜTZLICH ist, weil sie DIENSTBAR ist, oder?

Nein, das heisst es nicht ganz. Denn die obere Schicht muss nur jene Services benützen, die sie BENÜTZEN WILL. Sie hat den freien Willen.

Herrschen heisst also, die ganze Sache mit WEISHEIT in die RICHTIGE Richtung zu lenken, sodass jeder zum geringstmöglichen Schaden leben kann.

Das sollte die obere Schicht bedenken, nämlich WAS RICHTIG IST. Das ist die Frage.

Meint

Euer Christoph

14 Responses to Die göttliche Hemisphäre – kann es sie geben

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    „oben“ und „unten“ sind in der Meditation natürlich nur Metaphern.
    Man könnte auch „Vertikale“ und „Horizontale“ sagen.

    Was befindet sich nun in der Horizontalen (wenn wir von einigen Damen absehen wollen *ggg*)? Die Welt. Das Irdische. Die Stadt, das Land, die Strassen, die Gassen, die Arbeit.

    Was befindet sich in der Vertikalen? Der Himmel und der Untergrund. Das eine voller Licht, das andere lichtlos. Beides aber ungreifbar (wenn wir von ein paar Flugzeugen und Ölbohrern absehen, aber wirklich hoch/tief kommen die ja auch nicht….).

    Insofern sind oben und unten Symbole für das Nicht-Weltliche, also für das, was über das unmittelbar Materielle hinaus geht.

    Nun ist es aber so, dass man in der Meditation tatsächlich so etwas wie Licht gibt, und auch einen vertikalen Fluss, eine oben-unten-Ausrichtung. Der nicht ganz anfängerhafte Meditierende weiß freilich, dass auch das Metaphern des Körpers sind, die für das Göttliche stehen.

    Interessanterweise sind aber diese Erscheinungen bei jedem (der meditiert) recht ähnlich. Man darf aber den Fehler nicht machen, dies Metaphorische nun mit dem Göttlichen selbst zu verwechseln…

    (na, das gilt ja auch in anderen Lebensbereichen! Soll ja nicht nur einmal vorgekommen sein, dass Metaphorik zu weit getrieben wurde…*ggg*!)

    Man kann sich das so vorstellen: Wer traurig ist, weint öfter als andere. Es gibt also eine Korrelation zwischen nassen Augen und Traurigkeit. Für den Betroffenen ist sein Weinen weit mehr als nur Korrelation: Es ist eben eine Metapher . ein körperlicher Ausdruck – seiner Traurigkeit.

    Umgekehrt kann man die Traurigkeit nicht dadurch erzwingen (soferne man das will), indem man sich die Augen nass macht. Weil: nicht jedes nasse Auge bedeutet Traurigkeit. Es kann auch einfach nur eine Bindehautentzündung sein…

    Auf die Meditation umgelegt: „oben und unten“ sind per se gar nichts. Auch die Vertikalströmung, die man deutlich spürt, ist nicht per se götllich. Sie künstlich erregen zu wollen, bringt nichts.

    Dennoch wissen zwei Meditierende, worüber sie reden, wenn sie „Oben“ und „unten“ sagen. Ganz genau so, wie im allgemeinen jeder Mensch weiß, was Weinen bedeutet.

    Freilich kann es zu Missverständnissen kommen, wenn ein Mensch ohne Meditationserfahrung von diesen Begriffen hört, weil er denkt, es gehe in erster Linie um das „Vertikale“, also um das Vertikale per se. Das tut es aber nicht. Man braucht Metaphern, weil es für dieses eigentliche Göttliche keine Worte gibt….

    ….wo ich mir dann denke, wie etwa Roboter über weinende Menschen urteilen würden. Der eine würde uns für verrückt halten, der andere gar nichts sagen, und der dritte hätte womöglich den Gedanken: „die wollen sich nur wichtig machen.“

    Wobei letzteres zwar durchaus stimmen kann, aber eben nicht immer. Ein solcher Roboter würde wohl vorschnell urteilen.

    Oder wie sagte einer der wichtigsten Theologen aller Zeiten, nämlich der Terminator: „Ich weiss jetzt, warum ihr weint. Aber das werde ich niemals tun können.“ *ggg*!

    LG KNI

  2. Yeti sagt:

    I’ll be back 😛

  3. Kardinal Novize Igor sagt:

    Hmmm….irgendwie gefällt mir mein Comment. Ich glaub, ich werde ihn etwas erweitert auf meinen Blog stellen!

    LG KNI

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    Was sagst du zu dieser Datenschutz Grundverordnung?
    Betrifft das uns?
    Will man uns das Maul verbieten?

    LG KNI

    • Yeti sagt:

      Wenn jemand etwas von mir will, soll er es mir sagen. Im übrigen geht mir diese Sache am A**** vorbei.

      Aber dass alle Firmen jetzt plötzlich so nervös werden, zeigt eindeutig, dass sie alle ein schlechtes Gewissen haben.

  5. hansarandt sagt:

    „Letzten Endes ist der Mensch die Krone der Schöpfung, die als einziges Lebewesen „um seiner selbst willen“ erschaffen worden ist, und eben nicht nur, weil er nützlich ist.“
    Ist das ganze nicht ein Kreislauf. Auch die Menschen sterben, so wie jede andere Kreatur und dann fressen uns die Würmer. Sind wir nicht um der Würmer und eben nicht um unserer selbst willen erschaffen?

    • Yeti sagt:

      Wenn ich sage, dass der Mensch „um seiner selbst willen“ erschaffen wird, dann meine ich nicht die rein physischen Abhängigkeiten.

      Man kann nie wirklich unabhängig sein. Man ist immer irgendwie abhängig und andere Lebewesen sind von mir abhängig. Das ist ein sehr schöner Kreislauf, wo alle Lebewesen irgendwie eine Gemeinschaft bilden.

      Franz von Asis spricht von unseren „Brüdern und Schwestern“, wenn er von der Schöpfung spricht.

      Was ich also meine, ist nicht Abhängigkeit und Unabhängigkeit, sondern Freiheit. Dem Menschen ist Freiheit in einem Ausmaß gegeben, das wir bei anderen Lebewesen so nicht entdecken können.

      Wir haben letzten Endes sogar die Freiheit, Gottes Willen zu ignorieren, zu missachten und mit Füßen zu treten. Das können die anderen Lebewesen meiner Meinung nach nicht.

      Meint
      Euer Christoph

      • hansarandt sagt:

        Ich finde auch eine Katze, obwohl sie ein Haustier ist, bewegt sich und jagt ziemlich frei, noch viel mehr ein Kater, wenn er nicht kastriert ist. Noch freier ist ein Fisch im Wasser. Er schwimmt gegen den Strom, was den meisten Menschen unmöglich ist.

      • Yeti sagt:

        Wie gesagt, es geht mir um die bewusste Erkenntnis des Willens Gottes und um die Möglichkeit, diesen zu missachten.

      • Yeti sagt:

        Gotteserkenntnis. Erkennen, dass wir Kinder Gottes sind.

  6. hansarandt sagt:

    Ich bin ganz Deiner Meinung, dass „oben“ und „unten“ wichtig sind. Es geht um die Vertikale, die Senkrechte im Kreuz. Die Säkularisten wollen nicht nur das Kreuz abschaffen, sondern auch die Senkrechte überhaupt.
    Sie sprechen davon, dass sie Hierarchien für überholt halten und wollen alles irgendwie gleich machen.
    Dabei übersehen sie gerne, dass sowohl der „real existierende Sozialismus“ als auch jede andere gesellschaftliche Organisationsform, sei es eine Schule, eine Firma, ein Verein, eine Affenhorde, ein Bienenstock oder was auch immer, hierarchisch organisiert sind.
    Für sogenannte kommunistische Parteien gilt das in besonders verschärfter Weise. Lenin bildete eine „Avantgarde“ der „Berufsrevolutionäre“, die die so genannte „Diktatur des Proletariats“ exekutierten. Die Exekutierten, die dieser Diktatur zum Opfer fielen, gingen in die Millionen.
    Alle Jenseitsvorstellungen der Religionen wollen sie ins Diesseits herunterholen. Aus dem Paradies machen sie das „Prinzip Hoffnung“ (Ernst Bloch) und aus dem Jenseits im Himmel wollen sie die „klassenlose Gesellschaft“ auf Erden machen.
    Karl Popper hat dieser Fehlentwicklung gegenüber eingewandt:
    „Alle Versuche, den Himmel auf die Erde zu holen, haben regelmäßig in die Hölle geführt.“
    Deshalb brauchen wir die Vertikale, das sagt selbst der kritische Rationalist Karl Popper.
    Eine Gesellschafft, die glaubt sie könne auf ein überirdisches Leit- und Orientierungssystem verzichten, ist dazu verurteilt, regelmäßig gegen die Wand zu fahren.

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