Von Ursache und Wirkung……

Wenn ich Hans Arandts Beitrag Eine kurze Geschichte der Religion richtig verstanden habe, dann meint er mit dem drei“wertigen“ Gott einen Gott, der nicht nur wahr oder falsch sein kann (also „existent“ oder „erdichtet“), sondern auch „teilweise existent und teilweise erdichtet“.

Und damit sind wir eigentlich wieder bei meinem Lieblingsthema. Können sich unsere Gotteserfahrungen auf etwas stützen, das es „dort draussen tatsächlich gibt“, oder sind es nur endogene Wahnvorstellungen, die uns vielleicht dabei helfen, die Realität besser zu ertragen, m.a.W. „glücklicher zu sein“.

Hans Arandt bringt den Begriff der Rückkoppelung ins Spiel, der jedem Techniker geläufig ist, den man aber vielleicht nochmal ein wenig ventilieren sollte.

Nehmen wir das einfachste aller Naturgesetze, nämlich die Kraftgleichung:

F = dp / dt.

Diese besagt, dass es eine Wirkung hat, wenn man auf einen Massenpunkt eine Kraft ausübt.

Also:

  1. Kraft ist Ursache
  2. Änderung der Bewegungsgröße ist Wirkung

Aus der Änderung der Bewegungsgröße folgt letzten Endes eine Änderung der Position.

Wenn nun der Massenpunkt an einer Feder aufgehängt ist, dann folgt aus der Position wieder eine Kraft und damit eine zusätzliche Komponente für die Änderung der Bewegungsgröße.

Das heisst, dass nicht nur ICH eine Kraft auf den Massenpunkt ausübe, sondern auch die Feder.

Da wir nun die GESAMT-Kraft als Ursache definiert habe, und die Position als Wirkung, ich mir aber eigentlich wünschen würde, nur MEINE Kraft als Ursache zu betrachten, kommen wir hier in gewisse Interessenskonflikte bei der Interpretation des Ergebnisses.

Aber was hat dieses Gleichnis mit Gott zu tun?

Na ja, wenn ich ein Auto lenke, dann betrachte ich auch meinen Tritt aufs Gaspedal als Ursache für die Beschleunigung des Autos.

Aber das ist nur eine sehr narzisstische Sichtweise.

Die wirkliche Ursache liegt darin begründet, dass vor Millionen von Jahren Pflanzen erstickt sind und im Laufe der Zeit zu Erdöl wurden, dass eine Firma ein Loch in den Boden gebohrt hat, um das Öl zu fördern, dass ein Tanker übers Meer gefahren ist, dass das Öl in der Raffinierie zu Benzin verarbeitet worden ist, dass jemand das Benzin zur Tankstelle transportiert hat, und dass ich letzten Endes getankt habe. Nun wird dieses Benzin im Vergaser mit Luft gemischt und explodiert rhythmisch im Zylinder.

Das ist die Ursache.

Das Gaspedal ist nur eine Art Türsteher, der die Ursache hereinläßt oder auch nicht.

Und so wie das Benzin und das Gaspedal die Rolle von Ursache und Türsteher spielen, so kann man es sich mit Gott vorstellen.

Bei der Rückkoppelung kann es eine „harte“ Seite geben und eine „weiche“. Die „weiche“ Seite wird sich stark verändern, bevor man ein Gleichgewicht findet und die „harte“ Seite wird sich kaum verändert haben, wenn man dann das Gleichgewicht erreicht hat.

Ein weiser Mann hat einmal gesagt: nicht wir verändern Gott im Gebet, sondern er ist es, der uns verändert.

Und dieses Gebet der Menschheit, das nun schon seit einigen Jahrhunderttausenden anhält, dient dazu, dass wir uns an Gott annähern.

Unser Gottesmodell sollte sich immer näher an die Wahrheit annähern – wobei es leider auch Rückschritte gibt, wie uns immer wieder schmerzlich bewusst wird.

Insoferne erfinden wir nicht Gott, sondern es wird uns ein Modell offenbart, mit dem wir uns an unseren Papi annähern können (P.S.: mit Christus ist die Offenbarung abgeschlossen, wie uns die Kirche lehrt).

Meint
Euer Christoph

10 Responses to Von Ursache und Wirkung……

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    aber ist Kraft die Ursache oder bloss eine Beschreibung eines Aspekts des Universums?

    Das Accidens einer Kraft ist, einverstanden, dp/dt. Aber was ist ihr Sein? E=mc2?, also F=d(mc2)ds ? Was ist m?

    LG KNI

    • Yeti sagt:

      Du wirfst hier einige Fragen in den Raum. Und Du hast Recht, Ursache und Wirkung sind eigentlich nur menschliche Begriffe, das Universum IST einfach, da gibt es keine Ursache und keine Wirkung. Nur wir versuchen das Universum zu modellieren, denn wenn ich die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung kenne, dann kann ich
      — voraussagen, wie es weitergehen wird
      — planen, was ich tun muss, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen

      meint
      Euer Christoph

      • hansarandt sagt:

        Das sehe ich genauso, Yeti. Gott können wir nicht nur nicht sehen, sondern wir können auch nichts sicher über ihn wissen. Alles was war haben, sind Modellvorstellungen, Bilder, die wir von Gott haben oder uns von ihm machen.

        Das gilt aber grundsätzlich für jeden Gegenstand und jeden Forschungsgegenstand. Auch die Naturwissenschaft kann nur Modellvorstellungen entwickeln, die mehr oder weniger gut auf die Wirklichkeit passen. Das Experiment, und da hat Popper nach wie vor Recht, kann eine Modellvorstellung lediglich falsifizieren aber niemals verifizieren. Alles sogenannte Wissen bleibt vorläufig und sollte es auch bleiben. Nicht auszudenken, wenn sich zu irgend einem Zeitpunkt die Menschheit zur Ruhe gesetzt hätte und gesagt: Jetzt wissen wir alles über eine bestimmte Fragestellung und brauchen uns nie wieder damit zu befassen.

      • Yeti sagt:

        Stimmt, allerdings gibt es manchmal Sachen, die „weiss man einfach“, weil sie einem offenbart wurden.

        Das Problem ist dann nur, die anderen Menschen davon zu überzeugen 🙂

      • Kardinal Novize Igor sagt:

        …die Frage ist natürlich, ob das Wort „IST“ nicht auch schon ein Modell ist.

        ist IST daher nicht ein Modell für ein ist, welches noch weit oberhalb des IST ist; IST das nicht die Frage, dass da nur ein IST ist, mit dem das ist nur recht bescheiden ausdrückbar IST (oder ist)?

        LG KNI

  2. hansarandt sagt:

    Das ist eine Glaubensgewissheit aber eine Glaubensgewissheit ist eben eine Glaubensgewissheit. Warum sollten alle die selbe Glaubensgewissheit haben?

  3. Kardinal Novize Igor sagt:

    Alle Wissenschaft, die Natur- und die Geistes- gehen von einer Sammlung und Verschachtelung von Arbeitshypothesen aus.

    Aber das soll mir recht sein, solange die Arbeitshypothese der Quantenmechanik zum Fernseher, zum Computer, zu neuen Molekülen führt (soferne man jetzt nicht aus gesellschaftspolitischen oder sonstigen Gründen gegen Fernseher, Computer und Moleküle ist) und des einen oder anderen hellen Kopfes Denken anregt.

    Im übrigen irrt auch Popper, wenn er meint, man könne durch Experimente irgendeine These falsifizieren.

    Denn kein Mensch kann ein Experiment mit absoluter Sicherheit richtig ausführen. Es können immer Fehler passieren. Es kann folglich auch ein falsifizierendes Experiment eine richtige Arbeitshypothese fälschlicherweise falsifizieren.

    LG KNI

    • hansarandt sagt:

      Nichts ist absolut sicher. Da hast du recht. Aber mehr oder weniger wahrscheinlich ist das Meiste schon. Es ist wie mit dem Zentrum und der Peripherie. Es ist unmöglich exakt im Zentrum zu stehen aber es ist leicht zu bestimmen, ob wir eher rechts oder links, eher im Zentrum oder eher am Rand stehen.

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    @HA

    Genau!

    Mehr oder weniger wahrscheinlich – die Quantenmechanik und die RT sind sehr wahrscheinlich richtig.

    LG

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