Aussen und Innen

Der Artikel des Bloggers „Ausgesucht“ über das anthropische Prinzip hat mich mal wieder an den alten Trick der Religionslehrer erinnert.

Ich bin in den 70er und 80er Jahren in die Schule gegangen, aber damals hat uns unser Religionslehrer immer noch allen ernstes gelehrt, dass es ein Wunder Gottes sei, wenn die Sauerstoff-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich auf unsere Lunge abgestimmt ist. Weniger Sauerstoff und wir würden ersticken, mehr Sauerstoff und unsere Lungenbläschen würden verbrennen.

Aber nein – o Wunder Gottes – die Konzentration des Sauerstoffs in der Atmosphäre stimmt genau mit unseren Bedürfnissen überein.

Auch als Studenten wollte uns noch ein Pfarrer – der dann Bischof geworden ist – einreden, dass es ein Wunder Gottes sei, wenn die Erde genau in dem Abstand von der Sonne ihre Umlaufbahn hat, der für uns optimal ist.

O Wunder o Wunder.

Das Wunder wäre aber, wenn heutzutage noch irgendjemand dieser Argumentation folgen würde.

Die Frage ist eher immer die Frage nach dem Aussen (dem Beobachter) und dem Innen (dem Beobachteten).

Als Beobachter gehe ich immer davon aus, dass ich Aussen stehe, aber was das Universum betrifft, stehen wir eben Innen.

Meint
Euer Christoph

9 Responses to Aussen und Innen

  1. hansarandt sagt:

    Nicht einmal Gott kann „außen stehen“. Wo sollte das sein? Hegel hat diesen Gedanken einmal so formuliert: Die Ewigkeit kann nicht eine Zeit vor unserer Zeit oder nach unserer Zeit sein, denn dann wäre die Ewigkeit ja selbst auch Zeit und nicht unendlich.

    Das Ewige muss das muß die Ganze Zeit umfassen also auch die endliche Zeit, sie kann nicht außerhalb sein. Die Ewigkeit muss die Endlichkeit also einschließen. Deshalb gibt es nur einen Ort für die Ewigkeit, das ist die Gegenwart, dort wo Vergangenheit und Zukunft in einem Punkt zusammenlaufen.

    Gott ist sowohl außerhalb von Raum und Zeit, sonst wäre er nicht ewig, als auch immerhalb der Zeit, sonst wäre er nicht allgegenwärtig.

    Der Christusmythos ist ein anschaulicher Ausdruck der Vorstellung, das Gott sowohl außerhalb als auch innerhalb des Kosmos gedacht werden muss.

    Goethe hat das mal so ausgedrückt: Als Naturforscher sind wir Pantheisten (Gott ist in der Natur und den Dingen) als Poeten sind wir Politheisten, weil es nichts gibt, das wir uns nicht vorstellen könnten, und als sittliche Wesen sind wir Monotheisten, weil wir wollen, dass alle den selben Geboten folgen.

    Wenn Gott existiert, dann kann er nur innerhalb von etwas existieren, weil existieren heißt, sich von einem Hintergrund abheben. Gott existiert auf jedenfall in unseren Gedanken, selbst in den Gedanken der Atheisten existiert er, sonst könnten sie keine (A)theisten sein. Ich bin aber geneigt zu glauben, dass er nicht nur in unseren Gedanken existiert.

    Selbst wenn er nur in unseren Gedanken existierte, ist das kein Grund ihn abzuschaffen. Wollte man alles, was nur in unseren Gedanken existiert, zum Beispiel die Moral, abschaffen, täte man der Menschheit keinen guten Dienst. Auch für den Glauben an Gott lassen sich viele gute Gründe finden.

  2. Yeti sagt:

    @hansarandt:
    Du weißt, dass ich Gott nicht abschaffen möchte. Aber ich bin der Meinung, dass dümmliche, z.B. kreationistische Erklärungen für die Welt und das Universum der Sache des Christentums eher schaden als dass sie dienlich sind.

    Deine Ausführungen halte ich hingegen für sehr intelligent, und kann und will zur Zeit nichts erwidern noch zu diskutieren anfangen.

  3. Yeti sagt:

    P.S. mit der „Trennung in Aussen und Innen“ meine ich ein sprachliches Phänomen, nämlich die Grenzziehung zwischen Subjekt (Beobachter) und Objekt (Beobachtetes)

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    Jaja, der gute Pfarrer, der dann später Bischof geworden ist, hat Wahrscheinlichkeitstheorie mit Wunder verwechselt- das muss ein launiger Mensch gewesen sein!

    Mich richtig verstehen – ich bin überzeugt von der Existenz von Wundern. Aber die finde ich nicht dort, wo man sie mit ein bisschen Nachdenken erklären kann, und auch nicht im „Sensationellen“, ja nicht einmal im „Intensiven“. Die Wunder sind tatsächlich im Innen.

    Wir leben im Zeitalter des „Sturzes der Wirklichkeit“, was Quantenphysik und Relativitätstheorie eindrucksvoll belegen. Diese Zeit wird uns auffordern, „Aussen“ und „Innen“ zu entwirren. Denn alles, was wir als „Wirklichkeit“ bezeichnen, nämlich die physische Wirklichkeit, ist aussen – die Peripherie unseres Bewusstseins.

    Dem seelischen, „Inneren“, Geistigen, wurde in der Neuzeit die Sphäre des „Unwirklichen“ zugewiesen. Hier wird neu unterteilt werden müssen. Denn es wird der Menschheit nichts anderes übrig bleiben müssen, der Physik ihre Unwirklichkeit zuzugestehen: Es gibt keinen festen Punkt im Weltall, keine Gleichzeitigkeit, keinen eindeutigen Begriff für Materie. Dem festen Punkt folgt die Relativität, der Materie folgt ein Dualismus.

    Wer seinen inneren Frieden in der äußeren Wirklichkeit zu finden hofft, wird mit dieser stürzen.

    Diesem Zeitalter wird nur gewachsen sein, wer das Geistige und Seelische , also das Innere, als die eigentliche und soveräne Wirklichkeit ahnt. Die immanente Herausforderung, die sich hier stellt, ist freilich wieder keine äußerlich-herostratische, sondern eine beschauliche und Kontemplative.

    LG KNI

  5. Yeti sagt:

    @KNI
    Ich finde es interessant, dass Du die Begriffe „Innen“ und „Aussen“ genau entgegengesetzt verwendest, wie ich.

    Da der Beobachter „Aussen“, der sich „über die Dinge setzt“, dort der Beobachter „Innen“, der zwar „ein Teil des Universums“ ist, aber seine Wirklichkeit in sich selber sucht.

    Ich denke, die Wirklichkeit, also Dein „Aussen“ bzw. mein „Innen“, wird sich nicht abschaffen lassen, denn sie ist positiv vorhanden und sie läßt sich beobachten und beschreiben, wenngleich sich herausstellt, dass jede Beobachtung vom Beobachter beeinflußt wird.

    Und so wird die Zukunft nicht in einer Verneinung des „Aussen“ liegen, sondern in einer Bejahung des „Innen“ (jetzt in Deiner Diktion verwendet), ohne das „Aussen“ über Bord zu werfen.

    Meint
    Euer Christoph

  6. Yeti sagt:

    Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir Dein Ansatz, den Beobachter „Innen“ anzusetzen und das Beobachtete „Aussen“.

    Durch diese Diktion wird automatisch klar, dass das „Innen“ auch vom „Aussen“ abhängt.

  7. Kardinal Novize Igor sagt:

    @hansarandt:

    1) Nein, mächtig bin ich nicht.

    2) Die „Mächtigen“ (wer eigentlich?) haben jene längst übertölpelt, die den physisch-absoluten „Fixpunkt“ suchen. In den hierbei ermöglichten Projektionsorgien (man sieht, wie sehr QT und RT den Laien zu allerlei Physik-Metaphysik-Vermengungen anstiften), setzen die Mächtigen dann das ein, was ihnen am wünschenswertesten scheint; zur Zeit: die Selbstversklavung der europäischen Mittelschicht.

    Nicht die willenlose Anpassung, sondern das gesellschaftliche Korrektiv kommt von innen. Was auch immer von RT und QT zu erwarten/erhoffen ist: eine gerechtere Welt wohl kaum. Der Umkehrschluss, eine „Abschaffung“ dieser Theorien, (was angesichts der momentanen Beweislage bloss dogmatisch geschehen kann, sozusagen auf Ayatollah-Niveau) würde die Welt irgendwie verbessern, ist freilich hanebüchen: Welchen ethisch-moralischen Fortschritt hätten wir zu verzeichnen, könnten wir sagen: „Hurra, dieser Punkt im Raum ist fix1“?

    LG KNI

  8. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti:

    Das war meine Absicht – zu zeigen, dass das Innerste Innen wieder im Aussen mündet, und umgehrt. Die Chinesen kennen das als Yin-Yang-prinzip.Aus den sich hierbei ergebenden unendlichen Verschachtelungen ergibt sich dann, dass es an uns liegt, „Innen“ und „Aussen“ richtig zuzuordnen – nämlich der eigenen Subjektivität gemäß.

    Wer also (nicht Du!) – das Innen als eine Art biedermeierlichen Rückzugsort begreift, als ein schwachsinniges Idyll, ist ja selber schon der politisch verordneten Veräußerlichung anheim gefalllen. Freilich merken die Betroffenen das selber gar nicht.

    LG KNI

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