Die Legasthenie und der Schöpfungsakt

Wenn man sich die Menschheit so ansieht, könnte man denken, der Auftrag Gottes habe gelautet

Seid furchtbar und vermehret Euch!

So überheblich wie sie sich geriert, die Menschheit.

Denn genau genommen ist das Leben, wenn man es kosmologisch betrachtet, eine Randerscheinung.

Und der Mensch erst recht.

Das ist so ungefähr wie die Stromerzeugung bei einer Photovoltaikanlage. Da wird zuallererst einmal viel Abwärme produziert, die Stromproduktion ist erst der Rest der Energiegewinnung.

Und so wie sich der Mensch als „Krone der Schöpfung“ bezeichnet, so ist auch die Stromerzeugung die „Krone der Photovoltaikanlage“, denn erst die Stromerzeugung gibt dem Ganzen einen Sinn, obwohl sie nur einen kleinen Prozentsatz des gesamten Energieumsatzes ausmacht.

Und so ist eigentlich die gesamte Menschheit verdammt, manisch-depressiv zu sein. Einerseits ist es erst die Menschheit, die dem gesamten Universum einen Sinn verleiht, andererseits sind wir energetisch betrachtet eine unwichte Nebenerscheinung.

Meint
Euer Christoph

10 Responses to Die Legasthenie und der Schöpfungsakt

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Energetisch ist der Mensch zweifelsohne eine Randerscheinung.

    Aber wie siehts mit der Entropie aus? Also dem Grad der Ordnung?
    Unsere Biosphäre scheint doch, bei allen Unwägbarkeiten (und Chaos-Anteilen) eine gewaltig geordnete Struktur zu sein.

    Und der Mensch ist mittendriin, wenn man so will, das geordnetste, nämlich das denkende Wesen……..

    So gesehen scheint die Erde ein Zentrum des Entropie-Mangels zu sein, wie es passiert, wenn außen genug Energie an den richtigen Stellen anwesend ist.

    Aber – natürlich – ist alles, was mit Entropie zu tun hat, ein schwieriges Thema.

    Hat sich, um nur eine Frage aufzuwerfen, die Ordnung (also die Nicht-Entropie) dann „von selber“ weiter entwickelt?

    Oder bedurfte es hier wieder einer Energie von außen?

    Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

    Gibt es einen Punkt, an dem Unordnung freiwillig in Ordnung kippt?

    Das schwierige an der Thermodynamik ist ja, dass man mit recht einfacher Mathemaik an großen Dingen und Geheimnissen rechnet, und dass die hauptsätze der Thermodynamik einerseits Erfahrungstatsachen sind, andererseits aber nur schwer wirklich eingestzt werden können…….

    ……da kann ich mich aber auch irren.

    LG KNI

  2. PinkPanther sagt:

    die Schwierigkeiten mit der Interpretation der Entropie fängt schon mit der Frage an:was ist Ordnung? Ist das nicht ein Willkürakt einer Musterekennung? Aus der sogenannten Chaostheorie wissen wir, dass Unorndung tatsächlich spontan in Ordnung übergehen kann, ohne Energie von außen. Aber – siehe oben – was heißt schon Ordnung…
    Die Thermodynamik ist mir sowieso nicht ganz geheuer, besonders der 2. Hauptsatz und die Sache mit dem Zeitpfeil… 😉

    ad Sinn verleihen: ja eben, wenn wir uns selber und dem Universum einen Sinn verleihen, brauchen wir uns nicht wundern oder demütig erstaunen, dass es auf einmal einen Sinn hat (anthropisches Prinzip oder so). Das besagt eigentlich gar nichts, außer dass unsere Denkstruktur keine Ruhe gibt, bis wir einen „Sinn“ erkennen können.

    Und ob das Leben eine kosmologische Randerscheinung ist wissen wir eigentlich auch nicht, bei dem lächerlichen kleinen Ausschnitt des Kosmos, den wir überhaupt erst kennen. Ein Wüstenbewohner würde wahrscheinlich auch das Meer als eine unbedeutende Randerscheinung des Planeten Erde bezeichnen.

    Aber furchtbar sind wir, definitiv 🙂

  3. Yeti sagt:

    Ich möchte mir auch nicht anmaßen, zu verstehen, was Entropie wirklich bedeutet.

    Die Frage wird nicht einfacher dadurch, dass es mindestens drei verschiedene Begriffe gibt, für die jeweils das Wort Entropie verwendet wird.

    • Entropie (Thermodynamik)
    • Entropie (Informationswissenschaften)
    • Entropie (Sozialwissenschaften)

    (siehe Wikipedia)

    Von welcher Entropie reden wir überhaupt?

    Meint
    Euer Christoph

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ich spreche von der thermodynamischen Entropie- falls das bis jetzt noch nicht klar sein sollte…..die ist meines wissens nach auch die älteste, der dreien.

    LG KNI

  5. Yeti sagt:

    @KNI

    Hi Kardinal. Ich wollte jetzt noch ein wenig nachlesen, was Entropie wirklich ist (Wikipedia: Entropie ist eine fundamentale thermodynamische Zustandsgröße. Sie beschreibt die Zahl der Mikrozustände, durch die der beobachtete Makrozustand des Systems realisiert werden kann.)

    Je mehr Mikrozustände also einen Makrozustand ergeben, desto wahrscheinlicher ist dieser natürlich und das System wird zu jenem Makrozustand streben, der am wahrscheinlichsten ist.

    Was uns am Leben so fasziniert, das sind die vielen Grenzen: Zellmembranen, ein Baum unterscheidet sich von einem anderen und wird als „zwei unterschiedliche Objekte“ wahrgenommen usw.

    Ist also die Frage: was ist „mikro“ und was ist „makro“. Wenn ich einen Baum als „mikro“ bezeichne, weil ich mich nur für das Weltall interessiere, dann ist der Zustand der Lebewesen auf der Erde „wurscht“.

    Aber wenn ich mich auf der Erde befinde, und alle Lebewesen als Makroobjekte erlebe, dann bewundere ich „Unwahrscheinlichkeit“, mit der dieses „platte“ Weltall solch „filigrane“ Lebewesen hervorbringt.

    Aber: das ist ja nur einer von unendlich vielen Mikrozuständen, die alle denselben Makrozustand ergeben (nämlich „Universum“).

    Ist also wieder mal eine Frage, wo ich die Systemgrenzen annehme, „von“ Größenordnung „bis“ Größenordnung und „von“ Galaxie „bis“ Galaxie.

    Meint
    Euer Christoph

  6. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti:

    Ich würde den Begriff Entropie nicht so von jenem der Energie trennen:

    Die Zahl der Mikrozustände sagt aus, wie viele Möglichkeiten es gibt, Energie zu verbuttern. Je mehr Möglichkeiten, desto geringer ist die Chance, dass die Energie dorthin geht, wohin sie gehen soll (das ist jetzt wieder eine anthropomorphe Sichtweise, aber was solls, es hilft ja, das etwas zu verbildlichen).

    Erst die Tatsache, dass sich die Energie so vielfältig verteilen kann, bedeutet dann „Unordnung“.

    Daher scheint mir die Beschreibung der Entropie NUR über Mikrozustände und Makrozustände eher als eine Symptombeschreibung, denn als Definition. Die Energie muss meiner Ansicht nach mit hinein!

  7. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti

    Weiter gehts, ich sende den Kommentar in zwei Tranchen, für den Fall dass der Kompi abstürzt (grins)

    Ich will jetzt die Erde, die natürlich ein Mikrozustand des Universums ist, genauer als Makrozustand von Molekülen aller Art betrachten: Da sieht man, dass der Ordnungsgrad der Erde ein enorm hoher ist. Ist das thermodynomisch möglich? Selbstverständlich, denn die Unordnung muss gemäß dem 2. HS der Thermodynamik in SUMME in einem geschlossenen System (dem Weltall) immer größer werden, das hindert die Erde nicht daran, so „ordentlich“ zu sein……

    …..genau so wenig wie ein Bücherregal an der Ordnung gehindert wird , das, durch äußere Einwirkung seines Besitzers schön nach Alphabet sortiert ist. Nur in Summe wird halt die Unordnung größer.

    Und dennoch bleibt es faszinierend, dass sich da, auf der Erde, gar so viel Ordnung gesammelt hat.

    Was natürlich nicht heißen soll, dass es nicht andere Stellen im Universum gibt (oder geben könnte), die ebensolche Inseln der Ordnung sind….

    Kurzum, meine Frage, die freilich ungelöst bleibt, lautet: könnte es sein, dass sich die Ordnung im Weltall an manchen Punkten gleichsam „sammelt“ und aufkonzentriert?

    Dass die Erde ein solcher Sammelpunkt ist?

    Insofern wäre die Erde eben schon ein herausragender Ort, und es würde auch dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik nicht widersprechen. Über solche „Ortsfragen“ sagt der 2.HS nämlich nichts aus, und meines Wissens gibt es diesbezüglich auch keine neueren Erkenntnisse….

    LG KNI

  8. Yeti sagt:

    Liegt der Ordnung immer ein „Wille zur Ordnung“ zugrunde? Ein Lebewesen, das die Ordnung bewußt herstellt, indem es Energie von den „ungeliebten Objekten“ in die „geliebten Objekte“ umleitet?

    Oder hat PinkPanther recht, wenn er sagt, dass Ordnung einfach nur Ansichtssache ist?

    Ich denke aber, dass die Sache mit der Anzahl der Mikrozustände doch recht anschaulich ist, wenngleich sie noch keine direkte Erklärung für den „Zeitpfeil“ darstellt.

    Es gibt nun mal sehr viel mehr Arten, wie man Bücher zu einem „ungeordneten“ Regal zusammenstellen kann, als es „geordnete“ Bücherregale gibt. Damit ist zumindest plausibel, warum es „von selbst“ immer in die Richtung der „Unordnung“ geht.

    Meint
    Euer Christoph

  9. Yeti sagt:

    Oder, anders gesagt: Ist das Leben das „Kühlsystem des Universums“, weil es die Energie davon abhält, einfach nur Wärme zu werden, sondern sie lieber in Ordnung investiert.

  10. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Yeti, PP

    Zum Thema „Ordnung ist Ansichtssache“:

    In der Physik der molekularen Größen eigentlich nicht!

    Denn hier wird klar zwischen der Enthalpie (Energie) und der freien Energie (Energie minus jener Energie, die für ungerichtete Schwingungen investiert wird) unterschieden.

    Der Begriff der „Ordnung“ ist natürlich anthropomorph, die Zahl der Schwingungs-Freiheiten, also die möglichen Schwingungszustände, sind das nicht! Und über diese rechnet man die Entropie.

    Der Begriff der Ordnung ist natürlich dann sehr praktisch, wenn man ein hochkompliziertes System wie etwa den Planeten Erde, nicht mehr mathematisch fassen kann. Trotzdem liegt diesem ein klar definierter Entropiebegriff zugrunde. Daher ist „Ordnung“ in diesem Zusammenhang keine Ansichtssache.

    @Yeti:

    Ob nun das Leben das Kühlsystem des Universums ist: interessante Frage.

    Es könnte aber genau so gut umgekehrt sein, dass zuerst ein lebloses anti-entropisches Kühlsystem das Werk beginnen muss, damit Leben überhaupt erst entstehen kann (das Henne-Ei-Dilemma).

    Auch die Frage, ob denn das biologische Leben zumindest als ein entropischer Kipp-Punkt wirkt, welches eine immer größere Ordnung bewirkt (hier also der Begriff „Ordnung“!), lässt sich wohl nicht beantworten. Das scheint dann in Richtung Lyrik zu wandern……..

    ….aber warum nicht? Denn Naturwissenschaften sind doch kalte Künste……..

    ……..wichtig scheint mir nur, die Grenzen zwischen diesem und jenem richtig ziehen zu können.

    LG KNI

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