Wie kommt das Geld in die Welt?

Hier, im ersten Artikel der Serie „Gedanken eines Technikers über die Weltwirtschaft“ (Einleitung siehe dort), werde ich nicht sofort und reflexartig darauf hinweisen, dass die Krise eben daraus folgt, dass man zuwenig in Forschung und Entwicklung investiert hat, sondern ich werde mich bemühen, dem Phänomen des Geldes ehrlich auf die Spur zu kommen.

Ein meiner Meinung nach guter Ansatz ist folgender Hinweis darauf, dass Geld eben keinen „Wert an sich“ darstellt, sondern nur das „Anrecht auf“ einen Wert: Gute Fee’s Weblog.

So hat man darauf hingewiesen, dass ein Geldschein eigentlich nichts anderes ist, als ein Schuldschein. Wenn Du 100 Euro in der Hand hast, dann hat der Staat, bzw. die Gesellschaft, Schulden bei Dir im Gegenwert von 100 Euro. Der Staat garantiert, dass es Güter und Dienstleistungen im „Gegenwert von 100 Euro“ tatsächlich gibt, dass du also theoretisch jederzeit in der Lage bist, diese 100 Euro gegen etwas „einzutauschen“, das dir wirklich nützt.

So weit, so theoretisch. Denn einerseits wissen wir aus der geschichtlichen Praxis, dass der „Wert des Geldes“ nicht immer konstant bleibt – der Staat garantiert dir nur einen „fiktiven Gegenwert von 100 Euro“, er garantiert nicht, wieviele Brote Du dafür tatsächlich bekommst, oder wieviele Liter Heizöl oder Benzin. Inflation kann ja einerseits heissen, dass es „zuviel Geld“ gibt, andererseits kann es auch bedeuten, dass es „zu wenig Waren und Dienstleistungen“ gibt.

In beiden Fällen bedeutet Inflation, dass sich nur mehr die Reichen alle Bedürfnisse befriedigen können, während sich die Ärmeren einschränken müssen (soziale Konflikte, letzten Endes Kriege sind vorprogrammiert).

Also, wie ist das jetzt mit der Geldschöpfung? (nachzulesen unter http://de.wikipedia.org/wiki/Geld)

Da gibt es einerseits das Bargeld. Dieses darf nur von der Zentralbank geschöpft (gedruckt) werden. Man bekommt Bargeld letzten Endes, indem es sich jemand von der Zentralbank ausgeliehen hat.

Weiters gibt es das Buchgeld. Dieses darf von den Kreditinstituten geschöpft und vernichtet werden, indem sie Kredite vergeben.

Der Kreditnehmer kann letzten Endes immer der Staatshaushalt, ein Wirtschaftsunternehmen oder ein Privathaushalt sein.

Hierbei ist also
Bargeld ein Anrecht auf eine Ware oder Dienstleistung
Buchgeld ein Anrecht auf Bargeld
eine Aktie ein Anrecht auf eine Dividende (die ja in den meisten Fällen auch Buchgeld ist)
eine Option ein Anrecht auf eine Aktie
und so weiter

Wir sehen also, dass sich Geld immer weiter vermehrt, je weiter wir uns von der Realität entfernen. Denn niemals werden alle, die „ein Anrecht auf“ eine Sache haben, gleichzeitig und gemeinsam von diesem Anrecht gebrauch machen, und darauf spekuliert man eben.

Jetzt fragt man sich: muss diese Blase aus Blasen aus Blasen nicht eines Tages platzen?

Nicht unbedingt.

Denn einerseits kann man der Blase „schön langsam und vorsichtig die Luft auslassen“ (Stichwort Transaktionssteuer).

Andererseits kann man ja die Realwirtschaft vergrößern.

Und das hat schon 1983 die Gruppe Geier Sturzflug gewußt.

Meint
Euer Christoph

7 Responses to Wie kommt das Geld in die Welt?

  1. Peter sagt:

    Mhh, im Ansatz ganz gut aber geht imo nicht tief genug…
    Wenn man sich anschaut was in den letzten Jahren getan wurde ist es so sicher wie das Amen in der Kirche das die Blase platzt!
    Neben deinen Möglichkeiten gibt es noch paar weitere ( siehe http://tandemvipera.blogspot.com/2011/07/die-bedeutung-des-kapitalkoeffizienten.html) und jeder kann sich selber überlegen was am wahrscheinlichsten ist.
    Viele Grüße

  2. Yeti sagt:

    Hallo Peter

    Danke für Deinen Kommentar.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist dieser Kapitalkoeffizient ein „Maß für die Zeit, die es dauern wird, bis wir wieder schuldenfrei sind“. Oder auch ein „Maß für die andauernde Belastung durch Zinsendienste“.

    Habe ich das richtig verstanden?

    Deine Idee vom „exponentiellen Wachstum“ erscheint faszinierend, wenn auch ein wenig zynisch 🙂

    Was wird im Wert K für den Kapitalkoeffizienten alles berücksichtigt? Enthält der auch Aktienbesitz und Verbindlichkeiten, die ausländische Kreditnehmer bei uns haben?

    Lg
    Christoph

  3. Kardinal Novize Igor sagt:

    Nur ein Detail am Rande:

    Geld ist nicht gleich Geld. Jenes Geld, das dauernd im Umlauf ist, also das von Klein- und Mittelverdienern, treibt die Inflation nicht an. Denn dieses wird dauernd in realen Werten umgesetzt.

    Das gespaarte und gehortete Geld hingegen ist ab einem gewissen Ausmaß eine Gefahr: Denn eben hierfür gibt es nichts zu kaufen!

    Beispiel: karl Wlaschek hat Billa verkauft- und dann wußte er lange Zeit nicht „wohin“ mit dem Geld! Um diese Milliarden hat es einfach nichts zu kaufen gegeben!

    LG KNI

  4. Peter sagt:

    Hallo Christoph,
    sehr gerne. Der Blog ist nicht von mir aber ich versuch trotzdem zu antworten. Bin gerade noch am einarbeiten in die Theorie.
    „Maß für die Zeit, die es dauern wird, bis wir wieder schuldenfrei sind“
    das ist er sicher nicht, da ein auf Schulden basierte Geldsystem niemals schuldenfrei sein kann. Es gilt grundsätzlich Schulden = Guthaben! Man kann natürlich über die Außenhandelsbilanz anderen das Schulden machen in teilen überlassen aber wie man aktuell sieht funktioniert das auch nicht lange.
    Der Kapitalkoeffizient gibt erst mal nur das Verhältnis Kapitaleinsatz zu BIP an. Der hacken an der Sache ist jetzt das der Zinsdienst immer aus dem BIP bedient werden muss. Folglich führt ab einem gewissen Punkt weiter Kapitalerhöhung zu keinem höheren BIP mehr. Das kann man mittels der Kapitalproduktivität dY/dt / dK/dt messen. Hab ich gerade kein Bild online aber diese geht von um 1 (1950) bis nun um 0 (2010) und wird negativ werden.
    Also führt Kapitalwachstum irgendwann sogar zu sinkendem BIP Wachstum. Um diesen Punkt herum sind wir mittlerweile.
    Unter K versteht man die Summe aller nationalen Bankaktiva und damit auch alle nationalen Bankpassiva (da Aktiva=Passiva) siehe auch http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?func=row&tr=ou0308

  5. Yeti sagt:

    Hallo Peter, jetzt ist das Ganze schon ein wenig verständlicher.

    Wenn man bedenkt, dass die meisten Wirtschaftssubjekte nur deswegen Geld aufnehmen, um damit irgendwelche anderen Güter und Dienstleistungen zu bezahlen (z.B., um ein Haus zu bauen), dann heisst das ja, dass auch das Privatvermögen dementsprechend gewachsen sein muss.

    Dieses Privatvermögen für Investitionen in die Zukunft „anzuzapfen“ und gleichzeitig „Vermögensblasen“ abzubauen, das müßte also der Weg für die Zukunft sein, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Natürlich gepaart mit den „guten alten Begriffen“ von Fleiß und Innovation, wenn ich das richtig sehe.

    Da ich nun einmal ein Fan der Transaktionssteuer bin, und da ich immer schon der Meinung war, dass man gänzlich neue Märkte „erfinden“ kann (wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass man mit Mobilfunk Geld machen kann?), habe ich nicht wissenschaftlich korrekt so wie das zitierte Blog, sondern gänzlich subjektiv einen neuen Artikel geschrieben, in dem ich versucht habe, die Sache nochmal pointierter darzustellen.: https://letztersein.wordpress.com/2011/12/03/sind-staatsschulden-gut-oder-bose/

    MfG
    Christoph

  6. Kardinal Novize Igor sagt:

    @Peter:

    Es scheint in die Richtung zu gehen, dass das BIP als Parameter unbrauchbar wird….

    Gibt es Theorien zur Etablierung neuer Kenngrößen diesbezüglich?

    lg KNI

  7. Peter sagt:

    Guten Abend Christoph
    Wie gesagt es gilt immer Schulden = Guthaben. Keiner lässt seine Vermögen gerne anzapfen insbesondere die welche viel davon haben 🙂 Deshalb wird das nur sehr begrenzt funktionieren. Für realwirtschaftliche Investitionen gibt es in einer gesättigten Volkswirtschaft zu wenig Möglichkeiten. Darum geht der größere Teil auch ins große Kasino. Aber auch diese Renditen müssen immer aus dem aktuellen BIP bedient werden wie bereits oben beschrieben. Und bei der Transaktionssteuer schaffen sie ja nicht mal ein Promille. Sehe das also eher nüchtern aber wir werden es erleben. 🙂

    @KNI
    Mhh, ich bin auch kein Fachmann aber ich sehe das so. Die Frage ist ja was man messen will. Als Kenngröße für eine Volkswirtschaft funktioniert es nach wie vor. Dass das BIP steigt wenn ich dir das Haus anzünde und du es wieder aufbauen musst ist eine ganz anderer Aspekt aber die Arbeiter zahlen trotzdem ihre Steuern usw.

    Viele Grüße

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