Noch einmal Regionalität

Liebe Leser!

Tatsächlich hatte ich versucht, die Begriffe Nachhaltigkeit und Regionalität aus meiner Sicht zu definieren.

Siehe dazu den Artikel: Nachhaltigkeit und Regionalitat

Doch bei der Definition des Begriffs Regionalität hatte ich mich darauf beschränkt, ein paar Beispiele anzugeben, welche Dinge es denn seien, die wir in der Region pflegen möchten:

  1. Sitten und Gebräuche, Kultur, Dialekte
  2. Die Wertschöpfung in der Produktionskette
  3. Das regionale Know How der Menschen
  4. Transportwege
  5. usw.

Am offensichtlichsten sind es die Transportwege, deren Kurzhaltung mit dem Umweltschutz und mit der Nachhaltigkeit zu tun hat, doch auch die anderen Beispiele möchte ich diesmal ein wenig ventilieren.

Aber zuerst muss ich noch eine Kleinigkeit bezüglich des

Begriffs der Nachhaltigkeit

klarstellen.

Meine Definition, wonach es sich bei Nachhaltigkeit um die „Ausdauer bei der Verfolgung von guten Zielen“ handelt, ist eine heuristische, auch ethisch-moralische und eigentlich psychologische Definition und hat sehr wenig mit der üblichen wirtschaftlichen Definition zu tun:

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit ist als wirtschaftliches Handlungsprinzip also klar definiert, wenngleich es für den Konsumenten nicht einfach ist, nachhaltige Güter von solchen zu unterscheiden, die nicht nachhaltig produziert werden.

Wem es also um sein gutes Gewissen geht, der sollte sich lieber an meine Definition und an die zehn Gebote halten 🙂

Doch nun zurück zur

Regionalität,

welche leider ÜBERHAUPT NICHT DEFINIERT ist. Jeder Produzent darf seine Produkte als regionale Produkte bezeichnen und wird das auch tun, wenn es einen marketing-technischen Vorteil bedeutet.

Der Begriff „regionales Produkt“ vermittelt uns, insbesondere bei Lebensmitteln, ein „heimeliges Gefühl von Vertrautheit“, denn sind wir uns ehrlich: zu den „anderen“ dort draussen, jenseits unseres geistigen Horizonts, haben wir einfach kein Vertrauen. „Wer weiss schon“, denken wir uns, wer weiss denn schon, „was die uns für grausliche Sachen ins Essen mischen“? Den Großbauern aus dem Dorf kenn‘ ich aus der Kirche, da hab‘ ich alles unter Kontrolle.

So denken wir.

Leider.

Dabei ist uns nicht bewußt, dass zum Beispiel (das ist jetzt ein frei erfundenes Beispiel) der gute regionale Schinken von Schweinen stammen kann, die mit südamerikanischem Genmais gemästet und im Ausland geschlachtet worden sind.

Auch ist Regionalität kein hinreichendes Kriterium für Nachhaltigkeit. Ein regionaler Paradeiser aus dem Glashaus kann einen größeren ökologischen Fußabdruck haben, als die Freiland-Tomate aus Italien.

Aber,

Abseits aller Polemik,

was ist es, das vom Begriff „Regionalität“ als Quintessenz übrig bleibt?

Nun, einerseits ist es die Heimat und das Vertraute.

Ich habe das jetzt nicht überprüft, aber ich könnte mir vorstellen, dass unser „globalisierter Speiseplan“ mit ein Grund sein könnte, warum die Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien immer häufiger werden.

Unser Immunsystem und unsere Verdauung können mit unserer polyglotten Lebensweise nicht mit, die zusätzlich zu anderen Streßfaktoren auf uns einprasselt.

Das Andere macht uns auch Angst. Angst tut uns nie gut. Da ist natürlich der Stadtbewohner ausnahmsweise einmal derjenige, der einen sehr hohen Angstumsatz gewohnt ist, und also mit Angst vor dem fremden Menschen besser umgehen kann, als der Dorfbewohner. In den meisten anderen Disziplinen ist ja der Dorfbewohner der robustere.

Dann sind es die Transportwege. Lange Transportwege sind natürlich Verursacher für Verkehrslärm, Abgase, Erdölverbrauch, Kohleverbrauch et cetera.

Aber gerade diese Frage ist eine sehr komplexe Frage, die man für die verschiedenen Lieferketten und Produkte getrennt betrachten müsste.

Es ist sicher nicht nachhaltig, wenn jede Region eine eigene Fabrik für Festplattenlaufwerke baut, die dafür nur geringe Stückzahlen in die Region liefert.

Es ist auch sicher nicht nachhaltig, wenn jeder Mensch in einem Einfamilienhaus mit Gemüsegarten, einem Schwein und einer Schar Hühner lebt. Insbesondere könnte man die vorhandene Anzahl von Menschen nicht nachhaltig aufrecht erhalten.

Gerade bei dieser Frage sollten wir a) die externen Kosten (behutsam) internalisieren und b) den Rest den Markt machen lassen. Denn auch, wenn die Lebensmittel dadurch teurer werden, kann man immer noch die Unterschicht mit einem Essenszuschuß direkt subventionieren („Brot und Spiele“). Das birgt natürlich den Keim der Sklaverei in sich und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Meint

Euer Christoph

18 Responses to Noch einmal Regionalität

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Also bezüglich deinen Ausführungen über Regionalität und Nachhaltigkeit muss ich dir in einigen Punkten doch recht vehement widersprechen.

    Ich teile meinen Kommentar in 2 Teile, weil ich gleich in die Frühmesse gehe! : )

    Stimmt, es wäre schön, wenn Regionalität besser definiert wäre.

    Was du aber als „nicht nachhaltig“ bezeichnet hast, zb. eine lokale Industrie, eine kleinräumige Landwirtschaft, sind GENAU das, was wir brauchen.

    Erklärung in Kürze.

    Jetzt einmal zum Thema „Angst“: Offensichtlich meinst du hier das Migrationsproblem, du lässt aber in deinen Ausführungen viele wichtige Aspekte aus: Gibt es nicht auch begründete Ängste?

    Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass die Landbevölkerung mit der Corona-Angstmache viel realistischer und besser umgegangen ist als der medial verblödete Stadtmensch. Globale Meinungsmacher können eben auch globale Ängste schüren, da lobe ich mir die Regionalität- und wenn du umgekehrt sagst, die Stadtmenschen hätten weniger Angst vor Migration:

    Allen, die vor BERECHTIGTEN Gefahren gewarnt haben, sind als „Angstschürer“ diffamiert worden: Kann es vielleicht sein, dass du dem Angst-Monopol des ORF aufsitzt?

    to be continued,

    LG KNI

  2. Kardinal Novize Igor sagt:

    Fortsetzung:

    Mir fehlt also 1) die Unterscheidung in berechtigte und unberechtigte Ängste, und

    2) die Kenntnisnahme, dass es auch Ängste in der Stadt gibt. Zum Beispiel die Angst vor dem „bösen Nadsi“, der aber für die Stadtlinken jeder ist, der sich ihrer Schwachsinnsmeinung nicht vollkommen unterwirft.

    Conclusio: Nein, Angst ist kein Merkmal für Regionalität.

    Kommen wir zu den wirtschaftlichen Aspekten: Wieso soll eine Glashaus-Tomate aus dem Ort nicht nachhaltig sein??

    Selbstverständlich ist diese nachhaltig, ebenso wir der kleine Garten, weil dann die Zucchini, die Gurke, das Hendl etc OHNE Verpackungsmaterialien auskommt und OHNE Transportkosten. Was bitte ist daran schlecht??

    Ebenso wäre eine Klein-Industrie NATÜRLICH wünschenswert, zumal diese heute schon möglich wäre. Das ist nur einer Gruppe ein Dorn im Auge: Den Globalisten.

    Aus deiner „Argumentation“ (sorry für die Anführungsstriche) kann man also nur eines heraus lesen: Du magst Regionalismus nicht. Warum auch immer. Die hier von dir angeführten Argumente scheinen eher nur „Platzhalter“ oder „Strohmänner“ zu sein, für eine Motivation, die du hier offensichtlich nicht preisgeben willst.

    LG KNI

    • Yeti sagt:

      Servus KNI,

      Habe momentan keine Zeit ausführlich zu antworten. Nur bezüglich der Tomaten lass‘ mich antworten. Ich beziehe mich dabei auf https://www.umweltdialog.de/de/verbraucher/lebensmittel/2015/Klimakiller-Tomaten-.php

      Die Zahlen:

      Konventioneller Anbau im heimischen, beheizten Gewächshaus außerhalb der Saison 9,3 kg CO2 je kg Tomaten
      Ökologischer Anbau im heimischen, beheizten Gewächshaus außerhalb der Saison 9,2 kg CO2 je kg Tomaten
      Flugwaren von den Kanaren 7,2 kg CO2 je kg Tomaten
      Konventioneller Anbau im nicht beheizten Gewächshaus 2,3 kg CO2 je kg Tomaten
      Freilandtomaten aus Spanien 0,6 kg CO2 je kg Tomaten
      Konventioneller Anbau in der Region während der Saison 0,085 kg CO2 je kg Tomaten
      Ökologischer Anbau in der Region während der Saison 0,035 kg CO2 je kg Tomaten

    • Yeti sagt:

      Im übrigen gebe ich Dir durchwegs recht. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Aussagen, die Dir fehlen, gar nicht im Scope dieses Artikels sind, da ich ja kein vollständiges wissenschaftliches Buch über Regionalität schreiben wollte, sondern einfach einen Blogartikel.

      Wahrscheinlich schreibe ich an diesem Wochenende einen neuen Artikel, um diese Dinge klar zu stellen.

      Lg

      • Kardinal Novize Igor sagt:

        Natürlich meinte ich nicht beheizte, sondern nur unbeheizte Glashäuser.
        2) Wenn man Regionalität verstehen will, muss man sie aus möglichst allen perspektiven verstehen.
        3) Dieses „es ist ja nur ein blog“ – Argument halte ich zwar für asosozial, weil ich mir dann mein Gehirn über halbgare Gedankenfurze deinerseits zerbreche, aber ich nehme das zur Kenntnis-
        Dein Bier.
        Mein Bier ist es allerdings, ob ich hier kommentiere oder nicht. Und das werde nur mehr dann tun, wenn du deine Sachen gut überlegt hast. Weil: über halbgarem Zeug zu brüten, dazu ist meine Zeit zu schade, und das mute ich umgekehrt auch meinen Lesern nicht zu.
        LG KNI

  3. Yeti sagt:

    Lieber KNI,

    Ich verstehe das. Auch ich würde ganz gerne jeden Gedanken ordentlich verdauen und einen schönen Sch……fen abliefern.
    Aber, so wie Du, betreibe ich dieses Hobby gratis und muss „nebenbei“ eine Familie ernähren.
    Deshalb ist die „Suppe manchmal recht dünn“. 🙂

    Lg

    • Yeti sagt:

      Da ich diese Woche wsl. keine Zeit mehr habe, einen neuen Beitrag zu schreiben, möchte ich wenigstens in Stichworten erklären, was ich vorhabe.
      1) Durch die bisherige Diskussion hat es den Eindruck als wäre Regionalismus = pro Land und Globalismus = pro Stadt.
      Dem widerspreche ich, denn es gibt nicht nur ländliche Regionen, sondern eben auch städtische Regionen.
      2) dazu werde ich versuchen, klarer heraus zu arbeiten, was ich unter einer Region verstehe. Und ich werde auch versuchen, näheres über den Begriff „Europa der Regionen“ herauszufinden.
      3) Die Angst vor dem Anderen hatte ich als eine mögliche Ursache für Regionalismus angegeben. Da der Angstbegriff aber offensichtlich so wichtig ist, werde ich versuchen, umfassender zu antworten
      4) eine Unwahrheit muss ich aufklären: entsprechend der verlinkten Tabelle haben Tomaten aus unbeheizten (!) Glashäusern auch einen größeren ökologischen CO2 Fußabdruck als Freilandtomaten aus Spanien.
      5) Niemand hat etwas gegen Einfamilienhäuser mit Gemüsegarten. Ich verwehre mich nur gegen die Behauptung, dass dieser Lebensstandard für ALLE Menschen aufrecht erhalten werden kann.

      Lg

  4. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ich bezweifle die Seriosität der Seite Umweltdialog. Einer der Sponsoren ist das WEF, also Nein Danke.

    LG KNI

  5. nik sagt:

    Hi Christoph!
    Zwei Fragen:
    1. Habe instinktiv „Nachhaltigkeit und Religiosität“ gelesen, ein Freud’scher Verleser. Wie wär’s mit „Religionalität“ ? hmmm…
    2. Ist das Glashaus, aus dem die Tomaten eingeflogen werden, eigentlich jenes, in dem wir sitzen und Steine werfen…?
    LG Nik

    • Yeti sagt:

      Lieber Nik,
      wenn Du derselbe Nik bist, dann ist es sehr erfreulich, dass Du WIEDER den Weg auf dieses Blog gefunden hast.
      Wenn Du ein neuer Nik bist, dann herzlich willkommen hier.
      Und was Deine Anmerkungen betrifft, so kann ich dazu nur „Amen“ sagen 😉
      Lg
      Christoph

    • Yeti sagt:

      Im übrigen habe ich mir vorgenommen, nicht mehr nur unverdautes Zeugs zu posten, sondern möchte wieder „richtige Scheiße“ liefern. Denn die ist der „eigentliche und ökologisch wichtige Output der Menschheit“ 🙂

      Deshalb kann ich jetzt auch nicht sofort auf KNIs Einwände eingehen, sondern muss warten, bis „sich das alles gesetzt hat“.

      Lg
      Christoph

  6. nik sagt:

    Der leisen Kritik Richtung Einfamilienhaus würde ich mich anschließen. Ist nur heikel, das den Wählern zu verkaufen.
    LG nik

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