Die Liebesfalle

Wie ich bereits im siebenten Büchlein erörtert habe, wollen wir Men­schen geliebt werden.

Die Liebe ist die größte Stärke des Menschen, aber auch seine größte Schwäche.

Weil wir Angst vor dem sozialen Tod haben, haben wir auch Angst davor nicht geliebt zu werden.

In unserer Angst tun wir dann die verrücktesten Sachen – das ist der „Unsinn des Gewissens“. Und eigentlich ist es auch der Ursprung des Bösen.

Wie meine ich das?

Nun, man sagt das grundlegendste, das ursprünglichste und das erste Bedürfnis jedes Menschen sei es, angenommen zu sein, wie man ist. Also geliebt zu werden, ohne sich anbiedern zu müssen.

Wenn dieses Bedürfnis nicht befriedigt wird, vor allem nicht von den Eltern, dann reiten wir in unserer Verzweiflung von einer Trotzphase in die nächste.

Wir machen verrückte Purzelbäume, schneiden uns nicht die Haare, waschen uns nicht und fangen an zu stinken, nehmen Drogen, schwänzen die Schule und drohen damit unser Leben wegzuwerfen, solange, bis dieses grundlegendste aller Bedürfnisse erfüllt wird.

Aber ich darf nicht ungerecht sein. Die Strategie, die ich soeben beschrieben habe, die „Strategie des Trotzes“, wird nicht von jedem Kind oder Jugendlichen verfolgt.

Manche, vor allem schwache Charaktere, wählen auch den „Weg der Anpassung“. Sie erkaufen sich die Anerkennung, indem sie sich selbst verbiegen. Und bringen sich selbst um die Befriedigung des grundlegendsten aller Bedürfnisse.

Das sind die wirklich unglücklichen, also bösen Charaktere.

Die Mitläufer, die Denunzianten, die mit den Wölfen heulen und die das „Fahrradfahren“1 beherrschen.

Das ist der „Unsinn des Gewissens“ in Reinkultur. Das ist die Grund­lage aller Neurosen und Psychosen und davon leben die Psychiater und Beichtväter seit Generationen.

Meint

Euer Christoph

1Fahrradfahren = nach oben buckeln und nach unten treten

5 Responses to Die Liebesfalle

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ja, geliebt werden ist wichtig. Das mit den Eltern „vor allem…“ sehe ich ein bisschen anders. Im Gegenteil, für mich war es wohltuend, Freundschaft bewusst außerhalb des Elternhauses zu erleben.

    Es war mir bald klar, dass es zu den Privilegien des Lebens gehört, sich seine Freunde selber auszusuchen. Bei den Eltern geht das nicht. Was nicht heisst, dass sich die Beziehungen zu den Eltern nicht auch auf ein höheres als bloß instinktives Level entwickeln können.

    Daher gibt es bei den Eltern auch jene Strategie, dass man sich einfach vertschüsst. Und weder revoltiert, noch buckelt. Und ab einem gewissen Alter, und wenn die Eltern gestorben sind, muss es sowieso um was anderes gehen.

    Oder, wie heißt es so schön? Bis 20 Jahre sind die Eltern für sein Gesicht verantwortlich. Ab 40 ist man es selbst.

    LG KNI

    • Yeti sagt:

      Damit hast Du Recht. Die „Menschen, von denen wir abhängig sind“, sind in jedem Lebensalter andere.
      Ich werde das in der endgültigen Version des Büchleins ändern.

  2. Kardinal Novize Igor sagt:

    Noch was: Nicht jeder unglückliche Charakter ist böse, nicht jeder glückliche Charakter ist gut. Das würde nur dann stimmen, wenn wir Menschen Automaten wären. Sind wir aber nicht; und die Heiligen erzählen uns von Prüfungen, die nicht zwangsläufig glücklich machen…

    LG KNI

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