Von Ursache uns Wirkung, Verantwortung

Mit diesen Fragen möchte ich mich in einem elften Büchlein beschäftigen. Und ich habe die ersten Kapitel schon hier veröffentlicht.

Wenn wir also noch immer nicht wissen, was das Wesen von Ursache und Wirkung ist, dann stellen sich natürlich große Fragen:

  1. Wie können wir behaupten der Urknall sei die Ursache für das Universum, wenn wir eben gar nicht wissen, was das ist – eine Ursache.
  2. Ist das Verstehen einer Ursache nicht einfach nur, dass man sich an eine bestimmte Erklärung „gewöhnt“?
  3. Gibt es also einen „freien Wettbewerb der Erklärungs­versuche“ oder gibt es Erklärungen, die „richtig“ sind und „falsche“ Erklärungen?
  4. Kann man einen Ursache/Wirkungszusammenhang immer weiter in Unterursachen und Unterunterursachen zerlegen, solange, bis die untersten aller Ursachen evident zutage treten?
  5. Besteht ein Beweis also in einer „Zerlegung des Problems“?
  6. Wie ist das mit Menschen, deren „Modell im Kopf“ nicht der Realität enstpricht? Die also an „falsche“ Ursache/Wirkungs­zusammenhänge glauben, und demzufolge immer an ihren Aufgaben scheitern.
  7. Sind solche Menschen für das Scheitern verantwortlich zu machen? Sie sind ja nur verwirrt.
  8. Ich denke an den Begriff des „Trottelprivilegs“, der in der Sendung „Was gibt es Neues“ so schön diskutiert worden ist.
  9. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe, aber sie schützt vor Sünde. Ist also „Dummheit das achte Sakrament“?
  10. Tragen intelligentere Menschen mehr Verantwortung als dumme Menschen? Kommt daher unser ständiges „Sich-dumm-stellen“?

Meint

Euer Christoph

18 Responses to Von Ursache uns Wirkung, Verantwortung

  1. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ich würde unterscheiden zwischen moralischer und physikalischer Ursache und mich um Ersteres kümmern.

    Weil wenn du jetzt alle physikalischen Ursachen untersuchst, zb Urknall, bevor du zum Thema „Schuld“ kommst, wirst du dich dort verzetteln. Das sind ja alles für sich riesige Themen.

    Das ist ja das Problem der neuzeitlichen Philosophie: Sie will alles „wissen“, „definieren“, bevor sie sich dann mit den eigentlichen Problemen (zu denen auch die Schuld gehört), befasst. Aber dazu kommt es nie, weil sie sich schon mit der Definitionsarbeit überfordert.

    Diese Strategie ist, wie die ganze Neuzeit, naiv. Ja, eigentlich sogar materialistisch.

    Denn sie geht davon aus, dass man alles intellektuell erfassen kann. Was aber nicht der Fall ist. Weil sie aber von dieser Annahme nicht abläßt, versucht sie einen anderen Ansatz nicht einmal, zb einen intuitiven oder mystischen oder spirituellen oder künstlerischen Ansatz.

    Und dadurch beschneidet sich der Mensch in seinen größten Fähigkeiten.

    Natürlich plaudere ich auch gerne über den Urknall, aber ich halte das, wenn wir das Thema „Schuld“ im Auge haben, für wenig effektiv.

    LG KNI

  2. Kardinal Novize Igor sagt:

    Insoferne zu Pkt. 4): kann man bis zu einem gewissen Grad, aber irgendwann nicht mehr mit Worten, sondern nur noch durch Kontemplation.

    Mit Ergebnissen, die ihrerseits nicht mehr in Worte zu fassen sind.

    LG KNI

  3. Kardinal Novize Igor sagt:

    Zu Pkt 10: Sehr interessanter Ansatz!!

    LG KNI

  4. Yeti sagt:

    Lieber @KNI,
    Danke für Deine Hinweise, die ich so zusammenfasse, dass Du mich darauf aufmerksam machst, dass ich mich nicht im naturwissenschaftlichen Ursache/Wirkungs-Begriff verzetteln soll.

    Insoferne möchte ich nochmal erklären, warum ich diesen Weg gehe.

    Ich möchte über den Begriff vom „Modell im Kopf“ dahingelangen, dass es einer gewissen Intelligenz bedarf, um mit Handlungen im Universum die gewünschte Wirkung hervorzurufen.

    Das führt uns dann zum Begriff der Verantwortung. Einen Menschen, der so dumm ist, dass keine einzige seiner Handlungen den gewünschten Erfolg erzielt, kann man nicht verantwortlich machen —> Trottelprivileg.

    Aber was ist Schuld? Ist die Absicht zu bestrafen oder der Erfolg? Wofür trage ich die Verantwortung? Für das Wollen oder das Vollbringen? Im Hochgebet beten wir: „Du (Gott) schenkst das Wollen und das Vollbringen“

    Usw.

  5. Kardinal Novize Igor sagt:

    Es gibt aber auch Heilige, die dumm sind. Dumme, die heilig sind.

    Als glaubender Mensch bin ich überzeugt, dass die Wirksamkeit einer Handlung nichts mit der Intelligenz des Handelnden zu tun hat.

    Denn: für das physische Universum sind unsere Handlungen sowieso bedeutungslos.

    Für das geistige Universum, welches das Himmelreich ist, zählt nur die gute Absicht: die Heiligkeit.

    Es bedarf keiner Intelligenz, und hätten wir Intelligenz, würden wir auch nichts ändern.

    Wenn, dann geht es um moralische Intelligenz. Aber auch dafür brauchen wir keine Naturwissenschaften.

    „Seht, mein Knecht hat Erfolg“. Am Kreuz.

    LG KNI

  6. Yeti sagt:

    Das „Modell im Kopf“ geht weit über die Naturwissenschaften hinaus.

    Wie muss ich mich verhalten, um Leiden zu vermeiden? Wie muss ich mich verhalten, um Lust zu gewinnen?

    Und natürlich gibt es eine Rangordnung von Leiden und Lust. Manchmal wird man „niedrige“ Formen des Leidens in kauf nehmen (Schmerzen), um „höhere“ Formen der Lust (Heiligkeit) zu erreichen.

  7. Kardinal Novize Igor sagt:

    Natürlich hat jeder solche „Modelle im Kopf“, da stimme ich dir zu, und auch, dass dies dazu dient, Leiden zu vermeiden. Und dass dieses Modell der stetigen Prüfung bedarf. Letzteres halte ich für besonders wichtig.

    Jetzt verstehe ich aber immer noch nicht, in wie fern diese Modell im Kopf (abk. MiK) durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse wesentlich beeinflusst werden soll.

    Denn einerseits sagst du: „Ich möchte über den Begriff vom „Modell im Kopf“ dahingelangen, dass es einer gewissen Intelligenz bedarf, um mit Handlungen im Universum die gewünschte Wirkung hervorzurufen.“

    Woraus ich schließe, dass es bei deinem MiK eben um Handlung mit effektiver Wirkmacht geht. Hierfür brauche ich praktische Intelligenz, zb. Ingenieurs-Intelligenz oder Menschenkenntnis usw.

    Dann sagst du:
    „Das führt uns dann zum Begriff der Verantwortung. Einen Menschen, der so dumm ist, dass keine einzige seiner Handlungen den gewünschten Erfolg erzielt, kann man nicht verantwortlich machen…“

    -Meinst du damit, dass man ihn für seine Erfolglosigkeit nicht verantwortlich machen kann? Da würde ich dir zustimmen. Es kommt ja auf das Bemühen an, nicht auf den Erfolg.

    Nachdem du nun schreibst: „Das „Modell im Kopf“ geht weit über die Naturwissenschaften hinaus.“

    -interpretiere ich das so, dass du unter MiK eher als eine Einstellung zu den spirituellen Dingen siehst; und sich aus dieser Einstellung, der Erfolg ergibt oder eben nicht. Also dass es beim MiK weniger um „Ingenieurs-Intelligenz“ und mehr um metaphysische Intelligenz geht, also eher zb. Menschenkenntnis, Wissen um Recht und Unrecht, das „Gspür“.

    Zum Beispiel „positiv auf die Menschen zugehen“, und dadurch die Menschen zu motivieren und zu „bewegen“. Nur so als Beispiel.

    Gut, da bin ich bei dir.

    Aber: Andererseits schreibst du: „dass ich mich nicht im naturwissenschaftlichen Ursache/Wirkungs-Begriff verzetteln soll.

    Insoferne möchte ich nochmal erklären, warum ich diesen Weg gehe.“

    Da scheint noch irgendwas nicht zusammen zu passen. Oder meinst du mit „diesem Weg“ doch etwas anderes?

    LG KNI

  8. Kardinal Novize Igor sagt:

    Noch ein paar Überlegungen:

    Solltest du mit MiK beides meinen, sowohl technische als auch metaphysische Intelligenz, so würde sich das MiK auf die metaphysische Intelligenz herunter kürzen. Denn:

    Angenommen, unser erfolgloser Mensch ist erfolglos, weil er für seine Handlungen nicht genügend „technische“ Intelligenz besitzt. (Sei es, dass er ein Koch ist, der nicht kochen kann oder ein Schriftsteller der nicht schreiben kann usw).

    Nehmen wir aber an, dieser Mensch habe eine hohe metaphysische Intelligenz, dh. er weiß, dass es nicht auf das Resultat, sondern auf das Bemühen ankommt: Dann wir der technische Misserfolg sein MiK in den grundlegenden Dingen nicht ändern. Er wird sich weiter bemühen, und versuchen, seine technsichen Mängel zu beheben, oder wird sich überlegen, ob sein Talent nicht doch woanders liegt, er wird wohl leiden, aber wie du sagt, dennoch jene „höhere Lust“ innewohnend haben, weil er ja nach seinem Gewissen gehandelt hat.

    Angenommen, der Mensch sei erfolgreich und metaphysisch intelligent. Den Fall müssen wir nicht weiter behandeln, denn der wird ohnedies glücklich sein.

    Angenommen, der Mensch habe ein vollkommen falsches MiK auf metaphysischer Ebene (zb Hitler, Stalin, sonstige): Dann wird ihn der größte Erfolg nicht anhaltend glücklich machen (wie man bei Stalin sieht).

    Es läuft also alles auf den metaphysischen (moralischen, geistlichen, himmlischen…) Aspekt des MiK hinaus, wenn wir auf der Suche nach dieser höheren „Lust“ sind. Wie bei einem Bruch, wo sich im Zähler und im Nenner ein x herauskürzt, können wir den Faktor „Naturwissenschaften“ weg lassen.

    LG KNI

  9. Kardinal Novize Igor sagt:

    Noch eine Anmerkung zu dieser höheren „Lust“: Die Mystiker sagen, man möge sie NICHT suchen. Weil man sonst erst recht wieder nur was für sich will.

    Andererseits wäre es natürlich schwachsinnig (sozusagen ein schlechtes MiK), sich darob künstlich Leiden zuzufügen. Das kann es nicht sein.

    Ich interpretiere das so: Wer Gutes tut, um „Lust“ zu empfnden, tut nichts Gutes. Nichts Böses zwar, aber eben auch nichts Gutes.

    Man tue Gutes, damit Gutes ist. Auch wenn man dabei „Unlust“ verspürt.

    LG KNI

  10. Yeti sagt:

    Lieber @KNI. Mit Hilfe Deiner Anregungen habe ich jetzt das neue Kapitel fertig geschrieben. Es kann sein, dass dieses Kapitel mitten drinnen zu abrupt „abbiegt“, aber vielleicht muss das so sein:

    Die wahre Ursache

    Nun haben wir uns schon ein bisschen an den Begriff der Ursache angenähert und können daher weitere Fragen stellen:

    1. Ist die Ur-Sache nicht eigentlich die „erste“ Sache, also die Sache, die schon vorher da war – so ähnlich wie der Ur-Mensch der erste Mensch war und die Ur-Sünde die erste Sünde und die Ur-Form die erste Form?
    2. Besteht das „Verstehen“ einer Ursache nicht nur einfach darin, dass man sich an eine bestimmte Erklärung gewöhnt hat?
    3. Kann es also verschiedene Erklärungen zu ein und demselben statistischen Zusammenhang geben? Was ist die „wahre“ Ursache. Können mehrere Erklärungen gleichzeitig „wahr“ sein?
    4. Besteht Naturwissenschaft denn nicht einfach darin, die sogenannten „großen“ Zusammenhänge auf „kleine“ Zusammenhänge zurückzuführen.
    5. Sind Naturgesetze nicht die Formulierung derartiger „kleiner“ Zusammenhänge, die man sich dann eben nicht mehr weiter erklären kann, die aber evident zu Tage treten?
    6. Besteht ein Beweis also nicht einfach in einer Zerlegung des Zusammenhangs in kleine Zusammenhänge?
    7. Wird das Gesamtsystem durch diese Zerlegung nicht immer komplexer? Letzten Endes so komplex, dass man die Chaos­theorie anwenden muss und der „Schmetterlingseffekt“ zum Tragen kommt? Wo es keine Verantwortlichkeit mehr gibt?
    8. Wie ist das mit Menschen, deren „Modell im Kopf“ nicht der Realität enstpricht? Die also an „falsche“ Ursache/Wirkungs­zusammenhänge glauben, und demzufolge immer an ihren Aufgaben scheitern.
    9. Sind solche Menschen für das Scheitern verantwortlich zu machen? Sie sind ja nur verwirrt.
    10. Ich denke an den Begriff des „Trottelprivilegs“, der in der Sendung „Was gibt es Neues“ so schön diskutiert worden ist.
    11. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe, aber sie schützt vor Sünde. Ist also „Dummheit das achte Sakrament“?
    12. Tragen intelligentere Menschen mehr Verantwortung als dumme Menschen? Kommt daher unser ständiges „Sich-dumm-stellen“?
    13. „Du – Herr – schenkst das Wollen und das Vollbringen“, beten wir im Hochgebet. Soll uns das nicht bescheiden machen?

    Ein netter österreichischer Bischof hat einmal im Gespräch mit Wall­fahrern darüber geplaudert, dass für ihn das elektrische Licht immer noch ein Wunder sei. Er könne sich nicht vorstellen, wie das Umle­gen des Lichtschalters dazu führe, dass dann letzten Endes die Lampe zu leuchten beginnt.

    Und – seien wir uns ehrlich – für die meisten von uns ist es ja auch nur eine reine Gewohnheitssache. Wenn ich den Schalter umlege, dann leuchtet die Lampe – das ist halt so. Kein Grund, daran zu zweifeln.

    Tausendmal erprobt, immer wieder bewiesen, wenn ich den Schalter umlege, dann leuchtet oder erlischt die Lampe, je nachdem, in welche Richtung ich es tue.

    Schalter = Ursache, Leuchten der Lampe = Wirkung, kein Zweifel.

    Das WEISS ich.

    Aber WARUM ist das Umlegen des Schalters die Ursache für das Erleuchten der Lampe? Kann man das bitte ein bisschen näher erklären? So, dass ich es GLAUBEN kann, nicht nur(!) WISSEN?

    Nun gut, diese nähere Erklärung, diese Zerlegung der Ursachen in Unterursachen und Unterunterursachen vollführt die Naturwissen­schaft.

    Wir wissen also heute, dass der Lichtschalter eine Unterbrechung in der elektrischen Leitung herbeiführt, die von den elektro­magne­ti­schen Wellen nicht passiert werden kann, weil sie dort reflektiert und „zum Kraftwerk zurückgesendet“ werden.

    Sobald man den Schalter umlegt, können sie passieren und bis zur Glüh­birne gelangen, die einen Wellenwiderstand hat, der relativ gut an den Wellenwiderstand der Leitung angepasst ist, sodass ein Groß­teil der Energie absor­biert und nur ein Bruchteil zurückgeschickt wird.

    Wir wissen heute also sehr genau, WIE das Universum funktioniert.
    Natürlich wird jeder vernünftige Naturwissenschaftler zugeben, dass wir vieles noch nicht wissen, aber ist das eigentlich so wichtig?

    Fehlt uns nicht vielmehr die Frage nach dem WAS und nach dem WARUM?

    WAS tun wir hier eigentlich? Geht es wirklich nur um die Arterhal­tung und um die stete Fortsetzung des Lebens auf der Erde?

    Wir haben Megatonnen von Know How. Die Wissenschaft und die Technik haben Exabyte von Handlungsanleitungen für uns.

    WENN Du eine Brücke bauen willst, DANN ……

    WENN Du jemanden umbringen willst, DANN ……

    WENN Du schnell von A nach B kommen willst, DANN ……

    Aber WAS soll ich tun? Was WILL ich tun? Weiss irgendeiner von uns eigentlich, was er wirklich will?

    Jaaaaaa, wir wollen glücklich sein, wir wollen nicht leiden, wir wollen das Leben genießen. Schön soll es sein.

    Natürlich möchte ich nur das GUTE tun, aber was ist gut? Und was ist böse?

    Am Anfang der Messe beten wir:
    Ich bekenne Gott dem Allmächtigen und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.
    Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken.
    Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.
    Darum bitte ich die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria und alle Engel und Heiligen und Euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott unserem Herrn.

    Man muss die Ursache des Leidens in der Sünde erkennen.

    Durch die Sünde entfernen wir uns von Gott – der die Liebe ist – und durch die Gottferne – durch die Lieblosigkeit – sind wir eher geneigt zu sündigen.

    Dadurch machen wir uns gegenseitig das Leben zur lieblosen Hölle.

    Aber ist Sünde schon Schuld?

    Schuld wird man durch die bewusste(!) Missachtung der Gesetze Gottes – also durch bewusstes Sündigen. Durch Unterlassungen – wenn der Engel kommt und wir ihn wegschicken mit den Worten „non fiat“ – und durch Taten, Worte und Werke – je bewusster man es tut und je intelligenter man ist, desto schlimmer wiegt die Schuld.

    Sollen wir also trachten, dass wir dumm werden bzw. bleiben?

    Mitnichten. Jesus hat seinen Jüngern aufgetragen: „Geht hin und lehret alle Völker“.

    Gott will Menschen, mit denen er kommunizieren kann, zwar niemals auf Augenhöhe, aber immer wie mit guten Freunden.

    Dem steht die Sünde entgegen.

  11. Kardinal Novize Igor sagt:

    Das ist jetzt einiges Material!

    zu 3.: Ja, auf jeden Fall! zb. in der Quantenmechanik gibt es mehrere Modelle zb. für die chem. Bindung, die alle gleich richtig sind. Was für die QM gilt, wird wohl für das Leben auch (vielleicht sogar mehr) gelten. Leben ist ja auch „unscharf“.

    Aus Pkt 4.-6. sehe ich, dass du Naturiwssenschaft immer noch nicht von den metaphysischen Aspekten trennst. Man kann zwar das eine (NaWi) als Bild oder Metapher für das andere nehmen, aber es besteht nach wie vor die Gefahr, sich zu verzetteln oder Metaphern überzustrapazieren.

    Ebenso Pkt 7.: Beim Chaos „Leben“ sind ja sowieso alle Modelle überlastet.

    Pkt 8 u 9: Ob diese Menschen für ihr Scheitern selber verantwortlich sind, wird man von Fall zu Fall klären müssen. Auch wenn es nicht klärbar ist: MiK analysieren, ohne zu richten, aber auf Fehler hinweisen, hätte ich gesagt.

    Die meisten machen es freilich umgekehrt: sie richten, analysieren aber nicht….

    11+12: Ja; Sehe ich auch so.

    zu 13.:

    Was ist gut? Hier gibt es, aus meiner Sicht, zwei Zugehensweisen. Die erste: Sehr viel Philosophie machen und lesen, zb. Kant, „Kritik der praktischen Vernunft“, wobei ich nicht glaube, dass solche allgemeinen Rezepte tatsächlich helfen, eher umgekehrt: Man liest es und erbaut sich daran.

    Die zweite: Innenschau, Gewissenserforschung. Hat den Vorteil, dass man das Unlösbare des Guten nicht lösen muss, sondern sich direkt in Beziehung zu Gott und Welt setzt.

    Zur Frage:

    „Aber ist Sünde schon Schuld?“

    Ich hätte die Frage genau umgekehrt gestellt/beantwortet. Es gibt Schuld ohne Sünde: Geld-Schuld, Unfälle etc, wo einer verantwortlich für etwas Schlechtes ist, ohne es gewollt zu haben…..wobei man das wieder von Fall zu Fall betrachten muss. Endgültig richten können wir ohnedies nicht: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“

    Umgekehrt kann die Sünde des schlechten Willens völlig ohne Auswirkung sein, aber dennoch Sünde. In diesem Falle liegt die Schuld bloß in dem bösen Willen oder Absicht.

    Also:

    „Ab wann wird die Schuld zur Sünde?“

    Die Sünde bedarf IMMER der Bewusstheit. Aber wann ist einem etwas „bewusst“?

    LG KNI

  12. Kardinal Novize Igor sagt:

    „Natürlich möchte ich nur das GUTE tun, aber was ist gut? Und was ist böse?“

    Genau da fängt das eigentlich Menschliche an: Wir können die Antwort nicht in Worte fassen, und wissen sie dennoch. Wir kontemplieren, ohne es zu wollen, und das ist gut so.

    Wie können wir aber dieses Wissen vertiefen? Durch Kontaktaufnahme mit Gott. Durch das Lassen des Unwichtigen. Und letztlich ist alles unwichtig…

    LG KNI

  13. Kardinal Novize Igor sagt:

    Ich würde also „Schuld“ definieren als etwas wieder GUT zu Machendes, welches eine Wirkung auf der Welt aufweist (siehe oben); unabhängig vom Willen oder Bewusstheit.

    Sozusagen Schuld = Wirkungs-F von (x0 -x), wobei x0 jener Zustand ist, der ohne ein bestimmtes schuldhaftes (nicht zwangsläufig sündhaftes) Verhalten gewesen wäre, mit Wirkung Fvon(x0);

    x ist das wieder gut zu Machende. (Mit kleinem *ggg*!)

    LG KNI

    PS. F NICHT von (Sünde), möglicherweise x; aber nicht zwangsläufig!

  14. Yeti sagt:

    @KNI: zuerst einmal ein herzliches Dankeschön, dass Du Dir hier auf meinem Blog soviele Gedanken machst. Das ist nicht selbstverständlich.

    Deine Betrachtungen werde ich jetzt erst einmal sickern lassen. Aber sie werden in der einen oder anderen Form das 11. Büchlein beeinflussen.

  15. Yeti sagt:

    Das ist übrigens lustig, dass wir beide die Begriffe „Schuld“ und „Sünde“ so diametral gegensätzlich verspüren.

    Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass jemand in einer sündhaften – also gottfernen – also lieblosen – Umgebung aufwächst und man ihm/ihr deshalb keine persönliche Schuld vorwerfen kann.

    Er/sie lebt nun mal in einer Umgebung – sozusagen auf einer schiefen Ebene – und schon kleine Zeichen der Liebe müssen als große Heldentaten angesehen werden.

    Andererseits könnte jemand in einer heilen – heiligen – Umgebung leben, wo Dir Gott und seine Liebe jeden Tag bewusst gemacht wird – dann kann schon ein unfreundliches Wort eine große persönliche Schuld bedeuten.

    • Kardinal Novize Igor sagt:

      Ja, zugegeben, die beiden Begriffe sind vermischt.

      Interessant zb. dass es heisst: „und vergib uns unsere Schuld“!

      Aber andererseits:

      A : „Wer hat das Glas fallen gelassen!“

      B: „Meine Schuld! Es ist mir versehentlich aus der Hand gerutscht!“

      A: „Na, dann ist es keine Sünde!“

      LG KNI

  16. Yeti sagt:

    Oder mit eínem alten jüdischen Witz

    Was ist der Unterschied zwischen einem Ganew und einem Heiligen?

    Solange der Heilige lebt, weiss er, dass er sündigt.

    Solange der Ganew sündigt, weiss er, dass er lebt.

    🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: