Liebe Leser!
In letzter Zeit hört man immer wieder davon, dass Betrüger mit Hilfe von KI – also künstlicher Intelligenz – die Stimme oder das Aussehen von Menschen in Telefonaten oder Videos imitieren und somit in betrügerischer Absicht missbrauchen.
Nun gut. Das Prinzip ist an sich nichts Neues, aber neu ist, dass diese Sache kostengünstig und im großen Stil angewendet werden kann.
Das ist eine der unangenehmen Seiten des technischen Fortschritts, dass es immer wieder neue Situationen gibt, auf die wir uns neu einrichten müssen.
Da ich mich jedoch lieber mit Philosophie beschäftige, stelle ich mir jetzt aber folgende grundlegende Fragen, die eigentlich zeitlos sind:
- Wie kann ich feststellen, wer „am anderen Ende der Leitung sitzt“?
- Gibt es auch eine „Direktverbindung“ ohne Leitung dazwischen?
- Was ist dieser MITM (man in the middle)?
Ich stelle mir diese Fragen insbesondere, da wir alle schon mit dem Telefon aufgewachsen sind, viele von uns sind sogar mit Computer und Internet aufgewachsen, sodass wir uns der Gesetzmäßigkeiten dieser Einrichtungen gar nicht mehr bewußt sind.
Viel zu sehr sind diese Gesetzmäßigkeiten längst in unserem Unbewussten abgespeichert.
Wer kann sich noch daran erinnern, wie es war als er das Telefonieren gelernt hat? Melde Dich mit Deinem Namen: „Hier Christoph Valentin“, und warte, bis Dein Gegenüber seinen Namen nennt.
Und: achte darauf, dass Du die Stimme kennst. Wenn es ein Fremder ist, dann legst Du am besten gleich wieder auf.
Ja, heute haben wir andere Möglichkeiten (ich weiss nicht, ob die „besser“ sind, aber zumindest sind sie „moderner“): Das Telefonnetz überträgt automatisch die Rufnummer des anrufenden Geräts und mein Handy hat ein Telefonbuch, sodass direkt der Name am Display angezeigt wird, noch bevor ich abhebe.
Dieser Mechanismus prüft natürlich nur, ob am anderen Ende wirklich das gemeinte Gerät verwendet wird, ob jedoch wirklich der entsprechende Mensch am Telefon hängt, das sieht man so auch nicht.
Aber zurück zur Philosophie.
Was ist allen diesen Arten der Authentisierung gemeinsam? WIE stelle ich fest, WER am anderen Ende der Leitung SITZT?
Richtig: allgemein gesprochen, überprüfe ich, ob das Gegenüber – so wie ich es durch die Leitung wahrnehme – bestimmten MUSTERN entspricht, die ich dann mit dieser Person GLEICHSETZE. Ist es die gewohnte Stimme? Kennt es bestimmte Informationen? Das kann so weit führen, dass man ein FAMILIENPASSWORT einführt, das nur den Familienmitgliedern bekannt ist.
Und, was uns bewusst sein muss, eigentlich sind wir ja nur daran interessiert, mit der PERSON zu kommunizieren, mit der PERSON AN SICH, mit ihrer SEELE. Dieses gesamte Drumherum mit Aussehen, Stimme, Gestik, Mimik und ähnlichen Äußerlichkeiten (meinetwegen auch dem Geruch) dient einzig und allein der KOMMUNIKATION ZWEIER SEELEN.
Es gibt Berichte, wonach es Menschen gibt, die die „Aura“ anderer Menschen „sehen“ bzw. „spüren“, wenn diese den Raum betreten. So stellen wir uns die Frage, ob es in den „untersten Schichten des Universums“ (die man bekanntlich auch als die „obersten Schichten“ betrachten kann) nicht so etwas wie eine „Direktverbindung der Seelen“ gibt, die sich keiner Äußerlichkeiten bedienen muss, die direkt „von Mensch zu Mensch“, von „Geschöpf zu Geschöpf“ funktioniert.
Was haben aber alle diese Gedanken – so nett sie auch sein mögen – mit dem Zentrum unserer Existenz zu tun? Mit Gott?
Warum habe ich mir die Frage nach der Authentizität des Gegenüber gestellt?
Warum frage ich nach der „Direktverbindung“?
Nun, tatsächlich lehrt uns auch unser Schulwissen, dass es eigentlich zwei Arten gibt, wie Gott mit uns in Kontakt tritt, wie er sich „offenbart“.
Erstens entdecken wir die Spuren Gottes in der Schöpfung. Das ist sozusagen die „natürliche“ Offenbarung, die uns allen offen steht.
Um bei unserem Bild von der Telefonleitung zu bleiben:
Hier ist sozusagen das Universum die „Telefonleitung zu Gott“, und in diesem „Telefonat“ (in unserem Leben) nützen wir die Zeit, die uns gegeben ist, um das „Muster Gottes“ am „anderen Ende des Universums“ zu entdecken.
Um IHN als das WAHRE GEGENÜBER zu identifizieren.
Unser Leben, alles, was uns in diesem Universum widerfährt, und alles, was wir diesem Universum antun, kann mithin als Gespräch mit Gott aufgefasst werden, der am „anderen Ende der Leitung sitzt“.
Doch es gibt auch einen anderen Weg.
Diesen anderen Weg haben die Mystiker beschrieben, die Gott nicht „außen“ suchten, sondern „innen“.
So, wie man sich vorstellen kann, dass Gott bei jedem Menschen anklopft, und um Einlass in dessen Herz sucht, so kann man sich denken, dass ein Mensch sich in sein Herz zurückzieht und Gott die Türe öffnet.
Solch übernatürliche Erfahrungen sind wohl recht selten, aber auch die „natürliche“ Offenbarung Gottes durch das Universum und durch die Kirche reicht einem gläubigen Menschen.
Gerade das Christentum ist eine Religion, die die Äußerlichkeiten nicht verachtet. Nach unserem Glauben war es Gott, der gesehen hat, dass die gelegentliche INDIREKTE Offenbarung durch die Propheten nicht ausgereicht hat, sondern er hat sich in seinem Sohn entäußert und ist Mensch geworden, damit er DIREKT mit uns reden kann.
So hat er in einer konkreten Gegend der Erde, in einem konkreten Zeitraum seine eigene Seele den Äußerlichkeiten ausgesetzt, um mit uns zu kommunizieren, so wie wir es gewohnt sind.
Er hat Gleichnisse aus dem Wirtschaftsleben verwendet (er war ja der „Sohn des Zimmermanns“), um uns unsere Beziehung zu Gott wieder neu zu erklären, sodass wir sie neu entdecken können. DIREKT und UNGESCHMINKT.
Er war der Sohn einer MUTTER, und er hat letzten Endes auch den TOD erlitten.
Und die AUFERSTEHUNG.
Meint
Euer Christoph