Vom Fell des Bären

Liebe Leser!

In letzter Zeit habe ich mir ja einige Gedanken gemacht, die unserem Glauben an den „lieben Gott“ doch einigermaßen entgegen stehen.

Also wollte ich diesen Beitrag mit „Vom Säen und vom Ernten“ betiteln, und mit einem Zitat aus dem Matthäus Evangelium beginnen,

  • Mt 25,26 Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.
  • Mt 25,27 Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

Wie ist das jetzt?

Ist der „liebe Gott“ wirklich der „liebe Gott“, oder ist er ein gestrenger, gerechter Herr, vor dem man Angst haben muss?

Nun gut, wie üblich drücke ich mich vor einer Antwort und beginne lieber, über das „Fell des Bären“ zu philosophieren. Da gibt es doch das Sprichwort vom „Fell des Bären“, das man erst „verteilen kann, wenn der Bär erlegt ist“.

Und tatsächlich ist unsere Wirschaft eher eine „Wirtschaft von Fellverteilern“, und eigentlich keine „Wirtschaft von Bärenerlegern“.

Wir wären alle gerne „Leistungsträger“, die die erbrachte Leistung also nur mehr von A nach B transportieren – von der Produktion zum Kunden – also „Händler“, die im Vertrieb sitzen, oder im höheren Management. Alle diese gut bezahlten Jobs also, die „das Fell des Bären verteilen“.

Was wir gar nicht so gerne haben, das sind diese „Leistungserbringer“, die in der Produktion „sitzen“ – im R&D – und die Leistung tatsächlich erbringen, die kreativen Köpfe, die Arbeiter, Angestellten, Buchhalter, Ingenieure, Putzfachkräfte, das mittlere Management, und alle, die in irgendeiner Form daran beteiligt sind, „den Bären zu erlegen“.

In unserer Wirtschaft sind die erfolgreichsten Firmen jene, die gar keine Leistung im eigentlichen Sinn mehr „erbringen“, sondern nur mehr Leistungen „vermitteln“. Die Fahrradboten sind z.B. meist schon prekäre Scheinselbstständige, und die lieferando, foodora und wie sie alle heissen, nehmen nur mehr die Aufträge entgegen und vermitteln sie an die externen Lieferanten (gegen eine geschmalzene Provision), die auf eigenes Risiko fahren müssen.

Positiv sticht zum Beispiel die Firma alfies hervor, die eigene Lager betreibt und auch eigene Lieferfahrzeuge besitzt. Das ist noch Realwirtschaft mit Risiko und Leistungserbringung, wo man sich gerne beliefern lässt. Da wird noch realer Mehrwert produziert und nicht nur shareholder value.

Und wie ist das jetzt mit Gott und mit dem „Säen und Ernten“?

Ich bin jetzt schon 56, fast 57, und manchmal würde ich mir wünschen, dass in meinem Leben endlich die „Zeit der Ernte“ anbricht. Gesät – investiert – habe ich wahrlich genug.

Aber das ist halt so.

Auf meinem Kontostand ist von einer „Zeit der Ernte“ noch nichts zu sehen.

Aber manchmal – ganz selten – bekommt man so ein leises Feed Back, dass der liebe Gott alle diese Bemühungen in seiner Ernte berücksichtigt hat. Denn ER ist es, der erntet. Wir säen ein ganzes Leben lang und sehen nichts vom Ergebnis. Und wir können nur hoffen.

Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Meint

Euer Christoph

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