Liebe Leser,
Nun habe ich mich entrüstet über das sogenannte „Leistungslose Einkommen“, also über das Einkommen, das man ohne eigentliche Arbeitsleistung erzielen kann.
Leistungsloses Einkommen – was ist das?
Meine ich damit die Arbeitslosen?
Oder die Bezieher der Mindestsicherung?
Mitnichten!
Denn das Geld, das Arbeitslose bekommen, entstammt ja der Arbeitslosenversicherung, die bekanntlich durch Arbeitsleistung finanziert wird. Oder der Steuerleistung, die ja auch hauptsächlich durch Lohn- und Umsatzsteuer finanziert wird, also durch Arbeitsleistung.
Nein, ich meine das Einkommen, das man erzielt, indem man Vermögen, das man eigentlich nicht braucht, vermietet, verpachtet oder sonstwie gegen Entgelt verborgt.
Also jenes Einkommen, das Vermögende einfach dadurch erzielen, dass sie vermögend SIND und dass sie Vermögen HABEN.
Ich meine also ein Einkommen, dass man erzielt, weil man etwas IST oder HAT, nicht jenes Einkommen, das man erzielt, weil man etwas TUT.
Was ist Leistung?
Na gut, aber wann bezeichnen wir dann etwas, das wir TUN, als eine LEISTUNG? Welches Tun ist eine große Leistung und welches Tun ist nur eine kleine?
Wenn man in Süditalien Kühlschränke herstellt und betreibt, dann ist das zweifellos eine Leistung. Aber unser Gefühl sagt es uns, dass es eine GRÖSZERE Leistung sein muss, wenn man Kühlschränke nördlich des Polarkreises herstellt und verkauft.
Mitnichten!
Nördlich des Polarkreises werden die Menschen kaum etwas bezahlen für einen Kühlschrank, während sie in Süditalien bereit sein werden, einen erklecklichen Teil ihres Einkommens für einen Kühlschrank aufzubringen.
Die Wirtschaftstheorie hat also einen anderen Leistungsbegriff als die Physik.
Das, was die Physik glorios als Leistung bezeichnen würde, wird in der Wirtschaft unter dem Begriff „Kosten“ eher gering geschätzt. Nein, in der Wirtschaftstheorie muss man zusätzlich die Gesetze von Angebot und Nachfrage berücksichtigen, sodass dort als Leistung etwas nur dann gilt, wenn es auch NACHGEFRAGT wird.
Wenn tausende Programmierer mühselig einen Roboter in C++ programmieren, sodass er wirklich ressourceneffizient arbeitet, wenn aber diese Ressourcen spottbillig sind, sodass der Kunde mit einem billigen Python-Roboter aus der Hand von 50 Programmierern zufrieden ist, der halt mehr Strom braucht (na und?), dann ist der C++ Roboter eindeutig eine Themenverfehlung.
Der billige Python Roboter leistet in diesem Beispiel mehr als der ausgefuchste C++ Roboter, weil er den Erfordernissen des Kunden besser gerecht wird.
Die Leistungs-Ideologie von der Machbarkeit
Wir haben gesehen, dass wir im alltäglichen Sprachgebrauch unter einer Leistung etwas verstehen, das wir TUN.
Etwas, das wir SIND oder HABEN, würden wir gefühlsmäßig nicht als Leistung bezeichnen.
Ist es eine Leistung, dass ich das Kind meiner Eltern bin?
Ist es eine Leistung, dass ich in Österreich geboren bin?
Ist es eine Leistung, dass ich ohne Erbkrankheiten geboren bin?
Ist es eine Leistung, dass ich in meinem Leben so viele positve Bekanntschaften gemacht habe, die mich weitergebracht haben?
Wir sehen, die wichtigsten aller Faktoren, die meinen Werdegang beeinflussen, sind KEINE EIGENE LEISTUNG.
Trotzdem gibt es kaum einen Kinofilm und kaum ein Buch, in dem wir nicht DURCH LEISTUNG ERLÖST werden. In „Stirb langsam“ leistet Bruce Willis 90 Minuten lang Überirdisches, um zum Schluss ein Happy End HERVORZUBRINGEN.
Nicht einmal den Herrn Jesus Christus haben wir mit unserer Leistungsideologie verschont. Er musste mühsam das Kreuz tragen, sonst hätten wir ihm die Erlösung nicht geglaubt.
Fast möchte man sagen, die Wirtschaftstheorie ist hier menschlicher als unsere Leistungsideologie. Denn in der Wirtschaft zählt alles als Leistung, das einen Umsatz erzeugt. Alles, was ich HABE, BIN und TUE, gilt als Leistung, wenn ich es nur verkaufen bzw. vermieten kann.
Und wenn ich mit 75 Jahren nichts mehr TUE, aber soviel HABE, dass ich von der Miete leben kann, wohlan, warum nicht?
Meint
Euer Christoph
Nicht WIR haben Christus dem Leiden unterworfen, sondern Er tat aus eigenem freien Willen. (Siehe Hochgebet). Im übrigen scheint mir die Erlösung recht eng interpretiert zu sein, wenn Er das Kreuz nur deshalb getragen haben sollte, „damit wir ihm glauben.“ Die Anwendung bloß propagandistischer sozusagen „marketingtechnischer“ Kategorien auf die Erlösungstat erinnert ein bissl an diese 90iger Jahre Trash-Ratgeberliteratur wie zb. „Jesus als Manager“. Man muss aufpassen, dass man den Herrn nicht für niedrige Zwecke instrumentalisiert.
LG KNI
Na gut, aber dass Deine Argumente hier nur sehr wenig mit meinem Text zu tun haben, das ist Dir schon klar?
Eh. Ich hab dir schon öfters gesagt, dass mich dieses Wirtschafts-Zeug nicht sonderlich interessiert.
Also kommentiere ich nur das Theologische.
LG KNI
Ich habe aber nicht geschrieben, dass Christus sich dem Leiden unterworfen hat, NUR um uns von der Erlösung zu überzeugen.
Ich habe nur geschrieben, DASS er es getan hat, UM uns zu überzeugen.
Natürlich war sein Leiden AUCH ein Opfer, um den Vater zu versöhnen.
Aber dazu hätte ein viel „kleineres“ Opfer schon genügt, denn Christi Opfer ist dem Vater gegenüber unendlich viel wert, ganz egal, wie „gross“ es ist.
Ad „nur“: OK, bin ich einverstanden.
Allerdings bin ich doch überzeugt, dass das Leidensopfer genau so groß war, wie es eben sein sollte. Da vertraue ich schon dem Herrn, dass Er es richtig gemacht hat.
Es gibt da nämlich noch einen Aspekt: Nämlich den schmerzensreichen Rosenkranz. An diesem sieht man, dass Christus alle Aspekte des Leidens abgedeckt hat. Darüber werd ich einmal schreiben.
LG KNI
[…] und habe mich über das leistungslose Einkommen echauffiert (siehe den vorletzten Artikel https://letztersein.com/2023/10/31/was-ist-leistung/) und ich habe mir dann vorgenommen, ernsthaft meine Einstellung zu Vermögenssteuern zu überdenken […]
[…] https://letztersein.com/2023/10/31/was-ist-leistung/ […]